: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Freitag, 20. August 2004

Note to Princess A.

Ich sehe es, wenn Du da bist.

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Lange nach dem Krieg

Im Jahr 2000 und 2001 gab es einen hässlichen und mit allen Mitteln ausgetragenen Konflikt zwischen mir und einer Allianz, in der Mitarbeiter einer öffentlichen Institution, einer privat finanzierten Tochter und ein externes Startup versuchten, aus einem non-profit-Projekt einen Goldesel zu machen. Das Startup hatte grosse Pläne mit dem Projekt, als Plattform zur Selbstdarstellung und gleichzeitig als Contentlieferant. Auf der anderen Seite standen ein paar wenige Leute, ein Gewerkschaftler, zwei Teilhaber am Projekt, meine Person und eine Anwaltskanzlei, die es in sich hatte. Die Gegenseite wusste zwar in groben Zügen, wer ich war und was ich damals getan habe, aber sie haben es unterschätzt.

Es wurde eine sehr bittere Schlacht; bitter vor allem deshalb, weil sie vollkommen überflüssig war. Damals war absehbar, dass die Weltherrschaftsträume des Startups unrealistisch waren. Die formaljuristisch übermächtigen Verflechtungen der Gegenseite konnten nicht verhindern, dass ich gezielt interne Informationen sammelte, und die Schäbigkeit des Business Plans den eventuell Einsichtigen der Allianz dargelegt habe. Aber die Gier und die Dummheit waren stärker als jeder Nachweis, dass das Startup keinerlei Basis für sein geplantes Geschäft hatte. Das Internet, da waren sie sich sicher, werde alle anderen Medien und Geschäftsmodelle in wenigen Jahren vernichtet haben.

Neben den üblichen juristischen Kniffen ging ich dann anders vor - ich gab gewissen Leute gewisse Hinweise, dass man sich Geschäftsbeziehungen mit dem Startup gut überlegen sollte. Die Firma, auf die das Startup seine Hoffnungen im Vertrieb setzt, ging schnell pleite. Den Rest besorgte die drohende Veröffentlichung einiger Vorgänge innerhalb des Startups, was die gegnerische Koalition zum Einsturz brachte.

Der Krieg ging mit einem Kompromiss zu Ende, der die andere Seite das Gesicht wahren liess. Sie wurden nicht unbedingt klüger; die unbelehrbare Elite-Absolventin, die das ganze geplant hatte, versuchte sich nach dem erzwungenen Ende der Allianz im Bereich Charity Aktionen. Das ging aufgrund von grössenwahnsinnigen Dimensionen so gründlich schief, dass sie und der im Kern Verantwortliche ihren Hut nehmen mussten, um die Verantwortlichen in der öffentlichen Institution dahinter zu schützen. Man kann, und das war die Lehre aus der Geschichte, ein erfolgreiches Projekt nach jahrelanger Arbeit mit einer einzigen Marketing-Aktion an den Abgrund bringen.

Die Elite-Absolventin wurde schwanger und heiratete, und ihr Chef ... keine Ahnung, vergessen, uninteressant, vorbei, bis gestern, als eine Mail kam. Inzwischen ist er selbstständig und hat einen kleinen Papierladen in der tiefsten Provinz übernommen, wo er Kugelschreiber, Büromaterial und die Bildzeitung verkauft.

Und ich? Nichts, eigentlich. Keine Genugtuung, kein Mitleid, nur ein Gefühl der Leere. Die New Economy hat wie eine Bombe Lebensentwürfe zertrümmert, so viele meiner früheren Gegner sind durch ihr eigenes Versagen für die nächsten Jahre, vielleicht sogar für ihr Leben ausser Gefecht. Was sie von 1998 bis 2002 gemacht haben, im grossen, geplanten Vernichtungskrieg der New Economy, wird noch lang an ihnen kleben. Die alte Wirtschaft kennt keine Entversagerisierung. Höchstens Zwangsarbeit ganz unten in den Strukturen.

Also, Ladenbesitzer in der Provinz... Ruhe in Frieden, das ist alles, was mir dazu einfällt.

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Donnerstag, 5. August 2004

Aus der beliebten Serie

"Autorenbilder, bei denen der Verlag schneller Nein sagt, als eine Praktikantin mit Caipi-Overdose beim Chefredakteur auf dem Schoss sitzt".



Don auf Grab im Wald/5.8.04/Rothenberg/Mittelfranken

100 Meter oberhalb von hier ist übrigens eine Investitionsruine des 18. Jahrhunderts, die es in Sachen Katastrophe locker mit den Immobilienfonds aus Berlin aufnehmen kann: Viel zu teuer gekauft, Altbau einfach weggerissen, Neubau zu schnell hingeklotzt und unzureichend fundamentiert, nach kürzester Zeit Einstürze in zentralen Bereichen, dann noch die falsche Standortwahl, und nach kurzer Zeit war das Ding veraltet und nur noch als Knast brauchbar.

Klingt nach New Economy, ist aber nur eine churbayerische Festung. Und 1083 Menschen waren am Ende tot, und wurden hier auf ein paar Quadratmetern im Wald verscharrt.

Trotz allem: Es gibt Stiche des späten 18. Jahrhunderts, auf denen zierliche, junge, der gesellschaftlichen Elite zugehörende Damen mit Sonnenschirm im Graben vor der Festung spazieren gehen und dabei scheinbar nette, gepflegte Convrsation machen.

Man darf nie glauben, dass sich je irgendwas ändert.

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Montag, 26. Juli 2004

Ich soll das geschrieben haben?

Dieses blutrot triefende Ding, das mir der Verlag mit den Worten "Viel Spass" in die Hände drückte?



Das sind insgesamt, grob überschlagen, irgendwas zwischen 600 und 1000 Fehler, die rot angestrichen wurden und jetztals Korrekturen freigegeben werden müssen. Bis Mittwoch Mittag. Dann ist Abgabe im Verlag. Und ab Sonntag ist es im Druck. Dann ist alles zu spät.

2 Tage bleiben also. 2 Tage. In 2 Tagen gehen Firmenimperien zugrunde, Kriege werden entschieden, Rossini hat in zwei Tagen Opern und Thomas Mann im gleichen Zeitraum 5 Zeilen geschrieben, in 2 Tagen werden Lieben gelebt und scheitern...

Aber all das wird keine Rolle spielen, denn ich werde in einer Parallelwelt sein, auf den Pfaden zwischen Bett, Balkon und dem Schreibtisch in der Nacht, es wird still sein und leer. Und es wird genug Zeit sein, manches Wort zu bereuen, aber jetzt darf kaum mehr was geändert werden.

2 Tage. Und ich sollte eigentlich schon jetzt an den Fahnen sitzen und endlich loskorrigieren, den Tee in der einen und den grünen Stift in der anderen Hand.

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Mittwoch, 21. Juli 2004

Würden Sie diesem Herrn

ein Landungsboot abkaufen? Einen Spähpanzer tschechischer Produktion? Einen leicht gebrauchten F-84G Jagdbomber? Eine mobile Raketenabschussanlage Modell "Stalinorgel"?



Nein? Sie haben kein Herz...

Aber egal - solange die Medien das Bild als Autorenphoto nehmen, und glauben, dass es der böse Don ist, der mal wieder was böses, niederträchtiges über seine Kollegen schreibt.

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Dienstag, 20. Juli 2004

Ich in 2 Sätzen für den Klappentext

irgendwo zwischen Demut und Grössenwahn.

Don Alphonso lehrte als Informant der Kultwebsite dotcomtod.com den Vorständen der deutschen Internetwirtschaft jahrelang das Fürchten. Mit dem Dotcom-Schlüsselroman "Liquide" (Schwarzkopf & Schwarzkopf 2003) hat er dem Untergang der New Economy ein literarisches Denkmal gesetzt.

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Montag, 19. Juli 2004

Wegen Blogbuch

und dringenden Arbeiten daran vorläufig geschlossen (bis heute ca. 20 Uhr)

*

wenn alles gut geht, natürlich...

*man beachte den kleinen grünen Kaktus, der draussen am Balkon steht, holleri, holleri, hollero.

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Mittwoch, 14. Juli 2004

Wege zum Ruhm ;-)

Ich habe das hier eines Nachts in der Provinz runtergeschrieben, in weniger als einer halben Stunde, und es war mir fast zu peinlich, es zu bringen.

Inzwischen hat es aber dank ITW eine gewisse Verbreitung gefunden, wird zitiert, verbreitet sich, manchmal auch ohne Link - fast so was wie ein Volkslied.

Vielleicht sollten wir im Buch vielleicht doch eine Seite dafür freiräumen.

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Donnerstag, 8. Juli 2004

Ohne Schlaf

Da sind sofort wieder diese Bilder. Die kaputten Strassen. Die türkischen Kids in den Surf Stations, wo sie ihr Geld verplempern, und draussen steht ein Mädchen auf Droge und wartet auf das Nichts. Später, nach Sonnenuntergang, kommt ein Notarzt, aber nicht wegen ihr. Eine Bekannte ruft an und erzählt, dass ihr Arbeitgeber nicht zahlt und auch nicht vorhat, zu zahlen. Im Briefkasten sind 10 Zentimeter glänzendes Prospektmaterial von Verlagen, die ihre Autoren ausbeuten. Und ein Promo-Prospekt einer Organisation, die kaum jemand kennt, aber ein erstklassiges Netzwerk hat, zu dem sie mich auch zählen durften, bis ich das Heft durchblättere und die Kotzfresse eines betrügerischen Young Leader Startuppers sehe, neben einem alten Schmiergeldempfänger.



Es ist Vollmond, alle Pflichten des Tages sind abgearbeitet, aber ich kann nicht schlafen. Es ist eine Nacht, in der etwas geschehen mus, so atemlos böse starren die Fassaden in die Finsternis, da ist etwas, das schief läuft, unterhalb der Wahrnehmungsgrenze, es hat mit diesem Moloch zu tun, der wärmer geworden ist und voller Fliegen.

Selbst der Nachtwind riecht faulig. Vielleicht sind es auch nur zu viele Eindrücke, zu viele Orte in den letzten Tagen. Die Nerven. Tee hilft etwas. Aber schlafen kann ich für heute Nacht vergessen.

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Sonntag, 27. Juni 2004

Erstens kommt es anders.

Es ist immer das gleiche, ob Blogeintrag, Artikel bei Dotcomtod oder bei Liquide: Am Anfang denke ich, das wird nie für einen richtigen Text reichen. Es ist so ein Berg von Text, der da aufzuschichten ist, das wird nie gehen.

Und am Ende muss ich dann kürzen, damit es überhaupt noch lesbar ist. 60 Seiten wurden bei Liquide abgespeckt - zum Glück aber keine Sexszene. Bei Blogs! dachten wir, wir müssen es irgendwie schaffen 250 übergrosse Seiten zu füllen. Jetzt sind es rund 350, und wir haben schon erheblich rumgeschoben, zusammengestaucht und gekürzt. 450 wären kein Problem gewesen, die 350 sind fast schon Kunst.

Mein nächstes Buch ist mit 200 Seiten angekündigt. Das kann ja heiter werden. Und hier wollte ich 1 Absatz schreiben, aber wie das bei Tucholsky so schön heisst: Ich laufe aus. Und weiche ab.

Schluss jetzt. Aus. Echt, unmöglich...

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