: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Freitag, 3. November 2006

Buahahahaha!

Ingesamt wird der Unternehmen jetzt bereits mit 130 Mio Euro bewertet. Sevenload, erst im April dieses Jahres gegründet, peilt nach Zahlen von Unternehmensinsidern 2008 rund 30 Mio. Euro Umsatz und einen Gewinn vor Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von rund 10 Mio. an. - meint die FTD (https://www.ftd.de/technik/128021.html?zid=90893), dass es kommen würde, habe ich schon früher gesagt.

Und dafür macht man jetzt tolle Auslandsexpanionen in andere Länder, wo es andere gibt, die sich auch entsprechend bewerten und Expansionen nach Deutschland planen, kauft vielleicht noch den ein oder andere Mitbewerber auf, den man 2008 nach Ebitda dann wertberichtigen und abschreiben muss - oder eben die arme Sau von vollbrunzverblödetem Medienunternehmer, der das Ding aus Panik vor dem kommenden Web gekauft hat. Mich würde mal interessieren, welche PR-Agentur der FTD solche "Insider" vor die Nase stellt - aber bei der FTD kann man sowas ja locker machen.

2008 wird ein geiles Jahr für Boocompany.

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Industriespionage2.0

Früher war es schwierig, in Konzernstrukturen einzudringen. Wenn ich keinen internen Kontakt hatte, blieb nur die Anruferei bei der PR und eine sehr komplexe Fragestellung, die möglichst viele Bereiche des Unternehmens umfasste. Eher selten mal gelang auch ein direkter Angriff über die Führungsebene, indem ich zufällig am gleichen Ort war und mit denen ins Gespräch kam. Es gehört eine Menge Dreistigkeit dazu, irgendwo aufzulaufen und eine Story zu erzählen, von der ein paar andere im Saal schon schmerzhaft erfahren mussten, dass sie nicht stimmt.

Kenntnis der Struktur hilft weiter, denn dadurch werden Schwachpunkte offensichtlich. Es gab immer einen, der auf dem Absprung war, beim Dienstporsche übergangen wurde und empfänglich für Gelegenheiten war, zu einer anderen Firma zu wechseln. Das sind so die Folgen, wenn man das Wort Betriebsgeheimnis durch einen Haufen NDAs ersetzt, an die sich alle so halten wie an die AGBs eines Microsoftprogramms. Das problem in diesem Bereich sind aber die formal flachen Hierarchien, in deren Folge das Wissen nirgendwo konzentriert ist oder sich je nach Abteilung in einen relativen Begriff wandelt. Startups sind wie der Pudding, den man an die Wand nageln will, eine unstrukturierte Masse, ein Urschleim, der es meistens nie schafft, sich davon wegzuentwickeln und laufend urbane Penner ausscheidet, die alles verraten würden und doch nichts wissen. Schon gar nicht, wann sich wer mit wem getroffen hat, wer wen kennt und wer letztlich das sagen hat. Klassisches Beispiel: Wenn VCs einem Unternehmen nicht mehr trauen, wechselt die Betreuung. Dann kommt ein neuer Mann mit, oder es laufen mehrere Berater mit auf. Um so etwas von aussen zu erkennen, müsste man auch den VC angraben - und das ist wirklich schwierig.

Heute ist das alles anders. Man findet immer einen bei Youtube. Und der hat Buddies. An deren Filme erkennt man schnell, dass die im gleichen Gebäude sind. Darunter steht das Datum des Films. Die gleichen Tags werden auch bei Flickr verwendet, und die Sets teilen mit, von welchem Ereignis sie stammen. Technorati ist für aktuelle Ereignisse der letzte Dreck, aber zum Abgleichen offizieller Informationen wirklich eine rundum dufte Sache. Die unbekannten Leute findet man über die OpenBC-Kontakte heraus, dann schaut man durch, wo die früher waren, wann sie eingestiegen sind, und bekommt so ein sehr präzises Bild von der Personalpolitik der Firma, ihren Bedürfnissen, den Wachstumsschritten, den Überfliegern und den Versagern, die nicht voran kommen. Die ruft man dann an.

Die Feindbeobachtung, die man früher mit einem Dreierteam in einer Woche mit komplexen Workflow Management vor Ort gemacht hat, schaffe ich heute allein in zwei Tagen, ohne dort sein zu müssen. Es wird gefilmt, kommuniziert und hochgeladen ohne Ende, jeder ist dabei, der Prakti wie der COO, man sieht Flipcharts im Hintergrund und Adressen unter den Kaffeepötten, man kennt die befreundeten Firmen und weiss, zu welcher Uhrzeit welcher Investor welche Mitarbeiter gesprochen hat, man kennt den Ort der Schlüssel und eigentlich könnte man dank Plazes auch noch festlegen, wann bei welchem Mitarbeiter daheim der Einbruch günstig wäre - den Weg zum Rechner, von dem man dank hochgeladener Screenshots und der Tabreiter weiss, dass er dort für die Firma arbeitet, kennt man ja auch dank Flickr.

So ist das, dank Web2.0. Was wird nur aus der angekoksten PR-Frau, die ihren Job der Libido des CMO verdankte und die unter Prosecco alles erzählte - aus Sicht der Industriespionage ist ihr Job überflüssig und kann von mir aus gestrichen werden.

P.S.: Ehssan, es fällt wirklich auf, wenn Dein halber Laden hier über Google einfällt.

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