: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Dienstag, 31. Oktober 2006

Gewissensfrage am 31.10.

Ich habe eine Aversion gegen Supermärkte. Die langen Regale, die dummpraktische Einrichtung, das hässliche Neonlicht, das auch das schönste Gesicht teigig schimmern lässt, das Anstehen und schliesslich diese Menschen, all das ist für mich der Horror, besonders dann am Ende die unpersönliche Abfertigung an der Kasse. Soweit es sich vermeiden lässt, gehe ich nicht in Supermärkte. Und das meiste bekomme ich auf dem Markt, wo nette Menschen mein doch eher zurückhaltendes, konfliktscheues Temperament mit warmen Worten päppeln.

Nur Bratfett, das bekomme ich dort nicht. 5 Liter bräuchte ich, kein Olivenöl, nein, Bratfett muss es sein, billiges Bratfett, in schimmerndes Alupapier eingewickelt, geschmacksneutral oder höchstens ranzlig. Ich vertrödelte den Nachmittag, ich sass unentschlossen in der Ecke, ich floh mich in Ausweichbeschäftigungen wie dem Einrahmen von alten englischen Kupferstichen von gotischen Abteiruinen, ich tröstete meine Seele mit dem Betrachten schöner Bilder der späten Romanik, in meiner Verzweiflung überspielte ich dann auch die Photos von St. Zeno auf den Rechner, diesem Märtyrer mit den schlimmen Qualen aus Verona, und alles nur, um nicht in den Supermarkt zu müssen. Ich machte mich gar auf den Weg, aber auf halber Strecke kam mir eine Elitesse entgegen, aus ein paar wenigen gewechselten Worten entsprang ein längeres Gespräch über den Studienbeginn und tausend andere Themen, und ihr belangloses Reden rettete mich vor dem Gang in die Vorhölle des Supermarkts, in den hell erleuchtenden Schlund zur Marterung meiner nervös gereizten Sinne, der endgültigen Beleidigung meiner sensiblen Seele. Kein Bratfett also.

Und das ist nun der Grund, warum ich hier sitze, zusammengesunken über dem Rechner, kein Bratfett habe und es auch nicht erhitzen kann, um es dann kochend aus dem Fenster auf die GOTTVERFLUCHTEN DRECKSBLAGEN zu kippen, diese stinkenden kleinen Halloween-Monster, die der europäischen Kultur, der Wurzel meiner Feinsinnigkeit klingelnd und fordernd eine derartige Beleidigung antun, die ich angemessen nur mit dem Bratfett beantworten kann, das zu erwerben mir aber meine feinen Sinne und mein zartes Gemüt verweigerten.

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Hallo Südeutsche Zeitung!

Ja, das mit den Blogs war nicht so gut. Ich verstehe, dass Ihr frustriert seid. Aber deshalb die Onlineleute feuern die Redaktion optimieren und das Ganze in Tschechien hochziehen, na, ich weiss nicht. Schon hart, irgendwie, wenn ich an all die jungen Leute denke, die später mal Jobs wollen. Es stimmt natürlich, zum Pressemitteilungen Umschreiben kann man auch chinesische Akademiker einkaufen. Die sind noch billiger als Tschechen. Und garantiert linientreu.

Hm. Wenn schon die Süddeutsche sowas plant, wer zieht dann nach? Die Freuden der Globalisierung kommen auch zu uns Journalisten. (mehr bei Ben Schwan, und nachher schreibe ich auch mal was Nettes über Asien)

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Krisenszenarien für Profiteure

für Qype, StudiVZ und OpenBC sind an der Blogbar zu betrachten.

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