: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Freitag, 6. April 2018

Kharma und Einsicht

Das ist ein Kuota Kharma mit Vollaluminium-Chorus von Campagnolo. Es gehörten einem Rentner aus dem Fränkischen, der dachte, er käme mit einer 3-fach-Kürbel noch die Berge seiner Jugend hinauf.



Nun, er hat sich geirrt, und nach ein paar Jahren eingesehen, dass es keinen Sinn mehr macht. Es kam sehr unrennmässig bei mir an, ein bequemer Sattel und ein sehr hoher Vorbau waren nicht wirklich eine Zierde. Mir passt es, ich kann es so fahren. Ich brauche hier auch noch nicht das kleinste Kettenblatt - das kommt noch im Sommer in den Bergen.



Ich bin gerade viel unterwegs und gut beschäftigt: Bei der Welt geht der Beitrag auf 800 Kommentare hoch und momentan planen wir einen Umbau der viel zu grossen Kamine, weil die Niedrigtemperaturheizanlage zu wenig Abwärme produziert, und die Kamine deshalb zu feucht werden - ein Hoch auf den Fortschritt des Naturschutzes, kostet fast nichts, nur ungefähr die Hälfte des Originalpreises des Kuota. Oder 2,5 Monatsmieten. Über so etwas spricht kein Politiker, wenn es um Mietpreisbremsen geht. Daran habe ich mich inzwischen aber gewöhnt, wie auch an die kurz durch mein Internet geisternde Ansage eines Mitautors des Blogs-Buches an meinen Arbeitgeber, er agiere bei der Anheuerung wie wie Frundsberg und das sei keine gute Idee - verklausuliert eine Aufforderung, mich gleich wieder zu feuern. Als Twitterthread, nonmention natürlich, wie man das heute so macht. Braucht ja nicht jeder merken, Mut ist überbewertet und so allgmein gesprochen wäre es natürlich nur, wenn ich die betreffende Person direkt darauf ansprechen würde. So ist das in diesem Internet. Kleine versuchte Existenzvernichtungen früherer Bekannter in 280 Zeichen. Man will sich nicht die Hände schmutzig machen, nur gute Ratschläge geben. Naja.

Die Sache ist - und ich glaube, das werden all diejenigen schnell begreifen, die sich im Netz Hoffnung machten, die FAZ könnte jetzt Platz für neue Ideen haben - dass wir tatsächlich in kriegerischen Zeiten leben, und neben den charakterlichen Meuchelmördern, siehe oben, braucht man auch bei den Truppen eine gewisse Berechenbarkeit, wenn wir hier schon über das Söldnerwesen reden wollen. Ein Schwert in die Hand nehmen kann jeder, so wie jeder auch bloggen kann, aber damit umgehen können ist eine Kunst. Das ist eine der härteren Lektionen aus den letzten Jahren, die manche Verlage lernen mussten: Man kann nicht einfach einen Redakteur an ein Blog setzen und denken, das wird dann schon. Es gab viele Versuche, und wenige waren dauerhaft erfolgreich und zuverlässig in ihren Leistungen. Die beste Söldnertruppe bringt nichts, wenn sie sich nicht einfügt, und ich habe selbst oft genug erlebt, wie manche sagten: Ah. endlich, die FAZ hat mich erwählt, jetzt bringt den Wein und die Tänzerinnen! Ich meine damit nicht nur die bekannten "kurzen Karrieren". sondern auch meine eigenen Fehler.



Ich habe selbst Leute angesprochen, die gut schreiben können, und denen erklärt, dass der Beitrag nur die Hälfte ist, und man danach zwei Tage an den Kommentaren sitzt. Mit dem Ergebnis, dass die die Kommentare ignorierten und bei Twitter maulten, wie blöd da die Kommentare sind, die sie bearbeiten sollen. So geht das halt nicht, man kann nicht bei einem Medium arbeiten und dann die Kernleserschaft diffamieren, indem man draussen bei Twitter oder - in einem Fall eines anderen Blogs - an der Uni die eigene moralische Überlegenheit darstellt. Wenn man sich damit auseinander setzen will, muss man das in den Kommentaren machen. Das ist Arbeit, das ist manchmal eine ziemliche Balgerei, aber wer das nicht macht, ist da einfach an der falschen Stelle. Die Alternative ist das Schnarchblog, von dem sich keiner angesprochen fühlt. Wenn keiner denkt, er müsste etwas dazu sagen, ist da vermutlich auch keiner, der dafür zahlen würde.



Verdrängung ist nichts, was einen da noch über Wasser halten würde. Wer das nicht will, soll sich halt - Achtung Nonmention - eine ruhige Tätigkeit suchen und das dann nebenbei betreiben - dagegen ist nichts zu sagen. Nur sind die Medien nach alter Vorstellung im Niedergang, und wer nicht in der Lage ist, verlorene Bindungen zu erneuern, wird untergehen. Wie das nicht läuft und scheitert, sieht man gerade bei Spiegel Daily, die sich auch so eine Art eher linke Söldnertruppe zusammengekauft haben, die aber nicht kongruent und herausragend genug ist, damit Leute das wirklich auch erwerben. Wie das auch nicht läuft, sieht man an denen, die alles besser wissen, und während meiner Tour wieder 90 Tweets absondern und sich beklagen: Das sind genau diejenigen, die nie eine Zeitung kaufen werden. Sollte die FAZ jetzt einen Gewinn an Abos machen, egal ob FAZ+ oder Papier, nehme ich sofort alles zurück, aber die Lauten da draussen sind einfach nicht die Kunden. Twitter ist kein Markt, nicht umsonst gelten da BoD-Anbieter wie der "Frohmann-Verlag" schon als Spitzenerscheinungen - und erinnert sich noch jemand an Sobooks? Den Kunden muss man etwas bieten, das sie wollen, und ich fürchte, dass hier das eigentliche Problem liegt: Nicht in einem Autor mit abweichender Meinung, sondern in einem verwaschenen Angebot, das einfach zu viele Menschen vergisst und ignoriert, die sich nicht äussern können oder wollen. Aber dann eben auch nicht mehr zu Kunden werden, weil des den Basiseinheitsbrei kostenlos auch in den gelben Blättern gibt.

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