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Sonntag, 18. Januar 2004
Mitte,
mitten in der Nacht. Dieses Neubau-Loft orientiert sich an der Neuen Sachlichkeit, an den Entwürfen von Erich Mendelsohn, Ende der 20er Jahre. Die sinnlosen Sprossen in den Fenstern sind reine Showeffekte, wie auch die Beleuchtung. Niemand arbeitet hier.

Die, die hier laut Business Plan arbeiten sollten, nahe der Hackeschen Höfe, gibt es nicht mehr.
Die New Economy war nicht die Hoffnung für Berlin, es war die einzige Hoffnung. Die Lücken soll jetzt das widerstrebende BKA aus Wiesbaden füllen. Kriminalbeamte statt Jungunternehmer. Berlin wird wieder so, wie es schon immer war: Ein Kasernenhof mit einem Wasserkopf aus Beamten.

Die, die hier laut Business Plan arbeiten sollten, nahe der Hackeschen Höfe, gibt es nicht mehr.
Die New Economy war nicht die Hoffnung für Berlin, es war die einzige Hoffnung. Die Lücken soll jetzt das widerstrebende BKA aus Wiesbaden füllen. Kriminalbeamte statt Jungunternehmer. Berlin wird wieder so, wie es schon immer war: Ein Kasernenhof mit einem Wasserkopf aus Beamten.
donalphons, 00:43h
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Böse.
Ganz böse, das. Nicht nett, zumindest.
Dem Deutschlandbild der Amerikaner nicht eben zuträglich. Aber da ist sowieso alles zu spät.
Dem Deutschlandbild der Amerikaner nicht eben zuträglich. Aber da ist sowieso alles zu spät.
donalphons, 16:31h
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Real Life 17.1.2004 - Kastanienallee
Das ist das Schöne an den ausgebrannten Bunkern der New Economy: Auch nach ein, zwei Jahren kann man sich sicher sein, dass die Ruinen unverändert vor sich hin gammeln.
Der selbe alte 17 Zöller steht noch im Schaufenster. Die Tastatur steckt im Mülleimer, und das Kabel kringelt sich auf dem schmutzigen, früher mal pastellorangen Teppichboden. Zu viele junge Leute sind achtlos darauf rumgetrampelt, ohne sich den Strassenstaub von den Schuhen zu treten - das ist doch spiessig.
Wo früher mal eliptische Designerlampen waren, sind jetzt nur noch Kabel an der Decke. Hinten, im Dunkeln des Raumes, ist das IKEA-Regal zu erkennen, auf dem ein paar bunte, leere Aktenordner vor sich hinschlummern. Der Inhalt ist beim Insolvenzverwalter.
Es gibt noch einen Tisch mit drei Beinen und zwei übereinander gestellten Bierkisten an der Stelle, wo ein wütender Mitarbeiter ein Bein rausgekickt hat. In einer Ecke steht Computerschrott, der 1999 noch das Beste war, was man bekommen konnte. Man muss ganz nah ran ans Fenster, um das zu erkennen, denn die Scheiben sind innen und aussen seit Jahren nicht mehr geputzt worden.
Das "Zu vermieten!"-Schild ist ziemlich vergilbt, seit ich das letzte Mal hier war, im April 2003.
Im Norden von Berlin nichts neues.
Der selbe alte 17 Zöller steht noch im Schaufenster. Die Tastatur steckt im Mülleimer, und das Kabel kringelt sich auf dem schmutzigen, früher mal pastellorangen Teppichboden. Zu viele junge Leute sind achtlos darauf rumgetrampelt, ohne sich den Strassenstaub von den Schuhen zu treten - das ist doch spiessig.
Wo früher mal eliptische Designerlampen waren, sind jetzt nur noch Kabel an der Decke. Hinten, im Dunkeln des Raumes, ist das IKEA-Regal zu erkennen, auf dem ein paar bunte, leere Aktenordner vor sich hinschlummern. Der Inhalt ist beim Insolvenzverwalter.
Es gibt noch einen Tisch mit drei Beinen und zwei übereinander gestellten Bierkisten an der Stelle, wo ein wütender Mitarbeiter ein Bein rausgekickt hat. In einer Ecke steht Computerschrott, der 1999 noch das Beste war, was man bekommen konnte. Man muss ganz nah ran ans Fenster, um das zu erkennen, denn die Scheiben sind innen und aussen seit Jahren nicht mehr geputzt worden.
Das "Zu vermieten!"-Schild ist ziemlich vergilbt, seit ich das letzte Mal hier war, im April 2003.
Im Norden von Berlin nichts neues.
donalphons, 13:03h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 16. Januar 2004
1.500.000 Quadratmeter
sind so viel wie 50.000 grosszügige Studentenwohnungen. Könnten es zumindest sein.

Tatsächlich ist es die Fläche der leer stehenden Büros in München. Gerade eben, heute. Aber es wird witerhin kräftig dazugebaut. Laut Plan, damals im Boom erstelllt.

Tatsächlich ist es die Fläche der leer stehenden Büros in München. Gerade eben, heute. Aber es wird witerhin kräftig dazugebaut. Laut Plan, damals im Boom erstelllt.
donalphons, 04:44h
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Kotzfressenparade
wWOOOSSCCCHHHH
fetzte das Napalm der Krise
handhirngefickte Manuskriptproposals
nuttenschüchtern lächelnder Debutantenblagen
weit weg aus den Sautrögen der Lektoren,
wo sie von der stinkenden Agentenpest
hineingejaucht wurden.

Übrig bleiben die par Typen, die aus gutem Grund auf dem Schulhof was in die Fresse bekamen, bei ihrem Gschau. Mogst a Fotzn, sagt man und ich in Bayern, und sie mogsen. Weil so wie sie schauen in den Verlagsvorschauen.
Besonders beim Fischer-Komplex mitsamt Argon und Krüger muss man dreinstieren, als ob man 7 Monate im sunnitischen Dreieck auf christlicher Friedensinitiative war. Oder als Kirchenvorstandssohn. Oder als aufgedunsener Kadaver von Micheal Jackson mit missglückter Geschlechtsumwandlung.
Mageninhaltsquirlend auch Kiepenheuer; vornedrin zigarrerauchend Lunkewitz, danach Leute, die oft dringend einen Frsör bräuchten, und hardcore Tacker-Lifting. Keiner mochte sie damals, da immer schwer komplexbeziehungsgeschädigt und unfickbar. Seitdem hat sich die Angst in die Fazialritzen gefressen wie der Frust in die Zeilen.
Hilfreich wäre Ganzkörperpickelsalbe bei norddeutsch/europäischen Debutkunstwollenden im Berlin VerSlag. Und dann kommt auch so mancher Institutsgeschreibeproduzzer aus der DDR, schön und freudig wie der antiimperialistische Schutzwall.
Autor muss hässlich.
Ich Hass.
fetzte das Napalm der Krise
handhirngefickte Manuskriptproposals
nuttenschüchtern lächelnder Debutantenblagen
weit weg aus den Sautrögen der Lektoren,
wo sie von der stinkenden Agentenpest
hineingejaucht wurden.

Übrig bleiben die par Typen, die aus gutem Grund auf dem Schulhof was in die Fresse bekamen, bei ihrem Gschau. Mogst a Fotzn, sagt man und ich in Bayern, und sie mogsen. Weil so wie sie schauen in den Verlagsvorschauen.
Besonders beim Fischer-Komplex mitsamt Argon und Krüger muss man dreinstieren, als ob man 7 Monate im sunnitischen Dreieck auf christlicher Friedensinitiative war. Oder als Kirchenvorstandssohn. Oder als aufgedunsener Kadaver von Micheal Jackson mit missglückter Geschlechtsumwandlung.
Mageninhaltsquirlend auch Kiepenheuer; vornedrin zigarrerauchend Lunkewitz, danach Leute, die oft dringend einen Frsör bräuchten, und hardcore Tacker-Lifting. Keiner mochte sie damals, da immer schwer komplexbeziehungsgeschädigt und unfickbar. Seitdem hat sich die Angst in die Fazialritzen gefressen wie der Frust in die Zeilen.
Hilfreich wäre Ganzkörperpickelsalbe bei norddeutsch/europäischen Debutkunstwollenden im Berlin VerSlag. Und dann kommt auch so mancher Institutsgeschreibeproduzzer aus der DDR, schön und freudig wie der antiimperialistische Schutzwall.
Autor muss hässlich.
Ich Hass.
donalphons, 03:39h
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Dotcom Babylon
schreibt Berlins Stadtmagazin Tip. Und freut sich über die niedrigen Beweggründe, die ich ausgewalzt habe. "Vorzüglicher Kapitalismuskrimi", sagen sie. Berlin ist dann doch manchmal eine Reise wert. Zumal es das Ding nur hier gibt, und nicht im Netz.
donalphons, 02:51h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Donnerstag, 15. Januar 2004
Tempo 60
und einfach die Kamera raushalten. Nicht lang auf das Scharfstellen warten. Einfach abdrücken.

So entstehen vielleicht die Bilder, die dann irgendwo abgedruckt werden. Weil zufällug auch noch ein Schriftzug, ein verwischtes Ambiente zu erkennen ist, das zum Thema passt.
Viva Dilettanti!

So entstehen vielleicht die Bilder, die dann irgendwo abgedruckt werden. Weil zufällug auch noch ein Schriftzug, ein verwischtes Ambiente zu erkennen ist, das zum Thema passt.
Viva Dilettanti!
donalphons, 00:11h
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Real Life 14.1.2004 - Bayerischblau
Vielleicht ist es der Föhn, der gerade ultramarinblau ein paar Wolken nach Norden peitscht. Dieser Wind, der die Menschen in München durchdrehen lässt. Sie laden wildfremde Frauen zum Essen ein, rasen über drei rote Ampeln, kaufen noch eine Alessi-Espresso-Maschine und gründen Startups in Schwabing. Wenn sie Glück haben und halbwegs resistent sind, fahren sie mit einem Mädchen an den Starnberger See, das ihnen erzählt, dass sie mit ihrem langjährigen Freund Schluss gemacht hat. Und entdecken dabei, dass ihre sonst stechend blauen Augen auch sanft verschleiert sein können, bei Föhn.
Gestern haben wir Themen angerissen, die noch zu besprechen sind. Warum gerade München das Zentrum der neuen Wirtschaft war und ist, und nicht Berlin, Frankfurt, Köln oder Hamburg. Es gibt viele rationale Erklärungen. Es gibt eine Kombination von Standortfaktoren, die diese Stadt einzigartig macht.
Und den Föhn, der die Leute verrückt macht. Diese Erklärung ist vielleicht irrational, aber logisch.
Gestern haben wir Themen angerissen, die noch zu besprechen sind. Warum gerade München das Zentrum der neuen Wirtschaft war und ist, und nicht Berlin, Frankfurt, Köln oder Hamburg. Es gibt viele rationale Erklärungen. Es gibt eine Kombination von Standortfaktoren, die diese Stadt einzigartig macht.
Und den Föhn, der die Leute verrückt macht. Diese Erklärung ist vielleicht irrational, aber logisch.
donalphons, 11:59h
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Oh Lord won´t you buy me
Der Smart läuft nicht schlecht. Aber als dieses Haus geplant wurde, dachten alle, er würde viel besser laufen.

Denn der Smart ist das Auto für Startups. Klein, billig, flippig, macht optisch was her. Ist für jeden Parkplatz kurz genug. Praktikantinnen mit roten Haaren lieben Smarts. Besonders, wenn man das Verdeck aufmachen kann.
Allerdings sind Startup-Smarts selten geworden. So günstig war das Leasing denn doch nicht. Für die drei überlebenden Mitarbeiter tut´s auch Muttis Volvo. Und die Praktikantin ist auch keine Studentin mehr, sondern eine chancenlose Mittdreissigerin, die mal Head of Business Development war. Man hat sie genommen, weil sie saubillig zu kriegen war. Und ihren inzwischen leicht verbeulten Boxter selbst mitbringt. Der macht mehr her, wenn die damit zu den letzten 3 Kunden fährt.
Der Smart ist für die Krise nicht clever genug. Deshalb wird dieses Haus mehr zum Wohnzimmer für Smarts, denn zum Auslass. Ist aber trotzdem nicht schlecht für die Kleinen. Hell, trocken, der Lärm der Züge von nebenan dringt kaum durch die dicken, frisch geputzten Scheiben.
Die Penner unter der Brücke können von solchen Zuständen nur träumen.

Denn der Smart ist das Auto für Startups. Klein, billig, flippig, macht optisch was her. Ist für jeden Parkplatz kurz genug. Praktikantinnen mit roten Haaren lieben Smarts. Besonders, wenn man das Verdeck aufmachen kann.
Allerdings sind Startup-Smarts selten geworden. So günstig war das Leasing denn doch nicht. Für die drei überlebenden Mitarbeiter tut´s auch Muttis Volvo. Und die Praktikantin ist auch keine Studentin mehr, sondern eine chancenlose Mittdreissigerin, die mal Head of Business Development war. Man hat sie genommen, weil sie saubillig zu kriegen war. Und ihren inzwischen leicht verbeulten Boxter selbst mitbringt. Der macht mehr her, wenn die damit zu den letzten 3 Kunden fährt.
Der Smart ist für die Krise nicht clever genug. Deshalb wird dieses Haus mehr zum Wohnzimmer für Smarts, denn zum Auslass. Ist aber trotzdem nicht schlecht für die Kleinen. Hell, trocken, der Lärm der Züge von nebenan dringt kaum durch die dicken, frisch geputzten Scheiben.
Die Penner unter der Brücke können von solchen Zuständen nur träumen.
donalphons, 03:22h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 13. Januar 2004
Gotham City Architectural Guide I
In der New Economy waren sie eher still und zurückhaltend, aber jetzt sind sie die Gewinner.

Marsh Mercer Putnam am Altstadtring in München. Was ganz anderes als KPMG, die im Westend vergeblich hoffen, diesen Slum aufzuwerten.

Marsh Mercer Putnam am Altstadtring in München. Was ganz anderes als KPMG, die im Westend vergeblich hoffen, diesen Slum aufzuwerten.
donalphons, 01:16h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Montag, 12. Januar 2004
Mit dem Terminen ist das so eine Sache.
Ich habe einen Termin. Ein paar Stunden in einem Umfeld, in dem entschieden wird, wie und ob es mit der neuen Wirtschaft weitergeht. Vermutlich würden fast alle Überlebenden und jeder Gescheiterte der New Economy ihre Seele verkaufen, um so einen Termin zu bekommen.
Sie glauben, man könnte dabei alles erreichen, die Zukunft entwickeln, überzeugen, ihren Traum zu retten, nochmal die Märkte zu rocken, und diese irre Geschwindigkeit zu erleben, wieder auf die brennenden Barrikaden unter der ewigen Nacht des Netzes zu gehen und den unveränderlichen Lauf der Geschichte in ihrem Sinn zu beeinflussen. Es ging schon mal, sie würden es wieder schaffen. 3 Minuten würden ihnen reichen. Sie täuschen sich; es gibt keine Chance, aber wenn es auch nur die Nacht davor voller Hoffen und Bangen ist - sie würden es sofort tun.
Ich habe Stunden. Ich werde hingehen, und einfach nur zuhören. Ich habe nichts anzubieten, ich habe keine Geschäftsidee, keine Vision, keinen Traum. Ich habe nur den Luxus der Zeit, und den Luxus, diese einmalige Gelegenheit für alle anderen ungenutzt verstreichen zu lassen.
Sie glauben, man könnte dabei alles erreichen, die Zukunft entwickeln, überzeugen, ihren Traum zu retten, nochmal die Märkte zu rocken, und diese irre Geschwindigkeit zu erleben, wieder auf die brennenden Barrikaden unter der ewigen Nacht des Netzes zu gehen und den unveränderlichen Lauf der Geschichte in ihrem Sinn zu beeinflussen. Es ging schon mal, sie würden es wieder schaffen. 3 Minuten würden ihnen reichen. Sie täuschen sich; es gibt keine Chance, aber wenn es auch nur die Nacht davor voller Hoffen und Bangen ist - sie würden es sofort tun.
Ich habe Stunden. Ich werde hingehen, und einfach nur zuhören. Ich habe nichts anzubieten, ich habe keine Geschäftsidee, keine Vision, keinen Traum. Ich habe nur den Luxus der Zeit, und den Luxus, diese einmalige Gelegenheit für alle anderen ungenutzt verstreichen zu lassen.
donalphons, 18:02h
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Deadlinitis
Als ob es nicht schon genug unaufschiebbare Dates gäbe, und ausserdem noch ein paar Sachen, wo die Luft dünn wird. Jetzt kommt noch eine Deadline dazu. Kein alterthümlicher Termin, nein, eine echte Deadline ohne wenn und aber. Am 20. Februar. Aber nur mit Vorvertrag, meinte der, den ich dafür brauche. Der Vorvertrag muss erst noch gemacht werden, unterzeichnet, gegengezeichnet. Und auch so ein Vorvertrag enthält eine andere Deadline.
Und wenn es mit dem 20. klappt, wird es eine weitere Deadline geben. Eine 40 mm Schnellfeuerkanone für Deadlines ist das einzige, was helfen könnte.
Wahrscheinlich könnte man die auch in grossen Stückzahlen in meiner Generation vertreiben.
Und wenn es mit dem 20. klappt, wird es eine weitere Deadline geben. Eine 40 mm Schnellfeuerkanone für Deadlines ist das einzige, was helfen könnte.
Wahrscheinlich könnte man die auch in grossen Stückzahlen in meiner Generation vertreiben.
donalphons, 17:23h
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Ich war eine Werbeagentur
Nicht nur irgendeine.

Ich war Jung von Matt an der Isar. Ich habe immer noch einen grossen Parkplatz für schicke Wägen, hohe Räume mit viel Licht von oben, ich liege verkehrsgüntig in einem Areal, das mal sehr zukunftsorientiert werden sollte. Viele kleine, kreative Firmen. Leider kam dann das Jahr 2000, die Pleitewelle, und 2002 wurde JvM an der Isar aufgelöst.
Da, wo der Name in weiss an die grüne Metalltüre gemalt wurde, steht jetzt for sale. Und das schon etwas länger.

Ich war Jung von Matt an der Isar. Ich habe immer noch einen grossen Parkplatz für schicke Wägen, hohe Räume mit viel Licht von oben, ich liege verkehrsgüntig in einem Areal, das mal sehr zukunftsorientiert werden sollte. Viele kleine, kreative Firmen. Leider kam dann das Jahr 2000, die Pleitewelle, und 2002 wurde JvM an der Isar aufgelöst.
Da, wo der Name in weiss an die grüne Metalltüre gemalt wurde, steht jetzt for sale. Und das schon etwas länger.
donalphons, 04:08h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 11. Januar 2004
Medienstandort
Da hinten, in einer Baracke, die so hellbraun ist wie alle anderen Gebäude hier, ist ein Sender. Immer noch, auch wenn das vor zwei Jahren niemand gedacht hätte. Aber von der Dummheit der Menschen lässt sich gut leben. Warum auch nicht.
Die Chefin hat einen Titel qua Geburt und einen weiteren qua hoher Gebühren einer Akademie, die zu nichts taugt ausser zu überzogenen Lohnforderungen.
Die Mitarbeiter sehen aus wie Kokser, wenn sie mal in der Kantine aufkreuzen, die für viel mehr Menschen gedacht war. Sie haben auch immer diesen nervösen Tick. Wenn man stundenlang schwafeln muss, ohne was sagen zu können, und alles wiederholt sich, dann bleibt nur der Weg zu so einem Zeug.
Es sei denn, man ist naturprall. Vielleicht nehmen sie auch nur Puderzucker und bilden sich ein, gut drauf zu sein. Schwächen kann man sich da nicht leisten. München ist voll von arbeitslosen Medienvölkchen in suizidnah und burnout. Also lieber daran klammern, auch wenn es nicht das ist, was man sich mal gedacht hat, beim KW-Studium.
Oder so. Eigentlich dürfte man niemand mehr für diesen Job ausbilden. Die nächsten 5 Jahre warten, bis die Alten in Pension sind und die jungen in der Psychiatrie. Dann geht wieder was. Vielleicht.
Jetzt nach Hause. Klinkerbrauner Alptraum, das hier.
Die Chefin hat einen Titel qua Geburt und einen weiteren qua hoher Gebühren einer Akademie, die zu nichts taugt ausser zu überzogenen Lohnforderungen.
Die Mitarbeiter sehen aus wie Kokser, wenn sie mal in der Kantine aufkreuzen, die für viel mehr Menschen gedacht war. Sie haben auch immer diesen nervösen Tick. Wenn man stundenlang schwafeln muss, ohne was sagen zu können, und alles wiederholt sich, dann bleibt nur der Weg zu so einem Zeug.
Es sei denn, man ist naturprall. Vielleicht nehmen sie auch nur Puderzucker und bilden sich ein, gut drauf zu sein. Schwächen kann man sich da nicht leisten. München ist voll von arbeitslosen Medienvölkchen in suizidnah und burnout. Also lieber daran klammern, auch wenn es nicht das ist, was man sich mal gedacht hat, beim KW-Studium.
Oder so. Eigentlich dürfte man niemand mehr für diesen Job ausbilden. Die nächsten 5 Jahre warten, bis die Alten in Pension sind und die jungen in der Psychiatrie. Dann geht wieder was. Vielleicht.
Jetzt nach Hause. Klinkerbrauner Alptraum, das hier.
donalphons, 13:49h
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Blau
Draussen vor dem Fenster friert ein Mädchen in einem surreal leuchtendblauen, gesteppten Daunenmantel. Ihr Gesicht hat den fraktalen, ausgedörrten Teint der Drogensüchtigen. Sie ist viel zu dünn. Ihre kinnlangen, blauschwarzen Haar fallen wie tote Raben. Sie ist höchstens 22, 23 Jahre alt, aber in ihren Augen ist die Zeitlosigkeit der enttäuschten Hoffnung.
Hier in der Startup Zone, in diesem gescheiterten New Media Cluster, gibt es viele Gestalten, die so aussehen. Bei ihr sind es wahrscheinlich Pillen, weil sie auch etwas schwankt und hyperventiliert. Vielleicht ist sie auch nur bei einem Casting rausgeflogen. Alles an ihr sagt, dass nichts, wirklich nichts in Ordnung ist. Und dass sie nicht darüber reden kann.
Woanders als hier wäre sie wunderschön. Wenn sie ein paar Tage durchschlafen würde, und eine Weile die Finger von dem Zeug, ganz gleich ob die blauen Pillen oder die Fernbedienung, lassen könnte.
Hier in der Startup Zone, in diesem gescheiterten New Media Cluster, gibt es viele Gestalten, die so aussehen. Bei ihr sind es wahrscheinlich Pillen, weil sie auch etwas schwankt und hyperventiliert. Vielleicht ist sie auch nur bei einem Casting rausgeflogen. Alles an ihr sagt, dass nichts, wirklich nichts in Ordnung ist. Und dass sie nicht darüber reden kann.
Woanders als hier wäre sie wunderschön. Wenn sie ein paar Tage durchschlafen würde, und eine Weile die Finger von dem Zeug, ganz gleich ob die blauen Pillen oder die Fernbedienung, lassen könnte.
donalphons, 13:23h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Samstag, 10. Januar 2004
Gute Rezensionen sind nett.
Trotzdem schreibt man natürlich einen Pressetext mit schön geschliffenen Formulierungen. Man hofft, es möchte die Kollegen in den Medien inspirieren, es so zu empfinden, wie es geschrieben steht. Natürlich schreibt man auch viel über seine Motivation, warum so und nicht anders, und aus welchem Umfeld heraus. Man ist ja selbst Journalist. Man liefert den Kollegen optimale Bedingungen für ein tieferes Verständnis des Textes.
Und wartet dann auf kluge Fragen. Auf ein Gespräch auf Augenhöhe. Das findet in Wirklichkeit selten statt. Meistens schreiben sie irgendwas, das die vorgegebene Länge hat. Unschlüssigkeiten weisen auf die Stellen hin, wo sie mehr gemacht haben, und der Redakteur sie um ein paar Zeilencent gerüpft hat.
Aber dann gibt es noch die, die einfach den vom Autor verfassten PR-Text kopieren und ein, zwei Worte umstellen. Sonst nichts. Ein Fehler, ein Detail verrät dem Kundigen, dass ab Seite 31 nur noch geblättert wurde. Das ist dann eine gute Rezension, sagen die PR-Leute.
Wiegesagt: Gute Rezensionen sind nett. Nette Beleidigungen, manchmal.
Und wartet dann auf kluge Fragen. Auf ein Gespräch auf Augenhöhe. Das findet in Wirklichkeit selten statt. Meistens schreiben sie irgendwas, das die vorgegebene Länge hat. Unschlüssigkeiten weisen auf die Stellen hin, wo sie mehr gemacht haben, und der Redakteur sie um ein paar Zeilencent gerüpft hat.
Aber dann gibt es noch die, die einfach den vom Autor verfassten PR-Text kopieren und ein, zwei Worte umstellen. Sonst nichts. Ein Fehler, ein Detail verrät dem Kundigen, dass ab Seite 31 nur noch geblättert wurde. Das ist dann eine gute Rezension, sagen die PR-Leute.
Wiegesagt: Gute Rezensionen sind nett. Nette Beleidigungen, manchmal.
donalphons, 22:56h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 9. Januar 2004
Berlin im Dunkeln
Suhrkamps Antwort auf die publizistischen Nachwehen des Berlin-Hypes: Berlin im Licht, die Resteverwertung aus dem Kadaver der Berliner Seiten der FAZ. Der von ihrem Freundeskreis in den Edelfedern-Himmel geschriebene Wurmfortsatz des FAZ-Feuilletons darf es nochmal als Buch probieren. Alte Texte werden zu einem virtuellen Tag recycelt.
Der ewige Konkurrent KiWi hat es im Sommer mit seiner billigen Hassanthologie "Hier spricht Berlin" vorgemacht. Auch Mitte, auch Autoren der FAZ, aufgekochter Haferschleim von gestern auf trendy Buchtellern.
Der Neuling ist eine Mischung aus Frankensteins Monster und verkrümmtem Homunculus. Hauptsache, man kriegt es nochmal unter die Leute, die beim Ende der Berliner Seite geheult haben sollen. Die gibt es, angeblich. Ad maiorem gloriam der Herren Illies und Schirrmacher. Wie es der Zufall will, gehören Verlag und Zeitung zum gleichen Holtzbrinck-Konzern.
Das nennt man wohl Value Chain Management.
Der ewige Konkurrent KiWi hat es im Sommer mit seiner billigen Hassanthologie "Hier spricht Berlin" vorgemacht. Auch Mitte, auch Autoren der FAZ, aufgekochter Haferschleim von gestern auf trendy Buchtellern.
Der Neuling ist eine Mischung aus Frankensteins Monster und verkrümmtem Homunculus. Hauptsache, man kriegt es nochmal unter die Leute, die beim Ende der Berliner Seite geheult haben sollen. Die gibt es, angeblich. Ad maiorem gloriam der Herren Illies und Schirrmacher. Wie es der Zufall will, gehören Verlag und Zeitung zum gleichen Holtzbrinck-Konzern.
Das nennt man wohl Value Chain Management.
donalphons, 21:00h
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