... newer stories
Samstag, 6. März 2004
Deathrow
Immer an der Linie entlang. Ein Medienvertreter hat es heute geschafft, sich rettungslos gegen Mittag zu betrinken. In weniger als einer Stunde. Ein Glas mit zweimal schlucken. Er war noch keine 30. Seine Hose hatte schon mal bessere Tage gesehen, sein Hemd war an den Ärmeln ausgefranst, aber der Mantel war früher teuer.

Er wollte ohnehin nichts über die Veranstaltung schreiben, sagte er schon vorher. Auf der ausgelegten Liste schrieb er sich als freier Journalist ein. Ohne Medium.

Er wollte ohnehin nichts über die Veranstaltung schreiben, sagte er schon vorher. Auf der ausgelegten Liste schrieb er sich als freier Journalist ein. Ohne Medium.
donalphons, 01:11h
... link (0 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 5. März 2004
Wrapped
Als ich Wraps kennenlernte, war ich kein besonders glücklicher Mensch. Auf dem Papier war ich das, was die Szene um mich herum "erfolgreich" nannte. Erfolg wurde in Netzwerken, Einladungen, Jobs gemessen. Die New Economy hatte mich wie einen toten Delphin auf den Strand des exzellenten Lebens gespült. Ich hatte nichts dazu getan, mich aber auch nicht gewehrt. Alles war mir auf eine dumpfe, schmerzliche Art egal. Ich tat, was sie von mir wollten, ganz gleich wie falsch es war. Es gab damals kein Richtig.
Um mich war Dunkelheit und Niedergang. Meine Freunde fielen aus den Jobs, ihre Firmen klatschten in die Pleite, und bei den Jüngeren kam noch die übliche Orientierungslosigkeit dazu. Ein Mädchen verlor nach und nach den Halt am Arbeitsleben, zog sich zurück, hoffte nicht mehr, und verschwendete ihr Talent und ihre Begabung in langen Sommernachmittagen mit mir in einem kleinen Cafe in der Türkenstrasse. Über ihre Lippen kam pure Literatur, das Script zu Reality Bites Teil 2. Ich hatte als Hired Gun tagsüber viel Zeit zum zuhören, denn mein Arbeitstag begann damals erst mit Einbruch der Dunkelheit.
Sie nahm in der Regel einen Milchcafe und manchmal einen Muffin. Aber fast niemals einen Wrap. Die waren ihr zu teuer, und überhaupt. Sie fand sich zu dick. Und so gut sind die auch nicht. Wenn ich einen bestellte - was ich eigentlich jedesmal tat - wollte sie das Ding noch nicht mal kosten. Oder nur einmal einen kleinen Bissen. Nur auf gutes Zureden nam sie noch einen, behielt das Ding zufällig in der Hand, knabberte daran. Und weil das Gespräch hin zu den typischen leeren Träumen des Sommers 2000 wanderte, verschwand der Wrap in ihrer Hand beiläufig irgendwann, und bisweilen wollte sie dann auch einen haben, den ich ihr dann brachte.
Es war ein sehr verrückter Sommer, der durch seine bleierne Stille alle überraschte, die in den Jahren zuvor noch an den grenzenlosen Aufstieg geglaubt hatten. Manche krepierten sofort, andere brachen in blutigen Klumpen auseinander, viele waren äusserlich gesund und trugen die Ausrottung in sich. In diesem Sommer starb die Zuversicht, und sie starb beim ersten Anblick des Zweifels. Aber in diesen seltsamen Stunden im Cafe war ein Freiraum ohne zeitliche und räumliche Grenze, unschuldig und naiv, wie sich erst lange später zeigen sollten, als der gegenseitige Verrat alles zerstörte, was in diesem Sommer an eingebildetem Vertrauen und Nähe aufgebaut wurde, an einem kleinen dunklen Tisch mit einem Salat-Schafskäse-Wrap drauf.

Heute gab es sie wieder, bei einem offiziellen Empfang. Im Gegensatz zu den meisten meiner Freunde von damals bin ich noch immer im Geschäft und das, was man so landauf landab als erfolgreich bezeichnet - weil ich den Irrsinn der Jahre 2000/2001 nicht einfach vergessen, sondern zu einem Produkt gemacht habe. Don Alphonso, eine der wenigen Erfolgsgeschichten der New Economy, ein grausamer Treppenwitz der Geschichte für alle, die besser waren, zielstrebiger, und nach den gängigen Moralkriterien der Brokats und I-D Medias sauber gearbeitet haben, statt ihre Firma bei Dotcomtod zu verraten.
Ich bin nicht mehr in der Munich Area, sondern in der Hauptstadt. Es lässt sich nicht bestreiten, dass der Winter vorbei ist, und für the happy few wieder etwas mehr Essen aufgefahren wird. Aber es ist nicht mehr so wie 2000, dass man Wraps bei Gesprächen hübschen Mädchen essen kann, während draussen die Welt genau an der Grenze zwischen Hype und Downturn, zwischen Aufstieg und Vernichtung steht.
Es gibt noch das Essen, die Rezepte. Die Wraps haben es heute nebenbei auf die Platten der Ministerinnen, Staatssekretäre und Bundespräsidentengattinnen geschafft. Aber die Menschen, die damit etwas verbinden, sind nicht mehr das, was sie waren, und ihre Revolution, ihre Hoffnungen und Träume sind ausgelöscht.
Das Cafe, in dem ich damals war, hat schon den Herbst 2001 nicht überlebt.
Um mich war Dunkelheit und Niedergang. Meine Freunde fielen aus den Jobs, ihre Firmen klatschten in die Pleite, und bei den Jüngeren kam noch die übliche Orientierungslosigkeit dazu. Ein Mädchen verlor nach und nach den Halt am Arbeitsleben, zog sich zurück, hoffte nicht mehr, und verschwendete ihr Talent und ihre Begabung in langen Sommernachmittagen mit mir in einem kleinen Cafe in der Türkenstrasse. Über ihre Lippen kam pure Literatur, das Script zu Reality Bites Teil 2. Ich hatte als Hired Gun tagsüber viel Zeit zum zuhören, denn mein Arbeitstag begann damals erst mit Einbruch der Dunkelheit.
Sie nahm in der Regel einen Milchcafe und manchmal einen Muffin. Aber fast niemals einen Wrap. Die waren ihr zu teuer, und überhaupt. Sie fand sich zu dick. Und so gut sind die auch nicht. Wenn ich einen bestellte - was ich eigentlich jedesmal tat - wollte sie das Ding noch nicht mal kosten. Oder nur einmal einen kleinen Bissen. Nur auf gutes Zureden nam sie noch einen, behielt das Ding zufällig in der Hand, knabberte daran. Und weil das Gespräch hin zu den typischen leeren Träumen des Sommers 2000 wanderte, verschwand der Wrap in ihrer Hand beiläufig irgendwann, und bisweilen wollte sie dann auch einen haben, den ich ihr dann brachte.
Es war ein sehr verrückter Sommer, der durch seine bleierne Stille alle überraschte, die in den Jahren zuvor noch an den grenzenlosen Aufstieg geglaubt hatten. Manche krepierten sofort, andere brachen in blutigen Klumpen auseinander, viele waren äusserlich gesund und trugen die Ausrottung in sich. In diesem Sommer starb die Zuversicht, und sie starb beim ersten Anblick des Zweifels. Aber in diesen seltsamen Stunden im Cafe war ein Freiraum ohne zeitliche und räumliche Grenze, unschuldig und naiv, wie sich erst lange später zeigen sollten, als der gegenseitige Verrat alles zerstörte, was in diesem Sommer an eingebildetem Vertrauen und Nähe aufgebaut wurde, an einem kleinen dunklen Tisch mit einem Salat-Schafskäse-Wrap drauf.

Heute gab es sie wieder, bei einem offiziellen Empfang. Im Gegensatz zu den meisten meiner Freunde von damals bin ich noch immer im Geschäft und das, was man so landauf landab als erfolgreich bezeichnet - weil ich den Irrsinn der Jahre 2000/2001 nicht einfach vergessen, sondern zu einem Produkt gemacht habe. Don Alphonso, eine der wenigen Erfolgsgeschichten der New Economy, ein grausamer Treppenwitz der Geschichte für alle, die besser waren, zielstrebiger, und nach den gängigen Moralkriterien der Brokats und I-D Medias sauber gearbeitet haben, statt ihre Firma bei Dotcomtod zu verraten.
Ich bin nicht mehr in der Munich Area, sondern in der Hauptstadt. Es lässt sich nicht bestreiten, dass der Winter vorbei ist, und für the happy few wieder etwas mehr Essen aufgefahren wird. Aber es ist nicht mehr so wie 2000, dass man Wraps bei Gesprächen hübschen Mädchen essen kann, während draussen die Welt genau an der Grenze zwischen Hype und Downturn, zwischen Aufstieg und Vernichtung steht.
Es gibt noch das Essen, die Rezepte. Die Wraps haben es heute nebenbei auf die Platten der Ministerinnen, Staatssekretäre und Bundespräsidentengattinnen geschafft. Aber die Menschen, die damit etwas verbinden, sind nicht mehr das, was sie waren, und ihre Revolution, ihre Hoffnungen und Träume sind ausgelöscht.
Das Cafe, in dem ich damals war, hat schon den Herbst 2001 nicht überlebt.
donalphons, 21:39h
... link (0 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Donnerstag, 4. März 2004
Window of Oportunity
Suhrkamp geht es dreckig. Suhrkamp liegt im Sterben.
Wenn man Suhrkamp umbringen will, muss man sich also beeilen. Es ist nicht ruhmreich, einem komatösen Röchler im Krankenbett den Dolch ins Herz zu jagen.
Wenn man Suhrkamp umbringen will, muss man sich also beeilen. Es ist nicht ruhmreich, einem komatösen Röchler im Krankenbett den Dolch ins Herz zu jagen.
donalphons, 14:06h
... link (1 Kommentar) ... comment
Real life 03.03.04 - The fine art of stealing sampling
Zwischen einem übergrossen Teeglas und einer Kirschwaffel habe ich mich gestern gegenüber den Minusvisionären dazu hinreissen lassen, das Neon Magazin zu verteidigen, nachdem die erste Nummer zumindest eine akzeptable Modestrecke hatte. Leute, die an einer Hausecke zusammenrumpeln - das hat was.
Wie immer, wenn man sich für jemanden einsetzt, wird man enttäuscht: Wie ich heute morgen entdecken musste, hat neon die Idee geklaut.
Wie immer, wenn man sich für jemanden einsetzt, wird man enttäuscht: Wie ich heute morgen entdecken musste, hat neon die Idee geklaut.
donalphons, 13:14h
... link (3 Kommentare) ... comment
Location
Warum nicht die Backfabrik? Die Backfabrik ist als Investitionsruine idealtypisch für diese Stadt.

Aber diese Stadt oder auch nur ihr Namen soll nicht vorkommen in den Texten. Es geht um eine Stadt, die überall sein könnte, Bangkok, Austin, Coventry, Bukarest, Berlin, Madrid. Überall, wo die Menschen dumm und borniert sind und wenig Zukunft haben.
Deshalb vielleicht ein Gebäude, das austauschbar ist. Ohne stilistische Heimat und falschen Glanz. Vielleicht etwas kaputtes, leeres, das auf die Eroberung wartet, so wie die Worte, die es zu gewinnen gilt. UUnd keine falsche Lebendigkeit.
Zu geleckt ist das hier, das alles.

Aber darin liegt dann auch das Grauen, das Sterben in Sauberkeit, das vegitieren in Luxus, Gebacken werden bei lebendigem Leib, die Hitze lässt einen nicht schreien, bis alles verkohlt ist. Vielleicht doch kein schlechter Ort, dieses Krematorium für Schrippen und Semmelgesichter..

Aber diese Stadt oder auch nur ihr Namen soll nicht vorkommen in den Texten. Es geht um eine Stadt, die überall sein könnte, Bangkok, Austin, Coventry, Bukarest, Berlin, Madrid. Überall, wo die Menschen dumm und borniert sind und wenig Zukunft haben.
Deshalb vielleicht ein Gebäude, das austauschbar ist. Ohne stilistische Heimat und falschen Glanz. Vielleicht etwas kaputtes, leeres, das auf die Eroberung wartet, so wie die Worte, die es zu gewinnen gilt. UUnd keine falsche Lebendigkeit.
Zu geleckt ist das hier, das alles.

Aber darin liegt dann auch das Grauen, das Sterben in Sauberkeit, das vegitieren in Luxus, Gebacken werden bei lebendigem Leib, die Hitze lässt einen nicht schreien, bis alles verkohlt ist. Vielleicht doch kein schlechter Ort, dieses Krematorium für Schrippen und Semmelgesichter..
donalphons, 04:17h
... link (1 Kommentar) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Mittwoch, 3. März 2004
Geschäftsmodelle
Es gibt auch in Mitte immer noch Geschäftsmodelle, die Profit versprechen. Passendes marketing vorrausgesetzt. Sogar, wenn es mit Firmen wie der Wall AG Semimonopolisten gibt.

Andere Ideen sind dagegen weniger sinnvoll. Das Vermieten von schicken Imobilien zum Beispiel. Berlin ist voller leerer Ladenlokale, die schön hergerichtet sind, aber noch nicht mal mit Nachlass an noch eine Dönerbude vermietet werden können.
Ganz egal, in welches blau-mystisches Licht die Räume getaucht werden. 6 Monate mietfrei, vermute ich, könnte man in jedem Fall rausschlagen.

Allein schon, weil Miete verschenken für Investoren immer noch billiger ist, als die Wartung der leerstehenden Räume zu bezahlen.

Andere Ideen sind dagegen weniger sinnvoll. Das Vermieten von schicken Imobilien zum Beispiel. Berlin ist voller leerer Ladenlokale, die schön hergerichtet sind, aber noch nicht mal mit Nachlass an noch eine Dönerbude vermietet werden können.
Ganz egal, in welches blau-mystisches Licht die Räume getaucht werden. 6 Monate mietfrei, vermute ich, könnte man in jedem Fall rausschlagen.

Allein schon, weil Miete verschenken für Investoren immer noch billiger ist, als die Wartung der leerstehenden Räume zu bezahlen.
donalphons, 12:01h
... link (1 Kommentar) ... comment
Chancenlos
Sie war sehr schnell. Sie hat zielstrebig studiert und ist in einem Alter fertig, in dem ich daran dachte, vielleicht doch mal nach dem Ladenschluss der Wunderbar in so ein Proseminar zu gehen. Trotzdem habe ich mehr Jobangebote, als ich brauchen kann, und sie hat nichts.
Es gibt ein paar tausend wie sie. Allein hier in Berlin, vielleicht sogar nur auf der Strecke von hier bis runter zum Alex, und dann 500 Meter in die tristen Strassenzüge rein. Sie sind keine 25, haben keine Jobs und erklären H&M für Kult, weil sie sich nichts anderes leisten können und es Kult sein muss. Im Sommer wäre es leichter, mit T-Shirts und Slogans, aber jetzt bleibt nur H&M. Und das schwierige Zurechtzimmern der eigenen Lebenswelt, für die es keinen Inbus und Standardschrauben gibt, wie bei Ikea.
Sie ist genau so. Es gibt einen Unterschied: Sie sieht, was passiert, sie erkennt die Probleme, sie kann es erklären, sie spricht ihre Sprache. Sie könnte zumindest die Bauanleitung schreiben. Es gibt einen Markt dafür. In der Krise wollen die Leute Hilfe und Ablenkung. Und die Markteintrittshürden sind niedrig wie nie zuvor. Sie weiss auch, wie das Layout aussehen sollte, sie kennt Typen, die sich eine Weile reinknien würden. Und es wäre besser als das Praktikum bei einer normalen Zeitung, aus dem sie jeden Tag mit dem Gefühl herausgeht, dass man da drin ihren Kopf unter Wasser hält und ihr Talent grausam erstickt.
Etwas besseres als den Tod finden wir überall, sagten die Bremer Stadtmusikanten. Wenn es einen Markt gibt, müssen wir ihn besetzen, bevor das jemand anderes tut, sagten meine Freunde vor 5 Jahren.
Vielleicht studiere ich nochmal und mache Lehramt, sagt sie heute.
Es gibt ein paar tausend wie sie. Allein hier in Berlin, vielleicht sogar nur auf der Strecke von hier bis runter zum Alex, und dann 500 Meter in die tristen Strassenzüge rein. Sie sind keine 25, haben keine Jobs und erklären H&M für Kult, weil sie sich nichts anderes leisten können und es Kult sein muss. Im Sommer wäre es leichter, mit T-Shirts und Slogans, aber jetzt bleibt nur H&M. Und das schwierige Zurechtzimmern der eigenen Lebenswelt, für die es keinen Inbus und Standardschrauben gibt, wie bei Ikea.
Sie ist genau so. Es gibt einen Unterschied: Sie sieht, was passiert, sie erkennt die Probleme, sie kann es erklären, sie spricht ihre Sprache. Sie könnte zumindest die Bauanleitung schreiben. Es gibt einen Markt dafür. In der Krise wollen die Leute Hilfe und Ablenkung. Und die Markteintrittshürden sind niedrig wie nie zuvor. Sie weiss auch, wie das Layout aussehen sollte, sie kennt Typen, die sich eine Weile reinknien würden. Und es wäre besser als das Praktikum bei einer normalen Zeitung, aus dem sie jeden Tag mit dem Gefühl herausgeht, dass man da drin ihren Kopf unter Wasser hält und ihr Talent grausam erstickt.
Etwas besseres als den Tod finden wir überall, sagten die Bremer Stadtmusikanten. Wenn es einen Markt gibt, müssen wir ihn besetzen, bevor das jemand anderes tut, sagten meine Freunde vor 5 Jahren.
Vielleicht studiere ich nochmal und mache Lehramt, sagt sie heute.
donalphons, 01:37h
... link (1 Kommentar) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 2. März 2004
Übrigens, sagte der Mann,
der es nicht mehr nötig hat, im Alter von knapp 60 noch zu arbeiten, wissen Sie, das mit der New Economy habe ich über die Freunde meiner Tochter mitbekommen. Leute von Pixelpark sind das. Waren das, besser gesagt. Die haben grösste Probleme, sich wieder in die Gesellschaft einzugliedern. Und wie es bei Pixelpark aussieht, will ich gar nicht wissen. In Berlin sind nur noch 80 Leute.
8o, frage ich.
80, sagt er, vielleicht auch etwas weniger. Und denen geht es auch nicht gut, was man so hört. Naja.
Und er streichelt die fette Katze, die sich anschickt, sich in die Polster der Stühle zu krallen. Dann erzählt er aus seiner Zeit in der Studentenbewegung.
8o, frage ich.
80, sagt er, vielleicht auch etwas weniger. Und denen geht es auch nicht gut, was man so hört. Naja.
Und er streichelt die fette Katze, die sich anschickt, sich in die Polster der Stühle zu krallen. Dann erzählt er aus seiner Zeit in der Studentenbewegung.
donalphons, 20:46h
... link (0 Kommentare) ... comment
How to become underfucked
Indem man sich so ankündigt - am besten mit leicht quäkendem Tonfall: "Ich komme vorbei, wir trinken einen Tee und ich geh dann wieder, oder so."
donalphons, 01:06h
... link (2 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 29. Februar 2004
Sowohl als auch
Man kann nicht auf beiden Seiten der Barrikade stehen. Entweder dinieren mit Vidal Sasson, oder Schnibbeln an versauten Eigenversuchen hungriger Viertelstudentinnen im Prenzlauer Berg.

In diesem Fall wohl eher Letzteres. Auch wenn das Marketing etwas anderes sagt. Das hohle Gequatsche der New Economy hat die Figaro-Branche erreicht. Wenn sie dann noch statt "soz." das Wort "Charity" verwenden, ist die Transformation abgeschlossen.

In diesem Fall wohl eher Letzteres. Auch wenn das Marketing etwas anderes sagt. Das hohle Gequatsche der New Economy hat die Figaro-Branche erreicht. Wenn sie dann noch statt "soz." das Wort "Charity" verwenden, ist die Transformation abgeschlossen.
donalphons, 22:45h
... link (2 Kommentare) ... comment
Sonntags, wenn der Redakteur pennt
und der Praktikant die Pfote am Freischaltbutton hat, nachdem er die Nachricht zu Toll Collect in der "Welt" kopiert hat, passiert das:
Laut "Welt am Sonntag" hat man sich nun auf eine Obergrenze von rund einer Milliarde Euro pro Jahr und höhere Vertragsstrafen geeinigt. Zudem habe man sich auf höhere Vertragsstrafen geeinigt, schreibt das Blatt.
Vetragsstrafen für Inkompetenz? Aber aber, das sind doch alles Qualitätsjournalisten
Laut "Welt am Sonntag" hat man sich nun auf eine Obergrenze von rund einer Milliarde Euro pro Jahr und höhere Vertragsstrafen geeinigt. Zudem habe man sich auf höhere Vertragsstrafen geeinigt, schreibt das Blatt.
Vetragsstrafen für Inkompetenz? Aber aber, das sind doch alles Qualitätsjournalisten
donalphons, 17:44h
... link (0 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Samstag, 28. Februar 2004
Club der schönen Mütter
Alleinstehende Frauen, die um 1960 herum Mitte 20 waren, hatten es nicht leicht. In der Stadt, aus der ich stamme, hätte man ihnen kein Zimmer gegeben - und wenn, hätten sie keine Männer mitbringen dürfen. Falls doch irgendwie einen Kerl ins Bett gebracht hatten, begann das Drama mit der Schwangerschaft. Hoffentlich nicht, und wer kann dann helfen, wenn...? Oder, grauslig, austragen und heiraten? Aber wie soll es sonst gehen, vom Geld her betrachtet?
Dann kam erstmal Carl Djerassi, ein netter jüdischer Ex-Österreicher, der die Pille erfand, aus der die Alpträume der Lebensborn- und Christenzuchtfanatiker sind. Und dann kamen die 68er, und traten die selben Typen kräftig nochmal in den Podex. Nicht kräftig genug, dass die Weltrevolution kam, aber doch so nachhaltig, dass die meisten Studentinnen heute die Pille schlucken und erst mal Single bleiben. Nicht alleinstehend, sondern selbstbewusst.
Bis dann der Trend zu den schönen Müttern kam. In den Redaktionen mancher Gazetten hatten die Lebensbornfreaks überlebt. Was Anfang der 90er bei der Tempo noch zu gehöriger Verachtung der Weicheier führte, die so ein Drecksthema wie Blagen auf den Titel hoben, wird heute akzeptiert. Der Zeitgeist ist einfach so. Hauptsache, man kann es schön wirtschaftlich begründen:
Karin Bayer-Ortner, Theologin und Sozialpädagogin und ihr Mann Michael, Volkswirt aus Köln sprechen über die ökonomische Theorie von Ehe und Familie (u.a. Nobelpreis von US-Ökonom Gary Becker) und die "Operationalisierung" mit Blick auf den erst wenige Monate alten kleinen Johannes.
Von hier.
Dann kann man sich ja sowas altmodisches wie die Pille sparen. Ist ja auch ungesund, im Gegensatz zum Joggen mit dem sportlichen Buggy. Dann kann man, gestählt wie ein BDM-Mädel, auch mit dem Finger auf so einen alten Sack wie Don Alphonso zeigen, der nach dem Lesen der Ankündigung am liebsten eine Tour durch die Kneipen machen wollte, Saufen bis das Schwein pfeift, und morgen um 18 Uhr neben einer netten Frau aus Ungarn aufwachen will, die für die Stunden davor seine letzten 400 Euro vom Vorschuss für das nächste Buch bekommt.
Gut, ich bin Antialkoholiker. Mein Liebesleben ist keinerlei finanziellen Folgen unterworfen. Aber manchmal würde ich einfach gern...
Dann kam erstmal Carl Djerassi, ein netter jüdischer Ex-Österreicher, der die Pille erfand, aus der die Alpträume der Lebensborn- und Christenzuchtfanatiker sind. Und dann kamen die 68er, und traten die selben Typen kräftig nochmal in den Podex. Nicht kräftig genug, dass die Weltrevolution kam, aber doch so nachhaltig, dass die meisten Studentinnen heute die Pille schlucken und erst mal Single bleiben. Nicht alleinstehend, sondern selbstbewusst.
Bis dann der Trend zu den schönen Müttern kam. In den Redaktionen mancher Gazetten hatten die Lebensbornfreaks überlebt. Was Anfang der 90er bei der Tempo noch zu gehöriger Verachtung der Weicheier führte, die so ein Drecksthema wie Blagen auf den Titel hoben, wird heute akzeptiert. Der Zeitgeist ist einfach so. Hauptsache, man kann es schön wirtschaftlich begründen:
Karin Bayer-Ortner, Theologin und Sozialpädagogin und ihr Mann Michael, Volkswirt aus Köln sprechen über die ökonomische Theorie von Ehe und Familie (u.a. Nobelpreis von US-Ökonom Gary Becker) und die "Operationalisierung" mit Blick auf den erst wenige Monate alten kleinen Johannes.
Von hier.
Dann kann man sich ja sowas altmodisches wie die Pille sparen. Ist ja auch ungesund, im Gegensatz zum Joggen mit dem sportlichen Buggy. Dann kann man, gestählt wie ein BDM-Mädel, auch mit dem Finger auf so einen alten Sack wie Don Alphonso zeigen, der nach dem Lesen der Ankündigung am liebsten eine Tour durch die Kneipen machen wollte, Saufen bis das Schwein pfeift, und morgen um 18 Uhr neben einer netten Frau aus Ungarn aufwachen will, die für die Stunden davor seine letzten 400 Euro vom Vorschuss für das nächste Buch bekommt.
Gut, ich bin Antialkoholiker. Mein Liebesleben ist keinerlei finanziellen Folgen unterworfen. Aber manchmal würde ich einfach gern...
donalphons, 23:01h
... link (2 Kommentare) ... comment
Real life 28.2.04 - Online frei,
klar, war die Devise des BWL-Studenten-Zentralorgans Brand Eins, bei anderen auch bekannt als Froitzheimsche Ursuppe, hier nach Spiegelrezept zur Schleimsuppe verkocht. Alles online frei, Internet frei, blabla.
Ooops - was sehen meine optimistisch-blauen Augen? BrandEins verlangt Geld fürs Online-Lesen. War wohl nix mit freiem Internet.
Und Frau Fischer hat nichts gelernt aus dem Scheitern der Pay Content Fritzen, die ihr Flachblatt immer so bejubelt hat.
Ooops - was sehen meine optimistisch-blauen Augen? BrandEins verlangt Geld fürs Online-Lesen. War wohl nix mit freiem Internet.
Und Frau Fischer hat nichts gelernt aus dem Scheitern der Pay Content Fritzen, die ihr Flachblatt immer so bejubelt hat.
donalphons, 22:32h
... link (1 Kommentar) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 27. Februar 2004
Unself-Marketing
Die Stadt hat Geld. Immer noch. Deshalb geht es ihr sehr gut. In der Mischung von Preisen, Löhnen, Reichtum, vollkommen unbesuchten Museen (mit Ausnahme des Museums für professionelle Menschenmetzeleien), arroganter Zufriedenheit der Bewohner und bierdimpfliger Provinzialität kommt die Stadt bundesweit ganz vorne.
In dieser Stadt braucht man kein flaches, postkonstruktivistisches Stahlgewitter als Headquarter einer Marketingagentur. Es reicht, einen ehemaligen Edeka und spätere Pizzeria rosa anzustreichen. Niemand stört sich an dem spiessigen Dach und dem spezifischen Retro-Design des 3. Reiches. Ist ja Provinz.

Das Problem ist nur, dass in dieser Provinz Entscheider sitzen, die das Wort "Marketing" nicht kennen. Die hiesigen Stahlbaubarone zum Beispiel begannen als Kids Anno 45, als sie mit dem Leiterwagerl vor die Tore der Stadt zum Fliegerhorst gingen, Flugzeuge zersägten und das Metall verkauften. Neue Märkte braucht hier niemand, denn die Märkte sind verteilt, und das ist gut so. Und die Werbung macht immer noch der Cousin der Sekretärin. Für einen Sonderpreis.
Rosa allein genügt hier nicht. Und es darf auch bezweifelt werden, dass das Schild im Munich Area Style hier besonders gut kommt.
Zumal das Viertel eines ist, in das man heute nicht mehr ziehen würde. Auch wenn man dort vielleicht noch ein Haus hat, das seit 20 Jahren an ein und dieselbe Person vermietet ist. Aber man würde sich dort keinen Geschäftspartner suchen.
In dieser Stadt braucht man kein flaches, postkonstruktivistisches Stahlgewitter als Headquarter einer Marketingagentur. Es reicht, einen ehemaligen Edeka und spätere Pizzeria rosa anzustreichen. Niemand stört sich an dem spiessigen Dach und dem spezifischen Retro-Design des 3. Reiches. Ist ja Provinz.

Das Problem ist nur, dass in dieser Provinz Entscheider sitzen, die das Wort "Marketing" nicht kennen. Die hiesigen Stahlbaubarone zum Beispiel begannen als Kids Anno 45, als sie mit dem Leiterwagerl vor die Tore der Stadt zum Fliegerhorst gingen, Flugzeuge zersägten und das Metall verkauften. Neue Märkte braucht hier niemand, denn die Märkte sind verteilt, und das ist gut so. Und die Werbung macht immer noch der Cousin der Sekretärin. Für einen Sonderpreis.
Rosa allein genügt hier nicht. Und es darf auch bezweifelt werden, dass das Schild im Munich Area Style hier besonders gut kommt.
Zumal das Viertel eines ist, in das man heute nicht mehr ziehen würde. Auch wenn man dort vielleicht noch ein Haus hat, das seit 20 Jahren an ein und dieselbe Person vermietet ist. Aber man würde sich dort keinen Geschäftspartner suchen.
donalphons, 11:43h
... link (1 Kommentar) ... comment
Accenture
ist einer der Läden, bei dem man sich fragt, wie schamlos man eigentlich sein muss, um jetzt nach Enron und Co. nicht wenigstens an der Arbeitsagentur vor Scham zu verenden.
Sehr, vermutlich. Das Weitervegetieren im Beratungssumpf kann man sich auch nur leisten, wenn Politiker das sagen, was auch jeder Verzweifelte sagt, wenn er von der Brücke vor den Zug springt:
"Im Kern ist dieses Projekt auf einer guten Schiene."
Und wer immer noch nicht glaubt, dass Blogger *etwas* bessere Menschen sind, zumindest manchmal, lese die Elfe:
http://www.elfengleich.de/index.php?log_id=493
http://www.elfengleich.de/index.php?log_id=511
Sehr, vermutlich. Das Weitervegetieren im Beratungssumpf kann man sich auch nur leisten, wenn Politiker das sagen, was auch jeder Verzweifelte sagt, wenn er von der Brücke vor den Zug springt:
"Im Kern ist dieses Projekt auf einer guten Schiene."
Und wer immer noch nicht glaubt, dass Blogger *etwas* bessere Menschen sind, zumindest manchmal, lese die Elfe:
http://www.elfengleich.de/index.php?log_id=493
http://www.elfengleich.de/index.php?log_id=511
donalphons, 04:01h
... link (0 Kommentare) ... comment
... older stories



