: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Donnerstag, 26. Februar 2004

Eames Chair

Der Inbegriff der New Economy. Darauf sitzen sie alle, die was zu sagen haben wollten. Den brauchte man, wenn man es geschafft haben wollte. Klassisches Aluminium, keine offenen Schraubenköpfe, Leder, auch nach 20 Jahren noch in Form, wenn das Startup schon 18 Jahre pleite ist und der Entrepreneur sich fragt, wie wohl die Rente als Kellner so sein wird.

Ein Eames Chair muss es sein. Ausser natürlich für den inzwischen etwas älteren Mann, den ich heute traf. Der weiss nicht, was ein Eames Chair ist, auf dem die jungen Hüpfer sitzen.

Ist ihm wohl auch nicht so wichtig, mit ein paar hundert Millionen auf der hohen Kante.

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b2m

Man merkt es mit geschlossenen Augen, beim Fahren. Die Strassen sind glatt. Wenn man die Augen aufmacht: Die "Zu Vermieten"-Schilder sind nicht so obszön. Die Leute sind 2, 3 Klassen besser angezogen. Die Stadt ist sauber.

Und die Studis haben inzwischen auch die letzten Protestplakate eingerollt, und sitzen in den Cafes und träumen vom Sommer und den Tagen im Englischen Garten. Eine halbverhungerte Frau mit Mikro macht eine Umfrage für ein Privatradio, das an der Pleite entlangschrammt. München eben.

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Montag, 23. Februar 2004

Umfrage für all die NE-Addicts da draussen

New Economy Clash! Macht es Sinn, die Vorurteile gegenüber fremden Städten literarisch gelesen aufeinanderprallen zu lassen?
Ich gehe lieber in die Kulturbrauerei, klammere mich an einem Bier fest beim Plantschen im Choriner Sumpf.
Ich komme und beteilige mich an der Groupiehorde, wobei ich vorher ich mich bei Ebay als D&G-Victim ausstaffiere.

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Erstellt von donalphons am 2004.02.23, 02:44.


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Business Modell

In kleinem Kreis vorgetragen und keinen Widerspruch bekommen: Im Kern Vorurteile kapitalisieren, durch Überspitzung sofort wieder abbauen und Neugier auf Neues wecken.

Schliesslich ist in der Fremde nicht alles schlecht. Das Mädchen wollte nur 1.30 Euro für die heisse Zitrone. Ich war nicht spendabel, sondern einfach nur sehr verdattert, dass ich ihr 2 Euro gab. Immerhin, dachte ich beim Verlassen des Cafes, irgendwann müssen die schlechten Zeiten des Geizes mal aufhören.

Vielleicht reicht es für das Mädchen am Ende des Tages für ein nettes Kleidungsstück, der Umsatz des Herstellers steigt, er investiert in eine neue Maschine, die einen Metallbauer zwingt, einen Arbeitslosen einzustellen, der seinen ersten Lohn im Bordell verjuxt, was die Frauen dazu bringt, sich am nächsten Tag mal frei zu nehmen und auszugehen, eine lächelt einen Bankangestellten an, der fühlt den Frühhling und sagt am nächsten Morgen seinem Boss, eigentlich sollte man doch wieder was für Leute tun, die wieder gründen wollen...

Das nimmt zwar etwas Zeit in Anspruch, aber bis so ein Produkt der Vorurteilskapitalisierung den Markt erreicht, dauert es etwa genauso lang. Und der Gründer wird etwas Schickes, Böses zum lesen brauchen, wenn er seinen ersten Flug als Entrepreneur antritt.

Der Anfang ist getan.

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Sonntag, 22. Februar 2004

Generation Golf, Edition "Neue Mitte"

Bitte die Sonderausstattungen beachten: Nasser Einlass von oben, entscheibte Windschutzscheibe Marke "Nemax", sowie bilanzrote Sitze und Autoradioschacht "Leer wie der Kühlschrank".



Und wartet getreulich, dass jemand kommt und das ganze Unglück abholt, einfach so.

Oder so.

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Samstag, 21. Februar 2004

Sie hassen den Kapitalismus

obwohl, oder weil sie ihn nicht verstehen. Er macht sie hilflos, er gibt ihnen nur Ramsch für 99 cent, und dafür müssen sie noch 10 Minuten an der Kasse anstehen. Sie hassen den Stillstand, sie werden agressiv und würden die Kassiererin mit ihren lahmen Bewegungen gern stiefeln.

Es geht nicht, und sie wissen es. Der Kapitalismus ist ihnen mit seinen Überwachungskameras und der Privatarmee im Nacken und passt auf, dass sie sich ordentlich aufführen. Dann gehen sie raus zur S-Bahn, die sie in die trostlosen Mietskasernen bringt.



Auf dem Weg dorthin, in der roten Klinkermauer, sind weiche Ziele. Niemand sieht hier, was sie tun. Sie schlagen das Plexiglas ein und zertrümmern die Neonröhren. Es wird dunkel im engen Gang vor dem Einkaufstentrum, das jertzt allein die Nacht über der Stadt bestrahlt.

Der Kapitalismus bleibt unbefleckt. Und morgen werden sie wieder kommen und neuen Ramsch für 99 Cent kaufen.

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Real Life 21.2.04 - John Henry´s Brunch

Colson Whitehead hat mit John Henry Days ein sehr schönes Erinnerungsbuch an die grossen Zeiten des Dotcom-Journalismus vorgelegt, in denen man sich auf Kosten der Veranstalter ein Jahr lang als Spesenritter durchschlagen konnte.



Das ist vorbei. 12.50 Euro für das Brunch selbst zahlen, bitte. Alk geht extra. Einlass trotzdem nur meit Einladung, für jemanden, den hier praktisch niemand kennt. Und bei der Einladungspolitik auch niemand kennen lernen wird. Wer es sich als Journalist leisten könnte, hat an dem Tag was Besseres zu tun. Und wer arbeitslos ist, hat nicht das Geld.

Für 12.50 Euro bekommt man schliesslich hinter der Schönhauser Allee genug Sroff, um sich eine Nacht nachhaltig zu bedröhnen.

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zittoyens

Es ist eine geschlossene, hermetische Welt, diese junge Stadtzeitung mit ihren leicht quietschig lachenden Reporterinnen und Photoabteilungsmädchen, die die jpegs verschludern und es erst kurz vor Druck merken, um dann panisch nachzufragen. Sie sehen aus wie die Kids , Models und Filmhalbgrössen auf dem Cover, kaufen bei Ikea und tragen H&M und Mützen, die nicht gerade vorteilhaft aussehen.

Eher, in meiner Jugend hätte man in der Tempo gesagt, gut dass uns der Türsteher vor sowas bewahrt. Leute wie Hansi & Inge Grandl zum Beispiel. Aber die Grandls dürften inzwischen schon auf die 70 zugehen. Ausserdem sind solche Türsteher eine nach Dekaden des Siechtums aussterbende Gattung. Letzte Woche war ich mit meiner kleinen Schwester im Greenwich, einem Lokal mit eingebauter Fischquälerei und Glaseimern voller Cocktailmantsche für Winterschlussverkaufs-Preise, für die man in München allenfalls einen Tee mit Rum bekäme. Die können sich derartiges Personal wohl auch nicht mehr leisten. Was wohl der Grund war, warum die Mädchen auch in extremen Formen des Downdressens reinkommen.

Passt aber auch zur Stimmung dieser Leute. Alles sehr reduziert, bar jeder Erwartung, ausser vielleicht, dass es den Job in einer Woche schon nicht mehr gibt. Kein Glaube, dass irgendwas jemals besser wird. Grosses Thema ist das nächste Praktikum, nicht der nächste Karriereschritt. 6000 arbeitslose Journalisten soll es in Berlin geben, und ein paar Dutzend sind bereit, für den Gegenwert einer vollen H&M-Tüte Groschenromane zu schreiben.

Nur Illies will irgendwann sein Hochglanzteil publizieren. Für die Altersstufe, die die Tempo noch aus eigener Ansicht kennen. Für die, die den zittoyens die verbrannte Erde hinterlassen haben. Und denen es ziemlich egal ist, dass die drei Topthemen der jungen Leute so aussehen: 1. Die Krise, 2. der Selbstmord, 3. das Hoffen auf ein Wunder, vielleicht doch entdeckt zu werden und was im Film zu machen wie Jana Pallaske das doch auch geschafft hat und inzwischen sogar singt und sowas wie Mia werden sie doch auch noch hinbekommen.

Klar. Dafür braucht man auch nicht den Trever Horn, und von "if ya wonna come" zu singen, würde ihnen nicht einfallen.

Niemand kommt in der ersten generation post hype. Sie gehen. Ein.

Nachtrag - Es war wohl Gedankenübertragung: Jens Thiel von den Minusvisionen, den ich in einem anderen Leben, glaube ich, beim First Tuesday kennengelernt habe, war in meiner geliebten und gehassten Heimat München und hat quasi im Vorraus schon den Berliner Stab knackiger gebrochen, als ich hier mein Frühstück angesichts des Marzahner Vororts Berlin a.d. Spree breche.

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Donnerstag, 19. Februar 2004

Ohrwurm

Warum denke ich gerade jetzt an den Titel "Kopfhaut" von den Ärzten?

....sie hatten Pfeil und Bogen
und einer auch ein Beil,
und ich wusste, sie warn auf meine Kopfhaut geil.

Sie sagten Du kannst gehn aber Deine Kophhaut bleibt hier...

Und warum haben diese Tage nicht 32 Stunden, damit man ordentlich arbeiten UND schlafen kann? Für die zweinächtigenSonderschichten werde ich langsam zu alt, ich bin ja auch nicht mehr in der New Economy.

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Mittwoch, 18. Februar 2004

Der Spontispruch

Enteignet Springer!

Der hört sich auch nach 35 Jahren immer noch verdammt gut an, heute Nacht.

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Illegal

ist es, zu Straftaten aufzurufen. Legal ist es dagegen, eine Doppelmoral zu haben. Man kann nicht dazu auffordern, Bild-Redakteure in das reale Gegenstück der Kloake zu stecken, die in ihrem Kopf ist.

Schliesslich ist das ein zivilisiertes Land. Hier herrscht Pressefreiheit. Gut, und natürlich der Zwang, aktuelle Geschichten für die Auflage zu haben.

Für den Dieckmann darf man deshalb, wie für alle anderen Promis, natürlich auch schon zu Lebzeiten einen Nachruf in der Schublade haben, gleich neben dem von Leni Riefenstahl. Das meinen wir Journalisten nicht persönlich, ist doch klar.

Nicht mehr als eine Notwendigkeit des Journalistenalltags in einem zivilisierten Land. Nicht immer schön, das. Aber auch logisch, irgendwo. Man kann Pornos verkaufen, durch Pornos verkaufen und mit dem Skandal der Pornos verkaufen. Das heisst dann Value Chain. Man kann Value Chains nicht verurteilen - auch Nachrufe sind letztlich nur Teil der Verwertungskette.

Es gibt kein Gut und kein Böse, es gibt nur die Lebenden, die Toten, und die tot gemacht werdenden.

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Dienstag, 17. Februar 2004

Sportfeinde

Fritzauf fritzab quäken die Sportfreunde Stiller aus den Boxen, von wegen "vielleicht genauso irgendwie". Damit wird der alten Masche zwischen sprachlicher Unschärfe einer Lomo und Pedanterie einer Hinrichtungsbestätigung des Amtsarztes nochmal Rechnung getragen, also genau das popliterarische Geseiere, mit dem sich diese Band einen Namen gemacht hat. Nur diesmal in der babylatzrosanen Weichspülerversion mit korrekten Chorakkorden. Passend zur Deprizeit.

Früher waren sie der Inbegriff der Praktikantinnen-Mucke; zu ihren damals noch netteren Liedchen schrubbelten sich Content Syndication Assistents die kurzen Haare, bevor es raus ging in die feindliche Welt, die nicht Kunde werden wollte. Statt weiterhin die Sterne zu kopieren, rutschen die Sportfreunde jetzt auf ihrem eigenen Schleim in den Ursumpf ab, aus dem sie gekrochen sind: Als Revival der Schlagergruppe Münchner Freiheit für Germanistik-Proseminaristinnen ohne Aussicht auf Geschlechtsverkehr. Und ohne Chance auf einen Ferienjob in der New Media Welt.

Die Echten hören sowieso eher die Goldenen Zitronen.

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Sonntag, 15. Februar 2004

BC

BC stand früher mal für "before christ" und umschrieb eine Zeit, in der nach Ansicht einiger Leute das Heil noch nicht angebrochen war.

Dann, Ende des 2. Jahrtausends nach Christus, stand BC für Beisheim Center. Ein Gebäudekomplex mitten in der Wüste des Potsdamer Platzes, und hier sollte das heil auf all diejenigen Vertreter der 68er warten, die es sich nach dem Gang durch die Institutionen leisten konnten.



Für mich steht BC heute für before catastrophe, für den Irrsinn, der dem Niedergang vorrausging. Und im BC der zweiten version brennen nur wenige Lichter. Es sieht sehr still aus, fast möchte man sagen: Tot. PC im Sinne von post catastrophe.

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