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Dienstag, 13. Juni 2006
Sommer 360°
Der Arbeitsplatz

Die Aussicht

Da, wo die Kamera ist, ist auch das Notebook. Ich hoffe, es wird nicht langweilig.

Die Aussicht

Da, wo die Kamera ist, ist auch das Notebook. Ich hoffe, es wird nicht langweilig.
donalphons, 22:58h
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Grüne Fensterläden
am besten in einem dunklen Moosgrün, vielleicht aber auch in zartem Nilgrün der 20er Jahre, verschlossen und in sich gekehrt wegen der Hitze des Tages

sind das passende Exterieur für diese wirklich famose Geschichte von Madame Modeste.

sind das passende Exterieur für diese wirklich famose Geschichte von Madame Modeste.
donalphons, 20:42h
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Sommer in der kleinen Stadt
Wer kommt dran?
Bitte, der Herr war zuerst da.
Die Frau hinter der Theke sucht geduldig nach einem passenden Rohling für sein Schloss, fragt dann, ob ich vielleicht noch ein paar Minuten Zeit habe, dann würde sie es schnell machen, und verschwindet nach hinten. Wir reden ein wenig über das Wetter, was für ein schöner, braver Hund das ist, der da so regunglos rumliegt und fast schläft, nur manchmal geht ein Auge auf und linst uns an.

Wir reden über all das und über die Neigung, pfenniggute Dinge wegzuwerfen, statt sie vom Handwerker richten zu lassen, und neues Glump zu kaufen. Wenn ihre 5,99-Euro-Schlösser dann brechen, kommt auch kein chinesischer Schleifer, den den Schlüssel aus billigem Blech gemacht hat, für 13 Dollar Monatslohn, und bohrt ihnen die Tür auf, dann erst rufen sie den Spezialisten. Der auch lieber einmal ein ordentliches Schloss verkaufen würde, als in der Nacht einen Noteinsatz zu machen.
Sie kommt wieder, probiert es, na, ein wenig hakt es noch, Moment, er erzählt, dass er was vom Stahl versteht, er war Meister bei der grossen Firma, seine Hände sind gross und kräftig, und einen Moment frage ich mich, was er damit wohl tun würde, wenn ihm jemand mit der globalisieten Web2.0-Gesellschaft käme. Er bekommt seinen Schlüssel, reicht mir die Hand, und zwar richtig, und geht dann hinaus in die gleissende Sonne. Die Frau sucht meinen Schlüssel heraus, auf den sie drei Millimeter aufgeschweisst haben, und meint, sie hätte leider vergessen, mich anzurufen. Egal, sage ich, sie hätte mich nicht erreicht, mein Handy ist seit einer Woche ohne Strom, ich finde das Ladegerät nicht, und ich wohne gleich um die Ecke. Wenn der Schlüssel nicht passt, soll ich nochmal kommen, sie schleift ihn dann nach.
Natürlich passt der Schlüssel. Und gestern habe ich einen Moment darüber nachgedacht, mein DSL zu kündigen. Ich werde alt.
Bitte, der Herr war zuerst da.
Die Frau hinter der Theke sucht geduldig nach einem passenden Rohling für sein Schloss, fragt dann, ob ich vielleicht noch ein paar Minuten Zeit habe, dann würde sie es schnell machen, und verschwindet nach hinten. Wir reden ein wenig über das Wetter, was für ein schöner, braver Hund das ist, der da so regunglos rumliegt und fast schläft, nur manchmal geht ein Auge auf und linst uns an.

Wir reden über all das und über die Neigung, pfenniggute Dinge wegzuwerfen, statt sie vom Handwerker richten zu lassen, und neues Glump zu kaufen. Wenn ihre 5,99-Euro-Schlösser dann brechen, kommt auch kein chinesischer Schleifer, den den Schlüssel aus billigem Blech gemacht hat, für 13 Dollar Monatslohn, und bohrt ihnen die Tür auf, dann erst rufen sie den Spezialisten. Der auch lieber einmal ein ordentliches Schloss verkaufen würde, als in der Nacht einen Noteinsatz zu machen.
Sie kommt wieder, probiert es, na, ein wenig hakt es noch, Moment, er erzählt, dass er was vom Stahl versteht, er war Meister bei der grossen Firma, seine Hände sind gross und kräftig, und einen Moment frage ich mich, was er damit wohl tun würde, wenn ihm jemand mit der globalisieten Web2.0-Gesellschaft käme. Er bekommt seinen Schlüssel, reicht mir die Hand, und zwar richtig, und geht dann hinaus in die gleissende Sonne. Die Frau sucht meinen Schlüssel heraus, auf den sie drei Millimeter aufgeschweisst haben, und meint, sie hätte leider vergessen, mich anzurufen. Egal, sage ich, sie hätte mich nicht erreicht, mein Handy ist seit einer Woche ohne Strom, ich finde das Ladegerät nicht, und ich wohne gleich um die Ecke. Wenn der Schlüssel nicht passt, soll ich nochmal kommen, sie schleift ihn dann nach.
Natürlich passt der Schlüssel. Und gestern habe ich einen Moment darüber nachgedacht, mein DSL zu kündigen. Ich werde alt.
donalphons, 14:17h
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Haifischsorgen
Hi.
Hi.
Was machst Du grade?
Ich sitze draussen und schaue der Sonne beim Untergehen zu.

Untergehen ist ein prima Stichwort. Kannst Du mir eine Rechnung schicken?
Was?
Eine Rechnung für Deine Leistungen.
Meinst Du das Ernst?
Ja, für 04 und 05, alles zusammen.
Puh, das war, was war das nochmal, das, jenes, da muss ich mal nachschauen, da kommt aber was zusammen.
Jaja, mach einfach und die Recherche wegen dem D. kommt auch noch dazu, und bitte ganz.
Was ist los? Habt Ihr Marzahn an die Saudis verkauft? Oder Eure Buchprüfer einbetoniert, dass ihr jetzt zahlen wollt?
Ich will nicht zahlen, ich will nur die Rechnung, und zwar morgen, unbedingt. Die Steuerschätzung ist da, und wenn ich die akzeptiere, gehen sie gleich nochmal nach oben, also mache ich die Steuer lieber gleich, auch wegen der Verzugszinsen.
Aha. Und wann soll ich Dir die Mahnung schicken?
Wenn nachher noch was übrig ist. Frühestens. Ich muss gleich mal eintreiben, was geht. Ach so, kannst Du mir vielleicht auch noch 100 Euro mitschicken? Ich muss unbedingt tanken.
Wie wäre es mit radeln?
Mit dem Rad kann ich nicht zum Eintreiben.
60 Tanken, 40 Essen, 0 Fluppen, verstanden.
Jaja, schon gut. Tschüss.
Die Sonne ist weg. Und manchmal wüsste ich gern, ob es auch andere Kollegen gibt.
Hi.
Was machst Du grade?
Ich sitze draussen und schaue der Sonne beim Untergehen zu.

Untergehen ist ein prima Stichwort. Kannst Du mir eine Rechnung schicken?
Was?
Eine Rechnung für Deine Leistungen.
Meinst Du das Ernst?
Ja, für 04 und 05, alles zusammen.
Puh, das war, was war das nochmal, das, jenes, da muss ich mal nachschauen, da kommt aber was zusammen.
Jaja, mach einfach und die Recherche wegen dem D. kommt auch noch dazu, und bitte ganz.
Was ist los? Habt Ihr Marzahn an die Saudis verkauft? Oder Eure Buchprüfer einbetoniert, dass ihr jetzt zahlen wollt?
Ich will nicht zahlen, ich will nur die Rechnung, und zwar morgen, unbedingt. Die Steuerschätzung ist da, und wenn ich die akzeptiere, gehen sie gleich nochmal nach oben, also mache ich die Steuer lieber gleich, auch wegen der Verzugszinsen.
Aha. Und wann soll ich Dir die Mahnung schicken?
Wenn nachher noch was übrig ist. Frühestens. Ich muss gleich mal eintreiben, was geht. Ach so, kannst Du mir vielleicht auch noch 100 Euro mitschicken? Ich muss unbedingt tanken.
Wie wäre es mit radeln?
Mit dem Rad kann ich nicht zum Eintreiben.
60 Tanken, 40 Essen, 0 Fluppen, verstanden.
Jaja, schon gut. Tschüss.
Die Sonne ist weg. Und manchmal wüsste ich gern, ob es auch andere Kollegen gibt.
donalphons, 02:31h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Montag, 12. Juni 2006
Sehr zu empfehlen - ein Barockschloss
Wenn bei einem normalen Haus das Türschluss fehlt, geht man in den Baumarkt und kauft ein Neues. Oder ruft den Schlosser an, damit der das einbaut. In der Regel ist das nicht weiter schwer, die Schlösser, Blenden und Griffe sind normiert und sollten eigentlich passen.
Bei einem alten Haus mit alten Türen sieht die Sache anders aus. Der Modernisierungswut nach 1890 sind in unserem Haus gerade mal 15 Türen zum Opfer gefallen, die anderen sind noch original, und auch manche "neue" Tür steht heute schon wieder unter Denkmalschutz. Da ist zum Beispiel eine Durchreichtür von 1890, deren oberes Teil ein aufklappbares Fenster ist. Sehr praktisch, wenn die - meist verschwitzte, stundenlang arbeitende - Köchin aus ihrem dampfenden, mit Feuer beheizten Reich etwas an die Hausdiener zum Servieren übergab. Heute ist das natürlich funktionslos, aber "damals", in der sog. guten alten Zeit, die man sich in ihren schauderhaften Details noch nicht mal als Nachfahre der Begünstigten vorstellen mag, waren solche Veränderungen die Regel.
Wenn diese Tür also noch als Zeugnis einer wenig ruhmvollen Geschichte durchgehen kann, gibt es mitunter echte Verbrechen. Eines dieser Verbrechen geschah gegen 1966, als ein Mieter eine alte Tür als zu schäbig befand und sie auf eigene Kosten gegen eine moderne, glatte Tür ersetzen liess. Und das, ohne überhaupt zu fragen. Mit der Folge, dass dieses Türblatt einfach auf einen Türstock der Zeit von 1846/7 aufgeschraubt wurde. Die handgeschmiedeten Angeln wurden damals rausgerissen, wie auch der Gegenhalter für das Türschloss, und weil der ausführende Schlosser grade dabei war, montierte er auch das Schloss und die Griffe ab. Die alte Tür landete dann im Hof, wodurch meine Grossmutter auf das Verbrechen aufmerksam wurde. Meine Grossmutter war eine sehr sanfte, sehr kinderliebe Frau mit einem grossen Herzen, und diesem grossen Herzen versetzte der Umgang mit der Tür einen Stich. Die Folgen waren so gravierend, dass jeder Mieterschutzanwalt Grund zu einem Dutzend Klagen hätte. Wenn er so dumm gewesen wäre, sich mit einem Clan anzulegen, deren Oberhäupter vor dem Krieg und bis in die 60er Jahre beim Sonntagsausflug im schönen Altmühltal leidenschaftlich gerne Viecher abknallten und in deren Wohnung die Schiessprügel und Geweihe rumhingen wie andernorts heute Ikeakunstdrucke. Ja, es dauerte eine Weile, bis das Recht des Hirschfängers in Bayern abgelöst wurde.
Wie auch immer, der Schaden war da, die Metallteile waren verschwunden, und so blieb meiner Grossmutter nur,den Mieter mit der 12er Schrotflinte zur Strecke zu die Tür in den Speicher zu tragen und auf den Tag zu warten, an dem man so eine Tür wieder braucht. 40 Jahre später ist die "neue" Tür immer noch hässlich und unpassend. Und kaputt. Das heisst, kaputt ging sie erst, als meine Frau Mama sie für nicht hässlich genug fand, um sie auszutauschen. Sowas passiert manchmal. Jedenfalls geht jetzt die alte Tür aus dem Speicher, frisch geschliffen und bald auch bemalt, wieder hinunter. Und das neue Glump, das nicht mal fünf Hammerschläge auf die Angeln aushält, fliegt raus.
Letzte Woche kam dann der Kostenvoranschlag für das benötigte Material: ein handgeschmiedeter Gegenhalter kosten - bitte festhalten - 120 Euro, und ein nachgebautes Schloss nach eher schlichtem Originalvorbild - bitte hinsetzen - 600 Euro. Und wir reden hier nicht von einem massiven Bronzegehäuse mit verziertem Innenleben, sondern nur über ein nach alter Art hergestelltes Eisenschloss mit Riegel. Ohne Handriegel, der würde noch mal 110 Euro kosten. Das sind dann doch Kosten, bei denen man versucht ist, sich wieder an die neue Tür zu gewöhnen - wer weiss denn, ob Mieter sowas nicht ohnehin schöner finden. Es ist normal, dass das Restaurieren einer Tür des 18. Jahrhunderts mehr kostet als ein Tür aus dem Baumarkt, das lohnt sich aber, weil eine gute Tür ohne jeden Nagel, nur aus Holz locker 600, 700 Jahre halten kann und sich nach den ersten 40 Jahren kaum mehr verzieht, aber 830 Euro für ein einziges Schloss - das sind so die Momente, wo man nachdenkt, ob der damalige Verbrecher noch einer irdischen Lynchgerechtigkeit zuzuführen ist. Ist er aber nicht mehr. Gestern nun zeigte sich, dass das Graben in alten Trödlerkisten mitunter sinnvoller sein kann als das Graben im Westfriedhof, um wenigstens nochmal die Knochen zu schänden:


Baujahr geschätzt zwischen 1700 und 1800, damals hatte man diese schrägen Flanken an den Schlössern. Der Korpus ist ein Stück gegossene, massive Bronze, geschliffen und poliert, die Schauben (bitte keine Hakenkreuzvergleiche) sind kleine Meisterwerke, und jedes Gelenk, jede Feder und jeder Riegel läuft, als ob es frisch aus der Schlosserei käme. Billig ist so ein Schloss auch auf dem Trödelmarkt nicht, aber es lohnt sich. Und es passt an die Tür. Denn schon damals (tm) einigte man sich unter Handwerker auf bestimmte Masse.
Man könnte es natürlich jetzt noch putzen und polieren. Aber wozu, ich mag diese Patina der Jahrhunderte, die man so nie künstlich erschaffen kann. Es wird sowieso zu viel perfekt gemacht, überlackiert und auf neu getrimmt. Man erfindet sich einen blitzenden Originalzustand, den es mutmasslich nie gegeben hat. Das einzige Problem: Es ist irgendwie schade, dieses Innenleben einfach so an eine Tür zu schrauben. Wo es hoffentlich noch lange verborgen bleibt und kein Idiot die nächsten paar hundert Jahre auf die Idee kommt, an die Stelle etwas Neues zu setzen.
Bei einem alten Haus mit alten Türen sieht die Sache anders aus. Der Modernisierungswut nach 1890 sind in unserem Haus gerade mal 15 Türen zum Opfer gefallen, die anderen sind noch original, und auch manche "neue" Tür steht heute schon wieder unter Denkmalschutz. Da ist zum Beispiel eine Durchreichtür von 1890, deren oberes Teil ein aufklappbares Fenster ist. Sehr praktisch, wenn die - meist verschwitzte, stundenlang arbeitende - Köchin aus ihrem dampfenden, mit Feuer beheizten Reich etwas an die Hausdiener zum Servieren übergab. Heute ist das natürlich funktionslos, aber "damals", in der sog. guten alten Zeit, die man sich in ihren schauderhaften Details noch nicht mal als Nachfahre der Begünstigten vorstellen mag, waren solche Veränderungen die Regel.
Wenn diese Tür also noch als Zeugnis einer wenig ruhmvollen Geschichte durchgehen kann, gibt es mitunter echte Verbrechen. Eines dieser Verbrechen geschah gegen 1966, als ein Mieter eine alte Tür als zu schäbig befand und sie auf eigene Kosten gegen eine moderne, glatte Tür ersetzen liess. Und das, ohne überhaupt zu fragen. Mit der Folge, dass dieses Türblatt einfach auf einen Türstock der Zeit von 1846/7 aufgeschraubt wurde. Die handgeschmiedeten Angeln wurden damals rausgerissen, wie auch der Gegenhalter für das Türschloss, und weil der ausführende Schlosser grade dabei war, montierte er auch das Schloss und die Griffe ab. Die alte Tür landete dann im Hof, wodurch meine Grossmutter auf das Verbrechen aufmerksam wurde. Meine Grossmutter war eine sehr sanfte, sehr kinderliebe Frau mit einem grossen Herzen, und diesem grossen Herzen versetzte der Umgang mit der Tür einen Stich. Die Folgen waren so gravierend, dass jeder Mieterschutzanwalt Grund zu einem Dutzend Klagen hätte. Wenn er so dumm gewesen wäre, sich mit einem Clan anzulegen, deren Oberhäupter vor dem Krieg und bis in die 60er Jahre beim Sonntagsausflug im schönen Altmühltal leidenschaftlich gerne Viecher abknallten und in deren Wohnung die Schiessprügel und Geweihe rumhingen wie andernorts heute Ikeakunstdrucke. Ja, es dauerte eine Weile, bis das Recht des Hirschfängers in Bayern abgelöst wurde.
Wie auch immer, der Schaden war da, die Metallteile waren verschwunden, und so blieb meiner Grossmutter nur,
Letzte Woche kam dann der Kostenvoranschlag für das benötigte Material: ein handgeschmiedeter Gegenhalter kosten - bitte festhalten - 120 Euro, und ein nachgebautes Schloss nach eher schlichtem Originalvorbild - bitte hinsetzen - 600 Euro. Und wir reden hier nicht von einem massiven Bronzegehäuse mit verziertem Innenleben, sondern nur über ein nach alter Art hergestelltes Eisenschloss mit Riegel. Ohne Handriegel, der würde noch mal 110 Euro kosten. Das sind dann doch Kosten, bei denen man versucht ist, sich wieder an die neue Tür zu gewöhnen - wer weiss denn, ob Mieter sowas nicht ohnehin schöner finden. Es ist normal, dass das Restaurieren einer Tür des 18. Jahrhunderts mehr kostet als ein Tür aus dem Baumarkt, das lohnt sich aber, weil eine gute Tür ohne jeden Nagel, nur aus Holz locker 600, 700 Jahre halten kann und sich nach den ersten 40 Jahren kaum mehr verzieht, aber 830 Euro für ein einziges Schloss - das sind so die Momente, wo man nachdenkt, ob der damalige Verbrecher noch einer irdischen Lynchgerechtigkeit zuzuführen ist. Ist er aber nicht mehr. Gestern nun zeigte sich, dass das Graben in alten Trödlerkisten mitunter sinnvoller sein kann als das Graben im Westfriedhof, um wenigstens nochmal die Knochen zu schänden:


Baujahr geschätzt zwischen 1700 und 1800, damals hatte man diese schrägen Flanken an den Schlössern. Der Korpus ist ein Stück gegossene, massive Bronze, geschliffen und poliert, die Schauben (bitte keine Hakenkreuzvergleiche) sind kleine Meisterwerke, und jedes Gelenk, jede Feder und jeder Riegel läuft, als ob es frisch aus der Schlosserei käme. Billig ist so ein Schloss auch auf dem Trödelmarkt nicht, aber es lohnt sich. Und es passt an die Tür. Denn schon damals (tm) einigte man sich unter Handwerker auf bestimmte Masse.
Man könnte es natürlich jetzt noch putzen und polieren. Aber wozu, ich mag diese Patina der Jahrhunderte, die man so nie künstlich erschaffen kann. Es wird sowieso zu viel perfekt gemacht, überlackiert und auf neu getrimmt. Man erfindet sich einen blitzenden Originalzustand, den es mutmasslich nie gegeben hat. Das einzige Problem: Es ist irgendwie schade, dieses Innenleben einfach so an eine Tür zu schrauben. Wo es hoffentlich noch lange verborgen bleibt und kein Idiot die nächsten paar hundert Jahre auf die Idee kommt, an die Stelle etwas Neues zu setzen.
donalphons, 17:50h
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Technische Probleme
Liebe Leser, mein wirklich vorzüglicher Blogprovider blogger.de hat momentan ein paar kleine technische Probleme, weshalb es zu Aussetzern oder Fehlermeldungen kommen kann. Passiert ab und zu mal, aber es wird sicher bald wieder. Danke für die Nachsicht.
donalphons, 15:52h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 11. Juni 2006
Ein perfekter Tag im Juni
oder warum ich heute diesen Anblick nicht haben werde - feiwillig:

Bis 11.50 Uhr: Frühstücken und Lesen, Eugen Sue, die Geheimnisse von Paris. Ein leider völlig unterschätztes Buch, dessen Entstehung damals so revolutionär war wie bloggen. Gut, es wartet mit schlecht versteckten Klischees auf und bedient mitunter niedrige Instinkte, aber das stört doch keinen.
11.50 Uhr: Transfer in die Asamkirche Maria de Victoria. Ich weiss nicht, ob es wirklich die schönste aller Asamkirchen ist, aber sollte ich jemals Besitzer des dekadentesten Freudenhauses der Welt werden, dann würde ich dafür diese Kirche Stein um Stein nachbauen lassen. Das einzig fiese in dieser Kirche sind die originalen Bänke zum Foltern von Jesuiten: Die mussten jede frühe Nacht hierher zum Beten, und damit sie nicht einschlafen, gibt es am Rücken eine harte, vorstehende Kante. Erfahrene Matinesbesucherinnen nehmen sich deshalb ein kleines, prall gefülltes Kissen für den Rücken mit und sehen aus wie eine abgetakelten Version japanischer Hofdamen. Die sich die Asams als wunderbar üppige Prinzessinnen mit verzücktem Gesicht vorstellten:

Aber diesmal bleibt zum Bewundern der Decke nicht viel Zeit, denn das Programm ist - absolut vollendet. Ich weiss, manche werden die Nase rümpfen, aber hier stehe ich und sage: Wer die meisterschaft nicht anerkennen will von Telemann und Vivaldi, wer mir statt dessen kommen will mit Bachfron und Lullyausgezehr, der gehe mir weg, oder wähle die Waffen. Zur Aufführung bringt das Asamcollegium heute Vivaldis Concerto G-Dur für Violine, Streicher und Basso continuo RV 310 und das Concerto a-Moll für Violoncello, Streicher und Basso continuo RV 422, sowie das bei Kennern und Nichtentsagern beliebte Konzert G-Dur für Viola, Streicher und Basso continuo Tmv 51/G9. Basso, das erinnert schon an den Abend, aber diese Stunde, nun, die allein öffnet die Seelen.
13.oo Uhr und die Mägen. Auf geht´s zur Kuchen- und Tortenschlacht! Hinunter im Pulk der hiesigen Spiesser, neues erfahren über die kleinen Skandale der Stadt, zur schmutzigen Donau, an deren Rand der Konditor Erhardt mit dem Tortenschleppen nicht mehr nachkommt. Havannatorte vielleicht, eine Sacher oder die Champagnercreme, hier nur genannt "die Bombe"? Man wird sehen. Update: Traubencremetorte. Mit gepunktetem Marzipanrand. Traubendiät einmal anders:

13.30 Uhr: Heimkehr, Kuchen und Tee auf der Dachterasse.
16.00 Uhr: Umziehen und Duschen. Schwarz wie die Nacht, denn es geht zum Gratulieren.
16.30 Uhr: Roadster anlassen, Verdeck runterklappen, über die traumhaften Hügel des Altmühltales nach Sandersdorf.

Dort residiert das Geschlecht de Bassus, und dessen weibliches Oberhaupt Margarete Baronin de Bassus, begeht ihren Geburtstag auf eine sehr bayerisch-barocke Art: Mit einem Open-Air-Konzert auf Schloss Sandersdorf bei freiem Eintritt für alle. Gespielt werden, ach, die Haffnersymphonie und die Linzer Symphonie, sowie Ausschnitte aus Opern von Simon Mayr, der hier in Sandersdorf zu Beginn seiner Karriere wirkte.

19.00 Uhr: Der Taktstock hebt sich, und gleich wird das erste Motiv der Haffnersymphonie KV 385 die warme Abendluft des bayerischen Abendhimmels erfüllen...
Übrigens, die Baronin de Bassus hat, wie es sich gehört, natürlich auch ein Schlossrestaurant und eine Schlossbrauerei. Ich denke, es wird lange dauern, bis ich dann unter dem Sternenhimmel durch finstere Wälder zurückgleite ins Donautal.

Es soll angeblich Leute geben, die heute in Berlin und Anderswo Fussball schauen - oh je.

Bis 11.50 Uhr: Frühstücken und Lesen, Eugen Sue, die Geheimnisse von Paris. Ein leider völlig unterschätztes Buch, dessen Entstehung damals so revolutionär war wie bloggen. Gut, es wartet mit schlecht versteckten Klischees auf und bedient mitunter niedrige Instinkte, aber das stört doch keinen.
11.50 Uhr: Transfer in die Asamkirche Maria de Victoria. Ich weiss nicht, ob es wirklich die schönste aller Asamkirchen ist, aber sollte ich jemals Besitzer des dekadentesten Freudenhauses der Welt werden, dann würde ich dafür diese Kirche Stein um Stein nachbauen lassen. Das einzig fiese in dieser Kirche sind die originalen Bänke zum Foltern von Jesuiten: Die mussten jede frühe Nacht hierher zum Beten, und damit sie nicht einschlafen, gibt es am Rücken eine harte, vorstehende Kante. Erfahrene Matinesbesucherinnen nehmen sich deshalb ein kleines, prall gefülltes Kissen für den Rücken mit und sehen aus wie eine abgetakelten Version japanischer Hofdamen. Die sich die Asams als wunderbar üppige Prinzessinnen mit verzücktem Gesicht vorstellten:

Aber diesmal bleibt zum Bewundern der Decke nicht viel Zeit, denn das Programm ist - absolut vollendet. Ich weiss, manche werden die Nase rümpfen, aber hier stehe ich und sage: Wer die meisterschaft nicht anerkennen will von Telemann und Vivaldi, wer mir statt dessen kommen will mit Bachfron und Lullyausgezehr, der gehe mir weg, oder wähle die Waffen. Zur Aufführung bringt das Asamcollegium heute Vivaldis Concerto G-Dur für Violine, Streicher und Basso continuo RV 310 und das Concerto a-Moll für Violoncello, Streicher und Basso continuo RV 422, sowie das bei Kennern und Nichtentsagern beliebte Konzert G-Dur für Viola, Streicher und Basso continuo Tmv 51/G9. Basso, das erinnert schon an den Abend, aber diese Stunde, nun, die allein öffnet die Seelen.
13.oo Uhr und die Mägen. Auf geht´s zur Kuchen- und Tortenschlacht! Hinunter im Pulk der hiesigen Spiesser, neues erfahren über die kleinen Skandale der Stadt, zur schmutzigen Donau, an deren Rand der Konditor Erhardt mit dem Tortenschleppen nicht mehr nachkommt. Havannatorte vielleicht, eine Sacher oder die Champagnercreme, hier nur genannt "die Bombe"? Man wird sehen. Update: Traubencremetorte. Mit gepunktetem Marzipanrand. Traubendiät einmal anders:

13.30 Uhr: Heimkehr, Kuchen und Tee auf der Dachterasse.
16.00 Uhr: Umziehen und Duschen. Schwarz wie die Nacht, denn es geht zum Gratulieren.
16.30 Uhr: Roadster anlassen, Verdeck runterklappen, über die traumhaften Hügel des Altmühltales nach Sandersdorf.

Dort residiert das Geschlecht de Bassus, und dessen weibliches Oberhaupt Margarete Baronin de Bassus, begeht ihren Geburtstag auf eine sehr bayerisch-barocke Art: Mit einem Open-Air-Konzert auf Schloss Sandersdorf bei freiem Eintritt für alle. Gespielt werden, ach, die Haffnersymphonie und die Linzer Symphonie, sowie Ausschnitte aus Opern von Simon Mayr, der hier in Sandersdorf zu Beginn seiner Karriere wirkte.

19.00 Uhr: Der Taktstock hebt sich, und gleich wird das erste Motiv der Haffnersymphonie KV 385 die warme Abendluft des bayerischen Abendhimmels erfüllen...
Übrigens, die Baronin de Bassus hat, wie es sich gehört, natürlich auch ein Schlossrestaurant und eine Schlossbrauerei. Ich denke, es wird lange dauern, bis ich dann unter dem Sternenhimmel durch finstere Wälder zurückgleite ins Donautal.

Es soll angeblich Leute geben, die heute in Berlin und Anderswo Fussball schauen - oh je.
donalphons, 13:44h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Samstag, 10. Juni 2006
Succer
Nur falls hier irgendein Leser - oder Leserin - glauben sollte, dass sich der Mensch zum Besseren entwickelt, Startup-Unternehmer vielleicht nicht gierig dem erstbesten menschenrechtsverletzenden Sponsor auf den Leim gehen und ihre Nutzer mit rechtswidrigen AGBs verraten wie vor sechs Jahren noch ihre Mitarbeiter, oder die kommende Managerelite, die Ethik verpflichtend belegen muss, ein besseres, nicht mehr ganz so klassisches Arschlochmenschenbild hat, von wegen, ich will fressen und Glotzen und wenn die Alte schon da ist, dann soll sie mal das Essen ranschaffen und in der Firma läuft das genauso --- falls einer meiner geschätzten Leser das also glauben sollte, möchte ich ihn bitten, sich dieses wahrlich nicht hübsche, aber mit eben jener Elite gefüllte, unscharfe, da eigentlich auf das Netz abzielende Bild anzuschauen, das seine Hässlichkeit nicht nur optisch in meinem Hinterhof, sondern leider auch über den Gerüch im ganzen Haus mitteilt.

Man beachte neben der Frauenrolle auch die Körper-, Bein- und Armhaltung, die eine Tieferlegung des unpraktischen oberen Fressloches zum Stopfen mit nur wenig geschnittenem Fleisch über dem Kartonteller erlaubt. Gigantisches Potential für spätere Benimmkurse. Mitunter scheint es mir, solche Unis werden nur noch mit Kindern von Neureichen bestückt. Richtig, freiwillig uniformiert sind die auch noch. Mit URL hintendrauf. Und nachdem ich manche von denen vorher aus einem Billigsupermarkt habe kommen sehen, hoffe ich inständig, dass die bayerischen Lebensmittelkontrollen diesmal genauso schlecht gearbeitet haben, wie zu Zeiten von BSE und es in 40 jahren keine allzu langen Rentenansprüche gibt. Wenn überhaupt. Dann noch guten Apetit und bitte das Fleisch schön lang auf dem Grill lassen. Das können sie, das riecht man, und ausserdem schmeckt man dann die Chemie nicht so raus, die das Zeug rosig macht wie den Traum, dass sich nachher noch wer fürs Horizontale findet.

Man beachte neben der Frauenrolle auch die Körper-, Bein- und Armhaltung, die eine Tieferlegung des unpraktischen oberen Fressloches zum Stopfen mit nur wenig geschnittenem Fleisch über dem Kartonteller erlaubt. Gigantisches Potential für spätere Benimmkurse. Mitunter scheint es mir, solche Unis werden nur noch mit Kindern von Neureichen bestückt. Richtig, freiwillig uniformiert sind die auch noch. Mit URL hintendrauf. Und nachdem ich manche von denen vorher aus einem Billigsupermarkt habe kommen sehen, hoffe ich inständig, dass die bayerischen Lebensmittelkontrollen diesmal genauso schlecht gearbeitet haben, wie zu Zeiten von BSE und es in 40 jahren keine allzu langen Rentenansprüche gibt. Wenn überhaupt. Dann noch guten Apetit und bitte das Fleisch schön lang auf dem Grill lassen. Das können sie, das riecht man, und ausserdem schmeckt man dann die Chemie nicht so raus, die das Zeug rosig macht wie den Traum, dass sich nachher noch wer fürs Horizontale findet.
donalphons, 21:02h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Samstag, 10. Juni 2006
Kollaps
Die Sonne hat die Schnauze voll, sie hat genug gesehen von den blöden Kläffern, vielleicht, denkt sie sich, kommt aus den Wolken genug Regen, um das Pack fortzuwaschen, sie jedenfalls mag nicht mehr und geht ganz schnell unter.

Und für alle, die von Arbeit gezwungen ohne Rast in die traumlose Nacht treiben, zwischen Fragmenten, Sehnsüchten und Verzweiflung, hier als Abwechslung und schwarze Inspiration Worte eines Mannes, den als Staatslenker man sich in dieser drögen Republik wünschen würde. Auch wenn seine Botschaft Unsägliches zum Essen serviert.

Und für alle, die von Arbeit gezwungen ohne Rast in die traumlose Nacht treiben, zwischen Fragmenten, Sehnsüchten und Verzweiflung, hier als Abwechslung und schwarze Inspiration Worte eines Mannes, den als Staatslenker man sich in dieser drögen Republik wünschen würde. Auch wenn seine Botschaft Unsägliches zum Essen serviert.
donalphons, 01:58h
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And this is the Autobahn!
sagte mein Bekannter aus Kalifornien damals, als er 1992 zum ersten Mal in Deutschland war, auf dem Weg vom Flughafen zu uns. Dabei waren wir noch nicht mal auf der A9, der berüchtigten Rennstrecke, sondern auf dem Autobahnring, der einem den Weg durch München erspart. Kalifornien hatte damals zumindest noch die zivilisiertesten Autofahrer der Welt, als ich Ende der 80er über die SF Bay Bridge fuhr, war ich fassungslos, wie alle stoisch, ohne Drängeln und mit Sicherheitsabstand korrekt im Konvio fuhren.
Für ihn war es Krieg, ein funny war, was auf der Strasse lief, und er hatte sich fest vorgenommen, hier zumindest einmal mitzukämpfen. Er übte ein paar mal mit meinem Auto, bis er die Gangschaltung beherrschte, und nach drei Wochen mietete ich für ihn ein mässig schnelles Auto, eine lahme 280er S-Klasse und log ihn an, dass die eine irrsinnig schnelle, hochgezüchtete Karre sei. Wir warteten bis spät in die Nacht, damit auch alles schön frei war, und dann ging es nach München, zurück bis nach Nürnberg, und dann wieder nach Süden. Bei 170 wurde ihm schon ein wenig mumlig, immerhin war es doppelt so schnell, als er jemals gefahren war. Trotzdem hatte er seinen Spass, ein einmaliges Erlebnis, fast Vollgas mit einem grossen German Nazi-Merzedes über die vollkommen leere Autobahn zu brausen. Vermutlich glänzen seine Augen heute noch, wenn er davon erzählt, wie das war, damals.
Bei meinen Eltern draussen brummt es heute ab und zu auf der Strasse. Immobilienmakler, Chefärzte, Mittelständler und Manager öffnen die Dreifachgaragen und holen die Dinger raus, die meistens nur rumstehen: GT3, RS6, AMG, vorhin kam auch der Murcielago vom Bauunternehmer vorbei. Endlich ist sie frei, die A9, endlich können sie mal, jetzt sind die lahmen BMWs der Kickerdödel nicht mehr im Weg. Echter Sport mit echtem Einsatz. Und ihre Augen werden glänzen. Jedem das seine.
Für ihn war es Krieg, ein funny war, was auf der Strasse lief, und er hatte sich fest vorgenommen, hier zumindest einmal mitzukämpfen. Er übte ein paar mal mit meinem Auto, bis er die Gangschaltung beherrschte, und nach drei Wochen mietete ich für ihn ein mässig schnelles Auto, eine lahme 280er S-Klasse und log ihn an, dass die eine irrsinnig schnelle, hochgezüchtete Karre sei. Wir warteten bis spät in die Nacht, damit auch alles schön frei war, und dann ging es nach München, zurück bis nach Nürnberg, und dann wieder nach Süden. Bei 170 wurde ihm schon ein wenig mumlig, immerhin war es doppelt so schnell, als er jemals gefahren war. Trotzdem hatte er seinen Spass, ein einmaliges Erlebnis, fast Vollgas mit einem grossen German Nazi-Merzedes über die vollkommen leere Autobahn zu brausen. Vermutlich glänzen seine Augen heute noch, wenn er davon erzählt, wie das war, damals.
Bei meinen Eltern draussen brummt es heute ab und zu auf der Strasse. Immobilienmakler, Chefärzte, Mittelständler und Manager öffnen die Dreifachgaragen und holen die Dinger raus, die meistens nur rumstehen: GT3, RS6, AMG, vorhin kam auch der Murcielago vom Bauunternehmer vorbei. Endlich ist sie frei, die A9, endlich können sie mal, jetzt sind die lahmen BMWs der Kickerdödel nicht mehr im Weg. Echter Sport mit echtem Einsatz. Und ihre Augen werden glänzen. Jedem das seine.
donalphons, 20:40h
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Glaubwürdigkeit für Anfänger
1. Lüge nicht.
2. Lüge nicht, wenn der andere es wissen könnte.
3. Lüge nicht, wenn der andere gemeinhin gut informiert ist.
4. Lüge nicht, wenn der andere auch noch ein Blog betreibt, Technorati kennt und vergleichen kann.
5. Lüge besonders nicht für eine Firma wie Coca Cola.
2. Lüge nicht, wenn der andere es wissen könnte.
3. Lüge nicht, wenn der andere gemeinhin gut informiert ist.
4. Lüge nicht, wenn der andere auch noch ein Blog betreibt, Technorati kennt und vergleichen kann.
5. Lüge besonders nicht für eine Firma wie Coca Cola.
donalphons, 17:45h
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Sehr zu empfehlen - Keine Deckenfluter
Es gibt Räume - besonders moderne, kantige und verschachtelte Räume - die Deckenfluter vertragen. In Berlin hatte ich einen, der gar nicht schlecht war und aus einer insolventen Galerie in Mitte kam. Also kein Möbelmarktteil, sondern einen sehr eleganten Fluter mit schwerem Fuss aus Cararamarmor einer Firma, die keine Billiglinien hat. Es war eine Katastrophe, das Licht hat einfach nicht gepasst: Zu hoch oben, zu hart, zu wenig akzentuiert. Ein Lichtbrei, der an der Decke klebt und nach unten wabert. Das mag im Büro passen, wo man auf den Monitor starrt und keine Reflexe haben will, aber das ist am Abend, zumindest bei mir, eher selten.
Der Deckenfluter also hat jetzt ein anderes, besseres Zuhause gefunden, und hier geht es zurück zu den Zeiten, bevor der Deckenfluter die Wagenradlampe an der Decke ersetzte. Das ist übrigens auch noch so ein Phänomen: Offensichtlich kommt der Deckenfluter nicht nur einem bestimmten, durch einen Monitor oder eine Glotze definierten Lichtbedarf entgegen, sondern auch der Unlust vieler, sich eine normale Deckenlampe zu beschaffen. Hier jedenfalls ist das anders.

Ein paar Lampen fehlen mir noch, aber ich denke, am Ende wird es in der gesamten Wohnung eine mittelhohe, gedämpfte Lichtebene geben: Für den Übergang von Tag zu Nacht und den Übergang von der Nacht zum Bett oder Morgengrauen, was in meinem Fall ohnehin meist das gleiche ist.
Der Deckenfluter also hat jetzt ein anderes, besseres Zuhause gefunden, und hier geht es zurück zu den Zeiten, bevor der Deckenfluter die Wagenradlampe an der Decke ersetzte. Das ist übrigens auch noch so ein Phänomen: Offensichtlich kommt der Deckenfluter nicht nur einem bestimmten, durch einen Monitor oder eine Glotze definierten Lichtbedarf entgegen, sondern auch der Unlust vieler, sich eine normale Deckenlampe zu beschaffen. Hier jedenfalls ist das anders.

Ein paar Lampen fehlen mir noch, aber ich denke, am Ende wird es in der gesamten Wohnung eine mittelhohe, gedämpfte Lichtebene geben: Für den Übergang von Tag zu Nacht und den Übergang von der Nacht zum Bett oder Morgengrauen, was in meinem Fall ohnehin meist das gleiche ist.
donalphons, 15:14h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Donnerstag, 8. Juni 2006
here we go.
Vielleicht verliere ich gerade wieder ein, zwei, drei, viele Bekannte. Wenn, dann bin ich verdammt froh, so viel Leben jenseits des Netzes zu haben, wo keiner weiss, wer und was ich im Netz bin. Eine Welt, die sich, mehr als manche Blogs, in den letzten Jahrzehnten ganz gut dem Vermarktungswahn entzogen hat. Aber das heisst nicht, dass ich einfach zuschaue.
Bisher war alles nur Geplänkel. Hier kommt die erste Offensive des Generalangriffs auf Coca Cola.
Bisher war alles nur Geplänkel. Hier kommt die erste Offensive des Generalangriffs auf Coca Cola.
donalphons, 17:38h
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Aufrechtes Bloggen für Geld.
Es ist nicht viel Geld, aber immerhin, und es erscheint mir als fairer Deal. Die Details gibt es an der Blogbar.
donalphons, 15:58h
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Flirting with Desaster
1. If you want to travel a new road to success, don´t leave any evedience of previous failure behind you. You must not forget any piece of code.
To be continued.
To be continued.
donalphons, 05:02h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Donnerstag, 8. Juni 2006
Ausbrennen
Da ist diese Hitze, aber ich habe das Asbest eingeworfen. Es passt nicht hinein, da ist zu wenig Platz um mein Hirn und es bleiben Fehlstellen, die ich mit weissen Kringeln zuklebe, Thommy nenne ich sie, die Tommies haben schon immer geholfen, sie haben uns 45 gerettet und jetzt helfen sie wieder, oder auch nicht, vielleicht waren es schon zu viele. Man sieht es mir an, meine Augen sind stumpf grau, ich erkenne die goldenen Flecken nicht mehr, aber ich trage sie ja in mir drinnen, sie lassen sich etwas abhalten, bis irgendwann das Asbest durchglüht, dann schütte ich Neues nach und versiegle es mit der heissen, roten Flüssigkeit, die auch etwas löscht. Wie fauliges Öl steht der Rest in der Tasse, es ist nichts mehr da, ich brauche mehr, aber wenn ich mich bewege, verrutscht das Asbest im Kopf, und es brennt wieder. Während das Wasser sprudelt, gehe ich hinaus und schaue mir den atomar verseuchten Himmel an, die Sonne brennt ein Loch in die Kirche der immer für unbesiegbar gehaltenen Frau,

aber bitte, es geht doch, säg dich hinein in die Eingeweide, durch Stuck und Tünche, bohr die Gemäuer in den Grund und lass mich drunterliegen, damit ich ausglühen kann im Schutt, denn nichts ist ewig, nur das Feuer, das mich verzehrt auf meinem Weg in die dunkle, einsame Nacht meines Fieberbettes, wo ich, verraten und verkauft vor mich hindämmere, glühend, bis der Schlaf das Brennen zur Agonie werden lässt und ich mich ein paar Stunden ohne Luft unter all dem Gold und Silber wälzen werde, bis der fahlblaue Morgen den zweiten Tag der Schmerzen verheisst.
Ich habe Sommergrippe. Und das ohne Sommer.

aber bitte, es geht doch, säg dich hinein in die Eingeweide, durch Stuck und Tünche, bohr die Gemäuer in den Grund und lass mich drunterliegen, damit ich ausglühen kann im Schutt, denn nichts ist ewig, nur das Feuer, das mich verzehrt auf meinem Weg in die dunkle, einsame Nacht meines Fieberbettes, wo ich, verraten und verkauft vor mich hindämmere, glühend, bis der Schlaf das Brennen zur Agonie werden lässt und ich mich ein paar Stunden ohne Luft unter all dem Gold und Silber wälzen werde, bis der fahlblaue Morgen den zweiten Tag der Schmerzen verheisst.
Ich habe Sommergrippe. Und das ohne Sommer.
donalphons, 01:59h
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Neoliberal vs. Altnazi in Aktion
Was in Deutschland allenfalls gerade in Blogkreisen hämisches Lachen nach sich zieht, wird in Österreich auf anderer Stufe ausgetragen: Da versucht die braune FPÖ, der neoliberal agierenden Ex-Vorsitzenden die 600.000 Euro teuren Cobrazähne zu ziehen. Ein hübsches Beispiel für das Gebahren angeblich freimarktlicher Vordenker.
donalphons, 19:52h
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Sehr zu empfehlen: Trübe Funzeln
Was ist der Unterschied zwischen einem schwach glimmenden Hirn eines Neoconnards und einer Lampe, die die nicht richtig leuchtet?

Die Lampe kann man aufmachen und neu verdrahten. Und es lohnt sich. Spass beiseite, als ich sie gekauft hatte, sah sie ganz ordentlich aus. Bei Messinglüstern liegen die Drähte geschützt im Inneren, was eigentlich für eine längere Haltbarkeit sorgt. Und eigentlich ging sie zuerst auch. Bis ich dann nach auf die Leiter kletterte und nach dem ersten wenig erfreulichen Test beim Abschrauben ein Stück Idolierung wegbröselte. Egal, das Kabel war ohnehin zu lang, also ein Stück abgeschnitten - und wieder das gleiche Spiel. Gelbe, braune und schwarze Isolierung zerfielen schon bei der ersten Berührung in Krümel. Irgendwann war das Kabel dann zu kurz, und es bleibt nur eines: Aufmachen und eine neue Leitung ziehen. Dachte ich. Im Inneren zeigte sich dann, dass auch alle Kabel zu den Kerzen weggebröselt waren, die Drähte nur noch von der Stoffummantelung gehalten wurden, und das blanke Metall auf dem Messing auflag. Die neue Verkabelung sollte die nächsten 70, 100 Jahre halten. Vermutlich länger als aktuelle Neoconnards. Die ohnehin schon mitunter nach schimmligem Hecht riechen.

Die Lampe kann man aufmachen und neu verdrahten. Und es lohnt sich. Spass beiseite, als ich sie gekauft hatte, sah sie ganz ordentlich aus. Bei Messinglüstern liegen die Drähte geschützt im Inneren, was eigentlich für eine längere Haltbarkeit sorgt. Und eigentlich ging sie zuerst auch. Bis ich dann nach auf die Leiter kletterte und nach dem ersten wenig erfreulichen Test beim Abschrauben ein Stück Idolierung wegbröselte. Egal, das Kabel war ohnehin zu lang, also ein Stück abgeschnitten - und wieder das gleiche Spiel. Gelbe, braune und schwarze Isolierung zerfielen schon bei der ersten Berührung in Krümel. Irgendwann war das Kabel dann zu kurz, und es bleibt nur eines: Aufmachen und eine neue Leitung ziehen. Dachte ich. Im Inneren zeigte sich dann, dass auch alle Kabel zu den Kerzen weggebröselt waren, die Drähte nur noch von der Stoffummantelung gehalten wurden, und das blanke Metall auf dem Messing auflag. Die neue Verkabelung sollte die nächsten 70, 100 Jahre halten. Vermutlich länger als aktuelle Neoconnards. Die ohnehin schon mitunter nach schimmligem Hecht riechen.
donalphons, 10:49h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 6. Juni 2006
Erzreaktionär oder vom Sterben der grossen Häuser
Sie nahen sich wieder, die schwankenden Gestalten zwischen Wirr und Neoliberal, aber die Feigheit hält sie davon ab, es direkt auszutragen. Na schön, reden wir über Silberlöffel, Sozialneid und den Stadtpalast. Über 53 Zimmer, 50 Meter Gänge, historische Bedeutung in Bestlage, reden wir über das Leben als Herr eines Stadtpalastes aus der Zeit um 1600.
Man könnte denken, der Don Alphonso führt ein prima Leben. Wenn der Tag zu Ende geht, begibt er sich noch einmal auf seine Dachterasse, erfreut sich auch bei diesem kühlen Wetter an einem grandiosen Sonnenuntergang, schiesst ein Bild

und geht dann zurück in seine museumsreif ausgestattete Wohnung, wo er mit Silberlöffeln eine Frau abfüttert, die ihm dann die Nacht unter vergoldetem Stuck versüsst. Man nennt sowas gesicherte soziale Verhältnisse, manche werden das unbeliebte Wort vom Reichtum verwenden, und gerade notorischen FDP-Wählern, die für die ungleiche Verteilung der irdischen Güter und Eliten antreten, steht schnittfester Schaum vor dem Mund. Wenn Menschen in die Ausbeutung hineingeboren werden, ist es ihnen egal, zugunsten des Profits, wenn aber andere in eine Position geboren werden, die sie auch mit Profit nicht erreichen werden, sind sie ungehalten und meinen, jemand in dieser Position habe kein Recht, andere scharf anzugehen, die sich des Profits wegen an dreckige Unterdrücker verkaufen und ihnen beim Image helfen. Sie sagen, ich sei konservativ. Es ist schlimmer. Ich bin erzreaktionär.
Besagte Gruppe, die jeden Monat ihre Miete mutmasslich mit erheblichem Ärger an den Landlord überweist, wird es nicht versöhnen zu erfahren, dass ich nun noch eine wirklich standesgemässe Zusatzwohnung beziehe, mit der ich jetzt 6 Zimmer, zwei Küchen, zwei Bäder und einen Abstellraum habe, oder eine grosse Wohnung und drüber eine Gästewohnung. Massenhaft Platz für abertausende Kristalle, neue Möbel, kubikmeterweise Preziosen aus edlem Metall, nur flüchtig eingestelltes vermittelt schon einen hübschen Eindruck.

Wer wäre ich, das zu bestreiten. Ich mag Möbel mit Geschichte aus Vollholz, ich habe wenig Sinn für Neues, Edelmetall ist dauerhaft und kann den Erben übergeben werden, was ich beim kaum billigeren Ikea Starterset bezweifle. Das also ist mein erzreaktionärer Lebensstil, der sich kaum unterscheidet von den Werten meines Ururgrossvaters, dessen massgefertigte Möbel sich noch heute ohne jedes Geräusch in den Angeln drehen, und durch massive Stahlkeile zerlegbar sind. Insofern ist der optische Eindruck des Hierseins schön: Viel Platz, beste Lage, man könnte sich auf den Perserteppich legen und Frauenhälse kraulen. Und nicht an das denken, was die Verantwortung über so ein Gebäude bedeutet.
Schon mal eine Wohnung restauriert, Ihr Neider? Zwei Zimmer? Drei? Ein ganzes Haus vielleicht mit 8 Zimmern? Und zwar Altbau, nicht irgendwas Neues, wo die Leitungen und Stecker an der richtigen Stelle sind, mit 5 Schichten Tapeten, 30 Malschichten und Putz, der nur manchmal hält? Stellt Euch das mal bei 53 Räumen vor. Mit diversen Vor- und Rücksprüngen sind das gschmackige 250 Wände. Und 70 Türen. Vor fliessend Wasser, Gas und Strom war das alles nicht so schwer, da gab es ein Abort und einen Kamin, das war alles. Damals gab es ein halbes Dutzend Köchinnen, Lehrbuben und Dienstboten, die den Laden in Schuss hielten. Für nicht mehr als einen Schlafplatz, Essen und ein freies Wochenende, was damals hier als Skandal galt und Untergang des Abendlandes, diese Leute so zu verwöhnen.
Heute bin ich nicht allein, aber meine Handwerker sind keine Schwarzen und nicht billig. Es geht nur, wenn ich mich um alles selbst kümmere. Selbst kümmern heisst in einem alten Haus selbst mitarbeiten, damit man die Probleme kennt. Das hier ist so ein aktuelles Problem, verursacht durch Mieter, die das Bad mit einem Pool verwechselt haben:

Der Balken am Rand ist 14 Meter lang und trägt einen Teil vom Dach. Nebenbei stehen auch noch zwei Mauerzüge darauf. Dieser Balken ist komplett verrottet und muss ausgetauscht werden. Zur Verfüllung wurde so um 1730 Bauschutt genommen. Und Müll. Und Dinge, bei denen man besser nicht genau hinschaut, und auch gar nicht hinschauen kann, wenn der Staub fliegt. Das muss alles raus, und dann muss eine Lösung für den Balken her. Vielleicht habe ich Glück und kann etwas einsetzen lassen. Vielleicht habe ich Pech und die Nässe ist unter den nächsten Raum gezogen. Dann muss ich an die Mauer. Und vorher zum Denkmalschutz. Wenn ich ganz viel Pech habe, ist die Schilfschicht zwischen unter dem Verputz der darunter liegenden Decke verschimmelt. Dann kann ich auch die Decke abnehmen. Das heisst, das könnte ich, wären da nicht sorgsam konservierte und gesicherte Fresken an der Decke. Wie es nun mal so ist ein einem ehemaligen Jesuitenzentrum. Die hatten Geschmack und keine Ahnung, dass da mal ein Bad drüber stehen würde.
Mag einer von den obigen Blödschwätzern hier vorbeikommen und das wunderbare Leben im Stadtpalastschutt beim Ausschaufeln mit mir teilen? Arbeitsbeginn so gegen neun, und wenn die Handwerker gegangen sind, geht es in der eigenen Wohnung weiter. Stuck geht ja nicht allein an die Decke, so ein Pech aber auch. Wir hätten aber auch noch 50 Meter Gang zum Spachteln und Streichen. Und 8 Fenster. Alte Fenster, die auch noch verkittet werden müssen. Und Abschleifen sowieso. Ach so, die Holzvertäfelung im Erdgeschoss, die braucht auch eine neue Fassung. So ist das, in den Stadtpalästen unter der Strahlenkranzmadonna.
Ich kann mir vorstellen, was die obigen neoliberalen Dreckspinscher da sagen würden: Verkaufen und auf die faule Haut legen, den Rest des Lebens. Oder entkernen und Arztpraxen rein, auch das sichert ein sorgenfreies Dasein. Das ist genau das Geschmeiss, das zurecht am Resopaltisch nagt, denn diese Denke ist es, die unsere Städte ruiniert. Die schon als Elitestudenten von Ihresgleichen in den WGs rausqutschen was geht. Und damit das Sozialgefüge schädigen. Eine Stadt ist ein lebendiger Organismus, keine verfickte Ansammlung von Profitcentern. Ein grosses Haus bedeutet zuallerest eine grosse Verantwortung vor der Geschichte, man ist nur ein weiterer Diener in einer langen Kette, wenn man es richtig macht. Es ist Verantwortung für einen Lebensraum, dem wichtigsten Lebensraum dieses Landes, denn ohne die Altstädte und ihre konservierten Bestände wäre Deutschland nochmal weitaus hässlicher und geschichtsloser, als es ohnehin schon ist. Ein grosses Haus muss leben, es braucht normale Menschen, die sich darin bewegen, und es darf in der Nacht keine Wüste sein, sondern muss in die Dunkelheit strahlen. Ein grosses Haus bedeutet völlige Hingabe, da gibt es kein Wenn und Aber und keinen Dienstschluss. Es ist verdammt viel harte Arbeit für das, was an Miete reinkommt, und man muss dafür geschaffen sein - die Blogweicheier, die Drehstuhlfurzer wissen nicht, was das ist, Arbeiten in einem grossen Haus.
Das Schlimme ist: Es gibt nur noch wenige grosse Häuser in Familienbesitz. Was hierzulande zu Recht bedauert wird, der Niedergang der britischen Houses, ist bei uns schon längst Realität. Die letzte Generation, die den Erhalt des grossen Hauses noch als Verpflichtung ansah, krepiert gerade einsam gegenüber im Altersheim, und deren Kinder, inzwischen auch so um die 60, verkaufen es dann Wohnung für Wohnung, getrennt mit Rigips und Verantwortungslosigkeit. In meiner Generation sind es dann nur noch ein paar Dutzend, die sich mit grösseren Häusern dagegen stemmen, und alle anderen Stadtpaläste dieses Ortes gehören schon entweder profitmaximierenden Investoren, der Stadt oder der Kirche. Die damit umgehen, dass es der Sau graust.
Ich will mich nicht beschweren. Es muss jetzt gemacht werden, ich wusste, dass Mitte dieses Jahrzehnts zwei Jahre dafür geopfert werden müssen, dass meine Karriere eine Auszeit bekommt und ich nicht nach Zürich gehen werde, und in 7 Jahren ist dann das dreistöckige Hinterhaus dran. Seit 406 Jahren steht diese Einheit, seit 160 Jahren gehört sie uns, und kein Millimeter wird davon hergegeben. In Italien sieht man das Sterben, das vom Zerstückeln ausgeht, besser als hinter den getünchten Leichenfassaden in Deutschland:

Denn dort hat die Stadtkultur viele Häuser geschaffen, die man als Palazzo bezeichnen kann, und auch hier können nur die wenigsten die Komplexe halten. Dann wird eben verkauft. Und die Besitzer können sich nicht auf die Erhaltung verständigen. In diesem Beispiel geht Seccomalerei der Spätgotik vor die Hunde. Man hat sie vor dem Verkauf freigelegt und restauriert, aber jetzt bröckelt sie weg. Oben hat jemand eine Klimaanlage rausgehängt, die alten Fensterstöcke herausgebrochen, und zerstört damit die feine, barocke Fassadengliederung.
Dagegen halten ist einer der Jobs, für den man geschaffen sein muss. Man muss dem Renditegefasel ein Beispiel entgegensetzen, man muss es wollen, und man muss bei der eigenen Biographie Kompromisse eingehen. Man muss nicht über Härte und Disziplin und Schmutz und Schwielen reden oder bloggen, das sind banale Grundlagen des Arbeitens in einem grossen Haus. Hier gibt es weiterhin die glänzende, lebensfrohe Oberfläche des Don Alphonso Porcamadonna, dem zum völligen Glück nur das Erlebnis fehlt, diese bloggenden Feiglinge, die nicht mal die Oberfläche verstehen, nur mal einen einzigen Tag Dreck des Jahres 1730 schaufeln zu lassen. Schimmel, Käfer und Rattenkadaver inclusive.
Man könnte denken, der Don Alphonso führt ein prima Leben. Wenn der Tag zu Ende geht, begibt er sich noch einmal auf seine Dachterasse, erfreut sich auch bei diesem kühlen Wetter an einem grandiosen Sonnenuntergang, schiesst ein Bild

und geht dann zurück in seine museumsreif ausgestattete Wohnung, wo er mit Silberlöffeln eine Frau abfüttert, die ihm dann die Nacht unter vergoldetem Stuck versüsst. Man nennt sowas gesicherte soziale Verhältnisse, manche werden das unbeliebte Wort vom Reichtum verwenden, und gerade notorischen FDP-Wählern, die für die ungleiche Verteilung der irdischen Güter und Eliten antreten, steht schnittfester Schaum vor dem Mund. Wenn Menschen in die Ausbeutung hineingeboren werden, ist es ihnen egal, zugunsten des Profits, wenn aber andere in eine Position geboren werden, die sie auch mit Profit nicht erreichen werden, sind sie ungehalten und meinen, jemand in dieser Position habe kein Recht, andere scharf anzugehen, die sich des Profits wegen an dreckige Unterdrücker verkaufen und ihnen beim Image helfen. Sie sagen, ich sei konservativ. Es ist schlimmer. Ich bin erzreaktionär.
Besagte Gruppe, die jeden Monat ihre Miete mutmasslich mit erheblichem Ärger an den Landlord überweist, wird es nicht versöhnen zu erfahren, dass ich nun noch eine wirklich standesgemässe Zusatzwohnung beziehe, mit der ich jetzt 6 Zimmer, zwei Küchen, zwei Bäder und einen Abstellraum habe, oder eine grosse Wohnung und drüber eine Gästewohnung. Massenhaft Platz für abertausende Kristalle, neue Möbel, kubikmeterweise Preziosen aus edlem Metall, nur flüchtig eingestelltes vermittelt schon einen hübschen Eindruck.

Wer wäre ich, das zu bestreiten. Ich mag Möbel mit Geschichte aus Vollholz, ich habe wenig Sinn für Neues, Edelmetall ist dauerhaft und kann den Erben übergeben werden, was ich beim kaum billigeren Ikea Starterset bezweifle. Das also ist mein erzreaktionärer Lebensstil, der sich kaum unterscheidet von den Werten meines Ururgrossvaters, dessen massgefertigte Möbel sich noch heute ohne jedes Geräusch in den Angeln drehen, und durch massive Stahlkeile zerlegbar sind. Insofern ist der optische Eindruck des Hierseins schön: Viel Platz, beste Lage, man könnte sich auf den Perserteppich legen und Frauenhälse kraulen. Und nicht an das denken, was die Verantwortung über so ein Gebäude bedeutet.
Schon mal eine Wohnung restauriert, Ihr Neider? Zwei Zimmer? Drei? Ein ganzes Haus vielleicht mit 8 Zimmern? Und zwar Altbau, nicht irgendwas Neues, wo die Leitungen und Stecker an der richtigen Stelle sind, mit 5 Schichten Tapeten, 30 Malschichten und Putz, der nur manchmal hält? Stellt Euch das mal bei 53 Räumen vor. Mit diversen Vor- und Rücksprüngen sind das gschmackige 250 Wände. Und 70 Türen. Vor fliessend Wasser, Gas und Strom war das alles nicht so schwer, da gab es ein Abort und einen Kamin, das war alles. Damals gab es ein halbes Dutzend Köchinnen, Lehrbuben und Dienstboten, die den Laden in Schuss hielten. Für nicht mehr als einen Schlafplatz, Essen und ein freies Wochenende, was damals hier als Skandal galt und Untergang des Abendlandes, diese Leute so zu verwöhnen.
Heute bin ich nicht allein, aber meine Handwerker sind keine Schwarzen und nicht billig. Es geht nur, wenn ich mich um alles selbst kümmere. Selbst kümmern heisst in einem alten Haus selbst mitarbeiten, damit man die Probleme kennt. Das hier ist so ein aktuelles Problem, verursacht durch Mieter, die das Bad mit einem Pool verwechselt haben:

Der Balken am Rand ist 14 Meter lang und trägt einen Teil vom Dach. Nebenbei stehen auch noch zwei Mauerzüge darauf. Dieser Balken ist komplett verrottet und muss ausgetauscht werden. Zur Verfüllung wurde so um 1730 Bauschutt genommen. Und Müll. Und Dinge, bei denen man besser nicht genau hinschaut, und auch gar nicht hinschauen kann, wenn der Staub fliegt. Das muss alles raus, und dann muss eine Lösung für den Balken her. Vielleicht habe ich Glück und kann etwas einsetzen lassen. Vielleicht habe ich Pech und die Nässe ist unter den nächsten Raum gezogen. Dann muss ich an die Mauer. Und vorher zum Denkmalschutz. Wenn ich ganz viel Pech habe, ist die Schilfschicht zwischen unter dem Verputz der darunter liegenden Decke verschimmelt. Dann kann ich auch die Decke abnehmen. Das heisst, das könnte ich, wären da nicht sorgsam konservierte und gesicherte Fresken an der Decke. Wie es nun mal so ist ein einem ehemaligen Jesuitenzentrum. Die hatten Geschmack und keine Ahnung, dass da mal ein Bad drüber stehen würde.
Mag einer von den obigen Blödschwätzern hier vorbeikommen und das wunderbare Leben im Stadtpalastschutt beim Ausschaufeln mit mir teilen? Arbeitsbeginn so gegen neun, und wenn die Handwerker gegangen sind, geht es in der eigenen Wohnung weiter. Stuck geht ja nicht allein an die Decke, so ein Pech aber auch. Wir hätten aber auch noch 50 Meter Gang zum Spachteln und Streichen. Und 8 Fenster. Alte Fenster, die auch noch verkittet werden müssen. Und Abschleifen sowieso. Ach so, die Holzvertäfelung im Erdgeschoss, die braucht auch eine neue Fassung. So ist das, in den Stadtpalästen unter der Strahlenkranzmadonna.
Ich kann mir vorstellen, was die obigen neoliberalen Dreckspinscher da sagen würden: Verkaufen und auf die faule Haut legen, den Rest des Lebens. Oder entkernen und Arztpraxen rein, auch das sichert ein sorgenfreies Dasein. Das ist genau das Geschmeiss, das zurecht am Resopaltisch nagt, denn diese Denke ist es, die unsere Städte ruiniert. Die schon als Elitestudenten von Ihresgleichen in den WGs rausqutschen was geht. Und damit das Sozialgefüge schädigen. Eine Stadt ist ein lebendiger Organismus, keine verfickte Ansammlung von Profitcentern. Ein grosses Haus bedeutet zuallerest eine grosse Verantwortung vor der Geschichte, man ist nur ein weiterer Diener in einer langen Kette, wenn man es richtig macht. Es ist Verantwortung für einen Lebensraum, dem wichtigsten Lebensraum dieses Landes, denn ohne die Altstädte und ihre konservierten Bestände wäre Deutschland nochmal weitaus hässlicher und geschichtsloser, als es ohnehin schon ist. Ein grosses Haus muss leben, es braucht normale Menschen, die sich darin bewegen, und es darf in der Nacht keine Wüste sein, sondern muss in die Dunkelheit strahlen. Ein grosses Haus bedeutet völlige Hingabe, da gibt es kein Wenn und Aber und keinen Dienstschluss. Es ist verdammt viel harte Arbeit für das, was an Miete reinkommt, und man muss dafür geschaffen sein - die Blogweicheier, die Drehstuhlfurzer wissen nicht, was das ist, Arbeiten in einem grossen Haus.
Das Schlimme ist: Es gibt nur noch wenige grosse Häuser in Familienbesitz. Was hierzulande zu Recht bedauert wird, der Niedergang der britischen Houses, ist bei uns schon längst Realität. Die letzte Generation, die den Erhalt des grossen Hauses noch als Verpflichtung ansah, krepiert gerade einsam gegenüber im Altersheim, und deren Kinder, inzwischen auch so um die 60, verkaufen es dann Wohnung für Wohnung, getrennt mit Rigips und Verantwortungslosigkeit. In meiner Generation sind es dann nur noch ein paar Dutzend, die sich mit grösseren Häusern dagegen stemmen, und alle anderen Stadtpaläste dieses Ortes gehören schon entweder profitmaximierenden Investoren, der Stadt oder der Kirche. Die damit umgehen, dass es der Sau graust.
Ich will mich nicht beschweren. Es muss jetzt gemacht werden, ich wusste, dass Mitte dieses Jahrzehnts zwei Jahre dafür geopfert werden müssen, dass meine Karriere eine Auszeit bekommt und ich nicht nach Zürich gehen werde, und in 7 Jahren ist dann das dreistöckige Hinterhaus dran. Seit 406 Jahren steht diese Einheit, seit 160 Jahren gehört sie uns, und kein Millimeter wird davon hergegeben. In Italien sieht man das Sterben, das vom Zerstückeln ausgeht, besser als hinter den getünchten Leichenfassaden in Deutschland:

Denn dort hat die Stadtkultur viele Häuser geschaffen, die man als Palazzo bezeichnen kann, und auch hier können nur die wenigsten die Komplexe halten. Dann wird eben verkauft. Und die Besitzer können sich nicht auf die Erhaltung verständigen. In diesem Beispiel geht Seccomalerei der Spätgotik vor die Hunde. Man hat sie vor dem Verkauf freigelegt und restauriert, aber jetzt bröckelt sie weg. Oben hat jemand eine Klimaanlage rausgehängt, die alten Fensterstöcke herausgebrochen, und zerstört damit die feine, barocke Fassadengliederung.
Dagegen halten ist einer der Jobs, für den man geschaffen sein muss. Man muss dem Renditegefasel ein Beispiel entgegensetzen, man muss es wollen, und man muss bei der eigenen Biographie Kompromisse eingehen. Man muss nicht über Härte und Disziplin und Schmutz und Schwielen reden oder bloggen, das sind banale Grundlagen des Arbeitens in einem grossen Haus. Hier gibt es weiterhin die glänzende, lebensfrohe Oberfläche des Don Alphonso Porcamadonna, dem zum völligen Glück nur das Erlebnis fehlt, diese bloggenden Feiglinge, die nicht mal die Oberfläche verstehen, nur mal einen einzigen Tag Dreck des Jahres 1730 schaufeln zu lassen. Schimmel, Käfer und Rattenkadaver inclusive.
donalphons, 14:10h
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