: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Dienstag, 8. April 2008

Empfehlung heute - Morgen werde ich aufschreiben,

wie es ist, wenn man am Tegernsee wohnt und mit dem Roadster im Sonnenschein einen Alpenpass überquert, um dann im zauberhaften Schwaz bei einem Delicatessengeschäft namens Hörtnagl an der Theke von einem Spezialisten, der aussieht wie der mittelalte Charlton Heston nach drei Wochen Gletscherski, einen selbstgebackenen Cracker mit einem Batzen selbst gemachten Kräuterkäse angeboten zu bekommen, den man sich nach der Geschmacksexplosion im Mund zur Vermeidung eines Fressanfalls besser nicht dem gerade gekauften Zwiebelbaguette vorstellt, das es auch noch mit Bärlauch gäbe - ich denke, das ist das perfekte Kontrastprogramm zum Konsum an der Reeperbahn und zeigt zusammen idealtypisch, was in diesem unserem "Deutschland, dem Land des Aufschwungs", wie Matt es bezeichnet, an Erfahrungen möglich ist.

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Wo man bleiben kann - Platz 3: Lissabon

Da sass ich also im Winter 1995 in einem eher kleinen Kino in der Altstadt von Lissabon, das sich schnell füllte. Kurz vor dem Start des Films drückte sich ein älterer Herr mit den anderen Besuchern herein, blieb aber vorne stehen, wartete, bis sich alle gesetzt hatten, und begann zun erzählen. Über die Zeit unter Salazar, als man ihn eingesperrt hatte, über Diktaturen im Allgemeinen und im Speziellen, wie man sie zerbricht, und darüber, dass ihm bei seinem Weg der nun kommende Film "Casablanca" so geholfen habe, dass es für ihn der Kultfilm schlechthin sei, selbst wenn er sich auch überlegt hatte, dass er gerne nochmal den Körper von Anita Ekberg in Fellinis La dolce Vita gesehen hätte, aber letztendlich sei Bogart doch sein Ideal des Kämpfers, der Film drücke das aus, was ihn angetrieben habe, also wünsche er uns viel Spass. Er setzte sich in die erste Reihe, und dann begann der Film. Und ich dachte mir: Man kann viel Schlechtes über Portugal sagen, aber ich würde verdammt gerne in einem Land leben, in dem der Staatspräsident in einem ganz normalen Kino in seiner Nachbarschaft ganz normalen Leuten seinen Lieblingsfilm zeigt und obendrein nicht ein Politapparatschik ist, sondern ein Held.

Ich fand Lissabon schon grossartig, als ich mit dem Zug aus Madrid über die verschneiten Hochebenen der iberischen Halbinsel ankam. Madrid war grausam kalt, aber in Lissabon ist im Dezember Frühling. Es war mir vollkommen egal, dass die Wohnung gleich am Schwulenstrich war, die mitbewohnenden Waliser Dinge kochten, die noch schlimmer als der allgegenwärtige Bacalao stanken, und selbst der Machismo älterer Männer störte mich nicht weiter, angesichts dieser Stadt, dieser unfassbar schönen, weitgehend erhaltenen und früher mal sagenhaft reichen Stadt, die all das einzulösen vermag, was Neapel nur verspricht. Lissabon ist das Ende Europas, aber es ist extrem altes Europa, angefangen bei den Cafehäusern bis zu den Spuren all der Kulturen, die sich hier ein Stelldichein geben.

Die Erinnerung täuscht mich natürlich, ich habe in Lissabon sehr viel mehr gemacht, aber rückblickend bleiben Stunde und Tage in Cafes, wie es sie in Deutschland nicht gibt, es bleiben die Beutezüge über die Feira di Ladra und all die vollgestopften Antiquitätenläden der Alfama, und das Meeresufer von Belem runter nach Cascais, entlang der Strecke, an der ich mir etwas suchen würde. Lissabon zum Wohnen? Etwas laut vielleicht, und jenseits der Alfama und Bairro Alto mit lebensgefährlichem Autoverkehr versehen. Dortselbst aber - auch wohnenswert. Allerdings, wenn man Immobilienbesitzerblut hat, fallen einem die vielen resaturierungsbedürftigen Villen zwischen der Stadt und Estoril mit Meerblick auf, manchmal gar im maurischen Stil, und mit der Bahn ist man auch schnell in der Stadt.

Lissabon ist in jedem Fall eine sichere Adresse: Für Mitteleuropa günstige Lebenshaltungskosten, eine Stadt, die weiter wachsen wird, und obendrein noch nicht ganz verstanden hat, dass Altbauten ihre Qualitäten haben. Einrichten dürfte kein Problem sein; seit dem grossen Erdbeben (dessen Ausmasse wohl doch etwas übertrieben wurden, suchte man doch einen passenden Anlass für den grossen aufgeklärt-absolutistischen Wurf) ist man von grösseren Konflikten verschont geblieben, und als Anfang des 19. Jahrhunderts der Niedergang einsetzte, wurde immens viel einfach bewahrt. Nur um mal einen Begriff davon zu vermitteln: 18 klassisch geformte Karaffen, die in Deutschland als "Biedermeier" verkauft werden, konnte ich am Ende in den Flieger bringen, mehr als ich in all den Jahren in Deutschland sah, nebenbei gekauft für Kleinstbeträge und ausreichend bis in die dritte Generation nach mir.

Nach Lissabon sollte man gleich mit dem Lastwagen fahren, aber ich habe Angst, dass nach dem dritten Leuchter ein Händler sagen könnte, wenn man eine etwas beschädigte Villa am Strand dafür suche, sein Cousin wüsste da was - und dann würde ich mein Herz verlieren.

An etwas, das ich mir jetzt nicht mehr leisten kann. Aber zwei Karaffen aus Lissabon stehen als Mahnung am Tegernsee. Man merkt in diesem Satz vielleicht den Unterschied. Lissabon. Tegernsee. Das ist eigentlich keine Entscheidung, sondern ein Abgrund.

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Die Ähnlichkeit der Verlierer

Als ich den Tatzelwurm da sah, überlegte ich mir, an wen mich der eigentlich erinnert. Diese kalten, blauen Augen. Das Gegeifer. Dieses Rumwinden. Der ganze Charakter, der ihm innewohnt.



Jetzt ist es mir eingefallen. Der schaut aus wie der derzeitig noch im Amt verweilende CSU-Vorsitzende Huber. Dem es grad genauso nass reingeht. Wenn unser schwarzbraunes Regionalschmarrnblatt schon behauptrn muss, dass die neuesten Umfragen nicht allzu schlimm sind, weiss man, was los ist im Bayernland.

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Montag, 7. April 2008

Steigerung des Unbehagens

Ziemlich genau in der Mitte des Achensees verriegelte eine Wolkenwand das Panorama hinüber zur Bergwelt des Zillertals. In der klimatisierten Limousine mag das lediglich ein Unterschied im Licht sein, aber offen ist es wie der Wechsel von einer weiss überzuckerten Riviera in den grimmig kalten Schneesturm, der einen dort erwartet.



Aber auf dem Rückweg gab es hinter der Panoramakurve diesen Moment, als die Sonne Strasse, Berge, Wälder und den See golden durchglühte, so unfassbar schön, dass

Kurz vor der Heimfahrt war ein Zwischenhalt beim Konditor geboten. Gegenüber dann das typische Paar 60+ der Region, s 500, Miesbacher Kennzeichen aber erkennbar nicht ursprünglich von hier, unnatürlich braungebrannt und mutmasslich künstlich nachgetrafft, wie aus dem Bilderbuch der Best Ager, die Herren dieses Landes, die, denen es gehört, und die keinen Anlass haben, das zu hinterfragen. Aber vielleicht können sie auch nichts dafür, das kleine Mädchen, das drinnen an der Theke mit ihrer Ton-in-Ton-Mutter rosa Schnitten nehmen darf, kennt es auch nicht anders.

Am Bahnhof, vor der Abreise des Gastes, war diese Gruppe von Anhängern einer Berliner Kombo, die nach eigenen Angaben in der Apotheke frühstückt. Einer von ihnen hatte eine Currywurst gekauft, sehr viel Sosse aus dem Spender draufgedrückt, und dann ungegessen auf den Fussboden fallen lassen, wo sie jetzt neben der Gruppe vor sich hinstank. Sie trugen goldene Papierkronen, darauf stand der Name der Gruppe, und versuchten sich im peinlich Benehmen Berliner Art, Alda. Sie hätten die Wurst aufheben und in den daneben stehenden Mülleimer werfen können, aber das Prollen war ihnen wichtiger.

Ich glaube, ich habe ein Faible für Cabriofahrten im Schneesturm bei minus 10 Grad. Relativ betrachtet.

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Montag, 7. April 2008

Soziale Unterschiede

Vielleicht geht es im 21. Jahrhundert vor allem darum zu verhindern, in die schlechteren Zeiten des 20. Jahrhunderts zurückzufallen. In Epochen, in denen die Menschen im Staub krochen, wenn das höhergestellte Sozialgefüger vorüberkam, und so stolz auf dessen Besuch war, dass es mit erheblichen Mühen den Besuch vermerkte, um auch etwas Glanz zu erhalten:



Man muss sich mit der Geschichte der Vorgängermonarchie des Schurkenstaates Österreich schon ziemlich gut auskennen, um auch nur einen Teil der hier erwähnten Personen einordnen zu können; so ein Erzherzog ist nicht halb so bedeutsam, wie er imposant klingt, weiter drunten in Innsbruck hat man in der Jesuitenkirche einen ganzen Gruftkeller voll mit diesen Leuten, die auch nichts am Niedergang des Systems ändern konnten. Die Liste ist lang, aber nach 1918 wäre noch einiges an Platz - allerdings, bekannte Österreicher wie Schuschnigg, Hitler oder Dollfuss kamen hier wohl nicht vorbei, und spätere Gäste waren das, was man so demokratisch nennt, und damit nicht mehr Gegenstand einer Einmeisselung. Was in den Stein durfte, hatte einen längeren Anspruch an die Welt, als eine Wahlperiode. Anders, schlechter legitimiert zumal, und nur ein paar Millionen Tote später wurde das auch ordentlich kritisch hinterfragt, bis allgemein nur noch ein müdes Lächeln angesichts der alten Ehrerbietung bleibt. Und keiner käme heute auf die Idee, Barschels letzte Unterkunft in Genf oder Friedmans Räume der Lustbarkeiten in Berlin zu kennzeichnen. Wo sind wir denn.

Nun. In einer Welt, in der der Anspruch auf Ewigkeit weg von den Politikern hin zur Wirtschaft gegangen ist. Die Fürsten förderten ein System, das zeitweilig mit dem Produkt Proletarier ihre eigene Herrschaft beendete und mit der Folge des Kapitals de facto ihre Nachfolge antrat. Nicht mehr in Stein gemeisselt. Aber man nimmt für sich in Anspruch, an jedem Punkt des öffentlichen Raumes auf sich hinzuweisen. Man findet neue Deppen, Kriecher und Cretins, die solche Namen in reale und digitale Wände kratzen, mit Logo statt Krone und Premium statt erlaucht, und es kommt uns noch nicht mal seltsam vor, es wird einfach so hingenommen. Wie man sich vom Kaiser eine weise Politik und Hilfe in allen Belangen erwartete, erhofft man sich jetzt die milden Gaben der Industrie, man verkauft Arenen und Blogeinträge, man macht wieder den Polante und meint, das müsse so sein.

Und ist dann kurz darauf überrascht, wenn diese Konstrukte soziale Scheren aufgehen lassen, Ministerien beeinflussen und sich auch sonst auffähren, als seien sie die Herren des Landes, qua Geburtsrecht und ohne zeitliche Begrenzung, sie da oben, der begriffsstutzige Plebs da unten, dem man sagen muss, was gut für ihn ist.



Die Idioten, die Bild und Krone lesen, um sich am Herabziehen der weniger Glücklichen des Starbetriebs zu erfreuen, die sie auch im Porno-, Drogen und Darmkrebssumpf sehen wollen, kaufen sich die Illusion einer Gleichheit, die nicht von ihren Möglichkeiten, sondern vom Fall der anderen berichtet. Es nährt ihren Glauben, dass sie alle da unten in Gleichheit sind, und es lenkt sie davon ab, was wirklich über ihnen an Strukturen einzementiert wird. Es gibt keinen Klassenkampf mehr, sondern das Gegeifer der Dummen gegen das Offensichtliche & Andere, Silberkannen, Bildung, Bücher, Tischsitten, langfristiges Denken und Bewahren, Zusammenhänge jenseits simpler Logik und Nachhaltigkeit, gar lange Sätze, da findet sich einiges, was unten verabscheut und oben mit einem Billig! Praktisch! Kauf! Du Arsch! Claim weggebrüllt wird, von den Leichtmachern und Einfachermöglichern, den Toröffnern zu den Müllparadiesen und Sinnstiftern der Boulevardmagazine, und wenn die Oben die Gewerkschaften von denen da unten erfinden, ist es kein Verbrechen oder ein Anschlag auf die Gesellschaft, sondern nur die konsequente Fortführung eines Systems, das sich seinem, an allzu alten Vorbildern nachempfundenen Anspruch gemäss verhält.

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Empfehlung heute - Das Schöne an Verbohrten

ist ja, dass man auch kluge Ratschläge geben kann, im Wissen, dass sie dieselben nicht annehmen, wegen der Hwerkunft und der Problematik, ihr altes Tun in Frage zu stellen. "Fuck you" jedenfalls ist kein allzu kluger Ratschlag; das, was an dieser Stelle Dr. Dean analysiert, dagegen schon. Würde ich mal meinen.

aber wer bin ich schon.

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Freitag, 4. April 2008

Systemkampf

ich weiss ja nicht, wie die durchschnittliche Verpflegung bei den Werbetotalitaristen und sonstigen Aufmarschierern in der Reichshauptstadt so ist - mässig, wage ich hier zu vermuten -



aber das hier bekommt man beim werbefeindlichen Praktikum bei der nordkoreanischen Staatszeitung.

Ich durfte heute etwas Hübsches über andere hören, die Blogsoftware nutzen, und in Berlin sind: "Letztes Jahr dachte ich, es wäre sowas wie ein Klassentreffen, das ich verpasse, dieses Jahr ist es nicht mal mehr meine Schule." Das trifft es für mich ziemlich gut. Man muss sich damit beschäftigen, weil zwischen den Berliner Bonkern und den Teehäusern in Pjönjang noch sehr viel anderes gibt, das man denen nicht einfach so überlassen kann und soll. Das ist nicht repräsentativ oder durchschnittlich, das sind keine Klassensprecher und auch keine Pioniere, das ist eine Clique mit Ansprüchen und fataler Umsetzungsschwäche, die ihre beste Zeit erkennbar hinter sich hat.

Da ist es gar nicht mehr so leicht, von der Subkultur zu schwafeln, die sich auf dem Weg zur Kultur aufbäumt. Und wenn Werbeflaute herrscht, sind Banner und PR auch keine Kultur, die eine andere Kultur ermöglichen. Wäre man vor einem Jahr in Berlin schlau gewesen, hätte man einfach gemacht und ansonsten alle lauten Töne vermieden. Wenn ein Dienstleister der Blogs ineffektiv ist, kann man es auf die Umstände schieben. Wenn eine gross verkündete Kulturrevolution beim Weg zu den Fleischtöpfen der Wirtschaft verhungert, liegt es am Weg, der Idee und besonders denen, die meinten, sie müssten das jetzt auf teufel komm raus machen.

Haben sie auch. Es war ihnen scheissegal, was sie in der Blogosphäre angerichtet haben, es hat sogar in ihr Konzept gepasst, um sowas wie eine Hegemonie zu erreichen und die anderen als wenige Plärrer ausgrenzen zu können. Hat nicht geklappt, der Widerstand war besser, zäher und intelligenter, als sie dachten.

Und deshalb möchte ich mich hier - bei Adical bedanken. Danke, dass ausgerechnet Ihr es gemacht habt. Danke für die Fehler, das Hintenrum, das Gemauschel und die Angeberei, für die Fehler und die Inkompetenz. Wie der Autor von Massenpublikum gesagt hat: Ihr habt es geschafft, den Markt kaputt zu machen. Dazu gehören natürlich immer zwei, geholfen haben dabei auch die von der anderen Seite, aber der Unterschied zwischen Pjönjang und Berlin ist: Ich finde das super.

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Angenehme Zeiten,

das umschreibt wohl am besten, wenn man auf der See:Publica ist, und zuschaut, wie im fernen Berlin traurige Zahlen trauriger Blogunternehmer präsentiert werden. Aber ich bin ja nicht so und habe gute Ratschläge, was man besser machen könnte.

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Einblicke in das Profibloggen

die man sonst nur hintenrum zugetuschelt bekommt, weil das gewissen Berliner Kreisen gar nicht gefällt, wenn es plötzlich gar nicht mehr so erfolgreich rüberkommt, erhält man an der Blogbar.

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Mittwoch, 2. April 2008

Kein Frühstück bei Tiffany

Was kosten diese Leuchter?

Ouh, de sind vo Difänie, de sen deirer, you know - finfhundred.

Uh. Und die?

Die auch. Und sein elder. 700.

Phhhh. Und die...

Schale isd auch von Difänie. Däs is alles von Difänie, was hier steaht. 700, 900, 1800 fir die grosse Leichder.

Oh c´me on, Robert. What a bloody mess. I ain´t got that much, I spent all my money on my flat.

Ya telling me? I bought a flat in Salzburg last year.

Great. Und was ist mit den Leuchter in der Kiste?

300, manke auch 200 das Paar.

Und die?

Die san kapud, die kann man nikt mehr putze. Die schmelze ich ein, die sein massiv, 200 Gruamm sind das auk.

Waaaas? Die sind doch viel zu schade dafür, die kriegt man wieder hin?

Never ever. Vörgiss es. De san vollig schwarz, das lohnt nikt.

Komm, ich geb Dir 40, das ist mehr als der Silberpreis?

Na, sechzik

(Es folgt eine erregte Feilscherei, Ostküste vs. Bayern, einige Kompensationsangebote und Packagedeals, aber am Ende doch: 40)



Und zwei Stunden verdammt harte Arbeit. Aber man bekommt Silber immer wieder hin, egal wie schwarz, kaputt und misshandelt es aussieht. Der Daumen meiner rechten Hand ist immer noch leicht schwarz.

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Empfehlung heute - Ein Blogportal?

Im Prinzip gebe ich Don Dahlmann recht, denn 2004/5 haben wir tatsächlich viel über so ein Projekt nachgedacht, und ich hatte auch sowas wie einen Businessplan dafür in der Schublade (Ältere werden sich daran erinnern, ich war mal einer von denen, die sowas planen, umsetzen, beraten und, wenn es sein musste, auch beendet haben).

Gleichzeitig hat sich viel, wenn nicht alles geändert. Ich habe nichts gegen kommerzielle Blogs, die Blogbar selbst begann als Begleitung eines Buchprojekts, und es gibt weltweit viele Beispiele von Bloggern, die erfolgreiche Kleinmedien aufgebaut und vermarktet haben. Dagegen ist nichts einzuwenden, ganz im Gaegenteil. Das Problem der deutschen Blogs besteht meines Erachtens aber in ihrer Sondersituation: Wir haben extrem schlecht gemachte kommerzielle Blogs; das bekannteste etwa hängt inhaltlich am Tropf der Gossenjournaille, andere besucherträchtige Seiten tendieren dazu, Kult für kleine Besuchergruppen zu sein und autistisch vor sich hinzustöpseln. Andere Blogger könnten zwar was, haben aber erkennbar keine Lust, sich in so einem Projekt instrumentieren und verheizen zu lassen. Und obendrein - Don Dahlmann sprach mit Sascha Lobo - haben wir eine sehr inkompetnte Vermarkterszene zwischen Kauf-PR von Trigami bis zur adicalverseuchten KlickeRwirtschaft in Berlin, aber nichts, was ein seriöses Blogportal mit einer seriösen, getrennten Vermarktung ergänzen könnte.

Ich bin der Überzeugung, dass es mit den aktuell tätigen Protagonisten nicht klappen kann und wird. Da müssten schon Neue kommen und den Willen haben, die aktuelle Ordnung und Hierarchie, deren Teil auch meine Blogs fraglos, wenn auch nicht wirklich gewollt sind, zertrümmern. Das sehe ich nirgends. Ich sehe Cliquen, an denen man sich orientiert, den Tanz um goldene Kälber und die Drängelei an den Fressnäpfen. Mit solchen Leuten kann man noichts machen, das in der Kakophonie der Medien ein paar andere Knarzer beitragen könnte, und vor allem sehe ich auch keine Basis, auf die man sich einigen wollte. Heute ist ein Blog nur noch eine Software, die erschreckend viele Arschlöcher bedienen. Individuell kann man damit mehr reissen, als in der gesamten Mediengeschichte zuvor, aber als Rudel bräuchte man mehr als den Willen, das Thema nach vorne zu bringen.

Man bräuchte sowas wie den Biss von 2004, die Bereitschaft, sich anzulegen, zu engagieren und Risiken einzugehen, man müsste sich erst mal wieder lösen vom Schmusekurs mit Hoffnung, von tazSponFAZ übernommen zu werden, wieder etwas sein, was anders und eigenständig ist, ohne Rücksichten auf Gruppen und Ängste vor Meinungsmachern, einen guten Plan und genaue Ziele haben, und einen Markt entwickeln. Der Markt ist das entscheidende Kriterium. Das Portal muss man also attraktiv und allgemeinverständlich machen, dann zusammenführen und erst zum Schluss vermarkten.

Einen Haufen mässiger bis schlechter Blogs, die gemeinsam Geld wollen, gibt es schon, das braucht keine Wiederholung in einem zusammenfassenden Portal.

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Cliquenwirtschaft

Wenn die Werbevermarkter mit der Selbstvermarkterin übereinkommen, das Fehlen journalistischer Standards zur Qualität zu erheben, und das ganze unter Einschluss eines Werbevermarkteten auf das Podium bringen - dann nennt man das wohl eine kritische Masse. Oder Qualitätsdiskussion. Vielleicht auch: Das Niveau, auf dem sich Berliner Cliquen das Thema Bloggen zuschanzen.

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Dienstag, 1. April 2008

Empfehlung heute - da geht er hin,

mein Traum einer italienischen Immobilie. Auch ohne den fall des Sohnes eines Bekannten, der sich eine Ferienwohnung am Gardasee kaufte und dort nicht wohnen kann, weil die Polizei die ganze Anlage wegen eines Dauerbewohners - was nicht vorgesehen war - dicht machte.

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Rottach City Limits

Kurz vor dem Schurkenstaat Österreich liegt Rottach. In Rottach gibt es Osterhasen von JAB Anstötz, es gibt viele rosa Dirndl mit Anspielungen auf das 18. Jahrhundert, ein hässliches Nobelhotel, das auf Postkarten wegretuschiert wird, viele Juweliere und Häuser in Bestlage mit Preis auf Anfrage, es gibt Pralinen für 10Euro/100 Gramm und Ärztekongresse, es gibt saudische Prinzen und gewesene Devisenbeschaffer, es gibt eine totale Abwesenheit armer Leute und sozialer Probleme, auch einen Nightclub ohne Bordell und eine Bar, der auch am Montag nach 11 noch offen hat, mehr Juweliere als in einer mittelgrossen Bomtown, Niederlassungen von relevanten Geldhäusern und sogar noch - very 80ies - Konsule dubioser Staaten, mit entsprechend beschilderten Wägen, und obendrein einen Mc Donalds mit WLAN für die Jugend -



aber keinen Nagel und keine Schraube zu kaufen.

Rottach ist wie Davos einer der Orte, die selbst mir nach lebenslanger Gewöhnung an das, was man mal die besseren Kreise nannte, zuviel ist. Einer der wenigen Orte, wo ich in Versuchung gerate, auf den Boden zu spucken.

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Dienstag, 1. April 2008

Sittin' on the dock of the bay

Ganz am Ende werden sie natürlich heiraten und sich lange, sehr lange Zeit nehmen, um die Gästeliste zu streamlinen. Der alte Lover ist zumk Glück in Urlaub, B. ist eine Schlampe und bekommt das alles nicht mit, Tante G. ist leider unvermeidbar, aber die setzt man am besten neben L., da passt sie hin, und kann den zusabbeln, wenn er nicht doch so nett ist und absagt, unter Hinterlassung des Geschenks, das er sich in der Liste im Internet rausgesucht hat. Und dann das Kleid, das Kleid ist natürlich das Wichtigste, und keinen 7er BMW wie die Bauern.

Davor werden sie etwas studiert haben, das man in diesen Kreisen so studiert, und das in vollstger Gewissheit, dass sie immer zurückkönnen an den See, wo die Eltern das Haus haben, wo nichts droht und passiert, man kann immer zurück, schlimmstenfalls, wenn man etwas Blödes gemacht hat, es gibt da den richtigen Anwalt, und Vater kennt auch jemanden, der jemanden kennt. Es ist eine Gnade, so aufzuwachsen, weit entfernt von allen Drohungen des Lebens, sie sich irgendwann doch einstellen, Scheidungskrieg, Börsencrash, Alzheimer, Lungenkrebs, am Ende entgeht keiner seiner Bestimmung, aber so lange kann man ja unten am Wasser sitzen, die Tasche ablegen, die Mama aus München von den Maendlers mitgebracht hat, die Sonnenbrille in die Haare schieben und etwas ausserhalb der Sichtweite der Villa die Wasserpfeife anwerfen, in der Hoffnung, dass kein Bekannter vorbeikommt, und kichern, weil es so verboten aussieht.



Später wird es ein grandioser Sommer, wie immer, es wird immer so weiter gehen, sie werden nie wirklich weg sein und wiederkommen, bis sie, verwitwet und mit Goldreserve Simbabwes behängt, das Endstadium erreichen und gerne wissen wollen, wer da in ihre Region zieht, und in roten Abendmantel mit den weissen Punkten draussen vor der Hecke stehend, vorsichtig reinschauen, und zufrieden feststellen, dass sich der junge Mann offensichtlich anständige Lampen leisten kann. Und später erzählen, dass es den besten Bärlauch hinter dem Friedhof gibt, quasi aus der Asche von Ludwig Erhard und hoch über der Fabrik, in der sie dass Papier machen, auf dem die Inflation derer gedruckt wird, die es weniger gut haben, nicht am See sitzen und den ganzen Tag über der Wasserpfeife den vorbeipaddelnden Enten und Schwänen zusehen.

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Sonntag, 30. März 2008

Sehr zu empfehlen - Stuck und Vorurteil

Es war im Wohnzimmer, eine Kneipe am Helmholtzplatz 2004, als ich, in fester Beschäftigung mit festem Einkommen versehen, spasseshalber zu zwei anderen Bloggern angesichts unser aller soliden Westherkunft spasseshalber sagte, eigentlich könnten wir allesamt vom Geld unserer Eltern leben. Einer der beiden erwiess sich später nicht nur als Opelblogger und Adicalteilnehmer, sondern auch als ziemlich intrigant, hintenrum und mit einer guten Portion Willen gesegnet, aus einem offensichtlichen Witz eine passende Lüge zu machen. Und so kam es dann, dass der Berliner Blogger Felix Schwenzel in einem Interview behauptete, ich würde vom Vermögen meiner Eltern leben, was dann ein anderer wiederum so falsch übernahm, dass es zur Abmahnung reichte.

Leider hat nicht nur meine Anwältin, sondern auch meine Wenigkeit sowas wie berufliche Verpflichtungen zum Gelderwerb. Die Lügen des Schwenzel und anderer haben einen Kern, der eben so falsch wie beneidenswert ist, denn eigentlich, nehme ich an, wäre es gar nicht so schlecht, vom elterlichen Vermögen eine üppige Apanage zu erhalten. Diese Meinung vertrat ich schon während des Studiums, als ich unter anderem als Hafentaucher im Schlamm unter sehr harten bedingungen enorm viel Geld verdiente, und würde man mir das anbieten, ich würde ohne zu zögern zusagen. Allein, ich fürchte, meine Eltern kommen aus mannigfaltigen Gründen nicht von selbst auf derlei Ideen, und somit entgeht der Leserschaft nun der Beitrag, in dem Don Alphonso einen bekannten Münchner Raumausstatter aufsucht, seine Gestaltungspläne für seine von den Eltern bezahlte Strandvilla in Auftrag gibt, die nächsten zwei Wochen in Strapsen hopsende Zimmermädchen auswählt, während ein Heer hilfreicher Geister Eingebungen umsetzen, die ihm und der Lieblingszofe dann doch nicht gefallen, was zu einer zweiten, akzeptierten Fassung knapp unterhalb des Niveaus des Treppenhauses der Residenz Würzburg führt, die abzubilden ihm zum Hohne Berliner Blutkonservenblogger gefallen möchte.

Statt dessen: 24 Stunden Geometrie - ich hasse Mathe! - sägen, vergleichen, messen, Fehler korrigieren, ältere unkorrigierbare Fehler entdecken, verzweifeln, Lösung finden, verwerfen, probieren, wundersam doch zurecht kommen, eine Leiste zwei Stunden nicht mehr finden (wie kam sie in den Küchenschubladen), streichen -













und am Ende feststellen, dass die deutschen Glühbirnen nicht in die italienischen Fassungen passen. Und das alles auf eigene Kosten in der selbst bezahlten Wohnung.

Und ein Zimmermädchen habe ich auch nicht.

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