: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Sonntag, 24. Oktober 2010

Der fertige Franzose

Es dauert inmer etwas, bevor diese Welt Leute, die es verdient haben, in die Tonne haut. Franz Josef Strauss bekäme heute in Bayern sicher keine Mehrheit mehr; sogar im schwärzesten Bayern sagt man heute, dass es gut ist, dass es vorbei ist. Es kann halt nicht jeder Loki Schmidt sein, könnte man sagen.

Nun kann den Toten ihr Nachruf - zwangsweise - egal sein, wichtiger scheint mir die Frage, wer noch zu seinen Lebzeiten mitbekommt, dass sich etwas ändert. Bei Nixon hat es geklappt, aufgrund der Verkommenheit deutscher Medien bei Feldbusch bislang noch nicht, die muss vermutlich noch 10, 15 Jahre warten, bis man ihr Gesicht zeigt und sie für das auslacht, was sie geworden ist: Die Sache mit Maxwell ist nun mal im Gegensatz zum Altern verzeihlich.

In der New Economy pflegte man zu witzeln, dass ein guter Berater derjenige sei, der nie auf die Idee käme, seine Ratschläge an einer eigenen Firma auszuprobieren. Es gab damals zu viele von hochbezahlten Consultats gegründete Klitschen, die den Nachweis führten, dass diese Leute es genauso wenig konnten: Das mit dem Geschäfte machen, nicht das mit der Beratung, denn das klang immer noch toll. Das war eigentlich immer eine gute Art, den eigenen Ruf zu verspielen. Natürlich ist es etwas ungerecht, denn andere kommen trotz Problemen einfach so durch. Dass beispielsweise Spreadshirt seine früher fest zementierte Position im Markt verloren hat, wird immer noch überstrahlt vom Zufall, dass die Gründer mit ihrem Einstieg bei StudiVZ und mit der Dummheit von Holtzbrinck bestens verdient haben. Spreadshirt wird einfach irgendwie vergessen.

Ich weiss nicht, wie genau die diversen Märkte das Internet beobachten, aber wenn sie es tun, könnte mit Sascha Lobo auch bald jemand Probleme bekommen. Angebersprüche aus dem Netz rülpsen ist leicht, aber nach der Vodafone-Kampagne und dem immer noch nicht eingestandenen Scheitern von Grosskotz-Adnation gab es in letzter Zeit nochmal den gestellten Eklat rund um seinen Roman, punktgenau zur Einführung der App: Lobo immer noch auf allen Kanälen, aber ein Leedreher für die Buchumsätze. Natürlich begaffte man früher auf dem Jahrmarkt gegen Geld absonderliche Mutationen des Menschen. Aber hätte man auch ein Buch von denen gekauft? Lobo hat zu lang zu gossig die Internetzukunft verkräht, er wird langsam auch ein bisserl alt und Behaupten allein hilft auch nicht, wenn die Verkaufe zeigen, dass er einfach nicht wirkt. Noch nicht mal bei seinen 40000+x Followern. Und in den Startlöchern stehen schon genug andere, die keine Lust auf Arbeit haben und mit Luhmann und Radiotheorie wenigstens etwas Bildung vortäuschen - auch an seinen Scharlatanen erkennt man, dass das Internet erwachsen wird.

Ich bin eigentlich recht guter Dinge, dass es irgendwann auch den Stefan Niggemeier nochmal richtig derbröselt (Die hier etwas nachlassende Postingfrequenz hat neben akutem Zeitmangel auch etwas damit zu tun, dass ich mich gerade etwas davor ekle, mich mit Blogs zu beschäftigen). Ich kann nicht beweisen, dass er, als er sich bei seinem Angriff auf die Netzeitung in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in ein paar Punkten eine einstweilige Verfügungen eingefangen hat, unter falschem Namen bei der Blogbar aufgeschlagen ist und dort dann in diesem etwas erhitzten Klima dort weitergemacht hat, wo ihm das Gericht den Mund gestopft hat. Vielleicht war das ein Freund oder Kollege oder sonst jemand mit genauen Kenntnissen der Intention, die Stefan Niggemeier verfolgt hat, jemand, der auch sehr aufgebracht war, dass ich es wage, den Niggemeier zart in Zweifel zu ziehen. Aber wenn ich die Bigotterie sehe, mit der Niggemeier erst einen des Borderlinens überführten Bildblogger und dessen Rechte zu verteidigen meint und seinen Mob gegen die Berichterstattung loslässt, und nun den aktuellen Fall sehe - dann wünsche ich ihm nicht einen Knick wie damals, als er in Sachen eines phantasierten Übernahmeversuchs von Kress juristisch untergegangen ist. Ich muss ihm das nicht wünschen, oder dazu beitragen. Ich muss nur etwas warten. Und sicher nicht so lange wie bei Strauss.



So ist das eben mit der Geschichte: Mancher geht unter, weil alles Beschweren über den Dreck nicht hilft, den eigenen Dreck zu vertuschen, andere scheinen unterzugehen und werden doch wieder gerettet, weil sie zu gut sind und doch wieder geschätzt werden. Ich hatte unvorhergesehen ein paar Stunden übrig, und konnte endlich das alte Peugeot, das zuerst bei der Caritas und dann auch noch von seinem frustrierten Käufer weggeworfen werden sollte, hergerichtet und fahrbereit gemacht.



Und was soll ich sagen: Es ist genau das richtige Rad für kalte Herbsttage. Man muss sehr viel mehr treten, es ist schwerer und langsamer, aber man kann sich damit im Park gut anstrengen, ohne dabei irgendjemanden zu gefährden. Ausser vielleicht selbst von überholenden Kindern auf Dreirädern und joggenden Grossmüttern mit Krückstöcken gefährdet zu werden, die dauernd gnadenlos vorbeiziehen, wenn man nach weiteren 50 Metern atemlos im Graben liegt. Selten einen so blauen Bleianker gesehen.



Die Bremsen sind überraschend gut, von 6,2 auf 0 in 10 Metern, die Übersetzung dafür überrachend schlecht, statt der thoretischen 10 Gänge sind allenfalls drei in der Ebene zu gebrauchen, und Steigungen von mehr als 2% sind die Hölle. Die Idee, das Rad nächstes Jahr auf die l'ERoica mitzunehmen, habe ich verworfen: Damit brauche ich noch nicht mal zum Tweed Run nach London.



Ich habe damit gleich den Wochenmarkttest gemacht und geschaut, ob es irgendwie wirkt: Das tut es. Mancher bleibt stehen und schaut. Ich finde, es ist einfach eine hübsche Ergänzung des dortigen Ambientes, auch wenn es, um ehrlich zu sein, zum Transport von Lebensmitteln eher schlecht taugt. Es taugt eigentlich zu gar nichts, aber es ist sehr hübsch.



Trotzdem ist es sehr französisch. Man ahnt die Vorgaben der Designabteilung: Bauen Sie ein Rad, das schick und sportlich ausschaut, dynamisch, aber nicht angestrengt, und das gerade mal reicht, um ein Baguette und Zigaretten zu holen - und trotzdem wirkt, als würde der Besitzer gleich nochmal 50 Kilometer in die nächste Stadt radeln, um dort entspannt Rotwein zu probieren. Es soll schön sein, wie das Leben, das reicht.



Und so wurde es denn auch, selbst wenn das Leben nicht immer so schön ist, wie die Franzosen denken.

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Samstag, 23. Oktober 2010

Über die schmale, steile Stiege

An Tagen wie heute, wenn der dichte Donaunebel bis Mittag in den Gassen der Altstadt klebt, der Sonnenschein nach ein paar Minuten den Wolken weicht und ein sehr eigener, leichter und kalter Wind, kühl wie Verachtung, durch die Kleider sickert, dann ahnt man: Das wird vermutlich nichts mehr mit diesem Jahr. Dann wird es Zeit, die Räder nach oben, über die enge Treppe hinauf in den Speicher zu verräumen, wo sie vor Dieben sicher sind, und zu warten, bis das Frühjahr kommt.



Oder der Winter mit dem Schnee und den glitzernden Bergen, an deren Spitzen das unendliche Blau den Wolken darunter hohnlacht, während in den Niederungen der klebrige Matsch die Fenster zur Radgruft verschliesst. Also wechsle ich gegen die Düsternis in meinem Leben die ausgebrannten Glühbirnen, die im Rausch des Sommer nicht so wichtig waren, ich nehme mir eine Viertel Stunde Zeit, die Teekanne auf Hochglanz zu polieren, und merke später, dass diese 15 Minuten an anderer Stelle fehlen. Aber es gibt so viele Viertelstunden in dieser düsteren Zeit, die mit irgendwas gefüllt werden müssen.



Immerhin, am Sonntag ist Flohmarkt in Pfaffenhofen, und weil ich so fleissig und das letzte Mal nicht dort war, habe ich ein hübsches Budget für den Erwerb einer Beschäftigung für den Übergang. Etwas zum schrauben, kitten, verspachteln und polieren, und vielleicht irgendwann auch zum verschenken. Ich habe ja Zeit, wenn der Kopf nicht um Worte und Buchstaben schwirrt.

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Freitag, 22. Oktober 2010

24.000 Printzeichen später

Zangengeburten, eine nach der anderen. Wenn sie erst mal am Licht der Welt sind, wird noch nachgehübscht und aufgeschönt, dann gehen sie. Nette Details auf mittelmässiger Basis, Tiefenvortäuschung und Bildungsabfälle. Ein Glück, dass ich meine Texte nicht lesen muss. Ein Glück, dass es anderen trotzdem gefällt.



Ohnehin ist Print eine Qual, da kann man nicht einfach drauf los schreiben, da muss man nachdenken und überkorrekt sein, nicht weil es befohlen wird, sondern weil man sich sagt: Das kannst Du nicht schludern, das ist Print! Das ist Zeitung! Da stehst Du unter anderen! Das ist Buch, mit Rücken! Folglich lese ich danach sogar zweimal durch und arbeite ernsthaft. Die Leichtigkeit des Schreibens: Dahin. Und das gefühl dass ich irgendwo gedruckt bin und es mich toll macht, hat sich seit dem Roman auch erheblich verflüchtigt. Andere führen angeblich Listen. Ich behalte Beiträge nur, wenn die Bilder gut waren. Trotzdem bin ich zwischendrin auch noch auf eine tolle, weitere Printgeschichte gestossen.



Denn in meiner Heimat wohnt die Weltmarktführerin für historische Motorrad- und Fahrradaufkleber. Irre Sache: Man schickt ihr ein Originalteil mit dem kaputten Bild oder Schriftzug, die ersetzt werden sollen, und sie malt sie nach und lässt sie drucken. Die Frau, den den verstummten Dingen ihren Namen wiedergibt. Kleine Geschäfte mit grosser Vergangenheit. Ein Katalog nicht mehr existierender Marken. Ich brauchte nur etwas für mein Peugeot, das sich langsam der Vollendung nähert - irgendwas muss man ja beim Nachdenken tun - aber da würde ich doch glatt gleich das nächste namenlose Rad aufbauen, als Magnat-Debon. Einfach wegen der Schriftzüge. Aber erst mal: Schreiben.

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Keine Zeit, F*CKT EUCH zu sagen

Gestern Deadlinitis, jetzt schon wieder Deadlinitis, und dann auch noch erfreulicher Besuch am Wochenende. Deshalb habew ich hier keine Zeit für Beleidigungen gegen irgendwelche asozialen, dönerstinkenden Netztotalitaristen der sog. "digitalen Öffentlichkeit" unter den Führschaft einiger Best und andere Worst Cases aus dem Drecksloch Berlin, es ist absolut kein Platz da für ausgewählte Erläuterungen, was ich mir an fazialen Deformierungen für Drecksknipsbande wünschte, wenn sie eine gut befahrene Strasse mit dem Ort für das Fotografieren verwechseln , es gibt keine konkreten Hinweise, wie ich mich schon darauf freuen würde, auf so einer Archgeige das Hohelied der Gerichtskosten zu spielen, und ich werde sicher auch nicht sagen, dass ich eines Tages über sie lachen werde, wenn sie als alte Berufsjugendzauseln noch immer in mickrigen Löchern hausen und niemand mehr etwa von ihnen wissen will, weil andere Deppen längst neue idiotische Revolutionen ausrufen.

Nichts von alledem. Ich habe dafür einfach keine Zeit, und ausserdem würde ich es so auch nicht formulieren.

Nur der Hinweis, dass eine viertel Million Widersprüche gegen Google Streetview schon ein Schlag ins Kontor sind. Mag mancher hoffen, dass es schon nicht so schlimm sein wird: Je grösser das Haus, je dichter verbaut die Gegend, je näher am Zentrum der Städte und je wichtiger für die Schnüffelschweine - desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass die Häuser verpixelt sind. Je mehr Wohneinheiten, desto weniger Chancen für Google. Dort, wo es niemanden interessiert, in den Vorstädten, wird man fast alles sehen. Das Problem für Google werden die dicht besiedelten Innenstädte sein. Da, wo die Nutzer hingehen. Dort wird wenig sein. So wenig, dass ich eigentlich fest damit rechne, dass irgendein Knipser angesichts der enormen Aufgabe, das alles nachzutragen, am falschen Platz vor dem falschen Auto stehen wird. Mein Mitleid möchte ich jetzt schon nicht aussprechen.

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Donnerstag, 21. Oktober 2010

Wohl bekomm's.

Während es am Tegernsee schön ruhig ist, hatten wir daheim gewisse Unannehmlichkeiten, die dazu führen, dass jemand demnächst unschöne Gerichtsbeschlüsse annehmen muss: Das hat man davon, wenn man Kinder nicht nur nach 10 in die Stadt lässt, sondern auch noch mehr Geld mit gibt, als für einen Billigdöner und eine kleine Cola nötig wäre (Berliner Internetasoziale leben von sowas einen ganzen Tag). Die kaufen nur Flaschen Wodka und werfen damit Scheiben ein.



Aber auch ein schlechtes Betragen kann einen guten Beitragin der FAZ zur Folge haben, denn wenn man sie nicht a la Berlin auf dem untersten Niveau rumkrebsen lässt, muss wenigstens ein effektiver und still agierender Anwalt her, der nicht - wie früher - laut und öffentlich den Ruf mehr schädigt, als er ihm nützt.

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Zurück zu den Silberkännchen

Ich mache das ja so mit den englischen Silberkannen: Im Gegensatz zu Rennrädern hole ich sie nicht persönlich ab (bei Rennrädern ist das enorm wichtig, einerseits will ich die Geschichte dazu hören, andererseits ist Radkauf auch Vertrauenssache), sondern lasse sie aus England schicken. Anders geht es nicht, Silberkannen in Deutschland sind vier mal so teuer und auch nicht besser, aber ich kann nicht dauernd nach England fliegen. Ausserdem ging der letzte Versuch gründlichst daneben, und so werte ich das - bis zum Tweed Run kommenden Jahres - erst mal als Zeichen, in Deutschland zu bleiben, die Rodel zu wachsen und die Rennräder langsam einzumotten. Es ist diese Übergangszeit, und die ist nur tauglich für Silberkannen, nicht aber für Rodel und Rennräder.



Dass ich länger keine Silberkanne mehr erworben habe - genau genommen seit der letzten Übergangszeit zwischen Winter und Frühling - liegt gar nicht so sehr an meinem Wollen, sondern am Kurs des Edelmetalls Silber und der steigenden Zuversicht der Bevölkerung in England. Tatsächlich haben dort die vollkommen überzogenen Immobilienpreise inzwischen wieder angezogen, womit für viele Hausbesitzer mit hohen Krediten das Schlimmste vorbei ist: Sie können wieder verkaufen, ohne danach insolvent zu sein. Kredite sind formal wieder Kredite, und nicht mehr das Ende des Wohlstands. Für den Moment.

Die Ursache für diese steigenden Hauspreise ist aber enorm unschön: Über eine Million im Ausland lebende und arbeitende Briten sollen auf die Insel heimgekehrt sein, weil sie im Ausland keine Arbeit mehr finden und nun natürlich Wohnraum brauchen. Wohnraum und Arbeit. Die ehemaligen Expats haben sicher nicht die allerschlechteste Ausbildung, müssen sich wieder integrieren und angesichts des englischen Asozialstaates schnell eine Arbeit finden. Niedrigere Gehälter akzeptieren. Sich reinhängen. Die haben andere Sorgen als meine Silberkannen. Und jene, mit denen sie sich um die Jobs prügeln, werden auch nicht gerade ans Silberputzen denken. Mal wird der eine gewinnen, mal der andere. Die Verlierer brauchen Geld. Weil der englische Staat jetzt auch noch extrem bei den Sozialausgaben spart.

Dass hier übrigens gleich noch mal 500.000 Arbeitsplätze in den nächsten 5 Jahren verloren gehen (und in der Folge, wie man weiss, sicher nochmal 200.000 weitere, die davon abhängen), macht die Lage auch nicht besser. Man muss sich das mal vorstellen: England hat wegen seiner Bankster einen Neuverschuldung von über 10% im Haushalt, und die Regierung reagiert darauf mit Terror gegen ihre Bürger, wehrt sich aber gegen hartes Vorgehen gegen die Bankster. Ein Land im Würgegriff des organisierten Finanzverbrechens, das selbst wiederum von der Verschuldung profitiert. Man muss kein Hellseher sein um zu wissen, dass es die englische Gesellschaft dabei zerreissen wird. Wenn die Unternehmen, wie jetzt geschehen, behaupten, sie könnten die Arbeitslosigkeit und die damit verbundene Umverteilung in diesem weitgehend deindustrialisierten Land abfangen und Stellen schaffen, denken sie vermutlich eher an Hungerlöhne und Manchesterkapitalismus. Und weil die Lage auch so schwierig sein wird, wird der britische Peso auch weiterin schwächeln. Und weil Silber wenig bringt, wenn man hungert, oder einem das Haus versteigert wird - wird man vermutlich weiter versuchen, die se Assets gewinnbringend zu verkaufen. Eine Silberkanne rettet eine vierköpfige Familie schon mal über 2, 3 Wochen hinweg.



Ich weiss, das ist zynisch und alles andere als nett, aber wenn ein Land nicht in der Lage ist, Verbrecher einzusperren oder zu deportieren, wenn Raub nicht nur legalisiert, sondern als Zukunft der Wirtschaft gepriesen und die Freunde der Räuber mit deren Unterstützung an die Macht kommen - dann braucht es sowas vielleicht. Als heilsamen Schock. Um bei der nächsten Wahl, oder beim Aufstand gegen das Räuberregime, dieses Pack wirklich hinwegzufegen.

Vermutlich aber haben sie es schlau genug gemacht, dass die Last nur ganz langsam zu spüren sein wird, immer etwas schlimmer, hier sparen und dort nicht mehr leisten können, dieses nicht mehr tun und jenes bei Ebay einstellen, sachte, behutsam, nie zu viel Leid und immer schön laute Lügen davon, dass alles bald besser wird, wenn man nur die Schulden reduziert und die Banken aufgepäppelt hat. Aber das ist nicht mein Problem. Ich brauche Silberkannen. Und die hauseigenen Vollversager der bayerischen Landesregierung, die man jetzt noch nicht mal verklagen will, weil ein Gefälligkeitsgutachten davon abrät, habe ich nie gewählt.

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Mittwoch, 20. Oktober 2010

Am Wasser, weg von den Kliniken

Die Idee mit der herbstlichen Bergtour war vielleicht doch nicht so gut. Irgendwie habe ich das dumpfe Gefühl, dass ich beim nächsten Anstieg schon den Rodel hinter mir herziehen werde, so bitterkalt ist es am See.



Auch ansonsten war es nicht das, was ich erwartet hatte. Der eigentliche Zweck - ein Fehlschlag. Verbunden mit sehr seltsamen Erlebnissen; es gibt so Dinge in diesem Tal, über die man mal schreiben müsste. Wo alles in einem sehr seltsamen Zustand verharrt, als ob es de letzten Jahrzehnte nie gegeben hätte. Einen schlimmen Radunfall würde ich hier nicht haben wollen, es gibt hier so ein paar Kliniken weiter hinten Richtung Kreuth, die auch als Kulisse eines schwarzen Krimis herhalten könnten. Keine Ahnung, wer seine Verwandten dort vergräbt. Heisst dann Tegernsee, ist aber etwas anderes, und zwar nicht nur Rottach. Aber noch ist alles bestens, das ganze Thema ist weit, weit weg in einer Zukunft, von der niemand weiss, wie sie aussieht. Und die Gegenwart wird schnell wieder bunter.



Ansonsten hatte ich eine interessante Idee: Ein Punktesystem für den Zuzug zum Tegernsee. Schwaben wie der Herr Brüderle: - Unendlich. Nicht mehr Zeugungsfähige: - 100 Punkte. Sportler des FC Bayern: - 100 Punkte. Österreicher: - 100 Punkte. Andere Ausländer: Zwischen - 0 (Briten) und - 1000 Punkte (Russen, Berliner, Hamburger, Münchner). Dagegen 1 Punkt pro 100 Bücher. Trachtenaufzug minderer Güte: - 100 Punkte. 1 Punkt für 10 Konzertbesuche. 1 Punkt für 10 Einkäufe auf dem Bauernhof. 1 Punkt für jede Woche in Italien, damit es am See nicht so zugeht (Tegernseer Castortransporte). 10 Punkte für jede unverheiratete, anämisch-musische Tochter. Tut mir natürlich Leid für einige Leute, aber so bekäme man den See erst mal nett leer und dann wieder besser voll. Ach so, und drittklassige Sauger an den dreckigen Zitzen der Glotze mit eigener Vergangenheit ais Trolle mit falschen Namen an der Blogbar, die andere als Trolle outen: Lebenslang Kreuzberg.



Andererseits , was gibt es eigentlich Schöneres an Sozialstudien, als einen Pharmakongress in Rottach, wenn die Damen derweilen einkaufen gehen, während die Männer erklären, dass sie keinen Interessenskonflikt haben? Das hat auch seinen Reiz, mal zu sehen, wie die real existierende Gesundheitspolitik so funktioniert. Nicht alles geht nach Luxemburg, es bleibt auch hier in Pelzgeschäften, obskuren Galerien und Hotels mit Vorhängen, die einen die Kälte da draussen vergessen lassen.

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Montag, 18. Oktober 2010

Das Internet wird wieder verschwinden

Und seine Nutzer, die uns nicht bezahlen wollen, die brauchen von uns auch keine Inhalte.

Unser Print und seine zahlenden Leser sind toll genug!

Und überhaupt fanden wir ja diese freie Klickerei schon immer voll doof.

Die Zukunft jedenfalls heisst: Online ist Sparen! Wir versuchen aber gerade, bei der Politik wahlweise eine Online-Gema oder die Wiedereinführung der Zwangsarbeit für Inhaltediebe durchzusetzen - wenn das gelungen ist und alle an useren Ketten stöhnen, gibt es vielleicht wieder mehr gschmierte Meinung von uns im Netz.

Und ich glaube, dass das Positionen sind, die man in Zeiten wie diesen gegenüber Medienkonzernen wie Burda durchaus vertreten kann, ohne dass man dafür schräg angeschaut wird.

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Montag, 18. Oktober 2010

Franz und Johann haben gefehlt

Trotz langjähriger Vergebenheit in für unsere Epoche doch recht feste Hände bin ich überzeugter Anhänger der eigenen Wohnung. Sollte sich das je ändern, würde ich im Sinne des 18. Jahrhunderts und seiner Herrschaftsarchitektur zumindest zwei Flügel haben wollen, so dass man sich wirklich aus dem Weg ist, wenn man sich aus dem Weg gehen will. 6 Zimmer dazwischen ist in der Hinsicht vermutlich ausreichend - und im Übrigen in diesem Komplex sogar bautechnisch möglich.

Will ich aber dereinst wirklich vergrössern, Türen wieder öffnen lassen und dabei vielleicht das Dienstbotenhaus seiner ursprünglichen Bedeutung zuführen - brauche ich Ausstattung. In diesen tristen Zeiten kann man nicht einfach nach Fürth fahren und sagen: 10 Prunkvenezianer bitte, den, den, den und dann noch ein paar spezielle Exemplare. Man muss beizeiten mühsam zusammenkaufen, sich auf Auktionen mit Zahnärzten herumschlagen und viel Glück haben. Nach meiner Beobschtung kauft man besser 5 Jahre vor der Erweiterung schon mal ein, damit man 5 Jahre nach der Erweiterung alles beisammen hat, und man sich mit der Frage der Gemälde beschäftigen kann (suche übrigens dringend noch drei mittelgrosse Capriccios mit italienischen Motiven, 18. Jahrhundert).

Zu den Problemen des Alleinlebens jedoch gehört der Umstand, dass man nicht mal eben sagen kann: Schatz, ich halte mal den neuen Prunkvenezianer hin, schau mal, ob es passt. Es hat auch seine Vorteile, denn beim Heben von 40 Kilo Glas und Holz sieht man für den Schatz nicht wirklich begehrenswert aus, zumal so ein Spiegel ganz jämmerlich glitscht und zappelt und dem Boden entgegen strebt, und man nur selbst ahnt, wie lächerlich man aussieht, unzumutbar für den Schatz - kurz, auch das Gesindehaus hätte bereits in diesem frühen Stadium seine Vorteile. So könnte man sich zum Schatz gesellen, einen Kuss auf sie geben und sagen: Johann, ein wenig höher bitte, und Franz, etwas niedriger, und alles etwas mehr nach rechts. Schatz, was meinst Du? Passt er?

Das geht noch nicht, noch bin ich allein, und deshalb sieht der neue Venezianer an Stelle des alten Venezianers auch - wie soll ich sagen: Ich glaube, ich muss mich erst mal daran gewöhnen:



Auf jeden Fall hängt er zu hoch. Was ein wenig doof ist, weil das Anbringen eines wirklich guten Hakens immer eine Mordsarbeit ist, und das Verkitten seines alten Lochs dieser Dimension auch nicht gerade die Wand verschönert. Eventuell kann ich aber etwas an der Aufhängung machen - nur sollte es sicher sein, denn wenn dieses Monstrum fällt, darf niemand darunter sitzen, der nicht zumindest nordkoreanischer Diktator oder Kernkraftwerklobbyist ist.

Dafür habe ich noch etwas anderes gefunden, was ich lange suchte: Ein alter Rennkompressor, der nicht im üblichen, langweiligen Schwarz ist, und der mir hilft, auch weiterhin CO2-neutral durch das Bayernland zu rollen.



Was ich im Übrigen morgen nicht tun werde, da bin ich in anderen Dingen mit dem Auto unterwegs, stets hoffend, dass der neue Spiegel hält. Und bei mir die Gewöhnung an seine Übergrösse einsetzt.

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Sonntag, 17. Oktober 2010

MIST! MIST! MIST!

Plötzlich dröhnt es draussen los. Trommeln, Fanfaren, marschierende Stiefel. Vintage Vuvuzela Vichser des ortansässigen Fussballclubs. Äh nein, nur Soldaten im Regen auf dem Weg zur Fahnenweihe. Trotzdem: Alptraum für einen überzeugten und unausgeschlafenen Zivilisten wie mich.



Fahnen, die in Plastikhüllen stecken. Blut auf dem Schlachtfeld wäre kein Problem, aber Regen? Igitt! Und dann begriff ich, was für ein wunderbares Sinnbild der konservativen Haltung dieses Bild hätte sein können: Denn genau das ist er, der Konservativismus: Eine billige Plastikhülle zur Erhaltung verweichlichender alter Ideologiefetzen. Etwas, an das man sich klammert und das man vorzeigt, weil man es eben hat und gewohnt ist. Was für ein Bild! Und wie wunderbar hätte es zu dem Beitrag in der FAZ gepasst, den ich einen Tag davor geschrieben habe, genau zu jenem Thema!

Ich bin dann runtergegangen und habe mir mit denen eine wüste Schlägerei geliefert, weil ich es voll asozial finde, dass die mich erst einen Tag lang versetzt haben und dann auch noch mit dem Getröte aus dem Bett pusten.

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