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Samstag, 16. Oktober 2010

Der letzte der guten Tage

Es wird Zeit, dass ich nochmal in die Berge komme. Dieses Jahr gab es zu viel anderes zu tun, zu viel unterwegs, zu viel Anforderungen und Verpflichtungen. Kein Wunder also, wenn das Rad den Stiefel und die Äcker die Wälder ersetzen.



Allein, man muss mit dem zufrieden sein, was man hat, und das schöne an der dummen, kleinen Stadt an der Donau ist, dass sie nicht gross und die Ortsgrenze nicht weit ist, trotz all der Veränderungen der letzten 20, 30 Jahre.



Und dort, wo ich fahre, ist es ohnhin recht einsam. Früher war der Verkehr sehr viel gefährlicher in dieser Region, da gab es keinen Monat, wo ich nicht irgendwelche Autos in Strassengräben oder Schlimmeres sah, aber dennoch denke ich, dass ich lieber irgendwo fahre, wo ich niemandem begegne. Das ist wie beim Bergsteigen; natürlich grüsse ich, aber ich gehe, wenn ich allein losmarschiere, nicht auf den Berg, um Menschen zu sehen. Der Berg ist anstrengend genug.



Es ist auch ganz nett, weg von der Carbonneuradshow zu sein, die ein paar Strassen weiter tobt. Die Stadt ist reich, das sieht man auch an den Rädern, aber ich habe wenig Lust, in irgendwelchen Gruppen zu landen, die Plastik durch die Gegend schaukeln und meine - im Übrigen gar nicht so extrem alten - Räder für einen komischen Spleen halten. Nicht dass ich das Alter toll finden würde - früher war vieles schlechter - aber ich denke auch, dass man, wenn man mit einem Rad 1998 hundert Kilometer weit fahren kann, das gleiche auch 2010 möglich sein sollte.



Aber damit hat man es nicht zwingend leichter, wenn alle um einen herum die Vorzüge eines weiteren Ritzels, eines Megapixels oder was auch immer sonst unverzichtbar scheint, bereden. Innerlich schalte ich sofort ab, wenn ich Worte wie Firtschritt oder Zukunft oder 21 oder Chancen höre. Das ist wie im Internet und bei all den tollen Projekten: Sie sind so modern, dass es den modernen Menschen dafür gar nicht gibt, egal ob Zoomer oder der neueste Dreck aus dem Springersumpf. Da fahre ich dann doch lieber mein altes Rad fern von den grossen, dummen Städten mit ihren Alleswissern und Vollkompetenten. Gwerade waren übrigens wieder die Medientage.

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Sachen, die nicht in der Zeitung stehen,

finde ich dafür in Blogs, wie etwa diesen feinen Beitrag über die Stuttgarter Interessenslage. Oder was man als solche bezeichnen könnte, wenn man höflich ist.

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Donnerstag, 14. Oktober 2010

Geld beschädigen

Hurra! Wir leben noch! Die Wirtschaft brummt, die Arbeitslosigkeit fällt, die Krise ist vorbei und Ferrari hat Liexerprobleme wegen der Bankster. Sogar in London sind die Häuser wieder teurer als vor der Krise, selbst wenn das Land so mies dasteht wie immer - nur sind jetzt ein paar Schuldner besser dran, als vor zwei Jahren. Nur in Amerika will die FED jetzt schon wieder enorm viel Geld in die Finanzmärkte pumpen - Change nennt man das in Obamaland. Aber ansonsten sieht alles bestens aus.



Bis auf diese kleine, unerfreuliche Sache mit den Währungsabwertungen. Momentan ist jeder erpicht, nicht von allen die härteste Währung zu haben. Die Chinesen haben Angst um ihre Margen, die Deutschen um die Exporte, die Amerikaner um die Binnenkonjunktur und die Arbeitslosigkeit, also versucht auf Teufel komm raus jeder, beim Rennen um die schwächste Währung zu führen. Den Chinesen kann es als heimliche Finanziers im Hintergrund egal sein, die können ihre Währung nach Belieben anpassen, der Rest jedoch...

Der Rest darf sich über solche Analysen freuen: Mit Irland, Portugal und Griechenland sind damit schon drei Länder der EU in den Top Ten der riskantesten Nationen, wenn es nach einer Analyse der langweiligen und gar nicht plakativen, aber recht relevanten Kreditausfallversicherungen geht. Das ist natürlich ein hartes Los angesichts des Umstandes, dass die EU für deren Schulden zu haften gedenkt, aber die Märkte denken anders.

Gleichzeitig sind die USA im gleichen Ranking erheblich abgestürzt, und angesichts der erneut laufenden Gelddruckmaschine der Notenbank dürfen wir uns sicher bald auf weitere Risiken freuen.

Heisst im Kern: Es gibt keinen Grund, den Dollar nicht in den Keller zu spekulieren. Dito für das britische Pfund (lange keine silberne Teekanne mehr gekauft). Aber auch den Euro, mit diesen Pleitekandidaten an Bord und einem dumm grinsenden Wirtschaftsminister in Berlin, der noch immer nicht verstanden hat, dass der Export kein Allheilmittel ist, wenn die Importeure finanziell am Ende sind. Und weil so viele Währungen abrauschen, rauschen die Rohstoffe als Ersatzwährung massiv nach oben.

Also, immer ein Auge auf die Währungen werfen, da kommt etwas sehr Unerfreuliches auf uns zu. Tolle Währung, dieser Euro: Eine Abwärtsspirale überleben, weil die Stabiliät mit den Mitgliedern den Bach runter geht. Wäre ich Grieche, würde ich jetzt bei der kaputtesten Grossbank des Landes einen fetten Kredit aufnehmen.

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Mittwoch, 13. Oktober 2010

Grenzen der Technik und der Hirne

In den letzten Tagen musste ich manche Einlassung im Internet erst zweimal lesen. Ich mein, ich bin hier draussen ja einigen Irrsinn gewohnt, Billigdöner fressende Asoziale als Vorkämpfer einer Stalkeröffentlichkeit mit totalitärem Zwang, PR-Unternehmer, die als rebellisch gelten wollen, Berufsjugendlichenopas - aber die Argunentation, dass einem die Protestanten in Stuttgart von der Sozialstruktur her nicht passen und Tweedträger nicht demonstrieren sollten, die ist schon von besonderer RAFinesse.



Es ist nicht so, dass ich jede Demonstration mag. Ich war Im Tal vorne mit dabei, als in München gegen die Wehrmachtsausstellung demonstriert wurde. Natürlich kann man sagen: Lieber Don, damals hast Du Dich denen in den erlaubten Weg gestellt, die hatten ein Recht, den Marienplatz zu betreten, und es war zumindest fragwürdig, sie daran zu hindern, nur weil sie keine Haare auf dem Kopf und kein Hirn in demselben hatten. Ich habe damals mit meiner Angst bezahlt, und die hatte ich wirklich - das hätte durchaus unerfreulich werden können, so Aug in Aug mit gewissen Ostdeutschen und ihrer Runenbannern. Hier marschiert der nationale Widerstand, sangen sie davor, und hier Im Tal marschierten sie dann nicht mehr, aber wehe, wenn sie es doch versucht hätten... Ich kann also durchaus verstehen, wenn man gewisse Demonstrationen lieber nicht hätte. Aber es gibt nun mal ein Recht, für seine Überzeugungen öffentlich einzutreten. Man kann darüber reden, ab welcher Grenze man ernsthaft dieses Recht begrenzt sehen möchte. Tweed, ein Alter von mehr als 60 Jahren und eine Neigung, Union oder FDP zu wählen, würde ich nicht ernsthaft als Grund anführen wollen. Auch nicht, wenn es in der "Die sehen ja gar nicht aus wie ein Berliner Asozialer"-Verkleidung daher kommt. Natürlich dürfen auch Rechte für ihre Überzeugungen eintreten. Wo sind wir denn?



Natürlich kann man auch wegen der Technikfeindlichkeit rund um Stuttgart 21 Bauchschmerzen haben. Nur: Keiner von den Demonstranten wird ernsthaft zurück ins Mittelalter wollen. Anhand dieses Bahnhofs liesse sich unter anderen Umständen sehr entspannt darüber reden, ob wir denn alles technisch umsetzen müssen, was technisch möglich ist. Ob die zweitbeste technische Lösung nicht für die Betroffenen dennoch die beste Lösung ist. Diese technische Vernunft ist nicht selten; gerade im Bereich des Digitalen sehen wir das immer wieder: Bei den Prozessoren der Rechner. Bei den Megapixeln der Kameras. Bei der Langweile, die irgendwann jedes soziale Netzwerk tötet, gestern Myspace, heute StudiVZ, morgen Facebook. Man könnte 24 Stunden online sein, aber es gibt eben eine gewisse Zeit für das eine, und genug Zeot für das andere. Wie man es macht und braucht, kann jeder privat selbst entscheiden. Wenn es nach draussen geht und andere belästigt, muss man sich eben einigen. Das ist - in meinen Augen - der schöne Zug an einer Demonstration, in der nicht nur die üblichen Verdächtigen mitrennen.



Ohnehin glaube ich, dass nach 150 Jahren der Beschleunigung gar nicht mehr die Frage der Geschwindigkeit entscheidend ist. Auch nicht, wie man noch höhere Geschwindigkeiten kontrolliert. Man kann vielleicht Lösungen finden, alles noch dichter zu packen und ans Limit zu quetschen, aber der limitierende Faktor menschlicher Eigenschaften wie Ruhebedürfnis, Langeweile, Nachdenken, Reden, Geniessen, Trauern wird dadurch nur bei indolenten Volldeppen ausgeschaltet. Es geht um die Frage, wie man aus der Geschwindigkeit Gewinn für alle zieht und Verluste vermeidet. Und fraglos ist mir der Baumfreund innerlich näher als der Mordwaffenherstellerboss, der jetzt eben Züge und Bahnhöfe mit der gleichen Gnadenlosigkeit verwaltet und es darauf anlegt, jeden Kompromiss wegzuräumen. Das ist in meinen Augen eher ein Problem für diesen Staat: Dass einer seiner Angestellten meint, mit allen Mitteln mit seinen kritischen Arbeitgebern fertig werden zu können, weil ihn eher unwillige Polizei, ein paar Profiteure und blöde Politiker und im Kielwasser noch blödere Internetvollchecker decken - weil sie Tweed und gewaschene Hälse nicht schätzen.



Auch so eine Meinung darf man natürlich haben. Klar. Warum nicht. Schon früher zogen politische Demonstrationen auch Wirrköpfe an. Und nach meinen Erfahrungen muss ich sagen, dass es mich damals nicht wirklich entsetzlich gestört hat, wenn die Irrsten der Irren dann Probleme bekamen. Hier sind es diesmal auch nur ein paar Würger aus dem Internet, das stört draussen niemand, und ich würde denen auch nicht unterstellen, dass sie gekauft sind: Die machen das schon von ganz alleine, denen geht es nicht um einen Bahnhof, sondern nur die Hegemonie der Aufregeritis und des Dagegenseins. Kann man machen. Darf man auch.

Saublöd ist es trotzdem.

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Wo bleibt eigentlich Stuttgart21,

werden sich manche hier gefragt haben.

Nun, hoffentlich bei den Schwaben, sagte ich bisher.

Aber jetzt auch in die FAZ, zum Thema Bürgertum.

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Dienstag, 12. Oktober 2010

2 Jahre Dreck, Undank und Brutalität

Letzthin war ich bei meinem Fotohändler am Tegernsee, und sagte, falls es nochmal eine kleine Ricoh bekäme, sollte er mir Bescheid sagen.

Das würde er ganz sicher nicht tun, denn fast alle Ricohs, die er damals verkauft habe, seien als Garantie zurück gegangen. Immer das gleiche Problem, die hakende Objektivmechanik, nach kürzester Zeit. Er habe sich wie ein Paketversand gefühlt, und das könnte er den Kunden nicht mehr verkaufen.

Aha, sagte ich. Nun, meine Ricoh R8, die ich vor zwei Jahren bei ihm kaufte, hat alles mitgemacht:

Mehrfach vom Rodel, Tisch, aus dem Auto, vom Berg aufs Geröll gefallen. Mal offen, mal geschlossen.

Sicher ein Dutzend Mal eine volle Ladung Schnee oder Matsch abbekommen, von Regen erst gar nicht zu reden.

Weit über 10.000 Bilder gemacht.

Auf jeder Reise dabei gewesen.

Zweimal bin ich beim Bergsteigen draufgefallen.

Praktisch jeden Tag in der Tasche: Den Aufkleber des Ladens kann man nicht mehr entziffern.

Vier mal war sie so zugesaut, dass die Mechanik wirklich nicht mehr ging. Aber nach ein paar Mal Ein- und Ausschalten war alles wieder gut.

Sie hat eine kleine Macke in der maximalen Zoomstellung entwickelt, da kann sie nicht mehr scharf stellen und zieht das Objektiv zurück.

Der Akku hält immer noch 200 Bilder. Es ist eine famose Kamera. Manchmal frage ich mich, ob all die Leben ihrer verfehlten Geschwister nicht in ihr stecken. Zur l'Eroica musste sie trotzdem. Ich habe mit ihr die schlammige 1. Hälfte des Rennens gemacht, 42 Kilometer im sagenhaften Schlamm, der sogar mein Kombiwerkzeug in der gleichen Tasche zugesaut hat - dann schlossen die Lamellen nicht mehr. Nach 80 Bildern in einem Matsch, der auch Fahrradmechanik den Garaus machte.



Ich befürchtete schon... aber dann nahm ich eine Nadel, ruckelte etwas daran herum, und siehe da. Sie geht noch.

Und deshalb möchte ich mich hier bei dieser kleinen, tapferen und starken Ricoh bedanken, von der die meisten Bilder der letzten 2 Jahre hier im Blog kamen.

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Montag, 11. Oktober 2010

Messenendspurt

Letztlich ist es in der Buchmessenzeitung ja eine kleine Serie über E-Books und den Betrieb geworden; eine Art 20.000-Zeichen-Beitrag mit fünf Folgen, und

hier geht es um das Nutzergefühl und

hier um das grössere Fazit.

Ich glaube, dass es einen Unterschied zwischen jenen gibt, die an einen Fortschritt glauben, und jenen, die fortschrittsgläubig sind. Klingt wie Wortklauberei, ist es aber nicht (und ich bitte dabei auch diesen Beitrag von Christian Jakubetz zu lesen). Das Elend am Fortschritt ist, dass er stets eine Menge Marktschreier und Scharlatane begünstigt. Das Elend am Beharren ist, dass es den Dummen, Bornierten und Verbohrten zum Schaden aller in die Hände arbeitet. Das ist nicht neu, jede Entwicklung geht auf einem schmalen Grat und rutscht immer wieder auf eine der beiden Seiten hinab. Die einen argumentieren mit Prognosen, die anderen mit veralteten Daten. Der grosse Schub kommt immer erst im vierten Quartal, die Verluste sind vorbei, jetzt konsolidiert man sich, so wird die Meinungsführerschaft auf beiden Seiten behauptet und Kritik mundtot gemacht. Und beide Seiten nisten sich in ihrer Attitüde ein.

Der Fortschritt, nach meiner Überzeugung zumeist eine Evolution und recht nachdenklich, ist beiden verhasst: Den einen zu langsam und den anderen zu zweifelnd. Und so gibt es Leute, die das Erreichte gleich wieder einplanieren wollen, weil es ihnen nicht gross und toll genug ist: Blogs brachten nichts, lasst uns was ganz FETT anderes machen. Und es gibt Leute, die das Errreichte klein halten wollen, weil es ihrer Bräsigkeit und Sitzfleischhaftigkeit widerspricht: Nur Gefasel, das neue Zeug, das schalten wir gare nicht frei oder machen es absichtlich so mies, dass denen, die es wollen, der Spass vergeht.

Das ist das Elend in den Medien, und resignierend möchte ich - hier, bewusst nicht in der FAZ - sagen: Was Bücher erwarten wird, in den nächsten Jahren, ist die Übertragung dieser die Medien ruinierenden Haltung. Ich glaube nicht, dass das E-Book den Buchmarkt ruinieren wird. Das ist nur ein Format. Menschen, ihre Gewohnheiten und Dummheiten ruinieren Märkte. Kunden, die bei Thalia kaufen, Verlage, die auf Form und Hype statt Inhalt setzen, Agenten, die nach neuen Typen von Autoren suchen und Windbeutel finden, hektische Bewegungen und Trends statt interessiertes Beobachten und Lernen. Vielleicht kommt das EBook, aber der Markt wird dann kein Buchmarkt mehr sein, sondern eingebundener Dreck zwischen SPON und BILD. Haben wir ja heute schon. Nur haben wir dann nicht mehr die Wahl, das abzulehnen.

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Ich war eingeladen

Ich war dort. (Und es klingt vielleicht negativer, als es gemeint ist. Meine innere. negative Weltsicht passt sich nur knirschend positiv drehenden Veranstaltungen an)



Manchmal frage ich mich, was mich so verändert hat. Ist es einfach nur das Alter? Die Erfahrung? Die New Economy? Die einsetzende Unbeweglichkeit? Bin ich einfach nur unsozial geworden, ein wenig früh, aber sicher nicht zu spät?

Ich besuche Einladungen, weil ich eingeladen bin, und wenn ich denke, dass es angenehm wird. Aber mir fehlt der Elan, restlos begeistert zu sein. Lustigerweise war auch der Besitzer jenes Hotels in den Bergen da, dem (und der bayerischen Staatsregierung) ich die beiden besten Empfänge der New Economy verdanke: Damals war ich, war es dezidiert anders. Früher gab es Einladungen, zu denen ich gern ging, und andere, zu denen weniger gern ging. Aber ich ging meistens. Heute gehe ich so gut wie nie, wegen Desinteresse. Wenn ich noch auf einer Podiumsdiskussion bin, und dann die Frage gestellt wird, ob wir uns nachher noch zusammensetzen und das tun, was vielen wichtig ist - die Chancen für Weiteres ausloten - habe ich vorher immer schon einen überzeugenden Vorwand, es nicht zu tun.



Es ist mir auf solchen Empfängen angenehm, einen unscheinbaren Realnamen zu haben, der nicht auffällt - den kann man quasi als Pseudonym nehmen, ohne dass Leute, mit dene man nicht reden möchte, eine Chance haben, einen gleich zuzutexten. Es gab da im Vorfeld eine gewisse Befürchtung, die dann auch prompt auf mich zusteuerte, Typus Kontaktemacher, Witzfigur von Spiegel Onschleim, der mich mit diesem Namen gleich als "keine Ahnung wer das sein soll" einsortierte, und sich weiter drückte, zu anderen, mit denen er mehr anfangen konnte. Und mir den Dialog ersparte:

"Ah, Sie sind Don Alphonso! Ich habe ja schon so viel von Ihrem Blog gehört."

"Nun, ich habe Ihren schleichwerbenden Blogversuch in der Gosse drüben sogar gelesen und würde jetzt gerne duschen gehen."



Immerhin war ich pünktlich am Hotel, trotz 320 Kilometer Anreise und etlichen Staus, 15 Minuten zu früh, und dann wusste ich auch wieder sofort, warum ich die Buchmesse nicht mag: Da war ein Jungautor vor mir. Nichts gegen finanzielle Probleme und abgerissene Hosen, aber wie man, wenn die anderen offensichtlich nur schnell den Schlüssel brauchen, 15 Minuten den Betrieb aufhalten kann, um die Dame am Empfang mit einer Recherche für die billigsten Möglichkeiten in Frankfurt zu blockieren, die man auch hätte selbst im Netz durchführen konnte - Iphone hatte er natürlich, WLAN ist überall vorhanden - das ist mir rätselhaft.

Da stand ich dann und musste mir Fragen anhören wie "Gibt es hier auch Taxis, die Nachts einen Sonderpreis machen" oder "Wenn ich nur schnell was mampfen will, wo gehe ich da hin?" Das passiert halt, wenn Verleger meinen, in Berlin finden sie angesagte Erstlingsautoren, und ihnen das Zimmer, aber sonst nichts stellen.



Tags drauf dann: Wieder daheim, und allein über Wiesen und Felder.

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Samstag, 9. Oktober 2010

New Economy für Bücher

Gewaltige Summen im Netz versenken!
Kaum Umsätze machen!
Am Bedarf vorbei entwickeln!
Grosskotzige Revolutionssprüche ablassen!
Nichts dazu lernen!
Und am Ende auch das Versagen nicht zugeben, sondern neu für neue Verluste umdisponieren!

Dazu braucht man kein durchgeknallter Gründer sein, keine koksbetriebene Marketingkleiderstange, kein Psychopath mit falscher Bilanz - nein, so etwas passiert auch im allerkonservativsten Börsenverein des deutschen Buchhandels.

De facto Final für as E-Book-Portal Libreka als B2C Anbieter. 100 Punkte bitte.

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Freitag, 8. Oktober 2010

Weit weg von Gaiole liegt Frankfurt

Eigentlich ist es ja ganz gut, dass ich mit Frankfurt nie warm wurde. Da ist es auch nicht so schlimm, wenn meine Aversionen in den letzten 24 Stunden nicht unbedingt kleiner wurden. Ich war ja enorm dreckig im Chianti - aber wirklich so, dass ich mich am liebsten unter einen Brunnen gelegt hätte, fühlte ich mich erst, als ich wieder aus Frankfurt daheim war.



Zu Buchmessezeiten wird in Frankfurt eben besonders viel gelogen, aber es ist eine seltsame Sache; man steht auf, fährt hin, und kaum kommt man an, geht es gleich los mit Dingen, für die kein normaler Mensch aufstehen würde. Der Betrieb lässt eben nichts unversucht, einen in Reih und Glied zurückzuscheuchen. Sei nett, dann sind wir auch nett. Leider klingt das für mich nach: Finde Dich mit dem Morast ab, dann macht Dir der Morast nichts mehr aus.

Dafür scheint heute in Bayern wieder die Sonne, es ist warm und eine der letzten Gelegenheiten, das Rennrad in die Hügel zu bemühen, bevor es Zeit wird, die Bergradl auszupacken. Es gab da einen spassigen Dialog zwischen zwei Menschen, die mich (und das Blog hier) kennen; einer sieht mich selten und der andere oft. Derjenige, der mich selten sieht, sagte zum anderen ob meines Radlbildes, ich würde da den Bauch einziehen. Dabei stimmt es: Man kann einfach nicht dick werden, wenn man täglich 30, 40 Kilometer oder mehr radelt. Oder schiebt, je nachdem.



Man muss es so sehen: Je mehr ich radle, desto mehr Torte kann ich ungestraft essen. Einerseits war die l'Eroica ein Erfolg, weil ich gemerkt habe, was unter schlechten Voraussetzungen - angeknackste Rippen, Stechen beim Atmen und die Folgen der Asthmaanfälle in den letzten Jahren durch Heuschnupfen - noch geht, und, etwas mehr Training vorausgesetzt, auch noch mehr gehen könnte. Andererseits wird rückblickend auch klar, dass es schon jetzt Dinge gibt, die nie mehr so wie früher möglich sein werden. Gaiole hat mich sehr brutal auf den Boden der Tatsachen zurückgebracht. Sie sind nicht schlimm, aber nachhaltig: Ich muss etwas tun, um nicht gegen das Altern zu verlieren. Und ich bin zu alt geworden, um mich mit der Leichtigkeit der Jugend mit Unakzeptablem abzufinden und andere Wege zu suchen.

Aber keine Sorge, das hier wird kein Rennsportblog: Für weitere Anstrengungen wird das Hinterhaus sorgen, wo ich heute schon mal etwas überlegt habe. Man muss etwas tun, man kann es nicht so einfach verkommen lassen, selbst wenn es viel Arbeit ist: Die enormen Immobilienpreise in dieser Region und gerade in der Altstadt zwingen dazu. Es gab auch ein paar positive Überraschungen; die Treppe etwa ist in einem erheblich besseren Zustand als gedacht, und ich denke, man kann auch die Türen retten. Die Hauptprobleme werden das Dach, das Sanitärproblem und die Heizung, und die langen Debatten, wie man das machen kann. Das wird ein heisser Winter, nehme ich an. Bevor es dann wieder nach Italien geht, zu Mille Miglia und anderen Vergnügungen. In Gaiole waren übrigens auch diese Herren:



Abgesandte des Tweed Run aus London, der 2011 erheblich grösser und besser werden soll. Das könnte ein schönes Aufwärmen nach dem Rodeln und vor der Mille Miglia werden. Und in jeder Hinsicht besser als die Leipziger Buchmesse. Denn das Leben, das ist ausserhalb der Messehallen. Darin sind nur klägliche Versuche kläglicher Verlage, eine Zukunft zu gestalten, die keine Gegenwart hat.

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Mittwoch, 6. Oktober 2010

Härter als die l'Eroica

Daheim wartete eine Nachricht auf mich. Nicht wirklich extrem überraschend, aber doch so, dass ich sagte: Endlich klare Verhältnisse. Das Hinterhaus steht ab Januar für die Restaurierung zur Verfügung.



Auf den ersten Blick sieht man, dass hier in den letzten 45 Jahren keine Sanierung mehr stattgefunden hat, weil: Aufgrund von Gründen unmöglich. Und der Ausbau davor war auch nicht gerade das, was man heute als stilsicher bezeichnen würde. Immerhin aber entstand damals Raum, für den man heute kaum mehr Baugenehmigungen bekommen würde. Es ist eine grössere Aufgabe, aus diesem Problem - und es ist eines, aufgrund vieler kleiner Einzelheiten - wieder ein Schmuckstück zu machen, aber die Alternative wäre ein Abriss, und der würde nur Geld kosten und eine Freifläche hinterlassen, von der niemand etwas hätte.

Da wird einiges zu tun sein. Man beachte nur den oberen Balkon: da ist Rost, aber ich habe vor ein paar Jahren mal einen Kostenvoranschlag miterlebt, bei dem so ein Geländer neu gemacht werden sollte: Es lohnt sich, da selbst zu schleifen, die Zwischenräume mit Streben zu füllen und selbst zu streichen. Neu kostet der Spass schnell 5000 Euro. Da kommt eine Menge Arbeit auf mich zu. KLassische Don Alphonso Arbeit, richtige Arbeit, nicht nur so ein paar Zeilen für das Buchmesseblog runterschreiben, über Hegemänner und andere, die ich da hinten gern zu schlecht bezahlter, harter Arbeit abkommandiert sehen würde.

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