Franz und Johann haben gefehlt

Trotz langjähriger Vergebenheit in für unsere Epoche doch recht feste Hände bin ich überzeugter Anhänger der eigenen Wohnung. Sollte sich das je ändern, würde ich im Sinne des 18. Jahrhunderts und seiner Herrschaftsarchitektur zumindest zwei Flügel haben wollen, so dass man sich wirklich aus dem Weg ist, wenn man sich aus dem Weg gehen will. 6 Zimmer dazwischen ist in der Hinsicht vermutlich ausreichend - und im Übrigen in diesem Komplex sogar bautechnisch möglich.

Will ich aber dereinst wirklich vergrössern, Türen wieder öffnen lassen und dabei vielleicht das Dienstbotenhaus seiner ursprünglichen Bedeutung zuführen - brauche ich Ausstattung. In diesen tristen Zeiten kann man nicht einfach nach Fürth fahren und sagen: 10 Prunkvenezianer bitte, den, den, den und dann noch ein paar spezielle Exemplare. Man muss beizeiten mühsam zusammenkaufen, sich auf Auktionen mit Zahnärzten herumschlagen und viel Glück haben. Nach meiner Beobschtung kauft man besser 5 Jahre vor der Erweiterung schon mal ein, damit man 5 Jahre nach der Erweiterung alles beisammen hat, und man sich mit der Frage der Gemälde beschäftigen kann (suche übrigens dringend noch drei mittelgrosse Capriccios mit italienischen Motiven, 18. Jahrhundert).

Zu den Problemen des Alleinlebens jedoch gehört der Umstand, dass man nicht mal eben sagen kann: Schatz, ich halte mal den neuen Prunkvenezianer hin, schau mal, ob es passt. Es hat auch seine Vorteile, denn beim Heben von 40 Kilo Glas und Holz sieht man für den Schatz nicht wirklich begehrenswert aus, zumal so ein Spiegel ganz jämmerlich glitscht und zappelt und dem Boden entgegen strebt, und man nur selbst ahnt, wie lächerlich man aussieht, unzumutbar für den Schatz - kurz, auch das Gesindehaus hätte bereits in diesem frühen Stadium seine Vorteile. So könnte man sich zum Schatz gesellen, einen Kuss auf sie geben und sagen: Johann, ein wenig höher bitte, und Franz, etwas niedriger, und alles etwas mehr nach rechts. Schatz, was meinst Du? Passt er?

Das geht noch nicht, noch bin ich allein, und deshalb sieht der neue Venezianer an Stelle des alten Venezianers auch - wie soll ich sagen: Ich glaube, ich muss mich erst mal daran gewöhnen:



Auf jeden Fall hängt er zu hoch. Was ein wenig doof ist, weil das Anbringen eines wirklich guten Hakens immer eine Mordsarbeit ist, und das Verkitten seines alten Lochs dieser Dimension auch nicht gerade die Wand verschönert. Eventuell kann ich aber etwas an der Aufhängung machen - nur sollte es sicher sein, denn wenn dieses Monstrum fällt, darf niemand darunter sitzen, der nicht zumindest nordkoreanischer Diktator oder Kernkraftwerklobbyist ist.

Dafür habe ich noch etwas anderes gefunden, was ich lange suchte: Ein alter Rennkompressor, der nicht im üblichen, langweiligen Schwarz ist, und der mir hilft, auch weiterhin CO2-neutral durch das Bayernland zu rollen.



Was ich im Übrigen morgen nicht tun werde, da bin ich in anderen Dingen mit dem Auto unterwegs, stets hoffend, dass der neue Spiegel hält. Und bei mir die Gewöhnung an seine Übergrösse einsetzt.

Montag, 18. Oktober 2010, 01:50, von donalphons | |comment

 
Meinem Augenmaß muß der Spiegel mächtig weiter runter. Der muß so weit runter, daß sich die untere Verzierung mit der Leiste zwischen den Fenstern kreuzt. Dann sitzt er einigermaßen sinnvoll zwischen den Kerzenhaltern.

Und die weiter rauf zu hängen, wäre auch keine wirklich Lösung...

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Nee, wenn der weiter runterhängt, dann passt er nicht mehr zwischen die beiden Stucknippel links und rechts daneben. Die müsste man abschlagen, dann kann man den Spiegel auch runterhängen.

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Abriss und Neubau wäre noch eine Alternative. Dann könnte man rechts und links vom Spiegel großzügig Platz einplanen für die beiden Lüster.

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Nachdem man historische Bauten nicht neu bauen kann, also tiefer. Das Internet ersetzt den Schatz, zumindest beim Anschauen.

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Geschmacksache
Das Rad erinnert mich spontan an die momentan modische Form der Pkws die ich so tagtäglich kaum noch auseinanderhalten kann.
Ja, der schöne Spiegel muss tiefer. Vielleicht sollte er an dieser schmalen Wand nicht eingezwängt werden von zwei nicht gerade frugalen 3-Kerzen-Leuchtern; reicht der Rahmen der beiden Fenster nicht?

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Der Venezianer
zu hoch hängt er nicht - aber mancher, der davor steht, ist vielleicht zu klein... :-) In den Fall helfen vielleicht zwei bis 5 Glieder einer stabilen Kette, bevor neu gedübelt wird.

Ansonsten - absolut stylish, die Ansicht. World of Interior könnte Interesse an einer Homestory bekommen.

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Das Rad war eine Jugendsünde (mit Ferrarisattel, kein Witz)

Ich glaube, irgendwo ist auch noch ein langer Fleischerhaken...

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dem spiegel
täte es gut, deutlich tiefer gehängt werden, wie so manches in anderen diskussionen auch.

war dies nicht abzusehen?
zum testen pflege ich stets eine pappvorlage vorzuhalten. bevor man 40 kg wuchten lässt...

nachdem der schwere spiegel zwischen den fenstern hängt, wo er sich prinzipiell gut macht, schreien die vier konsolen jetzt nach schweren seidengardinen, dem stehen aber nicht nur ihre bekannte abneigung, sondern auch die wandleuchten entgegen. diese zu entfernen wäre dennoch keine lösung.

wie wäre es mit 'the works'? einmal es mit allem zu versuchen? wenn etwas sehr überladen ist, fällt dies manchmal gar nicht mehr negativ auf, sondern sinkt in den wow-effekt hinüber...

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Vorhänge auf Verdacht kaufen ist ein wenig schwierig, zumal das Sofa drunter steht. Ich bin noch am Nachdenken. Eventuell könnte man eine Vorhangversion für den Winter und eine Spiegelversion für den Sommer andenken - aber noch grüble ich. Das dauert bei mir immer Monate.

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die sitzgelegenheit liesse sich sicherlich noch ein wenig anders plazieren, 20 cm nach vorne zum beispiel. oder so weit drehen, dass sie ihren spiegel bewundern können.
natürlich muss dann das teetischchen nach rechts.
die kommode 30 cm nach links.
der teppich raus, weil er optisch unterginge, der vom nebenzimmer hinein.
je sais...

zumindest in italien könnten sie jagd auf alte seidenbrokatvorhänge oder dafür geeignete stoffe machen. vergessen sie die passenden kordel nicht. übrigens gibt es auch in der nördlichsten stadt italiens, in der müllerstrasse an der kreuzung schräg gegenüber des moro, ein solches geschäft; für deren freundlichkeit, preise und qualität kann ich jedoch keine garantie übernehmen.

sie könnten auch eine vorhangversion für den winter (dunkler, doch warme töne) und eine andere für den sommer in erwägung ziehen.

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Die besagten Münchner Läden kenne ich, aber der Meter Stuff für 200 Euro plus ist dann doch etwas unbillig. Mit Schabracke und sonstigem Zubehör ist man schnell bei ein paar tausend Euro - und eigentlich bin ich kein grosser Freund von Vorhängen. Aber vielleicht ändert sich das in diesem Winter.

Ich hatte übrigens welche für die Stadt - aber die hängen jetzt hier am Tegernsee.

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im übrigen bearbeite ich auch meinen händler, dass er mir eine ladung vorhänge, von denen bestenfalls jeweils zwei zueinander passen, zu sonderkonditionen überlässt.

es sind ladenhüter, weil zu wenig material für die erlauchte kundschaft, die ohnehin die londoncitypreise gewohnt sind, und immer noch deutlich zu teuer für alle anderen.

und ich sitze immer noch an. falls ich sie erstehen kann, sind dies meine 'karpfen' - die brauchen auch immer so lange, um von a nach b zu kommen.

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Der Spiegel hängt so hoch wie ein Wappenschild. Das Wappen der Don Alphonso Porcamadonna, gekreuzte Federhalter über zu Kreuz kriechende Adabeis und Verleger, würde sich gut an der Stelle machen.

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Vor allem ist es mein Wappen der Vanitas, die mich als Kunstfigur ausmacht.

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Der Spiegel hätte eine größere Wand verdient. Egal ob hoch oder tief, die Proportionen werden davon nicht besser.

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Nun ja, in Schlössern geht es zwischen den Fenstern noch enger zu, wenn da Spiegel eingebaut sind. Es ist also historisch nicht unkorrekt.

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Sie lernen dazu.
Wann kommt das Fahrrad aus massivem Silber mit Speichenreflektoren aus Brillanten und Rubinen?

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yep!

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Im Winter kommt erst mal "Schleifen, Rausreissen und verzweifeln im alten Haus". Nach der grosskotzigen Attitüde fragt man mich bestenfalls im Sommer wieder.

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Don einen Vorschlag: Der Spiegel mit der unteren Spitz auf der Höhe der Fensterbänke auf eine Dreieckshalterung und ihn dann durch eine Kette nach vorne fallen lassen, so das der obere Teil ca. 15 – 20 cm absteht. Und keine Vorhänge, denn die würde den Raum verkleinern.

mfg

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Von oben gesehen und photographiert, würde das, na ja, mit Verlaub, Monstrum möglicherweise tiefer hängend wirken. Vielleicht sollten Sie überlegen, Hochstege in Ihrer Wohnung anzubringen. Wenn Sie Haustiere mögen, kriegen Sie eine Zusatzfunktion obendrein gratis. Alles eben eine Frage der Perspektive -- und des Geschmacks.

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Dazu tendiere ich auch, nachher beschaffe ich mal eine längere Kette.

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Nachlackiert?
Nicht, dass es wirklich von Bedeutung wäre, aber ist der Rennkompressor auf diesem Modell nachlackiert? Das in meinem Besitz befindliche Modell jedenfalls (Kaufdatum späte 70er bis frühe 80er) ist jedenfalls durchgängig orange.

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Und bei - späteren - Erweiterungen nicht den Fahrradkeller vergessen... für die ganzen, kleinen Fonsis auf Rädern...

http://wwwalt.altaussee.at/volksschule/htm/aktionen_clip_image002_0006.jpg

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Dann doch lieber einen dritten Rennkompressor und einen Airdale Terrier.

Die Punmpe ist wirklich in diesen schrägen Farben lackiert, nichts anderes ist darunter.

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Uff!
Da hab ich Ihnen ja was eingebrockt...
Sieht aber wirklich schön aus, das Spieglein an der Wand!
Beste Grüße aus Fès (wo es auch tolle Vorhangstoffe und noch tollere Silberkannen gibt)!

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