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Freitag, 31. August 2012
Das ist nur bitter kaltes, ekliges Wasser
Wohlerzogene Damen steigen nicht auf den Tisch, zerkratzen nicht die Platte und bringen auch die Tischdecke nicht in Unordnung. Und sie hören auf das, was man ihnen sagt. Beim Blick auf das Katzentier wird wohl jeder verstehen, warum ich kinderlos und allein lebend bin. Erziehung, das wäre für alle Betroffenen die Hölle.
Die Hölle, das sind die anderen, ausser man ist es selbst, und macht sie sich selbst an so trüben Tagen mit gestürzten Temperaturen und Regenschauern heiss. Es deutet sich stark an, dass es wirklich passieren wird, Meran, Meran, wir schleichen nach Meran, einige Probleme jedenfalls sind gelöst, und der Rest wirkt machbar, wenn das Wetter wieder besser werden sollte. So richtig mies ist es ja nur hier, im Norden, und manchmal ist die Wettergrenze von grau zu bunt schon im Inntal.
Und weil es hier im Flachen so gut läuft, denkt man sich, ob nicht doch zwei Tage reichen würden. Nicht von Tal zu Tal, Gmund, Hall, Sterzing, Meran, sondern nur zwei Etappen mit dem halben Brenner dazwischen, Gmund, Matrei, Meran. Aber das, würde ich sagen, mache ich, wenn ich gesehen habe, dass drei Tage tatsächlich zu viel für diese Strecke sind. Schade ist das natürlich, weil man ein paar gute Gasthöfe ausfallen lässt: Abendessen in Lans und Riffian. Aber es ist noch Zeit, und man muss sich auch Ziele für das nächste Mal bewahren.
Zumal man auch nie wissen kann, was geschehen wird. Da muss nur ein Reifen platzen, und schon kommt der Tagesablauf durcheinander. Und sollte es doch regnen - so wie heute - sinkt auch die Geschwindigkeit. Das ist wie mit dem Körper, Fett- und Zeitpolster haben ihren Sinn und halten warm, zufrieden und glücklich. Je mehr man sich an hegernen Plänen vornimmt, je mehr voneinander abhängt, je ehrgeiziger die Ziele, desto grösser die Gefahr des Scheiterns. Und weil das so ist, habe ich auch den Sattel - dürr und hart und aus Carbon - gegen einen mit 120 Gramm mehr Bequemlichkeit eingetauscht. Das ist natürlich bei den Marterstühlen ein relativer Begriff, aber auch nicht alle Nagelbetten sind gleich unerfreulich.
Ansonsten läuft alles wie am Schnürchen durch die Gassen gezogene Schweizer mit Uhrwerken, auch bei Regen greifen die Pneus, und der Schmutz hält sich auch ohne Bleche in Grenzen. Dass meine Speise am Abend so bescheiden ausfällt, hat auch nichts mit Abnehmen zu tun: Morgen gibt es ein anderes, ein ganzes Blech Zwetschgendatschi ganz für mich allein. Da lohnt es sich, vorher nichts zu esssen.
Die Hölle, das sind die anderen, ausser man ist es selbst, und macht sie sich selbst an so trüben Tagen mit gestürzten Temperaturen und Regenschauern heiss. Es deutet sich stark an, dass es wirklich passieren wird, Meran, Meran, wir schleichen nach Meran, einige Probleme jedenfalls sind gelöst, und der Rest wirkt machbar, wenn das Wetter wieder besser werden sollte. So richtig mies ist es ja nur hier, im Norden, und manchmal ist die Wettergrenze von grau zu bunt schon im Inntal.
Und weil es hier im Flachen so gut läuft, denkt man sich, ob nicht doch zwei Tage reichen würden. Nicht von Tal zu Tal, Gmund, Hall, Sterzing, Meran, sondern nur zwei Etappen mit dem halben Brenner dazwischen, Gmund, Matrei, Meran. Aber das, würde ich sagen, mache ich, wenn ich gesehen habe, dass drei Tage tatsächlich zu viel für diese Strecke sind. Schade ist das natürlich, weil man ein paar gute Gasthöfe ausfallen lässt: Abendessen in Lans und Riffian. Aber es ist noch Zeit, und man muss sich auch Ziele für das nächste Mal bewahren.
Zumal man auch nie wissen kann, was geschehen wird. Da muss nur ein Reifen platzen, und schon kommt der Tagesablauf durcheinander. Und sollte es doch regnen - so wie heute - sinkt auch die Geschwindigkeit. Das ist wie mit dem Körper, Fett- und Zeitpolster haben ihren Sinn und halten warm, zufrieden und glücklich. Je mehr man sich an hegernen Plänen vornimmt, je mehr voneinander abhängt, je ehrgeiziger die Ziele, desto grösser die Gefahr des Scheiterns. Und weil das so ist, habe ich auch den Sattel - dürr und hart und aus Carbon - gegen einen mit 120 Gramm mehr Bequemlichkeit eingetauscht. Das ist natürlich bei den Marterstühlen ein relativer Begriff, aber auch nicht alle Nagelbetten sind gleich unerfreulich.
Ansonsten läuft alles wie am Schnürchen durch die Gassen gezogene Schweizer mit Uhrwerken, auch bei Regen greifen die Pneus, und der Schmutz hält sich auch ohne Bleche in Grenzen. Dass meine Speise am Abend so bescheiden ausfällt, hat auch nichts mit Abnehmen zu tun: Morgen gibt es ein anderes, ein ganzes Blech Zwetschgendatschi ganz für mich allein. Da lohnt es sich, vorher nichts zu esssen.
donalphons, 01:45h
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Das perverse Leistungsschutzrecht
Nehmen wir zum Beispiel einmal dieses Bild aus Italien und stellen wir uns vor, ich würde es für einen nicht kleinen Betrag von der Zeitumng abdrucken und online stellen lassen:

Und dann käme also Google daher, oder ein anderer Nachrichtensammler, Rivva oder Fefe, und würde es übernehmen, oder auch nur einen kleinen Ausschnitt davon, und dann müssten sie das lizensieren und vergüten, für den Verlag, weil sie ja meine Leistung benutzen und die Fähigkeit des Verlags, sie online zu präsentieren.
Mit der Begründung, andere dürften mit dieser Leistung kein Geld verdienen, selbst wenn diese Dienste damit nichts anderes machen, als Leser zu diesem Bild zu bringen. Weil die Leistung des Verlages höher ist, als die Leistung der Leserschicker. Stimmt zwar so nicht, aber die von den Medien geschmierten und mit guter Presseerwartung gekauften Regimeangehörigen haben das in etwa so in einen Gesetzentwurf hineingeschrieben. Damit die alte Springerfrau mit der verbiesterten Ossifrau weiter gut kann.
Wer hat hier die eigentliche Leistung erbracht?
Doch die Frau, die auf dem Rad Schuhe mit hohen Absätzen fährt, die leger gekleideten Herren in der Bar, die Hausbesitzer, die die Atmosphäre schaffen. Ich sehe das und fange es ein, aber wie viel kleiner ist meine Leistung auch nur im Vergleich zu dem, was diese Menschen hier an Flair entstehen lassen? Und wäre es dann nicht auch gerecht, wenn sie ankämen und sagten: Sie haben das getan und geschaffen, sie sind die Situation und der Rest sind nur Pixel, die Zeitung profitiert von ihrer Fähigkeit, das Leben schön wirken zu lassen, ohne sie kein Bild und keine Besucher, also her mit der Leistungsschutzpenunze - sie wollen auch etwas?
Diese Menschen wären vermutlich nicht so, sondern nett und angetan. Ich habe vor zwei Wochen eine begeisterte Email einer Frau bekommen, die durch eine Kette von Zufällen das Bild ihres Freundes auf einer Mauer in Verona fand und es unbedingt, unbedingt in ganz gross haben wollte, und das hängt jetzt bei ihr im Büro. Irgendwie fehlt mir im Moment aufgrund anderer Tätigkeiten die Ruhe, viel zu schreiben, und irgendwie meine ich auch das Recht zu haben, vier, fünf Stunden ohne jedes Netz draussen zu sein, das entfremdet etwas vom Bloggen - aber diese Geschichten sind es, wegen denen ich weiss, warum ich es tue. Weil es ein Geben und ein Nehmen ist, weil es wie das Leben fliesst und sich alles zusammenfügt, und weil es eine schlimme Welt wäre, wenn alle ihre Interessen bis auf den letzten Millimeter so durchsetzen, wie es Verleger, Ärzte und die ganze Drecksbande der Atomfreunde gerade tut, weil wir mehr erneuerbare Energien haben könnten, als diese Mövenpickeria des Regimes geplant hat.
Ich habe vor jedem Messdiener mehr Achtung als vor jedem Politiker, und ich mag es, wenn Menschen etwas tun, ohne dass sie fragen, was sie dafür bekommen. Ich möchte Modeste von der FAZ aus verlinken könnnen, ohne mich wie ein bigottes Schwein zu fühlen, weil es andersrum andere Menschen in die ()hoffentlich nur theoretische) Gefahr brächte, etwas zahlen zu müssen. Nur weil sie ein Kasterl mit Googlewerbung auf iher Seite haben und sagen, schaut mal, das sind gute Texte, die solltet Ihr lesen. So pervers ist dieses System, damift die Bild weiter die Merkeldemokratur schönlügt.
Ich möchte nicht in einer Welt leben, in der jeder so wie die Verleger wäre. Einfach, weil es in dieser Welt solche Bilder nicht gäbe, und wenn doch, dann wären sie gestellt, mit Werbung zugeklatscht und drunter würde ein moralisch bankrotter Schmierfink rülpsen, dass es so, wie es ist, ein guter Tag für Deutschland ist. Ist es nicht. Es wird langfristig keine Gewinner geben, die Medien machen sich nur verhasst und schaffen es, die ganz grosse Mehrheit der Multiplikatoren Google, ausgerechnet Google in die Arme zu treiben. Die auch nicht besser sind, aber klüger, und das Internet und seine Nutzer nicht wie den letzten Dreck behandeln. Es gehört nicht viel dazu, im Moment besser als die Verlage dazustehen. Ich verlinke exemplarisch auf Rivva, die es ünter diesem Diktat der Hirnrissigen vermutlich als erste wegfegen wird und ja, ich finde, fast alles, was da über ein PR-Geschreibsel in der FAZ (Politik) steht, könnte ich auch unterschreiben. Den Käse nimmt denen kein Mensch ab, und wie mangelintelligent muss man sein zu glauben, das würde sich schon geben, es stünde ja in der FAZ, die für die Wahrheit steht.
Google hat bei Facebook und Groupon und Flickr durchaus gezeigt, dass es Dinge selbst macht, die andere nicht mit ihnen machen wollen, und viel Zeit hat zu warten, bis es die anderen derbröselt. Was es wohl kosten würde, eine Mischung aus Politico, Gawker, NYT, Landlust, Economist und Intelligent Life (bei der in Deutschland so gern geklaut wird) aufzubauen? Aber vielleiicht sind die deutschen Verlage auch einfach nur zu unbedeutend, und Google macht das, was sie bei Youtube mit der Gema gemacht haben.

Und dann käme also Google daher, oder ein anderer Nachrichtensammler, Rivva oder Fefe, und würde es übernehmen, oder auch nur einen kleinen Ausschnitt davon, und dann müssten sie das lizensieren und vergüten, für den Verlag, weil sie ja meine Leistung benutzen und die Fähigkeit des Verlags, sie online zu präsentieren.
Mit der Begründung, andere dürften mit dieser Leistung kein Geld verdienen, selbst wenn diese Dienste damit nichts anderes machen, als Leser zu diesem Bild zu bringen. Weil die Leistung des Verlages höher ist, als die Leistung der Leserschicker. Stimmt zwar so nicht, aber die von den Medien geschmierten und mit guter Presseerwartung gekauften Regimeangehörigen haben das in etwa so in einen Gesetzentwurf hineingeschrieben. Damit die alte Springerfrau mit der verbiesterten Ossifrau weiter gut kann.
Wer hat hier die eigentliche Leistung erbracht?
Doch die Frau, die auf dem Rad Schuhe mit hohen Absätzen fährt, die leger gekleideten Herren in der Bar, die Hausbesitzer, die die Atmosphäre schaffen. Ich sehe das und fange es ein, aber wie viel kleiner ist meine Leistung auch nur im Vergleich zu dem, was diese Menschen hier an Flair entstehen lassen? Und wäre es dann nicht auch gerecht, wenn sie ankämen und sagten: Sie haben das getan und geschaffen, sie sind die Situation und der Rest sind nur Pixel, die Zeitung profitiert von ihrer Fähigkeit, das Leben schön wirken zu lassen, ohne sie kein Bild und keine Besucher, also her mit der Leistungsschutzpenunze - sie wollen auch etwas?
Diese Menschen wären vermutlich nicht so, sondern nett und angetan. Ich habe vor zwei Wochen eine begeisterte Email einer Frau bekommen, die durch eine Kette von Zufällen das Bild ihres Freundes auf einer Mauer in Verona fand und es unbedingt, unbedingt in ganz gross haben wollte, und das hängt jetzt bei ihr im Büro. Irgendwie fehlt mir im Moment aufgrund anderer Tätigkeiten die Ruhe, viel zu schreiben, und irgendwie meine ich auch das Recht zu haben, vier, fünf Stunden ohne jedes Netz draussen zu sein, das entfremdet etwas vom Bloggen - aber diese Geschichten sind es, wegen denen ich weiss, warum ich es tue. Weil es ein Geben und ein Nehmen ist, weil es wie das Leben fliesst und sich alles zusammenfügt, und weil es eine schlimme Welt wäre, wenn alle ihre Interessen bis auf den letzten Millimeter so durchsetzen, wie es Verleger, Ärzte und die ganze Drecksbande der Atomfreunde gerade tut, weil wir mehr erneuerbare Energien haben könnten, als diese Mövenpickeria des Regimes geplant hat.
Ich habe vor jedem Messdiener mehr Achtung als vor jedem Politiker, und ich mag es, wenn Menschen etwas tun, ohne dass sie fragen, was sie dafür bekommen. Ich möchte Modeste von der FAZ aus verlinken könnnen, ohne mich wie ein bigottes Schwein zu fühlen, weil es andersrum andere Menschen in die ()hoffentlich nur theoretische) Gefahr brächte, etwas zahlen zu müssen. Nur weil sie ein Kasterl mit Googlewerbung auf iher Seite haben und sagen, schaut mal, das sind gute Texte, die solltet Ihr lesen. So pervers ist dieses System, damift die Bild weiter die Merkeldemokratur schönlügt.
Ich möchte nicht in einer Welt leben, in der jeder so wie die Verleger wäre. Einfach, weil es in dieser Welt solche Bilder nicht gäbe, und wenn doch, dann wären sie gestellt, mit Werbung zugeklatscht und drunter würde ein moralisch bankrotter Schmierfink rülpsen, dass es so, wie es ist, ein guter Tag für Deutschland ist. Ist es nicht. Es wird langfristig keine Gewinner geben, die Medien machen sich nur verhasst und schaffen es, die ganz grosse Mehrheit der Multiplikatoren Google, ausgerechnet Google in die Arme zu treiben. Die auch nicht besser sind, aber klüger, und das Internet und seine Nutzer nicht wie den letzten Dreck behandeln. Es gehört nicht viel dazu, im Moment besser als die Verlage dazustehen. Ich verlinke exemplarisch auf Rivva, die es ünter diesem Diktat der Hirnrissigen vermutlich als erste wegfegen wird und ja, ich finde, fast alles, was da über ein PR-Geschreibsel in der FAZ (Politik) steht, könnte ich auch unterschreiben. Den Käse nimmt denen kein Mensch ab, und wie mangelintelligent muss man sein zu glauben, das würde sich schon geben, es stünde ja in der FAZ, die für die Wahrheit steht.
Google hat bei Facebook und Groupon und Flickr durchaus gezeigt, dass es Dinge selbst macht, die andere nicht mit ihnen machen wollen, und viel Zeit hat zu warten, bis es die anderen derbröselt. Was es wohl kosten würde, eine Mischung aus Politico, Gawker, NYT, Landlust, Economist und Intelligent Life (bei der in Deutschland so gern geklaut wird) aufzubauen? Aber vielleiicht sind die deutschen Verlage auch einfach nur zu unbedeutend, und Google macht das, was sie bei Youtube mit der Gema gemacht haben.
donalphons, 01:35h
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Wir werden davon nicht genug haben
Und deshalb muss man nehmen, was man kriegen kann. Vor allem Licht und Wärme, und dann auch noch, ich weiss, wie schrecklich das Wort ist, Kondition. Nennen wir es freundlicher: Wohlbehagen in einem Körper, wenn Leistung verlangt wird. So ist es auch beim Schreiben, da greift alles ineinander, so soll das jetzt auch sein. Es gibt zwei gegenteilige Entwicklungen, mehr Muskeln und gleichzeitig weniger Gewicht, und das merke ich inzwischen überall.
Die Stellen, die ich im Spätwinter gehasst habe, machen jetzt Spass. Im letzten Schnee bin ich da hochgekrochen und dachte mir: Hauptsache oben nicht tot umfallen und wenn es nicht mehr geht, schiebst Du. Inzwischen komme ich da oben richtig flott an, auf dem grossen Kettenblatt, ich schaffe im Wiegetritt wieder einen halben Kilometer und mehr, und fahre dann weiter. Ich denke bei der Abfahrt nicht mehr an das Ausruhen, oder vielleicht eine "Photopause". Die Dynamik ist wieder da, es geht nicht mehr von einem Pfeifkonzert auf dem letzten Loch zum nächsten.
Wer weniger an das umfallen denkt, denkt mehr an die Natur und an die Landschaft, und wie angenehm es hier doch, alles in allem, geworden ist. Wir hatten hier in diesem schmalen Streifen sagenhaftes Glück; eine andere Bloggerin pendelt zwischen München und dieser Region, und da las man oft vom Regen im Süden. Es war wirklich kein schlechter Sommer. Und ich bin in einer Form wie hm also äh damals als ich kurz vor der l'Eroica drei Rippen und so. Auch das sollte mir zu denken geben: Ankommen ist das Wichtigste.


Es wird, das ist jetzt schon klar, vorerst die letzte durchwegs schöne Tour bleiben, und für die kommenden Regentage gibt es auch schon ein Programm: Ich muss auf Leitern klettern und Grünzeug schneiden, ich habe drei Kilo Zwetschgen und ein paar Projekte, manche mit Wörtern und andere mit Schrauben, und dann noch eines von 1855 mit kleinen Löchern in der Leinwand, so sich der Postbot endlich zum Liefern bequemt. Und dann hoffen wir bitte alle auf einen Goldenen Herbst. Denn dieses Jahr war so schnell und so voll, so übervoll und teilweise auch ziemlich zum Vergessen, um es höflich zu sagen, dass es mir erst wie vor ein paar Wochen erscheint, als hier noch Schnee lag. Oben auf dem Hirschberg lag sogar noch Anfang Juni das Weiss an den Nordhängen.

Ich weiss, mein Blog hat sich ziemlich von Text zu Bild verschoben. Heute ärgere ich mich, wie bildlos die Vergangenheit ist. Das hier ist nicht nur mein Schmierzettel, sondern auch mein Photoalbum, und ich frage mich, warum so viel Schönes hier keinen Platz fand. Wir werden schliesslich nicht genug davon haben, wenn wir uns erinnern wollem.
Die Stellen, die ich im Spätwinter gehasst habe, machen jetzt Spass. Im letzten Schnee bin ich da hochgekrochen und dachte mir: Hauptsache oben nicht tot umfallen und wenn es nicht mehr geht, schiebst Du. Inzwischen komme ich da oben richtig flott an, auf dem grossen Kettenblatt, ich schaffe im Wiegetritt wieder einen halben Kilometer und mehr, und fahre dann weiter. Ich denke bei der Abfahrt nicht mehr an das Ausruhen, oder vielleicht eine "Photopause". Die Dynamik ist wieder da, es geht nicht mehr von einem Pfeifkonzert auf dem letzten Loch zum nächsten.
Wer weniger an das umfallen denkt, denkt mehr an die Natur und an die Landschaft, und wie angenehm es hier doch, alles in allem, geworden ist. Wir hatten hier in diesem schmalen Streifen sagenhaftes Glück; eine andere Bloggerin pendelt zwischen München und dieser Region, und da las man oft vom Regen im Süden. Es war wirklich kein schlechter Sommer. Und ich bin in einer Form wie hm also äh damals als ich kurz vor der l'Eroica drei Rippen und so. Auch das sollte mir zu denken geben: Ankommen ist das Wichtigste.


Es wird, das ist jetzt schon klar, vorerst die letzte durchwegs schöne Tour bleiben, und für die kommenden Regentage gibt es auch schon ein Programm: Ich muss auf Leitern klettern und Grünzeug schneiden, ich habe drei Kilo Zwetschgen und ein paar Projekte, manche mit Wörtern und andere mit Schrauben, und dann noch eines von 1855 mit kleinen Löchern in der Leinwand, so sich der Postbot endlich zum Liefern bequemt. Und dann hoffen wir bitte alle auf einen Goldenen Herbst. Denn dieses Jahr war so schnell und so voll, so übervoll und teilweise auch ziemlich zum Vergessen, um es höflich zu sagen, dass es mir erst wie vor ein paar Wochen erscheint, als hier noch Schnee lag. Oben auf dem Hirschberg lag sogar noch Anfang Juni das Weiss an den Nordhängen.

Ich weiss, mein Blog hat sich ziemlich von Text zu Bild verschoben. Heute ärgere ich mich, wie bildlos die Vergangenheit ist. Das hier ist nicht nur mein Schmierzettel, sondern auch mein Photoalbum, und ich frage mich, warum so viel Schönes hier keinen Platz fand. Wir werden schliesslich nicht genug davon haben, wenn wir uns erinnern wollem.
donalphons, 01:33h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Mittwoch, 29. August 2012
Direkt von der Katzenbeaufsichtigung
Meine Eltern haben jetzt endlich auch Internetanschluss.

Und ich kann hier auch meinem Drittjob (nach Katze und Sohn) nachgegeh und für die FAZ über Hochzeiten mit viel Geld und wenig Geschmack schreiben.

Und ich kann hier auch meinem Drittjob (nach Katze und Sohn) nachgegeh und für die FAZ über Hochzeiten mit viel Geld und wenig Geschmack schreiben.
donalphons, 18:23h
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Ehr-, Hirn- und Baumabschneider
Irgendwie warte ich jetzt nur auf einen Rülpser eines gewissen Herrn von A., der erklärt, warum das Umsägen der Friedenseiche in Rostock-Lichtenhagen befriedigend auf die unangemessene Anspruchshaltung von linken Gutmenschen wirkt, weil auf der anderen Seite dieses deutsche Vaterland das ewige Erinnern nicht mehr aushalten kann.
Solange eine gute Nachricht: Die nicht minder farbenen Rechtskamarilla des Gossenhauses SPON hat von der Kundschaft eine Abfuhr gekriegt. Der Versuch, aus dem "ichwarunterlinkiensoeinearmeSau"-Gewinsel von Jan Fleischhauer auf diesem Portal auch noch ein Buch zu machen (Zielgruppe: JU-Hackfressen, die das ihren Freundinnen schenken, damit die glauben, man könnte als Lachnummer wie sie cool, geistreich und der letzte persönlichkeitsgestörte Cretin gleichzeitig sein), ist ziemlich mies gelaufen. Nix Bestseller. Man müsste denen mal erklären, dass Menschen sich durchaus darüber aufregen können, wenn eine Toilette verunreinigt ist - aber deshalb kaufen sie noch lang keine Fäkalien.
Aber für eine Moderatorentätigkeit für Bankster wird es schon noch reichen, nehme ich an.
Solange eine gute Nachricht: Die nicht minder farbenen Rechtskamarilla des Gossenhauses SPON hat von der Kundschaft eine Abfuhr gekriegt. Der Versuch, aus dem "ichwarunterlinkiensoeinearmeSau"-Gewinsel von Jan Fleischhauer auf diesem Portal auch noch ein Buch zu machen (Zielgruppe: JU-Hackfressen, die das ihren Freundinnen schenken, damit die glauben, man könnte als Lachnummer wie sie cool, geistreich und der letzte persönlichkeitsgestörte Cretin gleichzeitig sein), ist ziemlich mies gelaufen. Nix Bestseller. Man müsste denen mal erklären, dass Menschen sich durchaus darüber aufregen können, wenn eine Toilette verunreinigt ist - aber deshalb kaufen sie noch lang keine Fäkalien.
Aber für eine Moderatorentätigkeit für Bankster wird es schon noch reichen, nehme ich an.
donalphons, 15:23h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 28. August 2012
Derr Teufel und das Detail
Es fängt schon damit an, dass dieser Beitrag eigentlich zum nächsten Tag gehört -aber da bin ich leider weggeschlafen und konnte ihn nicht anlegen. Dafür hatte ich aus Sicherheitsgründen noch am Vortag einen Nullbeitrag abgespeichert, weil man ja nicht weiss und der Teufel ein Eichhörnchen ist. Oder eine Kalorie. Oder auch ein Maiskolben. Oder eine falsche Einstellung.



Solche ersten Touren mit neu entwickelten Rädern sind immer sehr, sehr langsam. Die meisten Einstellungen müssen nochmal justiert werden, und bei diesem Rad, das in vielen Details recht extrem ausfällt, kommt es manchmal auch nur auf eine Viertel Umdrehung einer Madenschraube an. Schrauben, aufsteigen, fahren, fühlen, absteigen, überlegen, einstellen... ein Problem nach dem anderen wird gelöst, bis alles stimmt.



Immerhin, man kann bei den vielen Unterbrechungen an München und seinen Abgasen vorbei bis zur Zugspitze sehen - im ersten folgenden Bild links schemenhaft links am Horizont erkennbar. Das ist schön, weil die Luft so klar ist, aber auch eine Ermahnung: Hier muss es so gut werden, dass es dort klaglos funktioniert. Denn dahinter liegt das Ziel, und die penible Vorbereitung soll am Ende dazu führen, dass ich weiss: Ich komme dort hin, daran vorbei, und auch noch hinüber.



Es muss bald sein, ein konkreter Termin, wenn das Wetter mitspielt und Herbergen zu finden sind und nichts dazwischen kommt - was man bei mir gerade nie wissen kann - ein konkreter Termin steht schon, und es muss so bald sein, denn die Tage werden kurz, dramatisch kurz. Hier im Flachland geht die Sonne unter, wenn sie untergeht, aber in den Bergen ist sie bereits eine, anderthalb Stunden früher verschwunden. Man muss wieder runter von den Pässen sein, wenn man es schaffen will. Um 8 Uhr wird man ankommen müssen, oder es wird riskant.



Diese eine Sache noch. Dann ist alles gut, dann kann ich auch so nochmal nach Italien, Terremoto-Nachberichterstattung, Gran Premio Nuvolari, vermutlich auch Eurokrise und sicher Gardasee. Und alles mit dem Auto. Weil ich dann weiss, dass ich es mit dem Auto fahrenkann. Und nicht müsste. Es ist keine Frage des Sports, sondern eine Frage der Freiheit vom Alter und vom Körper. 15 Kilo habe ich dieses Jahr abgenommen. Erst nehmen wir Meran.
Und dann Unmengen von Zwetschgendatschi.



Solche ersten Touren mit neu entwickelten Rädern sind immer sehr, sehr langsam. Die meisten Einstellungen müssen nochmal justiert werden, und bei diesem Rad, das in vielen Details recht extrem ausfällt, kommt es manchmal auch nur auf eine Viertel Umdrehung einer Madenschraube an. Schrauben, aufsteigen, fahren, fühlen, absteigen, überlegen, einstellen... ein Problem nach dem anderen wird gelöst, bis alles stimmt.



Immerhin, man kann bei den vielen Unterbrechungen an München und seinen Abgasen vorbei bis zur Zugspitze sehen - im ersten folgenden Bild links schemenhaft links am Horizont erkennbar. Das ist schön, weil die Luft so klar ist, aber auch eine Ermahnung: Hier muss es so gut werden, dass es dort klaglos funktioniert. Denn dahinter liegt das Ziel, und die penible Vorbereitung soll am Ende dazu führen, dass ich weiss: Ich komme dort hin, daran vorbei, und auch noch hinüber.



Es muss bald sein, ein konkreter Termin, wenn das Wetter mitspielt und Herbergen zu finden sind und nichts dazwischen kommt - was man bei mir gerade nie wissen kann - ein konkreter Termin steht schon, und es muss so bald sein, denn die Tage werden kurz, dramatisch kurz. Hier im Flachland geht die Sonne unter, wenn sie untergeht, aber in den Bergen ist sie bereits eine, anderthalb Stunden früher verschwunden. Man muss wieder runter von den Pässen sein, wenn man es schaffen will. Um 8 Uhr wird man ankommen müssen, oder es wird riskant.



Diese eine Sache noch. Dann ist alles gut, dann kann ich auch so nochmal nach Italien, Terremoto-Nachberichterstattung, Gran Premio Nuvolari, vermutlich auch Eurokrise und sicher Gardasee. Und alles mit dem Auto. Weil ich dann weiss, dass ich es mit dem Auto fahren
Und dann Unmengen von Zwetschgendatschi.
donalphons, 00:51h
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Entschuldigt mein Französisch
Und dass der Flohmarkt keine diskriminierungsfreie Zone ist, entschuldigt bitte auch. Bayern wie mir wird derbe Sepplekleidung aufgedrängt, denn es nahen die Volksfeste, Mohren müssen Lampen halten (wobei das phallische Dings da auf dem Kopf sicher Abzüge in der Femi-B-Note bringt), und Drachen ächzen unter dem Gewicht der Tische. Immer, wenn ich nach Hause komme, habe ich gar keine Kraft mehr für Genderfragen.



Aber wo sonst sollte man gigantische Frauenbüsten finden, die man bei rituellen Assangeverbennungsumzügen als Sinnbild der Weiblichkeit mit sich herumschleppen könnte, wo sonst fände sich das passende Gesteck für Ideologie und Glaubem, wo sonst kommt man in schlechten Zeiten noch an edle Rösser, die einem nicht angesichts der wackligen Chinesen und ihrer lahmenden Exportgäule das Haar vom Kopfe fressen, und das alles, weil minderwertig, ohne Mehrwertsteuer?



Aber inzwischen sind hier die Franzosen einmarschiert, und zum Glück hatten sie diesmal keine Rokokoportraits mehr dabei. Ich muss also keinen Studenten vertreiben und seine Wohnung der Meinigen anschliessen, das hat noch etwas Zeit, und ausserdem kaufe ich ohnehin zu viel. Müsste ich aber jetzt nochmal eine Wohnung einrichten, ich würde sparen, und dann die Franzosen plündern. Biedermeier-Nussbaumsessel zu Beispiel - da war ich in allerschwerster Versuchung, die hätten so gut an den tegernsee gepasst, wenn ich dort noch ein Zimmer hätte - pompöse Spiegel und so einen feinen Atlas, der eine Uhrenkugel schleppt - dem hängte ich noch ein Schildchen um den Hals, "Bankster in die Produktion" zum Beispiel. Oder "Wer nicht profiblogt zur rechten Art, muss sonstwie schuften, das ist sehr apart".



Auf dem Flohmarkt lernt man für das Leben, so in etwa: Warte mit dem Kauf, bis Du der Franzosen Angebot gesehen hast. Und: Verhandle, oder die Franzosen machen Dich mit ihrem Charme und ihrem Akzent nieder, und Du musst Dir das Geld zur Heimfahrt erbetteln. Zum Glück habe ich keinen Platz mehr und auch keinen Kamin, um darauf Vasen und Elfenbein und Skulpturen abzustellen.



Aber etwas anderes habe ich bei ihnen gefunden: Eine Vorhangschienenabdeckung. Genau die richtige Breite für das Schlafzimmer. Beschädigt, aber das macht nichts. Dafür war es spottbillig. Ich suche das schon ewig, wir hatten das auch mal, aber so gegen 1910 müssen die Objekte meiner Begierfe einer Renovierung zum Opfer gefallen sein. Jetzt brauche ich nur noch einen Vorhang, und den mache ich zu. Dann sehe ich die Schule gegenüber vom Bett aus nicht mehr, und das hat ja durchaus etwas: So eine Schule, die einen an die unerfreulichen Folgen unvorsichtiger Betttätigkeiten erinnert, muss man wirklich nicht dauernd sehen (Schlimmer wäre eine Kadettenanstalt oder ein Institut für Genderismus). Nur goldgelben Damast muss ich noch aufknüpfen und beschaffen. Aber da haben die Franzosen schon angekündigt, dass sie in ihren Höhlen in den Vogesen nachschauen werden.



Aber wo sonst sollte man gigantische Frauenbüsten finden, die man bei rituellen Assangeverbennungsumzügen als Sinnbild der Weiblichkeit mit sich herumschleppen könnte, wo sonst fände sich das passende Gesteck für Ideologie und Glaubem, wo sonst kommt man in schlechten Zeiten noch an edle Rösser, die einem nicht angesichts der wackligen Chinesen und ihrer lahmenden Exportgäule das Haar vom Kopfe fressen, und das alles, weil minderwertig, ohne Mehrwertsteuer?



Aber inzwischen sind hier die Franzosen einmarschiert, und zum Glück hatten sie diesmal keine Rokokoportraits mehr dabei. Ich muss also keinen Studenten vertreiben und seine Wohnung der Meinigen anschliessen, das hat noch etwas Zeit, und ausserdem kaufe ich ohnehin zu viel. Müsste ich aber jetzt nochmal eine Wohnung einrichten, ich würde sparen, und dann die Franzosen plündern. Biedermeier-Nussbaumsessel zu Beispiel - da war ich in allerschwerster Versuchung, die hätten so gut an den tegernsee gepasst, wenn ich dort noch ein Zimmer hätte - pompöse Spiegel und so einen feinen Atlas, der eine Uhrenkugel schleppt - dem hängte ich noch ein Schildchen um den Hals, "Bankster in die Produktion" zum Beispiel. Oder "Wer nicht profiblogt zur rechten Art, muss sonstwie schuften, das ist sehr apart".



Auf dem Flohmarkt lernt man für das Leben, so in etwa: Warte mit dem Kauf, bis Du der Franzosen Angebot gesehen hast. Und: Verhandle, oder die Franzosen machen Dich mit ihrem Charme und ihrem Akzent nieder, und Du musst Dir das Geld zur Heimfahrt erbetteln. Zum Glück habe ich keinen Platz mehr und auch keinen Kamin, um darauf Vasen und Elfenbein und Skulpturen abzustellen.



Aber etwas anderes habe ich bei ihnen gefunden: Eine Vorhangschienenabdeckung. Genau die richtige Breite für das Schlafzimmer. Beschädigt, aber das macht nichts. Dafür war es spottbillig. Ich suche das schon ewig, wir hatten das auch mal, aber so gegen 1910 müssen die Objekte meiner Begierfe einer Renovierung zum Opfer gefallen sein. Jetzt brauche ich nur noch einen Vorhang, und den mache ich zu. Dann sehe ich die Schule gegenüber vom Bett aus nicht mehr, und das hat ja durchaus etwas: So eine Schule, die einen an die unerfreulichen Folgen unvorsichtiger Betttätigkeiten erinnert, muss man wirklich nicht dauernd sehen (Schlimmer wäre eine Kadettenanstalt oder ein Institut für Genderismus). Nur goldgelben Damast muss ich noch aufknüpfen und beschaffen. Aber da haben die Franzosen schon angekündigt, dass sie in ihren Höhlen in den Vogesen nachschauen werden.
donalphons, 00:37h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Montag, 27. August 2012
Aber Räder bauen, das konnten sie.
Das können sie, die Deutschen.
Besonders, wenn es Amerikaner sind.



It can't happen here ist ein vermutlich weitgehend vergessener Roman von Sinclair Lewis, aber ich habe ihn noch einmal gelesen, als Herr Bush Junior an die Macht kam. Lewis entwirft darin die Entstehung einer faschistoiden Diktatur auf Basis uramerikanischer Einrichtungen und Möglichkeiten. Ganz so schlimm kam es dann doch nicht, der Vernichtungswille und die Gewalt wurden statt dessen exportiert, und dazu kamen Dinge, die Lewis sich nicht vorstellen konnte: Söldnerarmeen zum Beispiel, oder die neuen Möglichkeiten der Überwachung. In seinem Buch lässt Lewis am Ende des amerikanischen Faschismus an den guten Seiten Amerikas und der Unfähigkeit des diktatorischen Systems scheitern - er kann hier nicht passieren, weil es dann doch wieder in die andere Richtung geht, selbst wenn Amerika geschwächt und zerrissen aus der Krise taumelt.



Generell gibt es für mich zwei Möglichkeiten: ich mache es wie alle Bergsteiger, und gehe früh los, um rechtzeitig wieder im Tal zu sein. Oder ich mache es weiter so wie meistens: Ich gehe spät und fahre einen Teil der Strecke mit dem Rad. Das hat den Vorteil, dass die Knie geschont werden, wenn man nicht gerade wie letzte Woche über den Lenker geht und dabei auch noch ein paar andere Dinge zu Bruch gehen. Kurz, ich suchte unter anderem einen stabilen Lenker, idealerweise Magurabremsen, ein Vorderrad, und ein paar Kettenblätter sind auch recht marode. Gefunden habe ich all das an einem kaum gebrauchten Cannondale m800 comp "Beast of the East" von 1996, das beim hiesigen Radmegacenter auf dem Flohmarkt stand. Laufleistung vielleicht 500 Kilometer, Restpreis 150 Euro, Originalpreis 1996 über 2000 Mark, etwas klein für meine Grösse, aber das macht nichts bei den Strecken, die ich fahre. Ich habe nichts gegen all-amerikanische Erzeugnisse, hier mit deutschen Anbauten. Ich würde nur nicht in die USA reisen, wegen der Todesstrafe und ein paar anderen Überlegungen, in denen die Nähe zu Siena eine nicht geringe Rolle spielt.



Dazu gibt es natürlich auch eine Geschichte, die ich in der FAZ schreiben werde, denn Cannondale ist den langen Weg vom amerikanischen Stolz zur in Taíwan auf den Rahmen geklebten Marke gegangen, und zwar überhaupt nicht so, wie das im Land von Ayn Rand und anderen Psychos so gern vermutet wird: Cannondale, eine hoch profitable Qualitätsfirma mit Weltruf, krepierte einzig und allein an Börsenerwartungen, falschen Produkten, die man für das Wachstum machen musste, Finanzinvestoren und Gewinnsteigerung. Lupenreiner Kapitalismus, kein Fünferl Sozialleistungen, Streiks, Arbeitnehmerrechte oder andere kommunistische Verbrechen. Ich mag das, wenn ich meine Käufe gewissermassen direkt im alten Europa refinanzieren kann, selbst wenn zu befürchten ist, dass es die Markttotalitären diesseits und jenseits des Atlantiks weiterhin mit Kapitalschmonzetten und Executive Summaries von "Studien" halten werden, denn nur so wird man von Thinktanks geschmiert und als Moderator eingehurt.



Ich verstehe Julian Assange, dass er dorthin nicht ausgeliefeert werden möchte. Und dass er den Schweden auch nicht traut, die entweder so irre oder so kriminell sind, sich im Zweifelsfall auf eine Zusage zu verlassen, man werde in diesem Land dort drüben Assange nicht hinrichten. Man kann Leben so oder so beenden, und bei dem, was man in Amerika unter Justiz und Straffvollzug und Politikern versteht, würde ich auch nicht dorthin reisen, wenn es dort wäre, wo Siena liegt. Am Rande, ich könnte mich schräg lachen über die Schramm und Femiwischfaschi-Konsorten, die Assange öffentlich Vergewaltigung unterstellen und ihre feuchten Träume von Strafen vollstreckt sehen möchten - auch wenn er dann in der Folge in einem Land ermordet werden sollte, in dem das Kleinreden von Vergewaltigung Teil des Mainstreams ist, als wäre es die Klimakatastrophe. Aber so ist das halt: Die Extremisten und Feinde der Aufklärung finden immer irgendwie zusammen. Aber ob die Reaktionären in den USA unter Romney so auf die Fresse fliegen, wie die Piraten mit Schramm im Vorstand?



Mit dem Cannondale muss ich nicht rasen, wie ich es auf dem Rennrad irgendwann tun würde. Ich kann ein paar Übungen mit Pfaden, Wurzeln und Biberhöhlen entlang der Donau machen, und ich spare mir dabei den Gegenwind aus dem Westen, der über das Land heult. Es ist leicht, agil und angenehm zu fahren, mehr bräuchte eigentlich kein Mensch, auch heute nicht, aber auch auf den breiten Schotterautobahnen komme ich an Leuten vorbei, die all ihre Kraft in Federungen und riesigen 29-Zoll-Reifen verpulvern. Weil es halt modern ist. Cannondale kann man heute auch als Aufdruck auf solchen Rädern kaufen, wie alles, was einem eingeredet wird. Das kann hier nicht passieren, sagen die Leute mit Blick auf Amerika, aber es kam ACTA und Flugüberwachung und Bundeswehr im Inneren und vielleicht bin ich ja paranoid, aber seit einiger Zeit ist mein Mobiltelefon meistens ausgeschaltet, wenn ich unterwegs bin. Man liest, irgendwelche EU-Bürokraten wollen Black Boxen im Auto haben. Windows 8 telefoniert nach Hause, und Apple... und Facebook... und wenn man es den Menschen nur lange genug einredet, kaufen sie das wie die 29er. Oder auch Parteien wie die Republikaner. Man muss immer schön vorsichtig sein, beim hinunterfahren, und schauen, was am Himmel so alles aufzieht. Die Katastrophe im Innenministerium will dem Verfassungsschutz, der die NSU nicht kannte, mehr Rechte geben. Das kann hier passieren. Man sollte sich nicht wundern. So einer wie der Friedrich spielt auch bei Lewis eine unrühmliche Hauptrolle.



Man kann Amerika nicht ändern. Vielleicht muss man sogar froh sein, dass die globale Dominanz abgenommen hat, und weiter abnehmen wird, und wenn auf der anderen Seite nicht gerade Russland und China stünden, dann könnte es sogar eine gute, richtig gute Sache werden. Aber dennoch habe ich den Eindruck, als hätten wir längst wieder einen kalten Krieg, diesmal nicht gegen andere Systeme, sondern gegen Bürger, Demokratie und Menschenrechte. Dass dann noch, sorry, Vollversager wie die Piraten auftreten und das auf der anderen Seite so vergeigen, weil da einer sein privates BGE will und andere gern Partikularinteressen durchsetzen... ich glaube, es gibt einfach gar nichts, was nicht passieren kann.
Besonders, wenn es Amerikaner sind.



It can't happen here ist ein vermutlich weitgehend vergessener Roman von Sinclair Lewis, aber ich habe ihn noch einmal gelesen, als Herr Bush Junior an die Macht kam. Lewis entwirft darin die Entstehung einer faschistoiden Diktatur auf Basis uramerikanischer Einrichtungen und Möglichkeiten. Ganz so schlimm kam es dann doch nicht, der Vernichtungswille und die Gewalt wurden statt dessen exportiert, und dazu kamen Dinge, die Lewis sich nicht vorstellen konnte: Söldnerarmeen zum Beispiel, oder die neuen Möglichkeiten der Überwachung. In seinem Buch lässt Lewis am Ende des amerikanischen Faschismus an den guten Seiten Amerikas und der Unfähigkeit des diktatorischen Systems scheitern - er kann hier nicht passieren, weil es dann doch wieder in die andere Richtung geht, selbst wenn Amerika geschwächt und zerrissen aus der Krise taumelt.



Generell gibt es für mich zwei Möglichkeiten: ich mache es wie alle Bergsteiger, und gehe früh los, um rechtzeitig wieder im Tal zu sein. Oder ich mache es weiter so wie meistens: Ich gehe spät und fahre einen Teil der Strecke mit dem Rad. Das hat den Vorteil, dass die Knie geschont werden, wenn man nicht gerade wie letzte Woche über den Lenker geht und dabei auch noch ein paar andere Dinge zu Bruch gehen. Kurz, ich suchte unter anderem einen stabilen Lenker, idealerweise Magurabremsen, ein Vorderrad, und ein paar Kettenblätter sind auch recht marode. Gefunden habe ich all das an einem kaum gebrauchten Cannondale m800 comp "Beast of the East" von 1996, das beim hiesigen Radmegacenter auf dem Flohmarkt stand. Laufleistung vielleicht 500 Kilometer, Restpreis 150 Euro, Originalpreis 1996 über 2000 Mark, etwas klein für meine Grösse, aber das macht nichts bei den Strecken, die ich fahre. Ich habe nichts gegen all-amerikanische Erzeugnisse, hier mit deutschen Anbauten. Ich würde nur nicht in die USA reisen, wegen der Todesstrafe und ein paar anderen Überlegungen, in denen die Nähe zu Siena eine nicht geringe Rolle spielt.



Dazu gibt es natürlich auch eine Geschichte, die ich in der FAZ schreiben werde, denn Cannondale ist den langen Weg vom amerikanischen Stolz zur in Taíwan auf den Rahmen geklebten Marke gegangen, und zwar überhaupt nicht so, wie das im Land von Ayn Rand und anderen Psychos so gern vermutet wird: Cannondale, eine hoch profitable Qualitätsfirma mit Weltruf, krepierte einzig und allein an Börsenerwartungen, falschen Produkten, die man für das Wachstum machen musste, Finanzinvestoren und Gewinnsteigerung. Lupenreiner Kapitalismus, kein Fünferl Sozialleistungen, Streiks, Arbeitnehmerrechte oder andere kommunistische Verbrechen. Ich mag das, wenn ich meine Käufe gewissermassen direkt im alten Europa refinanzieren kann, selbst wenn zu befürchten ist, dass es die Markttotalitären diesseits und jenseits des Atlantiks weiterhin mit Kapitalschmonzetten und Executive Summaries von "Studien" halten werden, denn nur so wird man von Thinktanks geschmiert und als Moderator eingehurt.



Ich verstehe Julian Assange, dass er dorthin nicht ausgeliefeert werden möchte. Und dass er den Schweden auch nicht traut, die entweder so irre oder so kriminell sind, sich im Zweifelsfall auf eine Zusage zu verlassen, man werde in diesem Land dort drüben Assange nicht hinrichten. Man kann Leben so oder so beenden, und bei dem, was man in Amerika unter Justiz und Straffvollzug und Politikern versteht, würde ich auch nicht dorthin reisen, wenn es dort wäre, wo Siena liegt. Am Rande, ich könnte mich schräg lachen über die Schramm und Femiwischfaschi-Konsorten, die Assange öffentlich Vergewaltigung unterstellen und ihre feuchten Träume von Strafen vollstreckt sehen möchten - auch wenn er dann in der Folge in einem Land ermordet werden sollte, in dem das Kleinreden von Vergewaltigung Teil des Mainstreams ist, als wäre es die Klimakatastrophe. Aber so ist das halt: Die Extremisten und Feinde der Aufklärung finden immer irgendwie zusammen. Aber ob die Reaktionären in den USA unter Romney so auf die Fresse fliegen, wie die Piraten mit Schramm im Vorstand?



Mit dem Cannondale muss ich nicht rasen, wie ich es auf dem Rennrad irgendwann tun würde. Ich kann ein paar Übungen mit Pfaden, Wurzeln und Biberhöhlen entlang der Donau machen, und ich spare mir dabei den Gegenwind aus dem Westen, der über das Land heult. Es ist leicht, agil und angenehm zu fahren, mehr bräuchte eigentlich kein Mensch, auch heute nicht, aber auch auf den breiten Schotterautobahnen komme ich an Leuten vorbei, die all ihre Kraft in Federungen und riesigen 29-Zoll-Reifen verpulvern. Weil es halt modern ist. Cannondale kann man heute auch als Aufdruck auf solchen Rädern kaufen, wie alles, was einem eingeredet wird. Das kann hier nicht passieren, sagen die Leute mit Blick auf Amerika, aber es kam ACTA und Flugüberwachung und Bundeswehr im Inneren und vielleicht bin ich ja paranoid, aber seit einiger Zeit ist mein Mobiltelefon meistens ausgeschaltet, wenn ich unterwegs bin. Man liest, irgendwelche EU-Bürokraten wollen Black Boxen im Auto haben. Windows 8 telefoniert nach Hause, und Apple... und Facebook... und wenn man es den Menschen nur lange genug einredet, kaufen sie das wie die 29er. Oder auch Parteien wie die Republikaner. Man muss immer schön vorsichtig sein, beim hinunterfahren, und schauen, was am Himmel so alles aufzieht. Die Katastrophe im Innenministerium will dem Verfassungsschutz, der die NSU nicht kannte, mehr Rechte geben. Das kann hier passieren. Man sollte sich nicht wundern. So einer wie der Friedrich spielt auch bei Lewis eine unrühmliche Hauptrolle.



Man kann Amerika nicht ändern. Vielleicht muss man sogar froh sein, dass die globale Dominanz abgenommen hat, und weiter abnehmen wird, und wenn auf der anderen Seite nicht gerade Russland und China stünden, dann könnte es sogar eine gute, richtig gute Sache werden. Aber dennoch habe ich den Eindruck, als hätten wir längst wieder einen kalten Krieg, diesmal nicht gegen andere Systeme, sondern gegen Bürger, Demokratie und Menschenrechte. Dass dann noch, sorry, Vollversager wie die Piraten auftreten und das auf der anderen Seite so vergeigen, weil da einer sein privates BGE will und andere gern Partikularinteressen durchsetzen... ich glaube, es gibt einfach gar nichts, was nicht passieren kann.
donalphons, 01:36h
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Nachzündeln und nachtreten
Ich möchte mich hier öffentlich vom FAZ-Politik-Redakteur Jasper von Altenbockum distanzieren und ja, ich finde es unerträglich, dass so eine Terrorsinnfindung dort steht. Aber das ist die Politik, ich bin beim Feuilleton, das ist nicht das Gleiche und hat auch miteinander wenig zu tun.
Ich kann hier nur eine Alternative bieten, bei den Stützen.
Ich kann hier nur eine Alternative bieten, bei den Stützen.
donalphons, 19:08h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Samstag, 25. August 2012
Von Rom nach London
Das Label Glossa hat in den letzten Jahren die italienischen Gesangswerke von Händel veröffentlicht, zum Teil mit spektakulären Aufnahmen, wie mit Roberta "Nazionale" Invernizzi, gegen die jede Netrebko halt nur eine Netrebko ist, und auch so klingt, als würde sich ein verstaubter Feuiletonist dafür mit dem Zug nach Salzburg bemühen und in der Pause eine Wurst essen. Roberta Invernizzi dagegen singt, dass keine Fehlzündung eines Fiat Ottovu in den engen Gassen von Siena dagegen ankommt.
Ich hatte die CDs auf jeder Italienreise der letzten 4 Jahre dabei, und wenn man erst mal auf der anderen Seite der Berge ist, stimmt alles. Das sind die Momente, da sich der Geist vom Körper löst, sich über das Auto erhebt und entlang der Kurven über den Seen mitfliegt, sich am Gesamtbild erfreut und sagt: So möchte man sein. Und so sind auch die Aufnahmen und die Musik, stimmig, emotional, man möchte aussteigen und heulen. Und wenn jemand sagt, es gäbe eine neue CD mit Arien von Händel, denke ich deshalb nicht lange nach und kaufe ich sie. Ohne reinzuhören. Der ideale Ort zur Probe ist am Steuer meines Wagens, offen, auf einer Landstrasse.
Bei den italienischen Werken hatte ich immer den Eindruck, als würde die Landschaft hier in Bayern in Süden wie eine Nudel in Trüffelbutter ersäuft. Ohne Händel ist es Bayern, mit Händel Nordnorditalien. Die neue CD enthält jedoch die Arien, die Händel in späteren Jahren in London geschrieben hat. Man singt Englisch, man singt halsbrecherisch auf den Effekt hin, man möchte etwas erreichen. Und man erreicht es: Die Landschaft gefriert wie Eisbein mit Gurke in Aspik. Das mögen wirklich kunstvolle Arien sein, aber sie sind so tot wie das Gewissen eines Londoner Banksters und so aufdringlich wie ein Vertreter für Immobilienfonds.
Ich habe es mit einer Freundin ausprobiert, und wir sind uns da einig: Die Musik passt überhaupt nicht zum Tanz in den Kurven und zur Freude der Bewegung. Wir erklären es uns so, dass Händel in Italien von einem reichen Gönner zum nächsten flatterte, und entsprechend leicht seine Musik zauberte. In London dagegen war er Unternehmer und schrieb nicht mehr für Einzelpersonen, denen das Geld locker sass, sondern für jeden, der ein paar Münzen für den Eintritt bezahlte. In Italien konnte er komponieren, was er wollte, in London musste er schreiben, was das Publikum wollte, und zwar in nicht wirklich angenehmen Atmosphären: Seine Sänger traten durchaus in Örtlichkeiten auf, die man heute als "Vergnügungspark" bezeichnen würde. Da musste natürlich Effekt und Sensation sein. So klingt das auch, Aber das passt nicht zum angenehmen Fluss einer kleinen, offenen Reise.
Und - es ist kalt. Ich kann es nicht anders umschreiben, vielleicht hat das auch mit den Sängern zu tun, die sich auf die Effekte konzentrieren, und nicht auf die Handlung der Opern und Kantaten, wie ich das den Sängerinnen bei Glossa unterstelle. Dieser Londoner Händel, er spricht englisch, aber nicht zu mir. Er berührt mich nicht. Für Easy Listening ist es zu auffällig und für Liebe zu berechnend. Ich setze neben einer schönen Frau, der Motor dreht hoch, der Wagen fliegt durch die Kurven, und es tut sich nichts. Jede andere Musik wäre besser. Italiensiche Hits der 7oer wären besser. Eine Monumentalmesse wäre besser. Roberta Invernizzi wäre perfekt, und sie ist zum Glück auf CD im Handschuhfach, und Bayern erstahlt auf dem Rückweg unter dem wieder italienischen Himmel.
Händel erblindete in London, und er wurde dort zum gefeierten Unternehmer und Millionär. Da ist ein Zusammenhang.
In Italien war er nur glücklich, nehme ich an.
Ich hatte die CDs auf jeder Italienreise der letzten 4 Jahre dabei, und wenn man erst mal auf der anderen Seite der Berge ist, stimmt alles. Das sind die Momente, da sich der Geist vom Körper löst, sich über das Auto erhebt und entlang der Kurven über den Seen mitfliegt, sich am Gesamtbild erfreut und sagt: So möchte man sein. Und so sind auch die Aufnahmen und die Musik, stimmig, emotional, man möchte aussteigen und heulen. Und wenn jemand sagt, es gäbe eine neue CD mit Arien von Händel, denke ich deshalb nicht lange nach und kaufe ich sie. Ohne reinzuhören. Der ideale Ort zur Probe ist am Steuer meines Wagens, offen, auf einer Landstrasse.
Bei den italienischen Werken hatte ich immer den Eindruck, als würde die Landschaft hier in Bayern in Süden wie eine Nudel in Trüffelbutter ersäuft. Ohne Händel ist es Bayern, mit Händel Nordnorditalien. Die neue CD enthält jedoch die Arien, die Händel in späteren Jahren in London geschrieben hat. Man singt Englisch, man singt halsbrecherisch auf den Effekt hin, man möchte etwas erreichen. Und man erreicht es: Die Landschaft gefriert wie Eisbein mit Gurke in Aspik. Das mögen wirklich kunstvolle Arien sein, aber sie sind so tot wie das Gewissen eines Londoner Banksters und so aufdringlich wie ein Vertreter für Immobilienfonds.
Ich habe es mit einer Freundin ausprobiert, und wir sind uns da einig: Die Musik passt überhaupt nicht zum Tanz in den Kurven und zur Freude der Bewegung. Wir erklären es uns so, dass Händel in Italien von einem reichen Gönner zum nächsten flatterte, und entsprechend leicht seine Musik zauberte. In London dagegen war er Unternehmer und schrieb nicht mehr für Einzelpersonen, denen das Geld locker sass, sondern für jeden, der ein paar Münzen für den Eintritt bezahlte. In Italien konnte er komponieren, was er wollte, in London musste er schreiben, was das Publikum wollte, und zwar in nicht wirklich angenehmen Atmosphären: Seine Sänger traten durchaus in Örtlichkeiten auf, die man heute als "Vergnügungspark" bezeichnen würde. Da musste natürlich Effekt und Sensation sein. So klingt das auch, Aber das passt nicht zum angenehmen Fluss einer kleinen, offenen Reise.
Und - es ist kalt. Ich kann es nicht anders umschreiben, vielleicht hat das auch mit den Sängern zu tun, die sich auf die Effekte konzentrieren, und nicht auf die Handlung der Opern und Kantaten, wie ich das den Sängerinnen bei Glossa unterstelle. Dieser Londoner Händel, er spricht englisch, aber nicht zu mir. Er berührt mich nicht. Für Easy Listening ist es zu auffällig und für Liebe zu berechnend. Ich setze neben einer schönen Frau, der Motor dreht hoch, der Wagen fliegt durch die Kurven, und es tut sich nichts. Jede andere Musik wäre besser. Italiensiche Hits der 7oer wären besser. Eine Monumentalmesse wäre besser. Roberta Invernizzi wäre perfekt, und sie ist zum Glück auf CD im Handschuhfach, und Bayern erstahlt auf dem Rückweg unter dem wieder italienischen Himmel.
Händel erblindete in London, und er wurde dort zum gefeierten Unternehmer und Millionär. Da ist ein Zusammenhang.
In Italien war er nur glücklich, nehme ich an.
donalphons, 22:52h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Samstag, 25. August 2012
Erleuchtung an trüben Tagen
Sobald der Regen kommt, und wenn man sich zudem noch den falschen Fleck heraussucht und obendrein auch noch bessere Alternativen kennt, wird auch diese Stadt hier, so hübsch sie auch mitunter sein mag, recht schwer erträglich. Träge fliesst das Wasser dahin, es ist nicht schön, sondern einfach nur ein Fluss, und alle Bestrebungen, ihn für die Stadt zu entdecken, schlagen fehl. Sicher, woanders ist man so am Ende, dass man sogar die Spree für hübsch hält, aber die Donau ist einfach ein braunes Elend (ja klar, dass die Wiener sie für schön und blau halten, wundert nicht, die wählen ja auch FPÖ und schämen sich nicht) und wenig reizvoll.

Was also kann man tun, wenn man hier bleiben muss, und alles nur so mittelgut ankommt? Man muss im Regen nicht die Pflanzen giessen. Und man sollte all jenen, die hier Häuser bauen und Wohnungen kaufen und sich ihr Leben einrichten und planen, hier zu bleiben, sei es in einem Dreispänner auf dem Dorf, einer Toskanavilla oder gar einer modernististischen Schiesssschartenanlage, man sollte ihnen also wünschen, dass sie nicht von der Müdigkeit befallen werden, der man sich manchmal nicht erwehren kann, wenn man seit 170 Jahren geblieben ist, und sich so wenig geändert hat. Manchmal ist Geschichtsbewusstsein ein Segen, aber mitunter ist es auch ein Fluch. An irgendwas muss man sich wohl ketten, an Kompromisse, Hoffnungen, Traditionen und Ziele, die Vergangenheit dagegen hat den Vorteil dass sie nicht enttäuschen, altern oder eine Trennung verlangen kann.

Man wächst da langsam hinein, man lernt dazu und fügt Stücke an. Zum Beispiel habe ich mich oft furchtbar aufgeregt, wenn Trauben am Haus abgerissen und einfach achtlos auf den Boden geworfen wurden. Das passiert immer wieder, und es ist so sinnlos: Die Trauben sind einfach noch nicht reif, das dauert hier sicher noch vier Wochen. Wer, fragte ich mich, macht so etwas, und warum? Nun, inzwischen weiss ich, wer das tut, denn so ein Tag ist bestens geeignet, nach Westen zu schauen, ob das nächste Gewitter kommt. Und was sieht man dann weiter unten auf dem Fensterbrett?

Den Übeltäter. Und mit was für einer Vehemenz er sich daran zu schaffen macht, immer wieder und ohne Unterlass. Da kann man wohl wenig dagegen tun, dieser Störenfried lässt sich nicht einschüchtern. Aber nach all den Jahren weiss ich jetzt, wer das macht, und warum ich manche Trauben wegkehren muss. Die Natur, die Arterhaltung, vermutlich sind auch Kinder im Spiel und das wird einfach noch lange, bis zum Ende der Zeit so weitergehen. So eine Taube ist vermutlich mit dem Weinstock zufrieden, und ich sollte es auch sein, denn so ist es dargestellt auf romanischen Portalen, und es ist doch nett, wenn das hier so leben möchte, an Tagen, die sich so tot und müde anfühlen, dass einem nicht mal das Wundern über Hochzeitsaufwendungen der Gegenwart bleibt.

Was also kann man tun, wenn man hier bleiben muss, und alles nur so mittelgut ankommt? Man muss im Regen nicht die Pflanzen giessen. Und man sollte all jenen, die hier Häuser bauen und Wohnungen kaufen und sich ihr Leben einrichten und planen, hier zu bleiben, sei es in einem Dreispänner auf dem Dorf, einer Toskanavilla oder gar einer modernististischen Schiesssschartenanlage, man sollte ihnen also wünschen, dass sie nicht von der Müdigkeit befallen werden, der man sich manchmal nicht erwehren kann, wenn man seit 170 Jahren geblieben ist, und sich so wenig geändert hat. Manchmal ist Geschichtsbewusstsein ein Segen, aber mitunter ist es auch ein Fluch. An irgendwas muss man sich wohl ketten, an Kompromisse, Hoffnungen, Traditionen und Ziele, die Vergangenheit dagegen hat den Vorteil dass sie nicht enttäuschen, altern oder eine Trennung verlangen kann.

Man wächst da langsam hinein, man lernt dazu und fügt Stücke an. Zum Beispiel habe ich mich oft furchtbar aufgeregt, wenn Trauben am Haus abgerissen und einfach achtlos auf den Boden geworfen wurden. Das passiert immer wieder, und es ist so sinnlos: Die Trauben sind einfach noch nicht reif, das dauert hier sicher noch vier Wochen. Wer, fragte ich mich, macht so etwas, und warum? Nun, inzwischen weiss ich, wer das tut, denn so ein Tag ist bestens geeignet, nach Westen zu schauen, ob das nächste Gewitter kommt. Und was sieht man dann weiter unten auf dem Fensterbrett?

Den Übeltäter. Und mit was für einer Vehemenz er sich daran zu schaffen macht, immer wieder und ohne Unterlass. Da kann man wohl wenig dagegen tun, dieser Störenfried lässt sich nicht einschüchtern. Aber nach all den Jahren weiss ich jetzt, wer das macht, und warum ich manche Trauben wegkehren muss. Die Natur, die Arterhaltung, vermutlich sind auch Kinder im Spiel und das wird einfach noch lange, bis zum Ende der Zeit so weitergehen. So eine Taube ist vermutlich mit dem Weinstock zufrieden, und ich sollte es auch sein, denn so ist es dargestellt auf romanischen Portalen, und es ist doch nett, wenn das hier so leben möchte, an Tagen, die sich so tot und müde anfühlen, dass einem nicht mal das Wundern über Hochzeitsaufwendungen der Gegenwart bleibt.
donalphons, 01:45h
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Frage zwecks Benzin
Halten die Benzinpreise hier eigentlich jemanden ernsthaft vom Autofahren ab? Nachdem ich kurz auf der Autobahn war, machte es auch mich den Eindruck, als wäre der Liter wieder für 99 Pfennig zu haben. Ich weiss von Freunden, dass man in Italien gerade gerne kriecht oder noch mehr radelt, aber in Deutschland geht alles so weiter wie immer.
donalphons, 01:41h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 24. August 2012
Mit Tricks über den Berg.
Radsport, also richtiger Radsport, ist hässlich. Dopingverseucht. Und dass Lance Armstrong nun aufgibt, gegen seine Überführung zu kämpfen, ist nicht weniger als gerecht. Es wird aber den Sport nicht besser machen. Abgesehen davon glaube ich nicht, dass Radsport die böse Ausnahme ist. Bei einem Sport wie Fussball, bei dem es global um ein Vielfaches an Geld und Einfluss geht, wäre es überraschend, wenn es anders zuginge. Nur sind da meines Erachtens viele Fans in Deutschland so verblendet wie die Italiener bei den Radlern. Und das Kartell der Wegschauer und Überseher dürfte so gut sein, wie es im Radsport vor 20 Jahren war. Und wenn die Kanzlerette im Stadion ist, wird sich daran auch nichts ändern. Die Hässlichkeit des Leistungssports ist nur die übelste Ausformung dessen, was uns in Sachen Körper, Fitness und Lebensverhalten von der einen Seite der Körperindustrie eingeprügelt wird, während auf der anderen Seite Lebensmittelkonzerne nicht müde werden, Billigfrass, Milchschnitten und geklebten Zuchtdreck als Ernährung anzubieten.

Ich liege zwar noch meistens darnieder, und das Hinknien auf dem rechten bein ist keine gute Idee, aber so eine ähnliche Win-Win-Situation, wo man es sich vorne und hinten leicht macht, habe ich jetzt auch gebaut. das ist kein Doping, nur ein klein wenig feige. Aber etwas Feigheit gilft bekanntlich, das Leben zu verlängern, alle Helden sterben früh, berichtete einmal Curzio Malaparte. Vorne beinhaltet die Feigheit ein historisches Kettenblatt von Stronglight mit 30 Zähnen, und hinten ein neues Titalritzel mit 27 Zähnen. Das ist eine Übersetzung mit 1 : 1.1, und es ist ausreichend für alles bis zu 15% Steigung.

Und zwar auch auf längeren Wegstrecken. Zum Vergleich: Moderne Rennräder haben ab Werk vorne meist 34 Zähne, und hinten 25. Wo deren Fahrer drei mal die Kurbel drehen, kann ich vier mal treten. Oder anders gesagt: Während mir bei den 1129 Höhenmetern des Spitzingsattels mit 39/25 die Puste ausging, hoffe ich nun, noch etwas höher zu kommen. Der Brenner sind vom Tal aus 300 Höhenmeter mehr, der Jaufenpass 500 Höhenmeter. Ganz langsam, Schritt für Schritt, so stelle ich mir das vor, und immer im Sattel bleiben, während die Kette über Titan schnurrt. Es wäre auch vielleicht gar nicht nötig gewesen, dafür ein neues Rad zu bauen. Aber im Winter, wenn es billig ist, kam so einiges zu mir, und das habe ich jetzt zusammengefügt. Halbe Räder herumstehen haben, noch dazu von dieser Klasse, das regt schon an meinem Gewissen, und das ist jetzt wieder rein.

Grossbild
Das Rad ist übrigens aus Stahl, und wiegt trotzdem nur wenig mehr als 8 Kilo. Das Rahmenmaterial, Columbus Nemo, ist ziemlich grenzwertig, aber dafür wiegt der Rahmen 1540 Gramm. Es gibt Carbonrahmen, die schwerer sind. Überflüssig zu sagem, dass sich diese Stücke nicht durchgesetzt habem. Es fährt sich, verglichen mit meiner Carbonrakete, bei der hinter jeder Bodenwelle vom durchgeschüttelten Radler der Freilauf mit einem lauten Klack neu verriegelt wird, sagenhaft weich. So langsam ich damit hochkrieche, sollte ich dann auch hinunterfahren. Und deshalb habe ich - man will diesmal heil ankommen - auch besondere Bremsbeläge drauf.

Ich weiss nicht, ob ich das 2012 noch schaffe, nach Meran zu radeln. Mein Leben ist im Moment etwas chaotisch und von Unwägbarkeiten geprägt, und die Ruhe und Gelassenheit, auf die man sich als Designer von meiner Seite vielleicht vor einem Jahr noch verlassen konnte, wenn man etwas Sinnvolles umschmeissen wollte, ist dahin. Ich bin im Moment auisgesprochen durchsetzungsfreudig bis an die Grenze der Rücksichtslosigkeit, gänzlich frei von Charme und Nachsicht. Es gibt genug Dinge, die sich momentan eher knirschend fügen denn wie das Scapin sich freudig vereinen, ich greife dann gern zum Hammer, statt zur Pinzette, und zu all dem kommen Fragen wie Wetter, Sonnenscheindauer und ein eng gesteckter Terminkalender. Ich las heute ein Buch über die Jugend der bayerischen Könige, und die Gewalt, mit der sie als Kinder gegeneinander vorgegangen sind, mit dem Versuch, sich gegenseitig wirklich umzubringen: Soweit bin ich nicht, da ist noch weit hin, aber ich denke, so ein Berg, ein Pass oder zwei, die täten mir schon gut, um mich ein wenig zu sortieren. Ganz langsam natürlich. So wie Gottes Mühlen.

Es get nicht um Leistung oder Körperkult, sondern einfach
Ich weiss nicht, wer das gesagt hat, aber als jemand fragte, warum man auf den Berg steigt, gab es die Antwort:
Weil er da ist.
Ich will über die Berge. Weil sie da sind, weil dahinter Meran liegt, und weil ich wissen will, ob das geht.

Ich liege zwar noch meistens darnieder, und das Hinknien auf dem rechten bein ist keine gute Idee, aber so eine ähnliche Win-Win-Situation, wo man es sich vorne und hinten leicht macht, habe ich jetzt auch gebaut. das ist kein Doping, nur ein klein wenig feige. Aber etwas Feigheit gilft bekanntlich, das Leben zu verlängern, alle Helden sterben früh, berichtete einmal Curzio Malaparte. Vorne beinhaltet die Feigheit ein historisches Kettenblatt von Stronglight mit 30 Zähnen, und hinten ein neues Titalritzel mit 27 Zähnen. Das ist eine Übersetzung mit 1 : 1.1, und es ist ausreichend für alles bis zu 15% Steigung.

Und zwar auch auf längeren Wegstrecken. Zum Vergleich: Moderne Rennräder haben ab Werk vorne meist 34 Zähne, und hinten 25. Wo deren Fahrer drei mal die Kurbel drehen, kann ich vier mal treten. Oder anders gesagt: Während mir bei den 1129 Höhenmetern des Spitzingsattels mit 39/25 die Puste ausging, hoffe ich nun, noch etwas höher zu kommen. Der Brenner sind vom Tal aus 300 Höhenmeter mehr, der Jaufenpass 500 Höhenmeter. Ganz langsam, Schritt für Schritt, so stelle ich mir das vor, und immer im Sattel bleiben, während die Kette über Titan schnurrt. Es wäre auch vielleicht gar nicht nötig gewesen, dafür ein neues Rad zu bauen. Aber im Winter, wenn es billig ist, kam so einiges zu mir, und das habe ich jetzt zusammengefügt. Halbe Räder herumstehen haben, noch dazu von dieser Klasse, das regt schon an meinem Gewissen, und das ist jetzt wieder rein.

Grossbild
Das Rad ist übrigens aus Stahl, und wiegt trotzdem nur wenig mehr als 8 Kilo. Das Rahmenmaterial, Columbus Nemo, ist ziemlich grenzwertig, aber dafür wiegt der Rahmen 1540 Gramm. Es gibt Carbonrahmen, die schwerer sind. Überflüssig zu sagem, dass sich diese Stücke nicht durchgesetzt habem. Es fährt sich, verglichen mit meiner Carbonrakete, bei der hinter jeder Bodenwelle vom durchgeschüttelten Radler der Freilauf mit einem lauten Klack neu verriegelt wird, sagenhaft weich. So langsam ich damit hochkrieche, sollte ich dann auch hinunterfahren. Und deshalb habe ich - man will diesmal heil ankommen - auch besondere Bremsbeläge drauf.

Ich weiss nicht, ob ich das 2012 noch schaffe, nach Meran zu radeln. Mein Leben ist im Moment etwas chaotisch und von Unwägbarkeiten geprägt, und die Ruhe und Gelassenheit, auf die man sich als Designer von meiner Seite vielleicht vor einem Jahr noch verlassen konnte, wenn man etwas Sinnvolles umschmeissen wollte, ist dahin. Ich bin im Moment auisgesprochen durchsetzungsfreudig bis an die Grenze der Rücksichtslosigkeit, gänzlich frei von Charme und Nachsicht. Es gibt genug Dinge, die sich momentan eher knirschend fügen denn wie das Scapin sich freudig vereinen, ich greife dann gern zum Hammer, statt zur Pinzette, und zu all dem kommen Fragen wie Wetter, Sonnenscheindauer und ein eng gesteckter Terminkalender. Ich las heute ein Buch über die Jugend der bayerischen Könige, und die Gewalt, mit der sie als Kinder gegeneinander vorgegangen sind, mit dem Versuch, sich gegenseitig wirklich umzubringen: Soweit bin ich nicht, da ist noch weit hin, aber ich denke, so ein Berg, ein Pass oder zwei, die täten mir schon gut, um mich ein wenig zu sortieren. Ganz langsam natürlich. So wie Gottes Mühlen.

Es get nicht um Leistung oder Körperkult, sondern einfach
Ich weiss nicht, wer das gesagt hat, aber als jemand fragte, warum man auf den Berg steigt, gab es die Antwort:
Weil er da ist.
Ich will über die Berge. Weil sie da sind, weil dahinter Meran liegt, und weil ich wissen will, ob das geht.
donalphons, 01:41h
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Na dann.
Die Piratenpartei Deutschland begrüßt ausdrücklich die Klarstellung, dass ein Bundeswehreinsatz ausschließlich in Katastrophen- und Unglücksfällen in Betracht gezogen werden kann, bei denen ein katastrophaler Schaden bereits eingetreten ist oder mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit droht.
http://www.piratenpartei.de/2012/08/18/bundesverfassungsgericht-setzt-einsatz-der-bundeswehr-im-inneren-enge-grenzen/
Was brauchen die Piraten?
[ ] Einen neuen Vorstand
[ ] Einen richtigen Pressesprecher anstelle der gefühlten Praktikantin
[ ] Neue Wähler
(Mehrfachnennungen möglich)
Edit: Hübsche Innenansicht des innerparteilichen Medienverständnisses von Johannes Ponader. Vielleicht möchte ja doch mal jemand in München anrufen und fragen, was für ein Konflikt genau bei der BGE-Bewegung vorlag? Daraus könnte man so einiges über die Person lernen.
Edit2: Kaffeebeimir vergleicht Altirre mit Neupostengeilen. (Meine Interpretatation)
http://www.piratenpartei.de/2012/08/18/bundesverfassungsgericht-setzt-einsatz-der-bundeswehr-im-inneren-enge-grenzen/
Was brauchen die Piraten?
[ ] Einen neuen Vorstand
[ ] Einen richtigen Pressesprecher anstelle der gefühlten Praktikantin
[ ] Neue Wähler
(Mehrfachnennungen möglich)
Edit: Hübsche Innenansicht des innerparteilichen Medienverständnisses von Johannes Ponader. Vielleicht möchte ja doch mal jemand in München anrufen und fragen, was für ein Konflikt genau bei der BGE-Bewegung vorlag? Daraus könnte man so einiges über die Person lernen.
Edit2: Kaffeebeimir vergleicht Altirre mit Neupostengeilen. (Meine Interpretatation)
donalphons, 23:32h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Donnerstag, 23. August 2012
Die Wege der anderen
Ich muss mich, sagte ich zur Kollegin, noch ein wenig verschieben, sonst wird es eng mit der Sonne. Und dann verschob ich mich. Über mir sirrten Schwalben. Die Kollegin hat auch einen Balkon, aber den darf man nicht betreten. Und wenn es finster wird, sieht man dort auch keine Sterne. Die Sonne ist etwas, das Klimanlage und Jalousien verstellt. Schon komisch.

Es gibt vieles, das ich an meinen Arbeiten mag. Ich mag es, wenn ich etwas mit den Händen tun kann, und den Druck, hinauszugehen und etwas zu erleben, um darüber schreiben zu können. Momentan habe ich so viel erlebt, dass ich sogar liegen bleiben kann, was meinem Bein gut bekommt.In Sachen Geschichten bin ich eine Kuh geworden, ich fresse die Weise des Lebens ab, verdaue viel und am Ende kommt eine beliebte Erzählungsheumilch frei von Schleichwerbezusatzstoffen heraus. Aber im Gegensatz zur Kuh kann ich frei entscheiden, auf welche Weide ich gehe. Und Welten trennen mich von der Stallhaltung, selbst wenn im Moment die Ruhe das wichtigste ist. Für die Wunden (Schreiben tut immer noch weh), aber auch wegen der Hitze. Ich habe das mal zusammengerechnet: Ich bin dieses Jahr insgesamt sicher 4000 Kilometer geradelt. Da darf man auch mal pausieren.

Das grösste Privileg aber: Ich muss nicht irgendwohin pendeln, wo mir dann alles vorgeschrieben wird, vom Bodenbelag über die Lampe bis zur Tischhöhe. Mein Weg zur Arbeit führt über drei Teppiche an 40 Bildern und einigen Büsten vorbei zu einem Chippendale-Sofa aus Samt mit grünen Streifen. Beuge ich mich nach vorn, arbeite ich, falle ich nach hinten, höre ich auf und denke nach. Darüber, wie es wohl wäre, müsste ich mit einem öffentlichen Verkehrrsmittel fahren, warten, Werbung anschauen, mich schubsen und auch mal kontrollieren lassen, jeden Tag eine Stunde Zeit verlieren, und irgendwo ankommen, wo ich wenig zu sagen habe. Ich höre, dass es in Firmen oft um die Autostellplätze geht: Ich habe vier Stück davon. Und ich bin deshalb für ein normales Arbeitsleben so ziemlich unvermittelbar.

Ich war mal in München bei einem Thinktank von Mannesmann eingeladen, dessen Arbeiter keine Arbeitsplätze mehr hatten, sondern nur noch private Kästen zum herumschieben. Und alle mussten das toll finden, es kam ja auch von einem anderen Thinktank, und sollte die Kommunikation fördern. Das ist dann vermutlich der Endpunkt, wenn es gar keine gefühlt eigenen Plätze mehr gibt, zu denen man fährt. In den letzten Tagen gab es in Berlin und Hamburg einige Bemerkungen in meine Richtung, die sich am Kuchen, an den Kannen und dem Gebäude festhielten. Das ist nicht das Privileg. Es ist die Freiheit, die eigene Wohnung, und der Sternenhimmel, der langsam verschwindet, wenn das Gewitter heraufzieht.
Aber das versteht man nur, wenn man an Orten lebt, wo es noch Sterne gibt, und dankbar dafür ist, dort zu leben, wo alle anderen davor auch schon waren. Niemand kennt den Tag oder die Stunde, aber ich bin dankbar um alle Stunden, die ich davor schon nicht pendeln muss.

Es gibt vieles, das ich an meinen Arbeiten mag. Ich mag es, wenn ich etwas mit den Händen tun kann, und den Druck, hinauszugehen und etwas zu erleben, um darüber schreiben zu können. Momentan habe ich so viel erlebt, dass ich sogar liegen bleiben kann, was meinem Bein gut bekommt.In Sachen Geschichten bin ich eine Kuh geworden, ich fresse die Weise des Lebens ab, verdaue viel und am Ende kommt eine beliebte Erzählungsheumilch frei von Schleichwerbezusatzstoffen heraus. Aber im Gegensatz zur Kuh kann ich frei entscheiden, auf welche Weide ich gehe. Und Welten trennen mich von der Stallhaltung, selbst wenn im Moment die Ruhe das wichtigste ist. Für die Wunden (Schreiben tut immer noch weh), aber auch wegen der Hitze. Ich habe das mal zusammengerechnet: Ich bin dieses Jahr insgesamt sicher 4000 Kilometer geradelt. Da darf man auch mal pausieren.

Das grösste Privileg aber: Ich muss nicht irgendwohin pendeln, wo mir dann alles vorgeschrieben wird, vom Bodenbelag über die Lampe bis zur Tischhöhe. Mein Weg zur Arbeit führt über drei Teppiche an 40 Bildern und einigen Büsten vorbei zu einem Chippendale-Sofa aus Samt mit grünen Streifen. Beuge ich mich nach vorn, arbeite ich, falle ich nach hinten, höre ich auf und denke nach. Darüber, wie es wohl wäre, müsste ich mit einem öffentlichen Verkehrrsmittel fahren, warten, Werbung anschauen, mich schubsen und auch mal kontrollieren lassen, jeden Tag eine Stunde Zeit verlieren, und irgendwo ankommen, wo ich wenig zu sagen habe. Ich höre, dass es in Firmen oft um die Autostellplätze geht: Ich habe vier Stück davon. Und ich bin deshalb für ein normales Arbeitsleben so ziemlich unvermittelbar.

Ich war mal in München bei einem Thinktank von Mannesmann eingeladen, dessen Arbeiter keine Arbeitsplätze mehr hatten, sondern nur noch private Kästen zum herumschieben. Und alle mussten das toll finden, es kam ja auch von einem anderen Thinktank, und sollte die Kommunikation fördern. Das ist dann vermutlich der Endpunkt, wenn es gar keine gefühlt eigenen Plätze mehr gibt, zu denen man fährt. In den letzten Tagen gab es in Berlin und Hamburg einige Bemerkungen in meine Richtung, die sich am Kuchen, an den Kannen und dem Gebäude festhielten. Das ist nicht das Privileg. Es ist die Freiheit, die eigene Wohnung, und der Sternenhimmel, der langsam verschwindet, wenn das Gewitter heraufzieht.
Aber das versteht man nur, wenn man an Orten lebt, wo es noch Sterne gibt, und dankbar dafür ist, dort zu leben, wo alle anderen davor auch schon waren. Niemand kennt den Tag oder die Stunde, aber ich bin dankbar um alle Stunden, die ich davor schon nicht pendeln muss.
donalphons, 01:32h
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Er hat sich bemüht.
donalphons, 01:23h
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