: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Mittwoch, 14. November 2012

Einschlafen

Stell Dir vor, Du schreibst drei Beiträge. Alle bekommen einen guten Lauf. Alle haben ein brandaktuelles Thema. Und jedes mal setzt Du noch eins drauf und wirst noch besser angeboten. 6600, 9600, 15600 mal werden Deine Beiträge angeklickt. Aufwachen, schreist Du Deine Leser an. Das ist superwichtig, relevant set, Seite eins, ganz gross.







Unter den 6600 sagt keiner was. Unter den 9600 sagt keiner was. Unter den 15600 sagt keiner was. Niemand. Was immer Du da angebrüllt hast, was immer Du im Klickweg gewesen bist: Es hat Dir nichts zu sagen. Es will nicht mit Dir reden. Es klickt, aber was es dann tut, wer weiss, vielleicht dreht ves nach dem ersten Satz schon wieder ab.







Dein Job ist die Vermittlung zwischen Kulturräumen, als vergleichbar meinem Job. Bei Dir ist es ein fernes Land, die komplexe Wissenschaft, eine seltsame Kunstform, bei mir eine den meisten sehr ferne und unerreichbare Klasse. Unsere Aufgaben ähneln sich, aber ich würde meine Leser nie so anbrüllen. Du bist ganz wichtig bei wichtigen Ereignissen, ich bin unbedeutender Beobachter von Dingen, die auf den ersten Blick bedeutungslos sind. Und wenn meine Beiträge nach 200 Besuchern so aussehen wie Dein Standard, bekomme ich schon die Krise und glaube, meine Leser verloren zu haben.







Und ich habe eine Krise. Gestern Abend habe ich im vollen Bewusstsein, an wer das geht und was das bedeuten kann, geschrieben, was ich möglicherweise bin: Alles andere als ein Heils- und Leserbringer, sondern nur eine Art Lampenputzer auf der Titanic, der dafür sorgt, dass die Kristalle so schön funkeln, wenn das Schiff gegen den Eisberg knallt. Dass mein Tun hübsch aussieht und keinerlei Bedeutung hat. Und in der Folge, dass es sinnlose Verschwendung ist. Solche Gedanken mache ich mir, ich kann sie nicht wegschieben, weder auf dem Rennrad beim Sonnenuntergang noch zwischen Nacht und Morgen. Dass ich mir alle Mühe vielleicht im Falschen gebe. Und dass ich auch noch schade, weil viele denken, so lange die Leuchter nur funkeln, wird schon alles gut - aber die Gefahr draussen in der Dunkelheit sieht man nicht. Ich habe gerade enorme Probleme - nicht durch meinen Job, da meine ich schon erreichen zu können, was mir wichtig erscheint. Aber mit dem Gesamtsystem und meiner Rolle.







Du aber hast keinen einzigen Kommentar. Oder mal einen auf 2000 Leser, wenn Dein Beitrag lang auf der Hauptseite steht. Du scheinst damit gut leben zu können. Du machst das immer wieder so, manchmal seit Monaten, oder auch seit Jahren und von Anfang an. Du füllst ein Blog. Es passiert so gut wie nichts. Und bei mir laufen welche auf und beschweren sich über die Identitäten meiner Autoren von zigtausend Kommentaren.

Ich weiss genau, warum ich die Krise habe. Ich weiss, wie ich sie bekämpfe. Da muss ich durch. Ich würde es mir auch gern mal so leicht machen können und sagen, ach was, ist doch egal. Wir sind sowieso alle auf dem gleichen falschen Dampfer, da spielt das doch keine Rolle, welcher Passagier wo etwas sagt. Vielleicht, das ist meine Hoffnnung, schaut ja jemand mal auf diese vielen, vielen Klicks und die ausbleibenden Reaktionen, und erkennt, dass das sehr viel mehr bedeutet, als all mein Funkeln und Gleissen.

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Verloren im Datenraum

Zwei Nachrichten: Die Frankfurt Rundschau ist pleite. Die Financial Times Deutschland wird eventuell bald eingestellt.

Und: Twitter ist mal wieder um 50% in Deutschland gewachsen, in einem Jahr, auf über 800.000 Accounts.

Da könnte man natürlich ins Grübeln kommen.

Andererseits muss man natürlich auch sehen: jetzt sollen es über 800.000 aktive Twitteraccounts aus Deutschland sein; vor drei Jahren, als ich zu dem Thema einen Vortrag bei den Medientagen hielt, zweifelte ich an der von anderen hinausposanten Zahl von 1,8 Millionen deutschen Twitternutzern. Ich denke, der Fehler der Überschätzung ist deutlich erkennbar, und nichts garantiert uns, dass all diese hübschen Accounts überhaupt echt sind.

Der Rundschau hilft das auch nicht weiter. Es hat sich halt vieles vom Leben ins Netz verlagert, man kann das bekritteln oder begrüssen, aber es ist eine Tatsache, der man sich stellen muss. Und weil dieser Prozess seit gut 10 Jahren an der Substanz der Medien nagt - 2002, während der New Economy, verdiente man ja erst nch blendend und schmiss das Geld mit vollen Händen raus - haben sich die mesten einfach zu viel Zeit gelassen, sich etwas einfallen zu lassen. Und jetzt haben sie drei Ideen:

- Sparen (idealerweise aber nicht in der Redaktion, wo die ganzen Versager sitzen, die in diesen zehn Jahren nicht mal versucht haben, ob so ein Twitteraccount oder ein beantworteter Kommentar etwas bringen könnte)

- Leistungsschutzrecht (Ich glaube nicht, dass Google zahlt, die werden eher die Medien rauskicken und lachen)

- Zahlschranken (für die Leser, um die sie sich bislang einen Dreck gekümmert haben)

Und leider sitzen in den Verlagen auch viel zu wenig Leute, die solche Veränderungen voran treiben - wer das macht, ist sowieso meistens in der PR. Ich höre Klagen über zurückgehende Werbebuchungen der Autokonzerne - nun, die haben sich ihr eigenes Bloggernetzwerk aufgebaut, das kostet wenig und macht viel Wind. In den zeitungen schaut man da nicht mal nach, sondern macht einfach weiter. Dabei ist es nun mal nicht gleichgültig, ob man einen Printtext im Blatt oder in einem Blog hat: Wer einen Beitrag auf 20.000 Page Impressions treibt, weil er tagelang auf der Website zu sehen ist, aber nur 3 Kommentare hat, zwei davon Spam, und vielleicht noch den Umstand bejubelt, dass er selbst auf einen Toplisten-Linkbait hereinfällt, macht nicht nur etwas falsch, sondern alles.

Die unfassbare Arroganz und Verachtung, mit der in vielen Häusern den Kunden entgegengetreten wird, sieht man auf der anderen Seite, wenn es um das Bezahlen geht: Dafür bräuchte man nämlich so etwas für Sympathieträger. Niemand zahlt an einer Stelle, wo man ihn schlecht behandelt, und daneben jede Menge Alternativen sind. Und das Gerede vom Qualitätsjournalismus verdeckt nur das Problem, dass es keine

QUALITÄTSKUNDENBEZIEHUNG

gibt. Man muss sich nur mal den Onlineauftritt der FR anschauen, um zu verstehen, was da passiert ist: Das ist kein Anknüpfungspunkt. Dafür bekommt man keine Fans. Da sagt kein Mensch, wow, her damit. Oder: da will ich mitreden und dabei sein. Damit möchte ich mich irgendwie identifizieren, dafür komme ich morgen wieder. Ohne solche Kunden kann man in Deutschland das gerede von Bezahlschranken komplett vergessen. Und für solche Kunden braucht man Spezialisten. Leute, die so etwas wie das hier schreiben, das Menschen wirklich berührt. Nicht Autoren oder Edelfedern, sondern Malocher in den Goldminen der Kundschaft. Menschen mit Hingabe. Leute, die auch noch nachts um drei Kommentare beantworten. Fährtensucher, die ein Gefühl für das Medium haben, in dem jetzt alle sind, um dann einen Teil dieser Alle dorthin zu ziehen, wo sie nicht mehr sind - eben bei den Medien. Die Leute sind nicht einfach nur gegangen, man hat sie oft genug auch vergrault. Und man muss sie dann wieder für Print zu begeistern. Das dann aber anders sein muss. Man kann nicht mit Rezepten, die online klar gescheitert sind und nicht ziehen, weiter eine gedruckte Zeitung machen - zumindest nicht, wenn man überleben will. Man kann übrigens auch mit guter Leistung krepieren, wie man in den USA laufend sieht, wo die Kosten einfach zu hoch sind.

Jede normale Firma würde in dier aktuellen Lage sagen: OK. Was ist das neue Geschäftsmodell, wo sind die Kunden, wie sprechen wir sie an. Wer von uns hat das jetzt schon im Kreuz, den stellen wir vorne hin. Wer von uns kann das lernen - den packen wir in die zweite Reihe und bilden den aus. Der Rest macht halt Füllzeugs oder gar nichts mehr.

Spassigerweise läuft es eher andersrum. Klar, das Arbeitsrecht. Und die Redaktionspolitik, und die eine sorgt noch schnell dafür, dass ihr Haschipopperl trotz allem ein ungelesenes Blog schreiben darf, weil das Thema ja so wichtig ist. die FR hat gezeigt, wie man das macht, der Westen auch und der Focus: Gebracht hat es nichts. Die einen sterben an der Labbrigkeit und die anderen an ihrer Politik, man muss das nicht bedauern. Mir kann es egal sein. Leute wie mich wird man immer irgendwo brauchen. Und ich würde, wenn mich ein Brausehersteller direkt bezahlen würde, und nicht über die Anzeigenabteilung, auch nicht anders arbeiten. Ich bin ein Rebell mit Markt.

Es ist 2012. Ich muss leider sagen, dass die PR-Anjatanjas in den letzten 10 Jahren sehr viel besser wurden. Die haben gelernt, die haben begriffen, und wenn sie mal wieder an meiner Tür kratzen, bin ich deshalb auch sehr freundlich in meinen Absagen. Die Anjatanjas haben kein Problem, die Schwäche der Zeitungen auszunutzen. Aber der Journalismus liebt weiterhin grosse Worte und bigotte Selbstsichten, auch noch am Grab der Kollegen, bevor es zurück zur Redaktionstaktik und die wichtige Ausstellung eines von der Öffentlichkeit viel zu wenig beachteten Künstlers mit besten Beziehungen zu einer Freundin geht. Da geht es dann weiter wie gehabt. "Hummer vernichtet" las ich kürzlich von jemandem auf einer Journalistenreise.

So weit wird dort gedacht. Und kein Stückerl weiter. Man sollte sich die Tränen besser sparen.

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Montag, 12. November 2012

Klassenkampf mit Oben

Hier ist der neueste Beitrag der Stützen der Gesellschaft. Es sind ein paar Dinge, die ich unbedingt nochmal erzählen wollte, daher geht der Text auch so durcheinander, hat keinen richtigen Kern. Er ist in meiner Intention nur schwer verständlich und, wenn man zu wenig über mich weiss, auch nicht zu entschlüsseln. Ich weiss schon, warum ich gerne die Fähigkeiten des Kastaniensammelns kultiviere.

Es gibt diesen schönen Spruch als Lampedusas Leopard, der besagt, es müsse sich alles ändern, damit alles gleich bleiben kann. In einer Abwandlung würde ich nach den letzten Tagen sagen, dass sehr viel geschehen muss, damit nichts geschieht. Und es kann sehr viel geschehen, weil mir auf einer anderen, sehr wichtigen Ebene nichts geschehen kann.

Der Beitrag, den ich wirklich hätte schreiben müssen, hätte sich mit Privilegien auseinandergesetzt, und der Frage, wie man sie einsetzt. Das seltsame ist, dass unsereins immer panisch darauf bedacht ist, die Privilegien abzustreiten und zu leugnen, bis der Moment da ist, da man sie wirklich braucht. Da gleitet man nicht hinein, es ist wirklich ein Entweder-Oder. Entweder man kommt ohne sie aus, oder man nutzt sie, dann aber ohne jede Rücksicht. Und das ist es, was uns, von Aussen betrachtet, so unkontrollierbar macht. Wir sind keine Soziopathen, wir sind einfach nur gefangen in Konventionen, von denen uns zu berfreien eigentlich keinem geraten werden kann. Zumal wir es auch nie gelernt haben. dann das richtige Mass zu finden. Es ist bei uns wie mit Karl Moor, die Beritschaft, das Gefüge der Welt ins Wanken zu briungen, ist nach dem Ende der onventionen immer da. Wir wissen, dass es nicht richtig ist, aber hinter diesem Punkt ist uns das vollkommen egal. Wir ordnen uns bereitwillig Zwängen unter, bis das nicht mehr geht, und danach gibt es kein Halten mehr.



Kurzum, wir sind nicht wirklich das, was man als kompromisstauglich bezeichnet. Das kommt noch aus einer Epoche weng ausgeprägter staatlicher Strukturen, als die Klasse und die Familie weite Teile des Verhaltens vorschrieben. So eine geschlossene Gesellschaft kann vermutlich wirklich nur existieren, wenn sie klare Regeln hat, und dahinter kommen dann eben keine Regeln mehr. Es gibt immer noch einen aberwitzigen Ehrbegriff, über den ich mich selbst dauernd lustig mache, bis ich merke, wohin ich selbst davon getrieben werde. Ich stelle das über alles. Mir sind mein Beruf, meine Beziehungen, jahrelang gepflegte Kontakte egal, wenn es um die Ehre geht. Ich habe überhaupt kein Interesse, etwas zu tun, wenn meine Loyalität als irrelevant betrachtet wird. Und das kann man sich nur leisten, wenn man aus meiner Welt kommt. In allen anderen Welten sieht das total irre und bescheuert aus, aber, wir sind ja im entgrenzten Stadium, da kann man das auch sagen, das ist ja auch der Grund, warum wir immer noch eine Klassengesellschaft haben: Echte Partner mit unseren Ehrbegriffen finden wir nun mal am besten bei uns selbst. Wölfe zu Wölfen, Pudel zu Pudeln.



Und das ist auch der Grund, warum man genau so ist: Die eigene Klasse versteht es, wenn man es so macht, und dabei am anderen System scheitert. Das gehört dazu, man kann nicht jeden Kampf gewinnen, und es gibt genug andere Mögiichkeiten. Man kann nach unseren Regeln ehrenhaft verlieren, und dann anderweitig weitermachen. Andere Systeme sind gegenüber Versagern weitaus anfälliger, da sind dann genug Mittelenthemmte da, die jede Chance nutzen, um sich selbst nach vorne zu bringen. Eine Klasse hat überhaupt kein Interesse daran, die eigenen Mitglieder beim ehrenhaften Scheitern den Ratten vorzuwerfen, und es muss schon viel passieren, bis man sich auch von weniger sauber agierenden Mitgliedern wirklich trennt. Man will das eigene System aus Rücksichten und Vorteilen nicht gefährden. Das alles spielt in Kreisen, in denen kein Raum für Rücksichten da ist, keine Rolle. Überhaupt keine, wie ich festgestellt habe.



Das grossbürgerliche Zeitalter, das lerne ich jeden Tag auf's Neue, die Welt, für die ich in der bayerischen Provinz erzogen wurde, gibt es nicht mehr. Was es noch gibt, ist die Klasse, und je älter ich werde, desto besser verstehe ich, warum es sie gibt, und warum sie so ist. Warum, denkt man sich immer wieder, verbeissen die sich in die Sachen so rein. Warum all diese unerbittlichen Kämpfe um vollkommen unbedeutende Anlässe, warum immer prinzipiell und ohne Bereitschaft in Zwischenlösugen zu denken. Warum sehen sie nicht, dass man anders vielleicht weiter kommen würde.

Weil sie so sind, und weil sie das können. Und weil sie gelernt haben, dass der Rest alles andere erheblich besser kann. Nur die totale Hingabe ohne Rücksicht auf eigene Verluste, das können sie nicht.

Wir haben Reserven und Alternativen. Die nicht.

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Sonntag, 11. November 2012

Danke, David

Früher fielen Generäle auf dem Schlachtfeld, heute fallen sie durch Emails von wütenden Frauen. Ein Hoch auf das Internet, unblutig, brutal und herzlos.

Das sollte einem eine Lehre sein. Problematisches am besten nur mündlich, und auch nicht am Telefon. Der Forwardbutton heisst auch Todesknopf.

Hätte nicht gedacht, dass so ein alter Schlächter mir doch noch für den Erkenntnisgewinn in bewegten Zeiten nützlich sein kann.

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Sonntag, 11. November 2012

Besuch aus dem Süden

Kaum zu glauben, aber das ist gerade mal zwei Wochen her.



Da oberhalb des Sees, auf en Bergen, kommt bald das Asiago, die sieben Gemeinden, und von dort kommt auch cder Käse des gleichen Namens. Und dann war da noch einer, der sagte, da lege ich Feigen vom Gardasee drauf.



Und dann war da ein anderer, der ihn über die Berge brachte, und an diesem kalten, nassen Samstag angeboten hat. Man muss beim Essen die Augen schliessen und sich erinnern, und nicht an das denken, was draussen und woanders gerade ist.

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Wahlnachwehen

Es gab da übrigens eine lustige Sache nach den Wahlen: Ein den deutschen Medienschaffenden bis dato vollkommen unbekanntes Blog der New York Times wurde in den USA so oft verlinkt und gut platziert, dass es viel gelesen und Gegenstand amerikanischer Berichte wurde. Und die wiederum wurden dann von deutschen Medien breit und unkundig abgeschrieben. Zahlen und Statistiken, das lieben Medien, das gibt ihnen wieder den Anschein, echte wahrheiten zu verkünden, und nicht nur Spin und schräge Meinung.

Lustigerweise gibt es aber auch noch andere Erklärungsmöglichkeiten für Wahlergebnisse, die auch wissenschaftlich sein wollen, und sicher nicht schräger als Statistik sind. In der FAZ.

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Samstag, 10. November 2012

In die Nacht

Manche werden denken, es ist Zeit, die rennräder einzumotten, und auf das Frühjahr zu warten. Aber es ist ganz anders. Ich brauche das. Es nimmt die Spitze meiner negativen Gefühle, und ausserdem passt das Wetter bestens zu meiner Laune. Ich könnte mir etwas Schöneres vorstellen, aber es ist stimmig. Dass es früh finster wird, stört mich nicht, denn in meinem Leben wird es auch wieder hell. Bei anderen bleibt es schwarz, für immer.














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Willkommen in der Oberpfalz

Haha, gleich fahre ich nach Neumarkt in der Oberpfalz, den Ort des ersten Piratenbundesparteitags für 2013, und mache ein paar wunderschöne Bilder.

FÜR ALL DIE DUMMEN BERLINER WINSLER AN IHREN RECHNERN, DIE WIRKLICH GLAUBEN, ES GÄBE DA NUR ZWEI HOTELS UND ES SEI TOTALE PAMPA.

Ihr widerliches Twittergeschwür am Piratenhintern, das ist eine Stadt mit 40000 Einwohnern am Rande der Grossregion Nürnberg, durchaus eingerichtet für Gäste und prima erreichbar. Google Maps und Holidaycheck sind nicht die reale Welt, und nur, weil es dort kein Foursquare gibt, ist die Zivilisation nicht vorbei - ganz im Gegenteil, da gibt es auch noch ganz normal arbeitende und konsumierende Menschen mit einem für den deutschen Durchschnitt akzeptablen Umfeld. Und eine schöne Landschaft. Und Sehenswürdigkeiten, vor die keine Horde Australier gekozt hat.

Also einfach die Normalität in diesem Land, ein verkehrstechnisch günstig gelegener, keinesfalls zu teurer Ort in einer Region, die auch Macgeschäfte kennt, und gegen die Berlin ein Slum im sibirischen Nichts ist.

OK, das ist Berlin auch sonst, aber vielleicht tut es den Asis auch mal gut zu sehen, dass die Mehrheit der Deutschen in mittelgrossen, funktionierenden Städten lebt und selbst die Kreativen vor Ort jetzt nicht so absolut das Publikum für queerfeminsitischen Extremismus, Gesellschaftskunst und Durchwurschteln auf Kosten anderer sind. Und Lauers miese Mobbertruppe aus sem Senat kann dort sicher auch noch von der CSU was lernen. Also, herzlich willkommen im schönen Bayern, Ihr Berliner. Setzt Euch, nehmt eine Keks und schaut Euch um in der Realität des Landes.

Dann wisst Ihr schon am Anfang des Jahres, warum Euch bundesweit so wenige Menschen gewählt haben werden: Weil ihr auch nur so ein Prozent seid, das die 99% nicht finanzieren wollen.

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Freitag, 9. November 2012

Mehr Charme und Geschenke

Ich habe übrigens meine ganz eigene Theorie zum Medienwandel. Ich glaube, dass der Absturz der Zeitungen weniger etwas damit zu tun hat, dass die Informationen im Netz auch so zu haben sind. Der wirklich bedeutsame Faktor könnten auch die Onlineauftritte der Zeitungen selbst sein. Die Leser sagen sich dann nicht "Ah, ich habe das doch schon online gelesen, warum soll ich es kaufen", sondern "Also für das, was die da abliefern, zahle ich nicht". Ich glaube wirklich, dass Spiegel Online dem Spiegel massiv schadet. Und bei der Zeit stehen immer wieder sagenhaft bornierte Stücke im Netz, ganz gross aufgemacht, dass ich mir sage: Das braucht es einfach nicht. Und auch in der gedruckten FAZ gehen manche Beiträge einfach unter, die im Internet voll durchschlagen. Dabei geht es noch nicht mal um die Meinung, die darin transportiert wird, sondern einfach um Rechthaberei, Ignoranz und das völlige Fehlen von Charme. Und das kann in einem Land, die nun mal in den letzten 20 Jahren doch sehr charmant geworden ist, und, was zumindest das Zielpublikum solcher Produkte angeht, auch charmant unterhalten werden möchte, nicht gut gehen. Seit fast vier Jahren zeige ich, wie man reich, verwöhnt, ein wenig dumm und borniert sein kann, auch ein wenig rassistisch und obendrein mitunter sagenhaft ungebildet - aber es funktioniert. Weil es charmant ist, und die Leser das merken. Genauso merken sie es, wenn sie es mit uncharmanten, falschen und bigotten Leuten zu tun haben. Die welt wurde charmanter. Der Journalismus nicht. Damit kann man, wie die Welt, zum Sammelbecken der rechten Spinner werden. Aber das ist keine Garantie für das Überleben.







Uncharmant auch, aber unvermeidlich, dass ich auch mal wieder zurück muss. Ich war jetzt lange genug unterwegs, ich habe die Heimreise oft genug verzögert, aber so ein Haus hat die neigung, zickig zu werden, wenn man sich nicht darum kümmert. Ausserdem müssen Hausabrechnungen geschrieben werden, ich muss mit den Mieter plaudern, ob alles passt, und ganz ehrlich: Für wenig schöne Novembertage ist die eigene, grosse Wohnung mit vielen Möglichkeiten ideal. Nirgendwo ist regen trübsinniger als in Bergen, die man im Sonnenschein kennt.





Daheim ist alles wie immer, man ist so satt und zufrieden, wie man in Griechenland arm und kratzig ist. Im Hausgang ist alles voller Kartons, und eigentlich wäre das ein Anlass, mal mit den Mieterrn über Sauberkeit zu sprechen; leider sind es all die Dinge, die in den letzten Wochen von mir selbst bestellt wurden, und in meiner Abwesenheit ankamen. Die übliche Mischung aus Gemälden, Rennrädern, Stoffen, Glühbirnen (400 Stück, es ist ein grosses Haus, und wir produzieren zu viel Ökostrom, habe ich gehört). Kein Tablet, kein Rechner, keine Elektronik; man kommt sich im Internet ja irgendwie komisch vor, wenn man gar nicht weiss, wie gross diese Dinger sind, und wozu man sie brauchen könnte. Dafür kann ich Nägel in die Wand hauen, Glühbirnen wechseln und Räder herrichten.





Ich brauche das. Ich merke, ich gehe schon wieder ein wenig in Richtung drall, und es reicht, wenn es bei mir die Damen in Öl sind. Und so nehme ich, weil die Mieter ausgeflogen sind und ich nicht an die Daten komme, noch schnell ein paar Kilometer Landstrasse unter die Reifen echt deutscher Wertarbeit, wie man das früher nannte. Das war so ein typischer fall mit schlechten Bildern und untauglicher Beschreibung, und deshalb blieb es günstig: So günstig, dass es beim nächsten Besitzerwechsel sicher wieder sehr viel teurer sein wird. Und es ist auch eine kleine Belohnung. Wofür? Nun... das behalte ich für mich.







Und da stehe ich dann an der Grenze zwischen Tag und Nacht. Um 17 Uhr. Es ist nicht warm, es ist nicht schön, aber es ist das, was gerade möglich ist. Anderes wird sich vermutlich auch noch finden. Das Jahr wird noch etwas kürzer, aber es geht bei mir langsam, in kleinen, charmanten Schritten voran. Am Abend feile ich an einer halben Sexszene mit Blick über Meran. Man sollte immer so schreiben, als blickte man über das sonnige Südtirol, und nicht in die nächste Unwetterfront. Die Leser haben ein Recht darauf.

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Der Urlaub von der Bösartigkeit ist vorbei

10 Tage war ich fast nur nett und freundlich.

Das konnte natürlich nicht auf Dauer gut gehen, und so habe ich inzwischen in der FAZ darüber geschrieben, dass die infantile Nettigkeit konservativer Kreise keine Verdummung ist, sondern eine kluge Strategie des Überlebens. Schliesslich wollen wir ja nicht als vertrottelte Tea Party enden.

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Donnerstag, 8. November 2012

Bildnis des Autors als zufriedener Tortenfreund

Wohl dem, der das Ende nicht kennt.

Das macht so einen Tag sonnig und gleichzeitig auch sahnig leicht. Wenn man allenfalls nur dunkel ahnt, was vielleicht bald kommt. Nach einem sehr guten Tag, das kann man allersings annehmen, wenig, was besser sein könnte. Aber daran denkt man nicht. Warum auch. Das Umfeld hier ist so charmant, da fällt das Misstrauen schwer. Profitieren tun davon andere, die nicht hier sind, und es somit leichter haben.







Immerhin, ich habe vorgesorgt. Das ist jetzt fast ein Jahr her, und weil ich generell ungern jemand etwas schuldig bleibe, habe ich bezahlt. Wenn dann etwas passiert, wenn man erkennen muss, dass die Vorsicht gerechtfertigt war, muss man sich zumindest in diesem Punkt nicht grämen: man war schliesslich kein Gast, man muss sich nicht an Gastpflichten halten.





Das mag so kleinlich klingen, wie all das drumherum an diesem Ort in den Bergen irgendwie kitschig und vergangenheitsverhaftet wirkt. Und weil die Menschen hier nicht arm sind, erwartet man doch geradezu eine Falle dieser Menschen, das ist im Krimi auch immer so. Leider muss ich nach meinen Erfahrungen sagen, dass es so einfach nicht ist; gerechtigkeitsliebende Vertreter der Linken werden schnell egomane Scheusale, wenn sie zu befehlen haben. Und sie tun es oft genug mit dem Gefühl, gerechtigkeitsliebend zu sein, um so miserabler darf dann auch ihr Vorgehen aussehen. Vatürlich werden solche Leute dann auch später die besten Renegaten, und verpesten auch noch die andere Seite, aber irgendwie ist hiier davon nichts zu sehen. Nur der übliche grünkonservative Mainstream. Nicht klug, aber auch nicht wirklich giftig.





Auch sehe angenehm ist die Haltung dieser Region und ihrer Menschen, dass sie gar nicht erwarten, man würde irgendwie Karriere machen. Wenn ich erzähle, was ich so tue, sagt keiner, ich sollte mich doch lang machen und um Einlass in die Redaktion nachsuchen. Man findet es recht anerkennenswert, dass ich einfach hier bleibe und das tue, was ich kann. Sie denken, dass es ansonsten vielleicht gar nicht gut ausgegehen muss, und das Schicksal einer Beziehung drohen könnte: Vier Jahre lebt man in getrennten Wohnungen, dann zieht man zusammen und rumms, geht es schief. Hier sagen sie, es ist richtig zu bleiben, zu sitzen, in die Sonne zu blinzeln und den Kuchen zu essen. Niemand erwartet hier mehr von mir. Das wäre nicht überall so. Ich bin Historiker; ich weiss, dass jeder Gewinn insgesamt, alles zusammengenommen, auch viel Verlust bedeuten kann. Ypern, Verdun, Marne, Isonzo, die moderne Arbeitswelt hat viel zu bieten, wenn jeder nur auf seinen eigenen Vorteil schaut. Und dann ist da noch das Gefühl, dass man am Kessel im Bauch so eines Schiffes nicht wirklich gut dran ist, wenn auf der Brücke unbeirrt auf die Untiefe zugesteuert wird.Ich denke, ich bin hier ganz gut aufgehoben.







Und nächste Woche bin ich auch wieder hier. Das ist wirklich entzückend. Und eine schöne Erwartung. Alles andere wird sich schon finden, und Leute wie mich braucht man ohnehin immer: Die Zufriedenen machen die Welt angenehm und lebenswert. Ich bin zufrieden, und wenn es sich ändern wird, werde ich es dennoch wieder sein, so oder so. Es gibt nur Richtiges im Richtigen, ich tue, was ich tun muss, und auch, wenn die Mangfall nur ein kleiner Fluss ist: Auuch dort wird vieles treiben.

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Der Spiegel könnte Ersatztheile brauchen

Zucker! Merlind Theile von der Wasserpistole vom T€di seinen Grabbeltisch der Demokratie über ihre Arbeitsweise:

Theile: “Gut. Aber es ist für uns Journalisten natürlich auch so ‘ne neue Erfahrung, weil wir jetzt ja auch eine Gegenöffentlichkeit haben, also … (lacht) … weil im Grunde muss ich schon selbstkritisch sagen, uns kontrolliert ja eigentlich keiner. [ ....]
… auf der anderen Seite muss man sagen, dass man aber auch als Journalist schon … so ein Gespräch teilweise auch anders strickt, also man rafft das, es ist ja nicht so wirklich Wort für Wort, man rafft es auch beim Transskribieren, man stellt Manches um und so weiter und dann muss es natürlich nochmal vorgelegt werden, und da hat natürlich das Gegenüber auch das Recht, daran nochmal was zu verändern.”

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Mittwoch, 7. November 2012

Alternativprogramm

Man muss den Realitäten ins Auge sehen, und die heissen "Wintereinbruch" und "Schnee bis auf 700 Meter". Der tegernsee liegt auf 756 Meter, und man kann sich ausrechnen, was das bedeutet.



An solchen Tagen finde ich, dass meine Wohnung keinen Quadratzentimeter zu klein ist. Zuerst dachte ich ja, dass es schon ein erheblicher Luxus ist; der durchschnittliche Deutsche hat gerade mal 2/3 des Platzes, den ich in meiner kleinen Wohnung am See für mch allein habe. Allerdings stimmt die Relation so halbwegs wieder, wenn man den statistischen Durchschnitt nimmt: 52 Quadratmeter hat der deutsche Eigentümerhaushalt mehr als der Mieterhaushalt, und wenn der Mieter in München am Tegernsee 0 Quadratmeter hat, bin ich mit meiner Wohnung nur leicht drüber, Wie immer kommt es also auf die richtige Bezugsgrösse an. (Und ich muss unbedingt mal in der FAZ schreiben, wie man sich wissenschaftlich arm rechnet)

Wie auch immer, es ist Platz da, und an solchen Tagen kann man viel tun. Da ist zum Beispiel ein Paket angekommen:



Klicken macht grösser.

Und dessen Inhalt muss augehängt werden. An der Stelle hingen bislang Trümmer eines Rokokoaltars, aber man kann diese Elemente auch benutzen, um Höhenunterschiede zu anderen Gemälden auszugleichen.



Einfach über die Rokokoportraits nageln, und schon sind sie wieder auf einer Linie mit der Biedermeierdame. Oder doch als Supraporten? ich finde ja, so eine Tür ohne Supraporte auch etwas langweilig. Mal schauen.



Ausserdem kann man im Nebenraum auch noch das nicht weggeräumte Wintergesteck vom letzten Jahr entdecken. Note2myself: Beitrag über das Kranzbinden für die FAZ schreiben! Die Zeiten werden hart. man kann nicht mehr einfach so 300 Euro für einen Kranz ausgeben, selbst wenn man das von der Steuer absetzt.



Oder die Posamenten, die im letzten Jahr nach der Heimreise im Tütchen verblieben, endlich aufhängen. Die hier hängen schon etwas länger und sind so hübsch, dass man sich sagt: Unbedingt nächstes Jahr wieder nach Rom in dieses Geschäft im Priesterviertel.



Danach bringt man der Katze bei, dass sie in Zukunft nur noch auf die Tagesdecke gehen darf. Idealerweise macht man das mit einer superflauschigen Tagesdecke, auf die sie eigentlich auch nicht darf, aber das gefällt ist, und besser so als zerkratzte Sofas.



Und dann ist da ja auch noch ein neues Buch, das gelesen werden will. Über Sommer, Sonne und Leidenschaften und was sonst noch hier so fehlt. Immerhin hängt das Beuteschema jetzt an der Wand, ich kann nicht über Frauenmangel klagen, und die Einmalkosten sind auf lange Sicht gar nicht so teuer, verglichen mit Heiraten und Kinderkriegen. Und dafür wäre hier erst recht kein Platz.



Natürlich wäre noch ein weiters Zimmer nett, und das würde ich dann wirklich komplett im alpinen Stil machen, nur mit Bauernmöbeln und einem Herrteufelswinkel und einem Kachelofen, auf dem der Tee lange warm bleibt.



Nach Tegernsee habe ich mich, siehe erstes Bild, trotzdem bewegt, denn so gerne ich jetzt mit eigenen Händen eine Wohnung machen würde: Den Kuchen überlasse ich doch den Könnern. Man kommt schon irgendwie durch diese Tage. Ächzend (Bilder sind schwer), jammernd (so viele Beiträge) und stöhnend (diese Punschtorte muss auch noch weg). Ich bräuchte vielleicht etwas mehr Platz. Und einen Auslagerungsmagen.

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Der richtige Platz.

Wie bei allen Putschversuchen in Ländern der Dritten Welt mit einem hohen Anteil von religiösen Extremisten und krimnellen Politikern kann ich auch heute wieder die Berichterstattung des Freien Ostens von Al Jazeera empfehlen, wenn im chinesischen Protektorat USA die Wahl gefälscht wird.

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