: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Freitag, 6. April 2018

Kharma und Einsicht

Das ist ein Kuota Kharma mit Vollaluminium-Chorus von Campagnolo. Es gehörten einem Rentner aus dem Fränkischen, der dachte, er käme mit einer 3-fach-Kürbel noch die Berge seiner Jugend hinauf.



Nun, er hat sich geirrt, und nach ein paar Jahren eingesehen, dass es keinen Sinn mehr macht. Es kam sehr unrennmässig bei mir an, ein bequemer Sattel und ein sehr hoher Vorbau waren nicht wirklich eine Zierde. Mir passt es, ich kann es so fahren. Ich brauche hier auch noch nicht das kleinste Kettenblatt - das kommt noch im Sommer in den Bergen.



Ich bin gerade viel unterwegs und gut beschäftigt: Bei der Welt geht der Beitrag auf 800 Kommentare hoch und momentan planen wir einen Umbau der viel zu grossen Kamine, weil die Niedrigtemperaturheizanlage zu wenig Abwärme produziert, und die Kamine deshalb zu feucht werden - ein Hoch auf den Fortschritt des Naturschutzes, kostet fast nichts, nur ungefähr die Hälfte des Originalpreises des Kuota. Oder 2,5 Monatsmieten. Über so etwas spricht kein Politiker, wenn es um Mietpreisbremsen geht. Daran habe ich mich inzwischen aber gewöhnt, wie auch an die kurz durch mein Internet geisternde Ansage eines Mitautors des Blogs-Buches an meinen Arbeitgeber, er agiere bei der Anheuerung wie wie Frundsberg und das sei keine gute Idee - verklausuliert eine Aufforderung, mich gleich wieder zu feuern. Als Twitterthread, nonmention natürlich, wie man das heute so macht. Braucht ja nicht jeder merken, Mut ist überbewertet und so allgmein gesprochen wäre es natürlich nur, wenn ich die betreffende Person direkt darauf ansprechen würde. So ist das in diesem Internet. Kleine versuchte Existenzvernichtungen früherer Bekannter in 280 Zeichen. Man will sich nicht die Hände schmutzig machen, nur gute Ratschläge geben. Naja.

Die Sache ist - und ich glaube, das werden all diejenigen schnell begreifen, die sich im Netz Hoffnung machten, die FAZ könnte jetzt Platz für neue Ideen haben - dass wir tatsächlich in kriegerischen Zeiten leben, und neben den charakterlichen Meuchelmördern, siehe oben, braucht man auch bei den Truppen eine gewisse Berechenbarkeit, wenn wir hier schon über das Söldnerwesen reden wollen. Ein Schwert in die Hand nehmen kann jeder, so wie jeder auch bloggen kann, aber damit umgehen können ist eine Kunst. Das ist eine der härteren Lektionen aus den letzten Jahren, die manche Verlage lernen mussten: Man kann nicht einfach einen Redakteur an ein Blog setzen und denken, das wird dann schon. Es gab viele Versuche, und wenige waren dauerhaft erfolgreich und zuverlässig in ihren Leistungen. Die beste Söldnertruppe bringt nichts, wenn sie sich nicht einfügt, und ich habe selbst oft genug erlebt, wie manche sagten: Ah. endlich, die FAZ hat mich erwählt, jetzt bringt den Wein und die Tänzerinnen! Ich meine damit nicht nur die bekannten "kurzen Karrieren". sondern auch meine eigenen Fehler.



Ich habe selbst Leute angesprochen, die gut schreiben können, und denen erklärt, dass der Beitrag nur die Hälfte ist, und man danach zwei Tage an den Kommentaren sitzt. Mit dem Ergebnis, dass die die Kommentare ignorierten und bei Twitter maulten, wie blöd da die Kommentare sind, die sie bearbeiten sollen. So geht das halt nicht, man kann nicht bei einem Medium arbeiten und dann die Kernleserschaft diffamieren, indem man draussen bei Twitter oder - in einem Fall eines anderen Blogs - an der Uni die eigene moralische Überlegenheit darstellt. Wenn man sich damit auseinander setzen will, muss man das in den Kommentaren machen. Das ist Arbeit, das ist manchmal eine ziemliche Balgerei, aber wer das nicht macht, ist da einfach an der falschen Stelle. Die Alternative ist das Schnarchblog, von dem sich keiner angesprochen fühlt. Wenn keiner denkt, er müsste etwas dazu sagen, ist da vermutlich auch keiner, der dafür zahlen würde.



Verdrängung ist nichts, was einen da noch über Wasser halten würde. Wer das nicht will, soll sich halt - Achtung Nonmention - eine ruhige Tätigkeit suchen und das dann nebenbei betreiben - dagegen ist nichts zu sagen. Nur sind die Medien nach alter Vorstellung im Niedergang, und wer nicht in der Lage ist, verlorene Bindungen zu erneuern, wird untergehen. Wie das nicht läuft und scheitert, sieht man gerade bei Spiegel Daily, die sich auch so eine Art eher linke Söldnertruppe zusammengekauft haben, die aber nicht kongruent und herausragend genug ist, damit Leute das wirklich auch erwerben. Wie das auch nicht läuft, sieht man an denen, die alles besser wissen, und während meiner Tour wieder 90 Tweets absondern und sich beklagen: Das sind genau diejenigen, die nie eine Zeitung kaufen werden. Sollte die FAZ jetzt einen Gewinn an Abos machen, egal ob FAZ+ oder Papier, nehme ich sofort alles zurück, aber die Lauten da draussen sind einfach nicht die Kunden. Twitter ist kein Markt, nicht umsonst gelten da BoD-Anbieter wie der "Frohmann-Verlag" schon als Spitzenerscheinungen - und erinnert sich noch jemand an Sobooks? Den Kunden muss man etwas bieten, das sie wollen, und ich fürchte, dass hier das eigentliche Problem liegt: Nicht in einem Autor mit abweichender Meinung, sondern in einem verwaschenen Angebot, das einfach zu viele Menschen vergisst und ignoriert, die sich nicht äussern können oder wollen. Aber dann eben auch nicht mehr zu Kunden werden, weil des den Basiseinheitsbrei kostenlos auch in den gelben Blättern gibt.

... link (76 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Donnerstag, 5. April 2018

De Rosa

So etwas wie diesen Winter sollte besser nicht nochmal passieren: Ich bin zwar alle kürzeren Wege stoisch geradelt, in lightnuing, thunder or in rain, und damit leicht auf eine Leistung von 15km am Tag gekommen, recht viel mehr aber auch nicht. Wetterbedingt, arbeitsbedingt, hinterhausbedingt, familienbedingt, kältebedingt - kalte Luft und hohe Atemfrequenz tut mir nicht gut, und wenn die Beine dann schneller fahren wollen, endet das oft in einer unschönen Japserei. Im Ergebnis war dann die erste Begegnung mit einer echten Steigung - 600 Höhenmeter alles zusammen, meistens 15% Steigung und 12% Abfahrten zwischendrin, besser als befürchtet, aber insgesamt immer noch... sagen wir mal, ich war mit gemütlichen Italienern an der Spitze des letzten Drittels.



Beim zweiten Mal ich ich dann mit 34 vorn und 29 hinten nicht komplett, aber das meiste hinauf gekommen und man muss dazu sagen, dass der Anstieg bei Castiglion del Bosco sicher zu den 5 übelsten Anstiegen der L'Eroica gehört. Schlimmer sind nur der Berg ohne Namen mit der Strasse in den Himmel, die folgende Abfahrt und der folgende Anstieg nach Radda bei der 75er, die Rückfahrt hinauf zu Castel Broglio, die drei Schwestern über dem Val d'Arbia und der Anstieg nach Castel San Angelo bei der Primavera. Allein, dass ich da freiwillig noch einmal hinauf gefahren bin, ist schon erstaunlich.Kaum jemand fährt so etwas freiwillig, die meisten verzichten einfach auf Montalcino.



Gefahren, nochmal gefahren, überlebt, geschafft, bezwungen, nicht hochgeflogen sondern mehr hinaufgekämpft am Rande der Möglichkeiten und die Völlerei des Winters verflucht, denn natüprlich wurde nicht nur gearbeitet, sondern auch geprasst. Leider lag auf der Neureuth zu wenig Schnee, sonst hätte ich dort jeden Tag hinauf steigen und rodeln können, ach, es ist ein Jammer, aber es hilft ja nichts.

Und daheim habe ich dann brav das De Rosa ausgepackt, gekauft in Italien nach der letzten L'Eroica, und bin dann auch brav damit gefahren, damit die Form besser wird. Ich habe mich nämlich so halb zur L'Eroica Nova verpflichtet, und da geht es um Zeit auch auf neuen Rädern. Ich bin momentan noch so im Altradtaumel, dass ich instinktiv zum Schalten an das Unterrohr greife.



Ein irrwitziges Teil, und ich werde nie so gut sein, um das herauszuholen, was in diesem echten Profirad, das beim Giro d'Italia 2004/5 gelaufen ist, drin steckt. Carbonnaben. Titanritzel. Carbonsattelgestell. Titanschrauben. Titaninnenlager. 25mm breite Reifen, 205 Gramm leicht. Auf dem Heimweg habe ich an einer Ampel mit Vorlaufgrün - hehe, grandiose Sache! - von hinten fliegend einen weissen 911er überspurtet und mich im Stadttor ganz breit vor ihn gesetzt, so ein Selbstbewusstsein hatte ich nach 40 über den Asphalt geprügelten Kilometern.

Das wird jetzt wieder jeden Tag zur Routine, und ich fahre jetzt auch mal alles an Rädern, was über den Winter so neu angefallen ist.

... link (18 Kommentare)   ... comment


Da wäre ich beinahe vom Rad gefallen

Das ist aber auch eine fiese Falle, wenn man durch Buonconvento hetzt und dann so etwas zu sehen bekommt - an Ostern war dort Antikmarkt, und Händler aus der Toskana haben leerstehende Lokale bezogen. Der hier hatte venezianische Lüster dabei, für die man ein etwas üppigeres Anwesen brauchen könnte.



Als ich vor zwei Wochen in Berlin war - incognito, laut FAZ-Blog war ich damals am Tegernsee und habe über Trachtenmode und Söder geschrieben - bin ich über ein paar Umwege nach Hause gefahren. Es hat alles letztlich nicht sehr lang gedauert, ich hatte noch etwas Zeit, durfte mich aus Gründen nicht zu einem spontanen Barcamp verabreden, und konnte so alte Stätten meines Raffens besichtigen. Nicht die im Wedding, die gab es schon vor ein paar Jahren nicht mehr. aber Schöneberg.

Der Laden, an dem ich meine Pagodenlampe gekauft habe - weg. Das Geschäft in Kreuzberg, aus dessen hinterster Ecke mein Art-Deco-Venezianer stammt - verschwunden. Das Geschäft mit dem Lampenrestaurator in Schöneberg, das mich so beeindruckte, als ich 2001 hier war - ersetzt durch einen Imbiss, vegan natürlich. Und Söhne des Bergmannstrassenclans, die sich noch dunkel an mich erinnerten, hatten einen anderen Lampenladen aufgemacht, nach ihrer Aussage aktuell der grösste in Ganz Berlin: Nicht schlecht, aber teuer. Mehr was für die Politikberaterklasse, die auf Roaring 20ies einrichten will.



Ein Auktionator hatte die Hälfte der - gar nicht so teuren - Bilder noch übrig, eines habe ich aus dem Hochgefühl heraus auch gekauft, und Seidenteppiche hätten auch für 300€ nicht ins Auto gepasst. In Italien geht das Geschäft nicht mehr, weil die Wirtschaft darnieder liegt, in Berlin, nun, man hört, dass der Anteil der Deutschen sinkt und das Wachstum vor allem aus dem Ausland kommt. Da hat man vermutlich weniger Sinn für die zum PPlündern einladende Schatzkammer, die die Stadt einmal gewesen ist. In der Flughafenstrasse wurde aus dem Geschäft für chinesische Lackmöbel eine Beratungsstelle für Lebenskrisen - der Lack ist ab und getrunken. Hier in Buonconvento werden kriselnde Geschäfte zumindest für ein paar Tage wieder Wunderkammern, und irgendwann gehe ich da hinein und sage: Den da und den anderen für das Gesindehaus auch.

... link (2 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Mittwoch, 4. April 2018

Was total schräg ist

Im Kopf die letzten Beiträge für den alten Auftraggeber zusammensetzen und in der Kamera schon den neuen Auftraggeber beliefern. Vor allem, wenn draussen die halbe Welt mit dem Ende rechnet und damit, dass man mit leeren Händen dastehen wird. Weil diesmal die Geheimhaltung funktioniert hat, am Tag vor dem Start wussten weniger als 10 Leute, was kommen würde. Der Rest hatte da reichlich lustvolle Theorien. Vergebens. Man glaubt gar nicht, was die Frommers dieser Welt alles so dachten und erzählten. Von nichts eine Ahnung, aber den Mund aufreissen.



Es ist schade, dass das italienische Itinerar jetzt so zwischen zwei Medien zerrissen ist, obwohl es eigentlich eine Einheit der anekdotischen Raderzählung darstellt. Die FAZ sagt zwar, ich dürfte zurück verlinken, aber ich werde das vermutlich nicht tun, es wird bald bei der Welt genug Beiträge geben, die den Zweck auch erfüllen. Wenn ich ehrlich bin: Ich wusste öfters nach 3 Tagen gar nicht mehr, was ich geschrieben habe und musste erst mal nachlesen, und so wird auch das Alte bald vergessen sein, zumal die FAZ die Stützen am 1. April dann auch hurtig aus den aktiven Blogs löschte. Da brannten aber bei der Welt schon die Triebwerke, ein besonderer Moment war das wohl nur für die Kempers dieser Welt, die sich einen Moment in ihrem elenden Dasein freuen konnten.

Wie es aber manchmal so ist, unterwegs sind mir noch andere Themen eingefallen, und man hätte auch etwas anderes vorziehen können, aber so mit dem Weg hoch zum Monte Oliveto als Abschied aus Italien, ist es besser. Übrigens wollte ich eigentlich über den Maler Sodoma schreiben, aber weil ich eine kurze Radlerhose trug, konnte ich nicht zu seinem Fresco in den Kreuzgang - da habe ich des dann bei della Robbia belassen. Meine Ausbildung war vielleicht doch nicht ganz so unnütz, und wie es jemand mal so schön sagte, der sich inzwischen über die FAZ-Malaise gefreut hat: "Mit Die kann man hingehen, wo man will. du kannst einem immer was erzählen."



Tatsächlich bin ich da eher zufällig vorbei gekommen, und della Robbia, Don-Alphonso-Sound, aber bitte, Sie und ich, wir erkennen den doch aus 50 Meter Entfernung um 2 Ecken. Das war diesmal wirklich so, es ist ganz grässlich. Das nächste mal dann aber wirklich Sodoma und die Frage, warum man ihn hier trotz seiner Neigungen malen liess. Und das Trüffelmuseum, für das keine Zeit mehr war.

... link (18 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Montag, 2. April 2018

Nun, die Welt

Ich kann da vielleicht eine Geschichte erzählen, und sie beginnt hässlich. Und wird noch hässlicher.

Das Konzept für "Stützen der Gesellschaft" war nicht bei Vanity Fair abgeschrieben, sondern vom Gefühl getragen, dass man die Sache mit Wohlstand und Borniertheit, Sattheit und Gier, die nun mal "die besseren Kreise" auch ausmachen, vielleicht mal so beschreiben sollte, wie ich das als Insider mitunter erlebe: Die Arroganz, die Verdruckstheit, die Unfähigkeit, sich auf die Realität einzustellen und die Bezüge zu einer Vergangenheit, die einerseits anders und andererseits schlecht, aber voll mit guten Geschichten ist. Ich wäre das Zielpublikum von Vanity Fair gewesen, die dann Peter Turi anstellte, der auf mir herumtrampelte, und die fast genau dann geschlossen hat, als ich mit dem Blog bei der FAZ begann. Die Stützen waren das - wenn nicht ganz wahre, so doch gut erfundene - bayerische Gegenmodell der dummen, reichen Kleinstadt zum Kosmos, den Conde Nast mit Vanity Fair ansprechen wollte. Ein Wochenmarkt der Eitelkeitem, öfters auch mal borniert und eingebildet, und das natürlich mit voller Absicht, überhaut nicht weltgewandt und manchmal himmelschreiend dumm. Wie Reichere halt manchmal auch so sind.

Ich muss Ulf Poschardt in meiner Jugend ein paar Mal über den Weg gelaufen sein, er kennt DJs, die ich auch kannte, aber ich habe keine einzige Erinnerung, und damals wäre ich nie auf die Idee gekommen, etwas mit Medien zu machen. Ein paar Sachen wusste ich, wie man halt so gewisse Sachen erfährt, und wie viele auch manches über mich wissen. Smalltalk. Es gab hin und wieder mal Kontakte zu Mitarbeitern der Welt, aber nie etwas Besonderes, bis zum Tag. als der Mob gegen Ronja von Rönne loszog, und ich den Mob in einem grossen Beitrag Paroli bot. Ein Mob bis zur Morddrohung.

Ich bin nun wirklich kein Prozesshansel, aber damals habe ich dann den Kontakt zur Welt gesucht, und ich hatte vorab Angst, man könnte von Rönne da vielleicht nicht genug schützen. Weil man es nicht versteht vielleicht, oder eine junge Mitarbeiterin vielleicht nicht so wichtig sein könnte...

Ich habe dann etwas ganz anderes erlebt. Gesunde - oder besser, für die Gegner ungesunde Härte und Einsatz in aller Konsequenz. Da war so absolut gar nichts von der Schicki-Bussi-Atmosphäre der Vanity Fair mehr da, das war ein Konflikt, und er wurde von einem Mann wie ein Konflikt geführt. Ich bin Ulf Poschardt nur gefolgt, um kommunizieren zu können, und danach habe ich ihn nicht wieder entfolgt, weil ich auch genug Fälle von Feigheit in den Medien kenne, und Fälle, in denen die Oberen achtlos über die verfolgten Untergebenen hinweg schritten. Diese Rönnegeschichte war ganz, ganz hässlich, ein absoluter Tiefpunkt seitens der Verursacherin beim NDR und ihrer Anhänger. Aber wie es eben so ist, man kämpft und behauptet sich, und man lernt viel über Menschen.

Nun - das alles ist nun schon ein Weilchen her, und ich muss ganz ehrlich sagen, dass sich bei dieser Geschichte meine Einstellung geändert hat. Die Frage ist bei Menschen nicht, wie sie so vor sich hinleben, da schludern wir alle, sondern was sie tun, wenn wirklich die Luft brennt.

Wie schon mal gesagt, es gab viele Angebote, die Stützen fortzuschreiben. Die Welt war wirklich die Schnellste, und solche Projekte hängen immer an denen, die sie letztlich verantworten, oder eben auch nicht. Man kann solche Blogs im aktuellen Klima und in einem Medium nicht ohne ein Umfeld machen, das wirklich gewinnen will, und im Zweifelsfall eben auch kämpft, selbst wenn es riskant wird.

Und in diesem Fall wusste ich, wie so etwas aussehen kann. Deshalb bin ich dann vor zwei Wochen nach Berlin gefahren und habe viel gesprochen, über Freude und Schrammen des Lebens, und angeschaut, was die da so tun. Ich bin nicht käuflich, aber zu überzeugen, ich bin ein Mann, ich entscheide und dann tue ich etwas auch konsequent. Das war bei der FAZ so, und das ist jetzt auch wieder so. Wer will, mag folgen. Wer nicht will, dem danke ich für die Aufmerksamkeit und bitte um Verständnis für meine Erfahrungen und Beschlüsse.

Mehr nicht.

... link (84 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Freitag, 23. März 2018

Im Licht

Sagen wir mal so: es gibt einladende Orte, die man gern betritt. Ich bin gerade in Murlo, einem Dorf bei Siena, mit einem historischen Kern über der Etruskersiedlung. Sehr hübsch. Man betritt etwas wirklich Schönes.



Murlo hat sich über die Jahrhunderte kaum und wenn doch, dann nur behutsam verändert. sie haben die Autos rausgeworfen und ein kleines Museum im Ort, aber so generell ist es immer noch das kleine Dorf mit seinem Mittelaltercharme. Sauber, einladend, menschlich. Egal, wann man kommt, immer das gleiche. Das kann auch ganz anders sein: Als ich bei der FAZ antrat, sass noch Reich-Ranitzky in seinem Büro. Murlo hat Bestand. wie so vieles. Manchmal auch im Untergrund, wo die Häuser des Mittelalters auf etruskische Fundamente reichen.

Als ich gestern im Gasthaus war, sagte der Ober: Lamm und Schwein ist aus. Und das in Zeiten der grossen Fleischdokus, in denen mir jeder sagt, er reduziere Fleisch so gut es geht. Es gibt halt so eine Art Zeitgeist, und darunter bleibt vieles doch gleich. Das Tor, durch das man wieder ins Licht tritt, ist nicht mehr das, durch das man den Ort betreten hat, aber die Menschen, die ändern sich nie.



Ich bin in Italien, nach zwei ziemlich anstrengenden, aber im Kern auch guten Wochen, und gegen Ende der kommenden Woche wird es nochmal heftig, deshalb muss ich auf einer anderen Route als sonst über die Schweiz zurück. Mein Murlo ist allein in meinem Kopf, ich lasse es mit Worten entstehen, alles andere ist nur ein Server, dem es egal ist, ob dann eine fettkranke Asoziale aus der Unterschich darauf schreibt, die Schirrmacher immer gehasst hat,nochmal ein Sprachverhunzer und FAZ-Stalker aus Genderistan, den man reinlässt, oder eben ich, und Server gibt es viele. Es geht alles mit grosser Gelassenheit weiter.

Manche, deren gute Tage schlechter als meine üblen Nächte sind, werden sich wundern. Ich freue mich, wieder im Licht zu sein.

... link (95 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Sonntag, 11. März 2018

Platzprobleme

Ich habe zu viele Bilder, aber da kam dann dieser Josef von 1740. Der war billig, und es kam ein Stilllleben und eine Weinkellerszene und dann noch ein Bild, über das ich bei der FAZ geschrieben habe, für eine Hanvoll Euro mehr... ich habe da eine schlechte Impulskontrolle. Und vor 10 Jahren, als ich einzog, kaufte ich ein paar alte Pflanzenholzstiche minderer Güte, die jemand aus Spanien mitgebracht hatte, damit da an der Wand etwas hängt. Nett, aber inzwischen haben sie sich amortisiert, und trotz der Vermutung mancher Leute, ich könnte mir den Tegernsee bald nicht mehr leisten, geht der Trend gerade wieder zum Drittwohnsitz. Die Holzschnitte kommen also ins Depot und warten auf weitere Verwendung, und nach der Bürgermeisterwahl habe ich hier etwas rumgenagelt



So ein Wohnung ist halt nie ganz fertig, und im Hauptraum muss ich die Tage auch noch etwas umhängen. Es tut weh, es ist nicht nett, beim Fremdaufhänggehen bin ich wie ein Don Giovanni mit Skrupeln, obwohl ich im Moment ja eher ein Leporello bin, der einen neuen Herrn sucht. Wobei, eigentlich mache ich das auch nicht, ich bin zum Glück ja nicht wirklich abhängug von Arbeitgebern, ich kann auch so gut leben und...

ach, das habe ich noch gar nicht erzählt, es wird gerade wegen der Umstände etwas umgeschichtet und verflüssigt, und eigentlich wäre das die Gelegenheit, sagen wir mal, ein halbes Jahr auch wirklich gar nichts zu tun. Nur reisen. Das habe ich mir eigentlich verdient, nach all der Zeit ohne jeden Urlaub. Aber, ich kann vermutlich nicht anders als schreiben, das ist wie mit den Gemälden.

Zum Glück jedoch geht im Internet der Platz nie aus. Das ist auch etwas.

... link (36 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Samstag, 10. März 2018

Ösitellsuhrkamp

Als ich im Herbst 2016 im Zillertal war, hatte ich ein sehr interessantes Gespäch mit meinem dortigen Hotelier. Das war in einer Touristenhochburg, und natürlich ist da vom Authentischen nichts mehr zu spüren. Im Frühstücksraum liefen die Ursprung-Buam mit "Achmet", das ich bis dahin nur vom Skandal her kannte. Der Hotelier jedenfalls erzählte mir einiges über seine direkten Erfahrungen mit diversen Gästen und es war schon nicht nett, aber auch nachvollziehbar. So ein Fall, wo jemand individuell richtig und im Grossen falsch liegt, aber wer will es ihm verdenken, wenn ihm beinahe die Bude abgebrannt wäre. Abgesehen davon war der Mann extrem freundlich und hätte beinahe die Bergwacht informiert, weil ich zu spät kam. Es ist eben alles nicht immer so eindeutig und ich habe mir vorgenommen, mal was über diese Nichtguten, die aber auch keine Nichtschlechten sind, zu schreiben. In den Bergen ist nun mal vieles anders, und trotzdem finde ich die FPÖ und die ÖVP gruslig. Die SPÖ und die Grünen aber auch.

Naja, und jetzt bei Tellkamp habe ich das mal zusammengeschrieben.

... link (119 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Freitag, 9. März 2018

Ein Traum

Eigentlich wollte ich Ende des Winters noch darüber schreiben, wie ich mit einem Containerrad durch diese Zeit des Frosts gekommen bin. Aber erstens ist dieses Rad mittlerweile auf dem Weg nach Italien, wo es hoffentlich nicht mehr durch das Eis muss, und zweitens habe ich noch ein paar Geschichten, die ich lieber noch bei der FAZ mache - einfach, weil hier noch so viel Unerledigtes ist und ich die Mobilitätsgeschichten später anderweitig betreiben will. Wie auch immer, es gibt Ersatz für das schwarze Scott American.



Ich habe lange gerätselt, ob das ein altes Müsing oder ein altes Principia ist, denn es ist kein normales MTB, sondern ein richtiges Reiserad mit 26 Zoll Reifen - und von der Sorte gab es in der Qualität Mitte der 90er Jahre nicht so arg viele. Gewisse Details wie der Steuersatz wiesen es dazu als EU-Produkt aus. Inzwischen habe ich einen neuen Hauptverdächtigen für die doch recht gute Alubrutzelei: Velotraum. Die bauen heute noch Reiseräder und stellten Mitte der 90er Jahre auf Alu um. Leider steht kein Name drauf, also habe ich mit Flammen nachgeholfen, die dann wiederum zu den 330 Gramm leichten Reifen passen. Die sind eigentlich zu schade für ein Tourenrad, aber es ist egal, einen Renneinsatz, für den sie konzipiert wurden, gibt es bei mir ohnehin nicht.



Man gönnt sich ja sonst nichts und man ist nie zu alt, um sich lächerlich zu machen. Ich! will! Flammen!

Inzwischen ist auch sonst alles so, wie ich es will: Die gute, alte 8fach XT ,mit den ersten dicken Naben, Daumenschalthebeln und Mavic X-%17 Felgen war damals Stand der Technik und sollte noch lange rollen und schalten. Wie es sich für ein Reiserad gehört, ist die Position eher bequem - auf kurzen Strecken fast zu aufrecht, aber ich denke, wenn man weiter fährt, gerade jetzt, so kurz nach dem Winter, wird das schon passen. Die Kosten waren insgesamt nicht hoch, alles zusammen mit Brooks-Sattel - den ich eventuell noch gegen einen Flite austausche - und 20 Jahre herumliegender Heylightstütze aus einem Konkurs sicher deutlich unter 150€, weil günstig erstanden oder sonstwo gerettet. Wenn ich es schaffe, mache ich nächste Woche mal Gepäck hin.so wie es jetzt dasteht, liegt es bei etwas weniger als 13 Kilo trotz Gepäckträger und Schutzbleche.

Es kann ja mal sein, dass man mit mehreren Leuten unterwegs ist und einen Packesel braucht, Das wäre dann dieses Rad, und damit kann man auch die 400-Watt-Tiere einbremsen, mit denen ich manchmal unterwegs bin. Die Übersetzung ist schön gespreizt von 52-11 bis 26 - 32. Damit sollre man fast überall rauf und runter kommen,

... link (10 Kommentare)   ... comment