7 Monate für 120 Seiten

Es ist Zeit, uns mal wieder den Michi anzuschauen, jenen leicht Urheberrechtsunkundigen, der mal bei der FAZ war und dessen Gesicht ich da zum Glück schon seit Jahren nicht mehr ertragen muss. Der Michi hat ja nach seinem Rauswurf erst rumgeblogt und dann seit Dezember 2013 versucht, ein Crowdfundingbuch zu machen. Von den früheren Versprechungen, dass man den Fortschritt quasi in echtzeit betrachten könnte, ist wegen Softwareproblemen wenig geblieben, aber jetzt hat er wenigstens mal bei Twitter den Stand verkündet:

"zwischenstand buch: 37.903 worte."

Da sollte ja noch eine Audioversion kommen und eine englische Zusammenfassung - Schreiben ist also noch nicht mal alles. Aber betrachten wir die Fakten: Was sind eigentlich rund 38.000 Wörter?

Rund 130 Seiten.

Ich meine mich erinnern zu können, dass eher das Doppelte geplant war.

Und das alles in 7 Monaten. Das sind, selbst wenn wir beim Schreiben die wiederverwustetete Blogbeiträge ignorieren, etwa 0.7 Seiten pro Tag. Das ist nicht sonderlich schnell, vor alleim vor dem Hintergrund, dass bei dieser Gewschwindigkeit (und einem möglicherweise dazwischen liegenden Urlaub, für den ein Flug gebucht wurde) nochmal 7 Monate reine Arbeitszeit am Text anstehen.

Und wer schon mal ein Buch geschrieben hat, weiss auch, dass man hinten raus für das Glätten und verbessern schnell mal einen Monat braucht. Lektorat dauert etwa einen Monat, und Layout, Druck und Auslieferung dauern auch etwas. Dazu kommen mitunter auch kleine Schreibblockaden. Lauter hässliches Zeug, mit dem viele beim Planen nicht rechnen.

Natürlich gibt es auch Fälle, da platzt der Knoten und dann geht alles wie von selbst. Aber ich habe meine Zweifel, ob dieses Buch vor Weihnachten erscheint und ja, die Jahreszahl lasse ich da auch erst mal offen. Ich würde jedenfalls auch nicht auf die Leipziger Buchmesse setzen. Mal schauen, ob sich der überhaupt nach Frankfurt traut, nach den grossen Ankündigungen und dem Zwischenergebnis.

Was ich spannend finde, ist aber die Frage der Finanzierungsverwendung. Das Geld war ja nicht geschenkt, sondern als Hilfe für die Zeit des Schreibens und Bezahlug der anfallenden Arbeiten gedacht. Etwa Audio, englische Übersetzung einer Kurzversion und die Release Party. Und je mehr Geld für das Schreiben draufgeht, desto weniger bleibt für die Zusatzdienste übrig. Nehmen wir aber mal an, er braucht noch 7 Monate - wieviel bleibt dann übrig für Übersetzung und Raummiete?

Ich meine das nicht persönlich, ich sehe nur im Moment, wie Krautreporter in Mitte ein Büro mit mehr als 100 Quadratmeter suchen, mit weniger als 10 Euro Miete pro m². Wenn das so im Businessplan stand, dann tut es mir leid - aber das Scheitern solcher optimistischen Annahmen geht dann halt auf Kosten anderer Leistungen, hier etwa der Autoren. Das alles ist so blauäugig, so sollte man besser keine Firmen aufziehen.

Und das sind dann halt so die absehbaren Ereignisse, die mich bei Crowdfunding so kritisch machen. Nicht, weil Leute nicht zahlen würden, sondern weil die, die es betreiben, so wenig Substanz liefern. Das "Kack-Buch" müsste er noch fertigschreiben, sagt der Michi jetzt. Das sollte man sich halt vorher überlegen. Kassieren ist nett, aber wer keine Leistung bringen will, wird am Ende ein Problem haben.

Mittwoch, 23. Juli 2014, 19:13, von donalphons |