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Montag, 21. März 2011

Besorgt. Aber nicht ängstlich

Ich denke, das Ganze hat etwas mit der Unfähigkeit von Journalisten zu tun, den Aktivwortschatz zu pflegen. Dieses Gerede, dass die Deutschen schon wieder Angst hätten. Diese Nörgler, Meckerer, Angshaber, German Angst. Solche Schlagworte beherrschen sie.

Weil es negativ beslastet ist, weil man damit eine Story bauen kann. Aus der Angst gewinnt der Schmierfritz einen Anlass, einen Lichtblick zu erfinden, erst eine Beschimpfung und dann eine aufrüttelnde Phrase, er, der Lichtbringer, der Hoffnungsspender oder wenigstens das abgewrackte Stück Berlinzersiedlung, das sich cool vorkommt, weil ihm Atom so egal wie S21 und Datenschutz ist, weil: Damit ist man ja anders und kein armer Dönerfresser, sondern Avantgarde. Angst ist was für Memmen, für Zauderer, für Verharrende und Rückwärtsgewandte.

Das Wort "besorgt" kommt ihnen nicht in den Sinn.



Vielleicht liegt es daran, dass besorgte Menschen keinen Quassler brauchen, der ihnen eine Angst nimmt. Besorgte Menschen sind immerhin so weit, dass sie selbst etwas tun, demonstrieren, ihre Meinung äussern, im privaten Umfeld diskutieren. Ich erlebe gerade sehr viele besorgte Menschen, aber keine Angst, keine Furcht, keine Panik. Das Nachdenken, das daraus erwächst, braucht keine Vorschreier. So etwas braucht nur der Terror und die Hysterie, und die wiederum entstehen erst, wenn die Menschen keinem mehr ein Wort glauben. Dazu hatten sie bei der Finanzkrise nicht weniger Anlass als heute, aber diesmal reicht es, einfach nur besorgt zu sein.

Wer soll es ihnen angesichts der Nachrichten - soeben hört man, dass auch das Meer bei Fukushima stark verseucht ist - verdenken.

Es hat nach meiner bescheidenen Meinung schon alles seine Richtigkeit mit den Deutschen, in diesen existenziellen Fragen. Es entspringt daraus keine Revolution, aber oben merkt man, wie gross die Kräfte unten werden, wenn die Menschen nur besorgt sind. Da ist sie, die "Weisheit der Massen", die gleich wieder von Atomfreunden zur Unwissenheit umgedeutet wird, leider auch mitunter in der Zeitung, für die ich schreibe, von Leuten, denen mitunter vielleicht das Gefühl für Stimmungen, Veränderungen und Grenzen fehlt.

Natürlich bin ich auch besorgt. Ich bin wütend, weil ich angelogen werde und mir meine Informationen zusammensuchen muss, weil Lobbyisten nicht kenntlich gemacht werden, weil man Wissenschaft sagt und Geschäft meint. Ich bin aber auch zuversichtlich, dass es diesmal wirklich reicht. Ganz ohne Angst. Nur, weil man besorgt ist.

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Freitag, 24. Dezember 2010

Gute Gründe für Wikileaks

Ich finde, ich habe ein Recht zu erfahren, dass die Briten in Bangladesch an der Ausbildung von rechtsgerichteten Todesschwadronen beteiligt sind, die hunderte von Verdächtigen, Unschuldigen und Regimegegnern ohne Chance auf ein rechtsstaatliches Verfahren ermordet haben - und das alles im Rahmen des "Kampfes gegen den Terror". Und ich finde es gut, wenn solche Regimes, bei der man wirklich fragen muss, wo da bitte der Unterschied zu anderen Exporteuren von Terror sein soll, dann zumindest juristische Probleme bekommen.

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Mittwoch, 22. Dezember 2010

Masslosigkeit

Manchmal frage ich mich ja, ob die Leute in einen Kaufrausch verfallen, weil sie wirklich Angst haben, dass sie in den kommenden Tagen verhungern. Oder auch nur zu wenig zu Hause haben.



Oder ob es nicht vielleicht einfach die Möglichkeit ist, einmal die Sau rauszulassen und sich dem Schlaraffenland hinzugeben, jetzt, da sie einen moralisch akzeptablen Vorwand frei Haus bekommen.



Am Freitag ist nochmal Wochenmarkt, da könnte ich mal fragen. Allerdings sind die Leute so mit dem Plündern beschäftigt, da will man auch nicht stören.

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Mittwoch, 15. Dezember 2010

Die letzte Nacht vor der letzten Prüfung

Ich glaube, ich würde nicht heute in diesen Zeiten jung oder gar Student sein wollen.



G8, Praktika, keine Feier ohne Networking, Stress, maximal 9 Semester, immer auf der Suche nach Kontakten, schneller, höher, 10 mal im Ausland, Bewerbung, alles toll finden, nie zugeben, wie beschissen das alles ist, als Kettenhund des Kapitalismus enden - nicht schön.

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Wie man Assange aus England in die USA bringt

1. Man hat - jetzt nicht wirklich toll begründete - Vorwürfe von Sexualstraftaten. Die aber reichen, damit man Assange in England festsetzen lassen kann, dank europäischer Auslieferungsabkommen.

2. Die Engländer, getrieben von den Medien und der Ahnung, dass Assange in den USA der Prozess droht, werden natürlich den Schweden sagen: Ihr könnt ihn für diese Sache haben - aber ihr dürft diese Auslieferung in diesem Fall nicht nützen, um ihn, wenn die Amerikaner es verlangen, an sie weiter auszuliefern.

3. Groooooosses Entsetzen bei den Schweden. Niemals! Assange wird zu den Vorwürfen befragt, dann sieht man weiter. Absolut sicher wird man diese Auslieferung nicht benutzen. Absolut nicht.

4. Assange wird ausgeliefert. Stellt sich heraus: Der Fall ist nicht so gravierend wie die Sexorgien des schwedischen Königs, und überhaupt, eine Lappalie. Fall nach ein paar Wochen erledigt.

5. Dieser Fall. Nach diesem Fall ist Assange frei. Blöderweise findet sich dann noch ein Vergewaltigungsopfer. Oder einem alten Vergewaltigungsopfer fällt noch ein anderer Übergriff ein. Oder Assange widersetzt sich zufälligerweise zwischendrin der Staatsgewalt. Drei Polizisten haben es gesehen! Oder er hat in seiner Zeit in Schweden sonst etwas Schräges gemacht, das jetzt erst jemandem auffällt. Oder etwas, das man schräg auslegen kann. Sowas geht bekanntlich schnell in Schweden. Also, neue Festnahme wegen neuer Sache. Muss man erst mal prüfen. Und nachdem er in England so viel Rabatzz gemacht hat, ist Fluchtgefahr offensichtlich. Das hat natürlich nichts mehr mit den Briten zu tun. Das ist erledigt.

6. Zufälligerweise wissen die Amerikaner zu diesem Zeitpunkt gerade, wie sie Assange verklagen wollen. So richtig. Unter den alten Vorgaben der britischen Auslieferung hätte man in Schweden natürlich keine Möglichkeit, dem zu entsprechen, aber die neue Festhaltung basiert ja auf ganz anderen Anlässen, und ist nur eine Sache zwischen den USA und Schweden. Und was für knallharte Anschuldigungen die Amerikaner haben! So ein Schuft! Na, da ist Schweden schnell bereit, den Mann zu übergeben.

7. Assange bekommt in den USA einen fairen Prozess nach amerikanischen Vorstellungen - solange sein Flugzeug nicht gleich in Guantanamo landet.

8. Höre ich mich an wie ein Verschwörungstheoretiker? Oh pardon. Bin eigentlich absolut nicht. Das liegt daran, dass ich jeden Morgen die Depeschen des amerikanischen Aussenamtes lese, etwa zu dem, was sie mit den Spaniern und anderen zum Thema Chavez und Venezuela alles geplant und verabredet haben. Da sieht jede Verschwörungstheorie alt aus, wenn die Spanier sagen, dass sie Chavez nicht öffentlich angreifen wollen, sich aber beim europäischen Parlemant gegen ihn einsetzen und ansonsten Journalisten schmieren, Chavez anzuschwärzen. Ich mein, das EU-Parlament sollte eigentlich nicht die Propagandaabteilung des amerikanischen Aussenamts sein, damit sich die Spanier dort einschleimen können. Aber so ist das, in Europa. Da kommt man schnell auf blöde Gedanken.

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Dienstag, 7. Dezember 2010

Bange Frage

Ob die Chinesen beim nächsten Staatsbesuch in Grossbritannien, Schweden und den USA in Bezug auf Julian Assange so mutig sind, die Menschenrechtslage in den westlichen Unrechtsregimen anzusprechen?

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Freitag, 19. November 2010

So,

erst mal genug findedaspixel mit falschen Adressen an stark befahrenen Strassen geflutet - vielleicht wird ein Knipsdepp ja über den Haufen gefahren, wenn er auf dem Weg zur falschen Adresse ist.

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Montag, 15. November 2010

Du weisst, dass Du alt wirst

wenn Du lieber auf eine Radtout verzichtest, wenn Du Deinen Helm nicht finden kannst (Gefunden. Jetzt aber los).

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Montag, 8. November 2010

Zynisch

Das ist wohl so etwas wie die Zukunft: Vater Mutter Kind grosser Hund. Zumindest bei unseren spätberufenen Eltern am Tegernsee. Das ist keine Warnung, kein schlechtes Modell, zumindest nicht zwingend, es kann gut gehen, und vielleicht halten Beziehungen, die man jenseits der 40 festbetoniert, auch wirklich lang:



Weil es wenig Alternativen gibt, und man ansonsten einigermassen sicher und beschaulich lebt. Und wenn das Kind zum tudium antritt, ist der Hund auch in der letzten Lebensphase, und die Eltern in Rente. Das nenne ich mal eine geschickte Planung, denn das, was der Hund frass, kann dann ins Studium der Tochter gesteckt werden.

Sind das zynische Gedanken? Das tut mir leid, so sollte ich eigentlich nicht sein, denn ich war ja auf dem Berg, und da werde ich immer ruhig und freundlich. Der Berg ist sowas wie der Gegenpol zu einer Welt, die Beständigkeit als Makel ansieht, und einen beim Aufstieg netterweise auch hübsch klein macht. Das ist eine tolle Sache, man nimmt sich selbst und das, was einen bewegt, nicht mehr ganz so wichtig. Und den Berg wird man immer haben, wenn man davor wohnt.



Manchmal verlangt einem der Berg natürlich auch etwas ab, er verschenkt sich nicht und will einen fordern, aber man weiss, was man bekommt. Ich mag diesen Berg. Ich wäre gern so wie er, was die Ruhe angeht, und die Gelassenheit. Ein klein wenig davon nehme ich immer mit, wenn ich oben war, aber unten hält es meist nicht lange. Nur wenn ich die Augen schliesse und mich erinnere - und wie es aussieht, steht eine Woche bevor, bei der ich das mehr als einmal werde tun müssen. Aber man soll nicht jammern: Es könnte noch alles sehr viel schlimmer sein. Solange ich nicht bei RTL arbeiten und in Hamburg wohnen muss, solange der Berg da ist und die Grenze nicht fern - solange hält sich das mit dem Zynismus im Rahmen.

Aber ich bin mir trotzdem sicher, dass sie beim Kauf des Hundes auch seinen Tod mit eingerechnet haben. Eltern sind manchmal so.

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Dienstag, 12. Oktober 2010

Grenzen der Technik und der Hirne

In den letzten Tagen musste ich manche Einlassung im Internet erst zweimal lesen. Ich mein, ich bin hier draussen ja einigen Irrsinn gewohnt, Billigdöner fressende Asoziale als Vorkämpfer einer Stalkeröffentlichkeit mit totalitärem Zwang, PR-Unternehmer, die als rebellisch gelten wollen, Berufsjugendlichenopas - aber die Argunentation, dass einem die Protestanten in Stuttgart von der Sozialstruktur her nicht passen und Tweedträger nicht demonstrieren sollten, die ist schon von besonderer RAFinesse.



Es ist nicht so, dass ich jede Demonstration mag. Ich war Im Tal vorne mit dabei, als in München gegen die Wehrmachtsausstellung demonstriert wurde. Natürlich kann man sagen: Lieber Don, damals hast Du Dich denen in den erlaubten Weg gestellt, die hatten ein Recht, den Marienplatz zu betreten, und es war zumindest fragwürdig, sie daran zu hindern, nur weil sie keine Haare auf dem Kopf und kein Hirn in demselben hatten. Ich habe damals mit meiner Angst bezahlt, und die hatte ich wirklich - das hätte durchaus unerfreulich werden können, so Aug in Aug mit gewissen Ostdeutschen und ihrer Runenbannern. Hier marschiert der nationale Widerstand, sangen sie davor, und hier Im Tal marschierten sie dann nicht mehr, aber wehe, wenn sie es doch versucht hätten... Ich kann also durchaus verstehen, wenn man gewisse Demonstrationen lieber nicht hätte. Aber es gibt nun mal ein Recht, für seine Überzeugungen öffentlich einzutreten. Man kann darüber reden, ab welcher Grenze man ernsthaft dieses Recht begrenzt sehen möchte. Tweed, ein Alter von mehr als 60 Jahren und eine Neigung, Union oder FDP zu wählen, würde ich nicht ernsthaft als Grund anführen wollen. Auch nicht, wenn es in der "Die sehen ja gar nicht aus wie ein Berliner Asozialer"-Verkleidung daher kommt. Natürlich dürfen auch Rechte für ihre Überzeugungen eintreten. Wo sind wir denn?



Natürlich kann man auch wegen der Technikfeindlichkeit rund um Stuttgart 21 Bauchschmerzen haben. Nur: Keiner von den Demonstranten wird ernsthaft zurück ins Mittelalter wollen. Anhand dieses Bahnhofs liesse sich unter anderen Umständen sehr entspannt darüber reden, ob wir denn alles technisch umsetzen müssen, was technisch möglich ist. Ob die zweitbeste technische Lösung nicht für die Betroffenen dennoch die beste Lösung ist. Diese technische Vernunft ist nicht selten; gerade im Bereich des Digitalen sehen wir das immer wieder: Bei den Prozessoren der Rechner. Bei den Megapixeln der Kameras. Bei der Langweile, die irgendwann jedes soziale Netzwerk tötet, gestern Myspace, heute StudiVZ, morgen Facebook. Man könnte 24 Stunden online sein, aber es gibt eben eine gewisse Zeit für das eine, und genug Zeot für das andere. Wie man es macht und braucht, kann jeder privat selbst entscheiden. Wenn es nach draussen geht und andere belästigt, muss man sich eben einigen. Das ist - in meinen Augen - der schöne Zug an einer Demonstration, in der nicht nur die üblichen Verdächtigen mitrennen.



Ohnehin glaube ich, dass nach 150 Jahren der Beschleunigung gar nicht mehr die Frage der Geschwindigkeit entscheidend ist. Auch nicht, wie man noch höhere Geschwindigkeiten kontrolliert. Man kann vielleicht Lösungen finden, alles noch dichter zu packen und ans Limit zu quetschen, aber der limitierende Faktor menschlicher Eigenschaften wie Ruhebedürfnis, Langeweile, Nachdenken, Reden, Geniessen, Trauern wird dadurch nur bei indolenten Volldeppen ausgeschaltet. Es geht um die Frage, wie man aus der Geschwindigkeit Gewinn für alle zieht und Verluste vermeidet. Und fraglos ist mir der Baumfreund innerlich näher als der Mordwaffenherstellerboss, der jetzt eben Züge und Bahnhöfe mit der gleichen Gnadenlosigkeit verwaltet und es darauf anlegt, jeden Kompromiss wegzuräumen. Das ist in meinen Augen eher ein Problem für diesen Staat: Dass einer seiner Angestellten meint, mit allen Mitteln mit seinen kritischen Arbeitgebern fertig werden zu können, weil ihn eher unwillige Polizei, ein paar Profiteure und blöde Politiker und im Kielwasser noch blödere Internetvollchecker decken - weil sie Tweed und gewaschene Hälse nicht schätzen.



Auch so eine Meinung darf man natürlich haben. Klar. Warum nicht. Schon früher zogen politische Demonstrationen auch Wirrköpfe an. Und nach meinen Erfahrungen muss ich sagen, dass es mich damals nicht wirklich entsetzlich gestört hat, wenn die Irrsten der Irren dann Probleme bekamen. Hier sind es diesmal auch nur ein paar Würger aus dem Internet, das stört draussen niemand, und ich würde denen auch nicht unterstellen, dass sie gekauft sind: Die machen das schon von ganz alleine, denen geht es nicht um einen Bahnhof, sondern nur die Hegemonie der Aufregeritis und des Dagegenseins. Kann man machen. Darf man auch.

Saublöd ist es trotzdem.

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