: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Mittwoch, 18. Juni 2014

Kickback für besseren Journalismus

Oha.

Also, dem Vernehmen nach ist es so, dass die Firma Bitcrowd das Programm Sparker gemacht hat, mit dem Krautreporter das Geld mehr oder weniger eingezogen hat. Normalerweise kostet diese Plattform über 10.000 Euro, wurde früher verkündet, aber Krautreporter bekam sie angeblich für lau.

Und jetzt geht es also los und was steht im ersten Beitrag?

"Das ist der Plan: Wir beginnen sofort mit der Software-Planung mit den Entwicklern Christoph und Darren von Bitcrowd.

Da war also schon vorher klar, dass Bitcrowd noch mehr als nur die Bezahlplattform machen würde. In der Wirtschaft nennt man so etwas ein Kickback-Geschäft. Man liefert eine Leistung zum Sonderpreis und wird danach sehr nett behandelt und kann dabei seinen Schnitt machen. Zahlen tun die Kunden von Krautreporter, aber zu melden haben sie da natürlich gar nichts. Auch wenn Krautreporter nirgendwo vorher erwähnt hat, bei wem sie all das schöne Geld für die techniche Umsetzung auszugeben gedenken. So ist das halt auf dem grauen Kapitalmarkt üblich. Feinste New Economy, diese Krautreporter. Werbefrei, aber manchmal ist Werbung nicht das Schlimmste.

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Drogen, Juristerei, Outing, Jobanschwärzen

1. Schritt: Krautreporter bzw die Sparker uG entwickelt in aller Eile ein technisch ungenügendes Bezahlsystem und integriert später mit jeisser Nadel Paypal ohne Sicherheitscheck. Man braucht dringend Kohle und da achtet man halt nicht auf die Kleinigkeiten.

2. Ein vermutlich ziemlich schräger Spassvogel trollt das System über einen einzigen Paypal-Account, aber wenn da der Name einer bekannten TV-Managerin steht, sollte man eigentlich etwas vorsichtig werden. Eine Gegenprüfung - die Abos wurden vom immer gleichen Paypal-Account aus gechlossen - hat man aber erst mal offensichtlich nicht gemacht, man wollte ja 15.000 Abos errreichen.

3. Tag der Abrechnung und Grldabhebung. 300 Abos - fast 2% - fallen allein wegen des Spassvogels weg, und weil Emails wie "keks@lol.de" nicht genug Verdacht erregten, um der Sache nachzugehen Oder weil man den Ablauf nicht im Griff hatte, Oder Paypal nicht sauber integriert hat, Oder man einfach nur 15.000 erreichen wollte. Was weiss ich. Über die Gründe sagt der Chef Esser nichts. Dabei kommt dann raus, dass der Paypal-Accountinhaber nicht zahlen will.

4. Öffentlicher Blogbeitrag des Chefs mit Teilouting der Person und Andeutung von Drogenkonsum, Verweis auf den Kontakt mit deren Chef, Frage, was sie jetzt mit ihren 300 Abos anfangen werde. Es wird richtig hässlich und öffentlich. Andere würden so etwas still abwickeln lassen, Krautreporter sucht dagegen die Öffentlichkeit. Im Affekt vielleicht? Wut über durch die Lappen gehende 15.500 Euro? Das wäre für mich die einzig rationale Erklärung.

Wie die Sparker uG das Bezahlen mit ihren 1000 Euro Kapital durchsetzen will, noch dazu im Ausland, wäre natürlich eine andere Frage. Und wer eigentlich nun Geschäftspartner der Kunden ist, was zudem auch steuerlich relevant ist. Könnte also noch teurer werden. (Anyway, ob die sich mal mit dem Thema Sozialversicherung und Arbeitgeberanteil beschäftigt haben?)

Aber wenn eine Klitsche schon ein System baut, das beim Bezahlen so leicht auszuhebeln ist, und eine Firma das macht, die bei offensichtlichen Fakes keine frühzeitige Prüfung durchführt ("wir kriegen das hin"), dann sollte man vielleicht vor dem Schreiben solcher Posts auch erst mal nachdenken, ob die nicht mehr über die Klitsche als über den Troll aussagen.

Gestern gab es dann einen passwortgesicherten Blogbeitrag zum Thema "Wie es weiter geht". Der Link in der Benachrichtigung an die Mitglieder kommt laut Krautreporter falsch an, und bei manchen kommt noch nicht mal die Email an. Mit einem Passwort ohne Benutzernamen.

Aber sie kriegen das hin, das mit dem kaputten Onlinejournalismus.

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Dienstag, 13. Mai 2014

Gestern Werbung, heute auf dem Weg zum Praktikum in Nordkorea

Vielleicht erinnert sich ja noch jemand an den Sager von Sascha Lobo, als er zusammen mit Johnny Häusler und dem Bildblog/Stefan Niggemeier als journalistisches Aushängeschild den Blogwerbevermarkter Adical/Adnation gründete. Lobo sagte Leuten, die sich damals mit der Werbekommerzialisierung nicht anfreunden wollten, sie sollten vielleicht ein "Praktikum bei einer Nordkoreanischen Staatszeitung"" machen. Niggemeier hat das damals bei der Kampagne gegen Andersdenkende sehr unterstützt, er und die anderen mit Versprechungen zusammengekauften Vorzeigeblogger.

Der Werbevermarkter wurde etwas wie viele andere Ideen von Lobo, der jetzt nach einem Kolumnenflirt mit Merkel als NSA-Aufklärer wirken wollte. Johnny Häusler hat ein Buch über Kinder und Internet geschrieben. Und Niggemeier macht jetzt fast so etwas Praktikum bei der Staatszeitung Nordkoreas und erklärt jetzt (in etwa so wie wir damals), wieso Werbung ganz böse ist, dem wahren Journalismus schadet, und dass die revolutionäre Volksgemeinschaft das Projekt Krautreporter bezahlen soll. Ich denke, Nordkorea-Niggi könnte man schon ohne Angst vor Abmahnung sagen.

Aber ich glaube, dass aus dem Projekt Krautreporter aus anderen Gründen nichts wird.

1. Die 900.000 sind bei von mir errechneten minimal 600.000 Fixkosten für die Autoren ein wenig knapp und sehen mir nicht gerade nach solider Finanzierung aus. Selbst wenn man vieles über das Netz machen kann, so muss man doch auch liefern, bei Leser, Finanzamt, Steuerberater und Büroservice. Wenn jetzt schon die Site zusammenbricht und die Bestellungen reihenweise abgebrochen werden, zeigt das nur, dass Journalisten nun mal nicht unbedingt gute Planer und Umsetzer technischer Vorgänge sind. Eine Firma, bei der man nur mit Kreditkarte zahlen kann, ist einfach keine gute Idee. Und da muss nur mal etwas gröber schief gehen - bei Adical war es ein Prozess wegen der Namensrechte - damit so ein Projekt dann Schlagseite bekommt. Burnrate ist bei Neugründungen nun mal ein oft unterschätztes Thema, selnst wenn sie bei Krautreporter ihr Ziel meines Erachtens übertreffen können.

2. Das nächste Problem ist natürlich, dass die Redaktion für diese 900.000 schon steht. Und es sind nur 6 Frauen unter den 28 Personen und die machen so typische Frauenthemen in nichtbunt. Nachdem der Rest der Leute nach fader, linksmainstreamiger Weltbemimimisierung aussieht, bei der Korinthenniggi stilbildend sein dürfte, ist da jetzt wenig Spielraum, um das Projekt in Nebenlinien zu erweitern. Die Leute, die da schreiben, haben politisch keine besondere Spannbreite, sie sind halt alle irgendwie engagiert und wollen es besser machen und das will ich auch und irgendwann kotzt das die Leser an, sofern sie nicht ohnehin die taz lesen. Diese Redaktion ist nach Durchsicht der Viten eine Filterbubble, Schmale Redaktion, schmale Zielgruppe, zudem technisch orientiert: Das spricht nur ganz bestimmte Männer an, die in etwa den vorgestellten Autoren entsprechen. Andere Zielgruppen bekommen nichts. Eine echte Abwechslung, einen Advocatus Diaboli, der einem den politischen Mimimipelz wäscht, sehe ich nicht. Ein fortschrittliches Textprojekt im Internet mit etwas mehr als 20% Frauenanteil - unglaublich. Und nein: Zu sagen, für 100.000 mehr gibt es noch zwei Frauen dazu, ist auch keine gute Idee.

3. Und dann ist es schon wieder so ein berlinzentriertes Metropolending. Kann man machen, wie 124.973 andere auch. Vielleicht kann man diesen Markt der die Welt mies findenden Metropolenmänner tatsächlich kommerziell nutzen, aber ich etwa lebe in Regionen, wo 60 Euro eher kein grosses Opfer wären, und denen verspricht das Projekt nichts. Es sind Leute, die irgendwo irgendwas machen werden, aber keine Verankerung ausser in ihren 3, 4 Städten haben. Genauso absehbar ist, dass sie keinen Zugang zu den schönen Seiten des Lebens haben; man sieht dort Jessica Braun, die diese bunten Sträusse bei Zeit Online hätte machen können, man sieht ein paar Tranquilizerschreiberinnen aus dem Femimimiblog - das wird so trist und grau wie die Bilder. Sie werden Textblei und in nordkoreanische Formen gegossenen Wortbeton liefern. Aber die Menschen wollen nun mal schöne Aussichten:



4. und es ist ja nicht so, dass man die nicht bringen würde, wenn Autoren die liefern. Aber ich höre da den Lobo mitschwingen, der gern erst die Schuld bei den anderen sucht, wenn die Krautreporter behaupten, sie seien die, "die nicht mehr darauf warten wollen, dass die großen Medienunternehmen sich endlich trauen, echten Journalismus im Netz zu ermöglichen." Es gehört nun mal zu solchen Projekten, das Andere erst mal schlecht zu machen und abzuwerten, aber bitt'schön: Da ist jemand dabei, der banale Wortanhäufungen in drei Teile schnitt, damit das Blog voller wurde. Da sind Leute dabei, die viel Narrenfreiheit hatten und eigentlich sehr wohl erzählen könnten, was für Möglichkeiten es gibt, aber weniger, wie man sie effektiv nützt. Aber statt dessen wird dem Leser gesagt: Wir gegen Südkorea. Wir haben die Wahrheit und die Geschichten, die sonst keine Chancen hätten. Ich bin offen gesagt erstaunt, wie man so etwas behaupten kann und dann gleich so tut, als sei man Künder der letzten Wahrheiten.

5. Bezahlen für das Kommentieren? OMG. Wie unhöflich. Ideen aus der Paywallhölle.

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Meine Meinung ist ja, dass solche Typen sich nicht ändern und für Geld viel tun. Vorgestern waren sie Blogwerber, gestern zentraler Eckpfeiler des Internetmanifests und heute eben Krautreporter; was morgen ist, entscheidet die Mode und die Filterbubble bei Twitter. Momentan ist Crowdfunding in, da rotten sich halt Pulks zusammen und nehmen, was sie kriegen können. Es gibt ja auch genug wirklich schöne Ideen, da ist auch Platz für ein wenig nordkoreanischen Themenpark.

Vielleicht irre ich mich auch und es wird doch ein schöner Blumenstrauss feiner Geschichten. Ich habe von denen sowas bislang zwar kaum gelesen, aber wer weiss... das Vertrauen des Volks bringt auch den geliebten Führer zu Höchstleistungen. Aber wie auch immer es ausgeht, ein Gutes hat es: Es wird beim Scheitern nur das Problem eines relativ kleinen Sektors sein. Es kann sein, dass es dann für andere, die es besser machen, nicht mehr ganz so einfach wird, aber etwas Druck und Leistung ist ja nie schlecht, wenn man es eher im südkoreanischen Stil machen will.

Ich besetze dann jetzt schon mal das Bankerl an der Mangfall.

Edit: Das hängt ja schon mal gut an mit dem Reparieren des kaputten Onlinejournalismus:

http://rebellmarkt.blogger.de/static/antville/rebellmarkt/images/kraut1.jpg

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Sonntag, 20. Oktober 2013

Warum Sobooks kein Buchladen wird

Manche haben sich auf der Buchmesse gewundert, warum ich zu SoBooks noch keine Kritik geschrieben habe. Ja, also, was soll man an Kritiken über eine Firma schreiben, die noch "i.Gr." ist, ihre Website mit rudimentären Funktionen gerade erst freigeschaltet hat, und deren Buchbeschreibungen voller Fehler sind, was auf Hektik und zu wenig Zeit vor dem Start zur Buchmesse schliessen lässt? Vielleicht, dass halt mal wieder alle Startupfehler von den üblichen Leuten gemacht wurde: Am Anfang zu sehr das Maul aufgerissen, dann Ewigkeiten nicht in die Pötte gekommen, dann nahte die Buchmesse und man hat halt das herausgeschoben, was fertig war. Eine closed Beta. Gemeinhin würde man im wahren Leben ja eher keine Geschäfte eröffnen, in denen die Kisten herumstehen, die Ware noch nicht ausgepackt ist, nur wenige überhaupt rein dürfen und die Registrierkasse noch nicht arbeitet, nur um sehr spezielle Dinge wie Mitspracherechte zu verkaufen, für die dann aber auch genug andere da sein müssten, um mitzureden, was sie aber nicht sind, weil ja nicht jeder darf. So viel zum gesunden Menschenverstand.

Es stört hoffentlich niemanden, wenn ich ein derartig scheussliches Thema mit hübschen Bildern aus Bayreuth verziere? Danke.







Nun weiss man von Sascha Lobo allgemein, dass er nicht zum ersten Mal eine Firma gründet; andere Fälle verschwinden in einem Wust romanhafter Ausschmückung der üblichen, lahmen Klitschen ohne Sinn und Verstand, und ich bin jetzt zu faul, die geheimen DCT-Files herauszukramen und das alles noch einmal nachzuerzählen. Wie auch immer, das Scheitern des grossartigen Blogvermarkters "Adical" hat wohl jeder miterlebt und aus dem Claim "Ich mach Euch alle reich", den Sascha Lobo in die Bloglandschaft kotzte, blieb wenig mehr als ein nervenaufreibender Prozess und Seiten wie Bildblog und Leute wie Niggemeier, die mit solchen Versprechungen richtig gut rangefüttert wurden. Aber wenig bekamen.

Lobo zog sich in der Folge wieder auf das Projektgeschäft und Verfassen von eher weniger toll verkauften Büchern jenseits des Internets zurück, aber jetzt ist er also wieder da, mit Firma. Zu deren Gründung gibt es die öffentlich verbreitete Story dieses berufsmässigen Werbers, der behauptet, das wäre so beim Trinken auf einem Buchmesseempfang passiert; eine Story, mit der diese Figur ihr Image als leicht angetrunkenes Genie poliert, Die Wahrheit ist allerdings viel profaner: Lobo und seine Freunde wollten anfänglich nur einen Webshop für ihre EBooks haben, um selbst mehr an den Erlösen zu partizipieren, mussten sich dann aber von einem Spezialisten anhören, dass Aufwand und Ertrag in keinem sinnvollen Verhältnis stehen. So etwas muss grösser werden, damit die Kosten hereinkommen, denn die technische Plattform kostet mit 10 Büchern kaum mehr als mit 100.000. Und so kam es eben zur Überlegung, wie man so ein System gegen die anderen Konkurrenten positionieren könnte.

Lässt man weitere formschöne Erfindungen wie "Diskursmöglichkeiten, Debatten, Kommentare, Interaktion" einmal weg, kommt am Ende eine Art Dumpingsystem einer Paywall für Inhalte ohne DRM heraus. Daran ist nichts Schlechtes, nur sollte man sich eben bewusst sein: Sobooks vertreibt Daten gegen Bezahlung und möchte, dass die Käufer auch gleichzeitig durch Interaktion die Werbung machen. Im Verkauf der Daten lockerer als Amazon und beim Marketing, wenn es gut läuft, wie StudiVZ Second Life werkenntwen Facebook. Der Kundennutzen sind Bücher, die der Nutzer nicht mehr unter DRM hat, oder gar nur mietet, solange er zahlt, sondern halt auf seinem Gerät hat und behalten kann. Plus Zugang zu den Debattenmöglichkeiten bei Sobooks. Was natürlich ein fairerer Deal als das ist, was andere tun, solange es die Firma so gibt.







Ja, aber.

Das "Ja aber" ist eine simple Rechnung. Mit der Arbeit soll das Projekt in diesem halbfertigen Ruinenzustand schon mehr als eine Million gekostet haben. Firmen kosten nun mal Geld. Und ich habe überhaupt keine Zweifel, dass dieses Projekt noch erheblich mehr Geld kosten wird, bis es reibungslos läuft. Und angesichts eines Buchmarktes, bei dem die Backlist zunehmend bedeutungslos sind, und Bücher selten länger als 3 Monate laufen, wird auch ständiges Nacharbeiten nötig sein, selbst wenn die Plattform fertig ist. Sicher, vieles können die beteiligten Verlage vielleicht selbst über eine API liefern, und in Berlin sind genug Hungerleider, die sowas als Praktikum durchschauen. Und selbst, wenn der einzige Lohn, den ich bei Lobo für gerechtfertigt halten würde, den Wert von Spucke im Gesicht kaum überschreitet: Auch so einer muss Döner essen. Oder, um nicht mit dem H4-Schick anderer Berliner daherzukommen, auch mal selbst verkochte Nudeln in einer Kneipe unter Politikasozialen zahlen. Oder wird die FDP uinzwischen aus diesem Borschartds oder wie das heisst gepeitscht?

Nehmen wir also mal an, dass alle Kosten für das Projekt Ende 2014 eher bei 2-3 Millionen liegen, nach deren Selbsteinschätzung. Und nehmen wir an, dass sie die gern zurück hätten. Und vielleicht gern auch noch sowas wie Profit.

So eine Buchdatei kostet bei Sobooks deutlich unter 10 Euro. Und der Verlag wird da eher 50 oder 60% selbst einbehalten, aber gehen wir ruhig davon aus, dass Sobooks pro Buch 3 Euro vor allem verdient.

Um nur die angelaufenen Kosten bis Ende 2014 hereinzuholen, müsste Sobooks von diesen Datensätzen als gut eine Million verkaufen.







1 Million Bücher. Wer den Buchmarkt kennt, weiss, dass das nicht ganz einfach ist, wenn man gerade mal 1000 Follower bei Twitter hat, und auch von Lobos Followern mögen nur kleine Bruchteile seine Bücher lesen. Nur sehr wenige Menschen kaufen mehr als 50 Bücher pro Jahr und selbst wenn sie es tun, dann nicht bei den wenigen Verlagen, die bei Sobooks sind. Geghen wir aber mal davon aus, dass jeder Kunde durchschnittlich 10 Bücher dort ersteht.

Dann bräuchte Sobooks 100.000 Kunden. Nur um unter meinen Annahmen nicht in den roten Zahlen zu enden.

Das geht auch mit Spiegel online nicht, ausser man heisst Dick und schreibt über Rechtschreibfehler spiessige Zoten.

Das heisst, Sobooks muss entweder rasend schnell andere Verlage rumkriegen, ihre Bücher dort billiger zu verramschen und zwar ohne den ganzen DRM-Kram, damit die Kunden dort mehr Bücher kaufen und der Laden irgendwann profitabel wird. Meine Meinung ist, dass Sobooks schon eine viertel Million Kunden und ein sehr viel breiteres Sortiment und natürlich auch Angestellte für den Vertrieb bräuchte, vor allem aber Kunden, die wirklich vor allem dort einkaufen, um die alle reich zu machen.







Und dafür braucht man sicher auch vier, fünf Jahre, wenn es gut geht. Glaubt hier jemand ernsthaft, so einer wie Lobo würde sich ernsthaft ein halbes Jahrzehnt mit aller Kraft auf so etwas einlassen?

Meines Erachtens ist das Geschäftsmodell von Sobooks ein ganz anderes: Es ist der Versuch, eine akzeptierte Paywall unter vereinfachten Nutzerbedingungen einzuführen. Ich finde diese Idee nicht ganz schlcht, sie kommt halt nur von Leuten, die nicht eben als Heilsbringer in Erscheinung treten. Es sind Leute, die Profit wollen, und der, siehe oben, ist aus dem Büchern allein eher kaum zu erwarten.

Aber es gibt ja auch noch genug Verlage, Zeitungen und Medienkonzerne, die alle nicht wissen, wie sie eine Paywall machen sollen. Und wenn Sobooks eine gewisse, funktionierende Nutzerbasis auf der einen Seite und eine Paywall auf der anderen Seite haben sollte, ist das schon mal was, was andere erst mal schaffen müssten. Mitsamt Dikurs. und Marketingmöglichkeiten im sozialen Bereich. Und so etwas kostet in den kranken Strukturen herkömmlicher Verlage weitaus mehr als ein paar Millionen. Da ist Sobboks einfach die schlankere Lösung.

Das sind meines Erachtens die einzigen Kunden, auf die Lobo und Co, es wirklich abgesehen haben: Dass irgendein Verlag diesen vertriebskanal selbst haben und nebenbei noch an der Konkurrenz verdienen möchte. Amazon übernimmt solche Klitschen immer mal wieder, Holtzbrinck hat unter hohen Kosten Lovelybooks gemacht, der Reading Room bei der FAZ blieb leider Rudiment: Jetzt kommt Lobo und bietet die Alternative an.

Es geht gar nicht um das Verkaufen von Büchern. es geht um die Millionen der Verlage. Hochziehen, verticken an blöde Firmen, die das nicht selbst können, reich werden.

Ich weiss schon, warum ich denen sofort den Anwalt an den Hals hetzen würde, würde da auch nur eine Zeile von mir stehen. Über Texte kann man mit mir reden, über Nw Economy nicht.

Und, liebe Verlage; Schaut Euch die Performance an. Denkt nach. Wer einen Lobo zu brauchen meint, glaubt auch bei Krankheit an einen Wunderheiler.

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Montag, 19. August 2013

Was Deutschland schon wieder braucht

- neben kriminellen Banken und Investoren natürlich, die davon profitieren - sind wieder kleine, miserable Klitschen, die unter brutalster Ausnutzung aller Gelegenheiten schnell wachsen; mit auf dem Boden schlafende Mitarbeitern in der Zentrale, Servicecentern irgendwo im Osten mit staatlicher Förderug, Ausschluss der Gewerkschaften, und jede Menge arbeitswilligem New-Media-Personal, das sonst keine Hoffnung ausser vielleicht ein paar Kröten von Zwangsgebührenprofiteur Sixtus hat, oder vielleicht mal 4 Monate lang eine Internetshow auf dem absteigenden Ast comoderieren durfte. Sowas brauchen wir unbedingt wieder, damit es das Medienplebs in Berlin, München, Frankfurt, Hamburg und Köln aufsaugt.

Und weil das alles Geld kostet und das am besten moit staatlichen Subventionen geht, braucht man dafür auch eine Exitoption. Irgendwas, wo sich diese traumhaften Gewinne materialisieren lassen. Zumindest so lange, bis das alles wieder zusammenkracht. Eine Börse mit superlaxen Regeln, denn man will die jungen Hoffnungsträger nicht gleich wieder überlasten, wenn sie ihre Zeit damit zubringen, das Geld zu verjuxen. Mit einer lustigen Publizitätspflicht, die wieder bis zum letzten Moment die goldene Zukunft beschwört. Mit Automotiveprodukten für China, die es gar nicht gibt, mit zusammengekauften Agenturdreck, der zu teuer ist, als dass die Firma nach dem IPO laufen könnte, mit Firmenvermögen, das zum Schwiegervater für ein paar lausige Server verschoben wird. Und damit die Ostdeutschen auch träumen dürfen, kriegen sie einen Cargolifter und die Paketzentren ohne Mindestlohn. In der Realität werden Marken wie Wiessmann und Gumpert vom Markt gewischt, weil sich die Zeit geändert hat, aber in Berlin möwenpickt ein Wirtschaftsminister laut herum - ist sein Boss, der sich nach Medienberichten einfach so und keinesfalls betrunken verletzt haben soll, eigentlih schon wieder da? - dass er den Neuen Markt wieder haben will.

Naja, bei der FDP sind ja auch genug Pleitiers, die davon noch mal profitieren könnten, wenn es bei der Wahl wieder Erwarten doch schief gehen könnte. Überhaupt, die ganze Partei sieht so aus wie so eine windige Klitsche für einen neuen Markz, votne Milchbubis, die Finanzmittel zweckentfremden und dahinter fettglänzende alte Männer, die die Zukunft bestimmen wollen. Die FDP braucht ganz sicher einen Neuen Markt.

Hauptsache Exit!

Den sollte man ihnen auch geben. Wenn schon nicht für alles andere, dann wenigstens dafür, dass sie ernsthaft versuchen, schon wieder ein eher unsolides Geschäftsmodell aus dem Grauen Kapitalmarkt in die erste Liga zu heben.

Ja, aber dann gehen doch die Firmen an die Amerikaner, werden sie sagen. Super, wie bei Groupon, sollte man antworten. Ja, aber man muss doch an die Jobs denken, die da geschaffen werden, werden sie dann tönen. Und an die anderen, gut bezahlten Arbeitsplätze, die durch solche künstlich hochgezogene Subventionskonkurrenz in Bedrängnis geraten, sollte man ihnen antworten, aber bei der FDP vermute ich mal. dasa auch das eine erwünschte Nebenwirkung ist: Für die Röslers, Brüderles, Westerwelles und Lindners ist Deutschland erst schön, wenn es in Sachen Arbeit überall wie in Mecklenburg aussieht, die Callcenterversklavung effektiv funktioniert und der ganze schöne Reichtum bei den 2% Möchtegerns sind, die als Stammwähler dieser Partei gelten müssen.

Es ist wie immer: Wer nachhaltige Firmen aufbauen will, braucht ein Geschäftsmodell, Investoren und einen langen Atem. Alle anderen brauchen eine Exitoption. Aber solche Firmen braucht man meines Erachtens nicht. Und auch kein Volk von Aktionären, in dem der Taxifahrer fragt, wo er Aktien kaufen soll.

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Mittwoch, 23. Mai 2012

Ich verstehe das nicht.

Dieser Facebook-Flop.

Also was ich natürlich verstehe ist, warum man das nicht kauft: Es gab schon zu viele Firmen, die zu sehr abhängig von Werbeerlösen waren, die Zahl der Nutzer und der Traffic passen überhaupt nicht zu den Einnahmen, und Facebook hat bislang auch keine neuen, grandiosen Wege beschritten, sein Geschäftsmodell auf eine sichere Basis zu stellen. Was da angeboten wurde, ist ein alter Communityerfolg, aber keine zwingende kommende Zukunft -erinnert sich jemand an StudiVZ? Und es sieht auch nicht so aus, als wollte die Firma jetzt, mit der Börse im Rücken, Bereiche wie den Mobilsektor offensiv angehen; wie schwer man da ackern muss, sieht man bei Google, und dazu braucht man Neigung, die man bei Zuckerberg nicht verspürt. Insofern finde ich den Absturz fast noch erstaunlich klein. An der Börse zählen nun mal allein die Profite, und die hochgeladenen Bilder sind erst mal nur ein Kostenfaktor.

Nein, was ich nicht verstehe, ist der Absturz aufgrund einer anderen Begebenheit: All die Leute, die Facebook so viel Potenzial zugeschrieben haben. Wieso kaufen die jetzt nicht? Das wäre jetzt doch der ideale Zeitpunkt! So billig wird das vielleicht nie mehr! All die Spezialisten, Analysten, Kenner und Experten: Wieso verpfänden die jetzt nicht ihr Haus, ihr Auto, ihre Kinder und nutzen die Chance, reich zu werden? Wieso lassen die die Aktie weiter stürzen?

Das verstehe ich nicht. Wo Facebook doch so toll ist.

Allerdings habe ich das auch in der New Economy nicht verstanden.

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Freitag, 16. März 2012

Ein lindes Lüftchen am See

Es gibt etwas, das ich noch mehr als Pollen hasse:



Wenn elende Sparifankerl aus der New Economy, wo sie zurecht vor die Hunde gegangen sind, in der Politik plötzlich als Talente gehandelt werden. Typen wie dieser Lindner gehören sich auseinandergenommen, jede Mark ihrer Pleite nochmal untersucht und ihm die Sache mit den Avataren nochmal richtig reingerieben.



Weil: Wer zhu blöd für die Wirtschaft ist, und zwar mit einem Hypeschwachsinn wie Moomax - so nenne man ihn bitte, der "Moomax-Lindner" - der soll keinen warmen Sitz auf Steuerkosten bekommen, wenn er davor schon mal das Geld des Staates für seinen Blödsinn durchgeorgelt hat.



Avatare wollte Lindner programmieren und verkaufen. Customer Relationship Management. Irgendwas, was von der Ödnis der damaligen Webshops abgelenkt hat. Das ist er jetzt selbst geworden: Ein Hampelmann, eine künstliche Intelligenz vor dem liberalistischen Schrotthaufen, der die FDP geworden ist. Dass so einer im Reichshauptslum Berlin als Intellektueller gilt, überrascht nicht - da gilt ja auch der Döner als Mahlzeit und der Penner als Visionär. Und Spiegel Onschleim als Leitmedium.



Überhaupt sehe ich auch nicht, wo die FDP da meint, in NRW eine bürgerliche Mitte zu finden, die sie besetzen könnte. Die SPD ist da doch nur dem Namen nach sozialdemokratisch und ansonsten der gleiche eklige Filz, den wir in Bayern gerade langsam abschaffen. Nur mit dem Unterschied, dass sich die Verräterpartei dort immer noch so ungeniert wie eh und je aufführt, und sich noch nicht mal für den Wolfgang Clement entschuldigt hat. Bei dem sieht man übrigens, wie nah Gelb und Rot da sind: Davon hatte dieses Land genug.



Bezeichnenderweise sagt man zu diesem Burschen ja auch"Hoffnungsträger der Partei". Nicht für das Land oder die Leute, die vermutlich nur selten wissen, wer dieser Hayek da war, in dessen Gesellschaft Lindner sich rumtreibt: Dass so ein Pleitenmitwirker sich bei einem Berater der Thatcher delektiert, ist jetzt keine grosse Überraschung. Die kommt erst, falls sich genug finden, die den wählen. Wobei: Es ist zu hoffen, dass da auch nicht mehr als ein paar warme Stühle im Parlament rüberkommen.



Insgesamt aber: Das Sterben gehört dazu, und lieber noch 100 Jahre CSU als 10 Jahre FDP. Das ist keine Partei, sondern eine Krankheit der Demokratie, und wenn alle solche Lobbyorganisationen wählten: Gute Nacht Deutschland.



Also: Moomax hiess die Firma und die KfW hat ihr Geld verloren. Das ist jetzt 10 Jahre her, aber mal schauen, was im Internet von denen noch zu finden ist. Und dann: Einschenken. Jeder sollte wissen, was für ein Untergeher jetzt diese Partei vor dem Absaufen bewahren soll. Und bevor hier ein CDU-Freund anderer Meinung ist: Lindner versenken bedeutet auch: Die CDU vor deren eigenen New-Economy-Versagern schützen. Da rennen ja auch genug rum.



(Aber immer noch besser dort als am Tegernsee)

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Dienstag, 24. Januar 2012

Ich war dabeist

und brauche mir deshalb von Medien nichts über Kimble und den Lebensstil der New Economy erzählen lassen. Statt dessen erzähle ich lieber, wie es war und warum Kimble, nüchtern betrachtet, einfach zur Preisfindung von Inhalten im Netz beigetragen hat. Bei Dotcontod In der FAZ.

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Samstag, 17. Dezember 2011

Sucht, Abhängigkeit, Internet

Ich frage mich ja, warum ich mir die Finger bei Dotcomtod wundgeschrieben habe, wenn jetzt der gleiche Dreck wie damals wieder aus den Löchern kriecht. Für uns Veteranen ist das alles nichts Neues, Facebook, StudiVZ, Friendster: War sahen es kommen und gehen, und haben auf die Gräber gepinkelt. Was haben wir gelacht, als die Moorhuhnerfinder pleite gingen. Und jetzt?

Macht Zynga den IPO. Gut, er ist nicht gut gelaufen, aber auch diesmal beschäftigt sich die Wirtschaftspresse überhaupt nicht damit, was der Erfolg so einer Siffklitsche eigentlich über unsere Gesellschaft aussagt.

Insofern mache ich das für eines der Blogs, die mir im Blogbereich der FAZ am Herzen liegen.

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Sonntag, 17. Juli 2011

Ui lf

Oh, der Ulf J. Froitzheim ist immer noch sauer, dass wir ihm damals bei Dotcomtod für seine Einlassungen bei Bizz oder Brandeins oder Irgendwiesowas eine gewisse, dreckige Schmierfinkenunterwäsche nach draussen gedreht haben. Damals zeigte das Bild einen sehr alten Mann; Wer hätte gedacht, dass da ein beleidigtes Kind sitzt. Dachte auch, der wäre längst irgendwo weit weg versickert, wie so viele andere Leute aus dieser "Epoche", denen das überhaupt nicht geschadet hat, aber er hat wohl immer noch einen Internetanschluss.

Was jetzt nicht gerade ein Zeichen von durchschlagendem Erfolg im Dasein ist.

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