Montag, 11. Mai 2009
Accessoires für das Luxusproblem
Wir haben den Wagen gesucht, nach langen Debatten und Vergleichen zuerst den Typ festgemacht und dann aus drei Alternativen - schwarz, gold, zweifargig grün - den Letzten genommen. Weil er grün war, weil er nahe bei London stand und der Verkäufer den besten Eindruck machte. Wir haben den Wagen überführt und wieder zum glänzen gebracht, und dann dem Schrauber für den TÜV und das Öl und den Check die Schlüssel gegeben, im Glauben, damit - und mit einem Tausender - wäre das Problem gelöst.
Leider hatte der Schrauber aber genau in jener Woche ein Zeitproblem. Womit der Wagen zwar heute einen Termin zur Abnahme hat, aber vollkommen unklar ist, ob ich tatsächlich morgen damit Richtung Süden starten kann. Tendenziell glaube ich, dass ich diesmal aber erneut mit einem Cabrio auf die Mille Miglia fahren muss, was eigentlich gar nicht so schlecht ist, wenn es mein einziges Problem wäre.
Trotzdem ist das Gefühl, die Wette auf diese Art zu verlieren, nicht eben angenehm. Und trotzdem geht es weiter für den letzten Rest Hoffnung, und wenn man schon nichts tum kann, kann man wenigstens auf dem Flohmarkt so einkaufen, als gäbe es noch realistische Chancen. Zum Beispiel eine Ledertasche aus den 50er Jahren für Werkzeug, um es unter dem Sitz zu verstauen. Zum Beispiel einen Lederriemen für den Motorhaubenverschluss, falls man die Haube zur besseren Kühlung leicht öffnen muss. Zum Beispiel aber auch Dinge, die perfekt zum Wagen passen, wenn es mal nicht so gut läuft:

Von links angefangen: Lichtenbergs fatalistische Aphorismen sind ein guter Zeitvertreib, wenn der Wagen liegen bleibt. Sollte man bei Sansepolchro genervt auf dem Abschleppwagen warten und eigentlich schon in Rom sein müssen, ist der Blick auf die Uhr sehr stilsicher, wenn die Hamilton Carlton, die immer im Wagen ist, über ein früher auch sehr exquisites Lederarmband in British Racing Green verfügt - man glaubt gar nicht, was Bänder mitunter kosten können, wenn man sie am falschen Ort kauft. Sollte dann der Kolben ordentlich gefressen haben, süendet die kleine Leseapotheke aus dem Hause Hyperion Trost und Erleichterung. Mit einem ebenso in Leder gebundenen Taschenwörterbuch Englisch-Italienisch von 1963 lässt sich dann einen Bleibe für die Nacht und der Weg zum Bahnhof finden, wenn man es nicht mit dem originalverpackten Schraubenschlüssel geschafft das, die Gurke wieder zum Laufen zu bringen.
Das alles ist viel Spass auf dem Markt für sehr wenig Geld, es sind die Dinge, die man immer dabei haben sollte und die hoffentlich in vielen Jahrzehnten dem nächsten Besitzer gefallen werden. Den Abend eventueller Niederlagen kann ich ihm aber auch versüssen:

Denn da hatte jemand für das Handschuhfach ladenneue Bridgekarten, oder besser Rommeekarten in unseren Breitengraden, vom bekannten Hause Fournier im Angebot, in einer ganz wunderbaren Verpackung aus goldgerändertem Karton, mutmasslich aus den 60er Jahren. So kann man stilvoll verlieren, sei es nun beim Spiel oder bei einer Wette, die Mille Miglia mit einem zeitgenössischen Wagen zu begleiten, wenn "Abwarten und Tee trinken" eine ganz neue und abgründige Bedeutung bekommt.
However: Der schlimmste Fall ist die Fahrt in der Barchetta. Es gibt sehr, sehr viel Schlimmeres, und ausserdem können wir dann auch den Jaufenpass, Meran und den ein oder anderen Ort in der Toskana mitnehmen. Während der Mille Miglia soll das Wetter übrigens auch dieses Jahr wieder scheusslich sein.
Leider hatte der Schrauber aber genau in jener Woche ein Zeitproblem. Womit der Wagen zwar heute einen Termin zur Abnahme hat, aber vollkommen unklar ist, ob ich tatsächlich morgen damit Richtung Süden starten kann. Tendenziell glaube ich, dass ich diesmal aber erneut mit einem Cabrio auf die Mille Miglia fahren muss, was eigentlich gar nicht so schlecht ist, wenn es mein einziges Problem wäre.
Trotzdem ist das Gefühl, die Wette auf diese Art zu verlieren, nicht eben angenehm. Und trotzdem geht es weiter für den letzten Rest Hoffnung, und wenn man schon nichts tum kann, kann man wenigstens auf dem Flohmarkt so einkaufen, als gäbe es noch realistische Chancen. Zum Beispiel eine Ledertasche aus den 50er Jahren für Werkzeug, um es unter dem Sitz zu verstauen. Zum Beispiel einen Lederriemen für den Motorhaubenverschluss, falls man die Haube zur besseren Kühlung leicht öffnen muss. Zum Beispiel aber auch Dinge, die perfekt zum Wagen passen, wenn es mal nicht so gut läuft:

Von links angefangen: Lichtenbergs fatalistische Aphorismen sind ein guter Zeitvertreib, wenn der Wagen liegen bleibt. Sollte man bei Sansepolchro genervt auf dem Abschleppwagen warten und eigentlich schon in Rom sein müssen, ist der Blick auf die Uhr sehr stilsicher, wenn die Hamilton Carlton, die immer im Wagen ist, über ein früher auch sehr exquisites Lederarmband in British Racing Green verfügt - man glaubt gar nicht, was Bänder mitunter kosten können, wenn man sie am falschen Ort kauft. Sollte dann der Kolben ordentlich gefressen haben, süendet die kleine Leseapotheke aus dem Hause Hyperion Trost und Erleichterung. Mit einem ebenso in Leder gebundenen Taschenwörterbuch Englisch-Italienisch von 1963 lässt sich dann einen Bleibe für die Nacht und der Weg zum Bahnhof finden, wenn man es nicht mit dem originalverpackten Schraubenschlüssel geschafft das, die Gurke wieder zum Laufen zu bringen.
Das alles ist viel Spass auf dem Markt für sehr wenig Geld, es sind die Dinge, die man immer dabei haben sollte und die hoffentlich in vielen Jahrzehnten dem nächsten Besitzer gefallen werden. Den Abend eventueller Niederlagen kann ich ihm aber auch versüssen:

Denn da hatte jemand für das Handschuhfach ladenneue Bridgekarten, oder besser Rommeekarten in unseren Breitengraden, vom bekannten Hause Fournier im Angebot, in einer ganz wunderbaren Verpackung aus goldgerändertem Karton, mutmasslich aus den 60er Jahren. So kann man stilvoll verlieren, sei es nun beim Spiel oder bei einer Wette, die Mille Miglia mit einem zeitgenössischen Wagen zu begleiten, wenn "Abwarten und Tee trinken" eine ganz neue und abgründige Bedeutung bekommt.
However: Der schlimmste Fall ist die Fahrt in der Barchetta. Es gibt sehr, sehr viel Schlimmeres, und ausserdem können wir dann auch den Jaufenpass, Meran und den ein oder anderen Ort in der Toskana mitnehmen. Während der Mille Miglia soll das Wetter übrigens auch dieses Jahr wieder scheusslich sein.
donalphons, 01:20h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Montag, 27. April 2009
Der Nabel aus der Nachbarschaft
Auf Dienstreisen stoltert man doch ab und an über das eine oder andere Mitbringsel: Schokolade, Stifte, mancher Manager aber auch über eine Geschlechtskrankheit und ich zumeist über irgendeine Antiquität, die ich mir nicht leisten kann. Unterwegs sieht man nur das Offensichtliche, das Ostentative, die Schaufenster. Und so kommt es, dass ich immer in Verona begierig ein Chamäleon aus Murano begaffe, der dort nun schon seit Jahren auf einen potenten Käufer wartet. Ich brauche ganz sicher einen ein Meter langes Chamäleon, aber es ist lustig mit seiner gierigen, langen, roten Zunge. Würde ich es haben, stünde es auf meinem Schreibtisch und streckte die Zunge meinen Besuchern heraus.
Die Copilotin begafft im gleichen Laden eine nun auch schon etwas länger dort stehende Statue von Chiparus. Dergleichen kostet leider schnell mal 12.000 Euro oder mehr, und selbst kleinste Werke anderer Meister kosten um die 2000 Euro, wie ich in Rom erfahren durfte. Durchaus mit Patina und keinesfalls so, dass man ohne Fachkenntnis auf diesen Preis kommen müsste. Originale eben. Zu gut, dass es schon in den 30er Jahren eine rege Nachahmertätigkeit gab:

Denn diese junge Dame stand heute in Pfaffenhofen zum Verkauf. 40 cm hoch, sehr elegant und erstaunlich gut dem Original nachgebildet. So, dass man schon wirklich genau hinschauen muss, um zu erkennen, dass es nur eine Kopie ist. Die werden heute natürich auch wieder nachgemacht, kosten aber in dieser Qualität auch schnell 2, 3000 Euro. Das hier ist gewissermassen das kopierte Original der Kopien. Meines Erachtens vom Ausdruck des Gesichts her keinesfalls schlechter als das Original. Und erst der Bauchnabel!

Diese Eleganz also findet man nicht, wenn man tausende von Kilometern reist und die Strassen der teuren Händler abklappert, sondern einfach so, auf dem Antikmarkt in der Nachbarschaft. Neben etlichen Leuten, die natürlich auch Veroneser Preise verlangen, neben Anbietern moderner Nachformungen originaler Nachbauten des Biedermeier, das eigentlich Niedermeier heissen sollte, so niedrig sind ihre Motivationen. Der Nabel bleibt hier am See nur kurz Gast, bevor er seine neue Besitzerin erfreut, aber es gab ja auch genug anderes: Noch ein paar Kitchenschnitzereien für eine nackte Wandecke, ein Bild, nagelneue Roadtserkappen aus der Zeit um 1930, die nie getragen wurden und wie neu sind. Es war nett, heute in der Nachbarschaft. Viel besser als Rom, wo die Vergolder erst bei ein paar hundert Euro für ihre alten Fragmente anfangen, oder Verona, wo das Chamäleon noch lange seine Zunge herausstrecken wird.
Die Copilotin begafft im gleichen Laden eine nun auch schon etwas länger dort stehende Statue von Chiparus. Dergleichen kostet leider schnell mal 12.000 Euro oder mehr, und selbst kleinste Werke anderer Meister kosten um die 2000 Euro, wie ich in Rom erfahren durfte. Durchaus mit Patina und keinesfalls so, dass man ohne Fachkenntnis auf diesen Preis kommen müsste. Originale eben. Zu gut, dass es schon in den 30er Jahren eine rege Nachahmertätigkeit gab:

Denn diese junge Dame stand heute in Pfaffenhofen zum Verkauf. 40 cm hoch, sehr elegant und erstaunlich gut dem Original nachgebildet. So, dass man schon wirklich genau hinschauen muss, um zu erkennen, dass es nur eine Kopie ist. Die werden heute natürich auch wieder nachgemacht, kosten aber in dieser Qualität auch schnell 2, 3000 Euro. Das hier ist gewissermassen das kopierte Original der Kopien. Meines Erachtens vom Ausdruck des Gesichts her keinesfalls schlechter als das Original. Und erst der Bauchnabel!

Diese Eleganz also findet man nicht, wenn man tausende von Kilometern reist und die Strassen der teuren Händler abklappert, sondern einfach so, auf dem Antikmarkt in der Nachbarschaft. Neben etlichen Leuten, die natürlich auch Veroneser Preise verlangen, neben Anbietern moderner Nachformungen originaler Nachbauten des Biedermeier, das eigentlich Niedermeier heissen sollte, so niedrig sind ihre Motivationen. Der Nabel bleibt hier am See nur kurz Gast, bevor er seine neue Besitzerin erfreut, aber es gab ja auch genug anderes: Noch ein paar Kitchenschnitzereien für eine nackte Wandecke, ein Bild, nagelneue Roadtserkappen aus der Zeit um 1930, die nie getragen wurden und wie neu sind. Es war nett, heute in der Nachbarschaft. Viel besser als Rom, wo die Vergolder erst bei ein paar hundert Euro für ihre alten Fragmente anfangen, oder Verona, wo das Chamäleon noch lange seine Zunge herausstrecken wird.
donalphons, 01:21h
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Donnerstag, 23. April 2009
Ende eines Rituals
Seit ungefähr zwei Jahren, und seit einem halben Jahr eigentlich jeden Tag, besuchte ich zur Teezeit, wenn Ruhe einkehrte und der Kuchen bereit stand, zwei Webseiten: carandclassic.co.uk und classiccarsforsale.co.uk. Wie allgemein bekannt sein dürfte, war mein Budget nach dem Kauf meiner Wohnung am Tegernsee enorm angespannt, und so war zwischen Januar und September 2008 überhaupt nicht daran zu denken, mir einen Brocken Altmetall mit Folgekosten zuzulegen. Ausserdem waren die Erfahrungen mit dem deutschen Markt eher lausig. Aber dann stürzte das Pfund, meine Einnahmesituation gestaltete sich weiterhin erfreulich, und als ich den ersten Sunbeam 90 in Wirklichkeit sah - ein Brite rauschte damit am See entlang - war klar, dass ich eine Midlifecrisis formidabler Natur erfinden und vorschieben würde, um meiner verschwenderischen Gier ein rationales Fundament zu verpassen.
Nun habe ich einen Sunbeam, und wenn alles gut geht, hole ich ihn nächste Woche aus England auf eigener Achse ab. Ich habe den Wagen, den ich wollte, in der Farbe, die mir immer gewünscht habe, mit Leder drinnen und einem relativ starken Motor vor mir. Mein Bauchgefühl ist gut, der Verkäufer ist freundlich, und ich bin guter Dinge, was den Weg nach Rom angeht. Ich weine keinem MG B mehr hinterher, und ich denke, dass es dieser Wagen ist, mit dem man, zusammen mit meiner geliebten Barchetta, ganz hervorragend alt werden kann.
Insofern ist es sinnlos, sich weiter die Angebote im Netz anzuschauen. Besonders, weil mein Wagen letztlich nicht über die beiden genannten Seiten kam, sondern über den englischen Owner's Club. Aber es ist nicht so leicht, mit der Tradition zu brechen. Ich sitze weiterhin davor, wie die Grosstante vor der Todesanzeige. Ich habe inzwischen ein wenig Gefühl für die realen Preise. Und nun, da die Insel zu ihrem letzten Niedergang ansetzt, da man die Reichen mit 50% besteuert und dennoch ein Rekorddefizit einfährt, fände ich es ein wenig unfair, einfach das Auto zu nehmen und den verlorenen Rest keines Blickes zu würdigen.
Zu allem Elend hat die britische Regierung nun auch eine Abwrackprämie eingeführt. Nachdem britische Klassiker ohnehin nicht viel kosten, dürfte das für manchen nicht allzu beliebten Wagen das Ende bedeuten. Die Insel hatte ja nicht nur Jaguar, Rolls Royce und Daimler, sondern auch viele wirklich schöne Mittelklassewägen von Sunbeam, Wolseley, Humber und Singer. Wir sehen jetzt vielleicht das gewalrsame Ende einer automonilen Tradition, in der Fahren noch Lust und nicht nur Fortbewegung war. Also schaue ich weiter. Nicht, dass ich wie der Verkäufer meiner Wohnung jetzt Autos sammeln würde. Aber man sagt, dass man ohnehin Altwägen sehr viel leichter auf Strom umrüsten kann, als die fahrbaren Computer der Gegenwart. Niemand kann also gerade sagen, ob der neue Opel eine gute Investition für die Zukunft ist, oder ein Wagen, an dem man nichts programmieren muss, und den Antrieb zu ändern.
Ich schaue also weiter. Einfach so.
Nun habe ich einen Sunbeam, und wenn alles gut geht, hole ich ihn nächste Woche aus England auf eigener Achse ab. Ich habe den Wagen, den ich wollte, in der Farbe, die mir immer gewünscht habe, mit Leder drinnen und einem relativ starken Motor vor mir. Mein Bauchgefühl ist gut, der Verkäufer ist freundlich, und ich bin guter Dinge, was den Weg nach Rom angeht. Ich weine keinem MG B mehr hinterher, und ich denke, dass es dieser Wagen ist, mit dem man, zusammen mit meiner geliebten Barchetta, ganz hervorragend alt werden kann.
Insofern ist es sinnlos, sich weiter die Angebote im Netz anzuschauen. Besonders, weil mein Wagen letztlich nicht über die beiden genannten Seiten kam, sondern über den englischen Owner's Club. Aber es ist nicht so leicht, mit der Tradition zu brechen. Ich sitze weiterhin davor, wie die Grosstante vor der Todesanzeige. Ich habe inzwischen ein wenig Gefühl für die realen Preise. Und nun, da die Insel zu ihrem letzten Niedergang ansetzt, da man die Reichen mit 50% besteuert und dennoch ein Rekorddefizit einfährt, fände ich es ein wenig unfair, einfach das Auto zu nehmen und den verlorenen Rest keines Blickes zu würdigen.
Zu allem Elend hat die britische Regierung nun auch eine Abwrackprämie eingeführt. Nachdem britische Klassiker ohnehin nicht viel kosten, dürfte das für manchen nicht allzu beliebten Wagen das Ende bedeuten. Die Insel hatte ja nicht nur Jaguar, Rolls Royce und Daimler, sondern auch viele wirklich schöne Mittelklassewägen von Sunbeam, Wolseley, Humber und Singer. Wir sehen jetzt vielleicht das gewalrsame Ende einer automonilen Tradition, in der Fahren noch Lust und nicht nur Fortbewegung war. Also schaue ich weiter. Nicht, dass ich wie der Verkäufer meiner Wohnung jetzt Autos sammeln würde. Aber man sagt, dass man ohnehin Altwägen sehr viel leichter auf Strom umrüsten kann, als die fahrbaren Computer der Gegenwart. Niemand kann also gerade sagen, ob der neue Opel eine gute Investition für die Zukunft ist, oder ein Wagen, an dem man nichts programmieren muss, und den Antrieb zu ändern.
Ich schaue also weiter. Einfach so.
donalphons, 13:10h
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Dienstag, 14. April 2009
Die Haut
Die letzten paar Reisen bin ich in Italien gewesen, ohne Tierhaut zu erwerben. Ich esse bekanntlich kein Fleisch, was in Italien manchmal die Auswahl erschwert, aber nachdem leder ohnehin bei der Fleischprodujtion anfällt und ich nicht gerade mit Jesuslatschen herumlaufen möchte, greife ich gemeinhin zu Lederschuhen. Besonders in Italien. Bis vor zweieinhalb Jahren.
Danach sass die Copilotin auf dem Beifahrersitz und kümmerte sich beim Schuhkauf um Standards. Meine Füsse sind nicht gleich gewachsen, was die Suche nach passenden Schuhen erschwert, und seit einem Missgeschick mit meinem kleinen Zehen ist die Auswahl noch enger geworden. Ich unterscheide Schuhe nach den Kriterien "passt", was selten ist, und "passt nicht", was die Regel ist. Legt man nun den Qualitätsfilter der Beifahrerin drüber, die Leder, Nähte und Machart besonders begutachtet, bleiben eigentlich nur extrem teure Schuhe übrig, die sich bei mir aber nicht lohnen, weil ich sie mit meinen unterschiedlichen Füssen und Druckpunkten so oder so schleunigst ruiniere. Wirklich. Ich habe eine Menge Erfahrungen mit Schuhen von Bally: Es macht keinen Sinn. Eigentlich wäre ich der ideale Kunde für Moonboots im Winter und Plastiksohlen im Sommer. Wie auch immer, die Copilotin blickte jedesmal streng drein, wenn meine Hand nach minderwertigen Lederwaren griff, und so liess ich es dann auch bleiben, während die Copilotin jedesmal viel Platz für eigene - aber das ist eine andere Geschichte. Wie auch immer, diesmal lag Nebel über dem nördlichen Gardasee, wir hatten noch 2 Stunden Zeit, um den Jaufenpass 3 Stunden nach der offiziellen Schliessung zu erreichen, und so versuchten wir es erneut an einem Ort, den die Copilotin schon bei einem ersten Versuch als nich angemessen eingestuft hatte, und siehe:

Es gibt sie noch, die Schuhe, die mir zusagen und passen, der Copilotin zusagen, preislich nicht gleich auf dem Niveau des Hauses B. liegen und obendrein durch Handarbeit einen scheingebrauchten Touch haben. Manche werden sagen, dass zweifarbige Budapester ein wenig aus der Mode sind, aber unmittelbar davor bin ich die Gardesana hoch und habe beschlossen, dass ich dieselbe im Sommer gerne mit einem Wagen fahren möchte, der exakt zu diesen Schuhen passt. Vielleicht probieren wir auch ein gebloggtes Wettrennen aus: Ich und die Copilotin rasen in einem Audi R8 von Frankfurt aus durch die Schweiz nach Monte Carlo, um dort 50.000 Euro im Spielkasino zu verjuxen, und in Frankfurt hat ein Zocker ebenso lang Zeit, seine 100.000 auf ebenfalls 50.000 Euro zu reduzieren. Das wären dann die passenden Schuhe.

Und ausserdem gab es, auch hier wieder ohne Widerspruch, in Italien den passenden, gebrauchten Koffet für das Bare: Innen Hirschlederfutter, aussen Rindsleder, offensichtlich keine Fabrikware, Messingbeschläge und genau die Art Koffer, in denen der Mafioso dem Politiker einen Besuch abstattet. Und weil meine diversen Uhren bislang in einem Fach des Koffers auf dem Gepäckträger grossen Risiken ausgesetzt waren, fanden wir in einem kleinen, genau richtig riechenden Handwerkerbetrieb gleich an der Engelsburg auch noch eine spezielle Tasche für Uhren, Karten und einem Extraband für Manschettenknöpfe für, man darf das gar nicht laut sagen, jedenfalls: Die Zeiten, da ich Angst haben musste, die Rolex könnte die Longines zerkratzen, sind durch Einzeltäschchen aus Hirschleder erst mal vorbei.

Und dann war da noch die vorletzte Unterkunft, in der man alles hätte mitnehmen können, in der nichts Schlechtes oder - mit Ausnahme von Matratzen, Bettzeug und ähnlichem - Neues zu finden war, in der man inmitten der Familienerbstücke residiert. Die Copilotin sah es und meinte, es würde mir sicher gefallen, und abgesehen davon, dass so ziemlich jeder Gegenstand mich daran gemahnte, dass ich so etwas nicht habe, oder solche Ideen nicht hatte - der Computer etwa war hinter einen Paravent verborgen, und den Mut, einen Tisch in Hellblau und Gelb zu streichen, hätte ich nicht - mal abgesehen von diesen, auf mich selbst zurückzuführenden Makel fand ich es wirklich grossartig. Da waren etwa zwei kleine Terrinen auf der Anrichte, die, ach... In Mantua stand ich dann vor dem Schaufenster eines Juweliers, und dort standen sie dann, erstklassige Nachschöpfungen barocker Originale einer französischen Firma, die es seit zwanzig Jahren nicht mehr gibt und deren feinste Produkte nach längerer Zeit im Lager 2009 zum Preis von 1979 angeboten wurden. Ideal, wenn man etwa im Sommer draussen Erdbeerquark...
Bleibt nur eine Frage, auf die ich keine Antwort weiss: Warum habe ich nur zwei genommen? Aber demnächst bin ich wieder dort, und wenn ich dann nach der ganz grossen Anschaffung und deren Reparaturen und sonstigen Kosten noch Geld haben sollte, werde ich dort nochmal vorbeischlendern. Denn das Leben ist für Bescheidenheit viel zu kurz, und wenn man alt und krank ist, hilft einem auch die schönste Terrine nicht weiter.
Danach sass die Copilotin auf dem Beifahrersitz und kümmerte sich beim Schuhkauf um Standards. Meine Füsse sind nicht gleich gewachsen, was die Suche nach passenden Schuhen erschwert, und seit einem Missgeschick mit meinem kleinen Zehen ist die Auswahl noch enger geworden. Ich unterscheide Schuhe nach den Kriterien "passt", was selten ist, und "passt nicht", was die Regel ist. Legt man nun den Qualitätsfilter der Beifahrerin drüber, die Leder, Nähte und Machart besonders begutachtet, bleiben eigentlich nur extrem teure Schuhe übrig, die sich bei mir aber nicht lohnen, weil ich sie mit meinen unterschiedlichen Füssen und Druckpunkten so oder so schleunigst ruiniere. Wirklich. Ich habe eine Menge Erfahrungen mit Schuhen von Bally: Es macht keinen Sinn. Eigentlich wäre ich der ideale Kunde für Moonboots im Winter und Plastiksohlen im Sommer. Wie auch immer, die Copilotin blickte jedesmal streng drein, wenn meine Hand nach minderwertigen Lederwaren griff, und so liess ich es dann auch bleiben, während die Copilotin jedesmal viel Platz für eigene - aber das ist eine andere Geschichte. Wie auch immer, diesmal lag Nebel über dem nördlichen Gardasee, wir hatten noch 2 Stunden Zeit, um den Jaufenpass 3 Stunden nach der offiziellen Schliessung zu erreichen, und so versuchten wir es erneut an einem Ort, den die Copilotin schon bei einem ersten Versuch als nich angemessen eingestuft hatte, und siehe:

Es gibt sie noch, die Schuhe, die mir zusagen und passen, der Copilotin zusagen, preislich nicht gleich auf dem Niveau des Hauses B. liegen und obendrein durch Handarbeit einen scheingebrauchten Touch haben. Manche werden sagen, dass zweifarbige Budapester ein wenig aus der Mode sind, aber unmittelbar davor bin ich die Gardesana hoch und habe beschlossen, dass ich dieselbe im Sommer gerne mit einem Wagen fahren möchte, der exakt zu diesen Schuhen passt. Vielleicht probieren wir auch ein gebloggtes Wettrennen aus: Ich und die Copilotin rasen in einem Audi R8 von Frankfurt aus durch die Schweiz nach Monte Carlo, um dort 50.000 Euro im Spielkasino zu verjuxen, und in Frankfurt hat ein Zocker ebenso lang Zeit, seine 100.000 auf ebenfalls 50.000 Euro zu reduzieren. Das wären dann die passenden Schuhe.

Und ausserdem gab es, auch hier wieder ohne Widerspruch, in Italien den passenden, gebrauchten Koffet für das Bare: Innen Hirschlederfutter, aussen Rindsleder, offensichtlich keine Fabrikware, Messingbeschläge und genau die Art Koffer, in denen der Mafioso dem Politiker einen Besuch abstattet. Und weil meine diversen Uhren bislang in einem Fach des Koffers auf dem Gepäckträger grossen Risiken ausgesetzt waren, fanden wir in einem kleinen, genau richtig riechenden Handwerkerbetrieb gleich an der Engelsburg auch noch eine spezielle Tasche für Uhren, Karten und einem Extraband für Manschettenknöpfe für, man darf das gar nicht laut sagen, jedenfalls: Die Zeiten, da ich Angst haben musste, die Rolex könnte die Longines zerkratzen, sind durch Einzeltäschchen aus Hirschleder erst mal vorbei.

Und dann war da noch die vorletzte Unterkunft, in der man alles hätte mitnehmen können, in der nichts Schlechtes oder - mit Ausnahme von Matratzen, Bettzeug und ähnlichem - Neues zu finden war, in der man inmitten der Familienerbstücke residiert. Die Copilotin sah es und meinte, es würde mir sicher gefallen, und abgesehen davon, dass so ziemlich jeder Gegenstand mich daran gemahnte, dass ich so etwas nicht habe, oder solche Ideen nicht hatte - der Computer etwa war hinter einen Paravent verborgen, und den Mut, einen Tisch in Hellblau und Gelb zu streichen, hätte ich nicht - mal abgesehen von diesen, auf mich selbst zurückzuführenden Makel fand ich es wirklich grossartig. Da waren etwa zwei kleine Terrinen auf der Anrichte, die, ach... In Mantua stand ich dann vor dem Schaufenster eines Juweliers, und dort standen sie dann, erstklassige Nachschöpfungen barocker Originale einer französischen Firma, die es seit zwanzig Jahren nicht mehr gibt und deren feinste Produkte nach längerer Zeit im Lager 2009 zum Preis von 1979 angeboten wurden. Ideal, wenn man etwa im Sommer draussen Erdbeerquark...
Bleibt nur eine Frage, auf die ich keine Antwort weiss: Warum habe ich nur zwei genommen? Aber demnächst bin ich wieder dort, und wenn ich dann nach der ganz grossen Anschaffung und deren Reparaturen und sonstigen Kosten noch Geld haben sollte, werde ich dort nochmal vorbeischlendern. Denn das Leben ist für Bescheidenheit viel zu kurz, und wenn man alt und krank ist, hilft einem auch die schönste Terrine nicht weiter.
donalphons, 00:29h
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Dienstag, 31. März 2009
Nicht ganz harmlose Plaudereien
Ich bin ein notorischer Zuspätkommen, oder genauer: Ein notorischer Gefühltzuspätkommer. Tatsächlich komme ich ab und an zu spät, wenn die Strecke weit und das Ziel in der unglücklichen Beitrittsruinenzone liegt; und das, obwohl ich hinter der bayerischen Grenze gern zum Raser werde, um das Elend nicht betrachten zu müssen. Fahren Sie mal nach Chemnitz.
München ist näher, und da sollte es klappen. Entsprechend pünktlich stand ich dann auch gestern, geschniegelt und gestriegelt, vor den Toren des Veranstaltungsortes. Die Tür war zu, niemand war zu sehen, also klopfte ich nach vergeblicher Klingelei am letzten beleuchteten Fenster und verlangte Eintritt. Dort wurde mir dann freundlicherweise gesagt, dass ich nicht pünktlich, sondern einen Tag zu früh dran bin. Dergestalt nutzlos begab ich mich nach Schwabing zum beliebten Sport des Frustkaufens, namentlich Lederwaren, oder besser Halblederwaren: Bücher aus vergangenen Zeiten aus den Wühltischen der Antiquariate.

Da war also, passend zur kommenden Reise, ein Vergil von 1821, die sich sehr schick im Handschuhfach machen dürfte, und eine französische Homerübersetzung von 1815 mit sehr blutigem Frontispiz - Odysseus metzelt daheim die Freier seiner Frau Penelope nieder, zu seinen Füssen ein abgeschlagener Kopf, aber damals hatte man ja noch geeignetes Personal. Kurz vor dieser alles entscheidenden Szene muss eine französische Frau nach 1908 das Lesen dieses Buches beendet haben, denn im 16. Gesang findet sich ein Einmerker in Form einer Schnupperkarte des Parfums "Séduction" der Gellé Freres, das 1908 in Paris aufgelegt wurde. Das darf drinnen bleiben; meines Erachtens ist Produktinformation, mit der man es hier zu tun hat, etwas ganz anderes als Werbung oder PR, die man allzu oft in Form von Gebetszetteln in alten Büchern weniger erfeulicher Vorbesitzerschaft findet.
Dazu noch ein Buch mit dem netten Namen "Harmlose Plaudereien eines alten Münchners" von Otto von Völderndorff, der 1898 seine Texte aus den letzten Jahren dieses Jahrhunderts zusammenfasst und eine ergiebige Quelle für Gesellschaftliches aus der Münchner Oberschicht seiner Zeit vorstellt. Reichlich freimütig und gar nicht so harmlos übrigens, denn manche der darin genannten 400 Personen kommen nicht allzu gut weg. Allerdings war das Buch damals reichlich teuer, und dürfte nur unter eben jener Gesellschaft kursiert sein, der das alles ohnehin schon hintertragen wurde. Schliesslich hatte man damals keine Glotze oder kein Internet, um gegen die eigene Nichtswürdigkeit und Charakterlosigkeit irgendwelchen Kommerzdreck zur Identitätsstiftung zusammenzuklauben, und musste seilbst unterhaltend sein, um akzeptiert zu werden.
Ich glaube, ich werde in den nächsten Tagen einiges lernen dürfen, und der alte Völderndorff, dessen Familie nach eigenem Bekunden mit ihm auszusterben geneigte, wird mir ein angenehmer Begleiter durch die Niederungen von PR, Werbung, Marketing und davon käuflicher Johurnaille sein, die ich in den kommenden Tagen mit feinen Ledersohlen rektal, oder, so sich die Möglichkeit bietet, auch fazial zu betreten gedenke. Vielleicht adoptiert er mich ja ideell.
München ist näher, und da sollte es klappen. Entsprechend pünktlich stand ich dann auch gestern, geschniegelt und gestriegelt, vor den Toren des Veranstaltungsortes. Die Tür war zu, niemand war zu sehen, also klopfte ich nach vergeblicher Klingelei am letzten beleuchteten Fenster und verlangte Eintritt. Dort wurde mir dann freundlicherweise gesagt, dass ich nicht pünktlich, sondern einen Tag zu früh dran bin. Dergestalt nutzlos begab ich mich nach Schwabing zum beliebten Sport des Frustkaufens, namentlich Lederwaren, oder besser Halblederwaren: Bücher aus vergangenen Zeiten aus den Wühltischen der Antiquariate.

Da war also, passend zur kommenden Reise, ein Vergil von 1821, die sich sehr schick im Handschuhfach machen dürfte, und eine französische Homerübersetzung von 1815 mit sehr blutigem Frontispiz - Odysseus metzelt daheim die Freier seiner Frau Penelope nieder, zu seinen Füssen ein abgeschlagener Kopf, aber damals hatte man ja noch geeignetes Personal. Kurz vor dieser alles entscheidenden Szene muss eine französische Frau nach 1908 das Lesen dieses Buches beendet haben, denn im 16. Gesang findet sich ein Einmerker in Form einer Schnupperkarte des Parfums "Séduction" der Gellé Freres, das 1908 in Paris aufgelegt wurde. Das darf drinnen bleiben; meines Erachtens ist Produktinformation, mit der man es hier zu tun hat, etwas ganz anderes als Werbung oder PR, die man allzu oft in Form von Gebetszetteln in alten Büchern weniger erfeulicher Vorbesitzerschaft findet.
Dazu noch ein Buch mit dem netten Namen "Harmlose Plaudereien eines alten Münchners" von Otto von Völderndorff, der 1898 seine Texte aus den letzten Jahren dieses Jahrhunderts zusammenfasst und eine ergiebige Quelle für Gesellschaftliches aus der Münchner Oberschicht seiner Zeit vorstellt. Reichlich freimütig und gar nicht so harmlos übrigens, denn manche der darin genannten 400 Personen kommen nicht allzu gut weg. Allerdings war das Buch damals reichlich teuer, und dürfte nur unter eben jener Gesellschaft kursiert sein, der das alles ohnehin schon hintertragen wurde. Schliesslich hatte man damals keine Glotze oder kein Internet, um gegen die eigene Nichtswürdigkeit und Charakterlosigkeit irgendwelchen Kommerzdreck zur Identitätsstiftung zusammenzuklauben, und musste seilbst unterhaltend sein, um akzeptiert zu werden.
Ich glaube, ich werde in den nächsten Tagen einiges lernen dürfen, und der alte Völderndorff, dessen Familie nach eigenem Bekunden mit ihm auszusterben geneigte, wird mir ein angenehmer Begleiter durch die Niederungen von PR, Werbung, Marketing und davon käuflicher Johurnaille sein, die ich in den kommenden Tagen mit feinen Ledersohlen rektal, oder, so sich die Möglichkeit bietet, auch fazial zu betreten gedenke. Vielleicht adoptiert er mich ja ideell.
donalphons, 19:01h
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Montag, 23. März 2009
Höhere Töchterschule 1884
Sehr höhere Töchterschule. In einer Zeit, da man Lehrpersonal nicht nur kaufen durfte, sondern sogar noch selbst kaufen musste:
Vermutlich waren es weniger die Schülerinnen, die sich da für ein Präsent zusammentaten, als vielmehr ihre vermögenden Eltern. 1884 war das Silberbesteck sicher nicht so billig, wie ich es heute erworben habe:
Da war noch mehr. Eine ganze Kiste von Augsburger Faden aus der gleichen Quelle. Vermutlich war das früher gar nicht so unüblich, Lehrpersonal zum Ende mit Silber einzudecken. Man mag das spiessig finden, und es war sicher keine allzu freie zeit, aber nach den letzten Tagen ist es nicht unrührend. Und das, obwohl Schule damals wirklich ekelhaft, und nicht im Mindesten diese lasche Förderungsveranstaltung wie heute war. Trotzdem scheint die Beschenkte das Präsent nur gut verwahrt, aber nie benutzt zu haben.

Vermutlich waren es weniger die Schülerinnen, die sich da für ein Präsent zusammentaten, als vielmehr ihre vermögenden Eltern. 1884 war das Silberbesteck sicher nicht so billig, wie ich es heute erworben habe:

Da war noch mehr. Eine ganze Kiste von Augsburger Faden aus der gleichen Quelle. Vermutlich war das früher gar nicht so unüblich, Lehrpersonal zum Ende mit Silber einzudecken. Man mag das spiessig finden, und es war sicher keine allzu freie zeit, aber nach den letzten Tagen ist es nicht unrührend. Und das, obwohl Schule damals wirklich ekelhaft, und nicht im Mindesten diese lasche Förderungsveranstaltung wie heute war. Trotzdem scheint die Beschenkte das Präsent nur gut verwahrt, aber nie benutzt zu haben.
donalphons, 00:41h
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Mittwoch, 18. März 2009
Dumme Gedanken
Wenn die Gedanken zu dumm wären, geht man raus an die frische Luft. Heute wurden meine Gedanken zu dumm, ich war zu nah dran, etwas blödes zu tun, also bin ich raus. Raus aus dem Haus, rein in den Wagen, rüber an den Wallberg, um zu rodeln und auf andere Gedanken zu kommen. Ich fuhr also durch Tegernsee und klebte hinter schleichenden Hamburgern, in Rottach dann hinter einem schleichenden Bus, was seltsam ist, denn bei uns fahren die Busse meistens ziemlich schnell. Der Bus fuhr an eine Haltestelle, ich gab Gas, und vor mir war der Grund seines Schleichens:

Ein Jaguar XK140 FHC. Mit Schiebedach. Und Speichenrädern. Was natürlich absolut perfekt war, denn der Grund, warum ich hier war, das Ding, an das ich nicht mehr denken wollte, der Blödsinn, den zu tun ich ziemlich nah dran war, ist zwar weit weg im Norden Englands, ist aber auch schwarz und geschwungen und sieht konkret so aus:

Ein Jaguar XK140 ist da das Letzte, was man eigentlich sehen möchte, mit einem grinsenden alten Knacker drin. Und nun wäre es sehr nett, wenn mir jemand bestätigen könnte, dass es wahnsinnig ist, mit so einer Schleuder mit rostigen Türen und einem rausspringenden ersten Gang 1300 Kilometer durch England, Frankreich, Belgien, Holland, das feindliche Rheinausland bis nach Bayern zu fahren. Es wäre sehr sinnvoll, wenn mir jemand erklären würde, wie schlimm das ist, wenn man liegen bleibt. Und dass eine Reparatur entsetzlich teuer wird.
So das keiner kann, nehme ich auch Ratschläge zum Thema Oldtimerimport aus England an, sowie Ratschläge, wie man im eigenen Garten nach Öl bohren kann, um den 12-Liter-Durst eines derartigen Monsters mit lappigen 80 PS zu stillen.

Ein Jaguar XK140 FHC. Mit Schiebedach. Und Speichenrädern. Was natürlich absolut perfekt war, denn der Grund, warum ich hier war, das Ding, an das ich nicht mehr denken wollte, der Blödsinn, den zu tun ich ziemlich nah dran war, ist zwar weit weg im Norden Englands, ist aber auch schwarz und geschwungen und sieht konkret so aus:

Ein Jaguar XK140 ist da das Letzte, was man eigentlich sehen möchte, mit einem grinsenden alten Knacker drin. Und nun wäre es sehr nett, wenn mir jemand bestätigen könnte, dass es wahnsinnig ist, mit so einer Schleuder mit rostigen Türen und einem rausspringenden ersten Gang 1300 Kilometer durch England, Frankreich, Belgien, Holland, das feindliche Rheinausland bis nach Bayern zu fahren. Es wäre sehr sinnvoll, wenn mir jemand erklären würde, wie schlimm das ist, wenn man liegen bleibt. Und dass eine Reparatur entsetzlich teuer wird.
So das keiner kann, nehme ich auch Ratschläge zum Thema Oldtimerimport aus England an, sowie Ratschläge, wie man im eigenen Garten nach Öl bohren kann, um den 12-Liter-Durst eines derartigen Monsters mit lappigen 80 PS zu stillen.
donalphons, 23:36h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 6. März 2009
Der warme Schein des Goldes
Gold ist ja nicht so meine Sache. Oft ist es zu patzig, zu laut, zu aufdringlich. Gold ist nie zurückhaltend wie Silber, es drängelt sich nach vorne, es ist indezent und verspricht oft genug, nur eine Fälschung zu sein. Gold ist zwar beständig, aber auf eine Art, die man als übertrieben empfindet. Kurz: Gold passt nicht so richtig.

Trotzdem ist am Tegernsee inzwischen reichlich Gold in diesem Winter an die Wand genagalt worden. Ich habe diesen Winter verstanden, warum gerade die Kirchen im Alpenraum so verschwenderisch mit Gold umgehen, warum es nichts gibt, was nicht in Gold ausgeführt werden kann: Weil das ewige, monatelang anhaltende Weiss draussen vor der Tür irgendwann nicht mehr zu ertragen ist. Es ist dies mein erster Bergwinter, es ist ein sagenhafter Bergwinter mit Schnee, Schnee und nochmal Schnee, und während ich das hier schreibe, treibt ein strenger Wind weisse Schlieren über weisse Felder. Heute, morgen, bis Ende nächster Woche und vielleicht darüber hinaus. Es gibt keine Sonne, also braucht man den künstlichen Sonnenschein des Goldes.

Damit die Wohnung sofort warm wirkt, wenn man von draussen, zitternd und steifgefroren, heimkommt. Damit das Weiss, das in den Wolken keinen Anfang und kein Ende hat, gebrochen wird. Damit den stumpfen Weisstönen ein Funkeln gegenüber steht, das an andere Zeiten erinnert. Ich mag Gold eigentlich nicht, aber in den Bergen muss es sein.

Trotzdem ist am Tegernsee inzwischen reichlich Gold in diesem Winter an die Wand genagalt worden. Ich habe diesen Winter verstanden, warum gerade die Kirchen im Alpenraum so verschwenderisch mit Gold umgehen, warum es nichts gibt, was nicht in Gold ausgeführt werden kann: Weil das ewige, monatelang anhaltende Weiss draussen vor der Tür irgendwann nicht mehr zu ertragen ist. Es ist dies mein erster Bergwinter, es ist ein sagenhafter Bergwinter mit Schnee, Schnee und nochmal Schnee, und während ich das hier schreibe, treibt ein strenger Wind weisse Schlieren über weisse Felder. Heute, morgen, bis Ende nächster Woche und vielleicht darüber hinaus. Es gibt keine Sonne, also braucht man den künstlichen Sonnenschein des Goldes.

Damit die Wohnung sofort warm wirkt, wenn man von draussen, zitternd und steifgefroren, heimkommt. Damit das Weiss, das in den Wolken keinen Anfang und kein Ende hat, gebrochen wird. Damit den stumpfen Weisstönen ein Funkeln gegenüber steht, das an andere Zeiten erinnert. Ich mag Gold eigentlich nicht, aber in den Bergen muss es sein.
donalphons, 21:59h
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Montag, 2. März 2009
Das Monogramm
Oh, dachte ich, genau diese Teller passen ja hervorragend zum Service meiner Mutter, bei dem so viele Teile fehlen. Und griff danach.
Oh nein, dachte ich, als ich die Fahne betrachtete, ein Monogramm. Nein, das wird sie nicht wollen, bei anderer Leute Monogramm ist sie reichlich pingelig, und dann verwendet sie es nicht.
Allerdings, dachte ich ein paar Stände weiter, diese Tassen, Untertassen und Teller von Sophiental, die der auch hatte, wären vielleicht doch nicht ganz schlecht, für die Reise, nachdem das alte Reisegeschirr durch Nachkauf inzwischen zum Vollgeschirr aufgewertet wurde. Und ging zurück.
Wollen Sie die Teller nicht auch noch? fragte der Verkäufer und schenkte sie mir praktisch zum Sophiental dazu. Da konnte ich nicht nein sagen.
Daheim sah ich mir nochmal das Monogramm an.
Es sind die Initialen des Namens meiner Mutter.
Oh nein, dachte ich, als ich die Fahne betrachtete, ein Monogramm. Nein, das wird sie nicht wollen, bei anderer Leute Monogramm ist sie reichlich pingelig, und dann verwendet sie es nicht.

Allerdings, dachte ich ein paar Stände weiter, diese Tassen, Untertassen und Teller von Sophiental, die der auch hatte, wären vielleicht doch nicht ganz schlecht, für die Reise, nachdem das alte Reisegeschirr durch Nachkauf inzwischen zum Vollgeschirr aufgewertet wurde. Und ging zurück.
Wollen Sie die Teller nicht auch noch? fragte der Verkäufer und schenkte sie mir praktisch zum Sophiental dazu. Da konnte ich nicht nein sagen.
Daheim sah ich mir nochmal das Monogramm an.
Es sind die Initialen des Namens meiner Mutter.
donalphons, 00:37h
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Montag, 23. Februar 2009
Gold im Regen
Schnee. Pappiger, nasser Schnee. Und Temperaturen um die 0 Grad. Das Auto eingeschneit. Die Einfahrt eingeschneit. Die Nässe ist nach ein paar Schritten durchgedrungen, durch die Schuhe, die Hose und den Dufflecoat. Alles, wirklich alles sagt Nein. Es gibt Dinge, die braucht es nicht. Es braucht nicht die trübe Landschaft, es braucht nicht die Eisreste auf der Strasse, die schwankenden Kriecher und das zynische Knirschen der Schneefelder unter den Reifen. Es wäre doch auch mal schön, daheim zu bleiben, lang zu frühstücken und in der Wärme ein Buch zu lesen. Diese verdammte Gier wird mich nochmal umbringen.

Auch nicht meiner Gesundheit zuträglich sind gewisse Preise, die in Pfaffenhofen verlangt werden. So hätte mir die Rokokodame dort unten sehr gefallen - ich bin ja ein grosser Liebhaber lasziv-edler Blässe vor todschwarzem Hintergrund - aber der Preis war dann doch so hich, dass es einen wundert, warum man so etwas dem Schnee und Regen aussetzt. Ich hasse es, wenn ich mir etwas nicht leisten kann, wenn andere es selbst nicht schätzen. Es ist kein Neid, es ist einfach nur der Ärger mit dem dummen Umgang mit Werten.
Es gibt für so einen sorglosen Umgang einen Spezialisten, dessen Stand an der einen Ecke des Marktes ist. An der anderen Ecke befindet sich die Wurstbraterei. Und wie er mir einmal erzählte, hat er immer das Pech, sich seine Wurst zu holen, wenn sich der Wolkenbruch über dem Gelände entlädt. Ich habe ihn an so einem Tag kennengelernt. Da lag an seinem Stand ein wirklich prunkvoller, aber leider völlig durchweichter Louis-Philippe-Spiegel, den zu retten keine kleine Aufgabe war, der heute aber in meinem Wohnzimmer mit seinem brüchigen Prunk eine elegant-morbide Stimmung verbreitet. Heute jedoch hatte dieser Händler aufgepasst und sein Angebot abgedeckt.

Und leuchteten also diese beiden goldenen Schnitzereien aus all dem nassen Elend hervor. Dem Bericht des Verkäufers zufolge stammen sie von einem Kirchenrestaurator aus dem Bayerischen Wald; einer zurückgebliebenen Gegend, gegen die Berlin allenfalls wie Ukraine, nicht mehr aber wie Kasachstan erscheint, arm und unsexy, aber eben diese Regionen der Armut haben oft die prächtigsten Kirchen. Und die dümmsten Pfarrer. Die nämlich lassen bei Restaurierungen alles neu und glänzend machen und kümmern sich nicht weiter um die alten Reste. Sei es, dass sie im Ofen landen, auf dem Speicher oder eben dem Restaurator als Vorlagen mitgegeben werden. Bayern ist vermutlich so voll mit Rokokokirchen, dass es irgendwann auch dem Restaurator zu viel wird, und dann landet der Bruch von Türen, Chorschranken oder Gestühl auf dem Markt.
Man darf gar nicht daran denken, was für eine Arbeit es gewesen sein muss, diese Stücke zu schnitzen, dann mit Stuck zu überziehen und mit Blattgold zu belegen, das erst durch Politur den Glanz erhielt, den sich die Stücke erhalten haben. Neuer ist dagegen der Geruch nach Weihrauch, was auf eine Verwendung im Chor hinweist - normale Gläubige bekommen eher Holzbänke und Steinboden, Gold dagegen ist für Priester, Religion und Gott vorbehalten. Und natürlich jetzt auch für den Gottesleugner, der es unbescheiden neben den anderen an die Wand hängt und darunter einem Leben fröhnt, das dem eitlen Glanz des Goldes, nicht aber dem verlorenen Zweck der Gläubigenbeeindruckung entpricht.

Auch nicht meiner Gesundheit zuträglich sind gewisse Preise, die in Pfaffenhofen verlangt werden. So hätte mir die Rokokodame dort unten sehr gefallen - ich bin ja ein grosser Liebhaber lasziv-edler Blässe vor todschwarzem Hintergrund - aber der Preis war dann doch so hich, dass es einen wundert, warum man so etwas dem Schnee und Regen aussetzt. Ich hasse es, wenn ich mir etwas nicht leisten kann, wenn andere es selbst nicht schätzen. Es ist kein Neid, es ist einfach nur der Ärger mit dem dummen Umgang mit Werten.
Es gibt für so einen sorglosen Umgang einen Spezialisten, dessen Stand an der einen Ecke des Marktes ist. An der anderen Ecke befindet sich die Wurstbraterei. Und wie er mir einmal erzählte, hat er immer das Pech, sich seine Wurst zu holen, wenn sich der Wolkenbruch über dem Gelände entlädt. Ich habe ihn an so einem Tag kennengelernt. Da lag an seinem Stand ein wirklich prunkvoller, aber leider völlig durchweichter Louis-Philippe-Spiegel, den zu retten keine kleine Aufgabe war, der heute aber in meinem Wohnzimmer mit seinem brüchigen Prunk eine elegant-morbide Stimmung verbreitet. Heute jedoch hatte dieser Händler aufgepasst und sein Angebot abgedeckt.

Und leuchteten also diese beiden goldenen Schnitzereien aus all dem nassen Elend hervor. Dem Bericht des Verkäufers zufolge stammen sie von einem Kirchenrestaurator aus dem Bayerischen Wald; einer zurückgebliebenen Gegend, gegen die Berlin allenfalls wie Ukraine, nicht mehr aber wie Kasachstan erscheint, arm und unsexy, aber eben diese Regionen der Armut haben oft die prächtigsten Kirchen. Und die dümmsten Pfarrer. Die nämlich lassen bei Restaurierungen alles neu und glänzend machen und kümmern sich nicht weiter um die alten Reste. Sei es, dass sie im Ofen landen, auf dem Speicher oder eben dem Restaurator als Vorlagen mitgegeben werden. Bayern ist vermutlich so voll mit Rokokokirchen, dass es irgendwann auch dem Restaurator zu viel wird, und dann landet der Bruch von Türen, Chorschranken oder Gestühl auf dem Markt.
Man darf gar nicht daran denken, was für eine Arbeit es gewesen sein muss, diese Stücke zu schnitzen, dann mit Stuck zu überziehen und mit Blattgold zu belegen, das erst durch Politur den Glanz erhielt, den sich die Stücke erhalten haben. Neuer ist dagegen der Geruch nach Weihrauch, was auf eine Verwendung im Chor hinweist - normale Gläubige bekommen eher Holzbänke und Steinboden, Gold dagegen ist für Priester, Religion und Gott vorbehalten. Und natürlich jetzt auch für den Gottesleugner, der es unbescheiden neben den anderen an die Wand hängt und darunter einem Leben fröhnt, das dem eitlen Glanz des Goldes, nicht aber dem verlorenen Zweck der Gläubigenbeeindruckung entpricht.
donalphons, 00:58h
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