: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Samstag, 8. Januar 2005

Ja sagen

Dieses Blog sagt oft Nein. Das "Non credo, nego" ist sein eigentliches Credo. Aber nicht immer. Heute zum Beispiel.



Denn manchmal sind all die Verursacher Welten entfernt, es gibt kein Netz und keine schmutzigen Ganoven, die sich darin austoben, es gibt keine Elite und auch keine Blödschwätzer, nur das Licht, die Landschaft mit ihren anmutigen Hügeln und den Wind, der einen die Arme ausbreiten lässt. Und dann sagt man Ja. Ja zu diesem Land, das unschuldig ist an der Dummheit seiner Politiker, die sich jeden Scheiss aufschwatzen lassen, weil sie in der Munich Area vor Fremden vergessen machen möchten, dass sie von hier stammen, aus dem grünen Herz des Landes.

Es gab Zeiten, etwa in den 60er Jahren, da war Bayern arm an dem, was man an Fortschritt als Grundvorraussetzung für Reichtum angesehen hat. Man hat mit viel Geld aus Bonn die Fluren "bereinigt", die Flüsse und Bäche begradigt und völlig überzogene Strassenprojekte in die Erde betoniert. Und in viel zu vielen Ecken steht ein Atomkraftwerk; die WAA, gut 50 Kilometer von hier entfernt, haben wir gerade noch verhindert. Aber die Schönheit des Landes lässt sich nicht so schnell zerstören. Alle paar Meter gibt es diese unfassbaren Panoramen, wenn die Berge weit hinten das Blau des Himmels annehmen, und das satte Grün schon den Frühling ahnen lässt.

Unfassbar, dass ich nicht hier gebieben bin, sondern in Richtung Wolkendecke und Sturmfront gefahren bin. Gut, hier in Berlin gibt es auch Natur - abgesägt, entnadelt, immer noch mit Lametta, und in grossen Mengen auf den Bürgersteigen und Strassen.

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Richtung Norden

und dann leicht in Richtung Sibirien, mit Zwischenstop in der Provinz.



Dann wieder berliner Dreck und dreckiges Berlin, so genau lässt sich das ja nicht unterscheiden, es gehört zusammen und bedingt sich.

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Montag, 27. Dezember 2004

Barchetta Reloaded

Ich habe hier gefragt, was ich mit der Barchetta tun soll, die meine kleine Schwester mir aufdrängen möchte. Nun, in den letzten Tagen sass ich schon mehrfach auf dem nassen Fahrersitz, liess mir orkanartigen Fahrtwind durch die Lücke zwischen Scheibe und Hardtop um die Ohren wehen, und lernte, dass Vollgas mit so einem Winzauto bei Glatteis zu den Dingen gehört, von dem unsere Eltern zwar keine Ahnung, und dennoch aber zurecht gewarnt haben. Wie auch immer: Ich werde die Barchetta nehmen. Dummheit? Mitleid mit meiner kleinen Schwester? Schneller in Berlin? Alles und nichts.



Aber: Die Ergebnisse der Umfrage schockieren mich dann schon etwas. Ich hatte gedacht, für aufgeschlossene, entspannte Menschen zu schreiben, die die Versuchungen des Daseins und den Gewinn daraus zu schätzen wissen, die Vernunft nicht gleich mit calvinistischer Rationalität gleich setzen. Aber: Gleich 19 Abstimmende von 34 meinten, ich solle den Barchetta an Achmed verkaufen, was ja noch der Völkerfreundschaft dienen kann, und das Geld sparen. Ich vermute mal, dass die Abstimmenden das letzte Wort noch nicht mal im Duden nachschlagen mussten. Also sparen - und dann? Wozu? Für wen? Für welche Gelegenheit? Einfach so sparen, ohne Sinn, Zweck und Verstand? Meine Lieben, lasst Euch gesagt sein: Geiz ist Scheisse. Geizige Menschen sind das Ungeilste, was ich mir vorstellen kann. Und es entspriche auch nicht meinen levantinischen Adern.

Ich schreibe gern für Euch weiter. Wirklich. Aber bitte, lest, begreift, gehet hin und bessert Euch. Das ist das Blog eines überzeugten Hedonisten, eines Libertins, eines Geniessers, dessen Lebensziel das Angenehme und die Lebensfreude ist.

Auf den weiteren Plätzen kamen "Auto in Berlin gammeln lassen" und "aggressiv bemalen". Das sind nun Ratschläge, die ernsthaft zu bedenken sich lohnt.

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Jetzt neu mit provinziellem Headerbild,

solange ich in der Provinz bin. Eine Dame im ländlichen Kostüm ihrer Zeit, ganz ohne die lästige Hoftracht, die in der grossen Stadt zu tragen war, und ihren Unbequemlichkeiten. Man mag sich beim Betrachten vor Augen halten, dass Briefe zur Entstehungszeit des Gemäldes durchaus berichten konnten, dass die Tante dieser Person sehr angenehme Tage in der Provinz zu verbringen wusste, mit vielen guten Freunden und ländlichem Leben. Alles sei wunderbar, die Wiesen frisch, die Feste galant, nur über die Bauern habe man sich etwas geärgert, weil die angesichts der schlechten Ernte keine Abgaben leisten wollten - man habe dann das Dorf zur Strafe verwüstet, und bei der Gelegenheit ein paar entzückende junge Schafe entdeckt, die man jetzt im Schloss gross ziehe, diese freundlichen Geschöpfe.

Andererseits muss man für sie fast schon hoffen, dass sie nicht eine Harmlosigkeit wie das Manuskript für Voltaires philosophisches Wörterbuch liest - dafür konnte man um diese Zeit selbst als Adliger noch hingerichtet werden.

Wer wissen will, was das ist: Eine (nicht allzu gute) Kopie der Dresdner "belle Liseuse" von Liotard, ca.1746. Und in Wirklichkeit liest sie den Brief eines Galans, der sie ficken will.

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Dienstag, 21. Dezember 2004

Freenet mit Gmail ficken

4 Invitations habe ich. Entweder hier Email posten oder an donalphonso | at | gmail com schicken.

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Texxas-Marketing

April 2000 passierte das, was wir eigentlich schon Anfang 1999 gewusst hatten. Die Realität blieb weit hinter den Prognosen zurück. Die ersten bombensicheren Investments gingen in die Insolvenz und der Nemax auf Talfahrt. Mancherorts in der schicken Munich Area war man plötzlich stolz, Mitarbeiter präsentieren zu können, die schon früher die Krise laut vorhergesagt hatten. Im November 99 wurde man wegen Defätismus kaltgestellt, wenn man blöde Fragen an die Startup-CEOs richtete, ein halbes Jahr später war man als harter Durchgreifer höchst willkommen. Alles eine Frage der genau getimeten Ehrlichkeit und des Glücks. Während die einen splitterfasernackt aus dem real brennenden Luftschloss der New Economy rannten, konnte man selbst wieder rein, in einem dicken Asbestanzug aus Unterstützung durch gewisse Anälte, denen gewisse Investoren an die Gurgel gehen wollten.

Irgendwann spät nachts klingelte das Telefon, und an der anderen seite fragte jemand, ob ich morgen auf die Schnelle zu einem Meeting kommen könnte, ein Enterteinmentportal in die Mangel nehmen. Tags darauf wurde ich ein paar 20andsomethings vorgestellt, die sich der neuen Realität äusserlich durch dunkle Anzüge angepasst hatten. Dahinter war alles noch buzzword-verseucht, wie sie das so durch die Gründeseminare mitbekommen hatten. Konkret waren ihnen Anfangs des Jahres einige Millionen für das Marketing ihrer Firma versprochen worden, die der Investor jetzt nicht ausbezahlte. Statt dessen sollten sie ihm und den anwesenden Cracks erklären, wie sie die gleiche Marktpenetration mit einem niedrigen sechsstelligen Betrag schaffen wollten. Der Marketing- und gleichzeitig Bizzdev-Vorstand schmiss erst mal alle Tanjas ausser seiner Freundin raus, und gab eine Powerpoint in Auftrag, die er uns routiniert vortrug. "Synergien nutzen, Partner gewinnen, Guerllia Marketing, zirlgruppenspezifisch blabla..." alles ausser konkreten Ansätzen.

Man muss sie töten, solange sie klein sind. Also nicht melden, nicht räuspern, nicht um Erlaubnis fragen, sondern übers Maul fahren, american style: "Ok, ich denke, Du hast ein paar sehr wichtige Punkte gebracht, die in die richtige Richtung gehen, mit wem willst Du das umsetzen."

Er wollte mit Texxas, "dem Internetprogramm", oder auch "der Progranmmzeitschrift für das Internet". Die seien das kommende Ding, und irgendwie konnte man den Eindruck haben, dass ihm deren Geschäftsidee mehr zusagte, als das 1000. "Content is King, hear the money kling kling kling" Startup, für das er sich gerade in die Hölle schwafelte. Texxas käme aus Berlin und würde bald das TV Movie des Netzes sein, hätte einen enormen Vorsprung und tolle Partner, und die würden ihn und seine Chats und SMS-Aktionen und Gewinnspiele an den Mann bringen. Das sei wie im TV-Business, sie würden das perfekte Placement bekommen, und damit ihre Competition "wegzappen".

Ich hatte auch schon damals keine Glotze und brachte meine Abende lieber mit so was Ödem wie Recherche zu. Texxas hatte eine für damalige Verhältnisse und Ansprüche lachhafte Finanzierung von 2 Millionen bekommen. Auch wenn viele Medien die Klitsche als Berliner Vorzeigebtrieb jubelperserten, war das Geschäftsmodell Werbeeinnahmen, Auktionen und Kooperationen mit Content is King Startups ebenso vertrauenserweckend wie das bald stotternde Vorstand-Kind, das ausser den Visionen von Texxas so gut wie nichts über die wirtschaftliche Realität des kommenden Partners wusste. Aber in Berlin seien die schon die ganz grosse Nummer, arbeiteten mit den Netzpiloten und würden ausserdem erstklassiges Guerilla-Marketing betreiben, in den angesagten Gegenden der Stadt.

Der junge Typ im Anzug schwitzte weder Blut noch Wasser; dazu war er zu cool, selbstüberzeugt und naturprall. Es dauerte ein paar Wochen "hands-on Betreuung" und "Coaching", um ihn von seinem Trip runter zu holen und dem Startup eine tödliche Fusion mit einem anderen Buzzword-Bullshit-Bingo-Spieler zu verpassen. Das war vor dreieinhalb Jahren. Sollte ich jemals einen Funken von Reue verspürt haben, ist der mit dem heutigen Tag weg: An einer Strassenlaterne in einer schlechteren Ecke des Wedding habe ich den Rest des grandiosen offline Guerilla Marketings von Texxas gefunden.



Auch eine Möglichkeit, das Investment zu verpulvern. Immerhin schickt einem in Berlin niemand für solche Klebeaktionen eine Strafanzeige oder eine Rechnung. Texxas ging 2001 nach der planmässigen Verbrennung des Geldes so senkrecht pleite, wie es damals eben Sitte war. Die Website ist wieder aktiviert - angeblich sollte es im Sommer 04 wieder los gehen. Ob das Geld diesmal überhaupt für Sticker reicht?

Und nun eine Quizfrage im Gedenken an Texxas: Wer chattete als - Zitat - "Die Patin aller Tagebuchschreiber" im September 2000 bei Texxas.de?

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Sonntag, 12. Dezember 2004

Briefkasten nach einem Monat

Unter all dem Müll war auch eine Einladung zu einem Vortrag; Innovative Unternehmensfinanzierung mit Fallbeispielen zu Trade Sale und Venture Capital Finanzierung. Eingeladen haben die üblichen Verdächtigen, staatsnahe Banken und ein Netzwerk. Ich gehe immer gern zu solchen Events, um blöde Fragen zu stellen, etwa: "Der klassische Trade Sale des Jahres 04 waren ja ganze Portfolios geplatzter Corporate VCs, was kann man denn als kleines Unternehmen tun, wenn die Knochenbrecher und Verwerter kommen?"

Man bekommt auf solche Fragen Antworten, die keine Fragen offen lassen. Manche Leute bestehen nur aus den Claims ihrer Powerpoints, und auch nach 4 Jahren der Pleiten wissen sie noch immer nicht, wie man sich zumindest halbwegs elegant rausredet, wenn man ansonsten nur neben dem Unfallort stehen kann und zuschaut, wie die innovativ finanzierten Startups reihenweise verbluten.

Allerdings hätte mich der Spass als Nichtmehrmitglied 220 Euro gekostet, für einen Abend unter Leuten, die noch immer nicht begriffen haben, dass es vorbei ist, und diese Geisterbahn ist dann in einem maroden Mediacluster weit draussen an der Rosenheimer Strasse, den ich seit einem Jahr nicht mehr betreten habe - wegen der Geister meiner eigenen Vergangenheit, und mangels Oportunity. Die letzte Frau in dieser schrägen Szene, in die ich mich beinahe beim ersten Blick verknallt hätte, ist April 2001 ausgestiegen, und sie wusste, warum sie nur Studentin wurde, und alle Angebote, Pressetante in einem Startup zu werden, ausschlug. Eine Frau mit Augenmass. Vernünftig. Auch sowas gab es.

Eine einzige.

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Donnerstag, 9. Dezember 2004

Nachdem es am anderen Headerbild

eine Menge Kritik auch per Email gab - ist das jetzt wieder besser?

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Montag, 29. November 2004

Schwierig...

Nun ist es soweit: Wenn ich das nächste Mal nach Berlin fahre, könnte ich schon die silberne Barchetta nehmen. Leider hat sie neben der üblichen Probleme eines Aquariums auch ein paar optische Macken an Front und Beifahrerseite. Folgende Lösungen bieten sich an:
Nach Polen düsen und sie dort herrichten lassen.
Keinen Gedanken drum machen, ist doch nur für Berlin.
Schwarzweisse P-51 Invasion Stripes und D.A.-Kennung über die Beulen
Orange Ralley-Streifen und die Nummer 13 auf die Tür.
Barchetta an Achmed verkaufen, Geld sparen, weiter Punto fahren.

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Erstellt von donalphons am 2004.11.29, 08:04.


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Sonntag, 28. November 2004

Lieber Sven Jostkleigrewe

von der Gemus-Group, wäre es möglich, Deinen Suchdienst hier durchwühlen zu lassen, ohne dass das Ding meine Referrers und Backlinks verschandelt? Andere Suchmachinen können das auch, und ich habe auch nichts gegen echte Search Requests. Ich bin ja der höflichste Mensch von der Welt, aber die Referrer und die Backlinks dienen dem Informationsbedürfnis der Leser und nicht der kostenlosen Werbung für Dein Unternehmen. Sollte sich das hier verstärken, muss ich davon ausgehen, dass es sich dabei um gezielte Werbung handelt, und Dir eine entsprechende Rechnung schicken. Pro Seite mit Deinem Referrer oder Backlink nehme ich im Abo 50 Euro/Monat, und zwar gleich ab morgen - dann ist meine Anwält teure kleine Schwester hier zu Besuch.

Beste Grüsse

Don Alphonso

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