: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Freitag, 26. November 2004

Irgendeines Gottes (kein spezieller, soll ja einige geben) Inferno

...und falls Sie befürchten, man könnte ihre religiösen Gefühle verletzen, sollten Sie diesen künstlerisch-satirischen und deshalb dürfenden Text einfach nicht lesen.

Und am neunten Tag, als Gott auch noch den Höllenbausatz fertig hatte, sah er, dass es endlich gut. Die erste Woche war ja noch ziemlich blöd gelaufen, wie es nun mal so ist, wenn man Anfängern irgendwelche Bastelsets in die Hand drückt. Es kotzte ihn ziemlich an, wenn er einen Blick auf das Paradies oder besser gesagt, das, was er daraus gemacht hatte, warf. Die Hölle war dagegen gelungen, auch die schäbige Bemalung und das verkrüppelte Personal und die windigen Warner vor eben dieser Hölle waren in ihrer verhärmten Hässlichkeit sein Ebenbild, wenn er die Mundwinkel verzog, wie er es nach den Pleiten der letzten Woche verdammt oft getan hatte. Er bohrte zufrieden in der Nase, und überlegte, was er jetzt tun sollte. Zu seinem Pläsier entdeckte er einen weiteren Bausatz, worauf stand "Vorhof zur Hölle mit Provinzstadt-Tarnung, Masstab 1:144".

Und siehe, Gott machte sich daran, sein Werk vor den Toren der Hölle zu vollenden. Er nahm das grosses, breites, nebliges Tal aus der Verpackung, und sah, dass es eine gute Idee war, denn damit würden alle zukünftigen Kreaturen weder Weitblick noch klare Sicht haben. Er schüttete alles rein, was er in der Schachtel fand: Ordentliche Böden und Äcker, Wald, Wiesen und einen breiten, gemächlichen Fluss, der in seiner braunen Behäbigkeit als Lebensmodell herhalten konnte. Dann bohrte er ein grosses Loch als Zugang zum Höllenschlund in die Landschaft, lötete die Hölle unten dran und setzte den Sockel für die Stadt oben drauf. Er machte eine malerische Altstadt und schnitt zynisch die Hälfte der Gebäude wieder raus, um Schneisen zu schlagen für postmoderne Kaufhäuser und betonbunte, familiengerechte Wohnanlagen, die aber wie alte Häuser taten.



Draussen dann setzte sich alles im frohen Mix der Scheusslichkeiten fort. Er setzte vor die Tore einiges an berufsmässigen Söldnertruppen, sowie grosse Industrieanlagen, in denen gute Autos und feinste, fliegende Massenvernichtungswaffen hergestellt wurde, von denen ab und zu eine mit lustigem Knall auf den Äckern zerschellte. Meine Schöpfung macht die besten Knallfrösche, dachte Gott und bastelte aufgeregt weiter. Es war schon nach Mitternacht, er war irgendwo zwischen Euphorie und Übermüdung, und wenn ihn die Augen zuzufallen drohten, setzte er noch irgendwohin ein Gymnasium, in dem sadistische Lehrer ihre Schüler zu Höchstleistungen anspornten, oder auch nur zum Besteigen eines Fahrstuhls, um dann von einem Hochhaus herunter Selbstmord zu begehen, weil irgendeine alte, von einem Idioten im Ministerium mit Erziehung beauftragte Betschwesternschachtel gezielt ihren Lebenstraum vernichtet hatte.

Das waren dann auch die ersten Bewohner aus seiner Lieblingsschöpfung, der Hölle, die Gott nach und nach ansiedelte, damit sofort klar war, wer hier die mehreren sein würden, bis zum jüngsten Tag. Nur einmal, als sich die Bewohner auffallend viele braunen Hemden gekauft hatten, Völkermord mitbegingen und auch noch ein paar Flieger lynchten, kamen danach die Amis und gaben kurzfristig anderen Leuten in Führung. Aber schon bald renkte sich alles wieder ein, und die Schriftstellerin, die das Inferno unter der Stadt erkannt hatte, musste zur Strafe hier ihren Lebensabend lebendig begraben als verachtete, gehasste arme Frau zubringen. Lange nach ihrem Tod benannte man die Bibliothek nach ihr, in der es Konsalik und auch einiges an Kirchenvätern gibt. Dann sagte Gott zu mir, ich solle ihm mal die Vorstädte rüberreichen. Die Hundehütten setzte er im Osten hin, wo eine paar stinkende Raffinerie-Attrappen ahnen lassen, was sich unter der Stadt abspielt. Im Norden lag ein Kleinbürgerviertel, das nach einem Frommen benannt ist, im Süden die Architekturträume geschmackloser Aufsteiger, und im Westen dann die Anwesen derer, bei denen das Geld alles möglich macht, vom holzvertäfelten Burgen-Surrogat bis hin zum Palladio-Zitat in Pastell.



Hey, Gott sah, dass es echt gut war, trank ein Red Bull und setzte alle paar Jahrhunderte auch noch eine reaktionäre Elite-Hochschule in die Stadt, denn er wollte, dass sich die Lehren seines Meisterwerks in der ganzen Welt verbreiten, to, äh, wie nennt ihr das, lallte er mich gegen 6 Uhr Morgens an. Top-Down, sagte ich, du willst, dass sie oben was diktieren und unten alle die Fresse halten. Genau, sagte Gott, ich sehe, dass es fucking gut ist, nicht? Ich sagte gar nichts, denn Gott hatte sich schon dem letzten Problem zugewandt. Über die dreispurige Autobahn versuchten einige, den Vorhof zur Hölle zu verlassen. Gott schickte ihnen Flüche hinterher, worauf sie das Falsche studierten und in den Metropolen verhungerten, oder zurückkamen und heirateten, oder sich irgendwo mit ihren übermotorisierten Karren heimischer Produktion überschlugen.

Oooops, sagte Gott, als er gegen 7 Uhr mal wieder jemand frontal in einen Überholer mit dem Kennzeichen ND (wie NationalDepp) hatte knallen lassen, das waren doch eigentlich ordentliche Leute, Stützen meiner Gesellschaft. Konzertverein, Kirchenvorstand, Tennisclub, die Kinder golfen und sind hier an der Uni, was wollten die denn ausserhalb? Eine Verschwörung? Er knetete missgünstig die Warze an seinem Kinn. Du Idiot, brüllte ich ihn an, die wollten doch nur auf den Antikmarkt nach Pfaffenhofen, die gehen trotzdem immer in die Kirche, nur eben an diesem Sonntag nicht, da gehen sie immer schon Samstag. Und Gott sah, dass das nun doch nicht so gut war. Deshalb setzte er inmitten der Stadt gegenüber dem Dom auch noch einen extrem teuren Antikhändler, der von nun an die reichen Spiesser nach dem Kirchgang anzog, und Gott sein Vernichtungswerk an den Fliehenden erheblich vereinfachte.



Und Gott sah, dass es gut gut .... gut ..... gute ..... Guten Morgen, gurrten die Tauben vor meinem Fenster, und die bayerische Sonne knallte vom reinbeissblauen Himmel. Ich hielt mich an der Damastdecke fest und zählte bis 10. Ich bin im Bett, es gibt keinen Gott, alles in Ordnung. Nur schlecht geträumt. Nur -- schlecht -- geträumt, das war alles nicht real. Gestern abend zu viel Tee getrunken, und vielleicht hätte ich nicht so viel an die alten Geschichten denken sollen, von denen die meisten längst stumm unter den dummen Grabsteinen der Provinz vermodern. Ich sollte mir nichts daraus machen, dass in meinem Haus Mörder wohnten, die Menschen nur deshalb vor dem Verbrennen retteten, um sie dann erdrosseln zu lassen und ihre Körper zu sezieren. Mengele war nicht wirklich einzigartig, zwei Stockwerke unter mir war das noch vor 300 Jahren eine gesellschaftlich legitimierte, gottgefällige Handlung.

Ich sollte nicht immer an sie und ihr Lachen denken, die gegenüber von meinem Haus in der Schule war, bis ihr die frommen Frauen dann sagten, dass sie im Abi durchgefallen ist und sich einen Dreck um die Folgen scherten, oder an die wenigen Lehrer, die etwas anderes als die typischen Psychopathen waren und sich deshalb umbrachten. Ich sollte vielleicht rausgehen, mich an der unzweifelhaften Schönheit der Stadt erfreuen, und nicht daran denken, dass hier das Fegefeuer ist, denn das gibt es doch gar nicht, und auch diesen Gott gibt es nicht. Alles nicht wahr. Sicher? Sicher. Ich zog mich an, ging hinunter und atmete die kalte, klare Luft ein. Alles wieder gut, Don? Alles wieder gut. Ich ging zwei Strassen weiter, und als ich an einer Passage vorbeikam, sah ich das:



Heute fahre ich nach Berlin. Nicht so schnell wie möglich, aber dennoch.

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Mittwoch, 24. November 2004

Doch die Barchetta

Weil, wo sollte sie sonst hin? Meine Mama mag nicht, mein Papa mag Maserati, wenn dann, und ich habe gerade kein Auto, und meine kleine Schwester hat ein neues Spielzeug. Tja. So wird man Sportwagenbesitzer.

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Sonntag, 21. November 2004

Kleine Veränderungen

Liebe Leser, leider wurde das von mir sehr geschätzte Blog von Mue aus persönlichen Gründen eingestellt, und nein, es kommt nicht wieder. Sehr schade. Deshalb gibt es eine leichte Veränderung in der Blogroll; statt das Mue wird die schreckliche Luzie hoffentlich helfen, die entstandene Leere zu füllen. Wer das Blog liest, wird gewisse Ähnlichkeiten zu diesem Blog feststellen: Irgendwo zwischen Provinz und Metropole, irgendwie auch ein wenig New Economy, insofern sehr passend. Und gut. Bloggade läuft inzwischen auch störungsfrei. Dort ist auch ein Interview mit Sickgirl

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Samstag, 20. November 2004

Kleiner Hinweis an alle nach fast einem Jahr

2 Dinge: Einerseits gibt es hier inzwischen so viele Kommentare, dass ich sie teilweise nicht mehr finde, wenn ich mal 24 Stunden nicht online bin. Wie eine Party, bei der man den Überblick über die lieben Gäste verliert. Insofern bitte ich als Gastgeber um Nachsicht, wenn ich in der Hektik mal auf Fragen oder Beiträge nicht antworten sollte. Ich freue mich wirklich über die Vielzahl an Beiträgen, und wenn ich mal im Altersheim bin, werde ich das alles in Ruhe statt der Apothekenumschau lesen, versprochen. ;-)

Andererseits ist das hier eine Party auf einer rein private Website, in meinem virtuellen Wohnzimmer, kein Forum, Dotcomtod2.0 oder ähnliches. Wer als Besucher auf den Teppich kotzt, fliegt raus. Beim ersten Mal editiere ich nur, wenn das nichts bringt, wird alles als Spam behandelt und gelöscht - auch, damit die anderen hier in Ruhe weiterhin am Buffet stehen und Smalltalk betreiben können.

Aber das betrifft nur die allerwenigsten. Und jetzt weiterhin viel Spass.

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Donnerstag, 18. November 2004

Elitessen-Alarm

Aus den Referrern: Katholische Universitaet Eichstaett, Eichstätt, Deutschland - da sitzt gerade jemand in der Bibliothek in Ingolstadt, in der hohen Halle, und liest hier mit, statt sich auf die Karriere vorzubereiten ;-)

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Montag, 15. November 2004

Tod eines neuen Siemens S65

oder: Wie ich die Barchetta endgültig nicht genommen hatte
Ein Stück in einem Akt

Setting: Don Alphonso steht, Tee trinkend, an einer elterlichen Biedermeierkommode, Dons kleine Schwester blättert gelangweilt im Battenberg, Abteilung Porzellan, und versucht unterdessen, Don die Übernahme der Bachetta schmackhaft zu machen. Don ist weiterhin sehr misstrauisch. Er spielt geistesabwedend mit ihrem Handy, während sie ihm erklärt, dass unser freundliches Steuergesetz gerade für Wägen wie die Barchetta sehr nette Tarife kennt. Er schaut das Handy an und merkt, dass es zwar wie ihr altes, genauer 8 Wochen altes Siemens S65 aussieht, aber dennoch ein Samsung ist; das Ding, das allerorten so dämlich beworben wird.

Dons kleine Schwester: PS... Boxter versägen... tolle Anlage... nur ein paar kleine Reparaturen... die letzten zehn Strafzettel zahle ich noch...
Don: Äh, schon wieder ein neues Handy?
Dons kleine Schwester: Ja, das alte ist kaputt, ist mir im Auto runtergefallen.
Kurze Pause, in der Don die Teetasse abstellt.
Don: Beim Fahren, aus dem Fenster?
Dons kleine Schwester: Ne, es ist im Auto runtergefallen.
Don (technischen Sachverstand bemühend): Komm, das kann doch nur ein kleiner Fehler sein, so hoch ist das doch nicht vom Handschuhfach.
Dons kleine Schwester (zart errötend): Aber es ist in eine Pfütze gefallen...
Don: (schweigt, denkt nach. Dann:) Eine Pfütze im Auto?
Dons kleine Schwester: Äh, ja, mein Auto, also, doch, es hat schon ziemlich viele Pfützen, wenn es regnet.
Don: (stellt sich eine Pfütze vor, in der ein ausgewachsenes Siemens S 65 ersaufen kann. Das müssen mindestens drei Zentimeter sein. In einem geschlossenen Auto bei Regen.) Ich glaub, ich bleib bei meinem Punto, sorry.

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Sonntag, 14. November 2004

Warum ich keinen Mazda fahre (für Ella)

Es war so: Meine kleine Schwester wollte erst einen Mazda MX-5. Aber dann kam die Barchetta von Fiat, und die ist einfach schöner. Meine Eltern, die das ja finanzieren mussten, waren dagegen, weil sie ihr nicht die Beherrschung des Wagens zutrauten, und Angst vor dem deutschen Klima hatten. Aber sie machte dann entsprechend Druck, und so fuhr sie eines schönen Tages mit dem Audi meines Vaters und meinem Vater auf dem Beifahrersitz mit gemütlichen 220 - zum Aklimatisieren - in die Nähe von Augsburg. Dort hatte ein potenter Privatmann eine silberne Barchetta bereits rumstehen, bevor sie auch nur in Italien ausgeliefert wurde. Wie auch immer, nach 10 Kilometern wusste er, dass er das Ding nicht mochte, wie auch schon das wenige Wochen zuvor angeschaffte Fiat Coupe. Mein Vater, der immer noch auf die Vernunft meiner Schwester hoffte, sah in dem orangen Coupe die vielleicht letzte Chance, sie umzustimmen. Sie schwankte tatsächlich, und mein Vater hatte die zündende Idee. Er rief mich an und fragte, ob ich nicht vielleicht das Coupe möchte, um dann vielleicht später mit meiner Schwester zu tauschen, wenn sie sich die ersten Erfrierungen zugezogen hatte. Nur hatte er die Rechnung ohne mich gemacht.

Nachdem ich, wie viele meiner Freunde, längere Zeit beruflich vor allem mit nicht unbedingt serienmässigen Audi Quattros und Audi A8 unterwegs gewesen war, hatte ich mich dann doch zur gemütlichen 110er Fahrweise entschlossen, und nahm einen dunkelblauen Punto mit 55 PS. Reicht mir, ich bin da nicht so, und nicht nur im Stau ist der Rennwagen genauso langsam wie alle anderen, auch wenn er von der Strasse abkommt und sich in den blauen Äther bohrt, sind die Flug- und Landeeigenschaften nicht unbedingt besser als beim Punto. Also, kein Mazda, keine japsige Plastikschüssel fürdie Billigmensa, kein Coupe, nur will meine kleine Schwester jetzt doch den neuen SLK oder einen 911er, und fragt mich, ob ich nicht vielleicht ihre Barchetta in meine treusorgenden Hände nehmen will.

Warum ich das nicht will, berichte ich wann anders. Ich hatte sie ja schon mal eine Weile, und die Gurke ist schuld daran, dass ich einige Frauen nicht nach Hause fahren konnte. Nein danke, kleine Schwester.

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Sonntag, 7. November 2004

Manchmal bereue ich es,

2000/2001 kaum Photos von der "Szene" gemacht zu haben. Irgendwie war mir der Film für dieses Umfeld zu schade, und so gibt es viele Bilder von Leuten und besonders den "Prinzessinnen" am Rand des Geschehens, aber wenig Material aus der Todeszone selbst. Nur in drei aufgelösten Firmen hatte ich die Kamera dabei, und nur in einer habe ich aus Spass geknipst - die Bilder aus den anderen beiden Startups schlummern jetzt wahrscheinlich in irgendwelchen Akten einer Kanzlei, die es in der damaligen Form auch nicht mehr gibt. Dabei wäre es so leicht gewesen, sich die Bilder direkt aus den Webcams der Startups zu besorgen.

Vieles von dem, was damals normale Anblicke waren, hat aufgehört zu existieren. Es war fast selbstverständlich, den Argonauten in München über deren Webcam beim Arbeiten zuzuschauen, und zu wissen, dass dort im Moment die Kosten aus dem Ruder liefen. Sie waren zu schnell gewachsen und segelten mit voller Besatzung in die Flaute. Sie stellten ihre überflüssigen Leute dann für ein Charity-Projekt ab. Egal, was man auf den Events über die Auftragslage und die selbstmörderischen Pitches gegen die anderen Agenturkolosse hörte, es wurde in den Räumen immer gearbeitet. 2001 war die Argonauten-Webcam sowas wie ein Tamagotchi für mich, in den langen Nächten eilten sie durch das bunte Büro, 3 Kilometer von mir entfernt, und bereiteten die hoffnungslosen Präsis vor, sinnlos und doch mit angeblich 30 Manntagen so ausgeklügelt, dass sich die kleineren Konkurrenten beim besten Willen nicht vorstellen konnten, dass es gut gehen würde.

Es ging auch nicht gut. Dass das bei Dotcomtod stand, konnten sie nicht leiden; schliesslich brachte doch die Wirtschaftswoche die netten Tagebücher, die ihre Praktikanten unter dem Titel "Ar go east" schrieben. Die Angst, die Verbitterung und das mühsam zusammengeklatschte Traumleben, dessen zentrale Legende das "Meeting im Pool" war, verursachten zumindest in meinem Erleben schizophrene Zustände bei den Betroffenen. Irgendwann schaltete ich den Bilderstram ab, weil es Nachts leerer wurde, und ich kannte kaum mehr Leute, die dort noch arbeiteten.

Heute, in Berlin, bin ich auch wieder nur 3 Kilometer von den hiesigen Argos entfernt, und wie es der Zufall haben will, ist gleich um die Ecke eine Art "Prinzessin", wie die, die auch in München nahe der dortigen Zentrale lebte. Eine Webcam gibt es dort nicht. Aber vielleicht ist es auch ganz gut so, denn wenn ich mir in dreissig Jahren die Bilder vom anbrechenden neuen Jahrtausend anschaue, das so hoffnungsvoll begann und dann in den langen Abschwung bis 2010 rutschte, dann werde ich die gestylten Fassaden, die bunten Wände und Pillen, die netten PR-Mädchen mit ihren netten Lügen und die leeren Gänge der finalisierten Dotcoms und ihre Kultur, ihren Kultus und ihre Ideologie vergessen haben.

Was bleibt, sind Bilder von jungen Frauen, die früh genug die Reissleine gezogen haben und im späten Winter am Starnberger See die Schwäne misstrauisch beäugen, und danach, warm eingepackt, den ersten Tag ohne Dotcom-Job zum ersten Tag am See machen. Und sagen, da sollte man doch ein Buch draus machen.

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Donnerstag, 28. Oktober 2004

Aus gegebenem Anlass

möchte ich dennoch nicht, dass sich eine bestimmte Person von diesem Aufruf angesprochen fühlt.



Ich weiss nicht, ob diese Tätigkeit strafrechtlich relevant wäre; vielleicht Tierquälerei, mag sein, wie gesagt, ich sage nur, dass es solche Aufrufe und Tätigkeiten wohl auch gibt, nur gibt es keinerlei persönlichen Bezug.

Aber was ich ganz sicher weiss ist, dass ich dem nächsten, der meint, mir in meiner Herausgebertätigkeit wegen solcher nicht vorhandenen Bezüge zu sich selbst irgendwas von wegen Gesetzen und Staatsanwalt zu brabbeln, einen Brief per Einschreiben schicke, in dem was von "unsere Prüfung hat leider ergeben ... hiermit erlauben wir uns, von Ihnen die Summe von..." zu lesen sein könnte. Die Adresse hab ich ja.

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Sonntag, 24. Oktober 2004

Lass uns Freunde bleiben, verdammt.

Ich werde doch noch einen Boo von ihm vorlesen, am Dienstag. Oder einen bissigen Kommentar. Oder so.

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