: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Sonntag, 5. Juli 2015

OXI

Wer hätte je in der SPD erwarten können, dass eine Partei ihre Wahlversprechen einhält?

Wer hätte je in der CSU ahnen können, dass die Griechen es wie die Bayern im Bund machen?

Wer hätte bei den Grünen daran gedacht, dass die einzig wahre Lösung der einzig Recht habenden Partei nicht so geteilt wird?

Wie hätte die CDU von Merkel wissen können, dass die Griechen nicht wie die Deutschen den deutschen Medien aus der Hand fressen?

Und Lucke hätte auch nicht gedacht, dass seine AfD hops geht, an genau so einem Tag.

Ein harter Abend. Für Verfassungs- und Demokratiefeinde.

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Sonntag, 28. Juni 2015

Sie mag Dispolimitkratzer und hasst mich

Ausdauernd. Weil es dazu gehört.

Natürlich weiss ich nicht, wer sie ist, und aufgefallen ist sie mir, weil ich dachte, ich würde sie von früher kennen. Tue ich aber nicht. Macht nichts, das Fräulein ist nicht unangenehm und - man merkt es an der Ausdrucksweise - sicher auch eine gut erzogene Bürgerstochter. Dass man aus Landshut einen gewissen Hass auf die CSU mitbringt und sich an die SPD wendet, ist normal. Dass man, in München angekommen, die Privilegien geniesst, die so eine rote Stadt für SPD-Mitglieder und andere Progressive mit sich bringt, auch. Ich würde keine Ehrenkarten für die Filmfestspiele nehmen, aber wenn andere das tun - warum nicht? Privilegien sind ja nicht zwingend schlecht.



Ich kann verstehen, dass sie meiner Heimat ablehnend gegenüber steht - würde ich draussen im Industriegebiet sitzen, ginge es mir genauso. Ich finde es auch gut, wenn hier bei uns Progressive genug Geld verdienen, um viel reisen zu können. Das ist halt sehr Bayerisch im Moment: Dass ein jeder, der etwas kann, sein Auskommen hat, und die meisten sind damit zufrieden. Ich bin mir sicher, dass sie im persönlichen Umgang nett ist. so wie viele aus dem Bereich von WasmitmedienundPolitik, die man bei der IKG treffen konnte, und die einen natürlich nie auf Twitter ausgerichtet hätten. Bei der IKG war ich ja auch kein Rassist, sondern preisgekrönter Journalist.

Aber das hier ist nicht das Kulturzentrum. Das hier ist Internet und in gewissen Kreisen gehört es einfach zu guten Ton, mich abzulehnen. Und das macht man, indem man andere ablehnende Leute retweetet, wenn sie was sagen, das man auch so sieht. Das geht bei Twitter ganz gut, da drückt man auf einen Knopf und fertig. Oder man regt sich über Ronja von Rönne auf, weil die auch privilegiert ist. Und aus Grassau kommt, dem Landshut des Chiemgaus.



Diese junge Frau steht da unter einem enormen Druck. In München ist Feminismus immer noch vor allem KOFRA, und das ist für junge Frauen eher unsexy. Ihre direkte ideologische Peergroup gibt es angesichts des guten Lebens in München allenfalls in dem, was vom ASTA noch übrig ist, und lebt und twittert und hungert in Berlin. Sie selbst ist in München und es geht ihr prima, aber da hat sie kaum ansprechpartner für ihre Einstellung. Und mit der tut man sich da auch beim Wettbewerb um Freunde schwer - München ist halt eher heterosexuell. Denen in Berlin wird nichts geschenkt, die in Kiel kriegt die Diss nicht fertig, die in Regensburg hat Depressionen. Meine Hasserin dagegen hat einen Beruf, gutes Einkommen, viele Optionen und ist rein äusserlich durchaus an München angepasst.

Ich weiss aus Erfahrung, wie hart es für andere sein kann, in Kreisen mitzuspielen, die man nicht kennt. Man muss ihnen Brücken bauen, höllish aufpassen und selbst dann wird es immer noch oft genug heikel. Akkulturation ist enorm schwierig, wenn eine Klasse in ihren Strukturen beharrt. Aber wie es erst sein muss, wenn es da eine Radikalisierung gibt? Da sitzt also ein Mädchen aus Niederbayern in München, grenzt sich die ganze Zeit ab, will bloss nicht als Schickimicki gelten - und wird bei Leuten vorstellig, bei denen der Bonze generell südlich des Mains lebt, überhaupt Karrierewünsche hat und nicht ab dem 2. des Monats am Rand des Dispos herumkrebst. Sie will auf gar keinen Fall Teil eines gewissen Münchner Lebens sein, das sie aber - und bitte, ich war in Berlin und kenne die Akteure teilweise persönlich - aus Berliner Sicht idealtypisch ist.



Wie nimmt man an einer Revolte teil, die sich gegen etwas wendet, das man selbst ist? Indem man Feindbilder auf ganz bestimmte Eigenschaften reduziert und anonsten nicht daraufhinweist, dass die Unterschiede minimal sind. Wären wir beide noch in München, wir würden uns sicher über den Weg laufen, und ihre Einstellung würde sie zwingen, den Teil zu sehen, den ich dort dargestellt habe. Ich habe das zum Glück hinter mir gelassen, und lebe lieber als weisser - höhö, muss man sich mal vorstellen, die arischen Enkel der SS nennen mich weiss - alter Heteromann denn in Kreisen, die Respekt für ihren Aktivismus fordern. Von sowas habe ich mich damals immer fern gehalten, man sollte sich nicht instrumentalisieren lassen, aber andere sehen das anders.

Sie steigt da ein, sie macht da mit, sie klickt auf Sternchen und schaut auf die schönste Grossstadt des Landes und denkt sich, der und ihren arroganten Bewohnern hat sie es jetzt gegeben. Sie ist keine von denen da draussen. Berge sind auch doof, Tollwood ist doof, CSU ist doof, Heimat ist doof, Sigmar Gabriel ist doof, alles ist doof.



In Berlin, wo jede jeden kennt und hasst, nimmt man die Bestätigung gelassen entgegen. Das muss so sein, Berlin hat Recht und die Untertanen der Linken tun, was man erwartet. Da sitzt sie also in der schönen, reichen Stadt, ist relativ jung und hat so viele Möglichkeiten und hasst sich, die Stadt, ihre Rolle darin und irgendwie alles tagein tagaus. Ich habe das Pech, der Kondensationspunkt ihres Ärgers zu sein, maximale Empörung bei maximaler, wenngleich minimaler Bestätigung durch die Filterbubble.

Es macht mir nichts aus. Ich lese das und lächle mitleidig. Was für eine Verschwendung. So viele Privilegien. So unfassbar wenig Nutzen. Um am Ende in Berlin als komische Schickitante dazustehen, die ihre Privilegien nicht checkt und so niederbayerisch-spiessig ist, eine freundliche Bedienung zu verlangen. Es gibt im Feminismus keine Kronzeugenregelung. Nur einen sehr grausamen Wettbewerb der Empörung, und einen eher ungnädigen Umgang mit denen, die sich bei den Dispolimitkratzern als Allys bewerben.

Seit einem viertel Jahr schaue ich mir das an und kann nicht aufhören, mich zu wundern.

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Samstag, 27. Juni 2015

Reichskampfspiele

Ich habe den AfD-Adam wegen seines bescheuerten Lepantovergleichs in die Pfanne gehauen. Und deshalb wäre jetzt eigentlich eine andere dran, mit einem nicht brauen, sondern rotbraunen Rülpser, der die aktuelle Politik in Sachen Migration auf eine Stufe mit der Kriegsführung im 18. Jahrhundert stellt. Da hat eine vor lauter Gendertröterei vergessen, ihren Candide zu lesen.

Aber. Zum Glück hat die FAZ ja belesen Kommentatoren, die so einer geschmacklosen Dummheit über den Fall der"Festung Europa" - an einem Tag mit drei Anschlägen - heimleuchten. Da habe ich dann lieber etwas über die Bundesjugendspiele und ihre abschaffung gemacht, und sie aus dem Ungeist erklärt, der früher herrschte und noch etwas Schlimmer als der Ungeist der Moderne war.

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Freitag, 19. Juni 2015

Heimat

Es gibt schlimme Geschichten, denn 20 Kilometer von der nächsten grossen Stadt entfernt ist da nicht mehr genug Haushalt, den man hat und der ein Geschäft bräuchte. Man hat ein Auto für die Stadt, und da draussen schläft man. Wo sonst, wenn drinnen alles überfüllt ist.



Man könnte also zweifeln, wenn man so will, auch verzweifeln an dieser Entwicklung, und die Gasthöfe nebenan stehen auch leer. Einen kenne ich von früher, weil das Dorf am schönsten Weg in die nächste schöne Residenzstadt ist; da war ein grosser Bilderrahmen an der Wand und darauf die Bilder aller, die in den Kriegen gestorben, vermisst oder in Gefangenschaft gestorben sind. Ich fand diese unreflektierte Distanzlosigkeit zu Geschichte früher schlimm und fremdle immer noch damit sehr stark, aber es war vermutlich auch und vor allem ein Zeichen der Verbundenheit. Ob die neue, unreflektierte Distanz zum Ort, in dem man lebt, mit der totalen Verwendbarkeit für die Arbeit, besser ist?

Es ist nicht überall so. Ich kenne da auch ein Dorf, in dem die Leute wirklich noch beim Haushaltswarengeschäft einkaufen. Das liegt aber auch ein wenig daran, dass die Ziegelei, der Landmaschinenverleih, der Arzt, der halbe Gemeinderat und der Bundestagsabgeordnete alle zum gleichen, alten Grossfamilienverbund gehören. Meistens jedoch ist es so wie auf dem Bild. Was ist besser?

Das hier.



Das ist nur ein Dorf weiter, und man darf darüber nicht abschätzig reden, wenn eine, die den Hof besorgt, dann auch noch die ganzen Kinder mitnimmt, während die Mütter arbeiten gehen. Das ist so eine ganz kleine, aber nicht unwichtige Geschichte: Zuerst ändern sie den Hof, begrenzen sich auch das, was im Einklang mit der Natur ist, und erweitern es um das, was im Einklang mit dem Menschen ist. Niemand schreibt darüber in den Zeitungen, niemand macht sie dafür zum Star, als wäre sie eine psychisch kranke Schlitzerin, die einem ranzigen, alt wirkenden Pummel der taz gefällt, und es erfährt nur, wer die Gegend kennt und genau hinschaut.

Aber es mag vielleicht auch der Grund sein, warum nicht für immer eine Fahrschule im Haushaltsladen sein wird. Weil hier den Kindern nahe gebracht wird, wie schön die Welt ist. Und nicht, wie sie nach all den Ideologien sein sollte, die Heimat nur noch als Ausgangspunkt von Mobilität und Bewegungen betrachten.

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Krautreporter: Sie wollten doch nur gut sein

Sind sie natürlich nicht. Wenn irgendwo Niggemeier draufsteht, dann weiss ich aus Erfahrung, wie schwierig das werden kann. Dass er sich jetzt mit Knall und wenig Nachsicht vom Projekt verabschiedet, würde ich nicht allein dem Team um Esser oder was davon übrig ist zuschreiben. Dass jemand Eigeninteressen verfolgt, ist normal, dass er es tut, wie Niggemeier das macht, muss man halt mögen. Ich finde es schon ziemlich zynisch, erst die Zukunft des Journalismus zu verkaufen, dann Kritiker abzukanzeln, dann beim Projekt, das doch recht viel Geld hat, inhaltlich kaum mitzuwirken, sich zurückzuziehen und dann die Brocken hinzuschmeissen, und der anderen Seite mit genau der Kritik reinzutreten, die von anderen von Anfang an kam.

Einer der Hauptkritikpunkte war damals die geringe Zahl von Autorinnen. Diese Kritik war unberechtigt, denn der ganze Krempel da las sich wie ein Treffen der mangelattraktiven Uni-Autorinnen von Zeit und Spiegel Online. Wir sehen da ein Problem. Wir reden da ganz lang darüber. Wir geben uns Mühe, die Schuldigen ganz schuldig zu machen und erklären dann, wie wir uns unter Ausschluss der Realität, aber mit totalem Nettsein zur Menschheit die Lösung deren Probleme imaginieren. Ja, die Krautreporter. Wenn die kommen und ein Problem analysieren, dann wird das so wie bei einer dieser Partei- oder Kirchenstiftungen, wo alles ganz gut und ganz freundlich sein muss, und die Welt nachher ein klein wenihg besser.

Leider gibt es solche Artikel schon zuhauf von unfassbar vielen anderen Autoren und und wenn da wenig anderes kommt - oder man das andere in Form von Thilo Jung nicht mag - dann ist das halt so wie ein besonders langweiliger Ausschnitt wie überall, gern mit Israelschwerpunkt, den alle anderen auch schon hatten, oder Supermarkt, weil einer der Autoren da halt ein Faible hat. Ich weiss nicht, wie viel Kohle Esser und Co. an Sparker gegeben haben, die die miese Software machen: Es wäre mir völlig egal, wenn die Beiträge knallen würden. Wenn das nicht immer nur der Eintopf aus Problembewusstsein wäre. Ob das nun bei der Mädchenmannschaft so ist, bei den Mädchenminderheitenticketschreiberinnen der taz oder den Mädchenkrautreportern - ich habe da nichts dagegen. Im Gegenteil, ich freue mich jedes Mal, wenn solche Grottenolme des guten Lebens neue Probleme finden, an denen sie sich schlecht fühlen können. Wäre ja noch schöner, wenn man so eine Bissgurkn wäre, so eine zwidane, und dann noch ein prima Leben hätte. Die dürfen das auch beklagen. Aber das Angemaule will doch keiner lesen.

Ich finde, wenn das Gute klug ist, kann es auch gerne mal fies, gemein und hinterfotzig sein. Don Camillo ist ein Mann Gottes und trotzdem prügelt, klaut und betrügt er nach Kräften, und es ist prima. Menschen wollen Ambivalenz und Grautöne. Sie stören sich überhaupt nicht an Inkonsistenzen und Brüchen. so ist das Leben. Ich denke mir das immer, wenn da jemand wieder zum Entfolgen und Nichtverlinken auffordert: So viel Reinheit ist einfach kein Konzept für die Masse. Die Masse findet Objektifizierung meistens wirklich nicht gut, aber manchmal halt schon. Die Masse weiss, wie es ist, und braucht kein Menschenopfer wegen einer dummen Bemerkung. Wer da anders denkt, besonders als Journalist, muss halt damit leben, dass man ihn vielleicht genauso beurteilt. Kann sein, dass ich da bald mal wieder richtig reintrete. Das kann ich nämlich auch.

Aber viel lustiger ist es doch, über die Zwischentöne zu reden. Über das Ambivalente. Ich glaube, das Leben muss jeden Tag neu verhandelt werden, und da muss man auch mal in der Lage sein, sich mit anderen Meinungen abzufinden. Was heute richtig ist, kann später grundfalsch sein. Die Leute wollen nicht nur Probleme, sie wollen gut unterhalten werden. Viele mögen auch Schlawiner und Haderlumpen, wenn sie nur charmant sind. Sie mögen Gleichnisse und Fabulierkunst und Abschweifungen. Das sind alles so Gesprächstaktiken, die die jüdische Theologie seit langem praktiziert, und damit kommt man in einer pluralistischen Gesellschaft weiter, als mit einer dogmatischen Haltung wie bei Augustinus. Natürlich kann man das den anderen nicht aufzwingen, die heute genau so verbohrt sind, wie ihre ideologischen Feinde unter Adenauer, und deren Stammtisch Filterbubble heisst. Wie man bei Krautreporter sieht: Die Texte, die da zum Gutsein beitragen, werden wohl auch kaum gelesen oder rezipiert. Das Gute ist ein Ritual, und es macht keinen Spass. Da kann man genauso gut in die Kirche gehen

Dann ist Krautreporter auch nicht opulent und scheusslich bebildert und niemals hat da jemand mal gelacht, ausser bei Jung und Naiv vielleicht -aber den haben sie ja den Hyänen und Giftkröten vorgeworfen. Natürlich hat auch Krautreporter sein Gutes, eine Autorin ist da von einem elenden FAZ-Blog mi fliegenden Fahnen übergelaufen und wenn es nicht so einen wahnsinnig grossen Pool an Problemtröten gäbe, dann hätte das die FAZ schöner gemacht. Immerhin, es war ein Versuch. Aber diese ganze fade Brennsuppn, die da jeden Tag serviert wurde, für doch recht viel Geld und nach all dem Grossmaultum aus der journalisten Erlebnisgastronomie - die ist schon enorm peinlich.

Niggemeier will mit seinen Anhängern jetzt was Eigenes aufziehen. Bin gespannt, ob das wie Bildblog wird, wo er ja auch alle anging, die am Erfolg von Adnation zweifelten. Ob Krautreporter wirklich nur verbrannte Erde hinterlassen hat, wage ich zu bezweifeln: Sie waren zwar das Projekt mit dem grössten Maul, aber es gibt ja auch andere, die eigene Gefolgschaft haben, und damit gut leben.

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Donnerstag, 18. Juni 2015

Der Witz an der langen Geschichte

Die Geschichte ist eine der längsten, aber sie muss auch lang sein, weil es darin viele Facetten gibt. Das ganze Thema Migration ist einerseits voller ideologischer Tretminen und andererseits sehr vielschichtig. In dem Beitrag stecken zwei andere, die ich aus Italien schreiben wollte.

Zwei Aspekte fehlen. Man könnte den Kern der extremistischen Debatte auch mit dem Reliquienkult der Kirche vergleichen. Das ist eine schöne Parallele, und die hebe ich mir auf. Die Mutter der Idioten ist schliesslich immer schwanger.

Der andere Aspekt fehlt, weil in der FAZ schon genug Schlechtes über Syriza und Griechenland steht. Ehrlich, ich finde, man sollte da einen Schuldenschnitt machen und Basta, denn so geht es einfach nicht weiter mit Europa. Weitere Empörung bringt da nichts.

Trotzdem ist das eigentlich der irrste Dreh der ganzen Geschichte: Die in diesem Umfeld europaweit gefeierte Linksregierung droht damit, im Falle eines Grexit die dort lebenden Flüchtlinge nach Mitteleuropa ausreisen zu lassen. Nach Deutschland. Das wären in recht kurzer Zeit Hunderttausende. Was dann passiert,ist schwer vorstellbar. In dem Fall rechne ich mit der Neueinführung der Grenzkontrollen und dem vorläufigen Ende von Schengen, zusammen mit einem humanitären Debakel, irgendwo auf der Route über den Balkan. Griechenland wird dann vermutlich einfach die Versorgung weitgehend einstellen. Bleibt auch wenig anderes übrig, bei der Staatspleite.

Und wenn Griechenland dabei bleibt, bleiben auch die Flüchtlinge dort. Unter bekannt miserablen Bedingungen. Die Regierung hat da wegen der sonstigen Zustände keine andere Wahl, für eine bessere Behandlung oder eine höhere Anerkennungsquote ist kein Geld da. Afghanen werden bei uns im "rechten" Deutschland mehrheitlich anerkannt, im "linken" Griechenland haben sie kaum Chancen. Wie man es dreht und wendet: Die Flüchtlinge bekommen die Folgen der Eurokrise voll ab.

Und das ist, wie gesagt, die Hoffnung der Linken in Europa: Leute, die mit dem Elend der Flüchtlinge versuchen, Vorteile herauszupressen. Griechenland hat wenig andere Druckmittel, man geht mit Syriza nicht fair um, da kann man das irgendwie verstehen. Aber die Sicht auf Migration damit ist nicht links, sondern äusserst - pragmatisch und an eigenen Interessen orientiert. Um es nett zu sagen. Irgendwer sollte dien Linken in Europa mal aufklären, dass die Erfolge von Syriza mit einer ebenso sozialradikalen wie nationalistischen Strategie begründet wurden. Das ist nicht wirklich traditionell links. Das kann sich ein deutscher Antifa gar nicht vorstellen, wie gut das dort zusammen passt, sozialrevolutionäres Potenzial und völkische Einstellung. Bei uns in Deutschland würde man da sicher einen Vergleich mit dem linken Flügel der NSDAP unter Strasser ziehen. Nicht ganz zutreffend, aber auch nicht äusserst falsch. Griechen sind nun mal in der grossen Mehrheit enorm vaterlandsliebend.

Man sollte sich seine Vorbilder gut aussuchen. Oder vielleicht doch selbst denken.

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Besprechung

Es gibt wohl wenig Plätze in München, wo es noch weniger Internet gibt. Das macht den Ort für meine Zwecke auch so ausnehmend gut geeignet. Man spricht, man schaut, man denkt nach, man lässt sich nicht ablenken. Falls doch Internet nötig wäre, muss eben jemand anderes tätig werden.



Im Buchladen stand neben einem Desiderat zu Rahmen und Hängung auch noch dieser nette Spruch über Luxus und Notwenigkeit, den ich niemandem vorenthalten möchte. Wobei Luxus natürlich Definitionsfrage ist; meine Grossmutter sagte immer, Gesundheit sei das Wichtigste und der Luxus von Ibuprofen wird wohl nur verständlich, wenn man die Lage vor 200 Jahren kennt.



Es ist schon nett hier. Einer der wenigen - und sehr schön aufgeladenen - Orte, die ich hier wirklich noch liebe. Und nachdem hier keine Kleierkette einziehen wird, wird das auch so bleiben.

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Sonntag, 14. Juni 2015

Unprätentiös

Es ist ein Privileg, dass ich gleich daneben wohne. aber kein zufall, schliesslich gehörte die Kirche früher zum Haus, und so kann ich normalerweise ganz spät aufbrechen.



Aber nicht, wenn Vivaldi auf dem Programm steht. Bei Vivaldi ist die Kirche immer brechend voll und manchmal denke ich, die Religionen sollten das gemeinsame Singen sein lassen und wieder Leute engagieren, die das richtig gut können. mit der Musik. Denn für Vivaldi würde ich mir vielleicht sogar ein paar erbauliche worte anhören. Ich lese so viel Unsinn im Netz aus der braunen und lilabrauen Ecke, da macht ein Priester das Kraut fast fettfrei.



Ein Fenster ist offen, damit es nicht zu heiss wird, und auch draussen hört man das, was man sicher schon einmal gehört hat. Ich persönlich mag die vielen negativen Bemerkungen über Vivaldi nicht sonderlich; dass er in seiner Zeit von den anderen Grossen gern als Inspiration genommen wurde, sollte die billige Kritik eigentlich zum Schweigen bringen.



Und am Ende tobt der Saal, was hier ansonsten nicht so häufig ist. Das Publikum ist sehr interessiert, aber nicht oft tobend - jetzt war es so. Man lässt da seinen Gefühlen freien Lauf.



Ich mag das, so wie es ist. Ich mag die Lage und die Gespräche danach, wenn ich den Wein giesse. Es ist alles so einfach, es stimmt, es ist nicht übertrieben und eigentlich etwas, das sich so fügt, als wäre es nichts Besonderes.

Was es sehr wohl ist.

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Freitag, 12. Juni 2015

Keine Panegyrik

Es hätte gekracht.

Sehr sogar.

Weil es ohnehin eine Plage ist, die Seiten einer Zeitung mit Nachrufen auf Leute füllen zu müssen, die man eigentlich nicht tot sehen will. Niemand schreibt gern Nachrufe, das ist ein elendes Geschäft.

Und es entbindet auch keinen Verbleibenden, das zu tun, was eigentlich nötig wäre: Weiterzumachen.

"Das muss heute noch rein."

"Das geht nicht, wir müssen noch diesen Nachruf bringen."

"..."

"Wirklich."

"Aber dann morgen."

Das ist nicht respektlos gegenüber einem Toten. Der Nachruf ist und bleibt die unerfreulichste Form der Wertschätzung. Keiner will sie wirklich.

Das geht anders besser - indem man sich überlegt, was man tun kann, damit es halbwegs im Sinne des Verstorbenen weiter geht. Nicht als Adept, sondern als weiterdenkendes Individuum. In meinem Fall ist das etwas schwierig, weil ich genau wusste: Wenn ich das jetzt so veröffentliche, dann schaut er an einigen Stellen griesgrämig. Aber das wollte er letztlich so und da, wo ich früher dachte, das wird jetzt haarig, denke ich mir heute, dann sollte so genau so sein, zu verlieren habe ich eh nichts. Ich weiss nicht, ob mir das gelingt. Es fühlt sich nicht mehr so an wie früher. Alles andere wäre aber auch seltsam.

Ich finde es absurd, die Frage Wertschätzung an einer ausbleibenden Panegyrik nach einem Jahr festmachen zu wollen, zugunsten einer Person, die davon nichts, aber auch gar nichts gehalten hat, und Schleimer verachtete. Es gab in einem Blog mal jemanden, der sowas gemacht hat, eine Todestag-Eloge für einen Wissenschaftler und ich weiss noch, wie er damals getobt hat, was das soll und dafür sind Blogs nicht da - bald war dieses Blog dann auch weg vom Fenster.

Was ich sagen will: Echtes Gedenken braucht keine rituell begangenen Tage. Das Trauma ist schon übel genug.

Halten Sie also einfach die Klappe und gehen Sie weiter zu einer famosen FAZ-Autorin und sorgen Sie durch Kommentare dafür, dass der Laden läuft. Man tut, was man kann. Es mag nicht genug sein, aber mit dem Gefühl, genug getan zu haben, wasr man bei ihm ohnehin an der grundfalschen Adresse.

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Dienstag, 9. Juni 2015

Jetzt und in der Stunde

Was mich ja eigentlich umtreibt, ist die Frage, was die wohl empfinden, wenn sie später mal zurückschauen. Sind die dann immer noch zufrieden, bedauern sie nicht, dass sie etwas Besseres aus ihrem Leben gemacht haben?



Es gibt Stiche aus dem rokoko mit Bauern, die in der Nacht tanzen, es gibt Stillleben aus einer an sich entetzlich armen Zeit, und aus so vielen Bildern schauen mich Menschen an, die schön sein wollen und viel dafür getan haben. Sie hatten die Blattern und die Pocken und vershleuderten vielleicht ihr Vermögen beim Whist, aber es war wenigstens nicht so erbär,ich wie vor der Glotze. Beim Jubeln über Rücktritte, die nichts besser machen, wie ich in der FAZ bemerke.

Ich verstehe das nicht. Wirklich. Dieses Zuücktreten des Lebens zugunsten der Glotze und diese ganzen Nebensächlichkeiten.

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