: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Mittwoch, 27. Februar 2013

Interludium

Es wäre leichter aufzuzählen, was 2012 nicht liegen geblieben ist, als das, was alles in den Hintergrund trat. Musik gehört dazu. Das fing beim Erdbeben in Italien an; wenn man auf der freien Wiese ist, und es kommt ein Stoss, ist das ganz seltsam. Man hört nichts, man denkt, man müsste etwas hören, weil sich etwas bewegt, aber da ist kein Geräusch. Oder wenn man fährt und Musik läuft, dann denkt man sich, komisch klingt die CD, das war doch ... und dann erst versteht man, dass die Schwingungen kein Bass oder eine Strassenunebenheit sind, sondern die bebende Erde. Kurz, man gewöhnt sich im Erdbeben ab, unnötige Geräusche von sich zu geben. Das Erstaunlichste war, wie still Italien wurde und in den betroffenen Gebieten teilweise immer noch ist. Das war der Moment, da die Musik bei mir schwieg, und aufgrund anderer Dinge auch weiterhin geschwiegen hat.



So still ist es in der Wohnung, sagen Besucher am Tegernsee. und es stimmt natürlich, denn unter all den Dingen, die nicht geschahen, war auch der Ausbau einer feinen Anlage in den Bergen. Eigentlich hatte ich mir das so vorgestellt, dasitzen und hinausschauen und Musik hören, aber die Musik, die ich mag, ist so komplex und zwingt zum Nachdenken; da habe ich lieber betäubendee Portraits aufgehängt, die einen anlächeln. Oh, ich bin nicht einsam, überhaupt nicht, es ist nur angenehmer, wenn man hochschaut, und da ist eine hübsche Frau, und nicht ein schmerzensreiches Lamento.

Aber wie auch immer:



Vermieten macht glücklich und zwingt mich in die grosse Stadt, und neben einer Wohnung ist auch ein Laden für gebrauchtes HiFi und Elektronik. Und dort war nun ein Ion Obelisk im Schaufenster, für einen sehr günstigen Preis, und ich suche ja schon länger nach einem Verstärker, der die Audiodata Mignon gut antreibt, die an der Donau bleiben. Und ich sagte mir: Wenn ich einen Mieter habe und das Ding noch immer nicht weg ist, dann nehme ich es. Es kam der Mieter, ich kaufte den Obelisk, und damit beginnt wieder die Zeit der Musik. Langsam natürlich, denn britisches G'raffel braucht Zeit, wenn es kalt ist. Ein paar Stunden, dann klingt es gut.



Ökologisch und ökonomisch ist das natürlich nicht, und deshalb lasse ich trotzdem davor schon Musik laufen. Aber der ganze Genuss, der Augenblick des Oho kommt erst, wenn alles schön warm ist. Man kann darüber reden, ob ein sehr neutraler Verstärker zusammen mit sehr neutralen Boxen nicht ein wenig zu analytisch klingen, aber, wie gesagt, wenn alles warm ist, klingt das schon fein. Nicht für jede CD, ich werd natürlich einen Teil an den See mitnehmen und den anderen hier lassen, aber es gibt schon überkräftige Aufnahmen, denen ein klein wenig Darstellungsdisziplin nicht schadet. Messen zum Beispiel. Nach einem dreiviertel Jahr ist auch mein Gehör ein wenig eingerostet, aber nach einem Tag weiss ich nach ein paar Minuten, welche CD an welchen Wohnort kommen wird.



Die CD da oben zum Beispiel ist mit Dudelsack, und da ist so viel Vibration, dass sie bleiben kann. Ich sollte sie auch besprechen, denn sie ist ausgefallen und so wunderbar vielschichtig, dass man einen ganzen Beitrag darüber verfassen könnte. Ich habe weiterhin CDs gekauft. Ich habe sie danach nur ungehört abgelegt. Da war dieses seltsame Gefühl, dass ich dies und jenes gehört haben sollte - oder wenigstens besitzen. da ist viel aufgelaufen. Und das wird jetzt, man will nichts überstürzen, ganz langsam angehört. Ob ich etwas nach Italien mitnehme, weiss ich nicht. Ich glaube, das wäre jetzt noch zu viel. Für Italien reichen Italohits, um den Schmerz wegzubrüllen.



Das Problem am Tegernsee wird sein, den richtigen Platz für die Gerätschaften auch wirklich zu bestellen. Ich weiss, wo es hin muss, aber ich weiss nicht, ob der Platz wirklich reicht. Es bleibt Zeit, denn es fehlen mir noch die Kabel und ein trocken klingender CD-Spieler; echtes Parkett und Duevel und man braucht keinen Röhrenmaterial mehr, damit alles harmonisch vibriert. Holz schwingt schön. Ich hätte gern einen alten Naim oder einen Rotel oder einen Linn. Aber das eilt nicht. Vorerst kommen ganz andere Dinge mit warnender - und unzutreffender - Aufschrift bei mir an.



Davon dann mehr in der nächsten Woche. Diesmal geht es schon wieder zurück nach München, und weiter an den stillen See, über dem nur mein Keuchen im Bergwald erklingen wird, wenn ich der Sonne entgegenstapfe.

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