: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Dienstag, 12. Februar 2013

Die Maske

Und dann wendet sich alles noch etwas weiter zum Schlechteren, nur für eine Stunde reicht das Licht wirklich aus, und die Sonne kommt durch. So ein See kann bei schlechtem Wetter, wenn man ohnehin zu wenig geschlafen hat, auf das Gemüt schlagen. Da ist keine Weite mehr, die ablenken könnte, nur noch ein Grau mit Goldahnung, das kalt wie eine Kröte auf den Betrachter zurückblickt.





Zum Ende vom Fasching sollen wir ja alle unsere Masken heben, und es gibt da dieses Märchen von der alten Frau, die immer an diesem Tag in die Berge ging, um allein zu sein. Einmal kam der Teufel ihres Weges, und sie schlossen eine Wette: Wenn der Teufel beim Kartenspiel verlieren würde, dann würde er ihr sein wahres Gesicht zeigen. Die Alte betrog ihn beim Spiel, und der Teufel entwich ihr lachend, nachdem er seine Maske nur ein klein wenig angehoben hatte. Dann wurde es Mitternacht, und die alte Frau hob auch ihre Maske an, und darunter war der Teufel.





Manche sagen, ich hätte 2012 ziemlich die Maske fallen lassen, und was unter dem freundlichen, korrekten Menschen zum Vorschein kam, habe ihnen allenfalls so mittelgut bis gar nicht gefallen. Für sie war es eine brutale Erfahrung, für mich dagegen eigentlich nur eine zwingende Notwendigkeit, ein unvermeidliches Aufräumen lange mitgeschleppter Probleme, die nur Kraft und Zeit kosten, und im Gegenzug nichts bringen. Ich bin ziemlich schlecht darin geworden, anderer Leute Probleme zu meinen eigenen zu machen. Das führt zur amüsanten Situation, dass jene, die immer gerne nahmen, nun den Eindruck haben, ich würde ihnen etwas vorenthalten. Sicher, gern geschehen. Ich habe nicht wirklich viel davon, Leute aus einem pomadigen Dasein in eine Form zu heben, in der sie so mittelprächtig erträglich sind. Sie denken, es ist schade, dass es so ist. Als wäre "es" etwas, das einfach so passiert. Als müsste man Leute, die alles nehmen, auch noch sonderlich hätscheln und ihre Neurosen und Minderwertigkeitskomplexe füttern. Ich bin abgestumpft, wenn ich lese, dass Menschen mit Drogenkonsum Probleme mit dem Leben und der Finanzierung haben. Und der Selbstverwirklichungstrip unter Nutzung aller Nettigkeit anderer Menschen und dummer Systeme kotzt mich auch an. Als da wäre ein blogweit bekannter Schlechtzahler in Berlin, der seine Beiträge und seine Firma so machen kann, weil es unter anderem eine Mitarbeiterin durch Arbeitsamtzuschüsse quersubventionieren kann.





Kein Verständnis. Kein Verständnis für Leute, die sich daran hochziehen, wenn andere sich betroffen fühlen, mit Schlitzern und den "Oh guckt mal ich hab Suizid probiert"-Angebern; das sind so Sachen, die schockieren einen sicher noch mit 20 nach einer schönen Jugend, aber heute teile ich die Welt in Leute ein, die den Schnee vor ihrem Haus räumen und jene, die sich über das Glatteis beschweren; man komme also bitte nicht zu mir, wenn sich das ganze Leben als eine Kette von Rutschereien darstellt, da habe ich schon genug, um die ich mich kümmern muss. Man kann nicht alle retten und schon gar nicht jene, die einen runterziehen wollen, weil sie einen Hau haben. Armut finde ich nicht schön, aber eure selbstinszenierte Kaputtness kotzt mich an. Vielleicht könnte ich etwas tun, aber ich lasse es dann doch öfters bleiben; da ist einfach zu viel anderes, das mir wichtig ist. Und das mache ich dann, aber nach Möglichkeit immer, ohne dabei anderen zur Last zu fallen.

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