: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Freitag, 4. Januar 2019

Warum ich den rechten Hackerangriff-Spin nicht glaube.

Wissen Sie, es ist doch so: Wenn etwas zu leicht geht und zu gut aussieht, ist ein Haken daran. Und momentan sieht es total leicht und gut aus, weil keine AfD-Politiker vom Hack betroffen waren, und der oder die Figuren hinter G0d sich eine Reihe eher linkslastiger Youtuber herausgesucht haben. Was meine Kollegen dann so sicher macht, ist das, worüber sie nicht schreiben, was aber vermutlich die meisten zuerst vom Hack gesehen haben. Es ist einfach nicht wahr, dass Anrufe bei Martin Schulz die Sache ins Rollen brachten, oder der Account von unge. Die meisten aus meiner Klasse dürften zuerst die Sache mit dem Kinkvideo eines Youtubers gesehen haben, der wegen einer problematischen Dokumentation gegen angeblich Rechte hochgradig umstritten war. Das hat von Anfang an den Eindruck bestimmt. Hacker lässt die AfD davon kommen und desavouiert einen Kämpfer gegen rechts, und das massiv und irreparabel. Also ist das halt so ein Alt-Right Gamergate Youtube Hacker in einem Keller auf Rachefeldzug gegen die Aufrechten.



Die Sache ist nur, dass man sich bei so einer Theorie auch die entlastenden Aspekte anschauen muss. Vielleicht sollte man mal einen Schritt zurück treten und nachdenken, was jemand tun würde, der wirklich diese Agenda hätte, und in der Lage ist, doch vergleichsweise viele Angriffe zu führen, vor dem Hintergrund, dass er der AfD oder dem Iwan helfen will. Nehmen wir weiterhin an, er ist eitel und will wirklich gross damit rauskommen. Und er will, dass das Land wackelt, und nicht nur ein paar Politiker aufgescheucht durchs Neuland rennen und sich fragen, wer von ihnen doggystyle69 ist. Würde der in der jetzigen Situation wirklich nur die Telefonnummer von Umwelthilfe-Boss Resch posten?

Wenn ich das Land brennen sehen wollte, würde ich mich auf einzelne Personen konzentrieren, und hier maximal informationen liefern. Bei Resch zum Beispiel. Bei umstrittenen Personen, von denen Rechte ohnehin schon eine Meinung haben, die man mit mehr Informationen bestätigt. Ich würde mir spezielle Personen ganz oben heraussuchen, und nicht irgendwelche Tarik Tesfus und Extra-3-Mitarbeiter oder was immer er da aufgegabelt hat. Das sind kleine Fische, die nichts zu melden haben. Ich würde mich an die kontroversen Figuren in der Leitungsebene halten, die in den letzten Monaten von sich reden machten. An Reizfiguren beim NDR und WDR, ein paar besonders AfD-feindliche Journalisten der Zeitungen, an Haltungspolitiker und die von ihnen eingekaufte, parasitäre Staats-NGOs. Zwangsgebührenbefürworter, Überwachungs- und Zensurpolitiker, nervige, aber in den Medien protegierte Politiker, die besonders laut Entsagung und Unterwerfung fordern. Der übliche Stoff, aus dem die Shitstorms sind. Ich würde Genderistinnen ausspähen und den grünennahen CDU-Flügel. Ich würde versuchen, Stoff für das rechte Narrativ zu liefern. Ich würde schauen, dass das Anekdotische zur Evidenz wird.



Und ich würde ordnen und die Fälle mundgerecht machen. So wie Wikileaks das ja auch immer macht, die stellen alle Daten online und vertwittern vorab die saftigen Punkte. G0d hatte einen Haufen Informationen, er hat sie ins Netz gekippt, und das doch relativ umständlich, so dass man schon explizit nach Verwertbarem suchen muss. Der Pass von Politiker ist mir als theoretischem Zielpublikum egal. Das ist klar eine Machtdemonstration des Hackers gegen den Politiker, der sich dann als Opfer präsentiert – so sind die Regeln des Spiels. Ein Gesteuerter würde dagegen selektiv vorgehen und vorab das auswählen, das wirklich sitzt und der eigenen Legitimation nicht schadet. Er würde die Umsetzung so machen, dass die relevanten Informationen oben stehen. Für mich sieht es mehr so aus, als wollte da einer zeigen, dass keiner wirklich sicher ist. Dass er alle irgendwie erwischt, dass es immer eine Lücke gibt. Und das schon lange vor dem Einzug der AfD in den Bundestag.

Wenn man mich fragen würde, was das für einer ist, würde ich an den Hacker denken, neben dem ich im Zug zum 32C3 gesessen bin. Bleicher, nicht ganz dünner Junge, der auf seinem Laptop nach dem Coden „Dukes of Hazzard“ angeschaut hat. Südstaatenjungs rasen Autos, spielen den Behörden Streiche und haben blonde, sexwillige Freundinnen. Das ist so einer gewesen, der sich nicht für das übliche Moralkorsett interessiert hat, das in der letzten Legislaturperiode immer enger geschnallt wurde. Das ist einer, der sich von der windelweichen CDU und den linken Parteien angenervt fühlen konnte, und in dessen Freiraum diese Politik und ihre Schergen eingebrochen sind. Für G0d waren Projekte wie Funk ein Einbruch des Staates in seinen bisherigen Safe Space. Die AfD würde das nach Eigenaussagen nicht tun, sie würde die Finanzierung der Sender begrenzen, und war gegen das NetzDG. Ich privat nehme das denen nicht ab, aber die AfD hat bislang einfach nichts verlauten lassen, was so eine Figur stören könnte. Meines Erachtens sieht da einer sein kleines, dunkles Reich im Netz bedroht, seinen Dukes-of-Hazzard-Spass, seinen freien Zugang zu Pornhub und die Parallelmedien, die er auch wieder nicht mehr mag, wenn die Protagonisten zu gross und gesteuert von Fremdinteressen werden. Es ist schick geworden, in solche Leuten Rechte zu sehen, die von den Russen ansprechbar sind, man hat das bei Assange auch schon so gedreht.



Aber es ist zu einfach und so einfach sollte man es sich nicht machen. Für mich sieht das wie ein Micdrop aus: Schaut her, das habe ich gemacht, das kann ich tun, jetzt ahnt ihr vielleicht, was noch ginge. Er hatte jahrelang Zeit, das Zeug zu sichten und hätte Einzelnen richtig Probleme machen können, wenn er es genau platziert hätte. Hat er nicht. Er hat einfach vieles über viele ins Netz geblasen. Da glaube ich einfach nicht an den von AfD-Putins gesteuerten Weltanzünder, der die einen brennen sehen will und die anderen schützt, weil er einer von ihnen ist.

... link (88 Kommentare)   ... comment