: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Sonntag, 22. Dezember 2019

Wir haben schon alles,

aber noch nicht in der nötigen Menge - mit dieser immer richtigen Erkenntnis gehe ich dann vor, wenn es darum geht, nichts oder fast nichts zu verschenken. Denn mitunter braucht man etwas schnell, ohne es gross zu suchen oder in anderen Räumen zu holen. Wenn man eine heisse Schüssel in der Hand hat, zum Beispiel, oder eine heisse Kanne. Das kommt unweigerlich mit Holzplatten und Tischdecken in Konflikt, und dafür gab es früher einfache Lösungen, die aber nicht mehr so einfach zu bekommen sind. Zumindest, wenn es nicht aus Kork oder, horribile dictu, Kunststoff sein soll.



Aus diesem Grunde fuhr ich durch das trübe Wetter heute dorthin, wo es alles gibt, was es nicht mehr gibt - zum Antikmarkt Pfaffenhofen, den ich wegen Urlauben Verpflichtungen, Hitze und Nachlässigkeit schon länger nicht mehr besucht habe. Trotzdem sind alle Händler, auf die es ankommt, auch heute wieder da gewesen, und haben in der feuchten Luft gefroren: Die Franzosen aus de Elsass mit all den hübschen Möbeln und Lampen, die ich diesmal aber mied, und der Silberamerikaner, der immer kistenweise Versilbertes importiert. Und neben den riesigen, viel zu grossen, ausziehbaren Untersetzern hatte er auch einen kleinen, durchbrochenen Untersetzer, der gar nicht so hässlich war. Vermutlich aus den 50er Jahren, bevor die 68er beschlossen, dass man dergleichen nicht mehr braucht. Unten ist auch noch der Herstelleraufkleber - das gute Stück ist also new old stock.



Wie gesagt, wir haben schon alles, aber es ist immer praktisch, wenn so etwas in jedem Raum steht und nicht mitgeschleppt werden muss. Ich hätte auch mehr gekauft, wenn er mehr gehabt hätte, denn auch unter dem Jahr verschwinden diese Untersetzer bei Besuchern: Sie sind einfach zu praktisch. Man kann sie immer irgendwie brauchen. Man hat schon alles, aber von dem dann doch nie zu viel. Und der Untersetzer ist letztlich so klein, dass sich niemand etwas denken muss, wenn er dachte, dass ich auch schon alles habe und man mir wirklich nichts mehr schenken braucht. Was eigentlich auch stimmt. Hauptsache, man endet nicht als Knochenhaufen in einer Schachtel, und kann noch lange Tee servieren.

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