... newer stories
Freitag, 19. Dezember 2003
Kultig
Etwas Besonderes sollte es werden. Ein Sprössling einer Unternehmerfamilie wollte sich ein Denkmal setzen. Ein Eck an der Stadtperipherie, das vor zwanzig Jahren nicht mehr weiter entwickelt wurde, würde ein neues, postmodernes Zentrum bilden. So zumindest das Versprechen. Viel Glas, dunkelrot, orange, blau und pastell. Mit Geschäften für Unterhaltungselektronik, High End Audio und teuren Lokalen, verkehrsgünstig in Autobahnnähe.
Die passenden Menschen für das Retortenviertel konnten natürlich nicht von den umliegenden Blocks, Kleinbürger-Doppelhaushälften, Coutry-Saloons und Gebrauchtwagenhändlern kommen. Das einheimische, kaufkräftige Publikum für dieses Zentrum wohnte leider am anderen Ende der Stadt und blieb dort unter sich. Das war dem Sprössling wohl klar. Deshalb holte er sich seine Kundschaft von aussen, und stellte dafür ein Hotel in die Landschaft, wie die Stadt noch keines gesehen hatte.

Quietschorange, viel geheimnisvoll tuendes Licht und Schatten, mit Filmstills als Deckengemälden in den Zimmern. Kult sollte das Hotel werden, um die enormen Preise zu rechtfertigen. Eben mal was ganz anderes in dieser piefigen Provinzstadt, die alle Angehörigen der Generation des Sprösslings verabscheuten.
Das Hotel hat entgegen der Hoffnungen keinen Markt. Die jeunesse doree anderer Städte denkt nicht daran, in dieser Provinzstadt zu bleiben, und fährt weiter nach München. Die älteren Herrschaften sind von den Fratzen an der Decke irritiert und bevorzugen das frisch restaurierte Erste Haus am Platz in der Innenstadt, wo es auch noch was anderes als japanisches Essen gibt.
So dominiert der typisch postmoderne Horror Vacui im neuen Zentrum. Deshalb werden die Lichter in den leeren Zimmern eingeschaltet, um Leben vorzugaukeln. Das strahlende Nichts schreit die Erbärmlichkeit dieses Zustands heraus, aber noch schlimmer ist es bei Tag. Da ist das Hotel nur ein oranger Klotz an einer lauten Ausfallstrasse in einem schlechten Viertel der Stadt.
Und ein zweifelhaftes Denkmal einer Fehleinschätzung in einer Provinz, die den propagierten Lifestyle weder braucht noch will.
Die passenden Menschen für das Retortenviertel konnten natürlich nicht von den umliegenden Blocks, Kleinbürger-Doppelhaushälften, Coutry-Saloons und Gebrauchtwagenhändlern kommen. Das einheimische, kaufkräftige Publikum für dieses Zentrum wohnte leider am anderen Ende der Stadt und blieb dort unter sich. Das war dem Sprössling wohl klar. Deshalb holte er sich seine Kundschaft von aussen, und stellte dafür ein Hotel in die Landschaft, wie die Stadt noch keines gesehen hatte.

Quietschorange, viel geheimnisvoll tuendes Licht und Schatten, mit Filmstills als Deckengemälden in den Zimmern. Kult sollte das Hotel werden, um die enormen Preise zu rechtfertigen. Eben mal was ganz anderes in dieser piefigen Provinzstadt, die alle Angehörigen der Generation des Sprösslings verabscheuten.
Das Hotel hat entgegen der Hoffnungen keinen Markt. Die jeunesse doree anderer Städte denkt nicht daran, in dieser Provinzstadt zu bleiben, und fährt weiter nach München. Die älteren Herrschaften sind von den Fratzen an der Decke irritiert und bevorzugen das frisch restaurierte Erste Haus am Platz in der Innenstadt, wo es auch noch was anderes als japanisches Essen gibt.
So dominiert der typisch postmoderne Horror Vacui im neuen Zentrum. Deshalb werden die Lichter in den leeren Zimmern eingeschaltet, um Leben vorzugaukeln. Das strahlende Nichts schreit die Erbärmlichkeit dieses Zustands heraus, aber noch schlimmer ist es bei Tag. Da ist das Hotel nur ein oranger Klotz an einer lauten Ausfallstrasse in einem schlechten Viertel der Stadt.
Und ein zweifelhaftes Denkmal einer Fehleinschätzung in einer Provinz, die den propagierten Lifestyle weder braucht noch will.
donalphons, 03:14h
... link (0 Kommentare) ... comment
0,5-Generationen-Konflikt
Bei der Frage in grösserer Runde, was Tempo für uns bedeutet hat, und wer der bekannteren Autoren wie einzuschätzen ist, fiel ein Zitat, bei dem auch Verehrer der 100 Zeilen Hass grinsen müssen: Biller sei der Nils Ruf der 80er Jahre.
Eine Beleidigung? Durchaus. Für wen? Schwer zu sagen, wahrscheinlich für beide.
Billers weiteren Lebensweg berücksichtigt, stellen sich für Ruf spannende Fragen. Wie sieht ein verbotener Liebesroman von Ruf aus? Welche Randgruppe stellt er in das Zentrum seiner Arbeiten? Und womit soll sich dieser Wicht quälen, ausser seinem läppischen, verkorxten Ego?
Vielleicht ist der Vergleich vor allem eine Beleidigung für die Zeit, in der die WIRs des Herrn Illies existieren.
Eine Beleidigung? Durchaus. Für wen? Schwer zu sagen, wahrscheinlich für beide.
Billers weiteren Lebensweg berücksichtigt, stellen sich für Ruf spannende Fragen. Wie sieht ein verbotener Liebesroman von Ruf aus? Welche Randgruppe stellt er in das Zentrum seiner Arbeiten? Und womit soll sich dieser Wicht quälen, ausser seinem läppischen, verkorxten Ego?
Vielleicht ist der Vergleich vor allem eine Beleidigung für die Zeit, in der die WIRs des Herrn Illies existieren.
donalphons, 03:08h
... link (0 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Donnerstag, 18. Dezember 2003
Real Life, 18.Dezember 2003 -Abgeholt
Zwei Bücher kamen schnell, eines brauchte länger: Matias Faldbakken, The Cocka Hola Company. Eines der Bücher, deren Cover es nie in die Auslagen der Buchgeschäfte schaffen wird, obwohl das Werk der Berliner Designerin Crish Klose erstklassig ist. Aber ein Bild von einem Mann und zwei Frauen beim Sex ist nicht das, was der typische Buchhändler gern ins Regal stellt.
Der Autor ist ein netter Revoluzzer, der viel lacht und in seiner Heimat unter Pseudonym schreibt. Es gibt auch sonst einige Parallelen zwischen unseren Büchern, die Motivation der Helden, ihr Standpunkt zur Konsensgesellschaft. Es gibt aber auch Unterschiede, die dazu führten, dass ich das Buch nach kurzer Begeisterung bei der Hälfte weglegte und mich dann etwas mühsam durch den Rest arbeitete, bis es zum Ende hin nochmal richtig gut wurde. Man muss sich auf das Buch einlassen; es ist mehr Kunst als Unterhaltung, und dafür bin ich nicht der richtige Leser. Aber es gibt Menschen, die sowas mögen, auch in meinem Bekanntenkreis, und ausserdem hilft es dem kleinen, feinen Blumenbar-Verlag. Und, wie schon erwähnt, selbst ungelesen gibt es Dank Crish Klose eine gute Figur auf dem Sofa ab.

Sogar an kleine Logos, die Aufschluss über die Inhalte geben, wurde gedacht, für die Analphabeten, die es in der Zielgruppe des Verlages sicher häufig gibt.
Als ich das Buch in die Hand nehme, ist es ein Rettungsring. Um mich herum tobt die Hölle. Eine dynamische Grossmutter mit Öko-Poncho kratzt ein schreiendes Balg aus dem Kinderwagen und hält es neben mein Ohr. Auf der anderen Seite fluchen zwei Rentner über die drohenden Kürzungen ihrer Bezüge, nachdem sie für 200 Euro hässliche Segelbildbände gekauft haben.
Was ist das für ein Buch, will der Buchhändler wissen.
Ein paar Leute gründen ein Pornofilm-Unternehmen, um somit ihren Kampf gegen die Gesellschaft zu finanzieren, sage ich, und das Balg quietscht, laut wie eine Sirene dazwischen. Poncho-Oma schaut mich an, als ob ich eine Aludose in den Biomülll geschmissen hätte.
Fängt mit einer Cumshot-Szene an, danach gibt´s Drogen, und es endet, wo sowas immer endet. In einer Talkshow für die Spiessergesellschaft. Und während ich das noch sage, geht das Balg ab wie ein Thailand-Tourist auf einer Familienpackung Viagra, das Geschrei wird unerträglich, Oma klatscht das Ding zurück in den Kinderwagen, und bleibt bei der Flucht auch noch an der Türe hängen.
QUÄH! QUÄHHHHHHH! QUÄÄ TÜRENRUMMS! äääähhhhhh.....
Der Buchhändler war früher mal Linksradikaler. Deshalb grinst er nur. Ich auch. Aber ist ist schon schlimm, die Monster zu sehen, die da in meinen Lebensraum eindringen. Was wollen solche Leute überhaupt in Buchhandlungen.
Der Autor ist ein netter Revoluzzer, der viel lacht und in seiner Heimat unter Pseudonym schreibt. Es gibt auch sonst einige Parallelen zwischen unseren Büchern, die Motivation der Helden, ihr Standpunkt zur Konsensgesellschaft. Es gibt aber auch Unterschiede, die dazu führten, dass ich das Buch nach kurzer Begeisterung bei der Hälfte weglegte und mich dann etwas mühsam durch den Rest arbeitete, bis es zum Ende hin nochmal richtig gut wurde. Man muss sich auf das Buch einlassen; es ist mehr Kunst als Unterhaltung, und dafür bin ich nicht der richtige Leser. Aber es gibt Menschen, die sowas mögen, auch in meinem Bekanntenkreis, und ausserdem hilft es dem kleinen, feinen Blumenbar-Verlag. Und, wie schon erwähnt, selbst ungelesen gibt es Dank Crish Klose eine gute Figur auf dem Sofa ab.

Sogar an kleine Logos, die Aufschluss über die Inhalte geben, wurde gedacht, für die Analphabeten, die es in der Zielgruppe des Verlages sicher häufig gibt.
Als ich das Buch in die Hand nehme, ist es ein Rettungsring. Um mich herum tobt die Hölle. Eine dynamische Grossmutter mit Öko-Poncho kratzt ein schreiendes Balg aus dem Kinderwagen und hält es neben mein Ohr. Auf der anderen Seite fluchen zwei Rentner über die drohenden Kürzungen ihrer Bezüge, nachdem sie für 200 Euro hässliche Segelbildbände gekauft haben.
Was ist das für ein Buch, will der Buchhändler wissen.
Ein paar Leute gründen ein Pornofilm-Unternehmen, um somit ihren Kampf gegen die Gesellschaft zu finanzieren, sage ich, und das Balg quietscht, laut wie eine Sirene dazwischen. Poncho-Oma schaut mich an, als ob ich eine Aludose in den Biomülll geschmissen hätte.
Fängt mit einer Cumshot-Szene an, danach gibt´s Drogen, und es endet, wo sowas immer endet. In einer Talkshow für die Spiessergesellschaft. Und während ich das noch sage, geht das Balg ab wie ein Thailand-Tourist auf einer Familienpackung Viagra, das Geschrei wird unerträglich, Oma klatscht das Ding zurück in den Kinderwagen, und bleibt bei der Flucht auch noch an der Türe hängen.
QUÄH! QUÄHHHHHHH! QUÄÄ TÜRENRUMMS! äääähhhhhh.....
Der Buchhändler war früher mal Linksradikaler. Deshalb grinst er nur. Ich auch. Aber ist ist schon schlimm, die Monster zu sehen, die da in meinen Lebensraum eindringen. Was wollen solche Leute überhaupt in Buchhandlungen.
donalphons, 15:00h
... link (0 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Mittwoch, 17. Dezember 2003
Real Life -17.12.2003
Es hat schon was, sich den schicken Krempel das Jahres 2000 zu kaufen. Das Zeug, das genau für die Zielgruppe der young urban professionals gemacht wurde. Diese Teile haben eine Geschichte, sie sind wie die abgeschnittenen Zungen nach einer Schlacht im alten Ägypten. Im jetzigen Fall ist es eine damalige Semipro-Kamera von jemandem, der sich (wieder) was besseres leisten kann. Glück gehabt, er und ich.
Diese Kamera, eine Fujifilm MX-2900, war genau das gadget, das auf den Events des Jahres 2000 gern benutzt wurde. Von Leuten, die zeigen wollten, dass sie sich sowas leisten können. Mit einem matt schimmernden Magnesiumgehäuse, passend zum Toshiba Portege. So gesehen beim Chef einer Internet-Agentur in München Schwabing, der ein paar Monate später eine Bekannte rausmobte. Aber auf dem Event des Munich Networks, da habe ich mit seiner Kamera ein Bild von den beiden gemacht. Sie sahen auf dem hochauflösenden Display sehr glücklich aus.
Solche Bilder von Worker und Boss mit Drink waren schick, damals.
Diese Kamera, eine Fujifilm MX-2900, war genau das gadget, das auf den Events des Jahres 2000 gern benutzt wurde. Von Leuten, die zeigen wollten, dass sie sich sowas leisten können. Mit einem matt schimmernden Magnesiumgehäuse, passend zum Toshiba Portege. So gesehen beim Chef einer Internet-Agentur in München Schwabing, der ein paar Monate später eine Bekannte rausmobte. Aber auf dem Event des Munich Networks, da habe ich mit seiner Kamera ein Bild von den beiden gemacht. Sie sahen auf dem hochauflösenden Display sehr glücklich aus.
Solche Bilder von Worker und Boss mit Drink waren schick, damals.
donalphons, 21:39h
... link (0 Kommentare) ... comment
Blogbarer Pilot betet zur ewigen Nacht über dem Netz
90 Hinter dieser ewigen Nacht geht es weiter,
89 und an der Grenze zwischen unserer Nacht
88 und ihrem Tag, da sitzen sie, die alten Oligarchien
87 der Desinformation, der geheuchelten Objektivität.
86 In der Lichterstadt des zerstörten Goldenen Zeitalters
85 Mahagonny genannt, auch die Netzestadt gerufen,
84 setzen sie ihre Themen auf den Strich für Geld und Einfluss
83 und nennen das Pressefreiheit und gesellschaftlichen Auftrag.

82 Dieser Auftrag ist für mich so scheissegal wie ihre Freiheit,
81 denn meine Freiheit ist hier im Flug über der Blogosphäre.
80 Meine Freiheit ist das Nitroglycerin, das die Motoren schreien lässt
79 und mich in das Nichts hämmert.
78 Meine Freiheit ist das Phosphor, das ich geladen habe,
77 um es Euch Meinungsmachern in die Fressen zu schütten.
76 Vielleicht haltet Ihr das für Blogschrott oder medialen Slum,
75 was hier draussen entsteht und manchmal bei Euch auftaucht,
74 wenn Ihr faulen Säcke googelt statt recherchiert.
73 So richtig könnt Ihr damit ja nichts anfangen, denn es ist zu kurz.
72 Das alles ist Meinung und unausgewogen, hart formuliert
71 und von Leuten, die kein Geld dafür bekommen und auch nicht
70 zu Events an die Buffets eingeladen werden,
69 um sich die Meinung der Veranstalter zu bilden.
68 Es sind nicht wirklich Medien, was hier entsteht.
67 Zumindest nicht Medien, wie ihr sie kennt.
66 Da braut sich was zusammen, aber es viel zu schwammig,
65 unfassbar und unpräzise. Nebulös. Komisch.
64 Sagt Ihr und geht weiter, ohne nachzudenken.
63 Inzwischen wächst dieses Paralleluniversum aus Information,
62 kopierten, veränderten und neu erschaffenen Datensätzen.
61 Allein dass wir existieren und wachsen
60 ist der entscheidende Anschlag auf Euch.
59 Wir müssen noch nicht mal planen, Euch zu töten.
58 Es passiert einfach. Wir sind nicht Schuld daran.
57 Aber es gibt ein Opfer. Euch.
56 Wir wollen Euch nicht verändern,
55 denn das ist nicht möglich.
54 Ihr seid ein Auslaufsmodell,
53 eine vollkommerzgekotzte Seite
52 irgendwo im hinteren Eck unseres Internets
51 die stinkenden Essensreste der normalen Medien.
50 Beim Gieren nach möglichst breiter Zielgruppe
49 und Profit werden Eure Kiefer brechen.
48 Ihr werdet an Euren eigenen Kosten verrecken
47 und die paar Überlebenden erdrücken wir
46 durch unsere schiere Masse.
45 Was wir von Euch brauchen, nehmen wir uns, ohne zu fragen.
44 Wenn Ihr es uns nicht geben wollt, klauen wir es.
43 Wenn Ihr winselt, lachen wir Euch aus.
42 Wenn Ihr Eure Drecksanwälte losschickt
41 tauchen wir ab und merken es uns
40 und machen Euch bei jeder Gelegenheit zu der Sau, die Ihr seid.
39 Wir haben schon die Musikindustrie fertiggemacht,
38 mit Euch werden wir allemal fertig.
37 Wir nehmen Euren Kommerzschrott und resampeln ihn,
36 wie es uns gefällt, und nicht Euren Werbekunden.
35 Wir legen den 140er-Beat drunter, den wir brauchen
34 um damit durch das Netz zu knallen.
33 Wir zertrümmern die Botschaften, clonen den Rest
32 und hetzen Euch die Inhaltskreaturen an die Gurgel.
31 Euer Informationsmonopol gibt es hier draussen nicht mehr
30 und wir arbeiten daran, es Euch überall wegzunehmen.
29 Wie das gehen soll, wissen wir nicht,
28 denn wir sind ja keine Alleswisser,
27 aber Ihr seid so fertig, dass wir das sicher schaffen werden.
26 Wir machen uns genau dort breit,
25 wohin Ihr es in Eurer Begrenztheit nie schaffen werdet.
24 Wir reden über den Alltag, das pralle Leben,
23 unser Leben, also das einzige, das wichtig ist,
22 und nicht das Siechtum Eurer relevanten Lieblinge.
21 Wir reden über Sex, unseren Sex, den Sex mit uns
20 alles was ihr nicht habt, und hey,
19 wir würden Euch in Arsch ficken,
18 wenn Euer Arsch nicht so verdammt scheusslich wäre.
17 Jeder Click bei uns ist einer weniger bei Euch.
16 Jeder Click bei uns ist ein Tritt in Eure Fresse
15 Jeder Click bei uns ist ein Problem für den ökonomischen Prozess
14 Jeder Click bei uns ist ein Beweis für Eure Unglaubwürdigkeit
13 Jeder Click bei uns ist ein guter Grund für Euch,
12 Euch aus dem Netz zu verpissen und zu krepieren.
11 Ihr findet das menschenverachtend?
10 Gegen den Geist des Grundgesetzes, das Euch privilegiert?
9 Ach kommt, wer wird denn heulen,
8 zu den paar guten Journalisten sind wir doch nett.
7 Aber Ihr Abschreiber und Incentive-Lutscher,
6 Ihr Hirnficker aus dem Föieton und social interest specialists,
5 Ihr Karrieristen bei den Meinungsbildern
4 und Politikerwurmanhänge der Öffentlich-Geschlossenen Anstalten,
3 Ihr seid genau auf 12 Uhr vor uns, und ihr ahnt nichts in Mahagonny.
2 Ihr habt noch immer nicht begriffen,
1 was da aus dem Nichts des Netzes kommt.
0 Ihr werdet es erst verstehen, wenn wir über Euch sind und die Bomben
-01 einschlagen.
89 und an der Grenze zwischen unserer Nacht
88 und ihrem Tag, da sitzen sie, die alten Oligarchien
87 der Desinformation, der geheuchelten Objektivität.
86 In der Lichterstadt des zerstörten Goldenen Zeitalters
85 Mahagonny genannt, auch die Netzestadt gerufen,
84 setzen sie ihre Themen auf den Strich für Geld und Einfluss
83 und nennen das Pressefreiheit und gesellschaftlichen Auftrag.

82 Dieser Auftrag ist für mich so scheissegal wie ihre Freiheit,
81 denn meine Freiheit ist hier im Flug über der Blogosphäre.
80 Meine Freiheit ist das Nitroglycerin, das die Motoren schreien lässt
79 und mich in das Nichts hämmert.
78 Meine Freiheit ist das Phosphor, das ich geladen habe,
77 um es Euch Meinungsmachern in die Fressen zu schütten.
76 Vielleicht haltet Ihr das für Blogschrott oder medialen Slum,
75 was hier draussen entsteht und manchmal bei Euch auftaucht,
74 wenn Ihr faulen Säcke googelt statt recherchiert.
73 So richtig könnt Ihr damit ja nichts anfangen, denn es ist zu kurz.
72 Das alles ist Meinung und unausgewogen, hart formuliert
71 und von Leuten, die kein Geld dafür bekommen und auch nicht
70 zu Events an die Buffets eingeladen werden,
69 um sich die Meinung der Veranstalter zu bilden.
68 Es sind nicht wirklich Medien, was hier entsteht.
67 Zumindest nicht Medien, wie ihr sie kennt.
66 Da braut sich was zusammen, aber es viel zu schwammig,
65 unfassbar und unpräzise. Nebulös. Komisch.
64 Sagt Ihr und geht weiter, ohne nachzudenken.
63 Inzwischen wächst dieses Paralleluniversum aus Information,
62 kopierten, veränderten und neu erschaffenen Datensätzen.
61 Allein dass wir existieren und wachsen
60 ist der entscheidende Anschlag auf Euch.
59 Wir müssen noch nicht mal planen, Euch zu töten.
58 Es passiert einfach. Wir sind nicht Schuld daran.
57 Aber es gibt ein Opfer. Euch.
56 Wir wollen Euch nicht verändern,
55 denn das ist nicht möglich.
54 Ihr seid ein Auslaufsmodell,
53 eine vollkommerzgekotzte Seite
52 irgendwo im hinteren Eck unseres Internets
51 die stinkenden Essensreste der normalen Medien.
50 Beim Gieren nach möglichst breiter Zielgruppe
49 und Profit werden Eure Kiefer brechen.
48 Ihr werdet an Euren eigenen Kosten verrecken
47 und die paar Überlebenden erdrücken wir
46 durch unsere schiere Masse.
45 Was wir von Euch brauchen, nehmen wir uns, ohne zu fragen.
44 Wenn Ihr es uns nicht geben wollt, klauen wir es.
43 Wenn Ihr winselt, lachen wir Euch aus.
42 Wenn Ihr Eure Drecksanwälte losschickt
41 tauchen wir ab und merken es uns
40 und machen Euch bei jeder Gelegenheit zu der Sau, die Ihr seid.
39 Wir haben schon die Musikindustrie fertiggemacht,
38 mit Euch werden wir allemal fertig.
37 Wir nehmen Euren Kommerzschrott und resampeln ihn,
36 wie es uns gefällt, und nicht Euren Werbekunden.
35 Wir legen den 140er-Beat drunter, den wir brauchen
34 um damit durch das Netz zu knallen.
33 Wir zertrümmern die Botschaften, clonen den Rest
32 und hetzen Euch die Inhaltskreaturen an die Gurgel.
31 Euer Informationsmonopol gibt es hier draussen nicht mehr
30 und wir arbeiten daran, es Euch überall wegzunehmen.
29 Wie das gehen soll, wissen wir nicht,
28 denn wir sind ja keine Alleswisser,
27 aber Ihr seid so fertig, dass wir das sicher schaffen werden.
26 Wir machen uns genau dort breit,
25 wohin Ihr es in Eurer Begrenztheit nie schaffen werdet.
24 Wir reden über den Alltag, das pralle Leben,
23 unser Leben, also das einzige, das wichtig ist,
22 und nicht das Siechtum Eurer relevanten Lieblinge.
21 Wir reden über Sex, unseren Sex, den Sex mit uns
20 alles was ihr nicht habt, und hey,
19 wir würden Euch in Arsch ficken,
18 wenn Euer Arsch nicht so verdammt scheusslich wäre.
17 Jeder Click bei uns ist einer weniger bei Euch.
16 Jeder Click bei uns ist ein Tritt in Eure Fresse
15 Jeder Click bei uns ist ein Problem für den ökonomischen Prozess
14 Jeder Click bei uns ist ein Beweis für Eure Unglaubwürdigkeit
13 Jeder Click bei uns ist ein guter Grund für Euch,
12 Euch aus dem Netz zu verpissen und zu krepieren.
11 Ihr findet das menschenverachtend?
10 Gegen den Geist des Grundgesetzes, das Euch privilegiert?
9 Ach kommt, wer wird denn heulen,
8 zu den paar guten Journalisten sind wir doch nett.
7 Aber Ihr Abschreiber und Incentive-Lutscher,
6 Ihr Hirnficker aus dem Föieton und social interest specialists,
5 Ihr Karrieristen bei den Meinungsbildern
4 und Politikerwurmanhänge der Öffentlich-Geschlossenen Anstalten,
3 Ihr seid genau auf 12 Uhr vor uns, und ihr ahnt nichts in Mahagonny.
2 Ihr habt noch immer nicht begriffen,
1 was da aus dem Nichts des Netzes kommt.
0 Ihr werdet es erst verstehen, wenn wir über Euch sind und die Bomben
-01 einschlagen.
donalphons, 05:03h
... link (4 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 16. Dezember 2003
4 Fenster
1999 spuckte der Münchner Business Plan Wettbewerb nur Sieger in die Lofts und Büros der Stadt. Manche hatten gleich den Weltmarkt im Visier, andere setzten auf langsames Wachstum. Will sagen: Marktfüherschaft in Deutschland in etwa 6 Monaten, oder wenn es schlecht läuft, in einem Jahr. Wer mit so reduzierten Ansprüchen begann, bekam nur Business Angels. Und musste sich für die ersten Wochen mit einem Gemeinschaftsbüro begnügen, zusammen mit anderen führenden Startups.

Dafür war es im Zentrum, nahe der Uni, gut erreichbar, und man konnte die Server teilen, die im Gang in einem Glaskasten vor sich hinsummten. Es gab eine Gemeinschaftsküche, und den Besprechungsraum konnte man sich auch teilen. Spart Kosten beim Weg in die Marktführerschaft. Und ist ja nur für die ersten Wochen, sagten sie sich.
Nach einem halben Jahr wurden an die Tür doch ordentliche, bunte Schilder geschraubt, mit witzigen Corporate ID´s, und dem alles verheissenden Kürzel AG. Es lief nicht ganz so gut, die Räume reichten gerade noch, und jetzt umziehen hätte nur gestört, beim Aufstieg zum Erfolg. War aber auch nicht schlimm, dass es noch etwas dauerte. Der IPO-Kanal war gerade zu, also konnte man in Ruhe erst mal das Geschäftsmodell modifizieren.
In Richtung B2B, zum Beispiel. Gut, dass man sich dabei mit den anderen bereden konnten, die auch über neuen Strategien nachdachten. Wie sie dem Typen helfen konnten, der sein Startup vor die Wand setzte, wussten sie aber auch nicht. Immerhin war dadurch mehr Platz, den sie laut aktualisiertem Businessplan gebraucht hätten.
Heute wären die Überlebenden froh, wenn sie einen Untermieter finden würden. Damit hinter diesen 4 Fenstern voller falscher Erwartungen wieder etwas Leben einkehrt. Gerne auch so was Solides wie ein Office Outsourcer.

Dafür war es im Zentrum, nahe der Uni, gut erreichbar, und man konnte die Server teilen, die im Gang in einem Glaskasten vor sich hinsummten. Es gab eine Gemeinschaftsküche, und den Besprechungsraum konnte man sich auch teilen. Spart Kosten beim Weg in die Marktführerschaft. Und ist ja nur für die ersten Wochen, sagten sie sich.
Nach einem halben Jahr wurden an die Tür doch ordentliche, bunte Schilder geschraubt, mit witzigen Corporate ID´s, und dem alles verheissenden Kürzel AG. Es lief nicht ganz so gut, die Räume reichten gerade noch, und jetzt umziehen hätte nur gestört, beim Aufstieg zum Erfolg. War aber auch nicht schlimm, dass es noch etwas dauerte. Der IPO-Kanal war gerade zu, also konnte man in Ruhe erst mal das Geschäftsmodell modifizieren.
In Richtung B2B, zum Beispiel. Gut, dass man sich dabei mit den anderen bereden konnten, die auch über neuen Strategien nachdachten. Wie sie dem Typen helfen konnten, der sein Startup vor die Wand setzte, wussten sie aber auch nicht. Immerhin war dadurch mehr Platz, den sie laut aktualisiertem Businessplan gebraucht hätten.
Heute wären die Überlebenden froh, wenn sie einen Untermieter finden würden. Damit hinter diesen 4 Fenstern voller falscher Erwartungen wieder etwas Leben einkehrt. Gerne auch so was Solides wie ein Office Outsourcer.
donalphons, 17:18h
... link (0 Kommentare) ... comment
Kompressor.
Der letzte Check. Alles läuft rund. Wir sind im grünen Bereich. Eigentlich schon viel zu lang. Seit Monaten. Es wird Zeit, alles aus der Mühle rauszuholen, die Motor ans Limit zu peitschen. Der Druck muss steigen. Also schalten wir die Kompressoren zu.
Ein letzter Blick auf den Lufteinlass. Er ist frei, ausgeblasen vom Sturm der Bloggosphäre, der gegen uns anpeitscht. Er will Luft fressen, in die Rotationskammern pressen, wo die Walzen die Brühe für den Feuersturm in den Zylindern zusammenpressen. Er kriegt die Luft. Jetzt.

Für einen Moment sägt sich das Sirren des Kompressers durch den Lärm des Motors. Unvermittelt rattern die Ventile los. Die sechszehn Zylinder schreien unter dem Druck auf wie ein wütendes Höllentier, das seine Kette zerrissen hat. Die Gewalt könnte die Maschine zertrümmern, aber nach ein paar Sekunden setzt der Schub ein, und knallt uns in die ewige Nacht über dem Netz. Alle Insrumente springen auf Rot. Der Motor spuckt schwarzroten Qualm und Flammen aus.
Wir sind schnell. Wir sind ab jetzt verdammt laut. Sie werden uns bald hören. Falls nicht, werden wir bald die Sirenen einschalten.
Sie sollen wissen, was da kommt.
Ein letzter Blick auf den Lufteinlass. Er ist frei, ausgeblasen vom Sturm der Bloggosphäre, der gegen uns anpeitscht. Er will Luft fressen, in die Rotationskammern pressen, wo die Walzen die Brühe für den Feuersturm in den Zylindern zusammenpressen. Er kriegt die Luft. Jetzt.

Für einen Moment sägt sich das Sirren des Kompressers durch den Lärm des Motors. Unvermittelt rattern die Ventile los. Die sechszehn Zylinder schreien unter dem Druck auf wie ein wütendes Höllentier, das seine Kette zerrissen hat. Die Gewalt könnte die Maschine zertrümmern, aber nach ein paar Sekunden setzt der Schub ein, und knallt uns in die ewige Nacht über dem Netz. Alle Insrumente springen auf Rot. Der Motor spuckt schwarzroten Qualm und Flammen aus.
Wir sind schnell. Wir sind ab jetzt verdammt laut. Sie werden uns bald hören. Falls nicht, werden wir bald die Sirenen einschalten.
Sie sollen wissen, was da kommt.
donalphons, 16:50h
... link (0 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Montag, 15. Dezember 2003
Real Life - 15. Dezember 2003: Bestellt
Rassistisch? Deutschtümelnd? Auf billige Poser hereinfallend? So what! Ich schenke nur, was Originalsprache, jung und unverschämt ist. Am besten Debutanten, die nicht so viel Glück hatten. Die freuen sich wirklich, wenn jemand ihre Bücher will, noch dazu hier in der Pampa, wo sie es noch schwerer haben als in Berlin Mitte oder FFM City. Ausserdem eines weniger, das nächstes Jahr eingestampft wird.
Obwohl mein Lieblingsbuchhändler auch ein Herz für alles Neue hat, ist nur ein Buch vorrätig. Die anderen muss er bestellen. Er hat noch nie was von denen gehört. Echt nicht. Wie hiess die nochmal? Boehning? Moment...
Ich schaue mich bei den Neuerscheinungen um. Was Popliteratur angeht, ist fast nichts da. Kaminer ist weder Pop noch Literatur, Lebert und Illies gammeln hier schon seit Wochen auf Stapeln vor sich hin und werden noch vor Neujahr remittiert. Oswalds Im Himmel ist schon auf dem Weg zur Hölle. Hier gibt es nur noch einen missglückten Klagenfurth-Winsler und die Schirrmachers Nepoten mit "Hier spricht Berlin".
Verkaufen sich aber auch nicht. Komisch, die Bestellungen, meint der Buchhändler. Da hat ihm kein Vertreter was von erzählt. Von keinem dieser Bücher. Und die taugen was?
Ja. Schon, eigentlich. Kein Evelyn Waugh, kein Pitigrilli, aber auf jeden Fall lesenswert.
Das mit der jungen deutschen Literatur ist einfach nichts mehr, sagt er. Egal was kommt, es kommt nicht mehr bei den Leuten an. Dabei hatte man so viel Hoffnung wegen der DDR-Welle, das sollten die ganz grossen Bringer werden, goldener Bücherherbst, und so. Der Nachwuchs wird nicht verheizt, der wird einfach nicht mal mehr erwähnt. Statt dessen lauter Zeug, das in meiner Jugend schon uralt war.
Ja. Wie war´s denn mit der Lesung von Alexa?
Schlimm. Einfach nur schlimm. Kaum Leute. Du magst sie nicht, oder?
Ich mag niemanden, der in Büchern von Buschheuer über das Heiraten schreibt. Ich hasse diese marktfixierten Schreibsklaven. Ich kann es mir leisten, sie zu hassen.
Was machst Du eigentlich nächste Saison?
Wieder etwas, für das es keinen Markt gibt, sagen die Vertreter. Das heisst, sie sagen es nicht, aber sie denken es. Weil sie es nicht kennen, und keinen Glauben mehr haben. Wir müssen es eben knallig vermarkten, dann wird das schon. Popliteratenschicksal. Eigentlich sollte man den Begriff Popliterat jetzt wieder besetzen, nachdem alle anderen plötzlich züchtig und anständig geworden sind, oder?
Willst Du ein Popliterat sein?
Hey, es gibt echt Schlimmeres. Bachmannpreis-Teilnehmer zum Beispiel ist echt scheisse. Oder Goethe-Instituts-Lesungshalter. Oder Nachwichsförderausgepreister. Popliterat ist besser. Den Begriff wie ein Flugzeug kapern, die letzten Schluffis über Bord kippen, und die Mühle mit neuem Personal wieder in die Luft bringen. Bouncing Betty an das Cockpit malen, so ein Pinup-Girl. Das Föieton damit niederbomben. Es diesen Hirnfick-Strichbubis nochmal zeigen. Rawums reloaded.
Morgen früh ist es da, sagt der Buchhändler und schiebt mir ein Exemplar meines Machwerks zum Signieren hin.
Obwohl mein Lieblingsbuchhändler auch ein Herz für alles Neue hat, ist nur ein Buch vorrätig. Die anderen muss er bestellen. Er hat noch nie was von denen gehört. Echt nicht. Wie hiess die nochmal? Boehning? Moment...
Ich schaue mich bei den Neuerscheinungen um. Was Popliteratur angeht, ist fast nichts da. Kaminer ist weder Pop noch Literatur, Lebert und Illies gammeln hier schon seit Wochen auf Stapeln vor sich hin und werden noch vor Neujahr remittiert. Oswalds Im Himmel ist schon auf dem Weg zur Hölle. Hier gibt es nur noch einen missglückten Klagenfurth-Winsler und die Schirrmachers Nepoten mit "Hier spricht Berlin".
Verkaufen sich aber auch nicht. Komisch, die Bestellungen, meint der Buchhändler. Da hat ihm kein Vertreter was von erzählt. Von keinem dieser Bücher. Und die taugen was?
Ja. Schon, eigentlich. Kein Evelyn Waugh, kein Pitigrilli, aber auf jeden Fall lesenswert.
Das mit der jungen deutschen Literatur ist einfach nichts mehr, sagt er. Egal was kommt, es kommt nicht mehr bei den Leuten an. Dabei hatte man so viel Hoffnung wegen der DDR-Welle, das sollten die ganz grossen Bringer werden, goldener Bücherherbst, und so. Der Nachwuchs wird nicht verheizt, der wird einfach nicht mal mehr erwähnt. Statt dessen lauter Zeug, das in meiner Jugend schon uralt war.
Ja. Wie war´s denn mit der Lesung von Alexa?
Schlimm. Einfach nur schlimm. Kaum Leute. Du magst sie nicht, oder?
Ich mag niemanden, der in Büchern von Buschheuer über das Heiraten schreibt. Ich hasse diese marktfixierten Schreibsklaven. Ich kann es mir leisten, sie zu hassen.
Was machst Du eigentlich nächste Saison?
Wieder etwas, für das es keinen Markt gibt, sagen die Vertreter. Das heisst, sie sagen es nicht, aber sie denken es. Weil sie es nicht kennen, und keinen Glauben mehr haben. Wir müssen es eben knallig vermarkten, dann wird das schon. Popliteratenschicksal. Eigentlich sollte man den Begriff Popliterat jetzt wieder besetzen, nachdem alle anderen plötzlich züchtig und anständig geworden sind, oder?
Willst Du ein Popliterat sein?
Hey, es gibt echt Schlimmeres. Bachmannpreis-Teilnehmer zum Beispiel ist echt scheisse. Oder Goethe-Instituts-Lesungshalter. Oder Nachwichsförderausgepreister. Popliterat ist besser. Den Begriff wie ein Flugzeug kapern, die letzten Schluffis über Bord kippen, und die Mühle mit neuem Personal wieder in die Luft bringen. Bouncing Betty an das Cockpit malen, so ein Pinup-Girl. Das Föieton damit niederbomben. Es diesen Hirnfick-Strichbubis nochmal zeigen. Rawums reloaded.
Morgen früh ist es da, sagt der Buchhändler und schiebt mir ein Exemplar meines Machwerks zum Signieren hin.
donalphons, 21:59h
... link (0 Kommentare) ... comment
Fortschritt
Im gesellschaftlichen Kampf haben die Kräfte , die die fortschrittliche Klasse repräsentieren, manchmal Mißerfolg, und zwar nicht etwa, weil ihre Ideen unrichtig wären, sondern weil sie, wenn man die im Kampf stehenden Kräfte miteinander vergleicht, zeitweilig noch nicht so stark sind, wie die reaktionären Kräfte; daher erleiden die vorläufig Niederlagen, doch werden sie früher oder später siegen.
Mao tse Tung, Fünf philosophische Monographien, 1976
Bayern wird als Chancen- und Pionierland aus der gegenwärtigen bundesweiten wirtschaftlichen Schwächephase gestärkt hervorgehen.
Otto Wiesheu, Zukunft der New Economy hat erst begonnen, 2003
Mao tse Tung, Fünf philosophische Monographien, 1976
Bayern wird als Chancen- und Pionierland aus der gegenwärtigen bundesweiten wirtschaftlichen Schwächephase gestärkt hervorgehen.
Otto Wiesheu, Zukunft der New Economy hat erst begonnen, 2003
donalphons, 02:08h
... link (0 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 14. Dezember 2003
Makassar
Guten Tag, kann ich Ihnen helfen?
Guten Tag, Wahnsinn. Sie sind ja rappelvoll.
Ja, wir haben gerade eine neue Lieferung bekommen. Erstklassige Ware. Der Verkäufer ist offensichtlich stolz auf sein vollgestopftes 2nd-Hand-Möbel-Geschäft.
Das war mal ein Startup, oder?
Stimmt. Das hier ist die letzte Fuhre eines schicken Online-Marketeers, von dem er dreimal die gesamte Einrichtung bekam. Früher, Ende der 90er Jahre war einfach zu viel Geld im Markt. Wenn die Firmen expandierten und neue Räume bezogen, liessen sie ihn die alten Möbel abholen und richteten sich neu ein.
Dieses Interieur wurde angeschafft, bevor sie sich auf den Börsengang vorbereiteten. Und es sind wirklich schöne Möbel. Ein grosser Teil ist kaum benutzt worden, denn nach den ersten Verzögerungen verschlankten sie sich. Ein Berater-Team sagte damals zu ihnen, man könnte das sicher auch mit zwei Drittel der Leute machen. So seien es zu viele, keine Chance auf eine ordentliche Rendite. Sie sassen an einem mandelförmigen Konferenztisch aus Makassar, genau wie der, der vorne im Schaufenster kaum Platz hat.
Man entliess die Leute und behielt die Möbel. Es spielte keine Rolle, ob die Möbel rumstanden, denn die Räume waren auf drei Jahre gemietet, mitsamt einer nicht gerade billigen Option auf ein weiteres Stockwerk. Es war genügend Platz, um die Möbel in den leeren Zimmern stehen zu lassen. Die Zeit, sich mit der Untervermietung zu beschäftigen, hatten sie nicht. Denn von da an ging alles rasend schnell, und obwohl es über zwei Jahre dauerte, hatten sie nie Zeit zum Nachdenken.
Jetzt haben sie Zeit. Die Abwicklung machen andere. Die Möbel verstopfen das Geschäft, und das Lager ist brechend voll.
Wissen Sie, sagt der Verkäufer, früher mussten es jedes Jahr neue Möbel sein, allein schon wegen der Abschreibung. Heute gehen sie zum 3. Quartal pleite, und ich bekomme die Möbel immer noch pünktlich vom Insolvenzverwalter. Naja. Gefallen Sie Ihnen?
Nein, wehre ich mich gegen die sales attack, nein, sorry. Ich habe nur diesen Makassartisch da vorne gesehen, und dachte, ich kenn den irgendwoher.
Sie verstehen was davon. Eine exklusive Einzelanfertigung.
Makassar, Mies van der Rohes Lieblingsholz. Ein Stück Goldenes Zeitalter für Entrepreneure. Und Berater, die früher Kulturhistoriker waren. Auf Wiedersehen.
Guten Tag, Wahnsinn. Sie sind ja rappelvoll.
Ja, wir haben gerade eine neue Lieferung bekommen. Erstklassige Ware. Der Verkäufer ist offensichtlich stolz auf sein vollgestopftes 2nd-Hand-Möbel-Geschäft.
Das war mal ein Startup, oder?
Stimmt. Das hier ist die letzte Fuhre eines schicken Online-Marketeers, von dem er dreimal die gesamte Einrichtung bekam. Früher, Ende der 90er Jahre war einfach zu viel Geld im Markt. Wenn die Firmen expandierten und neue Räume bezogen, liessen sie ihn die alten Möbel abholen und richteten sich neu ein.
Dieses Interieur wurde angeschafft, bevor sie sich auf den Börsengang vorbereiteten. Und es sind wirklich schöne Möbel. Ein grosser Teil ist kaum benutzt worden, denn nach den ersten Verzögerungen verschlankten sie sich. Ein Berater-Team sagte damals zu ihnen, man könnte das sicher auch mit zwei Drittel der Leute machen. So seien es zu viele, keine Chance auf eine ordentliche Rendite. Sie sassen an einem mandelförmigen Konferenztisch aus Makassar, genau wie der, der vorne im Schaufenster kaum Platz hat.
Man entliess die Leute und behielt die Möbel. Es spielte keine Rolle, ob die Möbel rumstanden, denn die Räume waren auf drei Jahre gemietet, mitsamt einer nicht gerade billigen Option auf ein weiteres Stockwerk. Es war genügend Platz, um die Möbel in den leeren Zimmern stehen zu lassen. Die Zeit, sich mit der Untervermietung zu beschäftigen, hatten sie nicht. Denn von da an ging alles rasend schnell, und obwohl es über zwei Jahre dauerte, hatten sie nie Zeit zum Nachdenken.
Jetzt haben sie Zeit. Die Abwicklung machen andere. Die Möbel verstopfen das Geschäft, und das Lager ist brechend voll.
Wissen Sie, sagt der Verkäufer, früher mussten es jedes Jahr neue Möbel sein, allein schon wegen der Abschreibung. Heute gehen sie zum 3. Quartal pleite, und ich bekomme die Möbel immer noch pünktlich vom Insolvenzverwalter. Naja. Gefallen Sie Ihnen?
Nein, wehre ich mich gegen die sales attack, nein, sorry. Ich habe nur diesen Makassartisch da vorne gesehen, und dachte, ich kenn den irgendwoher.
Sie verstehen was davon. Eine exklusive Einzelanfertigung.
Makassar, Mies van der Rohes Lieblingsholz. Ein Stück Goldenes Zeitalter für Entrepreneure. Und Berater, die früher Kulturhistoriker waren. Auf Wiedersehen.
donalphons, 22:41h
... link (0 Kommentare) ... comment
Achtung!
Wegen heftiger Heiseverlinkung kann es heute beim Laden der Seite manchmal etwas dauern. Üben Sie sich in Geduld. Rebellieren bringt nichts. Dafür gibt es hier keinen Markt - und in der Bloggosphäre hört Sie niemand schreien. :-)
donalphons, 19:04h
... link (0 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Samstag, 13. Dezember 2003
Damals, in den besten Zeiten
Damals gab es einen Chipkonzern, der ein paar Probleme hatte. Damals, in den besten Zeiten, wollte man wissen, was in der Unternehmenskommunikation falsch läuft. Damals fragte man jemanden an, der sich das mal anschauen sollte. Der jemand war nicht billig, aber gut.
Der jemand begann mit seiner Recherche auf den Seiten diverser Jobbörsen. Der Chiphersteller hatte 3 HR-Abteilungen. Alle drei verwendeten ein unterschiedliches Layout mit entsprechend unterschiedlichen Logos. Ein ganz altes, ein weiteres aus Zeiten des Börsengangs, ein aktuelles.
Das war schon mal schlecht.
Der jemand suchte ein Stellenangebot heraus, der genau auf ihn zugeschnitten war, und bewarb sich online. Sein Auftraggeber sagte ihm, das sei die perfekte Bewerbung für den Posten. Der jemand hörte 6 Wochen nichts und bekam dann eine Absage. Er sei nicht geeignet. Das Schreiben kam von einer anderen HR-Abteilung als der, die die Stelle ausgeschrieben hatte. Noch ein paar Wochen später kam noch ein Brief, diesmal von der dritten HR. Man wolle seine Daten speichern und ihn zu einem exclusiven Recruiting Event einladen. Die Stelle, um die es ging, was damals noch immer nicht besetzt - angeblich gab es keine Bewerber.
Der jemand schrieb einen Bericht und machte Vorschläge. Der Chiphersteller fand das spannend und wollte die Vorschläge umsetzen. Man bedankte sich. Allerdings waren Monate später noch immer die falschen Layouts online. Bekannte des jemand, die als Highpotentials händeringend gesucht wurden, erhielten noch nicht mal Absagen auf ihre Bewerbungen. Und der Mann, der damals etwas verändern wollte, war abgeschoben worden.
Vielleicht sind die Deutschen wirklich faul und technologiefeindlich, wie der Chef des Münchner Chipherstellers Infineon heute im Münchner Merkur sagt. Er selbst ist ja sehr umtriebig; seine Rennergebnisse wurden sogar als Teil der Unternehmensphilosophie im Konzern bekannt gemacht. Da kann nicht jeder mithalten. Kein Wunder, wenn so jemand die Reaktion fordert, zurück zu den Entbehrungen der 50er Jahre. Auch damals gab es schon Leute, die Porsche hatten.
Ob das etwas an der Inkompetenz und Intriganz der leitenden Mitarbeiter von Chipherstellern ändern würde, die Millliarden Verluste verursachen, ist eine andere Frage.
Die Herrn Schuhmacher niemand stellt.
Der jemand begann mit seiner Recherche auf den Seiten diverser Jobbörsen. Der Chiphersteller hatte 3 HR-Abteilungen. Alle drei verwendeten ein unterschiedliches Layout mit entsprechend unterschiedlichen Logos. Ein ganz altes, ein weiteres aus Zeiten des Börsengangs, ein aktuelles.
Das war schon mal schlecht.
Der jemand suchte ein Stellenangebot heraus, der genau auf ihn zugeschnitten war, und bewarb sich online. Sein Auftraggeber sagte ihm, das sei die perfekte Bewerbung für den Posten. Der jemand hörte 6 Wochen nichts und bekam dann eine Absage. Er sei nicht geeignet. Das Schreiben kam von einer anderen HR-Abteilung als der, die die Stelle ausgeschrieben hatte. Noch ein paar Wochen später kam noch ein Brief, diesmal von der dritten HR. Man wolle seine Daten speichern und ihn zu einem exclusiven Recruiting Event einladen. Die Stelle, um die es ging, was damals noch immer nicht besetzt - angeblich gab es keine Bewerber.
Der jemand schrieb einen Bericht und machte Vorschläge. Der Chiphersteller fand das spannend und wollte die Vorschläge umsetzen. Man bedankte sich. Allerdings waren Monate später noch immer die falschen Layouts online. Bekannte des jemand, die als Highpotentials händeringend gesucht wurden, erhielten noch nicht mal Absagen auf ihre Bewerbungen. Und der Mann, der damals etwas verändern wollte, war abgeschoben worden.
Vielleicht sind die Deutschen wirklich faul und technologiefeindlich, wie der Chef des Münchner Chipherstellers Infineon heute im Münchner Merkur sagt. Er selbst ist ja sehr umtriebig; seine Rennergebnisse wurden sogar als Teil der Unternehmensphilosophie im Konzern bekannt gemacht. Da kann nicht jeder mithalten. Kein Wunder, wenn so jemand die Reaktion fordert, zurück zu den Entbehrungen der 50er Jahre. Auch damals gab es schon Leute, die Porsche hatten.
Ob das etwas an der Inkompetenz und Intriganz der leitenden Mitarbeiter von Chipherstellern ändern würde, die Millliarden Verluste verursachen, ist eine andere Frage.
Die Herrn Schuhmacher niemand stellt.
donalphons, 23:25h
... link (0 Kommentare) ... comment
Real Life - November 2003
Niemand ist besser geeignet als Sie, das Thema zu vertiefen, stand in der Mail der Fernsehstation. Liquide und Dotcomtod bei einer Sendung zum Tod im Internet. Das Format ist auf Internet spezialisiert. Warum nicht.
Alles soweit normal. Eine Praktikantin holt mich ab und kümmert sich um mich. Wir reden über die Krise am Medienstandort, ich erzähle, wer ich bin. Wie das damals war, 2000, als die Nacht über dem Netz voller brennender Maschinen war, und wie ich durchgekommen bin. Warum es die anderen erwischt hat und nicht mich. Sie ist zu jung, um den Irrsinn damals miterlebt zu haben. Sie sagt nicht, dass er ihr noch bevorsteht.
Danach Maske, bei der Produktion zuschauen. Dann der Auftritt. Es ist nichts vorher abgesprochen, aber es läuft gut. Der Moderator ist kein Quatschkopf, sondern setzt auch leicht kritische Fragen gegen mich. Es gibt fast so etwas wie eine Diskussion. Ich bin ziemlich zynisch, mache sarkastische Witze über die Leichen des Hypes, und bringe den schwarzen Humor rein. Gefeixe hinter den Kameras.
Nach einer halben Stunde ist alles im Kasten. Ich habe das letzte Wort, nochmal ein Lacher. Dann die Abmod des Moderators, vielen Dank fürs Zuschauen, wer will, im Internet bleibt das Archiv der Sendung, aber das Format wird im Fernsehen eingestellt. Tod nicht nur im Internet.
Sie müssen sparen. Das Format, vor ein paar Jahren mit grossem Bohei on Air gebracht, hat die Unterstützer verloren. Passt nicht mehr in die Zeit, lohnt sich nicht mehr, ist ja nur Internet, und von New Economy will man nichts mehr hören. Mitttelstandsförderung wäre dagegen ein klasse Thema, lassen die Gremien durchsickern, und der Sender vollstreckt. Erfahre ich danach. Es ist auch nicht lange her, als sie es selbst erfahren haben. Sowas geht schnell.
Es gibt nicht viel zu sagen. Es ist das übliche Spiel, es sind die immer gleichen persönlichen Folgen, eine weitere banale Geschichte vom Scheitern an den Gegebenheiten des Marktes und an den feigen Schweinen, die es entscheiden und deshalb nicht ausbaden müssen.
Die Praktikantin bringt mich zur Pforte. Ich schenke ihr zum Abschied mein Buch. Sie hat bald genug Zeit, es zu lesen. Draussen, in der Tiefebene, ist es neblig.
Alles soweit normal. Eine Praktikantin holt mich ab und kümmert sich um mich. Wir reden über die Krise am Medienstandort, ich erzähle, wer ich bin. Wie das damals war, 2000, als die Nacht über dem Netz voller brennender Maschinen war, und wie ich durchgekommen bin. Warum es die anderen erwischt hat und nicht mich. Sie ist zu jung, um den Irrsinn damals miterlebt zu haben. Sie sagt nicht, dass er ihr noch bevorsteht.
Danach Maske, bei der Produktion zuschauen. Dann der Auftritt. Es ist nichts vorher abgesprochen, aber es läuft gut. Der Moderator ist kein Quatschkopf, sondern setzt auch leicht kritische Fragen gegen mich. Es gibt fast so etwas wie eine Diskussion. Ich bin ziemlich zynisch, mache sarkastische Witze über die Leichen des Hypes, und bringe den schwarzen Humor rein. Gefeixe hinter den Kameras.
Nach einer halben Stunde ist alles im Kasten. Ich habe das letzte Wort, nochmal ein Lacher. Dann die Abmod des Moderators, vielen Dank fürs Zuschauen, wer will, im Internet bleibt das Archiv der Sendung, aber das Format wird im Fernsehen eingestellt. Tod nicht nur im Internet.
Sie müssen sparen. Das Format, vor ein paar Jahren mit grossem Bohei on Air gebracht, hat die Unterstützer verloren. Passt nicht mehr in die Zeit, lohnt sich nicht mehr, ist ja nur Internet, und von New Economy will man nichts mehr hören. Mitttelstandsförderung wäre dagegen ein klasse Thema, lassen die Gremien durchsickern, und der Sender vollstreckt. Erfahre ich danach. Es ist auch nicht lange her, als sie es selbst erfahren haben. Sowas geht schnell.
Es gibt nicht viel zu sagen. Es ist das übliche Spiel, es sind die immer gleichen persönlichen Folgen, eine weitere banale Geschichte vom Scheitern an den Gegebenheiten des Marktes und an den feigen Schweinen, die es entscheiden und deshalb nicht ausbaden müssen.
Die Praktikantin bringt mich zur Pforte. Ich schenke ihr zum Abschied mein Buch. Sie hat bald genug Zeit, es zu lesen. Draussen, in der Tiefebene, ist es neblig.
donalphons, 21:51h
... link (0 Kommentare) ... comment
Highspeed Vergänglichkeit
Die Hausverwaltungen sind zu langsam. Als in diesem Gebäude in der Theresienstrasse ein Incubator einzog, gab es keine Möglichkeit, ein Schild anzubringen. Die Leitung zögerte nicht lange und druckte einen Zettel mit einem orangen @ und dem Firmennamen aus. Der wurde in eine Klarsichthülle gesteckt an die Tür geklebt. Über die Glasfläche mit den Namen seltsamer Verbände; Relikte einer vergangenen Epoche. Es war das Jahr 2000.
In diesem Sommer knirschten die Märkte. VCs liefen aufgeregt glücklich durch die Büros und freuten sich, dass Startup-Beteiligungen jetzt wieder billig zu haben waren. Die beginnende Krise heizte den Gründerhype nochmal an. Jeder Exit in Richtung Insolvenz machte ein Stück Markt frei. Incubatoren, wie der in diesem Haus, jagten die Firmen in wenigen Monaten zur Marktreife. Für Schilder hatten sie einfach keine Zeit, zwischen Notartermin und Pizza spät Nachts.

Es war also nur ein einziger Handgriff nötig, um Anfang 2001 das Schild wieder abzunehmen. Die Fensterreinigung, die langsam, aber zuverlässlich ist, besorgte den Rest. Der Incubator war, wie fast alle anderen auch, vom nicht existierenden Markt gefegt worden. Die Verbände und die Hausverwaltung haben jetzt wieder Ruhe in ihrem Gebäude.
Und der Pizzaabend, der auf einem der anderen aufgeklebten Schilder angekündigt wird, hat nichts mit mehr New Economy zu tun.
In diesem Sommer knirschten die Märkte. VCs liefen aufgeregt glücklich durch die Büros und freuten sich, dass Startup-Beteiligungen jetzt wieder billig zu haben waren. Die beginnende Krise heizte den Gründerhype nochmal an. Jeder Exit in Richtung Insolvenz machte ein Stück Markt frei. Incubatoren, wie der in diesem Haus, jagten die Firmen in wenigen Monaten zur Marktreife. Für Schilder hatten sie einfach keine Zeit, zwischen Notartermin und Pizza spät Nachts.

Es war also nur ein einziger Handgriff nötig, um Anfang 2001 das Schild wieder abzunehmen. Die Fensterreinigung, die langsam, aber zuverlässlich ist, besorgte den Rest. Der Incubator war, wie fast alle anderen auch, vom nicht existierenden Markt gefegt worden. Die Verbände und die Hausverwaltung haben jetzt wieder Ruhe in ihrem Gebäude.
Und der Pizzaabend, der auf einem der anderen aufgeklebten Schilder angekündigt wird, hat nichts mit mehr New Economy zu tun.
donalphons, 03:37h
... link (0 Kommentare) ... comment
Roll out. So fühlt es sich an.
Niemand sieht uns kommen. Dabei sollten sie es ahnen. Der Typ am Steuer hat schon einmal so einen Angriff geflogen. Danach gab es für die anderen keinen Markt mehr, nur noch eine ausgeglühte Hölle, und niemand interessierte sich für die Nachfolger. Nicht der erste gewinnt, nicht der grösste, sondern der, der alle anderen aus der Atmosphäre putzt. Das ist die Regel des Spiels, das wir ab sofort wieder spielen. Denn seit 18.00 Uhr gibt es kein Zurück mehr.

Bald werden wir auf ihrem Radar sein. Wir sind etwas, das diese Welt noch nicht gesehen hat, und wir hatten Monate für die Planung dieses Einsatzes. Sie werden trotzdem ihre Jäger in einem ungleichen Kampf schicken. Sie werden uns den ganzen Weg verfolgen, aber wir sind schneller. Wir kennen ihre Taktik, ihre technischen Möglichkeiten, und wir wissen, wie unendlich langsam sie im Vergleich zu uns sind. Wir haben sie schon mal abgeschossen. Wir werden es wieder tun.
Aber noch durchschneiden wir ungehindert die Atmosphäre der ewigen Nacht des Netzes. An den Spitzen der Propeller glüht die Luft schon jetzt neongelb wie Phosphor. Wir sind noch nicht mal auf halber Angriffsgeschwindigkeit. Noch sind die gewaltigen Kompressoren abgeschaltet. Aber bald werden sich die Walzen drehen, und dann brüllen die Zylinder unter vollem Druck. Statt Kerosin haben wir Nitroglycerin im Tank.
Es ist wieder da, das Startup-Feeling, wenn sich das Leben zum schmalen Abgrund verengt, und die Zeit wird wie Papier verknittern, bis sie sich dann letztlich in flüssig wird. Die Luft wird brennen, wenn wir vorbeifliegen.

Bald werden wir auf ihrem Radar sein. Wir sind etwas, das diese Welt noch nicht gesehen hat, und wir hatten Monate für die Planung dieses Einsatzes. Sie werden trotzdem ihre Jäger in einem ungleichen Kampf schicken. Sie werden uns den ganzen Weg verfolgen, aber wir sind schneller. Wir kennen ihre Taktik, ihre technischen Möglichkeiten, und wir wissen, wie unendlich langsam sie im Vergleich zu uns sind. Wir haben sie schon mal abgeschossen. Wir werden es wieder tun.
Aber noch durchschneiden wir ungehindert die Atmosphäre der ewigen Nacht des Netzes. An den Spitzen der Propeller glüht die Luft schon jetzt neongelb wie Phosphor. Wir sind noch nicht mal auf halber Angriffsgeschwindigkeit. Noch sind die gewaltigen Kompressoren abgeschaltet. Aber bald werden sich die Walzen drehen, und dann brüllen die Zylinder unter vollem Druck. Statt Kerosin haben wir Nitroglycerin im Tank.
Es ist wieder da, das Startup-Feeling, wenn sich das Leben zum schmalen Abgrund verengt, und die Zeit wird wie Papier verknittern, bis sie sich dann letztlich in flüssig wird. Die Luft wird brennen, wenn wir vorbeifliegen.
donalphons, 02:54h
... link (0 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 12. Dezember 2003
Eybel
Irgendwann ist Schluss mit den Gebräuchen. Kein Kindergeburtstag mehr, keine Ostereier, kein Nikolaus. Zumindest war das noch vor ein paar Jahren so. Niemand hatte Zeit, den 6. Dezember mit den Eltern zu verbringen. Das hat sich geändert.
Eybel hat wieder Hochkonjunktur. Zumindest bei Julias Eltern. Sie kamen auf dem Rückweg vom Tegernsee vorbei und brachten ihr eine Tüte gemischtes Durcheinander mit. Von allem etwas, Nougat, Meeresfrüchte, Marzipan, weisse Schokolade, weil sie sich nicht sicher waren, was Julia nach all den Jahren mag.
Julia rührt nichts davon nicht an. Die Tüte mit der grünen Schleife stand eine Weile hinten auf dem Küchentisch und wartete darauf, dass sie wieder von ihrem Schlankheitswahn runterkommt. Sie wiegt 56 Kilo bei 1,75 Meter. Zu viel, als dass sie das Zeug von Eybel anfassen würde.
Am Montag kommen ihre Eltern wieder. Es geht um die Wohnung. Seitdem Julia keine Arbeit mehr hat, wird es mit der Miete eng. Ihr Vater hat inzwischen mit dem Vermieter über den Kauf der Wohnung gesprochen, und hat einen guten Preis erzielt. Er will, dass sie sicher leben kann. Am Montag ist der Notartermin, und dann ist sie eine Sorge los. Ihre Eltern würden auch für alles andere aufkommen, aber das ist keine Lösung. Die Arbeitslosenhilfe läuft aus, sie braucht dringend irgendeinen Job, und nächste Woche sind wieder zwei Vorstellungsgespräche. Sie darf nicht fett werden. Aber wenn die Eybel Pralinen immer noch da sind, werden ihre Eltern beleidigt sein.
Seit gestern verfüttert Julia die Pralinen deshalb an ihre Bekannten. Es tut ihrer Laune nicht gut. Der Sack hat 50 Euro oder mehr gekostet. Das Geld hätte sie dringend anderweitig bräuchte. Aber ihre Eltern, die gerne ins Oberland und an die Seen fahren, hätten nur wenig Verständnis für neue Straussenlederstiefel. In Cremebraun. Ihre Mutter hat einen Ökofimmel, der sich gegen Straussenleder sträubt und echte Schokolade befürwortet. Auch wenn letztlich damit Bekannte ihrer Tochter gestopft werden.
Die Schokolade auf den Mandelplätzchen ist nur ein dünner, fast geschmacksneutraler Film, mit zarten, rautenförmigen Linien auf der Rückseite. Nur sehr gute Schokolade kann so fein geformt werden.
Eybel hat wieder Hochkonjunktur. Zumindest bei Julias Eltern. Sie kamen auf dem Rückweg vom Tegernsee vorbei und brachten ihr eine Tüte gemischtes Durcheinander mit. Von allem etwas, Nougat, Meeresfrüchte, Marzipan, weisse Schokolade, weil sie sich nicht sicher waren, was Julia nach all den Jahren mag.
Julia rührt nichts davon nicht an. Die Tüte mit der grünen Schleife stand eine Weile hinten auf dem Küchentisch und wartete darauf, dass sie wieder von ihrem Schlankheitswahn runterkommt. Sie wiegt 56 Kilo bei 1,75 Meter. Zu viel, als dass sie das Zeug von Eybel anfassen würde.
Am Montag kommen ihre Eltern wieder. Es geht um die Wohnung. Seitdem Julia keine Arbeit mehr hat, wird es mit der Miete eng. Ihr Vater hat inzwischen mit dem Vermieter über den Kauf der Wohnung gesprochen, und hat einen guten Preis erzielt. Er will, dass sie sicher leben kann. Am Montag ist der Notartermin, und dann ist sie eine Sorge los. Ihre Eltern würden auch für alles andere aufkommen, aber das ist keine Lösung. Die Arbeitslosenhilfe läuft aus, sie braucht dringend irgendeinen Job, und nächste Woche sind wieder zwei Vorstellungsgespräche. Sie darf nicht fett werden. Aber wenn die Eybel Pralinen immer noch da sind, werden ihre Eltern beleidigt sein.
Seit gestern verfüttert Julia die Pralinen deshalb an ihre Bekannten. Es tut ihrer Laune nicht gut. Der Sack hat 50 Euro oder mehr gekostet. Das Geld hätte sie dringend anderweitig bräuchte. Aber ihre Eltern, die gerne ins Oberland und an die Seen fahren, hätten nur wenig Verständnis für neue Straussenlederstiefel. In Cremebraun. Ihre Mutter hat einen Ökofimmel, der sich gegen Straussenleder sträubt und echte Schokolade befürwortet. Auch wenn letztlich damit Bekannte ihrer Tochter gestopft werden.
Die Schokolade auf den Mandelplätzchen ist nur ein dünner, fast geschmacksneutraler Film, mit zarten, rautenförmigen Linien auf der Rückseite. Nur sehr gute Schokolade kann so fein geformt werden.
donalphons, 16:35h
... link (0 Kommentare) ... comment
Real Life - Oktober 2002
Wieviele Unternehmen haben Sie wirklich in den Abgrund geschrieben, fragte mich der ältere Herr.
Kann ich schlecht sagen. Eine Information führt nicht zur Insolvenz, das verfehlte Geschäftsmodell tut es. Manchmal streichen die Banken dann eher die Kreditlinien. Wenn es Konzerntöchter sind, wird schneller durchgegriffen. Wenn´s hochkommt: Als Don Alphonso von Dotcomtod vielleicht 5, 6 Firmen in der Munich Area.
Nicht mehr?
Nein. Jeder McK-Senior richtet mehr Schaden an als ich. Wenn man das als Schaden sehen will.
Wissen Sie, sagte der ältere Herr und winkte der Kellnerin, eigentlich haben Sie Recht mit dem, was Sie schreiben. Diese Welt, die wir beide erlebt haben, wird es in ein paar Monaten endgültig nicht mehr geben. Für Sie wirkt das wie das Ende einer Ära. Ich habe die Rezession Anfang der 80er miterlebt, den 87er Crash, und das waren echte Einschnitte. Dagegen ist das heutige Scheitern der New Economy eine Lappalie. Diese Generation nicht geht vor die Hunde, sie wird nur etwas zurückgestutzt. Sie dachten, sie müssten nicht mehr aufbauen, wie ich das in den 70ern noch machen musste. Sie wollten abräumen. Und das ist es, was der Markt letztlich nicht mitgemacht hat.
Ihr Businessplan legte das Abräumen zugrunde. Irgendwann standen sie dann vor mir als grossem Konzern und haben es versucht. Sie wollten gleich, sofort nach oben. Aber seit ein paar Monaten sind die Märkte wieder sauber. Man macht wieder reale Geschäfte. Niemand versucht, mich heute noch über den Tisch zu ziehen. Diese jungen Leute haben vielleicht etwas über den Markt gelernt, bei Ihnen und bei mir. Vielleicht merken sie es sich.
Ich grinste. Er grinste zurück. Dann kam die Studentin, die in diesem restlos überteuerten Cafe kellnerte. Er gab ihr ein sehr galantes Trinkgeld.
Kann ich schlecht sagen. Eine Information führt nicht zur Insolvenz, das verfehlte Geschäftsmodell tut es. Manchmal streichen die Banken dann eher die Kreditlinien. Wenn es Konzerntöchter sind, wird schneller durchgegriffen. Wenn´s hochkommt: Als Don Alphonso von Dotcomtod vielleicht 5, 6 Firmen in der Munich Area.
Nicht mehr?
Nein. Jeder McK-Senior richtet mehr Schaden an als ich. Wenn man das als Schaden sehen will.
Wissen Sie, sagte der ältere Herr und winkte der Kellnerin, eigentlich haben Sie Recht mit dem, was Sie schreiben. Diese Welt, die wir beide erlebt haben, wird es in ein paar Monaten endgültig nicht mehr geben. Für Sie wirkt das wie das Ende einer Ära. Ich habe die Rezession Anfang der 80er miterlebt, den 87er Crash, und das waren echte Einschnitte. Dagegen ist das heutige Scheitern der New Economy eine Lappalie. Diese Generation nicht geht vor die Hunde, sie wird nur etwas zurückgestutzt. Sie dachten, sie müssten nicht mehr aufbauen, wie ich das in den 70ern noch machen musste. Sie wollten abräumen. Und das ist es, was der Markt letztlich nicht mitgemacht hat.
Ihr Businessplan legte das Abräumen zugrunde. Irgendwann standen sie dann vor mir als grossem Konzern und haben es versucht. Sie wollten gleich, sofort nach oben. Aber seit ein paar Monaten sind die Märkte wieder sauber. Man macht wieder reale Geschäfte. Niemand versucht, mich heute noch über den Tisch zu ziehen. Diese jungen Leute haben vielleicht etwas über den Markt gelernt, bei Ihnen und bei mir. Vielleicht merken sie es sich.
Ich grinste. Er grinste zurück. Dann kam die Studentin, die in diesem restlos überteuerten Cafe kellnerte. Er gab ihr ein sehr galantes Trinkgeld.
donalphons, 01:53h
... link (0 Kommentare) ... comment
... older stories



