Samstag, 18. September 2004
Porta Triumphalis

Im Hype war es angenehm, dass es sie gab, weil man das ja auch in die jungen Büros anziehen konnte und musste. Zumal es ja auch Stilmix gab, Fendi und H und M, anything goes eben.
Inzwischen ist es unverzichtbar, weil bezahlbar. Mit etwas Glück geht es sogar noch nächsten Sommer, das Kleid, das T-Shirt, die Hose. Erst die Krise bringt den Sieg. Der wird dann auch gefeiert, mit Blick auf den Potsdamer Platz. Und trotzdem kann man bildlich noch vom süssen Leben von dem Sex und der City erzählen. Was ich so höre, liegt der Tarif für Studentinnen im P-berg auf etwa 2-3 Cocktails.
... link (4 Kommentare) ... comment
Alte Säcke
Diese Typen standen dann meist ziemlich einsam auf den Parties rum, hielten sich an ihrem Weinglas fest und wussten nicht, wie man jetzt mit diesen jungen Leuten da kommunizieren sollte, weil etwas professoraler Würde sollte man sich ja behalten. Nach den Ansprachen waren sie dann auch diejenigen, die schnell verschwanden, oder, angesichts des Berufes nicht unüblich, jämmerlich betranken. In diesem Zustand konnte man wahrscheinlich ziemlich viel mit ihnen anfangen; jedenfalls ist einer dieser New-Eco-Old-Sacks vor ein paar Wochen wohl praktisch pleite gegangen, weil er nicht wollte, dass sein Laden, sein Statussymbol abraucht. Statt dessen hat er in die Firma reingebuttert, was ging, bis sie am Ende dann doch zerschlagen und verkauft wurde, für einen symbolischen Preis.
Man könnte das Ganze vielleicht mit König Lear vergleichen; nicht in der Sprache, aber doch in der Erbärmlichkeit mancher Charaktere. Andererseits, wenn man es genau nimmt, war Lear auch nur ein dummer, alter Sack. Einziger Unterschied: Er brauchte nicht von Reichtümern durch Knowledge Transfer träumen.
... link (3 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 17. September 2004
Real Life 17.09.04 - Fahlgelb

Eigentlich nur zur Abrundung der Berlin-Impressionen gepostet.
Update: anderer Blickwinkel, gleiche Ecke
... link (0 Kommentare) ... comment
Quote of the Day
Groucho Marx
... link (0 Kommentare) ... comment
Manchmal frage ich mich
Für die erste Rolle fallen mir ein paar Kandidaten ein. Peter Turi, zum Beispiel. Oder Peter Kabel. Um nur mal die Prominenteren zu nennen.
Immerhin, 3 Jahre sind seitdem vergangen. Vieles wurde aus dem Netz gelöscht, ist vergessen, vorbei, lässt sich weglügen. Und die Heerscharen, die damals in die Kreativberufe gingen, sind auch noch irgendwo und lauern auf die nächste Chance. Es sind mehr geworden. Die Unis spucken neue Generationen von Wettbewerbsverlierern aus, die 1999 die falschen Fächer gewählt haben, die mit bombensicherer Zukunft. Und dann sich dann noch die Pseudos, die sich trotzdem an diese Welt mit dem schnellen Geldverbrennen ranwanzen. Und den Älteren Konkurrenz machen, die ich noch von früher kenne. Irgendwo da draussen; Google spuckt zu meinen alten Visitenkarten nichts mehr aus, die Namen sind erloschen, aber sie sind als Personen noch da. Vielleicht nennen sie es dann soger die Post-New-Economy.
Und das alles hätte wenig Chancen, ohne diese seltsamen Erlebnisse: Letzte Woche hatte ich ein längeres Treffen mit einem Mann, der noch ein paar Millionen zum Investieren übrig hat. Der sucht wieder.
... link (15 Kommentare) ... comment
Tri Tra Trullalala
Die FR bringt frische Kunde.
Rechtlich Nix Neues. Im Grunde.
Sorry could not resist.
... link (2 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 17. September 2004
Strandplazebo

Ich war hier mal nach einem dieser unsäglichen, angeblich besseren Presse-Events in Berlin Mitte. Ein typischer Adabei-Termin ohne Inhalt, aber mit free Suff und dazu wenig Essen, weil es wohl zu teuer gewesen wäre. Leerer Bauch verträgt weniger, lautet die Rechnung.
Wenn man selbst keinen Alkohol trinkt, wird es schnell unerträglich; viele Medienleute, gerade die alkoholabhängigen, sind im Suff noch unangenehmer als im trockenen Alltag. Da ist nichts Nettes oder Kindisches, sie werden einfach nur dummer, überheblicher Pöbel voller Grössenwahn, auch wenn sie nur noch fertige, ausgebrannte, unkündbare Psychosozialfälle sind.
Nach einer halben Stunde begann es damals zu regnen, wie in einem tropischen Sturm, und das Wasser trieb die torkelnde Bande in die U-Bahn-Schächte. Manchmal hat das Klima in Berlin auch seine Vorteile.
... link (2 Kommentare) ... comment
Revolutionskinder
Man hätte es übrigens ahnen können: So wie Sophie Dannenberg wurde sonst nur Joachim Bessing verrissen.
... link (0 Kommentare) ... comment
Auch nett
... link (0 Kommentare) ... comment
Rückzugsgefechte
... link (4 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Mittwoch, 15. September 2004
5765
... link (7 Kommentare) ... comment
Back 2 daily DissBusiness
Die Gelegenheit war günstig. Das Sofa war schon so alt, aus den 80ern, es war durchgesessen, und überhaupt, jetzt, wo der neue Ikea-Katalog da ist, da muss man es einfach aussetzen. Das Türkis erträgt keiner mehr, das heisst, fast keiner, weil gegenüber ist der Sexshop ausgebrannt, die armen Zuhälter, die können das sicher nochmal brauchen, weil auch Prostitution in Berlin nicht mehr so gut läuft, also rein damit in den Eingang.

Dann kann auch keiner sagen, die Berliner würden ihre Möbel auf der Strasse entsorgen. Ein Eingang ist nicht Strasse, und hochkant passt es wirklich gut.
... link (4 Kommentare) ... comment
So weit ist es also schon gekommen
... link (7 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 14. September 2004
Klauen und verdrücken
... link (1 Kommentar) ... comment
Wollt Ihr die totale Contntverwurstung?
Erfahrene Blogger stellen mit 20six und myblog.de für NEWS täglich interessante Diskussionsbeiträge in deutschsprachigen Weblogs zusammen, heisst es da. Profiteur des möglicherweise kostenlosen "Content" ist die Zeitung "News" in Frankfurt, die ihre Seite 13 mit Texten aus Blogs zupflastert. Das heisst, kostenlos nur dann, wenn niemand auf die Idee kommt, dem Chef Madzia den Allerwertesten wegzuklagen: Mit dem Zitatrecht für Mediensind diese Übernahmen m.E. nicht in Einklang zu bringen.
20six.de/plasticthinking ist noch frei, glaub ich.
Siehe auch hier und hier
... link (23 Kommentare) ... comment
Wollt ihr das totale Praktikum?
Das ist dann wohl die Steigerung der bisher bekannten Ausbeutung: Nicht mehr ein Jahr lang unbezahltes Praktikum machen, um ein Volontariat zu bekommen. Sondern erst mal das Produkt mitsamt Tichy- und Friedman-Kolumnen am Frankfurter Bahnhofsviertel an die Zuhälter und Dealer verkaufen, bevor man ein Praktikum machen darf.
Ein Service, perfekt zugeschnitten auf die berufliche Situation des journalistischen Nachwuchses, präsentiert von der Verlagsgruppe Handelsblatt. Die kann dann auch erklären, was ein Praktikum mit einer Redakteursstelle zu tun hat; vielleicht soll die Arbeit der aktuellen Redakteure bald von den Praktikanten übernommen werden.
... link (3 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 14. September 2004
Niemand muss von der Brücke springen,
... link (5 Kommentare) ... comment
Soziale Unterschiede zwischen Ost und West?

So sehen etwa Sozialwohnungen in Ingolstadt an der Donau aus - in einem der schlechtesten Viertel der Stadt. Quasi das Marzahn dieser Stadt. Und tatsächlich wäre es für Mitglieder meiner Familie unvorstellbar, in so etwas zu leben. Entwürdigend, würden sie sagen.
Nun gut, sie waren natürlich noch nie im echten Marzahn. Aber der Bundespräsident auch nicht. Überhaupt, die Marzahns dieser Republik sind nicht nur ein Problem der kleinen Gruppe, die dort wohnen muss - es ist auch ein Problem derer, die das mit ihren Steuern finanzieren. Das sollte Herr Köhler mal eindeutig sagen.
... link (4 Kommentare) ... comment
Off Topic:
... link (8 Kommentare) ... comment
Liebe Besucher von Anke Gröner!
... link (9 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Montag, 13. September 2004
FAZankleber
Das heisst, immer zu Semesterbeginn wurde er unsicher. Da waren noch so viel andere BWLler. Zum Glück verteilten hübsche Hostessen an der Mensa den Frankfurter Allgemeinen Hochschulanzeiger. Der sagte ihm, wo es lang ging. Dass er doch die richtige Entscheidung getroffen hatte. Dahinter steckt immer ein smarter Kopf.
Klar, dass er die FAZ dann auch bestellte, neben der FTD, weil Handelsblatt ist was für Opas. Als er dann sein Startup gründete, lag auf dem Empfangstisch auch noch die Brand1. Die Mädels hinter dem Schalter sahen so aus wie die FAZ-Hostessen, auch so schniecke angezogen, blond, clean und tough. Als die ersten Probleme auftauchten, orderte er das Managermagazin und kassierte immerhin noch die Uhr als Prämie, die er heute trägt. Als es scheiterte, bestellte er doch noch das Handelsblatt, weil es doch irgendwie seriös ist.
Heute liest er gar nichts mehr. Er liest schon beim Plakatieren genug. Und dann zu Hause, natürlich die Stellenanzeigen für Sachbearbeiter.

Aber mit dem abgebrochenen Studium und dem privaten Offenbarungseid wird das nicht so einfach. Sachbearbeiterposten sind heute heiss begehrt, bei BWL-Absolventen. Besser als arbeitslos sein. Was auch schlimmer ist als Plakatieren.
Plakatieren ist halbwegs sicher, zumal, wenn es für eine Zeitung ist, hinter der ein smarter Kopf steckt, und es an Orten geschieht, wo sehr viele noch nicht mal so einen Job haben. Das Leben ist eine Baustelle, wo viele platte Parolen verbreitet werden. Und die Karriere ist die angesägte Gasleitung, die bald hochgeht.
... link (10 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Samstag, 11. September 2004
Buchtipp
... link (2 Kommentare) ... comment
Silberallee, Schöneberger Flohmarkt, Berlin
Sie hat angefangen. Schon immer. Und du warst immer der Dumme. Zum Beispiel vor drei Jahren, als sie angefangen hat, deinen Eltern zu jedem grösseren Anlass Silber zu schenken. Nicht das es unbedingt nötig wäre, es gibt im Wortsinn Familiensilber, aber sie fügte laufend Objekte hinzu. Und jedesmal hast du dich geärgert, über die dummen Sprüche deiner kleinen Schwester, bei welchem wuchernden Trödler am Münchner Viktualienmarkt sie das aufgegabelt hat und wie teuer das war. Und du hattest nie sowas gekauft.
Du hast dir geschworen, es ihr irgendwann heimzuzahlen. Als sie das letzt Mal wieder mit einer kitschig verpackten Kleinigkeit aus ihrem Roadster stieg, bist du auch gerade aus Berlin angekommen, mit einer orangen Plastiktüte und Zeitungspapier in der Hand. Sie ging vorran, überreichte Deinen Eltern das Dingens und beglückwünschte sie. Dann warst du dran. Du hast was von wegen "keine Zeit mehr es zu verpacken" gemurmelt, umstandlich ein anderthalb Kilo schweres Biedermeiertablett aus 13löthigem Silber aus der Tüte gezogen und es ihnen hingehalten. Es ist in etwa so gross, dass deine Schwester noch 5 Jahre Zeug von ihren grattligen Wucherern anschleppen muss, um es zu füllen. Ihr Blick in diesem Moment - unbezahlbar.

Das alles verdankst du der Silberallee, einem Budenweg am südlichen Rand des Flohmarktes am Schöneberger Rathaus in Berlin.
Mehr bei restaur.antville.org
... link (3 Kommentare) ... comment



