: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Donnerstag, 23. September 2004

Real Life 22.0904 - Ich bin pünktlich.

Pünktlichkeit ist die elementare Höflichkeit des Gastes. Ohne Höflichkeit keine Freundschaft, sagt Castiglione, aber den hat hier wohl kaum einer gelesen. In den 19. Stock geht es mit einer sehr schönen Frau, nach Massstäben eines BWL-Studenten. Sie trägt ein dunkles Kostüm, hat eine Perlenkette um das Handgelenk geschlungen und eine unpassende Digitaluhr darunter. Ich hätte es eigentlich wissen müssen wegen der Uhr, aber die paar Sekunden hatte ich irgendwie so eine Hoffnung. Sie klingt sehr nett, wie jemand, die man küssen kann, im Aufzug nachher auf dem Weg nach unten. Jedenfalls merke ich oben, als ich ihr den Vortritt lassen will, dass man sie als Liftgirl missbraucht, für das Management-Volk des Lügenhauses, in dem ich bin.

Ich trete nach draussen, gehe zur Garderobe und lege ab. Ich trage einen schmalen, schwarzschlammgrünen Anzug und Krawatte von Armani. Es ist 19.29 Uhr, und die Räume sind fast leer. Ich finde das sehr unangenehm, denn es zeigt, dass die Gäste wenig mit den Idealen anfangen können, um die es hier heute Abend geht. Ideale deshalb, weil das Produkt garantiert nicht die Kosten dieses Abends einspielen wird, was ihm etwas wunderbar Antiquiertes verleiht. Es ist fast wie eine Erinnerung an die Ära der Dotcoms.

Ich treffe Frau S. aus meiner Heimat. Ich sage ihr, dass ich von diesem Haus wenig bis gar nichts halte. Sie stellt mich trotzdem K. vor, der hier das aktzeptablere Produkt leitet. Der von der Gossenabteilung ist auch da, wie befürchtet. Wir reden über Blogs und Transatlantisches und über Zürich, wo angeblich inzwischen fast jeder Deutsche ist, wie auch in Berlin, nur ich nicht, denn ich bin in beiden Orten. Dann hält er eine Ansprache, in der es vor allem um die Probleme des Verlagshauses mit seinem Produkt geht.

Ich meine, das ist wirklich nicht wichtig. Es ist Abend, und ich habe genug von Wirtschaft und Geld gehört. Geld ist sowieso peinlich, weil im Moment kaum jemand was hat und man sich schon fast schämen muss, wenn man einer geregelten Arbeit nachgeht, die auch noch Spass macht, während die schönen Frauen hässliche mittelalte Managertypen im Lift kutschieren müssen, statt mit mir zu plaudern, und alles nur wegen Geld, ich kann es nicht mehr hören. Dann kommen der Chefredakteur und der Herausgeber und sagen wenig Zusammenhängendes, wie immer eigentlich. Beim Ernst-Jünger-Zitat grinsen die Manager des Hauses, ist ihre Magenlektüre jeden Morgen. Sie mögen Jünger. Ich kann ihn nicht leiden, ich denke, er muss gerochen haben wie eine Schützengrabenlatrine, und seine Texte sind eigentlich nur für den Wandkalender badischer Bauern gut. Über das Produkt selbst haben sie eigentlich nichts gesagt. Aber das wird gerade verteilt, in zu geringen Stückzahlen natürlich.

Dann wird das Buffet eröffnet. Ich gehe herum, und schaue mir die nachgemachten Antiquitäten an. Die Teppiche sind, wenn man genau hinschaut, verschlissen und abgetreten, die Club Chairs sehen aus, als hätte man sie in der britischen Botschaft in Nairobi Anfang der 60er jahre ausgemustert. Metallvasen sind nur vesilbert und verbeult. Das Holz ist entweder Zirbelstübchen oder reichskanzleibraun. Ich setze mich auf einen Chair, bei dem ich einen guten Blick auf den Rücken von E. habe.

Im Produkt ist auch eine Geschichte von E.. Ich finde, E. sollte mehr Geschichten schreiben, und zwar in dem schwarzen Top, in dem ihr Rücken mit den beiden Leberflecken so gut zur Geltung kommt. Wenn E. nicht die ganze Zeit in Bangkok wäre, sondern hier mehr schreiben würde, hätten wir uns die ganzen schlechten Popliteraten sparen können. E. ist eine Frau, die alle lieben würden, glaube ich. Doch, ja. E. raucht, wie C., Salem-Zigaretten, und ich könnte sie mir gut in der Halle unseres Hauses in Bayern vorstellen, unter den Kronleuchtern, die nicht so billiges neues Zeug sind wie die Pressglasdinger hier oben. Ich mein, wenn es schon billig sein soll, aber egal, da sag ich woanders was dazu.

Ungefragt setzt sich mittleres Management zu mir. Die Teller sind mit Fleisch überfüllt, vor allem mit Riesengarnelen, die sie zu Hause nie bekommen, nur wenn sie schnell eine Garnelen-TK-Pizza schaufeln, und dazu Boeuf, und die Sauce schwappt in die Garnelen. Einer stellt seinen Teller auf das Produkt. Ich bin der höflichste Mensch von der Welt, aber hier geht es nicht anders. Ich sage Pardon und ziehe das Produkt unter seinem Teller weg. Er sagt Äh, und beginnt, die Garnelen zwei Handbreit über dem Teller in seinen Mund zu stopfen. Dabei redet er mit den anderen über Marktentwicklung für das Gossenpapier des Hauses. Ich blicke demonstrativ zum Fenster hinaus. Nach einer Weile wird es zu unangenehm. Als ich aufstehe, sehe ich, dass mindestens drei von ihnen Rolex-Uhren tragen.



In der Ecke sitzt der älteste Autor des Produkts und hat niemand zum reden. Ein Fossil, werden die Manager des Hauses denken, und würden lieber mit dem D. reden, der übrigens das Bildblog hasst. Ich hoffe, dass die ihm die Pomade vom Kopf pusten, und bringe später C. die Bücher, die die Post nicht zu ihm nach Nepal bringen wollte, und dann noch eines für I. I. ist sich sicher, dass SD in Wirklichkeit J. ist, oder J. zumindest ganz tief mit drin steckt. Ich habe beim Verlag von SD angerufen, und ein Interview wurde mir verwehrt. Wahrscheinlich haben sie Angst vor dem Skandal. J. ist nicht gekommen, sonst hätten wir ihn fragen können.

Langsam verschwinden die Manager des Lügenhauses, die müssen ja auch zu geregelten Zeiten arbeiten gehen. Die Räume werden leer. Es bleibt das Destilat der Freigeister, der Kreativen und Arbeitslosen. Es wird Zeit für die Afterpartyparty in einem Club, der woanders ist.

E. kommt und sagt, dass ich auch noch mitkomme. Aber als ich im Auto sitze, bin ich schon etwas müde, und an der Location laufe ich erst mal vorbei, weil sie gut versteckt ist. Angeblich nobel. Ich bin schon ziemlich weit weg, als zwei Paare rauskommen, das Produkt unter dem Arm, und sich laut anschreien. Ich denke, dass es dort unten nicht wirklich angenehm ist, dass ich eine Kanne Tee brauche, und so verpasse ich das, was man bei Jens Thiel lesen kann. Er hat leider nichts über den Rücken von E. zu berichten, aber ich finde, er sollte doch schreiben. Unbedingt. Und auf die Bedenken pfeifen.

Danach bin ich zu Hause und stelle nicht ohne Ironie fest, dass ich aus genau dem Silbergeschirr Tee trinke, dessen Benutzung K. in seiner Ansprache C. unterstellt hat. Tee und Silber sind exquisit, wie auch Produkt. Aber die Kritiker werden es hassen.

Edit: "Was das Heft geistig zusammenhält, ist allein die Eitelkeit, die wir alle besitzen, die hier aber dem Leser in ungewohnter Radikalität entgegentritt." resumiert der Tagesspiegel, dessen Autor allen Ernstes von einem "popliterarischen Quartett" in Bezug auf Tristesse Royal phantasiert. Damals sassen allerdings 5 Herren im Adlon, nicht 4.

Der Freund von Herrn Kracht, Dr. Nickel und Frau Obladen und leider auch Springer ist übrigens hier erhältlich.

... link (8 Kommentare)   ... comment


Jagdszenen aus dem Content-Zulieferer-Bizz

Früher, in der glückseeligen Zeit der New Economy, dachte man, Content Providing wäre das grosse Geschäftsmodell. Auf der eigenen Website die User was schreiben lassen, mit windigen AGBs den Usern das Geschriebene abnehmen, ohne einen Pfennig zu zahlen, und dann an en Gros an Content Syndicators weiter verkaufen. Der "User generated Content" sollte so eine Art Cash-perpetuum-mobile werden. Inzwischen hat sich gezeigt, dass der Content fast so wenig taugte wie die Geschäftsmodelle, weshalb die angeblich unersetzbaren Content Provider erst zu "Zulieferern" degradiert wurden, und dann pleite gingen. Edit: Bis auf ein paar letzte Hungerleider natürlich, die sich gegenseitig versichern, wie blendend es ihnen geht.

Aber jeder Historiker weiss, dass die Weisheit und Lernfähigkeit sehr begrenzte Rohstoffe auf diesem Planeten ist, und so lassen sich eben manche weiterhin auf dieses Spiel ein - nur diesmal ohne windige AGBs, und mit "Content" von anderen Websites. Juristen nennen das Verletzung des Urheberrechts, Madzia nennt es eine heisse Sache, und wenn der "Zulieferer", O-Ton Handelsblatt, gezwungen ist, solche Zitate zu liefern (hier im Kontext eines eigenen Werkes):

der text für gestern war vorproduziert und wir hatten nicht rechtzeitig eine rückmeldung, welcher text überhaupt genommen wird. moe kann dafür nichts, er wusste leider nicht einmal, dass dieser text genommen wird.

dann sollte der Zulieferer vielleicht mal drüber nachdenken, wie das Verhältnis zum Belieferten aussieht. Mir scheint, jemand wird hier als Fussabstreifer genutzt. Allein, ich kann mich natürlich auch täuschen, weil eigentlich hab ich ja gar keine Ahnung vom Netz. Oder so.

... link (4 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Mittwoch, 22. September 2004

Gentlemen are requested to wear neckties

beim Cocktail mit diesem Herrn, und etlichen anderen Herren. Und Damen natürlich auch, nachher. Zeit für ein ausgiebiges Bad und eine Rasur. Man muss mir den Revoluzzer nicht gleich ansehen.

Deshalb entfällt hier das Abendposting. Bericht über das Ereignis in der üblichen Art nicht ausgeschlossen.

Ich gehe. Er bleibt sitzen.

... link (6 Kommentare)   ... comment


back to the future

So knallt man sich schnell und billig weg von Hartz IV zurück zum IV. Parteitag der SED, das waren noch Zeiten...



Der Laden sieht innen drin in etwa so aus, wie ich mir die idealtypische 2. Heimat typischer PDS-Wähler im Osten vorstelle. Ausserdem kompatibel zu fauligen Weinfässern und solchen, die es werden wollen.

... link (6 Kommentare)   ... comment


Mit Gmail hotmail ficken

5 Invitations zu vergeben: Mail hier posten oder mich anmailen.

... link (13 Kommentare)   ... comment


Noch mehr nein danke

Ein altes arabisches Sprichwort besagt: Wer sich in die Schlangengrube legt, darf sich nicht wundern, wenn er gebissen wird. Ich sage: Wer sich in der Schlangengrube dann auch noch rumwälzt, darf sich nicht wundern, wenn man sich in ihn verbeisst. Klaus Madzia und sein "Zulieferer" wälzen sich gar trefflich, und das wird mit der TAZ-Druckwalze genüsslich breitgewalzt:

"ist gerade mal kein kostengünstig zweitverwertbarer Text aus dem Häusern Holtzbrinck respektive Milchstraße zur Hand, wird eben gleich aus dem Internet abgeschrieben, und zwar aus Online-Tagebüchern, so genannten Weblogs."

Wobei das noch harmlos ist, die Schlussfolgerung ist nun wirklich nicht nett.Aber wer will schon nett sein, zu Leuten mit so netten, korrupten Promo-Angeboten?

... link (3 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Dienstag, 21. September 2004

Mehr nein danke

von der professionellen Seite. Und epd hat die unangenehme Eigenschaft, oft von Medien übernommen und abgedruckt zu werden.

... link (6 Kommentare)   ... comment


Sie ist da.

Wir haben sie vermisst. Wir haben auf sie gewartet. Jetzt ist es so weit.



Die Göttin der ewigen Nacht über der New Economy ist zurückgekehrt

... link (4 Kommentare)   ... comment


Real Life 21.09.04 - Aus der Praktikantenhölle

Gerade zu lesen bekommen, die Stellenausschreibung auf ein Praktikum bei einem kleinen Münchner Medienunternehmen:

Aufgabenbereich: Wöchentliches Internet-Update (Umfragen, Meldungen, Programm), Pressefaxversand, Bildaufbereitung und Einstellung.
Verfassen von Pressemitteilungen und Vorschauen.
Entwicklung von Kundenaktionen (Gewinnspiele o. Ä.)
Kontaktpflege zu anderen Teilen des Unternehmens hinsichtlich auf Crossmarketing.
Image-CD-Roms erstellen, Messestände organisieren.
Flyer entwerfen und Druck organisieren.
Medien recherchieren, in denen Anzeigen kostenlos oder Artikel übe die Firma abgedruckt werden können.

Vorraussetzung: Journalistische Schreibe, Erfahrungen in einer Zeitungsredaktion.
Word, Office, Photoshop (!)

Wir bieten: Ein junges, engagiertes Team, Eigenverantwortung, leider keine Bezahlung

Auf Deutsch: Die brauchen eine Pressetante, einen Content Manager, einen Journalisten und einen Event-Managerin für lau und in einer Person.

... link (9 Kommentare)   ... comment


Punk ist tot

Dieses Stadium des Verfalls hat Herr Praschl noch vergessen:

Gefördert von der Bundeskulturstiftung findet in Kassel vom 22. bis 26. September 2004 ein Punk-Kongress statt: ht tp:// www. punk2004.de/

... link (1 Kommentar)   ... comment


5 Gmail-Einladungen zum web.de ficken

zu vergeben. Übliches Spiel: Entweder hier die Email hinterlassen, oder Mail an donalphonso@gmail.com.

... link (5 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Montag, 20. September 2004

Nein danke

Lieber Don Alphonso,

wie Sie wissen, zitieren wir jeden Tag zu einem bestimmten Thema
verschiedene Weblogs. Wir machen das, um die Meinung von Usern im einzelnen
und Weblogs generell einer Nicht-Blog-Leserschaft vorzustellen. Klaus Madzia
sagte das ja bereits vor einigen Tagen in Ihrem Blog.

Darüber hinaus könnten wir uns aber vorstellen, sich dem Thema in einem
separaten Artikel zu nähern. Vielleicht in einem Interview mit Ihnen? Wären
Sie zu einem Gespräch über die Geschichte, Technik, Inhalte etc. von Weblogs
bereit? Wir könnten dabei Ihr Buch vorstellen und Sie würden den
Interview-Text autorisieren. Unsere einzige Bedingung: Sie treten in dem
Interview nicht mit ihren Pseudoym auf, sondern mit Ihrem richtigen Namen.

Mit besten Grüßen aus Frankfurt,
Xxxx Xxxxxxxx

---
News Verlagsgesellschaft mbH
Eschersheimer Landstraße 60-62
60322 Frankfurt

... link (18 Kommentare)   ... comment


Nicht schön

Es gibt Menschen, die Ruhe und Kontemplation hassen. Die Stillstand nicht ertragen können, Leere und Stille. Die Welt, aus der ich komme, war voll von diesen hyperaktiven Stillstandshassern, denn Stillstand bedeutete in ihren Augen Niedergang, Verlust, Faulheit und Versagen. Never stop, always go, move, starting, way to, speed, das waren die Bestandteile der Claims dieser Welt. Dynamik war per se gut.

Seit dem Ende der New Economy gibt es eine Gegenbewegung des Schlichten, Reduzierten, Leeren. Es ist wieder möglich, wenig in viel Raum zu präsentieren, denn die Räume stehen oft leer. Schlicht ist ein Qualitätsbegriff geworden. Es empfiehlt sich, mit dem Horror Vacui der eigenen Highspeed-Soul umzugehen zu lernen, wenn man Geschäfte wie das "schön" sieht, wo wenige Möbel mit viel Abwesenheit darum drapiert sind.



Nicht alle werden damit fertig, was sie wohl zwingt, einen der vielen losen Pflastersteine von Berlin Mitte zu nehmen und damit dynamisch die Fensterscheibe zu zertrümmern. Geschwindigkeit gegen das Nichts, als Manifestation der Existenz, die etwas braucht, Krach, Splitter, Risse.

Man könnte nun sagen, sie ertragen die Leere nicht, weil sie darin die Leere in ihren Seelen erkennen, aber ich wage das allein wegen der Wortwahl zu bezweifeln. Seele ist ein sehr leerer, blütenrosaner Begriff, und wurde so oft mit dummer, belangloser Bedeutung gefüllt, dass er ausgeleiert ist wie ein mehrfach benutztes Kondom.

Sie werfen nicht gegen die Stille, sie werfen für das Laut, das Schnell und das Klirren. Diese Steineschmeisser sind es dann auch, die, wenn die Geldnot sie gewandelt hat, sich meist als die willigsten Apologeten der herrschenden dynamischen Klasse erweisen. Aber ich schweife ab.

... link (1 Kommentar)   ... comment


Gathof Schuster, Greding

Als du um die Ecke kommst, siehst du schon den knackigen Hintern ihres Spiders. Deine kleine Schwester ist also auch bei deinen Eltern. Und sie hat ein Problem: Sie braucht Möbel für ihre neue Wohnung, hoch über der Isar. So hat sie begehrliche Blicke auf deine Empire-Nussbaumkommode geworfen, die seit 2 Jahren unrestauriert bei deinen Eltern auf eine neue Schellackpolitur wartet. Das gefällt dir nicht. Du sagst ihr, dass Nussbaum zu dunkel für ihre Wohnung ist, und denkst laut darüber nach, wieviele ihrer gierigen Grossbürgertochtergräten knickbar sind, sollte sie das Teil in einem unbemerkten Moment klauen.

Ausserdem erzählst du ihr, dass im Schloss Greding, einer der grössten Antiquitätenhandlungen Süddeutschlands, eine neue Lieferung angekommen ist, und sie sagt spontan, dass sie da hin will, jetzt und sofort und auf der Stelle. Du musst natürlich mit, weil der Orientierungssinn deiner kleinen Schwester ebenso lausig ist wie die Bedienbarkeit des Bordcomputers. Und so pilotiert sie dich über die Autobahn nach Greding, einem wunderschönen Ort im Altmühltal, den durchreisenden Ignoranten vor allem bekannt durch seinen Mc Donalds, der hier die Landschaft verschandelt.

Kaum seid ihr von der Autobahn runter, verändert sich das Bild: Durch ein gotisches Tor geht es hinein in diese grandiose Barockstadt. Greding ist im Altmühltal das, was Graz für Österreich ist: An einem warmen Südhang angelegt, fast keine Neubauten, und der Bürgerstolz hat dafür gesorgt, dass alles, vom kleinen Fachwerkhaus bis zum Stadtpalast, liebevoll gepflegt ist.



Es ist Mittag, und so beschliesst ihr, erst mal Essen zu gehen.

mehr bei Restaur.antville.org

... link (2 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Sonntag, 19. September 2004

Real Life 19.09.04 - Inhabergeführt

Eine "Inhaberin" hat die Agentur, deren Angebot mir gerade reingeflattert ist. Die Chefin persönlich meldet sich, ah ja. Sie hat sich nach unserem Treffen ausführlich über ein Thema, mit dem ich zu tun habe, informiert, und dabei natürlich auch unsere Website gefunden, und die findet sie inhaltlich wunderbar, nur das Design, also ne, da will sie mir ein paar Sachen dazu erzählen. Unverbindlich.

Unverbindlich? Und was für ein Treffen? Der Name sagt mir nichts. Die im Addy genannte Website verschafft Erklärung. Doch, kenne ich. Housecooling Party letzten Dezember in München. Ein Laden machte mehr oder weniger dicht, sprich, die drei Gesellschafter machten es vom Home Office aus, viel ist es sowieso nicht mehr. Die Party war eine Art Rettungsaktion für ein paar verblieben Kunden. Einige Mastdarmakrobaten, die noch auf weitere Abfallaufträge aus dem dadurch neugeschaffenen "Netzwerk kompetenter Partner für Marketing und E-Business" hofften, dachten nicht mehr an die 3 Monate Lohn, die nie gekommen waren, kreuzten auch auf der Party auf und texteten Zufallsgäste wie mich mit ihren grandiosen Erwartungen an so ein flexibles, leistungsstarkes Network zu. Ich war nur dort, um jemanden abzuhohlen, aber der redete noch, und so kam sie dann geradewegs auf mich zu, ganz auf Matchmaking eingestellt, und mit zu viel Escada-Parfumhautgut umweht, lächelte, bis die Krähenfüsse unter ihren Augen knackten, und bewunderte die erfolgreiche Tätigkeit meines Arbeitgebers, eine ihr völlig unbekannte Holding in der Schweiz. Sie konnte sie definitiv nicht kennen, denn ich hatte die Holding zu diesem Zweck erfunden.

Trotzdem bekam sie irgendwie Wind von einer meiner anderen Beschäftigungen, denn zu Beginn des neuen Jahres war ein Anruf von ihr auf meinem AB, wo sie fragte, ob wir uns vielleicht mal treffen können. Konnten wir nicht. Aber wenn manche Leute mal jemanden in ihrem Outlook haben, lassen sie einen nicht mehr los - schöne Grüsse an den Verteiler des FIWM in München, btw, sagt alles über die Internetkompetenz, wenn die nicht mal eine Kündigung vornehmen können. Jetzt also dieses Angebot von ihr.

Genauer, wie es in der Email heisst: Von einer inhabergeführten Agentur. In einem normalen Wohnhaus, ah ja. 7 Mailadressen, info, marketing, werbung, webdesign, und so weiter, bullshit everything, aber nur eine Telefonnummer. Und kein Office Management, und keine Abteilung mit freien Stellen. Trotzdem ist dauernd von "Wir" die Rede, wir helfen, wir können, wir haben, wir sind.

Kein Anzeichen davon, dass da noch jemand ist, ausser einem ominösen Netzwerk, das die Agentur ausmacht. Die dort aufgeführte Texterin, mir noch bekannt als dröge New-Eco-Hyperin eines windigen Lokalblatts, hat auch eine Website. Die ist übrigens im Portfolio der Agentur. Auch die Website der PR-Frau, die die Pressemitteilungen zu den gigantischen Erfolgen der Webagentur schreibt. Ganz ähnlich schaut es mit dem Sysadmin aus, der auch im Verbund und ähnlich attraktiv wie der 1&1-Powerseller Alex Müller aus Niederzissen aus der Werbung ist, nur ohne Geldscheine in der Hand.

Ein Rattenschwanz von Verbindlichkeiten, hinter diesem unverbindlichen Treffen. Einen Moment überlege ich mir, ob ich nicht das nächste Mal in München bei ihr plötzlich reinschneien soll, und mir in ihrer 27qm-Bruchbude im hintersten Sendling am Küchentisch erklären lasse, was sie glaubt, für uns tun zu können. Was sie denkt, dass wir falsch machen. In ihrer inhabergeführten Agentur.

Update: Wegen der Backlinks einer gewissen Firma: Nein, Euch meine ich nicht. Wirklich nicht.

... link (2 Kommentare)   ... comment


5 mal GMX mit Gmail ficken

Gmail ist echt klasse, wenn man sich daran gewöhnt hat. Wer will, einfach die Email hier hinterlassen, oder eine Mail an donalphonso at gmail.com. Bearbeitung in Reihenfolge des Eintreffens. 5 Stück.

... link (16 Kommentare)   ... comment


Blogs sind nicht

Punk. Blogs sind E-Gitarre mit Verstärker. Man kann damit die Kastelruther Spatzen begleiten, oder die Queen ficken. Und ob Blogs in 50 Jahren noch Blogs heissen ist so entscheidend, wie Stratocaster oder Yamaha.

Will sagen, praktisch kostenloses CMS und Webspace wird immer gehen, wie die 3 Akkorde und laut. Standardspruch im Probenraum: Halt´s Maul und spiel!

... link (0 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Samstag, 18. September 2004

Porta Triumphalis

First we take Berlin.



Im Hype war es angenehm, dass es sie gab, weil man das ja auch in die jungen Büros anziehen konnte und musste. Zumal es ja auch Stilmix gab, Fendi und H und M, anything goes eben.

Inzwischen ist es unverzichtbar, weil bezahlbar. Mit etwas Glück geht es sogar noch nächsten Sommer, das Kleid, das T-Shirt, die Hose. Erst die Krise bringt den Sieg. Der wird dann auch gefeiert, mit Blick auf den Potsdamer Platz. Und trotzdem kann man bildlich noch vom süssen Leben von dem Sex und der City erzählen. Was ich so höre, liegt der Tarif für Studentinnen im P-berg auf etwa 2-3 Cocktails.

... link (4 Kommentare)   ... comment


Alte Säcke

Eine Weile war es Mode, dass neben jedem Startup-Team noch ein alter Alibi-Sack stehen musste. Der war meist Professor und hatte gerade seinen 2. Frühling. meinte, es nochmal allen zeigen zu müssen. Und für die Kämpfe in den Instituten machte es sich 2001 gut, wenn der Prof. nicht nur C4 war, sondern auch einen CEO unter seinen Studis hatte.

Diese Typen standen dann meist ziemlich einsam auf den Parties rum, hielten sich an ihrem Weinglas fest und wussten nicht, wie man jetzt mit diesen jungen Leuten da kommunizieren sollte, weil etwas professoraler Würde sollte man sich ja behalten. Nach den Ansprachen waren sie dann auch diejenigen, die schnell verschwanden, oder, angesichts des Berufes nicht unüblich, jämmerlich betranken. In diesem Zustand konnte man wahrscheinlich ziemlich viel mit ihnen anfangen; jedenfalls ist einer dieser New-Eco-Old-Sacks vor ein paar Wochen wohl praktisch pleite gegangen, weil er nicht wollte, dass sein Laden, sein Statussymbol abraucht. Statt dessen hat er in die Firma reingebuttert, was ging, bis sie am Ende dann doch zerschlagen und verkauft wurde, für einen symbolischen Preis.

Man könnte das Ganze vielleicht mit König Lear vergleichen; nicht in der Sprache, aber doch in der Erbärmlichkeit mancher Charaktere. Andererseits, wenn man es genau nimmt, war Lear auch nur ein dummer, alter Sack. Einziger Unterschied: Er brauchte nicht von Reichtümern durch Knowledge Transfer träumen.

... link (3 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Freitag, 17. September 2004

Real Life 17.09.04 - Fahlgelb

Kleine Nachmittags-Apokalypse nahe dem Potsdamer Platz.



Eigentlich nur zur Abrundung der Berlin-Impressionen gepostet.

Update: anderer Blickwinkel, gleiche Ecke

... link (0 Kommentare)   ... comment


Quote of the Day

Those are my principles. If you don't like them I have others.

Groucho Marx

... link (0 Kommentare)   ... comment


Manchmal frage ich mich

wann die anderen Gespenster und Verlierer wieder auftauchen, mit diesem gezwungenen Dauergrinsen und den grosskotzigen Bemerkungen, nur nicht mehr von wegen Welt erobern mit ihren Workern, wenn sie bald alle reich sind, sondern mit harter Arbeit für die wenigen Privilegierten, die noch arbeiten dürfen, und vielleicht, später mal, doch sowas wie den Tariflohn bekommen. Wenn sie 14 Stunden 6 Tage die Woche runterreissen, natürlich. Und wieviele es geben wird, die sich darauf einlassen.

Für die erste Rolle fallen mir ein paar Kandidaten ein. Peter Turi, zum Beispiel. Oder Peter Kabel. Um nur mal die Prominenteren zu nennen.

Immerhin, 3 Jahre sind seitdem vergangen. Vieles wurde aus dem Netz gelöscht, ist vergessen, vorbei, lässt sich weglügen. Und die Heerscharen, die damals in die Kreativberufe gingen, sind auch noch irgendwo und lauern auf die nächste Chance. Es sind mehr geworden. Die Unis spucken neue Generationen von Wettbewerbsverlierern aus, die 1999 die falschen Fächer gewählt haben, die mit bombensicherer Zukunft. Und dann sich dann noch die Pseudos, die sich trotzdem an diese Welt mit dem schnellen Geldverbrennen ranwanzen. Und den Älteren Konkurrenz machen, die ich noch von früher kenne. Irgendwo da draussen; Google spuckt zu meinen alten Visitenkarten nichts mehr aus, die Namen sind erloschen, aber sie sind als Personen noch da. Vielleicht nennen sie es dann soger die Post-New-Economy.

Und das alles hätte wenig Chancen, ohne diese seltsamen Erlebnisse: Letzte Woche hatte ich ein längeres Treffen mit einem Mann, der noch ein paar Millionen zum Investieren übrig hat. Der sucht wieder.

... link (15 Kommentare)   ... comment


Tri Tra Trullalala

die News ist schlecht für Madzia.
Die FR bringt frische Kunde.
Rechtlich Nix Neues. Im Grunde.

Sorry could not resist.

... link (2 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Freitag, 17. September 2004

Strandplazebo

ab 2 Promille hört man wahrscheinlich noch das Meer rauschen. Und die Grafitti sind Wolken.



Ich war hier mal nach einem dieser unsäglichen, angeblich besseren Presse-Events in Berlin Mitte. Ein typischer Adabei-Termin ohne Inhalt, aber mit free Suff und dazu wenig Essen, weil es wohl zu teuer gewesen wäre. Leerer Bauch verträgt weniger, lautet die Rechnung.

Wenn man selbst keinen Alkohol trinkt, wird es schnell unerträglich; viele Medienleute, gerade die alkoholabhängigen, sind im Suff noch unangenehmer als im trockenen Alltag. Da ist nichts Nettes oder Kindisches, sie werden einfach nur dummer, überheblicher Pöbel voller Grössenwahn, auch wenn sie nur noch fertige, ausgebrannte, unkündbare Psychosozialfälle sind.

Nach einer halben Stunde begann es damals zu regnen, wie in einem tropischen Sturm, und das Wasser trieb die torkelnde Bande in die U-Bahn-Schächte. Manchmal hat das Klima in Berlin auch seine Vorteile.

... link (2 Kommentare)   ... comment


Revolutionskinder

die die 68er gefressen haben: Der verehrte Herr Niermann schreibt 5 Worte, die, sofern wahr, zum Literaturskandal geeignet sind.

Man hätte es übrigens ahnen können: So wie Sophie Dannenberg wurde sonst nur Joachim Bessing verrissen.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Auch nett

von Herrn SUB


... link (0 Kommentare)   ... comment


Rückzugsgefechte

gibt es hier zu bestaunen.

... link (4 Kommentare)   ... comment