Mittwoch, 15. September 2004
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Back 2 daily DissBusiness
Die Gelegenheit war günstig. Das Sofa war schon so alt, aus den 80ern, es war durchgesessen, und überhaupt, jetzt, wo der neue Ikea-Katalog da ist, da muss man es einfach aussetzen. Das Türkis erträgt keiner mehr, das heisst, fast keiner, weil gegenüber ist der Sexshop ausgebrannt, die armen Zuhälter, die können das sicher nochmal brauchen, weil auch Prostitution in Berlin nicht mehr so gut läuft, also rein damit in den Eingang.

Dann kann auch keiner sagen, die Berliner würden ihre Möbel auf der Strasse entsorgen. Ein Eingang ist nicht Strasse, und hochkant passt es wirklich gut.
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So weit ist es also schon gekommen
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 14. September 2004
Klauen und verdrücken
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Wollt Ihr die totale Contntverwurstung?
Erfahrene Blogger stellen mit 20six und myblog.de für NEWS täglich interessante Diskussionsbeiträge in deutschsprachigen Weblogs zusammen, heisst es da. Profiteur des möglicherweise kostenlosen "Content" ist die Zeitung "News" in Frankfurt, die ihre Seite 13 mit Texten aus Blogs zupflastert. Das heisst, kostenlos nur dann, wenn niemand auf die Idee kommt, dem Chef Madzia den Allerwertesten wegzuklagen: Mit dem Zitatrecht für Mediensind diese Übernahmen m.E. nicht in Einklang zu bringen.
20six.de/plasticthinking ist noch frei, glaub ich.
Siehe auch hier und hier
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Wollt ihr das totale Praktikum?
Das ist dann wohl die Steigerung der bisher bekannten Ausbeutung: Nicht mehr ein Jahr lang unbezahltes Praktikum machen, um ein Volontariat zu bekommen. Sondern erst mal das Produkt mitsamt Tichy- und Friedman-Kolumnen am Frankfurter Bahnhofsviertel an die Zuhälter und Dealer verkaufen, bevor man ein Praktikum machen darf.
Ein Service, perfekt zugeschnitten auf die berufliche Situation des journalistischen Nachwuchses, präsentiert von der Verlagsgruppe Handelsblatt. Die kann dann auch erklären, was ein Praktikum mit einer Redakteursstelle zu tun hat; vielleicht soll die Arbeit der aktuellen Redakteure bald von den Praktikanten übernommen werden.
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Dienstag, 14. September 2004
Niemand muss von der Brücke springen,
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Soziale Unterschiede zwischen Ost und West?

So sehen etwa Sozialwohnungen in Ingolstadt an der Donau aus - in einem der schlechtesten Viertel der Stadt. Quasi das Marzahn dieser Stadt. Und tatsächlich wäre es für Mitglieder meiner Familie unvorstellbar, in so etwas zu leben. Entwürdigend, würden sie sagen.
Nun gut, sie waren natürlich noch nie im echten Marzahn. Aber der Bundespräsident auch nicht. Überhaupt, die Marzahns dieser Republik sind nicht nur ein Problem der kleinen Gruppe, die dort wohnen muss - es ist auch ein Problem derer, die das mit ihren Steuern finanzieren. Das sollte Herr Köhler mal eindeutig sagen.
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Off Topic:
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Liebe Besucher von Anke Gröner!
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Montag, 13. September 2004
FAZankleber
Das heisst, immer zu Semesterbeginn wurde er unsicher. Da waren noch so viel andere BWLler. Zum Glück verteilten hübsche Hostessen an der Mensa den Frankfurter Allgemeinen Hochschulanzeiger. Der sagte ihm, wo es lang ging. Dass er doch die richtige Entscheidung getroffen hatte. Dahinter steckt immer ein smarter Kopf.
Klar, dass er die FAZ dann auch bestellte, neben der FTD, weil Handelsblatt ist was für Opas. Als er dann sein Startup gründete, lag auf dem Empfangstisch auch noch die Brand1. Die Mädels hinter dem Schalter sahen so aus wie die FAZ-Hostessen, auch so schniecke angezogen, blond, clean und tough. Als die ersten Probleme auftauchten, orderte er das Managermagazin und kassierte immerhin noch die Uhr als Prämie, die er heute trägt. Als es scheiterte, bestellte er doch noch das Handelsblatt, weil es doch irgendwie seriös ist.
Heute liest er gar nichts mehr. Er liest schon beim Plakatieren genug. Und dann zu Hause, natürlich die Stellenanzeigen für Sachbearbeiter.

Aber mit dem abgebrochenen Studium und dem privaten Offenbarungseid wird das nicht so einfach. Sachbearbeiterposten sind heute heiss begehrt, bei BWL-Absolventen. Besser als arbeitslos sein. Was auch schlimmer ist als Plakatieren.
Plakatieren ist halbwegs sicher, zumal, wenn es für eine Zeitung ist, hinter der ein smarter Kopf steckt, und es an Orten geschieht, wo sehr viele noch nicht mal so einen Job haben. Das Leben ist eine Baustelle, wo viele platte Parolen verbreitet werden. Und die Karriere ist die angesägte Gasleitung, die bald hochgeht.
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Samstag, 11. September 2004
Buchtipp
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Silberallee, Schöneberger Flohmarkt, Berlin
Sie hat angefangen. Schon immer. Und du warst immer der Dumme. Zum Beispiel vor drei Jahren, als sie angefangen hat, deinen Eltern zu jedem grösseren Anlass Silber zu schenken. Nicht das es unbedingt nötig wäre, es gibt im Wortsinn Familiensilber, aber sie fügte laufend Objekte hinzu. Und jedesmal hast du dich geärgert, über die dummen Sprüche deiner kleinen Schwester, bei welchem wuchernden Trödler am Münchner Viktualienmarkt sie das aufgegabelt hat und wie teuer das war. Und du hattest nie sowas gekauft.
Du hast dir geschworen, es ihr irgendwann heimzuzahlen. Als sie das letzt Mal wieder mit einer kitschig verpackten Kleinigkeit aus ihrem Roadster stieg, bist du auch gerade aus Berlin angekommen, mit einer orangen Plastiktüte und Zeitungspapier in der Hand. Sie ging vorran, überreichte Deinen Eltern das Dingens und beglückwünschte sie. Dann warst du dran. Du hast was von wegen "keine Zeit mehr es zu verpacken" gemurmelt, umstandlich ein anderthalb Kilo schweres Biedermeiertablett aus 13löthigem Silber aus der Tüte gezogen und es ihnen hingehalten. Es ist in etwa so gross, dass deine Schwester noch 5 Jahre Zeug von ihren grattligen Wucherern anschleppen muss, um es zu füllen. Ihr Blick in diesem Moment - unbezahlbar.

Das alles verdankst du der Silberallee, einem Budenweg am südlichen Rand des Flohmarktes am Schöneberger Rathaus in Berlin.
Mehr bei restaur.antville.org
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Samstag, 11. September 2004
Witz der Woche
steht so über einen Autor im Programm von Eggers & Landwehr, dem Laden, der auf 50 Euro nicht herausgeben kann. Man kann´s ja mal versuchen mit der Legendenbildung, nicht wahr? Noch 50 Jahre, und Illies ist der neue Tucholsky gewesen.
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Irgendwo in Thüringen
Vor dem Supermarkt ist eine grosse Halle mit Bäckerei und Cafe. Hier ist bereits alles zugerammelt. Aus den Boxen dröhnt Verzerrtes von Abba, ein Basslautsprecher ist wahrscheinlich kaputt. Die Lichter sind ausgeschaltet, und nur wenige Schritte vom Eingang des Supermarkts entfernt ist schon ziemlich dunkel. Schemenhaft zeichnen sich weiter hinten helle Holzmöbel und Theken in Türkis und Rosa ab.
Die automatische Tür surrt auf und entlässt mich in die späte Sommerluft. Gegenüber plätschert ein Bach, und dahinter dehnen sich die Ruinen alter Industriegebäude aus. Auf einem Plakatständer wird eine Kultband des alten, toten, wiedererstandenen Ostens angekündigt. Die Bandmitglieder sehen auch heute noch so aus, als wären sie gerade einer 70er-Jahre-Teeniezeitung entkommen. Irgendwer hat in Blau ein Hakenkreuz darübergesprayt.
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Real Life 09.09.04 - Dressed to chill
Ich mein, es hätte auch noch schlimmer kommen können. Zumindest die alten Teile von Gaultier, Comme de Garcon und Byblos, die ich nicht mehr trage, die mir aber sehr viel bedeuten, waren im ersten Stock untergebracht. Aber der Wassereinbruch im Keller hat meine Mutter dazu gebracht, viele Herbstsachen wegzuwerfen. Die Alltagskleidung eben. Lezard und so Zeug. Ich werde nackt unter Hyänen sein, in Berlin.
Also fahre ich in die Stadt. Der erste Laden hat sich in den letzten Jahren zu seinem Schlechtesten verändert. Wäre ich Robbie Williams, könnte es passen, aber ich möchte dezenter in den Herbst. Auch der zweite Laden hat wenig, und was er hat, ist von Boss. Ich habe einmal einen Anzug von Boss gekauft, das war in Verona, ich musste am Abend noch auf eine Party in Peschiera und hatte mir meinen Leinenazug mit Saft ruiniert. Das war das einzige Mal, glaube ich. Ein heller Leinenanzug mit braunen Streifen wäre auch da, aber der ist nur was für die Affen der Provinz.
In den dritten Laden gehe ich nicht gern, weil die die Preise in goldenen Zahlen draufschreiben. Dabei sind die Zahlen noch nicht mal so hoch, dass es sein müsste. Aber ich will nicht in Berlin frieren, oder mir Berliner Boutiquen antun, also gehe ich da auch hin. Ich hoffe, dass der Sohn der Besitzer, der auf meiner Schule war, nicht den Laden übernommen hat. Ein Gespräch über die Vergangenheit wäre mir unangenehm. Aber ich habe Glück und kann dort in Ruhe einige Teile kaufen, wie das mittelbraune Jacket mit den Samtflicken an den Ärmeln.

Und dann auch noch 2 Stunden auf einer Wiese gesessen. Allein. Reflektiert, also das einzige getan, was mich noch ein wenig von den anderen hohlen Idioten meiner Baureihe unterscheidet. In deren Augen bin ich ein Betriebsunfall.
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Donnerstag, 9. September 2004
Weise Ratschläge
Heute morgen nun sind meine Eltern früh zur Hochzeit einer Tochter von Nachbarn gefahren; irgendwo in Nordwestdeutschland. Eine gute Gelegenheit, dieses Zitat an meinem Vater auszuprobieren. "Fahr vorsichtig, bleib auf der rechten Spur nie schneller als 120, und überhole nicht", rief ich über die Treppe hinunter, wo er unter Kronleuchtern seinen Koffer nach draussen trug.
"Spinnst Du, das sind 400 Kilometer, da schlaf ich ja ein, das darf nicht länger als zwei Stunden dauern", rief er zurück, und schlug die Tür zu. Kurz danach heulte der Motor in seinem alten Firmenwagen auf, bei dem sein Partner damals mit der Bemerkung "250 ist lahm" die Tempobegrenzung hatte ausbauen lassen.
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Mittwoch, 8. September 2004
Die DDP ist pleite
Leid tut es mir um meine Bekannten dort. Agenturmenschen sind eine ganz besondere Spezies, die passen schlecht in andere Medienbereiche. Berufstrockene Schreibe. Schnell, aber nicht tiefgründig. Zu generelle Generalisten. Passen schlecht in den normalen Medienbetrieb, weil sie faktisch nur online sind.
Ganz böse wird es für die 200 Freien, vor allem in Berlin.
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7 Fischköpfe

Um uns herum ist ein Publikum, dessen Fressen erheblich an ausgestopfte Hechte und Barsche erinnern. Extrem kurze Haare, kleine, böse Augen, und unangemessene Posen dafür, dass sie gerade Nahrung zu sich nehmen. Auch hier ist der Ellenbogen im Volleinsatz, die Flughöhe der Mäuler nur wenige Zentimeter über den Tellern. Mittleres Management, meint meine Schwester abfällig.
Wir reden über angenehme Orte und Dinge. Um uns herum wird über Chancen, Profite und Bezüge gegrölt, geschrien und getuschelt. Man ist, was man tut. Die Leute, die das hier wahrscheinlich über Spesen finanzieren, können noch nicht mal jetzt abschalten. Irgendwas in ihren Hirnen lässt sie zurückspringen in die Konferenzräume, an die Flip Charts, an die Telefone, sie perpetuieren ein Dasein, zu dem sie keine Alternative entwickelt haben. Luftholen wäre für sie tödlich.
Ich glaube, dass notorische Fischfresser, in Bayern zumal, von der Kälte der Tiere und ihres Lebensraumes angezogen sind, von der Stille, die sie dann nicht zu füllen bräuchten, und vom Druck, der im Wasser auf ihnen lastet. Haifischflossensuppe ist für sie Kannibalismus; sehr roher sogar: Nebenan löffelt jemand, indem er den gesamten Suppenlöffel in den weit aufgerissenen Mund schiebt.
Wir bitten sofort um die Rechnung.
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