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Montag, 21. August 2006
Was ich wollte
war ein französischer Schreibtisch. Wenn möglich, aus der Zeit der französischen Revolution, vom Übergang zwischen Klassizismus und Empire, dass man sich vorstellen kann, dass darauf ein Danton geschrieben hat, ein frivoler Roman verfasst oder ein Anschlag auf Napoleon schriftlich verabredet wurde. Mit einer Marmorplatte, die im Sommer kühl ist und bei der es keine Rolle spielt, wenn man mal den Tee verschüttet. Ein Tisch, schwer und solide, der fest steht in der Wohnung und Heimat symbolisiert und die Ruhe, die man an so einer schweren Steinplatte wohl zwangsläufig bekommt. Mit Säulenbeinen, die eine schwere Last tragen, und dennoch elegant sind. Mahagoni immer gerne, und dazu fein ziselierte Bronzebeschläge. Ein Stück, wie man es in Auktionskatalogen sieht, mit der Beschreibung "A fine Empire Bureau Plat with Marble Top, 4.500-6.000 $".
Weil sowas selten ist und mitsamt Reise zur Auktion und 20% Aufgeld jenseits meiner finanziellen Mittel, fand ich mich mit der Idee ab, einen englischen Schreibtisch zu kaufen. Im Januar fand ich einen in rötlichem Mahagoni, um 1850, mit drop leafs bei Antik Du Kanti in Berlin, war mit dem Roadster unterwegs, und als ich bald darauf mit dem Audi kam, war er schon weg. Im Prinzip fluchte ich jeden Morgen beim Aufstehen wegen dieses Schreibtisches, bis ich dann missmutig und eher in Gedanken an meine Liebste einen Tisch kaufte, der auf dem Photo wie eine Stilkopie eines Regencyschreibtischs aussah, mit Lederfläche, gespreizten Beinen und Löwenfüssen aus Bronze mit Rollen. Es erwies sich als keine Stilkopie, sondern als altes Original, daneben stand noch ein Sofa Table, den ich auch nahm - und das alles für die Hälfte des ohnehin günstigen Preises, den Du Kanti verlangt hat. Alles prima, dachte ich, das Schicksal ist mein Freund. Bis heute morgen um 11, als ich auf dem Flohmarkt einen Händler aus Frankreich kennenlernte.

Ich veranstalte deshalb die grosse Blogmarketing-Spendenaktion "Jeder Leser 1 Euro" Ich habe definitiv keinen Platz mehr dafür. Und er ist auch nicht ganz billig, wenngleich alles andere als teuer für so ein Stück, mit Verhandeln unter 1000 Euro. Sollte jemand anderes sowieso mal ins Elsass fahren und schon immer von einem Empireschreibtisch geträumt haben: Ich habe die Adresse und die Nummer. Und gebe sie auf Anfrage heraus, auch wenn es weh tut.
Weil sowas selten ist und mitsamt Reise zur Auktion und 20% Aufgeld jenseits meiner finanziellen Mittel, fand ich mich mit der Idee ab, einen englischen Schreibtisch zu kaufen. Im Januar fand ich einen in rötlichem Mahagoni, um 1850, mit drop leafs bei Antik Du Kanti in Berlin, war mit dem Roadster unterwegs, und als ich bald darauf mit dem Audi kam, war er schon weg. Im Prinzip fluchte ich jeden Morgen beim Aufstehen wegen dieses Schreibtisches, bis ich dann missmutig und eher in Gedanken an meine Liebste einen Tisch kaufte, der auf dem Photo wie eine Stilkopie eines Regencyschreibtischs aussah, mit Lederfläche, gespreizten Beinen und Löwenfüssen aus Bronze mit Rollen. Es erwies sich als keine Stilkopie, sondern als altes Original, daneben stand noch ein Sofa Table, den ich auch nahm - und das alles für die Hälfte des ohnehin günstigen Preises, den Du Kanti verlangt hat. Alles prima, dachte ich, das Schicksal ist mein Freund. Bis heute morgen um 11, als ich auf dem Flohmarkt einen Händler aus Frankreich kennenlernte.

donalphons, 01:42h
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Verschwendung und Laster als Wirtschaftsstimmulanz
Wir müssen unseren Eltern dankbar sein, dass sie so freundlich waren, uns etwas Sinnvolles studieren zu lassen. Nicht etwa BWL, wo allenthalben ein Dasein als Sachbearbeiter droht, oder Jura, deren Jünger für die doppelte Arbeit eines Facharbeiters 2/3 dessen Lohnes bekommen, wenn sie dem Kunden erst mal die Mahnungen geschickt haben - und der als GmbH nicht pleite ist. Glücklicherweise erkannten unsere Eltern den Wert einer universellen Bildung und liessen Studiengänge der Kulturgeschichte zu, die zwar keinen direkten Beruf nach sich zogen, uns aber zu gebildeten, wissenden und erfahrenen Menschen gemacht haben. Wir wissen, dass die sog. Evolution des Menschen eine dumme Einbildung desselbigen ist, der gern in Verblendung zurückschaut, sich heute überlegen fühlt und nicht daran denkt, dass man über ihn in 100 Jahren ähnlich schlecht reden wird, und er kann dann nicht mal mehr in deren Blogs kommentieren.
Dieses tumbe Dasein in der Menschenbrühe, an deren Spitze sich jeder vermuten möchte, zu durchschauen ist nicht nur eine geistige Übung, es ist der Schlüssel zum guten Leben. Wer jemals in einer neolithischen Siedlung einen schminktauglichen Rötelstein und eine kleine Reibe aus Quarzit gefunden hat, die damals mit unsäglichen Mühen über 200 Kilometer transportiert wurden, macht sich über die Natur der Frauen noch die gleichen Illusionen, die angesichts von frühmittelalterlichen Männergräbern entstehen, bei denen die Schädeldecken vom Hieb einer Spatha gespalten sind. Und wenn heute der respektierte Meister Lumma das Buch "Verschwendung" eines unsäglichen Autors einer wahrhaft erbärmlichen Postille "Brand1" mit grosser New Economyvergangenheit empfiehlt, nun, dann

greifen wir nur müde lächelnd in das Buchregal nach Bernard Mandevilles "Bienenfabel oder private Laster als gesellschaftliche Vorteile", legen es auf unseren Regencyschreibtisch und bereiten uns eine Kanne Tee. Denn eine wirklich üble Verschwendung wäre es, einen weichgespülten Apologeten des genial bösartigen Originals zu erwerben. Was, bitte, könnte denn ein Autor so einer windigen Luftnummer vermögen gegen einen der grossen Aufklärer, einen gottlosen, zynischen Beobachter des Lasters und seiner Folgen, die doch immer gleich sind? Was soll so ein Amazoninsidelesenbuch, der in einem Jahr auf dem Ramsch liegt, gegen einen Klassiker, der auch schon auf dem Index der katholischen Kirche stand? "Verschwendung", das wissen wir ohne Lesen, ist etwas für die Post-68er, die sich cool finden, weil sie heute saubere Resopaltische mit abartig teurem Kirschfurnierimitat haben, genauso cool wie der 68er, der stolz war, eine verdreckten Obstkiste das Eigen seiner Kommune zu nennen und dort Marxens ursprüngliche Akkumulation zu büffeln - und doch sitzen sie beide am gleichen Müll.
Mandeville - zu seiner Zeit Anfang des 18. Jahrhunderts allseits verhasst und als Mandevil verunglimpft - hat gut doppelt so viel geschrieben wie das deutsche Nachmacherlein in seinem erbärmlichen Hayekschismus. Denn Mandeville kritzelt nicht irgendwelchen hirnlosen Tschaka-Liberalismus für die geistige Tiefflughöhe des durschnittlichen Brand1-Liebhabers, er ist sich durchaus der negativen Folgen und Voraussetzungen der Verschwendung im Klaren, die in seinem Buch breiten, mit geistreich-zynischen Erzählungen gefüllten Raum einnehmen. Jenseits der Ironie bleibt Mandeville strikt bei einer sinnvollen Äquidistanz zwischen Knauserei und Verschwendung, er führt die Extreme vor und überlässt dann dem Leser die Entscheidung.
Was in meinen Augen der Unterschied zwischen einem europäischen Aufklärer und den Hayeks Kadaver ausbudelnden ökonomischen Terrorstaatsfanatikern ist. Was Wunder, dass des kecken Autors Verleger deshalb von einem Vorfahr der zweiten Gruppe vor den Kadi gezerrt wurde. Wir aber blättern also wieder in Mandeville, essen ein Stück gedeckten Apfelkuchen dazu, verstehen, dass der Mittelweg nicht immer golden, aber doch sinnvoll ist und heben uns ein feines Lächeln für die Schwächen und Triebe der Menschen auf, denen letztlich unser Naturell, der Sex, die Literatur, das verfeinerte Essen und die Musik entspringt, aber zwingend weder ein Geschäftsmodell noch ein Bestseller von so einem Typen da.
Wer den Mandeville noch nicht hat, bestelle sich am besten im Buchladen die Hardcoverausgabe von C.H. Beck in München, 1988, 19,90 Euro. Natürlich mit Lesebändchen.
Dieses tumbe Dasein in der Menschenbrühe, an deren Spitze sich jeder vermuten möchte, zu durchschauen ist nicht nur eine geistige Übung, es ist der Schlüssel zum guten Leben. Wer jemals in einer neolithischen Siedlung einen schminktauglichen Rötelstein und eine kleine Reibe aus Quarzit gefunden hat, die damals mit unsäglichen Mühen über 200 Kilometer transportiert wurden, macht sich über die Natur der Frauen noch die gleichen Illusionen, die angesichts von frühmittelalterlichen Männergräbern entstehen, bei denen die Schädeldecken vom Hieb einer Spatha gespalten sind. Und wenn heute der respektierte Meister Lumma das Buch "Verschwendung" eines unsäglichen Autors einer wahrhaft erbärmlichen Postille "Brand1" mit grosser New Economyvergangenheit empfiehlt, nun, dann

greifen wir nur müde lächelnd in das Buchregal nach Bernard Mandevilles "Bienenfabel oder private Laster als gesellschaftliche Vorteile", legen es auf unseren Regencyschreibtisch und bereiten uns eine Kanne Tee. Denn eine wirklich üble Verschwendung wäre es, einen weichgespülten Apologeten des genial bösartigen Originals zu erwerben. Was, bitte, könnte denn ein Autor so einer windigen Luftnummer vermögen gegen einen der grossen Aufklärer, einen gottlosen, zynischen Beobachter des Lasters und seiner Folgen, die doch immer gleich sind? Was soll so ein Amazoninsidelesenbuch, der in einem Jahr auf dem Ramsch liegt, gegen einen Klassiker, der auch schon auf dem Index der katholischen Kirche stand? "Verschwendung", das wissen wir ohne Lesen, ist etwas für die Post-68er, die sich cool finden, weil sie heute saubere Resopaltische mit abartig teurem Kirschfurnierimitat haben, genauso cool wie der 68er, der stolz war, eine verdreckten Obstkiste das Eigen seiner Kommune zu nennen und dort Marxens ursprüngliche Akkumulation zu büffeln - und doch sitzen sie beide am gleichen Müll.
Mandeville - zu seiner Zeit Anfang des 18. Jahrhunderts allseits verhasst und als Mandevil verunglimpft - hat gut doppelt so viel geschrieben wie das deutsche Nachmacherlein in seinem erbärmlichen Hayekschismus. Denn Mandeville kritzelt nicht irgendwelchen hirnlosen Tschaka-Liberalismus für die geistige Tiefflughöhe des durschnittlichen Brand1-Liebhabers, er ist sich durchaus der negativen Folgen und Voraussetzungen der Verschwendung im Klaren, die in seinem Buch breiten, mit geistreich-zynischen Erzählungen gefüllten Raum einnehmen. Jenseits der Ironie bleibt Mandeville strikt bei einer sinnvollen Äquidistanz zwischen Knauserei und Verschwendung, er führt die Extreme vor und überlässt dann dem Leser die Entscheidung.
Was in meinen Augen der Unterschied zwischen einem europäischen Aufklärer und den Hayeks Kadaver ausbudelnden ökonomischen Terrorstaatsfanatikern ist. Was Wunder, dass des kecken Autors Verleger deshalb von einem Vorfahr der zweiten Gruppe vor den Kadi gezerrt wurde. Wir aber blättern also wieder in Mandeville, essen ein Stück gedeckten Apfelkuchen dazu, verstehen, dass der Mittelweg nicht immer golden, aber doch sinnvoll ist und heben uns ein feines Lächeln für die Schwächen und Triebe der Menschen auf, denen letztlich unser Naturell, der Sex, die Literatur, das verfeinerte Essen und die Musik entspringt, aber zwingend weder ein Geschäftsmodell noch ein Bestseller von so einem Typen da.
Wer den Mandeville noch nicht hat, bestelle sich am besten im Buchladen die Hardcoverausgabe von C.H. Beck in München, 1988, 19,90 Euro. Natürlich mit Lesebändchen.
donalphons, 18:37h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Samstag, 19. August 2006
Von 8 bis 9
Blumengiessen war heute überflüssig.




Gegenstände auf der Dachterasse sichern war degegen sinnvoll.




Gegenstände auf der Dachterasse sichern war degegen sinnvoll.
donalphons, 23:27h
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Real Life 19.08.96 - Westliche Vorstadtdialoge
DeutscheBankMünchnerRückImmobilienundFondsbesitzer (DMIFB): De nemma uns ois.
DeutscheBankSiemensSchweizerPharmawerteBesitzerin (DBSSPB): Und wenn de erst de Eabschaftsschteia naufsetzn, mia miassn 100.000 Euro jetzt scho zoin!
DMIFB: De san Vabrecha.
DBSSPB: I hobs mein Mo scho gsagt, ea soi a ois wia sei Bruada ind Schweiz bringa.
DMFIB: Wenn des mit denen Sozialabgaben so weidageht, nimm i mei Rentn und wanderd aus nach Thailand.
DBSSPB: Wenn de des Land weita so kaputt machan, bleibt oam nix anders übrig.
KeineAktienkeineFondsBesitzer (Du): Ich glaube, da kommt ein Gewitter, entschuldigen Sie mich bitte, ich muss in die Stadt und die Fenster zumachen.
DMFIB: Schens Wochenend, Herr Porcamadonna. A so, no wos, mia san de nächstn drei Wochen auf de Seychellen und wens ins Oiderheim nübaschaun und mei Muada segn, sogns ihr nix, de regt se imma so auf.
DeutscheBankSiemensSchweizerPharmawerteBesitzerin (DBSSPB): Und wenn de erst de Eabschaftsschteia naufsetzn, mia miassn 100.000 Euro jetzt scho zoin!
DMIFB: De san Vabrecha.
DBSSPB: I hobs mein Mo scho gsagt, ea soi a ois wia sei Bruada ind Schweiz bringa.
DMFIB: Wenn des mit denen Sozialabgaben so weidageht, nimm i mei Rentn und wanderd aus nach Thailand.
DBSSPB: Wenn de des Land weita so kaputt machan, bleibt oam nix anders übrig.
KeineAktienkeineFondsBesitzer (Du): Ich glaube, da kommt ein Gewitter, entschuldigen Sie mich bitte, ich muss in die Stadt und die Fenster zumachen.
DMFIB: Schens Wochenend, Herr Porcamadonna. A so, no wos, mia san de nächstn drei Wochen auf de Seychellen und wens ins Oiderheim nübaschaun und mei Muada segn, sogns ihr nix, de regt se imma so auf.
donalphons, 22:34h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 18. August 2006
Enemy at the Gate
Allgemein wird empfohlen, die Munich Area demnächst wegen eines Staatsbesuches von Europas letztem absolutistischen Herrscher - mit allen Nebeneffekten von Staatsreligion über kranke Ansichten zu AIDS bishin zu nicht wirklich gelungenen Inszenierungen des finsteren Mittelalters - zu meiden.

Falls jemand meint, es gäbe noch was verrückteres als die new Economy der Munich Area, wird er jetzt katholisch gemacht aka eines Schlimmbesseren belehrt. Wo bleibt eigentlich das watchblog, das die übelsten Einlassungen dieses Herrm und seiner Untertanen zur Debatte stellt?

Falls jemand meint, es gäbe noch was verrückteres als die new Economy der Munich Area, wird er jetzt katholisch gemacht aka eines Schlimmbesseren belehrt. Wo bleibt eigentlich das watchblog, das die übelsten Einlassungen dieses Herrm und seiner Untertanen zur Debatte stellt?
donalphons, 23:39h
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Memme M. oder Chance als Scheitern
Im Spätwinter 2000 machte ich mich, wie viele Kollegen, auf nach Wien. Ich hatte den Auftrag einer renommierten US-Zeitung und ein paar freie Aufträge, etwas über die Machtergreifung von ÖVP und der Bewegung von Jörg Haider zu schreiben. Es waren turbulente Tage in Wien, und als Vertreter der jüdischen Ostküste schlugen mir Bemerkungen und Verhaltensweisen entgegen, die einiges vom Bild des braunen Österreichs belegten, das nichts begriffen hat und auch nicht begreifen will.
Damals war auch die besagte Ostküste nicht eben zimperlich, und keiner wollte weichgespülte Interviews mit ÖVPlern, die sagten, dass alles ok ist und man bittschön die Chance haben wollte, jetzt mal was anderes auszuprobieren. Beliebt macht man sich mit solchen Angriffen nicht, und wenn die erste Charge reingefallen ist und bei einem Interview ohne abgesprochene Fragen absauft, hat man einen gewissen Ruf, der sich in der zwingenden Abgabe eines Fragenkatalogs äussert. Na schön, gerne, dachte ich, sollen sie sich halt vorbereiten. Und schickte die Fragen in etwa so, wie man sie über dem Atlantik stellt, direkt, kein Blabla, ohne Kriecherei oder billige Stöckchen und Belohnung für das Hüpfen.
Unangemessen sei das, sagte mir die Pressefrau eines Ministers am Telefon, als ich mich gerade durch die Baustelle bei Linz quälte, das geht gar nicht, sowas sei ihr - die im Übrigen gerade erst vier Wochen vorher als Tochter eines braunschwarzen Vordenkers auf diesen Posten gekommen war - noch NIE untergekommen. Nun war ich aber auf amerikanischem Ticket unterwegs und hatte vorher schon gewisse Kontakte zu Leuten in der US-Botschft, und die wiederum kümmerten sich um das Problem, so dass Minister X mich während eines anderen Gesprächs im Keller Radio Orange wissen liess, dass er die Fragen doch als hart, aber fair einstufe, und ich solle doch einfach über die Wäschestiege (so heisst das wirklich in felix Austria) hoch zu ihm kommen.
Es war nicht das weltbeste Interview, es blieben konträre Standpunkte, aber er hat sich bemüht, das Beste aus der damals komplett verfahrenen transatlantischen Situation zu machen. Und auch auf die härtesten Nachfragen umfassend seinen Standpunkt dargestellt. Ich habe dennoch keinen Respekt für einen Politiker, der mit dem Haider rummacht, aber trotzdem eine begrenzte Achtung vor diesem Interviewpartner.
Der hatte etwas, das Klaus Madzia, selbst Journalist und Chefredakteur der Business News fehlt: Das Standing und den Willen, sich auch gegen bohrende Fragen jenseits der Grenzen des Üblichen durchzusetzen. Aber die unbeantworteten Fragen von Ben Schwan an Madzia sind auch eine Art Antwort.
Damals war auch die besagte Ostküste nicht eben zimperlich, und keiner wollte weichgespülte Interviews mit ÖVPlern, die sagten, dass alles ok ist und man bittschön die Chance haben wollte, jetzt mal was anderes auszuprobieren. Beliebt macht man sich mit solchen Angriffen nicht, und wenn die erste Charge reingefallen ist und bei einem Interview ohne abgesprochene Fragen absauft, hat man einen gewissen Ruf, der sich in der zwingenden Abgabe eines Fragenkatalogs äussert. Na schön, gerne, dachte ich, sollen sie sich halt vorbereiten. Und schickte die Fragen in etwa so, wie man sie über dem Atlantik stellt, direkt, kein Blabla, ohne Kriecherei oder billige Stöckchen und Belohnung für das Hüpfen.
Unangemessen sei das, sagte mir die Pressefrau eines Ministers am Telefon, als ich mich gerade durch die Baustelle bei Linz quälte, das geht gar nicht, sowas sei ihr - die im Übrigen gerade erst vier Wochen vorher als Tochter eines braunschwarzen Vordenkers auf diesen Posten gekommen war - noch NIE untergekommen. Nun war ich aber auf amerikanischem Ticket unterwegs und hatte vorher schon gewisse Kontakte zu Leuten in der US-Botschft, und die wiederum kümmerten sich um das Problem, so dass Minister X mich während eines anderen Gesprächs im Keller Radio Orange wissen liess, dass er die Fragen doch als hart, aber fair einstufe, und ich solle doch einfach über die Wäschestiege (so heisst das wirklich in felix Austria) hoch zu ihm kommen.
Es war nicht das weltbeste Interview, es blieben konträre Standpunkte, aber er hat sich bemüht, das Beste aus der damals komplett verfahrenen transatlantischen Situation zu machen. Und auch auf die härtesten Nachfragen umfassend seinen Standpunkt dargestellt. Ich habe dennoch keinen Respekt für einen Politiker, der mit dem Haider rummacht, aber trotzdem eine begrenzte Achtung vor diesem Interviewpartner.
Der hatte etwas, das Klaus Madzia, selbst Journalist und Chefredakteur der Business News fehlt: Das Standing und den Willen, sich auch gegen bohrende Fragen jenseits der Grenzen des Üblichen durchzusetzen. Aber die unbeantworteten Fragen von Ben Schwan an Madzia sind auch eine Art Antwort.
donalphons, 21:06h
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Du rauchst.
Deine Bekannten meinen, Du riechst, als hättest Du einen Aschenbecher leergefressen. Deine Kleider stinken. Und es geht verdammt ins Geld. 5 Jahre wirst Du früher verrecken, und wenn ich sage verrecken, meine ich das auch - Lungenkrebs ist so richtig scheisse.
Oder - Du gehst zu Holgi und lässt es Dir austreiben. Du Suchtgurke.
Oder - Du gehst zu Holgi und lässt es Dir austreiben. Du Suchtgurke.
donalphons, 12:32h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 18. August 2006
Drinnen/Draussen
Die Ruhe, das gemächliche Patschen der nassen Rolle auf der Decke, die Langsamkeit des Sonnenuntergangs, das alles ist nur ein Teil der Realität.


Denn woanders hat Fortuna gerade miese Laune, der Teufel bläst Septen in den Dudelsack, Haifische beissen zu und ein ohnehin nötiger Besuch in der Munich Area wird sich mehr ausweiten, als mir lieb sein kann.
Irgendwo da unten muss man sich noch eine erheblich zu junge Mutter vorstellen, und ihr Kind, das neben dem Studium aufgezogen wird, und wer weiss, was mal aus ihm wird, vermutlich auch so etwas Zielstrebiges, eine, die den Weg zu kennen glaubt und die Roadmap schreiben will.
Vielleicht wird sie auch eine Anwältin so korrupt und verdorben wie der, über den fast täglich neue Details bekannt werden, so viel Geld, und alles scheint verschwunden zu sein und umgesetzt in Dinge, die keinen echten Wert haben. Was tut man mit den Anzügen, den Schuhen und der Krawattensammlung, die zum grossen Teil auf den Geldern der Mandanten basieren? Versteigern, beschlagnahmen, ihm belassen, damit er wengistens nach was ausschaut, wenn er nach der Verhandlung Berufsverbot bekommt? Man wird es erfahren, die Stadt ist ja nicht gross.
Nichts ist eigentlich gross, alles scheint so beschränkt in diesen Tagen, die Politik der Kanonenboote2.0 und einem Sturz von das Merkel, der keinen Spass macht, das langsame Entgasen der Zukunft der anderen, manchmal wäre es vielleicht schön, schon Rentner zu sein mit 68er-Biographie und sich um die kommende Scheisse nicht mehr sorgen zu müssen, sondern nur noch um die PS-Zahl des neuen Wagens im Wissen, dass es der letzte sein wird und die anderen das alles werden auslöffeln müssen, was man an Kleinigkeiten jetzt verursacht. Gross ist nur der Himmel, der hirnlos wie eine schöne Frau über allem seine selbstgefälligen Wölkchen pudert und sich, einem Spiegel gleich, im Objektiv fängt. Seitdem es wieder Krieg ist, und ich leider nicht im Keller wohnen kann, lalala.
kann man nicht einfach die munich area wegmachen, irgendwie?


Denn woanders hat Fortuna gerade miese Laune, der Teufel bläst Septen in den Dudelsack, Haifische beissen zu und ein ohnehin nötiger Besuch in der Munich Area wird sich mehr ausweiten, als mir lieb sein kann.
Irgendwo da unten muss man sich noch eine erheblich zu junge Mutter vorstellen, und ihr Kind, das neben dem Studium aufgezogen wird, und wer weiss, was mal aus ihm wird, vermutlich auch so etwas Zielstrebiges, eine, die den Weg zu kennen glaubt und die Roadmap schreiben will.
Vielleicht wird sie auch eine Anwältin so korrupt und verdorben wie der, über den fast täglich neue Details bekannt werden, so viel Geld, und alles scheint verschwunden zu sein und umgesetzt in Dinge, die keinen echten Wert haben. Was tut man mit den Anzügen, den Schuhen und der Krawattensammlung, die zum grossen Teil auf den Geldern der Mandanten basieren? Versteigern, beschlagnahmen, ihm belassen, damit er wengistens nach was ausschaut, wenn er nach der Verhandlung Berufsverbot bekommt? Man wird es erfahren, die Stadt ist ja nicht gross.
Nichts ist eigentlich gross, alles scheint so beschränkt in diesen Tagen, die Politik der Kanonenboote2.0 und einem Sturz von das Merkel, der keinen Spass macht, das langsame Entgasen der Zukunft der anderen, manchmal wäre es vielleicht schön, schon Rentner zu sein mit 68er-Biographie und sich um die kommende Scheisse nicht mehr sorgen zu müssen, sondern nur noch um die PS-Zahl des neuen Wagens im Wissen, dass es der letzte sein wird und die anderen das alles werden auslöffeln müssen, was man an Kleinigkeiten jetzt verursacht. Gross ist nur der Himmel, der hirnlos wie eine schöne Frau über allem seine selbstgefälligen Wölkchen pudert und sich, einem Spiegel gleich, im Objektiv fängt. Seitdem es wieder Krieg ist, und ich leider nicht im Keller wohnen kann, lalala.
kann man nicht einfach die munich area wegmachen, irgendwie?
donalphons, 01:15h
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Heruntergekommen
Die braunen Flecken, die unsauberen Stellen, die Risse, das alles hat beim Streichen der Decke gehalten. Sieht halt nicht so toll aus. Heruntergekommen sind allen die Flächen, die glatt, sauber und ordentlich waren.

Ich glaub, ich ziehe auf die Dachterasse um. Erstmal.

Ich glaub, ich ziehe auf die Dachterasse um. Erstmal.
donalphons, 17:07h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Donnerstag, 17. August 2006
Sehr zu empfehlen - Tarantella
Mein erstes und gleichzeitig vorletztes Motivationsseminar erhielt ich eher unfreiwillig auf dem Höhepunkt der New Economy. Zum einem brauche ich keine Motivation, zum anderen war ich damals längst der Meinung, dass dem Internet-Irrsinn, der gerade wieder durch die social Hintertür hereingeschlichen kommt, keine Motivation der Welt mehr helfen konnte. Da trat dann also auf einem Kongress voller angeblicher zukünftiger Wirtschaftsgenies so ein - in Bayern sagt man - Sparifankerl auf, der mit Tschacka light die Leute zu offeneren, offensiveren, überzeugenderen Charakteren formen wollte. Danach, bei den Cocktails, versuchten sich manche gleich an der Umsetzung des Gelernten, in der Hoffnung, das Gift der Dummheit und Gier in ihren Körpern irgendwie nach draussen zu promoten.
Wer sowas in unserer Ultramoderne, deren Kennzeichen angeblich erfolgreiche Blogs wie dieses hier sein sollen, mal mitgemacht hat, steht den voraufklärerischen Versionen dieser Veitstänze auf digitalem St.-Petri-Schnee eher gelassen gegenüber.

Die Tarantella ist in der Region Neapel und Apulien zu Hause. Ein wilder Tanz, der seinen Namen seiner Verursacherin verdankt, der giftigen Tarantel, die in dieser Gegend in grossen Mengen vorkam und auch Menschen anfiel. Ihr Gift hatte eine betäubende, schwächende Wirkung, und wer gebissen wurde, musste tanzen, schnell und wild, und singen, um dem Gift entgegen zu wirken. Musik als Gegengift, ungebändigt, laut, direkt, mitreissend, heiss und immer schneller werdend, sollte das Gift in Schach halten und die Krankheit bezwingen.
Die Tarantella fand Eingang in die klassische Musik, aber unverstellt, ursprünglich mit Lauten und Castagnetten, so wie sie die ersten Forscher im frühen 17. Jahrhundert erlebt haben, die auf der Suche nach einer göttlichen Harmonie waren und den Tanz als eine extreme Ausformung verstanden, so mitreissend und energiegeladen, hört man sie selten. Fernab vom hektischen Leben in der grossen Stadt gibt es einen Herrn, der sich auf High End Audio spezialisiert hat und neben Boxen aus Vogelahorn und Röhrenverstärkern auch Musik vertreibt, die man andernorts nicht bekommt oder langwierig bestellen muss. So eben auch die Tarantellaeinspielungen, die unter der Musikhistorikerin Christina Pluhar beim französischen Label Alpha erschienen sind, im Jahr 2001, dem Jahr der Schrecknisse, das bewies, dass alle meine Bekannten dieser Tage und dieser Peer Group nicht die Tarantella, sondern den Totentanz aufführten.
Für die 20 Euro, die ich bezahlt habe, bekommt man heute auch eine Menge verbliebener Penny Stocks dieser Zeit, aber ich verspreche, dass man mit der CD in jedem Fall mehr Spass haben wird, wenn man Alte Musik und hervorragende, engagierte Aufnahmen jenseits der ausgetretenen Pfade der Klassik schätzt.
Wer sowas in unserer Ultramoderne, deren Kennzeichen angeblich erfolgreiche Blogs wie dieses hier sein sollen, mal mitgemacht hat, steht den voraufklärerischen Versionen dieser Veitstänze auf digitalem St.-Petri-Schnee eher gelassen gegenüber.

Die Tarantella ist in der Region Neapel und Apulien zu Hause. Ein wilder Tanz, der seinen Namen seiner Verursacherin verdankt, der giftigen Tarantel, die in dieser Gegend in grossen Mengen vorkam und auch Menschen anfiel. Ihr Gift hatte eine betäubende, schwächende Wirkung, und wer gebissen wurde, musste tanzen, schnell und wild, und singen, um dem Gift entgegen zu wirken. Musik als Gegengift, ungebändigt, laut, direkt, mitreissend, heiss und immer schneller werdend, sollte das Gift in Schach halten und die Krankheit bezwingen.
Die Tarantella fand Eingang in die klassische Musik, aber unverstellt, ursprünglich mit Lauten und Castagnetten, so wie sie die ersten Forscher im frühen 17. Jahrhundert erlebt haben, die auf der Suche nach einer göttlichen Harmonie waren und den Tanz als eine extreme Ausformung verstanden, so mitreissend und energiegeladen, hört man sie selten. Fernab vom hektischen Leben in der grossen Stadt gibt es einen Herrn, der sich auf High End Audio spezialisiert hat und neben Boxen aus Vogelahorn und Röhrenverstärkern auch Musik vertreibt, die man andernorts nicht bekommt oder langwierig bestellen muss. So eben auch die Tarantellaeinspielungen, die unter der Musikhistorikerin Christina Pluhar beim französischen Label Alpha erschienen sind, im Jahr 2001, dem Jahr der Schrecknisse, das bewies, dass alle meine Bekannten dieser Tage und dieser Peer Group nicht die Tarantella, sondern den Totentanz aufführten.
Für die 20 Euro, die ich bezahlt habe, bekommt man heute auch eine Menge verbliebener Penny Stocks dieser Zeit, aber ich verspreche, dass man mit der CD in jedem Fall mehr Spass haben wird, wenn man Alte Musik und hervorragende, engagierte Aufnahmen jenseits der ausgetretenen Pfade der Klassik schätzt.
donalphons, 01:58h
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Einmal hat Fidel Castro noch gewonnen
Nämlich beim Wegrennen von der Schippe des Todes am Abend.

Für den dreckigen Ex-Diktator von Paraguay Alfredo Stroessner, der so aussah wie ein Bilderbuch-Gestapomann, gibt es keinen Morgen mehr. Und den Pinochet packst Du auch noch, Fidel. OK? Prima.

Für den dreckigen Ex-Diktator von Paraguay Alfredo Stroessner, der so aussah wie ein Bilderbuch-Gestapomann, gibt es keinen Morgen mehr. Und den Pinochet packst Du auch noch, Fidel. OK? Prima.
donalphons, 23:04h
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Das Gute an der Sache mit Grass ist,
dass man in Zukunft weiss, welches kläffende Autorenpack man in Zukunft nicht mehr mit einem Buchkauf adelt.
ok, ok, ich geb´s zu, ich kaufe sowieso fast keine lebenden Autoren
ok, ok, ich geb´s zu, ich kaufe sowieso fast keine lebenden Autoren
donalphons, 14:17h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 15. August 2006
Ganz oben
Da ist noch ein Stockwerk. In München oder anderswo würde man dort eine kleine Wohnung reinquetschen, oder zumindest noch ein, zwei Zimmerchen, die Balken verkleiden, dünnes Rigipswände einziehen, wo jetzt der offene Speicher ist. Von hier oben durch eine Dachluke, 20 Meter über der Stadt, hat man den besten Blick auf die Welt da unten. Und den Himmel da oben.

Letzte Woche gab es eine Situation, in der ein Anruf wichtig gewesen wäre. Nicht für mich, aber für einen Haifisch. Jedenfalls fand ich es bedeutungslos genug, um nicht anzuhalten und nach einer Telefonzelle zu suchen. Ich habe zwar ein Handy, aber ich war schon immer der schlechteste Kunde, den Vodafone je hatte, und seitdem das Handy kaputt und Anrufen nicht mehr möglich war, ging der Umsatz mit mir auf absolut Null. Handies sind einfach nicht mein Ding.
Der Haifisch tobte, ich giftete zurück, wir schrien uns ein wenig an und schoben grosszügig Schuldpakete hin und her, bis sie letztlich ganz zerfasert und hässlich waren, und machten dann woanders weiter. Ich jedenfalls, sagte ich, würde wegen diesem Unsinn keinesfalls irgendwelchen Telcos Geld in den Rachen schmeissen, indem ich mir schon wieder so ein Ding kaufte. Ist ja schon schlimm genug, dass da dauernd einer anruft. Ich sei glücklich mit dieser Situation, auch wenn ich es dann nicht auflade und es konsequenterweise ohne Strom nicht mal mitnehme. Am Tag darauf, nach einer Besprechung, kam der Haifisch rüber, betonte die Notwendogkeit meiner 24/7-Erreichbarkeit in den nächsten Wochen, und drückte mir so ein unpraktisches Schiebeding in die Hand, das er nach einem Jahr nicht mehr brauchte, weil es mit seiner neuen Karre nicht kommunizieren wollte, was immer das bedeutet.
500 Euro hat es damals gekostet, als auf den Pressebildern Koreanerinnen damit lächend einem Gaga-Lifestyle zwischen Prada und Seoul Downtown frönten, heute ist es praktisch wertlos. Weil es Trümmer gibt, die noch mehr sinnlose Funktionen haben, die keiner braucht. 90% Wertverlust in 12 Monaten, das ist der ganz kleine, private Nemax-Crash für Millionen Deutsche, für ein bescheuertes Spielzeug, das sich nach drei Tagen älter anfühlt als alle Möbel, die ich habe, älter als das Haus, dessen Kern seit 700 Jahren steht und in 700 Handygenerationen noch immer stehen wird, weil die Zeit praktisch stillsteht für die Steine, das Holz und die Ziegel, und es hat was Beruhigendes zu wissen, dass mich das Haus genauso lässig überleben wird, wie ich das Handy. Und hoffentlich viele, denen die Fixierung auf so einen Plastikschrott den Blick auf das Grosse, Ganze, den Betrug, das Wahre, das Gute, das Böse und die Relativität der Zeit verstellt.

Letzte Woche gab es eine Situation, in der ein Anruf wichtig gewesen wäre. Nicht für mich, aber für einen Haifisch. Jedenfalls fand ich es bedeutungslos genug, um nicht anzuhalten und nach einer Telefonzelle zu suchen. Ich habe zwar ein Handy, aber ich war schon immer der schlechteste Kunde, den Vodafone je hatte, und seitdem das Handy kaputt und Anrufen nicht mehr möglich war, ging der Umsatz mit mir auf absolut Null. Handies sind einfach nicht mein Ding.
Der Haifisch tobte, ich giftete zurück, wir schrien uns ein wenig an und schoben grosszügig Schuldpakete hin und her, bis sie letztlich ganz zerfasert und hässlich waren, und machten dann woanders weiter. Ich jedenfalls, sagte ich, würde wegen diesem Unsinn keinesfalls irgendwelchen Telcos Geld in den Rachen schmeissen, indem ich mir schon wieder so ein Ding kaufte. Ist ja schon schlimm genug, dass da dauernd einer anruft. Ich sei glücklich mit dieser Situation, auch wenn ich es dann nicht auflade und es konsequenterweise ohne Strom nicht mal mitnehme. Am Tag darauf, nach einer Besprechung, kam der Haifisch rüber, betonte die Notwendogkeit meiner 24/7-Erreichbarkeit in den nächsten Wochen, und drückte mir so ein unpraktisches Schiebeding in die Hand, das er nach einem Jahr nicht mehr brauchte, weil es mit seiner neuen Karre nicht kommunizieren wollte, was immer das bedeutet.
500 Euro hat es damals gekostet, als auf den Pressebildern Koreanerinnen damit lächend einem Gaga-Lifestyle zwischen Prada und Seoul Downtown frönten, heute ist es praktisch wertlos. Weil es Trümmer gibt, die noch mehr sinnlose Funktionen haben, die keiner braucht. 90% Wertverlust in 12 Monaten, das ist der ganz kleine, private Nemax-Crash für Millionen Deutsche, für ein bescheuertes Spielzeug, das sich nach drei Tagen älter anfühlt als alle Möbel, die ich habe, älter als das Haus, dessen Kern seit 700 Jahren steht und in 700 Handygenerationen noch immer stehen wird, weil die Zeit praktisch stillsteht für die Steine, das Holz und die Ziegel, und es hat was Beruhigendes zu wissen, dass mich das Haus genauso lässig überleben wird, wie ich das Handy. Und hoffentlich viele, denen die Fixierung auf so einen Plastikschrott den Blick auf das Grosse, Ganze, den Betrug, das Wahre, das Gute, das Böse und die Relativität der Zeit verstellt.
donalphons, 22:44h
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Wieso sagt einem das keiner?
Dass heute Feiertag ist. Ich stehe viel zu spät auf mit der Alptraumvision, dass die Karre noch im tagsüber geltenden Parkverbot steht, renne los, denn die Büttel sind hier gnadenlos, hüpfe ins Auto, fahre zum Leitinger wegen der Farbe, wundere mich schon, warum hier nichts los ist ... Maria Himmelfahrt. So ist das, wenn man nicht der Mehrheitsgesellschaft angehört, keiner 9-5-Beschäftigung nachgeht und sonst jeder glaubt, dass es jeder wissen muss. Gilt natürlich nur in Bayern und ähnlich zurückgebliebenen Regionen.
donalphons, 15:06h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 15. August 2006
Für die Gäste
Schlafzimmer. Blick vom Bett aus.

Urlaub in der Provinz, anyone?

Urlaub in der Provinz, anyone?
donalphons, 01:26h
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Tanz den Bertolt
Er hat geschuftet und gelitten. Er hat Geld gemacht mit seiner Arbeit, nur um sich in einem jämmerlichen Kaff namens Mahagonny wiederzufinden, wo alles verboten ist, voller Regeln und Spiessertum. Gemacht werden die Regeln von den Dreckschweinen, die er finanziert. Die Frau liebt ihn vielleicht und sein Geld ganz sicher, und sie braucht Whiskey. Alkohol gegen die Enttäuschung, Betäubung für das hier und jetzt, und vor ihnen allen steht die grosse Katastrophe, denn es naht der Hurrikan, der sie und alles vernichten wir, die Reklame, die Kaschemmen, die Regeln und alle, die sich ihnen beugen.
Und dann steht dieser Paule Ackermann auf, während die anderen noch falsche Brüderlichkeit beschwören, die es hier nie gegeben hat, er steht auf und tritt die Regeln in den Staub, er schreit es heraus, sein Gift und seinen Hass, der Dämon spricht durch ihn die Wahrheit und das Vitriol, das auf immer das Antlitz des Jahrhunderts entstellen wird, er spritzt sich und allen und uns die Droge, die uns tanzen lässt, mich, Euch, uns verhurte Kinder der Auflösung aller Normen und Gesetze, wir klatschen in die Hände dazu und fordern alles für uns, die Ansprüche und die Gier sind unsere Gesetze, er sagt es für uns und die SS-Wachmannschaften, für die Partypeople und seinen Namensvetter an der Spitze der Türme, für die Raffzähne der VCs und die Raser auf der Autobahn, für den Dreck der PR und den Abschaum der institutionalisierten Bedenkenträger und die Kotze der Subventionsbetrüger und den Schleim der besseren Viertel mit ihren Steuersparmodellen, er brüllt es hinaus in die ewige Nacht über der Aufklärung und er tritt damit die Fresse der Lügenkirchen ein, denn wie man sich bettet, so liegt man, es deckt einen keiner da zu, und wenn einer tritt, dann ist er es, und wird wer getreten, dann sind es wir, und er stiefelt uns mit der Wahrheit, bis wir am Boden liegen und immer noch im Takt seines Schlachtgesangs zucken, denn er ist Paul Ackermann und der Teufel und der Heilige und Märtyrer unserer Zeit, die eintritt und gemordet wird für die Grösse des Schmutzes, für die Ehre der Mörder, für die Unsterblichkeit der Gemeinheit und für den Fortbestand des goldenen Zeitalters, und er also steht da vor uns, ganz allein, hört nicht auf die anderen und spricht Luzifers Abendlied und den Fluch aus, der uns für immer verfolgen wird:
Laßt euch nicht verführen!
Es gibt keine Wiederkehr.
Der Tag steht in den Türen,
ihr könnt schon Nachtwind spüren:
Es kommt kein Morgen mehr.
Laßt euch nicht betrügen!
Das Leben wenig ist.
Schlürft es in vollen Zügen!
Es wird euch nicht genügen,
wenn ihr es lassen müßt!
Laßt euch nicht vertrösten!
Ihr habt nicht zu viel Zeit!
Laßt den Moder den Erlösten!
Das Leben ist am größten:
Es steht nicht mehr bereit.
Laßt euch nicht verführen
Zu Fron und Ausgezehr!
Was kann euch Angst noch rühren?
Ihr sterbt mit allen Tieren
und es kommt nichts nachher.
Und während uns der Schmerz und die Sucht weiter makaber tanzen lässt, schreien wir zurück auf die Bühne zu Luzifer und Paul und seinem Schöpfer Berolt Brecht, dass es stimmt und nicht, denn auch 50 Jahre nach dem Tod tanzen wir immer noch, wir kennen das Lied, ohne es zu verstehen, es ist der Soundtrack unseres Lebens, wir bewegen unsern Arsch und tanzen den Kapitalismus und den Hedonismus, denn schlimm ist der Hurrikan und schlimmer ist der taifum, doch am schlimmsten ist der Mensch, der weiss, begreift und trotzdem nichts tut, wes es ihm und uns und allen scheissegal ist, aber trotzdem danke, dass es einen gibt, der uns aus den schmalen Bänden des Suhrkampverlages die Wahrheit gesagt hat und sagen wird, für diesen nie endenden Tanz der Moderne.
Und dann steht dieser Paule Ackermann auf, während die anderen noch falsche Brüderlichkeit beschwören, die es hier nie gegeben hat, er steht auf und tritt die Regeln in den Staub, er schreit es heraus, sein Gift und seinen Hass, der Dämon spricht durch ihn die Wahrheit und das Vitriol, das auf immer das Antlitz des Jahrhunderts entstellen wird, er spritzt sich und allen und uns die Droge, die uns tanzen lässt, mich, Euch, uns verhurte Kinder der Auflösung aller Normen und Gesetze, wir klatschen in die Hände dazu und fordern alles für uns, die Ansprüche und die Gier sind unsere Gesetze, er sagt es für uns und die SS-Wachmannschaften, für die Partypeople und seinen Namensvetter an der Spitze der Türme, für die Raffzähne der VCs und die Raser auf der Autobahn, für den Dreck der PR und den Abschaum der institutionalisierten Bedenkenträger und die Kotze der Subventionsbetrüger und den Schleim der besseren Viertel mit ihren Steuersparmodellen, er brüllt es hinaus in die ewige Nacht über der Aufklärung und er tritt damit die Fresse der Lügenkirchen ein, denn wie man sich bettet, so liegt man, es deckt einen keiner da zu, und wenn einer tritt, dann ist er es, und wird wer getreten, dann sind es wir, und er stiefelt uns mit der Wahrheit, bis wir am Boden liegen und immer noch im Takt seines Schlachtgesangs zucken, denn er ist Paul Ackermann und der Teufel und der Heilige und Märtyrer unserer Zeit, die eintritt und gemordet wird für die Grösse des Schmutzes, für die Ehre der Mörder, für die Unsterblichkeit der Gemeinheit und für den Fortbestand des goldenen Zeitalters, und er also steht da vor uns, ganz allein, hört nicht auf die anderen und spricht Luzifers Abendlied und den Fluch aus, der uns für immer verfolgen wird:
Laßt euch nicht verführen!
Es gibt keine Wiederkehr.
Der Tag steht in den Türen,
ihr könnt schon Nachtwind spüren:
Es kommt kein Morgen mehr.
Laßt euch nicht betrügen!
Das Leben wenig ist.
Schlürft es in vollen Zügen!
Es wird euch nicht genügen,
wenn ihr es lassen müßt!
Laßt euch nicht vertrösten!
Ihr habt nicht zu viel Zeit!
Laßt den Moder den Erlösten!
Das Leben ist am größten:
Es steht nicht mehr bereit.
Laßt euch nicht verführen
Zu Fron und Ausgezehr!
Was kann euch Angst noch rühren?
Ihr sterbt mit allen Tieren
und es kommt nichts nachher.
Und während uns der Schmerz und die Sucht weiter makaber tanzen lässt, schreien wir zurück auf die Bühne zu Luzifer und Paul und seinem Schöpfer Berolt Brecht, dass es stimmt und nicht, denn auch 50 Jahre nach dem Tod tanzen wir immer noch, wir kennen das Lied, ohne es zu verstehen, es ist der Soundtrack unseres Lebens, wir bewegen unsern Arsch und tanzen den Kapitalismus und den Hedonismus, denn schlimm ist der Hurrikan und schlimmer ist der taifum, doch am schlimmsten ist der Mensch, der weiss, begreift und trotzdem nichts tut, wes es ihm und uns und allen scheissegal ist, aber trotzdem danke, dass es einen gibt, der uns aus den schmalen Bänden des Suhrkampverlages die Wahrheit gesagt hat und sagen wird, für diesen nie endenden Tanz der Moderne.
donalphons, 14:47h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 13. August 2006
Nachdenkhilfe für Laberer
In meiner Schule gab es einen rabenschwarzen Geschichtslehrer, der, als es im Leistungskurs an die Behandlung von Waffen-SS und SS ging, so eine gewisse Art Oral History betrieb: Er erzählte, dass er Ende des Krieges bei der Waffen-SS war, und wir sollten nicht alles glauben, was da erzählt wurde. Keiner störte sich daran, dass dieser Herr und Geschichte vermitteln sollte, was in Bayern zu Zeiten des kalten Krieges und des nichtwarmen Bruders Strauss noch einen gewissen Indoktrinationsauftrag hatte, da wurde uns "Einsicht" vermittelt und "Verständnis" von Vorgängen, die dem Staat so passten und vielleicht weniger der Realität der jüngsten Geschichte. Dafür war dieser Herr durchaus prädestiniert, inclusive seinem Stolz, dabei gwesen zu sein.
Ehrlichkeit in Bezug auf Extremsituationen ist eher selten, das vereint Opfer und Täter, Mitläufer und Gegner. Vermutlich ist das Leben eines 16-jährigen, der sein ganzes bewusstes Leben der Indokrination der Nazis ausgesetzt war und der die Wahl hat zwischen freiwillig melden und zwangsrekrutiert werden, um sich in einem verlorenen Krieg umbringen zu lassen, so eine Extremsituation. In dieser Zeit war die Waffen-SS nicht mehr der politische Elitekader der kämpfenden Truppe, sondern ein Truppenteil, in den man ungeachtet der politischen Auffassung abgeordnet wurde. Natürlich gab es da nicht weniger Verbrechen; mit Panzern Kriegsgefangene zu überrollen, wie es die Waffen-SS-Abteilung "Hitlerjungend" 1944 bei der Invasion in der Normandie getan hat, ist ein Beispiel dafür, was frisch von der Schulbank kommende Kinder zu tun in der Lage sind.
Aber wie in jedem Fall gibt es keine Kollektivschuld, auch wenn das Wort Waffen-SS hoffentlich auf immer kollektiv Abscheu und Empörung hervorrufen wird. Sollte Günther Grass also jetzt die Wahrheit gesagt haben - in den allerletzten Kriegstagen zur sich auflösenden Waffen-SS-Abteiling Frundsberg abkommandiert und ohne Kampfhandlungen in Gefangenschaft geraten, was ich durchaus zu glauben bereit bin - bleibt allein die Frage, warum er es so spät zugegeben hat. Einerseits muss man es wohl respektieren, dass er hier offen und ehrlich ist, andererseits ist es doch recht spät und nicht wirklich sauber, angesichts dessen, was Grass über Verdrängung und Vergessen gesagt hat. Mir erscheint es weniger als moralisches Dilemma denn als Nullsummenspiel eines Autors, der bereits so über den Niederungen des Gekeifes seiner rechten Feinde steht, dass er sich und allen diese Wahrheit nicht mehr ersparen braucht.
Und sollte doch einer die Stimme erheben wollen aus dem braunschwarzen Sumpf, so sei ihm geraten, sich erst mal mit denen auseinanderzusetzen, die immer noch an den Legenden einer sauberen Wehrmacht stricken.
Ehrlichkeit in Bezug auf Extremsituationen ist eher selten, das vereint Opfer und Täter, Mitläufer und Gegner. Vermutlich ist das Leben eines 16-jährigen, der sein ganzes bewusstes Leben der Indokrination der Nazis ausgesetzt war und der die Wahl hat zwischen freiwillig melden und zwangsrekrutiert werden, um sich in einem verlorenen Krieg umbringen zu lassen, so eine Extremsituation. In dieser Zeit war die Waffen-SS nicht mehr der politische Elitekader der kämpfenden Truppe, sondern ein Truppenteil, in den man ungeachtet der politischen Auffassung abgeordnet wurde. Natürlich gab es da nicht weniger Verbrechen; mit Panzern Kriegsgefangene zu überrollen, wie es die Waffen-SS-Abteilung "Hitlerjungend" 1944 bei der Invasion in der Normandie getan hat, ist ein Beispiel dafür, was frisch von der Schulbank kommende Kinder zu tun in der Lage sind.
Aber wie in jedem Fall gibt es keine Kollektivschuld, auch wenn das Wort Waffen-SS hoffentlich auf immer kollektiv Abscheu und Empörung hervorrufen wird. Sollte Günther Grass also jetzt die Wahrheit gesagt haben - in den allerletzten Kriegstagen zur sich auflösenden Waffen-SS-Abteiling Frundsberg abkommandiert und ohne Kampfhandlungen in Gefangenschaft geraten, was ich durchaus zu glauben bereit bin - bleibt allein die Frage, warum er es so spät zugegeben hat. Einerseits muss man es wohl respektieren, dass er hier offen und ehrlich ist, andererseits ist es doch recht spät und nicht wirklich sauber, angesichts dessen, was Grass über Verdrängung und Vergessen gesagt hat. Mir erscheint es weniger als moralisches Dilemma denn als Nullsummenspiel eines Autors, der bereits so über den Niederungen des Gekeifes seiner rechten Feinde steht, dass er sich und allen diese Wahrheit nicht mehr ersparen braucht.
Und sollte doch einer die Stimme erheben wollen aus dem braunschwarzen Sumpf, so sei ihm geraten, sich erst mal mit denen auseinanderzusetzen, die immer noch an den Legenden einer sauberen Wehrmacht stricken.
donalphons, 18:31h
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