: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Dienstag, 31. Juli 2007

AOC oder warum die Milchteuerung gut ist.

Ich bin - inzwischen überzeugter - Vegetarier. Früher war es nur einfach, auf Fleisch zu verzichten, heute hebt es mich, wenn ich eine Fleischtheke mit Rinderhack sehe. Man muss sich das mal realisieren, was man da bekommt... bäh. Ich packe das nicht mehr. Dafür habe ich einen ziemlich hohen Milchprodukte- und Käsebedarf, angefangen beim Scamorza zum Frühstück über den Grana Padano für die Pasta bis zum nachmitternächtlich geschlachteten Gaperon, oder dem Roquefort zu Trauben vom Haus. Dazu Schmand, Quark, und Butter, von der ich meistens zwei Sorten habe. Beide sind sagenhaft im Geschmack und erheblich im Preis. Und bleiben es auch.



Denn mein Käsehändler hat keine Produkte, die irgendwie aus Molkepulver vom Weltmarkt gefertigt werden. Mein Käsehändler fährt selbst im Urlaub durch Europa, um Käsespezialitäten zu finden. Vor allem Käse, von dem er nicht nur den Hersteller und den Reifekeller und den Herstellungsprozess erlebt hat, sondern auch die Milch kennt. Die Milch ist etscheidend. Es gibt dort nicht irgendeinen Parmigiano, sondern den, bei dem die Milch aus einer sehr kleinen, klar definierten Region kommt. Manche Sorten sind Spezialitäten eines einzigen Herstellers, der die Milch nicht kaufen muss, weil er seine eigene Milch verwendet. Wie bei obiger Butter. Die ist AOC, sprich, da gibt es nachweislich kein Milchpulver vom Weltmarkt. Damit erzielt der Hersteller seit jeher seine Erzeugerpreise, und muss nichts erhöhen. Und damit bleibt mein Käsehändler nicht billig, aber preisstabil und hochwertig.

Wenn ich jetzt höre, dass der Dreck der Massenproduktion, aus billigster Milch der abartigen Massentierhaltung zusammengepanscht wird, teurer wird, dass man für "Parmesan", der kein Parmigiano ist und der allenfalls ein paar Wochen zum Nichtreifen hat, mehr bezahlen muss, wenn das Glump auf der Tiefkühlpizza dieselbe verteuert und der Verbraucher nicht mehr wie früher von den Zuständen der industriellen Tierhaltung profitiert, kann mir das nur recht sein. Es ist nämlich jetzt schon nicht billiger, denn kein Supermarktschimmelkäse wird je die sanfte Geschmacksfülle besitzen, die meinem Gorgonzola D.O.C. aus Brescia entstammt. Man bekommt für das gleiche Geld im Supermarkt mehr, aber man muss auch mehr für einen ähnlichen Geschmack nehmen, und das wiederum macht die Saucen fett und schleimig. Kein "Frischkäse", egal wieviel man davon auf ein Brot kippt, wird je die Frische meines St. Ceols haben, und nichts wird je so an Korsika erinnern, wie die Kräuterkruste auf dem Fleur de Marquis.

Wenn der gepanschte Essmüll, der aus dem Milchpulver der ganzen Welt geronnen ist, in Fabriken, die ihre Arbeiter wie den letzten Dreck behandeln und nur die Rendite kennen, teurer wird - super! Richtig so! Zahlen sollen die Idioten, die hirnlos Fette in sich reinschieben, damit sie irgendwas schmecken! Dann begreifen sie vielleicht, dass echter Käse gar nicht mal so viel teurer, aber unendlich besser ist.

Vermutlich jedoch greifen sie dann eher zum billigsten Rinderhack, oder einer Tüte Chips. Das ist das Drama: Alles hat seinen Preis in der Marktwirtschaft, jeder Kauf entscheidet darüber, wie wir leben, und jene, die am wenigsten haben, sind gleichzeitig diejenigen, die mit der Kaufentscheidung dafür sorgen, dass es weiterhin Dampf für die Maschinerie des Niedergangs gibt. Der Hartz-IVler nimmt Bröselfleisch für 39 Cent, die Elitesse zahlt etwas mehr für die 99Cent-Tiefkühlpizza und verzichtet auf das normale Kochen, damit sie sich noch die Fluppen leisten kann. Bis zur nächsten Preiserhöhung.

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Es ist ganz einfach

Meir ist Jude. Kein Problem. Na klar, was sonst. Es gibt keinen Grund, sich dafür zu schämen. Und jetzt drehen wir das Spielchen mal um:

Der Juden-Meir.

Sage mir das Meir einer ins Gesicht, und erlebe er nonverbale Kommunikation in seine Arier-Fresse. Besonders, wenn der den "Juden-Meir" in einer bekanntermassen wenig politisch ausgewogenen Gosse aufgesammelt hat. Ok, vielleicht gibt es nicht direkt Mossad-Action für SSlers Enkel, aber wenn wir das Fass der Rassen schon aufmachen, dann eben Arier-Irgendwas. Auch nicht nett, oder? Würde sich jemand wundern, wenn er dafür im Blog eine Abmahnung kassieren würde? Selbst, wenn das Neger-Jude-Arier-Wasauchimmer der ein oder andere Freund im Scherz sagen dürfte? Und wer würde sich dann nicht damit rauszureden versuchen, es nicht "so" gemeint zu haben?

Klar. Es gibt keine Nazis, kein rassistisches Gedankengut, nie, auch die Nationalzeitung weist dergleichen weit von sich. Kennt man. Man vermeidet das, indem man, wenn man schon Terminologien von Rassen bemüht, auf der sicheren Seite hat. Es ist ok zu sagen, das XY die und jenigen Vorfahren hat. Mal ganz ehrlich, Neger und Jude ist immer noch Gold gegen landläufige Arier! Da hilft es dann auch nichts, wenn der Arier-Wasauchimmer so tut, als würde er afroamerikanische oder jiddische Kultur toll finden.

Ihr könnt bei dem Spiel nur verlieren. Gewinnen kann dabei ohnehin keiner. Insofern wäre ein wenig Einsicht und Zurückhaltung jetzt sehr wünschens- und empfehlenswert.

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Montag, 30. Juli 2007

Empfehlung heute - Ich lese Blogs,

um andere Welten und Erfahrungen kennenzulernen. manchmal sind sie nicht sehr anders.



So einen Himmel gibt es mitunter auch über der Reeperbahn. Anderes, was Matt Wagners Weg an der Reeperbahn kreuzt, gibt es bei uns jedoch nicht.

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Real Life 27.07.07 - Die Diebin

Du öffnest die Haustür, und die Diebin geht über die Strasse, direkt auf dich zu. Sie hat diesen gierigen Blick, der dich im ersten Moment irritiert, denn sie will etwas haben, und ausser dir und dem Haus ist hier nichts. Aber es ist schön, dass sie kommt, denn sie ist sehr hübsch, dunkler Typ, und in hellen Brauntönen bekleidet und mit einer Perlenkette geschmückt, die ihre Haut, von der sie einigs zeigt, gut zur Geltung bringt. Von so jemandem lässt man sich gerne mit Gier anschauen -

bis sie dich erst bemerkt. Denn jetzt erst sieht sie dich direkt an, sie hatte etwas anderes im Blick, was knapp neben dir ist und das all ihre Aufmerksamkeit fesselte. Sie sieht dich, und hält kurz inne. Auf der anderen Strassenseite stehen zwei ältere Herrschaften, vielleicht ihre Eltern, und schauen peinlich berührt dem Spiel zu, das sich da auf der Strasse entwickelt. Mit ihren flachen, aber sehr hübschen Schuhen geht sie nun eher bedächtig weiter, kommt auf dich zu, lächelt wie eine Ehefrau, deren Mann sie mit dem 361. Liebhaber erwischt hat, und fragt:

Äh- darf man hier die Trauben probieren?

Natürlich, sagst du, nehmen Sie, und lässt dir das Wissen nicht anmerken, dass sie einfach geklaut hätte, wärest du nicht durch die Tür gekommen. Und dass sie deshalb keinesfalls dich gierig angeschaut hat, sondern die Früchte der Weistöcke am Stadtpalast.

Wirklich?

Natürlich, bitte, wenn ich es sage -- es ist schliesslich mein Weinstöck.

Danke!, sagt sie strahlend, dreht sich um, und du empfiehlst ihr, sich lang zu machen und eine Traube zu greifen, die weit oben im Sonnenschein hängt, die bereits all die Süse des fast italienischen Lichts in sich aufgesogen hat. Da oben.



Und während sie also deine Trauben raubt, betrachtest du mit Vergnügen ihr wohlgeformtes Profil, ihre straffen und dennoch sehr angenehm gerundeten Erhebungen, die sich dergestalt nach oben gestreckt überdeutlich unter dem leichten Stoff abzeichnen, und kommst zum Schluss, dass sie wirklich eine sehr schöne Diebin ist. Sie klaut eine Traube, steckt sie in den Mund - und ist sehr angetan.

Du verabschiedest dich mit einem Lächeln, nickst den in Scham erstickenden Eltern höflich zu, gehst deiner Wege, und an der Ecke siehst du noch, wie sie mit ein paar Trauben in der hand grazil über die Strasse tänzelt, und die Perlenkette schwingt über ihr Dekolleté.

An der Uni testen sie gerade Nachwuchselitessen, Sachbearbeiter in spe, bessere Mütter, die ihren Familienwunsch noch nicht erkannt haben, und andere Möchtegernheuschrecken, stelltest du dann gestern fest.

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Sonntag, 29. Juli 2007

Pretty in Pink

Da war diese Fliege. Fliegen bewegen sich dreidimensional fort. Und ändern mitunter so spontan und hektisch ihre Richtung, dass andere fliegende Tiere nicht folgen können. Besonders, wenn die Schwerkraft mittelfristig ihre ganze Wirkung entfaltet. Katzen etwas können sich nur begrenzt in der Luft halten. Wenn sie also einer Fliege hinterherspringen, sollten sie nicht enttäuscht sein, wenn sie sie nicht fangen. Das Gefühl der Enttäuschung wird jedoch sicher kompensiert, wenn die Flugbahn der Katze beim Verfolgen der Fliege über den im Garten befindlichen Tümpel führt. Den bislang noch keine Katze überspringen konnte.



Was das junge Luxusgeschöpf heute gelernt hat. Schwimmen kann sie übrigens auch nicht. Meine Schuhe und Hosenbeine rochen dann nach Algen, und es dauerte etwas, bis sie und die Katze wieder trocken waren.

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Die Nöte der reichen Herrschaften

Es gibt in dieser Stadt ein gutes Viertel, und es heisst das alte Westviertel. Das alte Westviertel jedoch ist nicht ein Viertel, sondern ein Nebeneinander tiefer Gegensätze. Da schaut der zugewanderte Manager der Weltkonzerns von seinem Toskanabalkon nach der Geschäftsreise zu den chinesischen Mördern verständnislos hinunter in einen Obstgarten des hiesigen Elektroinstallateurs, der das teure Grundstück auch weiterhin nur als Parkgelegenheit seiner alten SLs und zum Lesen in seinem billigen Liegestuhl nutzt. Da gibt es eine Arzt mit Biofimmel, der ein komplettes Luxusgrundstück zum Hegen seiner Ziege nutzt, und den Chefarzt, der das angrenzende Grundstück nur gekauft hat, um es jetzt verwildern zu lassen und damit die Ansiedlung eines etwaigen Nachbarn zu verhindern, weil er auf der anderen Seite seiner Villa genug von Leuten hat, gegen deren übergreifende Obstbäume er prozessiert.

Die grösste Kluft aber, die jedermann ersichtlich ist, liegt jedoch im Bereich eines zugeschütteten Altwassers innerhalb des alten Westviertel, das wegen des sumpfigen Grundes und der Überflutungsgefahr einmal alle 7 Jahre während des Jahrhunderthochwassers nicht bebaut werden kann. Ein Wiesenstrich also trennt teilt das Gebiet in zwei Bereiche, das eine näher am Tennisplatz, das andere fast direkt am See. Dazwischen ist Brachfläche, ein Acker, eine Wiese, die die hiesigen Katzen und Hunde lieben, sowie ein Erdbeerfeld und das Areal einer Freilandgärtnerei, der die Hiesigen ihre im sumpfigen Boden bestens gedeihenden Urwälder verdanken, wenn sie nicht gerade solche Golfrasenfetischisten und AutobahnzurGarageAnleger wie die Nachbarn meiner Eltern... wie gesagt, es gibt hier auch noch andere Gräben.

Man ist hier, im besten Viertel, im einzigen Viertel, in dem man wohnen kann, und das in einer der reichsten und dynamischten Grossstädte der Republik, auf den ersten Blick ansonsten frei von Sorgen. Tempo 30, ein eigener Schulbus und so viele Zivilstreifen, dass man sich einen eigenen Wachdienst sparen kann. Jeder kennt hier jeden, man passt bei allen Gegensätzen aufeinander auf, und wenn nicht gerade der zugedröhnte Sohn nach einer wilden Party im Winter aus einem Auto geschubst wird, um vor dem Gartentor dann zu erfrieren, kann nicht allzu viel passieren. Ausser...

Ausser, die Stadtverwaltung kam zum Schluss, dass so ein Viertel für die diversen, hier geleerten Weinflaschen auch ein Container stehen sollte. Es gibt in der Altstadt drei exzellente Weingeschäfte, die ihre Kundschaft vor allem dem Westviertel verdanken. Wenn der Wein nun, sei es mit dem alten Rad oder dem alten Alfa Spider oder dem brandneuen R8 nach Hause gebracht wurde, bei einem der vielen Gartenfeste geleert wurde, ging die Flasche zu einem ganz bestimmten Punkt: Dem sternförmigen Zusammentreffen von vier unterschiedlichen Strassen, die das ganze Viertel sowie die etwas schlechtere Ecke nördlich davon - weder mit See und Tennisplatz, lediglich mit einem Weiher und einem Reitgestüt und von Anwälten verseucht, die im Miami Vice Stil bauen. Und diese Strassenkreuzung lag inmitten des Tennisbereichs des Westviertels. Was die Folge hatte, dass dort tagsüber durch die Gärten so manches Geklirre ertönte.

Die Bewohner des Tennisbereichs argwöhnten nun schon etwas länger, liessen es bei Gesprächen einfliessen, deuteten es beim Ratsch über Muckimänner für Gartenarbeiten und die Unopiu-Trends des Frühlings an, kamen beim Gespräch über in Internate verfrachteten Nachwuchs mit leichten Gesetzesproblemen darauf zu sprechen, dass es doch sehr ungerecht sei: Sie hätten all den Lärm und die Belästigung, während im Seebereich allein getrunken werde. Das sei ungerecht, die einen geniessen und die anderen werden gestört. Die Bewohner des Seebereiches jedoch wiesen jeder Verantwortung von sich, so präferierten sie nämlich am See einen weiteren Altglascontainer, der ausser den daneben grillenden, spiessigen Minigolfern, die sowie nicht von hier sind, niemand störe. Der Altglascontainer des Tennisviertels sei allein deren Problem. Und weiter hallte das Geklirr durch weitläufige Gärten und über Veranden, bis nun die Stadtverwaltung, genervt von den dauernden Eingaben und drückenden Pausengesprächen im Konzertverein, in ihrer unendlichen Weisheit eine Lösung für das drängende Problem gefunden hat.



Im Bereich zwischen den beiden über den Glascontainer verfeindeten Fraktionen, entlang der sauber begrünten Strasse, die die Getrennten verbindet, und die eng und ohne Parkplätze ist, wurde nun ein Stück Wiese zubetoniert. Und dort, inmitten der grünen, saftigen Wiese, für alle ausser Hörweite und gleichzeitig zur optischen Verschandelung einer topfebenen Landschaft, ist nun der neue, grosse Glasontainer zu finden. Fährt die Tennisfraktion zum See, muss sie ihn genauso sehen wie die Seefraktion auf dem Weg in die Innenstadt.

Nur die Kinder werden wie eh und je über den Feldweg radeln, über dem im Sommer die Fasane knallend auffliegen, sich dann entlang der Strecke sammeln und vielleicht hoffen, dass sich da vorne jemand für erste sexuelle Erfahrungen findet, über den trennenden, containerbestückten Abgrund hinweg, denn trotz allem kennt man ja sonst niemanden, und schon gar nicht, wenn sie in den Blocks wohnen, wie das manche Menschen wohl tun, die aber auch andere Probleme haben, als die Frage, wo der Container stehen soll.

aus der reihe: die nächste bloglesung kommt bestimmt.

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Samstag, 28. Juli 2007

Empfehlung heute - Es gibt Dinge, die ich brauche

Und weil ich sie brauche, beschaffe ich sie mir. Ich weiss schon, wie das geht. Ich finde einen Weg, und höre auch auf wohlmeinende Empfehlungen. Das macht mich zu einem zufriedenen Menschen.



Und es gibt Dinge, die ich nicht brauche. Verarsche, Propaganda, PR, Lüge, alles überflüssig. Und Thilo Baum erklärt auch anschaulich, warum das so ist, und warum Werbung und PR keinerlei Schutz verdienen.

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Zur Feier des Tages

Ich habe durch ein Blog Geld verdient. Gar nicht schlecht. Und es war nicht mal mein eigenes Blog. "Verdient" ist jetzt vielleicht ein bisschen viel gesagt, denn eigentlich habe ich lediglich für verletzte Bild- und Persönlichkeitsrechte Geld bekommen. Und da kommt auch noch mehr. Das kann man feiern.



Gestreifte Triangoli mit praller Gorgonzolafüllung (aber hallo!) mit in französischer Butter gedünsteten Pfifferlingen mit Grana Padano und Zafferano, serviert auf Hutschenreuther Margarete mit Tafelsilber um 1780. Ich bin mir recht sicher, dass es dergleichen in Berlin bei Vanity Fair in der Kantine nicht gibt. Da hört man übrigens so von bevorstehenden Turbulenzen, die in den nächsten zwei Wochen öffentlich werden sollen - also, sagt man.

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Real Life 26.07.07 - Waffenruhe

Rechts, über dem Bildrand hinaus, ist das Gymnasium. Das heute das Schulfest veranstaltet. Mit seltsamer Beharrlichkeit zwingen diejenigen, die damals diese Knochenmühle gehasst haben, heute wieder die eigenen Kinder zum Erlernen seitdem nicht lebendiger gewordener Sprachen, auch wenn sie selbst das Wissen um die Antike zwischen Managerjob, Haushalt und Brut längst vergessen haben. Und es war keine gute Idee, mit Iris daran vorbeizugehen. Es war - ein unglücklicher Zufall.



Da trefft ihr nämlich die Mütter. Die es euch dann spüren lassen, dass sie zumindest das aus ihrem Leben gemacht haben. Nicht alle sind so. Aber doch einige. Man muss nicht mal reingehen, die stehen auf der Strasse davor und tauschen sich über die Zukuft der Blagen aus. Kein Wort mehr darüber, dass sie selbst in Studiengängen verfrachtet wurden, die sie genauso wenig mochten wie die aufgeblasenen Lehrkräfte, die sich auf ein Bild der Antike etwas einbildeten, das nicht mal bis zu Beasleys Vasenkunde vorgedrungen war. Aber immerhin, hier, in diesem Kontext ist das immer noch im Rahmen. Und wer rausfällt, nun.

Letztlich ist so ein Balg doch auch nur die Eintrittskarte in die Rundumgesellshaft, giftet Iris und nimmt, ohne zu fragen, das letzte Stück Zwetschgendatschi. Mit einem Balg kann man wieder auf der Empore des Tennisclubs sitzen. Auf Schulfeste gehen. Dauernd Chichi kaufen, und mit anderen Müttern über den richtigen Chichi sprechen. Es ist eine Lebensaufgabe.

Svegliatevi nel core
furie d'un alma offesa
a far d'un traditor
aspra vendetta!


schmettert Marianne Rørholm als Sesto in den Abendhimmel und übertönt mühelos den Krach aus dem Schulhof. Du schaust die feinen Rippen der Wolken an und überlegst, woran sie dich erinnern. Vielleicht an den nackten Rücken von A., die schon damals dünn war und seitdem nochmal abgenommen hat. Oder an die Falten um die Augen der H., die jeden Glanz verloren haben. Und blauer als die J. vorhin kann der Himmel auch nicht sein. Vermutlich wirst du dann am Sonntag nach dem Konzert erfahren, an wen sie sich rangeschmissen hat. Sie hat schon damals nichts vertragen. Das Silbergrau der Wolken wächst, breitet sich aus und legt sich wie ein Bleideckel über das Firmament.

Du möchtest jetzt auch irgendetwas Gehässiges sagen, aber irgendwie bist du gerade sehr glücklich, dass du nicht da unten bist, und eine Frau wie Iris auf der Dachterasse sitzt und meint, dass ein klein wenig Zucker zu viel drauf war.

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Freitag, 27. Juli 2007

Manche sagen,

dass werbende Blogger unabhängig sind in dem, was sie schreiben. Manche sagen auch, dass gekaufte Beiträge immer noch unabhängig sind und ihre Autoren tun können, was sie wollen.

Ich hingegen sage, dass man nicht mehr frei in seinen Entscheidungen ist, wenn man erst mal gekauft wurde. Denn wenn man mit runtergelassener Hose erwischt wird, kommt man um ein paar verfrühte Erklärungen nicht herum.

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Empfehlung heute - Endzeitstimmung

für das Medium Radio findet man in einem zweiteiligen Beitrag von Horst Müller bei Blogmedien.de. ihr wisst schon, Radiojournalismus, das ist das Unterhaltungsdingens, bei dem alles Ernste aus dem dra-Ticker geschmissen wird, der Rest wird vermoderiert und dazu gibt es Gags aus der Retorte zusammen mit den besten Hits der 70er, 80er und so weiter...

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3,33 Euro pro Bild, Texte für Lau

Hier ist The Good, da ist The Bad, und über das Ugly müssen wir mal reden. Am besten jetzt.

Wie oben zu sehen ist, war ich bei den 2000 Kilometern durch Deutschland. Schon etwas früher, bevor die Autos kamen, um den idealen Ort für Bilder zu finden. Möglichst wenig Leute, die reinlaufen können, möglichst hübsche Gebäude als Hintergrund, gute Lichtverhältnisse. Solche Ecken sind nicht allzu häufig, und so kam es, dass auch andere an der Stelle, die ich bezogen hatte, aufkreuzten. Ich hätte zwar was Journalistisches machen können, hatte aber keine Lust, denn man kann dort schlecht Interviews führen, und die üblichen Blabla-Texte wollte ich nicht schreiben.

Die anderen waren von den Medien. Unter anderem der Photograph einer Lokalzeitung. Und der plauderte aus, was man in einer der reichsten Regionen des Landes so verdient, wenn man eine Photostrecke für das Internet mit 30 Bildern abliefert: 100 Euro plus Fahrtkosten. Das macht 3,33 Euro pro Bild inclusive bearbeiten, framen und verschicken. In diesem Fall hat seine Zeitung sogar nachgedacht, ob sie nicht einen Streckenposten zum Knipsen anheuern können, der es für die Nennung seines Namens tut. Erst, als sie den nicht fanden, haben sie ihren Mann losgeschickt.

Man muss da erst mal hinfahren, vorher da sein, warten, dann kommen 100 Minuten Stress, echte, harte Arbeit am Auslöser. Es ist ja nicht so, dass man einfach mal abdrückt, und dann passt alles. Genau den richtigen Moment zu erwischen, wenn sich die Kirche im Lack spiegelt, der Fahrer herschaut, der Wagen beschleunigt, dazu noch den richtigen Winkel mit nicht zu viel Zoom - wenn es gut sein soll, ist das ein Knochenjob, danach ist man reif für drei Stück Torte.



Danach zurück, und selbst wenn man Profi ist, sitzt man an 30 Bildern locker 2 Stunden. Alles zusammen ist man den ganzen Tag beshäftigt, und ich glaube nicht, dass man danach nochmal raus kann, zum Ortstermin beim Schützenverein. 100 Euro, davon gehen noch alle möglichen Abgaben weg. Und das für einen Tag Arbeit.

Demnächst auch noch durch Konkurrenz der Deppen, die sich mit betrügerischen AGB ausnehmen lassen. Oder durch Übernahme von Bildern durch Pixelquelle und andere Kostenlos-Angebote. Das ist die nicht existierende Zukunft des Berufs. Kein Wunder, dass viele in PR und Corporate Publishing gehen. Besser als verhungern allemal.

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Donnerstag, 26. Juli 2007

Datschidämmerung

Ein Wunder. Obwohl in meiner bevorzugten Radiostation ausgerechnet die Tonsuppe der Meistersinger von Ritschie "Ich wäre auch dabei gewesen" Wagner übertragen wurde, ist der Datschi gelungen.



Ich spiele jetzt mit dem Gedanken, mir für solche Momente einen Tivoli-CD-Player zu holen. Luxus, an und für sich reicht beim Kochen bayern4klassik, aber in solchen Momenten ist es unverzichtbar. In der Pause dann ein Interview, bei dem diese Oper unter den Nazis "missbraucht" wurde - obwohl die Nazis sehr genau verstanden und umgesetzt haben, wie Wagner tickte - hat überraschend nicht die Zwetschgen sauer werden lassen. Mich durchaus. Und ich wüsste gern mal, wieso jeder andere antisemitische Dreck dieser Epoche verboten ist, dieses drittklassige Haus, das das Bayreuth der Markgräfin Wilhelmine verschandelt, aber weiterhin staatlich gefördert staatlich gefördert neue Republiksbanausen mit dem alten Bullshit füttern darf. Ein Löfferl Antisemitismus für den kleinen Edmund, ein Löfferl Reaktion für das Angela, und ein paar alttoitsche Tugenden für den fastpensionierten Talkshowgockel.



Selten habe ich so genervt auf den Moment gewartet, bis sich der lockere Teig genau mit der richtigen Menge Fruchtsaft vollgesogen hat. Und dann nichts wie raus auf die Dachterasse, und zum Lichtkonzert Händels Giulio Cesare, und ein Hohnlachen denen, die im Bayreuther Loch der Schande die Ausdünstungen der anderen ertragen müssen.

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Empfehlung heute: Nehmen was man kriegen kann

Und seien es nur ein paar Zeilen. Denn von den Reichen kann man das Sparen lernen. Wie das geht, zeigt Phil mit dem VC Sequoia Capital als Geber und sog. "Vorzeigegründern" als Nehmern.

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Mittwoch, 25. Juli 2007

Holgis Liebling

findet sich in der zweiten Tranche des Berichts über die 2000 Kilometer hier im GTBlog.



Nachdem ich heute ein ziemlich dickes Rohr entrostet habe, ist mein Verlangen nach Altmetall jenseits der Bilder etwas rückläufig.

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Empfehlung heute: Sieh an, ts ts

"Der Sender „Telemedial“ ist wie der Marktführer „Astro TV“ ein einziges, mit Schicksalsglauben verbrämtes Abzockunternehmen."

Bei der FAZ knöpft man sich Astrosendungen vor. Das wird der hier unerwünschte Blogger und Questico-Mitarbeiter Jochen Reinecke möglicherweise aber gar nicht gerne lesen.

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5 Minuten

Vorne an der Strasse war bis vor kurzem eine, sagen wir mal, für hiesige Eingeborene erstaunliche Restaurantidee zu bestaunen: Ein Südsee-Restaurant. Neben der billigen Deko aus Plastikpalmwedeln, roh gezimmerter Einrichtung und nicht ganz billigen Cocktails wartete es mit einer Besonderheit auf: Wenn das Essen beim Business Lunch nicht innerhalb von exakt 5 Minuten auf dem Tisch stand, wurde nichts berechnet.

5 Minuten; wenn man davon den Weg der Bedienung - bauchfrei, blond, Typus Elitesse mit kleinem Geldproblem - abzieht, bleiben vier Minuten, dann hat auch niht jeder in der Küche sofort Zeit, bleiben drei Minuten. Das Restaurant zielte meines Erachtens nicht auf mich ab, wie sein Vorvorvorvorgänger, das Wiener Cafe, das an dieser Stelle schon stand, als meine Grossmutter noch ein Kind war, und das ich während der Schulzeit ebenfalls frequentierte. Zielpublikum war die von Auswärts kommende Funktionselite, die wenig Zeit hat. Und die in meiner Vorstellung tatsächlich den Quartz-Chronographen, gern von einer Firma, die alte Uhrenmodelle kopiert, einschaltet, und jede Minute schaut, ob es jetzt klappt mit dem kostenlosen Essen.

Zeit ist Geld, und demzufolge sollte eigentlich klar sein, wie wenig Geld dann läppische 5 Minuten sind, und was da wegen einer weiteren Minute wertlos verschenkt wird. Ich befürchte aber, dass die Altstadt auf dieses Publikum wenig Reiz ausübt, das lieber irgendwo an der Ausfallstrasse in einem schwarz gehaltenen Restaurant neben dem Einkaufszentrum Sushi isst. Vor ein paar Wochen jedenfalls verschwand das Plakat von der Fassade, das schnelles Essen für schnelle Leute ankündigte, die vermutlich auch schnell schlingen und schnell wieder weg sind und anderen schnellen Leuten Platz machen. Und nun sind die Fenster verhängt, und laut Ankündigung dürfen wir uns hier auf den 2.856sten modernen Italiener freuen, Codename "Classico".

Vielleicht, wenn sie dann alle hektischen Gastroideen durch haben, könnte man wieder ein Wiener Cafehaus machen? Erstaunlicherweise halten sich hier die Cafes nämlich mitunter seit Dekaden. Und wer keine zeit hat, mag sich bitte an der Ausfallstrasse schnell einen Häckselfisch hinter die Kiemen schieben, das tut es auch, und dazu muss man nicht in eine Stadt, deren Schönheit man so huschhusch ohnehin nicht versteht.

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Dienstag, 24. Juli 2007

Empfehlung heute: Das Dilemma

der modernen Literatur angesichts des Elends des modernen Mittelstandes beschreibt Modeste so eindringlich, wodurch man Lust bekommt, demnächst wieder eine höchst steife Einladung rauszuschicken, im Wissen, dass es ein ganz katastrophales Dinner wird, aber dann kann man darüber etwas anderes schreiben.

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Länder- und Veranstaltungsvergleich.

Mit viel historischem Blech drüben im GTBlog.

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Galgen- und andere Vögel für das Tontaubenschiessen

Ich bin kein Freund der gefiederten Ratte der Lüfte, auch bekannt als Stadttaube. Der Umstand, dass der mensch sich das Vieh als Delicatesse des Mittelalters selbst in die Städte geholt hat, kann micht mit dem Vieh auch nicht versöhnen. Schliesslich ist es mein Stadthaus, das von dem Getier als Stützpunkt erwählt wurde, mit allen unangenehmen Folgen, die sich durch das Unverständnis von Besitz und Eigentum erklären. Tauben sind dreist, ficken öffentlich und sind dennoch grauslig monogam, werfen mehr Brut als ein ganzes Kinderwagengeschwader in Berlin Mitte 9 Monate nach dem verlorenen Halbfinale, latschen durch meine Wohnung und benehmen sich auch ansonsten unter aller Kanone. Womit wir beim Thema "Abschiessen" sind.

Nicht im Sinne von Abmurksen. Das widerlichste an den Viechern, der Umstand nämlich, dass die radikale Sekte der Katholizisten ausgerechnet diese unarten- und bazillenverseuchte Brut als Inkarnation ihres sog. "Heiligen Geistes" erwählt hat, ist nicht von ihnen selbst verschuldet. Weshalb ich nicht nach gutem grossväterlichen Herkommen zur Büchse greife, sondern lediglich zur Kamera.



Denn obwohl angeblich die göttliche Produktionsnummer der Taube exakt zwischen dem Österreicher und dem Preussen als Solchem liegen soll, hat sie gegenüber ihren nächsten Verwandten einen Vorteil: Sie eignet sich vorzüglich zum Üben mit der Kamera, während die anderen beiden lediglich statische Dirt Pucture Contest Beiträge liefern. So eine fliegende Taube ist verflucht schnell. 30 Zentimeter lang, 60 km/h schnell, hohe Beschleunigung, und das alles innerhalb von drei möglichen Dimensionen. Um mal zu vergleichen: Selbst wenn sie strikt geradeaus fliegt, ist es schwerer, eine Taube aus 20 Meter Entfernung scharf abzulichten, als einen Formel1-Renner aus 60 Meter Entfernung mit normaler Rundengeschwindigkeit.

Umgekhrt bedeutet das: Wer Tauben und ähnliche Viecher im Flug erwischt, sollte mit Autos kein Problem haben. Vögel eignen sich also vorzüglich, wenn es um das Training des Auslösefingers, des Erfassens einer Szene und der generellen Entscheidungsfreudigkeit geht. Und genau das brauche ich, wenn es um vergleichsweise lahme Autos geht, die sich neben der Beschleunigung und dem Abbremsen nur sehr begrenzt in einer Dimension bewegen können. Schon bei der Mille Miglia hat sich das bewährt, denn damals wartete jemand in Deutschland mit einem Überweisungsformular auf die Bilder. Und heute, wenn die 2000 Kilometer durch die Provinz rollen, geht es wieder um das Ganze. Kein Vogel war dieses Wochenende vor mir sicher.



Und Sie, werter Leser, der Sie zur Beruhigung Ihrer besserverdienten Anlegernerven nach einer Möglichkeit des Investments suchen: Kaufen Sie sich einen schönen, alten Wagen, und machen Sie damit ein paar Rallyes mit, oder ein paar Ausfahrten ins Grüne. Das Leben kann so schön sein, bleiben Sie auf kurvigen Nebenstrecken, und leihen Sie den Wagen auch mal ihren Kindern zu Ausfahrten. Selbst Spermaflecken auf dem Rücksitz ihres alten, 400er Ferraris bekommt man wieder weg. Geniessen Sie Ihr Leben und das Wohlergehen Ihrer Liebsten, und nehmen Sie dann mit einem Lächeln zur Kenntnis, wie es Ihrem Nachbarn mit der neuen S-Klasse ergeht, der in die Immobilien ging und sowas über Doba oder, wirklich zur allgemeinen und auch meiner Fassungslosigkeit, aktuell über das Umfeld der Fundus-Gruppe (bekannt durch den China-Club und Heiligendamm) lesen muss. 9 Millionen futsch. Einfach so. Nicht aufgepasst. Dafür bekäme man hundert pefekt restaurierte Lancia Aurelias B20 GT mit Alukarosserie und genug Geld, um den Rest des Lebens jedes Jahr an der Mille Miglia teilzunehmen. Und der Osten, mei, der hätte so oder so nichts davon, also keine Scheu, greifen Sie zu - und überfahren Sie bitte nicht den netten Bayern mit dem grossen Rohr am Strassenrand, der tut nur seine - das sei in diesem Kontext als Auszeichnung hinzugefügt! - ehrliche Arbeit.

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