Montag, 23. Juli 2007
Auf dem Rückzug

Nur hatten die damals keinen frischen Zwetschgendatschi und keine feine Tasse Tee beim Beobachten. Sage noch einer, es gebe keinen Fortschritt der Menschheit.
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Empfehlung heute: Terrorgefahr
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Wiavui?
Und ausserdem ist 30 mein Limit. Und da bin ich gnadenlos, denn erst, als ich shon weitergehe, geht er dann doch darauf ein. ich zahle, hebe den Spiegel hoch und lächle ihn tapfer an, obwohl mir eher zum heulen ist, denn schon beim ersten Anfassen an der Seite verwandelt sich der Rahmen in matschige Brösel. Stuckspiegel darf man nie im Regen stehen lassen, und genau das ist dem Händler passiert. Unter dem Spiegel, auf dem Tapeziertish, breitet sich ein bräunlicher Tümpel aus. Auf dem Weg zum Auto versaue ich mir damit die Jacke, das Hemd, die Hände, alles voller abblätternder Stuckbrösel.

Das wird ein lustiges Puzzlespiel, in den nächsten Tagen. Vor ein paar Monaten ist mir der grosse Rokokospiegel runtergekracht, weil die alte Aufhängung gerissen ist, und in Dutzende Einzelteile zersprungen; den habe ich auch wieder hingebracht. Aber das hier wäre absolut vermeidbar gewesen. Deshalb nochmal mein Ratschlag, von dem ich nicht dachte, dass er nötig ist: Stuckspiegel nie im Regen liegen lassen.
Der andere war trocken. Aber viel zu gross für die Barchetta. Glücklicherweise war da ein anderer Blogger mit einem voluminöseren Wagen, der mir beim Transport helfen konnte. Und nun fehlen mir nur noch, sagen wir mal, 10 weitere Spiegel für meinen Gang. Falls ich widerstehe und keinen in meiner Wohnung aufhänge. Denn für den Grossen hätte ich hier auch noch Platz.
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Samstag, 21. Juli 2007
Empfehlung heute: Es wird Zeit,
Ach so, und: Morgen ist Flohmarkt in Pfaffenhofen.
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Ich habe Euch gewarnt.

Die Zwetschgendatschisaison hat begonnen!
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Freitag, 20. Juli 2007
Empfehlung heute: Es regnet in Frankfurt

ich hoffe, ich langweile mit diesen immer gleichen abendbildern nicht?
Was nun bei uns in Bayern den rosavioletten Schmelz der hereinbrechenden Dämmerung ausmachte, war im Westen ein schwerer Regenguss, dem ich zudem auch noch Andreas Beitrag über das Vermeidungsbloggen verdanke. Was ein allzu bekanntes, aber viel zu selten beobachtetes Phänomen ist, hier auch als Alternative zum Geschirrspülen.
Es könnte öfters regnen. In Frankfurt. Am Main. Oder an der Oder. Vielleicht bekommen wir dann auch so hübsche Wolkenränder im Nordosten.
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Was ich mich frage -
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Donnerstag, 19. Juli 2007
Empfehlung heute: Ich habe es ja schon mal gesagt
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Hübsch machen für die Sat1isierung
Bin ich schlau? Testen Sie ihren Schlaumeier-Faktor!
Die witzigsten Bilder im Netz: Damals im Café Penis
Etikette im Job: Die schönsten Dresscode-Fehler (Mit monströsem Ausschnittbild)
Knapp, knapper... Bikinis! (noch viel mehr Fleisch)
Ehefrau mit Bolzenschussgerät getötet (ohne Bild, allerdings)
Das verstehe wer will: Sprachpannen (Bildergalerie)
und, folgerichtig das Special
50 Jahre Sommerloch
Na?
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Sehr zu empfehlen: Die Kirschen der Frau Moretti

Um ehrlich zu sein: Ich weiss noch nicht mal, was industriell gefertigte Marmelade kostet. Ich mag Marmelade nicht besonders, von einigen studentischen Fressanfällen bei Aprikosenmarmelade einmal abgesehen. Das war noch zu Zeiten der D-Mark, doch ich wage zu bezweifeln, dass auch mit der Teuerung irgendeine Fabrikpampe preislich auch nur in die Nähe von Frau Morettis Kirschen kommt. Frau Moretti ist eine nicht mehr ganz junge Dame aus einem Dorf nahe der kleinen Provinzstadt, und hat nicht nur einen Mann, sondern auch dessen Garten geheiratet. Der Garten ist vermutlich ein Vermögen wert, auf seinen 3000 m² könnte man 10 Toskana-Doppelhäuser unterbringen, aber Frau Moretti bevorzugt es, den alten Obstbestand zu pflegen und daraus Marmelade zu machen, die...
Wie soll ich das erklären. Zuerst mal gibt es dort keine Kirschmarmelade. es gibt Mischungen. Das Glas links enthält Kischen-Mirabellen-Marmelade. Wer jetzt sagt, Mischungen würden den Geschmack verfälschen, kennt Frau Moretti nicht. Im Gegenteil, es ist so, dass die weicheren Mirabellen gewissermassen die feuchte Basis für die härteren Kirschen ergeben. Es ist also nicht eine Mischung, sondern ein kombiniertes Geschmackserlebnis - wir probieren das jetzt einfach mal.

Wenn man die Marmelade mit dem Löffel zum Münd führt, berührt zuerst die Zunge die Unterseite des Löffels, auf der die feuchte Substanz der Mirabelle ist. Es prickelt, es verbreitet sich auf allen Rezeptoren, als würde die Zunge gekitzelt werden, fast unerträglich,aber dann zieht man den Löffel zurück, die Marmelade erfüllt nun auch die Zungenspitze und die Innenseite der Lippen, und gerade, wenn man denkt, das ist zu viel, dieses Nitroglycerin am Fruchtgeschmack auf der Zunge muss gleich explodieren - fühlt man die inmitten der Süsse verbliebene Kirsche, wie ein wicher Brustnippel einer schönen Frau und nein, man kann das nicht anders beschreiben, die Zunge drückt sie gegen den Gaumen, die retliche Marmelade verteilt sich durch diese Bewegung auf die Zungenränder, die ebenfalls zu kitzeln beginnen -
und dann platzt die Kirsche und überschwemmt alles mit dem Glanz der Sonne, die über Monate in ihrem Inneren gefangen gehalten wurde und nun einen mit der Wucht einer Bombe zwingt, die fast schon tränenden Augen zu schliessen. Die Kirschen der Frau Moretti sind purer Sex. Sex und nichts anderes. Als Marmelade sind sie nicht gerade billig, aber als Sex sensationell günstig, sie schlagen locker das schlechtere Drittel der Frauen, mit denen ich geschlafen habe, sie wären auch in der Lage, die süssesten Küsse zu optimieren, und sie sind zu jeder Tages- und Nachtzeit verfügbar, wenn man genügend Vorräte hat. Verwendungstipp: Gerade bei Raucherinnen vorher anwenden, das wirkt Wunder!
Die Sache hat natürlich einen Haken: Die Kirschen der Frau Moretti gibt es nur auf dem Wochenmarkt der Provinz. Und kaum einem meiner Leser wird es je vergönnt sein, sie mitsamt der Mirabellen zu kosten.
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Lust auf eine kleine Bergtour?
Und noch ein Veranstaltungshinweis: Am kommenden Montag, den 23. Juli rollen die "2000 Kilometer durch Deutschland" durch diese Region. ich werde sicher in Eichstätt und möglicherweise auch in Donauwörth sein. Wer Lust hat, mag sich melden.
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Donnerstag, 19. Juli 2007
Immer nur Asambauten ist auch langweilig

Römerstrasse im Jura dirkt hinter dem Limes.
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AAL Extrem bei Eltern.de
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Empfehlung heute - Rollfilme sind
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Licht aus

Es ist dies eines dieser hohen Fenster des Wohnheims, in dem die Leistungselite bitte nur 8 Semster bleiben soll, bevor sie wieder geht, brav studieren und nicht nach links oder rechts schauen, aber dort unten dreht man wohl wirklich die Köpfe, denn es sind Beine zu sehen, zwei nackte Frauenbeine und ausserdem noch zwei weitere Beine daneben in kurzen Hosen, vergleichsweise horizontal auf einer Liegegelegenheit ausgestreckt. Dass ich es sehe, ist unvermeidlich, denn das Licht reicht gerade noch, um ein paar Seiten im famosen, christenfeindlichen Roman "Die Reliquie" von José Maria Eça de Queiroz zu lesen, und jedesmal, wenn ich auf einer rechten Seiten am Zeilenende ankomme, ist dort nach dem Ende des Papiers eben jenes Fenster.
"Wenn ich erhitzt eintrat, zog sie sich eben aus, kämmte..." Zeilenende, Papierende, Lichtfleck, und da bewegt sich was, die Frauenbeine entfernen sich von den kurz behosten Beinen, rutschen vor, der Oberkörper kommt nach, sie erhebt sich, und es dauert ein paar Schritte im Raum, bis das knapp unter Armhöhe befindliche Kleid der Schwerkraft Tribut zollt und hinabsinkt, so wie sie selbst wohl auch hinabgesunken ist, nachdem sie das Licht ausgemacht hat, bei dem kurz behosten Herrn, der jetzt halb aufgerichtet ihre Bewegungen verfolgt.
"sich, träge, schlaftrunken und..." erzählt José Maria Eça de Queiroz weiter, unter einem Himmel, den zu geniessen nicht jedem vergönnt ist, zumal, wenn man Besseres zu tun hat. Wie zum Beispiel Vorhänge erwerben?
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Dienstag, 17. Juli 2007
Gesund durch die Hitze

Zuerst nehme man Verwandte oder Bekannte mit einem Garten und einer gewissen Neigung, Grün hemmungslos wuchern zu lassen.

Dort radelt man hin, stellt das Rad im Schatten des Weinstocks hin, und macht sich auf einen längeren Weg durch den Urwald, bewaffnet nur mit einer Tüte und dem festen Vorsatz, die hier ohnehin nicht geschätzten Früchte zu plündern.

Aus mir unverständlichen Gründen nämlich gelten Johannesbeeren als gemein, bäuerlich, banal und dann auch noch dieser saure Beigeschmack. Pah! Denn gerade dieser saure Beigeschmack verleiht den Früchten diese Spritzigkeit, mit der auch Milchprodukte in der grössten Hitze geniessbar werden. Und das geht so:

500 Gramm Magerquark in eine Schüssel tun und 30 Gramm Butter im Wasserbad verflüssigen, darüberschütten und einrühren - das macht Kraut fett und den Quark cremig. Dann 150 Gramm Johannesbeeren in weiss und rot dazu tun und fest umrühren, so dass einige Früchte platzen und die Mischung rötlich färben. Dazu zwei Esslöffel Zucker, umrühren, fertig.
Und jetzt langsam essen. Silberlöffelchen für Silberlöffelchen. Nicht alles sofort reinstopfen wie ich gerade, das erzeugt Gefühle, die einer Stopfgans nicht unbekannt sein sollten. Örps.
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Empfehlung heute: Einer der Gründe,
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Von 9 bis 5

Und da könnte ich noch länger bleiben, bis um 12, 2 oder sigar 7 Uhr morgens. Aber leider wird es hier draussen zu früh hell. So gegen 5 Uhr leuchtet der Himmel bereits wieder in französischen Farben.

Nett. Aber eher störend, wenn man schlafen will.
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Montag, 16. Juli 2007
Empfehlung heute - Gummiboot
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Grünwald oder die Langlebigkeit von Klischees

Der Wagen ist mit seinen Spoilern und dem Bürzelheck nicht wirklich das, was man als schön bezeichnen würde, aber er hatte das Glück, eine Rolle in der Fernsehsendung "Leo´s Magazin" zu spielen. Moderator Andreas Lukoschik fuhr in einem Wagen dieses Typs durch die Stadt, und es könnte sogar dieses Exemplar gewesen sein: Baujahr 1987, wie die Sendung. Und ja, er ist zu verkaufen. Und ja, einen Moment habe ich aus nostalgischen Gründen überlegt. Immerhin gab es Schlimmeres als Leo, was den medialen Eindruck von München in den 80ern prägte.
Da ist noch der Film "Die Story" von 1984, der den Ruf Münchens als Koksmetropole bundesweit verbreitete - neben einigen "Modeerscheinungen", die Miami Vice als dezent erschienen liessen. Und 1986 kam Kir Royal auf die Mattscheiben der Republik. Das alles hat den Ruf von München zementiert, und wer damals dabei war, musste sich schon etwas wundern über dieses mehr als schräge Bild, das da von München gezeichnet wurde. "So" war weder das Parkcafe noch das P1 noch das BaBaLu und auch nicht die Seehaus-Parties, die im Übrigen nicht von Grünwaldern organisiert wurden, sondern von jemandem, der aus einem mässig vorzeigbaren Kaff nahe meiner Heimat stammt und dort auch lange gelebt hat. Das P1 war "so", aber da ging man nicht hin, wenn man nicht Tennisspieler oder Fussballer gucken wollte. Was eigentlich nur eine Bekannte aus Neuburg wollte, die dann tatsächlich schwer von einem gewissen Rothaarigen zu lösen und zurück in die Provinz zu verfrachten war, aber das ist eine andere Geschichte.
Dieses München ist eine Medienerfindung, so wie das Berlin der Telenovelas. Mit gewissen Anklängen an die Realität, mehr aber auch nicht. Aber der Gegensatz zwischen dem kaputten, streetcrediblen Berlin und dem Reichen, etwas debilen München zieht natürlich, und das ist der Grund, warum die Comedy von Aggro Grünwald die Aufmerksamkeit bekommt. Weil Restdeutschland und hier besonders Berlin Angst hat, es könnte stimmen. Dass es wirklich ein Viertel gibt, in dem Reichtum cool ist und auch so zur Schau getragen wird. Alle reichen Erben - werft das Geld! - wenn das der neue Schlachtruf sein soll, schaut es schlecht aus für die Hungerleider in Kreuzberg in ihren Kellerbüros mit der Latte und dem Döner als Standardernährung. Selbst wenn Aggro Grünwald bis hinunter zu den Farben und der Kleidung selbst nur aus alten Klischees der 80er Jahre besteht. Nur ein paar Namen muss man austauschen - Negerhalle durch 8 Seasons, Piccolo Osteria gegen Lenbach, und schon kann man sich tatsächlich in den Saab setzen, oder seinen legitimen Nachfolger, den geleasten SLK 200 mit Wegfall der Typenbezeichnung und grossen Chromringen um den Auspuff. Habe ich schon mal erwähnt, wie furchtbar banal das Afterwork im Lenbach eigentlich ist?
Eigentlich müsste man davor keine Angst haben. Wenn man es kennt, verliert es schnell jeden Glanz. Fingerfood ist nicht zwingend besser als Döner, und die Leute, die bei Lesungen im Kokon C-Sternchen lauschen, sind auch nicht klüger als Berliner, die Sarah Kuttner Talent und Ausstrahlung unterstellen. Es ist bei höherem Mehrwert erheblich teuerer, und das ist es eigentlich auch schon -
es sei denn, es ändert sich was in der Gesamtrepublik. Und das könnte zu einem Existenzproblem von Berlin werden, was meines Erachtens auch die hysterischen Reaktionen auf Aggro Grünwald verursacht. München, das alte München ging 1992/3 unter, als Techno aufkam. Berlin wurde das neue Ziel, darauf konzentrierten sich Illusionen und Hoffnungen, in München blieb die Lindenstrasse. Aber jetzt sind 15 Jahre vergangen. Berlin hat es nicht geschafft, und seine propagierten Lebensentwürfe gehen nur dort. Es mag stimmen, dass sich Max Mütze aus dem Schwäbischen Berlin immer noch so vorstellt, aber:
Die Wirtschaft kommt im Westen voran. Berlin ist pleite. Berlin hat ein Verliererimage. Kann sein, dass sie so sind, aber was 1995 noch als cool galt, ist heute vielleicht nur noch sehr retro. Es ist kein Lebensentwurf, der andernorts Gültigkeit haben würde. Berlin ist "Rütli", und egal, wie überzogen das sein mag, da geht man nicht gerne hin. Und in diese Lücke stösst nun Aggro Grünwald mit einem Ulk, der bei genauerer Betrachtung und in abgemilderter Form - gar nicht mal so schlimm ist. Denn es macht Spass, mit dem Motorboot über den Starnberger See zu fahren. Wirklich.

Don Tauchmeister is on da quietschred Gummiboat, rechts: STA-Chick beim Ankleiden ;-)
Es macht Spass, auch mal mit Frauen auszugehen, die andere Themen als Prekariat und Arbeitslosigkeit haben. Die einem davor die neuesten Erwerbungen vorführen. Die einen von dem Existenzgerede mit einer halben Stunde über die Handtaschen erlösen, die in Berlin nur deshalb nicht Thema sind, weil sie sich keine leisten kann. ich erinnere mich da an den ersten Besuch einer Münchnerin in Berlin, als wir unter den Linden an einer Ampel halten mussten und sie mit Abscheu feststellte, dass die Frau dort Prada aus der vorvorvorvorletzten Saison trug. Das mag arrogant sein, eingebildet, München - aber ist es schlimmer als der Sozialneid (sorry für das Wort, aber ich kenne kein anderes dafür), der einem aus X-berg entgegenschlägt, sobald man dortselbst ein paar Silberschalen kauft?
Am Ende bleibt die Frage, welcher Lebensentwurf Max Mütze, dem ewigen schwäbischen Dorfbewohner und all seiner Cousins, die aus Altötting kommen, gefällt. Ich glaube, dass Aggro Berlin der Stadt Berlin nicht gut tut. Es sorgt für ein Lebensgefühl, das bei der Mehrheit nach Alternativen verlangt. München war so lange Zeit unbeachtet - vielleicht kommt jetzt die Renaissance. Weil es die besseren Clubs, die besseren Leute, das bessere Umfeld und die bessere Landschaft hat. Und eine Vergangenheit, die etwas anderes verspricht als die Gewalt der Berliner Kapuzenträger. Ich verstehe, dass diese Leute München hassen. Ein München, dessen Lebensstil wieder als vorbildlich betrachtet werden könnte. München könnte Max Mütze so umarmen, dass sie demnächst in ihrem Trümmerhaufen und dem Ruinengürtel aussenrum alleine bleiben. Und ohne Max Mütze, der als dummer Jobber der Medienbranche das System, ihr System am laufen hält.
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Sommerfrust

Leider etwas beschädigt, was mir vergleichweise egal ist, so sind eben die Spuren der zeit, aber schlimmer, die Vergoldung war braun übermalt. Was sich positiv auf den Preis auswirkte, zumal dort noch zwei Kerzenhalter dazu kamen. Und eine Ecke weiter stand ein schlichter Biedermeierspiegel aus Nussholz.
Man kann nun einwenden, dass ich schon nicht wenige Spiegel besitze, und ja, es stimmt. Aber dazu besitze ich auch rund 50 Meter Treppenhaus allein im Vorderhaus, und dieses Treppenhaus, das momentan seine weisse Nacktheit Richtung Norden ausstreckt, wo die Arkaden zum Innenhof nochmal Licht wegnehmen, braucht mehr Licht. Kronleuchter hängen da schon länger, und jetzt geht es darum, das vorhandene Licht besser zu verteilen. Nach vorsichtigen Schätzungen suche ich also rund 10 alte Spiegel, davon noch drei bis vier Biedermeierexemplare in eckig, und ansonsten altvergoldete Stücke, wobei zwei grosse Trummeauspiegel für den Hausgang unten wirklich fein wären. Gerne auch mit Konsolen. In etwa von der Art, wie ich vorgestern eine habe stehen lassen.
Zum Frustabbau eignet sich übrigens der Kampf gegen klebrige, braune Farbe auf alter Vergoldung wirklich hervorragend.
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Sonntag, 15. Juli 2007
Touristische Globalisierung
Manchmal wüsste ich gerne, ob die Geschichte der frühneuzeitlichen Religionskriege in Mitteleuropa Stoff an den fernasiatischen Schulen ist. Muss wohl so sein. Sonst ist es nämlich nicht erklärbar, warum in den letzten Sommern zunehmend asiatische Reisegruppen vor dem Stadtpalast standen. Ich bin durchaus mariannische Gruppen aus Bayern gewohnt, die das alles kühl finden, hier den Ort des Ablebens ihres Idols zu sehen. Aber wenngleich Jesuitentum und Konfuzianismus viel gemeinsam haben, nimmt es mich schon Wunder, wenn ich gerade im Hof bin, das Tor aufgeht und ein paar Japaner wie zuvor schon Bayern und Italiener reinschauen. Aber ich bin der höflichste Mensch von der Welt, beantworte auch gern Fragen und erkläre ein paar Dinge über die Geschichte das Hauses, und bewahre auch die Fassung, wenn einer der Bayern sagt, es sei doch schade, dass es heute eben kein Jesuitenkolleg mehr ist. Ich lächle und gehe nachher etwas Holz hacken. So ist das eben. Man kann nicht immer nur die Vorteile so eines Gebäudes haben.

Zu den Vorteilen des Gebäudes zahlt die grosse Wohnung und im Sommer besonders das weisse Zimmer, das eine sehr angenehme Kühle auch bei der grössten Hitze vor den Fenstern bewahrt. Das haben sie sauber gemacht, die Bauleute der Gesellschaft. Kann man wirklich nichts dagegen sagen. Bei angenehmen 22 Grad kann man hier also unter der kaltblauen Stuckdecke liegen und Grand Balett von Marin Marais hören.
Kühle Musik vom Hof Ludwig XIV. Die sonntägliche Ruhe und Gelassenheit benötigt. Und da stört es, wenn Busse durch die Strasse rumpeln. Besonders aber stört es, wenn ein Bus genau unter dem halboffenen Fenster stehen bleibt. Und den Motor laufen lässt. So laut, dass auch das Schliessen der Fentser wenig bringt. Aber was bleibt schon anderes übrig, also steht man auf, und in der Zwischenzeit hat sich der Buss gelehrt, 4o Menschen asiatischer Herkunft stehen auf der anderen Strassenseite, machen das obligatorische Bild mehrheitlich mit dem Mobiltelefon, mit dem orange-blauen Bus vor der delikaten Renaissancefassade, steigen wieder ein, die Türen schliessen sich, und mit einer Abgaswolke des immer noch laufenden Motors holpert der Bus weiter die Strasse hinunter.

Pilze in der extrablingbling-massivsilber-Version für Erbgutritter des spreenixblickenden Malteserorden, sucke dis!
Danke, beehren Sie uns wieder. Und während ich 400n Gramm kleine, niederbayerische Champignons putze, drei Minuten in kochendes Wasser tue, einen Sud aus Olivenöl und Balsamicoessig, sowie frischen Kräutern und gemörsertem Pfeffer bereite und dann den Grana Padano über die heiss eingefüllten Pilze reibe, bevor das alles in den Kühlschrank kommt und dort 2 Stunden zieht - währenddessen frage ich mich: Ich opfere jeden Tag Zeit, um den Kasten in Schuss zu halten. Ich habe heute morgen den Müll des Bürgerfestes erntfernt. Jedes einzelne der ichhabsieniegezählt Fenster kostet laut letzte Woche eingegangenem Kostenvoranschlag die Kleinigkeit von 1700 Euro mehr, weil sie handgefertigt sind, damit das Haus seine historischen Proportionen bewahrt. Wenn ich das hier an Ärzte und Firmen vermieten würde, könnte ich doppelt so viel Miete verlangen. Wenn ich es verticken würde, könnte ich den (nicht mehr allzu langen) Rest meiner Tage auf Malle ballern. Ich tue es nicht, weil es das Haus und seine historische Substanz schädigen würde. Ich tue es für mich, ich will mich nicht beschweren, aber auch für alle, die vorübergehen und etwas anderes sehen wollen, als totsanierten Zweckbau.
Und dann knipsen sie das Ding mit dem eigenen Bus davor. Dieses Haus wurde für Ruhe und Kontemplation gebaut, und davor brummt der Diesel direkt unter meinem Fenster. Das letzte Mal, dass ich so sauer war, war in den Uffizien, als ein mitgeschleifter amerikanischer Jüngling der Durchschleusergruppe "Road to Rome" - so zumindest der Aufdruck auf den Käppis - versuchte, seinen Kaugummi klebenderweise an der Basis einer Statue loszuwerden.
Kommt. Bitte. Reisen bildet. Aber wenn Ihr nur genug Zeit habt, ein Bauwerk mit über 600 Jahren Geschichte durch das Display Eurer Handies zu sehen, während vor Euch der Bus denen, die darin leben, die Bude vollstinkt: Bleibt daheim, Ihr verpasst hier nichts, was Euch irgendwas bedeuten würde. Ganz gleich, wo Ihr herkommt.
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