Donnerstag, 17. April 2008
Empfehlung heute - Berlin hasst die New York Times
(via, was sonst, eine Münchnerin)
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Komisch
Was mich enttäuscht, sind die Schwarzen. Seit Mitte der 90er haben die Grünen keine Ideale mehr, die sie verraten könnten, die Schwarzen jeoch haben eine Menge historischen Ballast, zu dem sie besser stehen sollten. In diesem speziellen Fall bin ich im übertragenen Sinne gewillt, Franz Josef selig mit seinem Spruch vom kalten Krieger, der ihm lieber als ein warmer Bruder ist, zuzustimmen. Es ist nicht besonders schwer, abfällig gewordene Bündnispartner zu ersetzen, und schon gar nicht in der Politik - aber ein klares Feindbild ist in Zeiten wie diesen unersetzlich.
Ich mag diesen Swingerclub für Kuschelsex von korrupten Nichtideologen nicht. Ich hätte gern wieder Härte, wenn es sein muss auch Wasserwerfer, Steine und deutlich angesprochene Arschlöcher, als diesen parteiübergreifenden Mainstream zur Entrechtung des Staatsvolkes, das sich am Ende immer nur für verschieden lackierte Fressen des gleichen Parteienmülls entscheiden kann, und deshalb einfach nicht mehr wählen geht. Ich hätte gern Charakterköpfe, die sich nicht kaufen lassen, und nicht den - um Strauss nochmal zu bemühen - Ratten und Schmeissfliegen der Medien und Umfragemacher hinterherlaufen.
Ich möchte wieder richtig hassen und den Wunsch haben, sie wegen ihrer Überzeugungen verrecken zu sehen. Und nicht nur, weil sie feige, erbärmliche Schleimbatzen sind.
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Eine Frage des Anstands
Es gibt da einen bekannten Mehrfachpleitier aus Südwestdeutschland, der ein schleimiges Gefälligkeitsinterview mit einem führenden Zoomermitarbeiter für einen angeblichen "Branchendienst" gemacht hat, und bald darauf Zoomer unter seinen Sponsoren nennen konnte und kann.
Und es gibt mich in Bayern und die Blogbar.
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Donnerstag, 17. April 2008
Das Schaf der Apokalypse
Die Krise hat viele Gesichter. Das Biedermeierportrait ist eines davon.
1000. ... Bietet jemand 1000? 900?
600!
600 unter Vorbehalt an die Nummer 84.
Die Krise hat viele Gesichter. Der Mann, der oft deutlich unterbietet, wenn keine Konkurrenz zu erwarten ist, hat eines davon.
De Artemis hier hinten. 1500. 1500 sind noch bei mir. ... Bietet jemand mehr? 1500. ... zum ersten, zweiten und ... dritten.
Die Krise hat viele Gesichter. Das Gesicht der griechischen Göttin, mit den sanften Lippen und dem verzückten Blick, um 1740 gemalt, ist kein banales 1500-Euro-Gesicht.
700. ... Sind 700 im Saal? ... 600? ... und zurück.
Die Krise hat viele Gesichter. Wie das Erstaunen der Dame, die vorne die Auktion leitet. Früher ging es so: Ein niedrig aussehendes Limit wird gesetzt, dann kommen hunderte in Hoffnung auf einen guten Kauf, steigern mit, und ehe sie sich versehen, haben sie sich schon versteigert, denn auf die 50 Euro kommt es im gefecht auch nicht mehr an, und prompt kann das Auktionshaus neue Rekorde vermelden. Liest sich gut für Einlieferer: Limit 500, verkauft für 4200 - Plus 24%. Das macht Stimmung. Aber diesmal nicht. Diesmal bleibt fast die Hälfte liegen. Das ist neu und ungewöhnlich, bei diesem aufstrebenden Haus in Schwabing. Die Käufer wollen nicht, sie halten das Geld zusammen. Ohne die Grunderwerbsteuer hätte ich mir die Artemis vielleicht gegönnt, oder zumindest versucht, gegen das schriftliche Gebot zuu bestehen, sie wäre es wert gewesen, aber so reihe auch ich mich ein in die Masse derer, die untätig dasitzt und wartet, auf die eine Nummer, wegen der sie gekommen sind, und ungerührt dem Debakel zuschauen. Jeder ist sich, auch in diesen Kreisen, gerade selbst der nächste.
Ich habe einen fremden Auftrag, und ein eigenes Ziel. Das eigene Ziel eigentlich nur, weil der Auftraggeber mutmasslich zu wenig bietet, und weil ich nicht ganz umsonst hier im überfüllten Raum der Kaufverweigerer sitzen will, während draussen das Münchner Leben den Frühling begrüsst. Ich weiss nicht, ob es Chancen gibt; wenn es um Toyohara Kunichika geht, kann man sehr schnell gegen ominöse Telefonbieter aus Fernost unterliegen, für die das eigene Limit von 300 Euro gerne auch nur die Umsatzsteuer auf das Aufgeld darstellen darf. Die damit gebündelten Damen von Kunimaru Utagawa sind glücklicherweise als "Anonym, um 1900" gekennzeichnet, auch wenn Utagawa brettlbreit draufsteht und das schrumplige Papier keine Zweifel am wahren Alter - so um 1820 - lässt. Es gibt also sowas wie relle Chancen, dass sie das Limit von 80 nicht allzusehr übertreten.
Zwei japanische Holzstiche ... 80. Wer bietet 80? ... 80? ... Und zur..
60! rufe ich in das gelangweilte Schweigen hinein.
60 wären schon bei mir, sagt die Auktionatorin.
70, sage ich.
80, sagt sie und weist auf jemandem hinter mir, der weniger von der Krise betroffen ist, als gehofft. Ich lasse mein Schild oben, damit sind es 90.
Und die Jagd ist eröffnet. 90 ... Bietet jemand mehr? Man spürt, dass es jetzt spannend wird, vielleicht denkt einer, wenn da schon zwei bieten, vielleicht ist es doch was, allein die Rahmen sind ja schon vierzig wert, da kann man eigentlich nichts falsch machen .... 90? ... 90 zum ersten, zum zweiten und - sie tickt mit dem Bleistift auf den Tisch - zum Dritten.

Die Krise hat viele Gesichter, wir nähern uns wieder dem Zeitpunkt, da ein Rubens für einen Sack Kartoffeln, ein Seidenteppich für einen Eimer Milch auf den Schwarzmarkt ging. Es sind fast argentinische Verhältnisse, und nie waren Konkubinen so billig in Anschaffung und Unterhalt wie gerade eben. Kein Wunder, dass die Kabuki-Schauspieler verzweifelt dreinschauen, wenn ihre Kunst nicht angemessen geschätzt wird. Auch sie sind Gesichter, die die Krise hat.
Bleibt noch der Auftrag, ein verstecktes, kleines Gemälde, Limit 250, mein Auftragslimit liegt bei 850, und es geht los mit..
bei mir sind 1650 ... 1650 ... bietet jemand im Saal 1700 1750 sind bei mir 1800 1850 sind bei mir 1900 1950 sind bei mir 2000 2100 sind bei mir 2200 2300 sind bei mir 2400...
Ich gehe nach draussen im Wissen, dass eine andere Krise gleich ein anderes Gesicht haben wird, und teile dem Auftraggeber das Debakel und mein Bedauern mit. Wir reden noch etwas, und er erzählt, dass Ende der nächsten Woche bei einer anderen Auktion ein apokalyptisches Schaf unter den Hammer kommt, auf dem Buch mit den sieben Siegeln, ob ich da nicht vielleicht auch Zeit hätte.
Die Krise hatte schon früher viele Gesichter.
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Empfehlung heute - Erweiterung
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Der Missbrauch der Freiheit

Grossbild hier
Links, unter den Bäumen liegt die Leiche von Ludwig Erhard, der wohl kaum einfach nur zugesehen hätte, wenn ganze Länder destabilisiert werden, indem Wirtschaftskriminelle und ihre de facto Kartelle nach der Pleite mit Immobilienkrediten jetzt bei Grundnahrungsmitteln ein neues Feld für ihre Verbrechen entdecken - weil es für sie Sicherheit bedeutet, weil man an ihren Waren kaum vorbei kommt. Solange niemand auf die Idee verfällt, ihr Geschäftsmodell durch Plünderungen oder, langfristiger angelegt, durch Terrorismus zu schädigen. Was Hunger in Sachen Politik ermöglicht, wusste Erhard, und er hätte nach den Erfahrungen der frühen 30er Jahre sicher nicht einfach zugeschaut.
Eine Marktwirtschaft, die das Wohlergehen eines Spekulationsverbrechers über das einer Gesellschaft stellt, braucht weitgehende politische Regularien, die abwägt zwischen dem Existenzrecht einer Gesellschaft und der Freiheitderer, die eine Gesellschaft zu ihren Zwecken gefährden. An diesem Punkt sind wir mittlerweile angelangt, die globale Spekulation droht, ganze Bevölkerungsschichten in Hunger und Elend zu treiben, und als Folge werden wir alle einen hohen Preis zahlen, dem Spekulationsverbrecher dann wieder auf andere Arten entkommen wollen. Berufsmässige Antisoziale verdienen keine Freiheit, man sollte sie ihnen wegnehmen, wie allen anderen gefährlichen Psychopathen auch. Es ist genug zum Essen da, nur sind die Preise wegen der parasitären Marktteilnehmer und ihrem Versagen in anderen Märkten zu hoch.
Weil sich aber so schnell die Politik nicht zum Handeln entschliesst, und es für einen Kambodschaner nicht allzu einfach ist, als marktberuhigende Sofortmassnahme ein paar Warentermingeschäftemacher auf den leeren Bratspiess zu rammen (ich nenne es den Schnelltender der 3. Welt), hilft auch die Leiche Erhards nicht weiter. Ganz rechts ragt ein Schornstein in den Abendhimmel, und der Fabrik darunter geht es blendend. Das ist die Papierfabrik in Gmund, Weltmarktführer für die Bütten, auf denen Geld gedruckt wird. Geld für die Inflation, mit der wir alle für das Auskommen von Verbrechern bezahlen, Geld, das die missbrauchte Freiheit der Märkte verlangt, für die Vergrösserung sozialer Unterschiede, für ein Mehr, das weniger für alle bedeutet.
Natürlich kann man mit Milliarden für die Welthungerhilfe den ärgsten Folgen entgegensteuern. Aber warum? Ein ordentliches Gefangenenlager und ein paar Gesetze, um den Missbrauch der Freiheit zu dem juristisch verfolgbaren Verbrechen zu machen, das er jetzt schon im übertragenen Sinne ist, sind weitaus kosteneffizienter, und beruhigen die Märkte schneller als jetzt Zinssenkung. Durch das Wegsperren der übelsten Subjekte kann man auch davon ausgehen, dass der entsprechende Arbeitsmarkt bereinigt wird, und mehr noch, das Thema der Verluderung der Bankersitten durch schnelle Zugriffe und harte Strafen nicht mehr so relevant ist, dass es hunderttausende schädigen kann.
Dann kann man auch mal überlegen, welche Bereiche von Handel und Preisgestaltung ökonomisch sinnvoll sind, und welchen Bereiche man dauerhaft abschafft. Sollen diese Leute doch ihr Geld bei Onlinekasinos verzocken, da stört es keinen, und auch ohne Inflation geht in Gmund nicht die Arbeit aus.
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Dienstag, 15. April 2008
Entsagung und Anstrengung
Man hat Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, wenn man von ganz unten aus losmarschiert, denn es zieht sich. Da oben ist der Tresor einer mittelalterlichen Grossmacht, der liegt doch etwas höher, als man glauben mag, die Fusswege sind steil und durch das Schmelzwasser ausgewaschen. Die Habsburger nahmen natürlich Träger oder Kutschen, deshalb waren sie nicht die Allerdünnsten, wie generell der Adel bis ins XVIII. Jahrhundert rund als Schönheitsideal betrachtete. Unfreiwillig dürre Landeskinder in einem Ausmass, wie man es heute nur noch unter der Herrschaft von Berlins Pascha Klaus I, der Auchgutsoige, kennt, hatte man mehr, als einem lieb sein konnte. Dennoch, ab und an etwas Sport mit Panorama vom Achenpass bis zum Anstieg des Brenner und danach gesunde Rohkost kann auch nicht schaden.

(Grossbild hier, Riesenbild hier)
Und was das Dressing angeht: Unten in Schwaz gibt es den Feinkost Pedevilla, die neben Salatzutaten sehr vieles im Programm haben, für das sich die 60 Kilometer über den Achenpass mehr als lohnen. Etwa einen Kräuterfrischkäse, den man nur mit Öl und Essig mischen muss, um ein Dressing zu haben, das man feiner nie hinbe - , was? Wie meinen? 60% Fett im Käse und Öl würden die Fastenbemühungen conterkarieren?
Dann schweige ich jetzt zu den Steinpilzschlutzkrapfen und dem Gorgonzola, die ich auch mitgebracht habe, vom Zwiebelbaguette, und ausserdem ist jetzt eh Kochzeit.
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Stilvolles Häschen
Beim ersten Betrachten fand ich das Ding, vom Marketingstandpunkt gesehen, fies gemacht, billig und effektiv wie eine Tretmine. Zumal es auch noch aus dem Affenfelsen Rottach kommt. Aber die Zeiten haben sich geändert. Es gibt einen Trend in meinem weiteren Umfeld, Kinder nicht mehr ganz so vehement abzulehnen. Die Transporte zur Beratung und zu einer Abtreibungsklinik, die in Bayern bis heute nicht gerade kundenfreundlich abzuwickeln sind, oftmal auch unter enormen Zeitdruck, weil es den Betreffenden reichlich spät kam und die Verursacher dieser Spätfolgen von Spass und Sex die Fliege machten - sowas kommt in den besten Familien vor - diese Fahrten und das Patschehändchen halten und die Nachbetreuung sind selten geworden. Statt dessen werden Kinder gezielt gemacht, und inzwischen sind die Einschläge so nah, dass ich sie nicht mehr ignorieren kann. Und auch sowas wie ein "gchrtulire" zwischen meinen plötzlich sehr schmalen Lippen entkommen muss, um nicht allzu unhöflich zu erscheinen.
Und da dachte ich mir...

Ich mein, wenn die anderen schon zur Erhaltung einer Spezies beitragen, die man diesem Planeten eigentlich nicht guten Gewissens zumuten kann, wäre es doch zumindest der Nachhaltigkeit geschuldet, wenn ich den Samen lege für ein sozialverträgliches Verhalten, das sich gegen Raubbau an der Natur, Wegwerfmöbel und Lohndumping in Osteuropa entscheidet, eine Initialzündung für das Bewusstsein einleite, das Bessere zu wollen und zu kennen*. Man steckt heute kleinen Kindern keinen Silberlöffel mehr in den Mund, aber nach meiner Erfahrung kann man die meisten Frauen mit Luxus ordentlich so gestalten, dass später Geringeres überhaupt nicht mehr in Frage kommt.
Man kann vielleicht gar nicht früh genug damit anfangen. Hier, bitte, ist er nicht süss, und er fusselt auch nicht, ist ja Stoff, extrem guter Stoff, aber bitte, nein, nichts zu danken, wirklich nicht, nur mein Beitrag zur Erhaltung einer Art nach meiner Vorstellung.
*gestern wollte einer an der Blogbar, dass ich mich in Zukunft mit 7 Wörtern pro Satz bescheide. Der Satz oben enthält, ich habe sie gezählt, 63 Wörter. Und ich sage ohne falsche Höflichkeit, dass ich meine, das den Lesern hier zumuten zu können.
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Montag, 14. April 2008
Die farceistische Diktatur in Italien.
Und danach überarbeite ich meine Urlaubspläne leicht, selbst wenn die Ansicht von Beckstein und Merkel auch nicht gerade viel hübscher als die vom Italo-Hanswursten ist.
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Ein´s zuviel
Ein Stern im Michelin
Eine Villa
Ein See
Ein neues Restaurant
und ein Apostroph

Ob sie auch Hirsch-Rücken oder Forelle nach Müllerin´s Art haben, weiss ich nicht, und werde es wohl auch nicht erfahren. Ich habe da gewisse Prinzipien.
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Warten auf den Kühlschrank

Jetzt schraubt er in der Küche, ich dagegen esse die Reste, und dann geht es zum Auffüllen. Nach Österreich. Und abgesehen von einer immer noch fehlenden Küchenlampe an der Stelle, wo gerade noch ein "Berliner Lüster" aka nackte Glühbirne hängt, bin ich jetzt eigentlich komplett fertig mit meinem Sommersitz.
Heute, hörte ich, soll es noch schneien.
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Montag, 14. April 2008
Real Life 13.4.2008 - Plexiglas

So etwas passiert. Besonders dann, wenn ungeduldige Fahrer erst mal lange im Stau stecken. Das passiert hier oft, auf dem Weg hoch zum Sylvenstein etwa schlich auf der Gegenfahrbahn durch den Ort Tegernsee eine schier endlose Schlange von Automobilen, deren Besitzern die Ungeduld ins Gesicht geschrieben war. Weil es so langsam, monoton und langweilig voranging. Und natürlich keiner weiss, warum es nicht weiter geht, warum Lambo, Z8 und die halbe Jahresproduktion von Porsche hier verdammt sind, ein paar hundert PS sinnlos durch die schmale Hauptstrasse zu schieben. Nach ein par hundert Metern hat man auch keine Lust mehr, den Motor aufheulen zu lassen. Was bleibt, ist die ungewohnte Ohnmacht von Entscheidern, nicht über ihr Fortkommen entscheiden zu können. Man sieht es ihnen an.
Es ist vielleicht ganz gut, dass sie nicht wissen, warum sie so kriechen. Es könnte ja sein, dass einer in seinem offenen Wagen deshalb lautstark den inneren Bohlen rauslässt und blöde Bemerkungen macht, die mich als Betrachter zwingen könnten, ihm jeglichen Respekt als Mitmensch zu verweigern. Und da gäbe es ganz sicher den ein oder anderen, denn die Ursache ist nicht nur menschlich - sie ist gegenüber den Leuten in ihren polierten, teuren Geschossen eine unangenehmer Hinweis.
Ein Mann. Ein Mann in bayerischer Tracht nämlich, mit Hut und Feder und Janker, und einer Decke an der Stelle, wo vielleicht Lederhose und Haferlschuhe sein könnten. Er kann nicht laufen, denn er führt nicht mal Krücken mit sich. Aber er hat diesen kleinen, gelben Elektrowagen, um sich herum weissgrün gestreifte Kissen, und nach hinten und vorne grob zugeschnittene Plexiglasscheiben. So, in Augen mancher vielleicht unangemessen, zockelt er mit 10 Kilometern pro Stunde über die Hauptstrasse von Tegernsee Richtung Gmund, und alle müssen sich seinem Tempo anpassen. Er weiss es. Und weil er es weiss, hält er in den Kurven auch ab und zu an, um Fussgänger passieren zu lassen, die der ein oder andere Verfolger in seinem Zorn über das Tempo am liebsten umnieten würde, einfach so.

Das Wetter ist inzwischen angenehm, du schaust nicht ohne ein Lächeln dem Mann mit seinem absurden Hütchen zwischen Plexiglas nach, der langen Reihe ungeduldiger Menschen hinter ihm, seiner Prozession der Entschleunigung, und weisst, wie sie nachher vorbeiziehen werden, und ihren Hass verschlucken, sie werden lieber darauf verzichten, als zu genau zu überlegen, was da unter der Decke ist, die der gleicht, die ihnen vielleicht auch bald droht, hinter dieser Kurve, einer anderen, einer Gelenkerkrankung und obendrein der nicht gerade lustigen Preisentwicklung im Gesundheitswesen.
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Nur 56k
Wirklich gefehlt hat es mir nicht, aber es ist nett zu haben. Was hingegen unerträglich ist, ist TV. Seit 20 Jahren halte ich mich zum ersten Mal wieder in einem Raum auf, der über eine Gästeglotze verfügt.

Und ich wüsste jetzt gerne, ob sich diese versanmelte Scheisse irgendjemand mal bewusst anschaut, und es erträgt. Was für ein Müll. Glücklicherweise sind hier jetzt endlich die ersten dreissig Bücher eingetroffen.
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Samstag, 12. April 2008
Weggewaschen
Aber: Diesmal ist das Frühlingsfest, und wenn es den Plebs dorthin zieht, ist auch am ersten Samstag der grosse, nur einmal im Jahr stattfindende Flohmarkt. Und der ist richtig, richtig gut. Normalerweise. Dann wäre es auch kein Problem
1 versilbertes Besteck
1 Schreibtisch (Biedermeier)
2 Lampen für die Terasse
1 Perserteppich (Seide) für die Wand
1 Rosenthalservice
noch 1 versilbertes Besteck
1 Stehlampe
und noch ein paar Kleinigkeiten zu kaufen. Aber zuerst war meine kleine Schwester dabei, und die erzwang (nur Ramsch!) einen Abbruch, und beim zweiten Versuch, diesmal allein, kam der Regen.

Und ich stellte fest, dass auch ein Schirm auf meine Einkaufsliste gehören würde. Erst im letzten Moment kaufte ich einem runden Italiener einen Schreib-, oder besser Spieltisch ab. Biedermeier. Glück gehabt.
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Freitag, 11. April 2008
Empfehlung heute - Eine böse, alte Geschichte.
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Dienstleister
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Freitag, 11. April 2008
Empfehlung heute - Ein glatter Schnitt
mit einem langem Strick und scharfer Axt.
Du bist die Frau von einem Zeitungslenker?
Egal! Im Schwertstreich dein Genick leis knackst.
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Real Life 10.4.2008 - Eine kompakte, schwarze Masse
Am Eingang sind ein paar sehr wohlerzogene Hunde angebunden und warten auf die leckerlibestückten Besitzer. An der Theke steht eine Frau, für die jede Elle-Diät umsonst Kiwis und Mangos mordet, und spielt beim Auswählen mit ihrer giftgrünen Pornobrille. Für ihren indischen Shawl hat vermutlich den Förderpreis für bengalische Kinderarbeit bekommen, und die in ihrer Sportlichkeit nicht ganz passenden Walkingschuhe verdanken ihre Entstehung vermutlich auch chinesischen Leuteschindern. Ein Wunder, dass sie die Damen hinter der Theke so liebenswürdig von einer Torte zur nächsten scheucht. Präventiv hat sie schon eine ebenfalls giftgrüne Brieftasche aus Lackleder in der Hand, und einen Schlüsselbund, an dem etwas unpassend ein kleines, gelbes Quietscheentchen hängt.
Während du noch überlegst, was du willst - leider ist mal wieder vieles, allzu vieles alkoholbedingt geeignet, Erbtanten reif für ein Treffen mit den hiesigen, fussballergatinnengeprüften Entziehungspfuscher zu machen - geht die Tür auf, und ein ziemlich altes Paar kommt herein. Sie hat das leidige Problem recht gut im Griff, Schaftstiefel wie aus "Gerti, die blonde SS-Bestie", und irgendwie hat es ein sicher nicht billiger Figaro geschafft, das Blond mit Strähnchen halbwegs echt aussehen zu lassen. Solang man das Gesicht nicht zu genau anschaut. Dann könnte man auch fast den Eindruck haben, dass sie erheblich jünger als ihr Mann ist.
Bei dem stimmt, statisch betrachtet, auch so einiges. Der Anzug, die Manschettenknöpfe, die Schuhe, ein Mann von Welt. Einer Welt, die vermutlich sehr klein geworden ist, so wie er seiner Frau hinterhertippelt. Eine gefühlte Ewigkeit nach ihr kommt er an der Theke an, von der Anstrenung fast so grau wie sein Anzug, bis auf die vielen Altersflecke, die er nicht wie seine Frau unter Kontrolle hat bringen lassen, weist mit zitternder Hand auf etwas und nuschelt "Frngfudr". "Ist das ein Frankfurter Kranz?", bescheidet seine Frau die Bedienung, und du wunderst dich fast, dass hier keine Peitsche im Spiel ist, oder jemand die Hacken zusammenschlägt. Sie nimmt, zahlt und knallt mit den Schuhen über die Fliessen, und der Mann kreucht ihr hinterher. Sie ist schon am Auto, einem 7er BMW, als du ihm die schwere Tür aufhältst. "Dnge", nuschelt er nach etwas Nachdenken, diese Sekunde, bis das Gehirn wieder die Koordination aus Bewegung, Erkenntnis und Reaktion zusammen hat , und schleppt sich weiter, die Blicke auf den Boden gerichtet und mit erkennbarer Anstrengung, diese kleine Welt, die ihm verblieben ist, zu überstehen, das ist die Hauptsache, von der traumhaft schöne Gegend hat er nichts mehr.

Du kaufst ein, und als du auf den Platz vor der Konditorei trittst, kommt eine kompakte, schwarze Masse die Strasse hoch, laut fauchend, ein 456er Ferrari. Nicht irgendein 456, sondern der, der früher auf deinem Parkplatz stand und der, zusammen mit zwei anderen, auch zu verkaufen gewesen wäre, aber du warst so vernünftig und hast dich für die Wohnung entschieden, und dem Verkäufer, der am Steuer sitzt, war es auch lieber so. Er sieht dich nicht, er fährt weiter, und vielleicht hat er gar nicht so unrecht, sich einen schönen Tag zu machen, und noch einen, das andere kommt vielleicht schneller, als man glauben mag, und dann profitiert nur noch derjenige, der die Frau für den kommenden Zweitmann renoviert, wenn man selbst längst in einem Premium Ressort alles vergessen hat.
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Der Tod in Tyrol



Zu alt für billiges Erschrecken und Splatter, für Brust-OP-Talks und Pieps über dem Fuck, zu alt für die allgegenwärtige Pseudosexualität und uneingelöste Versprechen nach dem guten, alten Fick, dem Versprechen ewiger Jugend als Vorgruppe, dem neuesten Scheiss und all dem Plastik, in dem derselbe verwahrt ist, überall von den Pimpcars bis zu den Wohnungen von neureichen Leuten aus Startup, Werbung und Plastiktönerei, die sich alles ausser Geschmack leisten können, mit einem mokanten Lächeln und der Hoffnung, leicht zu sterben, wenn die anderen bittschön an ihrer Dummheit krepiert sind, obwohl die eigentliche Strafe so ein Leben, so ein besschissenes Vegetieren in Würdelosigkeit als ein verfickter Popopa ist.
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