: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Donnerstag, 15. Januar 2009

Der Welt verloren

Über verschneite Felder und leere Strassen führt der Weg in die fränkischen Hügel, und im gleissenden Dunst erscheint langsam, schemenhaft die braune Masse von Schloss Weissenstein, erst ein Schatten, eine Verfärbung im Nebel, undefiniert, amorph, dann stofflich und erst aus der Nähe strukturiert, Architektur, Form. Ich fahre in den ersten Hof, stelle den Wagen ab, und betrete durch die kleine Eisenpforte - das grosse Tor ist verschlossen und wird es auch noch bis zum Ende der Winterpause bleiben - den Hof vor dem Schloss. Niemand ist hier.

Ich überquere den weiss verschneiten, fast unberührten Platz, folge vereinzelten Fussspuren im Schnee, die den Wegen zwischen den Rondellen folgen. Die Tore des Marstall sind mit Bretterverschlägen verschlossen, und hinter den Fenstern der Prunkräume sind Holzläden eingebaut. Ein wenig Schnee liegt auf den bemoosten Sandsteinfiguren, ein paar Vögel geben Töne von sich, aus dem wenig gepflegten Wald hinter dem Schloss, verstimmt und leise, aber ich bin hier, auf dieser Bühne glanzvoller Feste des Barocks, das einzige lebende Wesen.

Auf der anderen Seite an den spitzengekrönten Spalieren angekommen, verlasse die umbaute Fläche durch die kleine Eisentür, die sich zur Kastanienallee hin öffnet, und gehe entlang der braunen, bröckelnden Parkmauer die Strasse hinunter. Nach ein paar Schritten verblassen die Säulen, bossierten Steine und Fensterumrahmungen schon wieder in der überfeuchten Luft. Unten, am Cafe, wo ich Kuchen und Torten kaufe für die Termine in Frankfurt, bleibt vom Schloss nicht mehr als ein Schatten, eine Ahnung zwischen Schnee und Nebel.

Die Wärme, die helle Stimme der Verkäuferin, ihr Lachen, als ich ihr sage, dass ich immer auf dem Weg nach Frankfurt hier einkaufe, weil es dort niemanden gibt, der diesen Kuchen so machen könnte, ihre Freundlichkeit, mir eine Kiste für den Transport zu geben, das alles löst sich auf beim Rückweg über die menschenleere Allee, über den verlassenen Schlosshof, vorbei an den stummen Statuen, die den Krieg und die Kunst, die Tugenden und die Götter verherrlichen, und kein Wort verlieren über die Pleite, den Niedergang, den ihr Erbauer mit diesem hellbraunen Steingebirge erlitt, als er sich finanziell übernahm.

Auch die Vögel sind verstummt; das Knirschen des Schnees unter den dünnen Ledersohlen meiner schwarzen Schuhe, das kalte, zischende Atmen sind die einzigen verbliebenen Geräusche, als ich wieder die kleine Pforte öffne, den Wagen erreiche und die Torte verstaue. Mit einem heiseren Bellen springt der Motor an, ich habe lange, zu lange gebraucht, ich habe einen Termin zu halten, und in dem Ort nicht angemessener Eile jagt der Wagen auf die hügelige Landstrasse zurück Richtung Autobahn und Frankfurt, während das Schloss im schmutzig beschlagenen Rückspiegel wie ein kalter Fiebertraum in sich zerfällt, sich auflöst im Nebel, Licht und dem aufgewirbelten Dreck der Strasse, die dorthin führt, wo Menschen sind.

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Donnerstag, 15. Januar 2009

Empfehlung heute - Verlegen

ist Thomas Knüwer nicht, wenn er die Geschichte der Verleger auseinander nimmt.

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Morgen in Bildern

Mein persönlicher Höhepunkt des Tages - eines Tages, der von sehr viel Streit und Ärger geprägt war - war der Moment, an dem ich die Stimme des Blutes verspürte und nachher gemerkt habe, dass doch mehr von meinem Herrn Papa in mir steckt, als man so gemeinhin glauben möchte. Ich weiss nicht mal, ob ich das gut finden sollte - als ich klein war, empfand ich diese Facette meines Vaters, die ich nur indirekt erleben musste, höchst einschüchternd - aber es war wohl der Schlüssel, um die bayerische Version der calabresischen Mafia mit ihrem Wunsch nach mehr Geld für Immobilien ohne Gegenleistung massiv einzuschüchtern. Investoren wissen es natürlich später dennoch nicht zu würdigen, aber es war einfach gut für das private Wohlbefinden. Nachdem ich gestern Nacht in Vorbereitung des absehbaren Konflikts nicht geschlafen habe, werde ich heute sanft ruhen.



Und morgen dann in aller Früh aufbrechen, zum Arbeitsplatz von Herrn Ackermann, dessen baldigen Abschied inzwischen mit einem Tag Verspätung auch noch andere fordern- leise, verhalten, aber es scheint, als sei für Ackermann der letzte Weg heim in die Schweiz im Terminkalender eingetragen. Besonders erbaulich bei diesen rabenschwarzen Meldungen: Den PR-gefütterten Fanboys von Joe in den Wirtschaftsredaktionen dürfte das Maul heute mit einer Mischung aus Rizinus, Teer und Sekundenkleber ausgewaschen worden sein. Es wird lange dauern, bis diese Herrschaften wieder zum gesponsorten Hosianna in der Lage sind. Neben Ackermann frage ich mich auch beim von der Wiwo zur Deuba gewechselten Herrn Baron, wie lange der sich noch wird halten können.



Nun also, Frankfurt, wie auf dem obigen Bild "FFM09" zu sehen ist - links der schmutzige Mainbach, rechts der bröckelnde Turm, darunter die Kaschemmen des echten Bordellbetriebs, der eine bessere Performance als alle Frankfurter Vermögensverwalter haben dürfte, und ein paar abgerissene Gestalten, Opfer der Kostensenkungen im Bankengeschäft: Die Stadt, der Müll und das Klumpenrisiko. Zu Zynismus besteht trotzdem kein Anlass: Für die heutigen Nachrichten haben sich die Finanzmärkte eigentlich wacker geschlagen. Jeder Stand des DAX über 4000 ist in meinen Augen der Beweis, dass die Faxgeräte solche Verlustmitteilungen immer noch in schwarzer Kokaintinte ausdrucken. Und das ist keine linke Schadenfreude: Die heutigen Reaktionen mit dem Absturz der Banken sind ein schlagender Beweis dafür, dass die Börsen aktuell nicht in der Lage sind, Entwicklungen zu erkennen und auch nur die kurzfristige Zukunft korrekt einzupreisen. Wenn sogar ich hier niederschreiben kann, dass die Deuba in ihrem Gewerbeimmobilienportfolio extreme Risiken hat, sollte das auch jedem Banker, Trader und Journalisten klar sein, der mal einen Blick in die Bilanz wirft. Oder können die keine Bilanzen lesen? Das wird nicht nur bei der Deuba das grosse Thema der ersten beiden 09er Quartale. Vor allem, weil solche Projekte oft von mehreren Banken finanziert werden, die im Zweifelsfall unterschiedliche Interessen verfolgen. Ich hatte 2002 mal das Vergnügen mit einem Startup, dessen Kreditgeber uneins waren. Damals ging es um ein paar lumpige zweistellige Millionenbeträge, aber es hat Scharen von Beratern, Anwälten und Geiern geholfen, die Verluste noch zu verdoppeln. Gestern in Hall ging es in keinem Fall um weniger als 200 Millionen. Refinanzierung in den nächsten Wochen, spätestens zu Herbst. Und ein grosser Teil der damit verbundenen Risikopositionen stecken im Bereich Wealth Management und Privatkundengeschäft. Das nun steht zwar so nicht in der Bilanz, aber die Jungs wissen alle, was gerade am grauen Kapitalmarkt los ist.



Diese Krise frisst sich gerade wie ein Krebs durch die Klasse, die sich für die bessere Gesellschaft und das Bürgertum gehalten hat. Es ist noch nicht so weit wie 1929, aber es ist gut möglich, dass ein ganzer Lebensstil in ein paar Jahren wegen des veränderten Konsum- und Risikoverhaltens verschwindet. Man muss Prada und Poltrona Frau nicht mögen, man kann Villen mit 240 m² dekadent finden und die Mitgliedschaft im Konzertverein als Spiessertum abtun, aber die Vorstellung einer durchgeschalteten Aldigesellschaft in einem von Staatskonzernen zwangsveropelten Mashup aus Ost-DDR und West-Bonzen finde ich noch weniger erfreulich, als, sagen wir mal, ein Konzert mit den Wesendonkliedern. Bedauerlich auch, weil sich in den letzten Jahren eine Gesellschaft entwickelt hat, die sich losgesagt hat vom kackbraunen Bürgertum der Nazizeit und der bleiernen Adenauerphase, und selbst in der bayerischen Provinz an bessere Zeiten anknüpfen konnte. Es gab, ungeachtet aller Probleme, so etwas wie eine schmale Brücke der Läuterung und Einsicht über die Abgründe des 20. Jahrhunderts hinweg, und es wäre das Ende dieses Weges und der Bundesrepublik wie wir sie kennen, würde diese Krise im Schnellgang das Bürgertum in eine grosse Gruppe der Verlierer und ein paar wenige Profiteure ganz im Stil der 20er Jahre aufteilen. Das ist in meinen Augen das eigentliche Problem dieser Zeit und das Risiko für eine Gesellschaft, die sich bei mir daheim sicher wird halten können, aber was hat man davon, wenn in Zukunft die kapitalistalinistische Ostzone gleich hinter der Altmühl beginnt, wo der Trash des Privatfernsehens und der billige Frass der Multis die Stützen der Gesellschaft sind und den Lebenshorizont definieren, weil es einfach und billig ist.

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Mittwoch, 14. Januar 2009

Stützen der Gesellschaft

In der Regel muss es, wenn es soweit ist, sofort sein. Manchmal bin ich schon unterwegs, ohne überhaupt zu wissen, was und vor allem wer dort sein wird. Wenn mich mal einer fragt, wie ich damit klarkomme, sage ich, dass ich an den Herausforderungen wachse. Das klingt besser, als es ist. Es ist der Preis, den ich für den Rest zahle, es bewahrt den Status quo, und wenn ich Konflikte austragen muss, mache ich das eben. Es gibt Leute, die vor dem Nichts stehen, und andere, die damit rechnen, dass irgendwann die Gasheizung explodiert. Es ist immer eine ziemlich seltsame Atmosphäre, wenn ich zu solchen Terminen muss. Und nur selten ruft einer an und sagt, ich soll mir Zeit lassen. So wie heute.


(Grossbild)

Ich gehe hinunter zum See. Es ist ruhig, und ich habe das Glück, den Strand ganz für mich alleine zu haben. Am Strand ist es noch wärmer als auf dem Berg, viel zu hell und, angesichts der sonstigen Wetterberichte, nachgerade ungerecht. Als würde das Wetter die hohen Preise und die Abgeschlossenheit des Wohnungsmarktes rechtfertigen wollen, als gäbe es Lebensrabatte für die Stützen der Gesellschaft.

Natürlich ist dem nicht so, was hinter den Bergen wartet, ist das gleiche Elend wie überall sonst auch, Gier, falsche Ratschläge, und am Ende eine hohe Rechnung, weil es nicht genug war, weil es nie genug ist, weil man für den kleinsten Vorteil alles zu tun bereit ist. Unfassbar. Unfassbar blöd, das alles. Besonders erbost: Die das alles gemacht haben, um ihren Kindern die beste Ausbildung zahlen zu können. Wenn ich nicht so ausgeglichen, sonnendurchwirkt und zufrieden angekommen wäre, hätte ich vielleicht sogar etwas Doppeldeutiges gesagt.

Dann eben später, an einem anderen Ort.

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Die Bankrotterklärung des Josef Ackermann

Ich tippe eher auf sowas wie grossen Knatsch zwischen Deutscher Bank und Postbank (Nobrainer)

Ich lag mit meiner Prognose am Anfang der Woche absolut richtig: Die Deutsche Bank will mit der Post über einen Rabatt bei der Übernahme der Postbank verhandeln. Das ist meines Erachtens der falsche Weg. Die Deutsche Bank sollte besser mit der PR-Tretmine Ackermann über seinen Abgang verhandeln - und über eine Kompensation der von ihm angerichteten Schäden.

Denn der miserable Deal mit der Bostbank ist nur eine der Fehlleistungen der letzten Zeit. Bei den New Yorker Zockern kann man vielleicht noch eine Art Eigenleben als Erklärung für die Pleite geltend machen, aber die 29,75%-Übernahme der Postbank zum ersten Quartal 2009 für 57,25 Euro pro Aktie - mehr als das Vierfache des aktuellen Kurses der Postbank - lässt bezweifeln, ob Ackermann da sowas wie eine Due Diligence hat durchführen lassen. Oder auch nur einen blassen Schimmer von dem hatte, was nach ein paar Monaten ohne substanzielle Veränderung im Markt Realität sein würde. Dass die Post in drei Jahren nochmal 20,25% der Aktien für 42,80 Euro an die Deutsche Bank verkaufen kann, ist so eine Art garantierte Wertberichtigung, der die Aktionäre der Deutschen Bank für drei Jahre schädigen wird.

Ich glaube auch nicht, dass sich Ackermann auf "Unvorhersehbarkeit" wird herausreden können. In diesem Marktumfeld muss man mit allem rechnen. Ackermann wollte so schnell wie möglich eine Alternative zum - von ihm geförderten und jetzt krepierenden - Investmentbankengeschäft, um sich weiterhin als genialer Turnaround-Manager präsentieren zu können, der die Krise besser als andere meistert. Dafür hat er die Postbank angekauft, und das in einer Geschwindigkeit, die nicht im Mindesten den Anforderungen einer sauberen Prüfung und Bewertung der Postbank angemessen gewesen wäre. Und kaum ist der Deal durch, hat die Postbank nur noch rote Zahlen zu vermelden, als wäre sie ein drittklassiges Startup, das sich an einen blöden Medienunternehmer verscheuert hat.

Ackermann hat sich massiv verspekuliert, und das mit einem absoluten Anfängerfehler. Die Marktkapitalisierung für die Postbank liegt aktuell gerade mal bei 2,81 Milliarden Euro; allein für die erste Tranche wären knapp 4 Milliarden von der Deutschen Bank fällig. Die Kosten für Integration und Anpassung sind da noch nicht mal angedacht. Ackermann würde also über 3 Milliarden allein beim aktuellen Kurs draufzahlen. Und so jemand, mit diesen Qualitäten in Vorhersage und Bewertung, soll die Geschicke der grössten deutschen Privatbank in der grössten Krise seit 1945 führen?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Ackermann noch lange Chef der Deutschen Bank bleibt.

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Dienstag, 13. Januar 2009

Alle meine Freunde

Alle meine Hamburger Freunde erzählen mir, dass die Alster zugefroren ist, und alles in der Kälte erstarrt. Schön, aber eisig kalt. Komischerweise tauen bei uns auf 1100 Meter inzwischen den Bäche wieder auf.



Viele meiner Münchner Freunde aus dem Bereich, der sich nicht mit den Freuden des grauen Kapitalmarkts beschäftigt, haben Angst um ihren Arbeitsplatz. Ich kenne dort eigentlich keinen, der nicht einen normalen Arbeitsplatz hat. Aus Berlin höre ich weniger klagen, aber dort haben ja auch nur die wenigsten einen normalen Arbeitsplatz, den sie verlieren könnten. Dort ist es eher das Entsetzen über die Jahresabrechnung der BAWAG - hier, wenn ich das so sagen darf, ist es nicht so schlimm, denn wenn man im T-Shirt draussen sitzen kann, braucht man keine Heizung.



Alle meine Freunde, die reich sind oder reiche Eltern haben, sind momentan ziemlich aufgekratzt. Alle haben verloren, und wenn ich ihnen sage, dass mit dem dicken Ding der Citigroup, wo der nächste Bailout ansteht, ihr Portfolio noch etwas dünner wird, schreien sie durchs Telefon, ich soll aufhören - selbst wenn sie mich oben auf dem Berg anrufen und fragen, ob ich ein passendes Objekt gefunden habe, und wie schlimm alles ist.



Alle meine Freunde mit Ahnung von der Thematik verstehen nicht, wie ich in Zeiten wie diesen so ruhig bleiben kann. Wenn es irgendetwas gibt, das sie gerade nicht ertragen könnten, dann wäre es das Besteigen eines Berges und die stundenlange Trennung vom Informationsfluss. Ich glaube, die könnten sich oben auch nicht eine Stunde in die Sonne setzen. "Rentner" wäre auch nicht mein Lebensentwurf, aber ich glaube, von den alten Herrschaften auf den anderen Bänken könnten sie einiges lernen. Nicht, dass die auch unbeschadet durchgekommen wären, aber die haben trotzdem den Willen, das Leben zu geniessen.



Und da oben ist es ja auch kostenlos. Es ist so schön, dass ich beim Überschreiten des Bergrückens, wenn die Kette der Blauberge auftaucht, hysterisch zu lachen beginne. Die Anstrengung, die dünne Luft, die Wärme, die Sonne, der Blick. Ich wünschte, alle meine Freunde könnten das sehen, sich mal frei machen, das ganze andere Zeug vergessen. Es kostet nichts, aber es befreit ungemein. Und es sorgt dafür, dass vom Winter 2008/9 etwas anderes in Erinnerung bleibt, als vergeudete Angst vor dem Unausweichlichen.



Bis dann der Anruf kommt und unvermittelt eine Verpflichtung ausspricht, nicht sofort, aber morgen, unaufschiebbar, schnell, unvorbereitet, so ist der Job, das sind seine Tücken, da ist man schneller in Hall in einem Hotel und erzählt was, von dem man selbst nicht so die tolle Ahnung hat, als man gemeinhin glauben möchte. Es geht wieder runter, die Piste ist schnell, extrem schnell, es sind kaum Leute unterwegs, man lässt es einfach laufen über Schnee und durch diese delikate Tegernseer Luft, die einen beschwingt und lustig macht, auch wenn der Rest, wie für alle meine Freunde, absolut nicht lustig ist.

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Ein unterschätztes Problem der Berge

Rücksichtslos die Rodelpistenkurveninnenseiten kreuzende Rowdytannen und herumlungernde Hoolfichten, die Ärger suchen.

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Zu schön

Ich mein, 12. Januar, dezente 12 Grad plus auf der Terrasse, endlich eine spezielle Kanne nur für die Mischung aus Schwarz- und Pfefferminztee, zwei gebackene Camenbert, frisches Brot und so viel Sonne, dass man fast nicht hinschauen kann -



Da muss man sich doch nebenbei auch mal mit etwas web2.0-menschlichem Elend beschäftigen. Und bei der Klitsche von Pleitier Peter Turi mittels Rechnung nachschauen lassen, ob schon grössere Bezahlprobleme oder - bis zur Zwangsvollstreckung - erst mal nur Zahlungsunwilligkeit vorliegt. Überschrift für den Ernstfall habe ich schon: Turi2 wird Turibrei.

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Montag, 12. Januar 2009

Drei Sonnenuntergänge

Eine der widerlichen Seiten des Winters sind die Sonnenuntergänge, die die ohnehin schon kurzen Tage knackig beschliessen: Die Sonne rauscht unter den Horizont, es wird Nacht und dunkel und kalt, und das alles in ein paar Minuten. Kein Spektakel, kein grosses Theater, nur der Hinweis, dass es Zeit wird für den offenen Kamin und das Eisbärenfell. Es sei denn, man hat einen einigermassen steilen Berg vor der Haustür.



Dann dauert der Wechsel vom Tag zur Nacht, diese obskure Zwischenzeit, ungefähr eine Stunde. Denn während die Sonne untergeht, geht der Betrachter vom Fusse des Berges im scheinbar letzten Tageslicht hinauf, es ist eine Art Paarlauf, immer an der Kante des Tages entlang.



Denn auf der ersten Alm schneidet die Sonne noch durch die Bäume durch, es bleibt auch etwas Zeit, sich zu erinnern: Ziemlich genau jetzt würde in Hamburg schon die Sonne untergehen, aber das hier ist Süden und ein paar hundert Kilometer näher am südlichen Wendekreis, das bringt am Abend 25 Minuten, nicht viel, aberauch nicht wenig, wenn die Tage kurz und kalt sind.



Oben auf der zweiten Alm wäre dann tatächlich Sonnenuntergang, hinter dem Mangfallgebirge muss sie sein, denn die Kondensstreifen der Flieger schimmern noch rosarot. Es wird hier oben nicht so schnell kalt wie im Tal, die Wiese ist schon wieder weitgehend schneefrei, man kann warten und zuschauen, wie sich das Blau im Schwarz der Nacht auflöst.



Und trotzdem ist dann im Westen immer noch genug goldener Schimmer am Horizont, um für die Abfahrt genug zu sehen. So zieht sich der Tag dann bis nach fünf, bis man unten ist und den Rodel verstaut, ist es halb sechs, und ein paar Kinder bequengeln ihre genervten Eltern am Hügel neben dem Parkplatz, dass sie nochmal da hoch und runterrutschen wollen. Da Guiecke, dort Verärgerung, und das alles bricht plötzlich herein, nach einem einsamen Aufstieg in Stille und Gelassenheit.

Das finde ich dann wirklich finster.

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An einem diesigen, bitterkalten Wintertag

kann man dennoch normalerweise nicht einfach so mal eben in Urlaub fahren.



Das kostet nur viel Geld, die Bucherei nervt, man ist ständig in Eile, und überhaupt.



Deshalb ist es ja auch gar nicht so dumm, nicht in den Urlaub zu fahren, sondern nach zweitzuhause.



Wo man bei drei Grad draussen - in der Sonne sicher sehr viel mehr - überhaupt nicht versteht, was die mit dem Gewäsch von der Rekordkälte haben.



Hier ist es fast schon wieder Vorfrühling.

(Aus der Serie: Tage, an denen man weiss, warum man kein Aktiendepot besitzt)

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Transfer

Es ist nur ein Gefühl, aber es sagt mir, dass nächste Woche etwas sehr Dickes passieren wird; eines dieser Ereignisse, von dem man nicht zwingend in einer hektischen Stadt hören möchte, die voll ist von Geschnatter und käuflicher Meinung. Der Knall möchte bittschön gedämpft ankommen und sich ausgetobt haben, bevor er als Grummeln dort aufläuft, auf der ersten Anhöhe der Alpen über dem See und vor dem Berg, den es dann vielleicht zu überwinden gilt, sei es nur nach Österreich, oder doch gleich wieder in die Schweiz.



Der Aufbruch kommt eher als gedacht, und dennoch später als beansichtigt, Familiengeschichten, Termine, Arbeit, ausserdem Einpacken, denn manches geht, versteckt im Convoi wintersportfreudiger Münchner, an den See und macht Platz für Neues. Ich warte noch auf ein Jugendstilservice aus Limoges, das vielleicht ganz fein wäre, mit seinen das Kommende nicht ahnen lassenden, verspielten Formen, weiss und unschuldig und den Goldmalereien, die kaum unpassender sein könnten als in diesen bleiernen Tagen des Wartens.

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Samstag, 10. Januar 2009

Die Skalpe meiner Feinde - die Kamera der Japanerinnen

Nehmen wir mal an, wir haben uns im Mai 2006 eine dieser superschnieken kleinen Edelkameras gekauft, die wir in Salzburg und Wien in den Händen dieser feinen, jungen Japanerinnen sehen. Diese ultraschlanken Metallkästchen mit riesigen Displays, die mehr ein Modeartikel denn ein technisches Gerät sein könnten, wäre da nicht die modernste Technik des 21. Jahrhunderts verbaut, weshalb es auch keine Knöpfe mehr gibt, sondern ein zweifarbiges Gehäuse ohne Unterbrechungen und ein berührungssensibles Touchpad, auf dem dann fein manikürte japanische Finger - ist eigentlich schon mal jemandem aufgefallen, dass es absolut keine einzige japanerin mit abgekauten Fingernägeln gibt? - Bilder herumschieben und lustige Rähmchen einfügen. Kurz, die Sorte Kamera, die wirklich kein Arbeitsgerät für die Mille Miglia mehr ist, sondern das Gadget, dessen Prestige etwas teurer ist. 400 Euro. Das kostete die Pentax Optio T10 vor 32 Monaten, als sie auf den Markt kam, und es war keine von den Billigklunkern, die mit angeblichen Riesennachlässen beim Grosshändler an Idioten vertickt werden.



Wenn wir das bezahlt haben, sollten wir es tunlichst vermeiden, heute im Photofachgeschäft in der Innenstadt eine frische SD-Karte zu kaufen. Wir könnten etwas entsetzt vor der Vitrine stehen, in der gerade sowas wie eine Preisindung stattfindet. Da ist nämlich unsere Kamera - unbenutzt, originalverpackt und funkelnd - für 50 Euro zu haben. Was in etwa bedeutet, dass selbst bei diesem teuren Luxusprodukt der Wertverlust nach 32 Monaten bei 87,5% liegt.

Früher sagte man in unseren Kreisen, wir seien zu arm, um uns schlechte Dinge leisten zu können. Oder auch, wie meine Grossmutter immer sagte "Das Glump is zwoamoi deia", und natürlich hatte sie damit wie immer recht. Hatte. Denn der Preisverfall auch hochwertigster Technikgegenstände ist ein Widerspruch, vielleicht sogar der hedtigste Widerspruch zu dieser alten Sicherheit. Bei diesem Wertverfall besitzt man auch die besten und exklusivsten Dinge nicht mehr - selbst wenn die Kamera bis heute durchgehalten haben sollte, zwei andere Pentax, die ich besass, haben jeweils nur ein paar Monate gehalten. Bei diesem Wertverfall least man allenfalls, man zahlt monatlich 10 Euro für das Gefühl, eine Kamera zu besitzen, aber eigentlich ist es nur ein Kameraupdate, das man da in Händen hält, das nur dazu geschaffen wurde, um wieder zu verschwinden und teuer ersetzt zu werden. Früher kaufte man teuer, weil das Teure seinen Wert behielt, heute kauft man teuer Geliehenes, um bald wieder teuer zu leihen.

Wenn wir das alles weiter denken, fällt uns ein, dass wir das auch aus der Religion kennen, die uns verarscht, wir hätten unsere Lebenszeit nur geliehen. Die Gadgetindustrie ist klüger, sie gaukelt Besitz vor, tatsächlich aber hat man das Eigentum nur temporär geborgt, bis zum Ausfall und Kauf des nächsten Gadgets. Und wie der Idiot im Mittelalter findet man dieses Leihverhältnis mit irgendwelchen japanischen Fabrikbesitzern normal. Es gibt Blogs, die das alles begeistert empfehlen, es ist ein Lebensstil, und wir fragen uns, wann der erste die Kirche der Gadgets eröffnet, wo man gegen Bezahlung den ganzen Plunder jährlich neu bekommt, wo einem der Ablass dieser Dinge nach einem Jahr gewährt wird und man immer das Gefühl hat, den richtigen technischen Lebensstil in seiner jeweiligen Ausformung anzugehören.

Vormodern wäre das natürlich, aber das Perverse daran ist: Vormodern funktioniert bis heute, weil der Mensch vormodern ist, sich ungern Gedanken macht und obendrein trotzdem gern modern wäre. Etwas, das in dieser Kombination nicht möglich ist, es sei denn, man findet jemanden, der einem das Leben und das Umfeld für Geld entprechend definiert. Wir dagegen sagen uns, dass wir um unsere Vormodernität wissen und daran arbeiten, aber gegen so einen Skalp von denen, die sich von der Kirche der Gadgets jedes Jahr den Arsch bis zum Haaransatz aufreissen lassen, haben wir natürlich nichts einzuwenden. Den Wertverlust haben sie, wir haben das Gadget.

Und Angst, dass es wieder so ein miserables Drecksding wie die anderen Pentax ist.

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Empfehlung heute - Zufrieden.

Die Katze bekommt das Licht, die Streichelei und 7 (abgezählt, weil Diät, Jahreswende war vor kurzem und der Tisch immer erreichbar) Knuspertaschen.



Und ich bekomme einen Versuch von Blogwerbung bei Anke Groener.

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Samstag, 10. Januar 2009

Ihr seid alle Chinesen, nur wir sind Graubündner

Bloomberg steht jetzt nicht gerade in Verdacht, antiamerikanisch und linksradikal zu sein. Trotzdem ist heute mein Kellergewölbe die Hölle zugefroren, als ich das hier gelesen habe: Eine feine Analyse, warum die neuen Schulden der USA eine Madoff-artige Betrugsmasche sind, und die Chinesen kaum anders können, als weiterhin reinzuzahlen. Überflüssig zu sagen, dass es diese Texte sind, für die man hofft, dass die chinesischen Fonds die Übersetzung von Satyam, den Ausdruck von einem Lenovodrucker und den Transport von einem Opel Astra übernehmen lassen. Sind die Meldungen da drin auch schrecklich, wirklich schrecklich, wenn man sie zu Ende denkt - dort steht dann der Staatsbankrott - ist die erlebte Realität dann doch eine andere.



Schliesslich hat der hier ansässige Konzern auch dieses Jahr mit einer Steigerung von 4,1% abgeschlossen, trotz Lehman und Finanzkrise - einfach, weil er das Zeug baut, das die Leute haben wollen. Und wenn ich morgen an den See fahre, wird auch alles gut sein, denn der See ist der Ort, wo die Leute mit diesen Autos aus dieser Stadt hinfahren wollen. So einfach ist das. Ich und meine Freunde, wir sind Graubündner, und es ist ziemlich beruhigend, gerade nicht von den Kreditkäufen der Chinesen abhängig zu sein.

Das erlaubt einem auch die Freiheit, die es sonst unter den Sklaven Chinas nicht gibt: Vielleicht ist es jemandem aufgefallen, wie unsagbar wenig man im Moment über die Menschenrechte ich China hört. Tibet - nichts mehr. Staatliche Morde - nichts. Westliche Unterdrückungshelfer -- ungeschoren. Diktatur - egal. Arbeitsbedingungen - irrelevant. Zwangsarbeit - war da was? Das alles gibt es weiterhin, aber keiner scheint Lust zu haben, die Chinesen auf dem grossen Dollarsack damit zu ärgern. Ich habe, so von meinem privaten Graubünden aus gesehen, fast den Eindruck, als gäbe es da so eine Art stillschweigende Übereinkunft. Der Westen braucht das Geld, China braucht den Absatzmarkt, Störungen gibt es ohnehin zu viele, also kümmert sich jeder um sein eigenes Zeug und seine eigene erfolterterderliche Sicherheit.

Man kann das auch etwas weiterdrehen. Sudan, zum Beispiel. Simbabwe. Kenia. Das sind alles keine Nachrichten, wenn sogar Handtaschenseiten schliessen müssen, weil das eBusiness dann doch nicht mehr so rockt. Es sieht so aus, als ginge dem befürchteten Wirtschaftsprotektionismus schon lange ein Protektionismus der Menschenrechte voraus, als blickte jeder nur noch auf seine Sachen und liesse zu, was woanders sein mag, denn jeder kaut am eigenen Problem.

Und dabei übersieht man, wenn es die neue Lage es jetzt wieder erlaubt, mal eben einen Regenwald abzuholzen, eine Startbahn zu planieren, die Arbeitgeberbedingungen zu lockern und die Steuerprogression zuugunsten der Reichen zu verändern. Was dem totalitären Mörder in China seine billigen Strafgefangenenarbeiter, ist dem Seehofer, der Merkel und dem Westerwelle das Steuerprogressionsgeschenk an meinesgleichen. Das Geld des echten Chinesen wird zugunsten des Regimes in fette amerikanische Ärsche geschoben, das Geld der deutschen Chinesen zugunsten des Machterhalts von Auswüchsen a la Koch in die Ärsche der Banken und der Reichen.

Eigentlich müsste ich CSU oder FDP wählen, eigentlich könnte es mir egal sein, was aus euch dummen chinesischen Cretins mit und ohne Blog wird, weil es euch ja auch egal ist, wenn man sich so umhört und umliest. Das Konjunkturpaket nach Gusto der Union ist blanker Raub zugunsten der Besserverdienenden. Sie bescheissen euch, sie beklauen euch, weil es gerade jeder macht und keiner aufpasst. Schon gar nicht ihr, ihr blöden, denkfaulen Chinesen.

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Donnerstag, 8. Januar 2009

Antidot du jour

Es gibt beim Blog nakedcapitalism nach all den schlechten Nachrichten des Linküberblicks immer ein nettes Tierbild, das von den Katastrophen ablenken soll. Ich glaube, das brauche ich heute auch:



Ihr, selbst wenn ihr nichts von Wirtschaft versteht, braucht das auch. Glaubt mir, ihr braucht ein Antidot. Egghat hat die Details der Rettungsaktion der neuen Staatsbank Commerzbank, die wegen der kommenden Abschreibungen gerade nochmal wegen der Fusion mit der Dresdner dem Tod von der Schippe gesprungen sein dürfte. Coba/Dreba teilverstaatlicht. Vor zwei Jahren hätte man für die aktuelle Regierungspolitik einen Lafontaine noch ausgelacht.

Das ist der Grund, warum meine Jahresprognose auch so bitter negativ ausfällt: Das, was wir wissen, ist nichts gegen das, was vor uns verborgen ist. Die Coba würde ich trotz allem als weitaus stabiler und besser kontrolliert als viele andere Banken dieser Welt einschätzen. Wenn es denen schon so dreckig geht, wie muss das erst bei anderen aussehen? Oder Satyam - indische Firma, aber testiert von PWC nach amerikanischen Massstäben: kein Grund, nicht mit einem Milliardenschwindel durchzukommen. Lehman, Bear Stearns, Citibank und WaMu ging es ja auch gut, bis der Zusammenbruch kam.

Das ist keine Zeit mehr für Prognosen auf Basis der zugänglichen Daten. Man sollte 2009 nach dem Worst Case Szenario leben und handeln. Trau keinem, glaub nichts.

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