: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Mittwoch, 15. April 2009

Jungs brauchen grüne Spielzeuge

Heute Nachmittag, am schönsten Spielplatz des Landes:



heute Nachmittag also sass ich am See, in einem Strandcafe neben dem Spielplatz, und hörte mir die Bedrängnisse meiner hiesigen Mitbewohner an.Zum beispiel, dass es in Östereich einfach Dinge gibt, die man hier nicht bekommt. Nicht nur die Abschaffung der Erbschaftssteuer, sondern auch Käse und Gemüse und echte Bergbauernbutter und überhaupt ist es dort alles besser. Zwar hat inzwischen auch der Supermarkt in Dürnbach ein Schild aufgehängt, dass man keine Eier aus Käfighaltung anbiete, oder sie aus anderen Ländern importiere, aber das reicht nicht. Ganz erstaunlich. Ich weiss noch, wie es darum vor 1o Jahren noch grosse Debatten gab, und da waren die Naturbefürworter in der Minderheit. Heute verbietet eine CSU-Ministerin Genmais. Damals hiess es, man könne sich Bio nicht leisten. Heute sagen sie, sie könnten etwas anderes ihrem Körper nicht antun, und jetzt bitte noch einen Milchcafe, der wird übrigens mit Milch aus der Region...

Ich nicke viel und bin ganz froh, niemandem meine Haltung mehr erklären zu müssen. Die konservative CSU-Stammwählerschaft ist längst grün wie Galle, die haben sich wirklich angestrengt in den letzten Jahren, und vielleicht setzen sie gerade auch zum Überholen an: Denn heute Nachmittag verschwand im Internet ein Inserat, und das Spielzeug, das da inseriert wurde, und das ich erwerbe, weil, oh je, lange Geschichte, im Prinzip ist es so, dass ich jemand versprochen habe, mit ihr ein paar Spielereien zu machen, und aufgrund ihrer persönlichen Lebensplanung reicht aber das alte Spielzeug nicht aus, also muss ein neues Spielzeug her, und das ist, ich bedaure es, nicht biologisch-dynamisch. Weder biologisch, noch besonders dynamisch. Wenigstens ist es grün. Sehr grün. Sie werden mich trotzdem hassen.



Nicht nur sie, nehme ich an. Ich denke, das wird eine spannende Mille Miglia 2009.

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Wie die Reise endet

warum das Papsttum am Ende ist, wie auch der Autor, und warum das, alles nichts gebracht hat. In der FAZ und in Orvieto.

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Dienstag, 14. April 2009

Die Haut

Die letzten paar Reisen bin ich in Italien gewesen, ohne Tierhaut zu erwerben. Ich esse bekanntlich kein Fleisch, was in Italien manchmal die Auswahl erschwert, aber nachdem leder ohnehin bei der Fleischprodujtion anfällt und ich nicht gerade mit Jesuslatschen herumlaufen möchte, greife ich gemeinhin zu Lederschuhen. Besonders in Italien. Bis vor zweieinhalb Jahren.

Danach sass die Copilotin auf dem Beifahrersitz und kümmerte sich beim Schuhkauf um Standards. Meine Füsse sind nicht gleich gewachsen, was die Suche nach passenden Schuhen erschwert, und seit einem Missgeschick mit meinem kleinen Zehen ist die Auswahl noch enger geworden. Ich unterscheide Schuhe nach den Kriterien "passt", was selten ist, und "passt nicht", was die Regel ist. Legt man nun den Qualitätsfilter der Beifahrerin drüber, die Leder, Nähte und Machart besonders begutachtet, bleiben eigentlich nur extrem teure Schuhe übrig, die sich bei mir aber nicht lohnen, weil ich sie mit meinen unterschiedlichen Füssen und Druckpunkten so oder so schleunigst ruiniere. Wirklich. Ich habe eine Menge Erfahrungen mit Schuhen von Bally: Es macht keinen Sinn. Eigentlich wäre ich der ideale Kunde für Moonboots im Winter und Plastiksohlen im Sommer. Wie auch immer, die Copilotin blickte jedesmal streng drein, wenn meine Hand nach minderwertigen Lederwaren griff, und so liess ich es dann auch bleiben, während die Copilotin jedesmal viel Platz für eigene - aber das ist eine andere Geschichte. Wie auch immer, diesmal lag Nebel über dem nördlichen Gardasee, wir hatten noch 2 Stunden Zeit, um den Jaufenpass 3 Stunden nach der offiziellen Schliessung zu erreichen, und so versuchten wir es erneut an einem Ort, den die Copilotin schon bei einem ersten Versuch als nich angemessen eingestuft hatte, und siehe:



Es gibt sie noch, die Schuhe, die mir zusagen und passen, der Copilotin zusagen, preislich nicht gleich auf dem Niveau des Hauses B. liegen und obendrein durch Handarbeit einen scheingebrauchten Touch haben. Manche werden sagen, dass zweifarbige Budapester ein wenig aus der Mode sind, aber unmittelbar davor bin ich die Gardesana hoch und habe beschlossen, dass ich dieselbe im Sommer gerne mit einem Wagen fahren möchte, der exakt zu diesen Schuhen passt. Vielleicht probieren wir auch ein gebloggtes Wettrennen aus: Ich und die Copilotin rasen in einem Audi R8 von Frankfurt aus durch die Schweiz nach Monte Carlo, um dort 50.000 Euro im Spielkasino zu verjuxen, und in Frankfurt hat ein Zocker ebenso lang Zeit, seine 100.000 auf ebenfalls 50.000 Euro zu reduzieren. Das wären dann die passenden Schuhe.



Und ausserdem gab es, auch hier wieder ohne Widerspruch, in Italien den passenden, gebrauchten Koffet für das Bare: Innen Hirschlederfutter, aussen Rindsleder, offensichtlich keine Fabrikware, Messingbeschläge und genau die Art Koffer, in denen der Mafioso dem Politiker einen Besuch abstattet. Und weil meine diversen Uhren bislang in einem Fach des Koffers auf dem Gepäckträger grossen Risiken ausgesetzt waren, fanden wir in einem kleinen, genau richtig riechenden Handwerkerbetrieb gleich an der Engelsburg auch noch eine spezielle Tasche für Uhren, Karten und einem Extraband für Manschettenknöpfe für, man darf das gar nicht laut sagen, jedenfalls: Die Zeiten, da ich Angst haben musste, die Rolex könnte die Longines zerkratzen, sind durch Einzeltäschchen aus Hirschleder erst mal vorbei.



Und dann war da noch die vorletzte Unterkunft, in der man alles hätte mitnehmen können, in der nichts Schlechtes oder - mit Ausnahme von Matratzen, Bettzeug und ähnlichem - Neues zu finden war, in der man inmitten der Familienerbstücke residiert. Die Copilotin sah es und meinte, es würde mir sicher gefallen, und abgesehen davon, dass so ziemlich jeder Gegenstand mich daran gemahnte, dass ich so etwas nicht habe, oder solche Ideen nicht hatte - der Computer etwa war hinter einen Paravent verborgen, und den Mut, einen Tisch in Hellblau und Gelb zu streichen, hätte ich nicht - mal abgesehen von diesen, auf mich selbst zurückzuführenden Makel fand ich es wirklich grossartig. Da waren etwa zwei kleine Terrinen auf der Anrichte, die, ach... In Mantua stand ich dann vor dem Schaufenster eines Juweliers, und dort standen sie dann, erstklassige Nachschöpfungen barocker Originale einer französischen Firma, die es seit zwanzig Jahren nicht mehr gibt und deren feinste Produkte nach längerer Zeit im Lager 2009 zum Preis von 1979 angeboten wurden. Ideal, wenn man etwa im Sommer draussen Erdbeerquark...

Bleibt nur eine Frage, auf die ich keine Antwort weiss: Warum habe ich nur zwei genommen? Aber demnächst bin ich wieder dort, und wenn ich dann nach der ganz grossen Anschaffung und deren Reparaturen und sonstigen Kosten noch Geld haben sollte, werde ich dort nochmal vorbeischlendern. Denn das Leben ist für Bescheidenheit viel zu kurz, und wenn man alt und krank ist, hilft einem auch die schönste Terrine nicht weiter.

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Sonntag, 12. April 2009

Timeo Danaos

Auf dem Weg zum Bäcker



stehe ich noch etwas am See und schaue, wie alle anderen, hinaus. Es ist hier auch schön. Der running gag zwischen der Copilotin und mir lautet stets: "Warum fahren wir eigentlich hier weg?"Nachdem der Gardasee aber wirklich schön ist - diesmal auf der Westseite - erklärt sich die Frage im Laufe der Reise, solange es nicht regnet. Dann gehe ich weiter zum Bäcker, wo man mir Brot verkauft, einen diesmal mit Kreuzschnitt versehenen Rosinenlaib, und obendrein, zwengs der guten Kundschaft, ein Osterlamm schenkt.



Es ist nicht so, dass ich das Christentum mag, aber so ist es mir lieber, als tatsächlich Lammfleisch essen zu müssen. Ich traue denen trotzdem nicht ganz. Ich komme von hier, da kann man ihnen nicht trauen.

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Samstag, 11. April 2009

Tot und eitel

Ich bin zwar kein Freund der Kirche, aber man muss ihr zugute halten, dass sie es zumindest versteht, ihre Glaubensinhalte gut zu verpacken. Gerade, wenn es um die eher schweren Themen wie den Tod geht. In Rom und in der FAZ.

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Freitag, 10. April 2009

60er

Wenn man so unterwegs ist und nur das Internet für die Arbeit frequentiert, bekommt man anderes gar nicht so mit: Der erstaunliche Aufstieg der Börsen etwa, eine ziemlich offensichtliche Abmachung weiter Teile der Medien, nur auf den DAX zu starren und bloss nichts zu sagen, was zeigt, dass die Misere noch lange nicht ausgestanden ist, dass man sich gerade sie Taschen volllügt, damit die Kurse wieder steigen und amerikanische Pensionäre den Eindruck haben, ihre Pensionen würden wieder Geld abwerfen. Ausserdem sind bald Wahlen, da würde jede Wahrheit nur schmerzen, und das will offensichtlich keiner, weshalb man sich unter wohlfeilen Wirtschaftskäuflingen an der PR von Twitter, Facebook und anderen Müllblasen des Internets berauscht (feat. deutsche Blogosphäre mit ihrem Kampfruf "nicht nur billiger, sondern für lau"). Solange wird es erst mal eine Weile abwärts gehen.



Ich habe mir das während meiner Reise überlegt: Mir geht es ja nicht direkt schlecht. Ich kann mir das schon leisten. Mir. Aber ich hätte massive Probleme, mir das zu leisten, was sich meine Eltern leisten konnten: Mit zwei Kindern wochenlang rumfahren, Urlaube machen, Skipässe zahlen, Wohnungen mieten und bei Bedarf auch kaufen. Meine Eltern kommen aus der Generation, die noch den ganzen Schub der 60er Jahre mitnahmen, Kredite in Zeiten hoher Inflation locker abbezahlten, und in den 80er und 90er Jahren in exakt jener Position waren, um bei den Umverteilungsprozessen auf der richtigen Seite zu stehen. Da kann nichts anbrennen.

Bei mir selbst - vermutlich auch nicht. Weil ich selbst im allerschlimmsten Fall noch immer genug hätte, um mein Leben so weiterzuführen, wie es gerade ist, nur dann eben ohne das Anlegen von Ersparnissen und mit deutlich reduzierten Kosten für Antiquitäten und andere Dinge, die ich nicht wirklich brauche. Ich kann auch nicht ganz ausschliessen, dass die kommenden Verwerfungen meine Verteidigungslinien gegen Risiken in Mitleidenschaft ziehen, aber egal, wie es ausgeht: Ich, für mich allein betrachtet, könnte nicht das leisten, was meine Eltern geleistet haben. Schon gar nicht in den kommenden zwei Jahren, in denen die Republik froh sein kann, wenn es wieder auf das gefühlte Niveau der 60er Jahre runtergeht. Mit all der Unsicherheit und den Verwerfungen, die wir dann sehen werden, nur geht es dann nicht mehr gegen alte Nazis, sondern eher gegen Klassen und Profiteure.

Was fehlt, ist der Rückenwind der historischen Entwicklung, und es ist vielleicht gar nicht so arg dumm zu schauen, was in den 60ern so war, und was man davon mitnehmen kann. Als ich von Orvieto ins Tal fuhr, dachte ich: Der klassische Italienurlaub mit einer Woche Strand und einer Woche Kultur wäre so ein Ding, das man wieder für angemessen erklären könnte. Klingt spiessig, wird aber bald eher beneidenswert sein. Oder Autoradio. Es ist manchmal ganz erstaunlich, wie viel Geld manche bei Onlineshops für mp3 ausgeben. Oder die daheim oder unterwegs selbst belegte Semmel. Obwohl es bei Orvieto eine Tankstelle mit angeschlossenem Feinkostladen gibt: Der Scamorza aus Brixen passte ganz vorzüglich zu den Panini aus Rom; das war zwar auch nicht gerade billig, aber billiger als der Dreck allemal, der normalerweise an der Tanke zu haben ist. Man zahlt heute in der Krise ziemlich viel Geld für Dinge, die es nicht gab, als die Wirtschaft reichlich Geschwindigkeit aufnahm. Demnächst kaufe ich vielleicht auch noch eine Thermoskanne.

Und zur Abrundung einen britischen Sport Saloon der Wirtschaftswunderzeit, und mehr richtiges Silber statt plated

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Rom - Orvieto - Arezzo

"Der Herr lasse alles stehen und liegen und incaminiere sich herzu." (Wallenstein an Pappenheim, 1632)







Ich würde ja eher eine Reise mit Etappen von nicht mehr als 200 Kilometer pro Tag bevorzugen. Leider ging es von dort aus unter Überspringerei von Florenz nach Mantua. Elende Hetze unter südlicher Sonne.

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Donnerstag, 9. April 2009

Indirekte Rede zum Gründonnerstag.

Als es in meiner Heimat die Runde machte, dass ich ach Rom fahre, war eine ab und an geörte Frage, warum ausgerechnet d e r zu ausgerechnet d e m fahre. Teils, ob es nicht Würdigere gäbe, die mehr Verständnis hätten, teils, was ich dort eigentlich von diesem spezifischen Bewohner der ewigen Stadt eigentlich möchte. Eine wirklich gute Antwort habe ich auch nicht, aber ich denke, ich möchte einfach von einem "Ach" berichten und dem, was es zwischen dem Römer und seinen ehemaligen Anhängern verloren hat. Denn es ist doch so: Gemessen an der Stabilität der Vergangenheit heben wir einen enormen Erosionsprozess der Kirche als bestimmenden gesellschaftlichen Faktor, auch wenn man das auf beiden Seiten nicht gerne wahrhaben möchte. Lösungen habe ich natürlich auch nicht, wie immer.

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Mittwoch, 8. April 2009

Was man hat,

behält man, sagte meine Grossmutter und hatte damit natürlich wie immer Recht. Den Beweis dafür treten an: Caravaggio, ein paar spiessige Karmlitermönche, die FAZ und ich.

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Das Ende von Rom

in fünf von 700 Bildern.











Irgendwie bin ich froh, draussen zu sein. In fünf Wochen bin ich ohnehin wieder dort. Und zur Belohnung gab es Trüffelravioli in Arezzo und zwei ent-zük-kende Terrinen aus Mantua.

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Dienstag, 7. April 2009

Nicht, dass ich ihn "mag"

Aber nach ein paar Tagen in Rom gibt es wenig, was einen mehr nervt, als der Leichenwurm des Glaubens, der postmoderne Halbheide auf der Suche nach Prunk und Give Away, die er dann wegwirft, wenn sie ihn belasten. Da kann ich dann den Papst schon irgendwie verstehen, warum er gerne eine Erneuerung des Glaubens will. Mein Tipp wäre: Halten Sie sich an die Ketzer. Die haben noch die Qualitäten, die den eigenen Schafen abgehen.

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