Indirekte Rede zum Gründonnerstag.

Als es in meiner Heimat die Runde machte, dass ich ach Rom fahre, war eine ab und an geörte Frage, warum ausgerechnet d e r zu ausgerechnet d e m fahre. Teils, ob es nicht Würdigere gäbe, die mehr Verständnis hätten, teils, was ich dort eigentlich von diesem spezifischen Bewohner der ewigen Stadt eigentlich möchte. Eine wirklich gute Antwort habe ich auch nicht, aber ich denke, ich möchte einfach von einem "Ach" berichten und dem, was es zwischen dem Römer und seinen ehemaligen Anhängern verloren hat. Denn es ist doch so: Gemessen an der Stabilität der Vergangenheit heben wir einen enormen Erosionsprozess der Kirche als bestimmenden gesellschaftlichen Faktor, auch wenn man das auf beiden Seiten nicht gerne wahrhaben möchte. Lösungen habe ich natürlich auch nicht, wie immer.

Donnerstag, 9. April 2009, 12:47, von donalphons | |comment

 
Spannend finde ich die Frage, ob der Erosionsprozess bei den einen beschleunigter vorangeht als bei den anderen bzw. wessen Wurzeln sich noch tief genug in den Boden graben werden. Aus Sicht der katholische Kirche macht Benedikt wohl das richtige und schlägt einen Pflock traditioneller Rückbesinnung ein: "Nur wir sind -nomen est omen- die eine, umfassende Kirche, unverwässert und mit allem was dazu gehört". Prognose: Die "normalen" Protestanten werden aufgerieben zwischen den Katholiken auf der einen Seite und den erstarkenden evangelikalen Gruppierungen auf der anderen Seite. Mag sein, dass es allenthalben Rückzugsgefechte sind, aber der eine wird schneller fallen als der andere. Andererseits: In Leipzig gestalten sie einen Teil der soeben neu gebauten Universität (!) als Reminiszenz an die 1968 an dortiger Stelle gesprengte Paulinerkirche. Das hat nun vielleicht mehr mit einem Exorzismus an der sozialistischen Leiche zu tun, aber erstaunlich ist es doch, wer und in welcher Weise bei einem solchen Bauvorhaben Einfluss nehmen kann.

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Aufgerieben ist gut. Bei uns hat eine evangelikale Gruppierung am Ostersonntag ein "Osterposaunen" angekündigt. Keine 300 m von meinem Wohnhaus. Um 6:00 Uhr! Das nenne ich aufreibend.

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Das nenne ich nicht erlaubte Ruhestörung.

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Zwar nicht in Europa, aber weltweit sind die Christen auf dem Vormarsch, von Amerika über Afrika bis Asien. Vor allem Fundamentalisten. Krise? - das ist eurozentrische Sichtweise. Und die Osterposaunen sind nur der Vorbote für das, was hier kommt, wenn die Landeskirchen zusammengebrochen sind. Amerikanische Verhältnisse.

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Die Gospelkirche in meinem Hinterhaus feiert derzeit auch besonders viele Gottesdienste, besonders lang und besonders inbrünstig - bevorzugt von elf bis eins, nachts wohlgemerkt, und zwar jede Nacht seit Sonntag. Mit ganz viel Musik, die mich in einer Disco zum Zappeln bewegen würde, aber da bin ich ja gar nicht, ich liege in meinem Bett, möchte schlafen und bekomme Herzrasen von der Mucke. Warum spielen die keine Bach-Choräle, oder Kantaten?
Vorgestern dachte ich kurz nach Mitternacht, einige Schnapsleichen würden sich auf der Strasse über die letzte Flasche streiten, aber nein: dialogische Gruppenkommunikation zwischen dem Vorbeter und seiner Gemeinde. Das ist wirklich eine harte Prüfung für meine Toleranz gegenüber der Religion, in den Staaten aber absolut legal, weil Kirche. Ich leihe Ihnen den Verein gerne mal aus, danach wissen Sie den Posaunenchor vermutlich zu schätzen.

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Amerika ist ja auch nicht mehr gerade 1. Welt. sondern eher auf dem Weg zur 3. Welt. Die dürfen das. Gospelkirche ist natürlich eine Katastrophe. Vielleicht hilft ein Umzug?

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Bitte die Rechtschreibfehler zu vergeben - es wurde auf einem Mac geschrieben.

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Als Don Alphonso die Alpen überquerte bebte die Erde.

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Lösungen? Das klingt ja als wäre die Erosion der Kirche etwas schlechtes.

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jan,

es kommt darauf an, was nachkommt.

klar, das was du schön erosion der kirche nennst, läuft für dich und auch für mich darauf hinaus, dass der herr pfarrer und seine alleinseligmachende nicht über anderer leuter leben bestimmen, und ihre gefolgschaft schon gar nicht. denen hört nicht einmal mehr wer zu, wenn sie sich über dich oder mich ihre frommen mäuler zerreissen und das ist schön so.

(früher wars anders. damals, so mitte sechziger im vorigen jahrhundert, für die volksschüler in baden-württemberg gab es damals noch die bekenntnisschule, für die oberschüler, wie ich einer war, schon nicht mehr. damals also wollte der herr deutsch-oberstudienrat uns auch was fürs leben mitgeben: wie schreibe ich einen lebenslauf.
das ging damals so und handschriftlich:

ich, auch einer, wurde am 1. april 1954 als sohn meiner eltern, der ehegatten auch einer und nocheine geb. andere in trielafingen geboren und bin katholisch.

so fing damals ein lebenslauf an, wer nur eine mutter hatte und dazu einen vater mit anderem familennamen oder etwa gar keinen und oder keine vernünftige religion, hatte damals bei bewerbungen ein problem.

wer von der kirche etwas wollte, nun, man erkundigte sich beim geistlichen der heimatgemeinde, wie es denn mit dem gelebten glauben des antragstellers stünde, aber das wird bei tendenzbetrieben noch immer so sein.

das nur als hinweis darauf, dass ich mich nicht nach den alten zeiten sehne, oder diese denke für die zukunft empfehle)

leider habe ich, der ich in eienr religionslosen umgebung lebe, den eindruck, als dass die freiheit der wahl für viele leute eine ziemliche mühsal sein kann. viele, die ich kenne, heulen nach den alten zeiten der ddr, wo von der partei klar gesagt wurde, wer wie und was.

schafe brauchen einen pferch.

übrigens nicht nur schafe, ich erinnere mich noch an zeiten, in denen bundesdeutsche akademiker in masssen einem indischen guru hinterhergelaufen sind, ja, bis nach indien. die wären besser in die maiandacht gegangen, um ihre spirituellen befürfnisse zu befriedigen; was ich übrigens all denen empfehle, die die eso-szene am leben halten.

oder anders, leider kommen neue dunkelmänner nach und drängen auf die plätze der alten.
die aufklärung hat noch lange nicht gesiegt.

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Wivo, die Landeskirchen müssen gar nicht zusammenbrechen. Die Evangelikalen weiten einfach ihren Einfluss dort aus. Pfaerrerin Kathinka Kaden neulich in der taz über die Entwicklung aus ihrer Sicht: "Wir haben inzwischen fast schon eine zweite evangelische Kirche in Deutschland, die sehr finanzstark, einflussreich und intransparent ist und sich eigene Parallelstrukturen geschaffen hat." Feindliche Übernahme nennt man das wohl.

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Umgezogen wird in vier Wochen, solange muss ich noch aushalten.
Und ja, im Strukturen aufbauen sind evangelikale Kirchen amerikanischer Provenienz sicherlich qualifizierter als Landeskirchen, können diese sich doch in Deutschland seit jeher aus dem Topf der Kirchensteuer bedienen, während in den USA jede Kirche für sich kämpfen muss. Vor über zehn Jahren habe ich mal in einer netten kleinen Provinzkirche einen kompletten Gottesdienst über die Frage anhören dürfen, wieviel Prozent seines Einkommens der gläubige Christ für seine Kirche spenden solle - gewissermassen religiöses Fundraising. Ist lange her, und vielleicht lässt mich meine Erinnerung im Stich, aber ich war erschrocken über die Höhe der empfohlenen Beträge - 10 Prozent, oder so? Gestaffelt nach Einkommen, versteht sich...

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Wo es mir eher ungut wird, ist das hier:

http://de.wikipedia.org/wiki/Radio_Horeb

Das ist das Problem auf katholisch.

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Na wunderbar, auch das gibt es schon als Webradio. Wenn ich mal einen ganz arg verzweifelten Moment habe, werde ich reinhoeren, vielleicht bekehrt mich das ja. Ha! vielleicht kann ich damit dank Gnade und Unterstuetzung von allerhoechster Stelle die Gospelsaenger uebertoenen? Muss ich gleich heute Abend ausprobieren.

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Radio können die.

www.radiomaria.at

Oder der Klassiker:

www.radiomaryja.pl (auf "Słuchaj" klicken)

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Örps. Wie Hornauer, nur katholisch.

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Auf evangelisch gibt's das auch: www.erf.de
Auch medientechnisch sind die evangelikalen Richtungen fitter als die etablierten (?) Landeskirchen.

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Wegen dieser Geschichten glaube ich zwar, dass die alten Kirchenstrukturen dem Ende zugehen (eher die evangelischen als die katholischen: der Papst bleibt), aber was danach kommt (bzw. jetzt schon da ist), ist gewiss nicht besser. Die Erosion ist jedenfalls kein Zeichen, dass die Welt auch nur ansatzweise irgendwie vernünftiger wird.

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Die grosse Mehrheit wird sich abwenden, und es bleiben die Extremisten - dann aber weiterhin als "gesellschaftlich relevante Gruppe" in den Gremien, was eher unsexy ist.

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Mal sehen. Allein der ERF hatte 2007 12,5 Mio. Euro Spenden, wie man seinem Rechenschaftsbericht entnehmen kann. Manche Partei kann davon nur träumen. - Das sind keine Extremisten, die kommen aus der Mitte der Gesellschaft bzw. von den Stützen derselben.

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wieso erosion? das wachstum an kirchenmitgliedern wächst in etwa so wie das der bevölkerung weltweit, und die weltbevölkerung wächst rapide. den größten anteil am wachstum haben asien und afrika. und da ist noch reichlich platz für mehr. also alles beim alten.

radiomaryja.pl - waren das nicht die, die beim warschau-pride zum draufhauen aufgerufen hatten? das war mit erfolg gesegnet. seitdem werden solche unsittlichen veranstaltungen gerne vorab verboten mit der begründung, es werde zu ausschreitungen kommen, bei denen der staat nicht für die sicherheit der demonstranten sorgen kann.

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Es mag arrogant klingen, aber meine Perspektive ist eurozentrisch. Gewisse Felder der Aussenpolitik schaue ich mir lieber erst gar nicht an.

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