: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Mittwoch, 22. April 2009

There'll always be an England (sort of)

Endlich mal wieder eine gute Nachricht von der Insel: Neben dem Ausverkauf britscher Silberkannen und Sunbeam 90 Mk III gibt es mit Burberry tatsächlich noch eine Firma, die zu in der Krise mehr verkauft.

Offensichtlich, weil Touristen den miserablen Zustand des britischen Peso nutzen, um auf der Insel Burberry zu Discounterpreisen in Euro zu kaufen. Gut, wenn das eine gute Marke rettet. Vorerst. Wie man bei Egghat nachlesen kann, kommen laut IWF 250 Milliarden Dollar Ausfall auf die britischen Banken oder was davon übrig ist zu. Ich wüsste zu gern, wieso manche glauben, das alles könnte irgendwie gut gehen.

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Pollinose

Ich bin eigentlich sehr froh, dass sich der nächste Umbautermin etwas nach hinten verschiebt. Eigentlich sollte hier schon längst mal der Architekt gewesen sein, um sich das Elend im Dienstbotenhaus anzuschauen. Und zu überlegen, was mit über 200, seit 1892 nicht mehr restaurierten Quadratmetern in Bestlege, aber auch schlechtestem Zustand so machen kann. Der Denkmalschutz war schon da und meinte, sie hätten nichts gegen abreissen. Die sagen das eher selten. Normalerweise wäre hier schon längst der Bagger, aber ich denke, gerade in Zeiten wie den unseren wäre es sträflich, eine Unterkunft für Dienstboten für einen Innenstadtgarten zu opfern, den ich dann - ohne Dienstboten - pflegen müsste. Was nicht möglich ist. Denn einerseits wohne ich nur teilweise hier, andererseits, und damit kommen wir zu Thema, habe ich eine Allergie auf Pflanzen. Und auch dieses Frühjahr wieder erkenne ich, dass eine Kastanie oder eine Linde vor meinen Fenstern keine kluge Sache wäre. Denn ich bin fertig, so fertig, als ob man mich auch seit 1892 nicht mehr restauriert hätte.



Zum Glück habe ich im Haus zu tun. So brachte ich ein paar Stunden damit zu, meinen Putto korrekt zu justieren, und ausserdem zur Überzeugung zu gelangen, dass entsprechend der historischen Befunde ein wenig mehr Gold an der Decke eigentlich nicht schlecht wäre. Was dort aktuell zu sehen ist, ist nur ein Bruchteil dessen, was 1720 einmal war.



Ansonsten ist der Spass in meinem Leben begrenzt. Essen, sicher. Lesen auch. Am Wochenende konnte ich ohnehin nicht schlafen, und machte mir einen Spass daraus, bis Nachts um drei am Fenster zu stehen und grölende Jugendliche mit meiner Stabtaschenlampe vom Urinieren und Randalieren abzuhalten. Versuchsweise rief ich auch "Gleich kommt die Polizei!" Man glaubt gar nicht, wie schnell Besoffene dann rennen können. Kleine Freuden unter schlimmer Atemnot. In der Seitenstrasse haben sich solche Typen dann geprügelt. Na denn, solange sie nichts kaputt machen.



In Zeiten wie diesen hebe ich mir mein Mitleid für mich selbst auf, räume auf, soweit das geht, denn aktuell reagiere ich auch auf Staub äusserst empfindlich. Ich hänge ein paar Bilder im Gang auf, und montiere die Büste von Mazarin auf eine Konsole. Ich wollte schon immer eine Büste von Mazarin. Mazarin ist unter all den Verbrechern mein Lieblingskardinal. Verschlagen, heimtückisch und böse, wie ich gerade auch. verschnupft, wie ich bin, kann ich noch nicht mal Geschiedene besäuseln.

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Montag, 20. April 2009

Bayerisches Liedgut für die Amerikaner

"Do legst Di nieda,
und schtehst nimma auf,
do kegst Di nieda.
mia genga olle drauf."

Reichlich am Anfang der Krise ging ich über einen Biergarten in der Stadt, der sich auf einem offenen Platz befindet. Dort sassen zwei, der eine, rund und feist und rot im Gesicht, angetan mit einer grünen Lederhose und einem rotkarierlten Hemd, hatte eine Gitarre und sang das. Er lachte mich dabei an.

Es war der Tod.

Und ich wusste, es würde schlimm werden.

Heute nun ist der Tag, an dem man froh sein darf, dass es bei uns noch sowas wie einen Generationenvertrag und nicht die von allen Neoliberalalas geforderte Rente hauptsächlich über den Kapitalmarkt gibt. Bei naked Capitalism gibt es eine schöne Zusammenstellung der Sauereien aus dem Dreieck Politik, Privatwirtschaft und Rentenfondes. Haarsträubend. Das kann nicht gut gehen.

Ich weiss nicht, ob das, was da aus der äussersten amerikanischen rechten Ecke kommt, wirklich so stimmt, aber bei egghat kann man es ohne Besuch dieser Typen nachlesen. Demzufolge hätte der Belastungstest der grossen amerikanischen Banken ergeben, dass 16 von 19 bei der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung technisch pleite sind.

Wer hat eigentlich in den letzten Wochen was von "Das Schlimmste ist vorbei" geschrieben? Do legst Di nieda...

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Montag, 20. April 2009

Es gibt Beiträge

für die würde ich zahlen, wenn ich sie in der FAZ schreiben könnte.



Es ist vielleicht nicht klug, das zu schreiben, und vielleicht ist es auch nicht weise, solche Sachen wie meine Befürwortung der Neureichensteuer zu schreiben, aber hey! Man lebt nur einmal.

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Sonntag, 19. April 2009

Sieben Bilder

die mir gefallen, aber für die es weder einen Platz noch eine Gesichte gab.



Mantua, Nacht, nach einer Regenfahrt und dem letzten Essen an der Piazza Ducale: Manche sitzen noch draussen.



Siena, gleich hinter dem Stadttor vor der Kirche mit den vielen Schnecken.



Rom mit der Erleuchtung von oben.



Und das gleiche nochmal, diesmal für den Mönch.



Die einen sündigen offen, die anderen im Verborgenen.



Das ganze Lokal in Arezzo roch atemberaubend nach Trüffel. Man badete in Trüffelduft.



Junge Veroneser.

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Samstag, 18. April 2009

Citi macht Gewinne mit Verlusten

Rechnen mit Beistand von oben ging früher so: Da kam ein Engel und sagte was, man schrieb es auf, und jahrhunderte lang glaubten es die Menschen.



Die Citigoup, vielleicht erinnert man sich, war jene Bank, die mit einem angeblich an die Öffentlichkeit "geratenene" internen Bericht über bessere Einnahmen die aktuelle Rally an den Börsen ausgelöst hat. Heute sind die Zahlen tatsächlich rausgekommen, und es ist nach fünf Quartalen der Verluste ein Gewinn. Und was für einer:

"Citigroup posted a $2.5 billion gain because of an accounting change adopted in 2007. Under the rule, companies are allowed to record any declines in the market value of their own debt as an unrealized gain. The rule reflects the possibility that a company could buy back its own debt at a discount, which under traditional accounting methods would result in a profit."

Den Irrsinn kennt man aus dem letzten Jahr. Es war, glaube ich, die in Schieflage geratene Investmentbank Merril Lynch, die auf diese Weise auch Gewinne ausgewiesen hat. Bis kurz vor dem Notverkauf. Ohne diesen Irrsinn, nach realen Zahlen, hat Citi wieder einen Verlust gemacht. Die Börsendeppen freuen sich trotzdem. Keine Bilanzfälschung. Alles legal. Man versuche das selbst mal: Kredite aufnehmen, nicht zurückzahlen, warten, bis die Bank die Kredite an ein Inkasso weiterverkaufen will, und dann die theoretische Verkleinerung der Schulden als Anlass nehmen, die Kreditkarte damit zu decken. Geht nicht, solange man keine amerikanische Bank ist.

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Zurück zun den harten Themen

Standortdebatte, Irland, Tegernsee und alte Männer: Vielleicht sollte man wirklich mal vor der Bundestagswahl all die Namen der angeblichen Wirtschaftsexperten rauskramen, die in den letzten Jahren Irland als Beispiel hingestellt haben. Könnte helfen. Gegen Wiederwahl und andere Formen des Kriegs von oben gegen den Staat. Steht bei der FAZ. Jaja. Doch.

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Freitag, 17. April 2009

Man muss es relativ sehen

Wer in den vergangenen Jahren hierzulande in Fonds einbezahlt hat, die amerikanische Gewerbeimmobilien finanziert haben, hat immerhin 4 fette Jahre mit Traumrenditen gehabt, und wer rechtzeitig raus ist, hat absolut keinen Grund zum jammern. Amerikanische Gewerbeimmobilien waren einer der Bereiche, die sich wirklich gelohnt haben, auch wenn sie auf dem grauen kapitalmarkt angeboten wurden. Eine Stütze der Szene. Mochte das deutsche Wohneigentum auch eine Schrottimmobilie sein und die deutschen Kaufhallen ein Betrug - wer reich war, und seine Amis gut eingemischt hatte, kam trotz allem noch mit einer guten Rendite raus. Es sind nicht alles Betrüger.

Aber, wie ich hier nun schon seit etwas mehr als einem halben Jahr sage:

Ich sage hier schon länger, dass Gewerbeimmobilien das neue Subprime sind.

Ja, die Pleite von General Growth Properties ist schlimm. Sie ist sowas wie das Bear Stearns dieses nach Wohnungen und Büros wichtigsten amerikanischen Bausektor. Die deutschen Banken werden Blut und Wasser schwitzen, denn sie sind nicht zufällig dabei. Sie sind dabei, weil es die Jahre davor ein grandioses Geschäft war, an dem sie auf vielerlei Arten verdient haben. Das Geld, das sie jetzt verlieren, haben sie immerhin auch schon mal verdient.

Und jetzt?

Nun, man wird versuchen, die Immobilien zu versteigern, keine guten Preise erzielen, die dafür aber grossflächig, was bedeutet, dass auch andere Gewerbeimmobilien schlechter bewertet werden, damit unter den Schulden liegen, die sie bedienen müssen, und dann kommt der Moment, da man die Kredite erneuern muss und - ach, das ist alles gar nicht lustig.

Aber wie gesagt: Wer 2007 ausgestiegen ist, als wirklich jeder lumpige Chefarzt mitspielen wollte, ist gut gefahren.

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Aufgrund der üblichen Beschwerden

nämlich jener, dass ich allen auf meinen Reisen nur etwas vorkauen würde und sie nichts abbekämen, haben wir heute einen sehr langen, kargen und freudlosen Beitrag unter anderem über die Ikonographie von Pisanellos St. Georg in Verona geschrieben.



Und ganz unten gibt es dann eine Verlosung eines Fresspakets.

(Die dreideutige Wortschöpfung "Popstmoderne" reklamiere ich hiermit für mich)

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Donnerstag, 16. April 2009

Surreal

Es sind diese Tage des späten Winters, der gleichzeitig, ein paar Meter weiter unten ein früher Sommer ist, die den See so überirdisch schön und gleichzeitig so falsch, so erfunden scheinen lassen. Auf den Blaubergen funkeln die Eisplatten, auf dem See gleisst das Licht. Alles auf einmal und zu viel, um echt zu sein.



Hier ist es wirklich so. In einer anderen Zone für reiche Leute gibt es das auch. In Dubai. Nur noch extremer. Wie extrem, steht in einem immens langen Beitrag des Independent, schon ein paar Tage alt und womöglich schon durch die Blogs gegangen, aber wenn man diesen Monat einen Beitrag gelesen haben muss, dann ist es dieser Bericht zwischen Milliardenschulden und Sklaventum, zwischen Marmorhallen und Fäkalien und Gift im Wasser.

Zu der Zeit, da ich die Bank für den Tegernsee abräumte, gab es dort übrigens noch Immobilienangebote für die Palmeninsel zu bestaunen.

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Mittwoch, 15. April 2009

Jungs brauchen grüne Spielzeuge

Heute Nachmittag, am schönsten Spielplatz des Landes:



heute Nachmittag also sass ich am See, in einem Strandcafe neben dem Spielplatz, und hörte mir die Bedrängnisse meiner hiesigen Mitbewohner an.Zum beispiel, dass es in Östereich einfach Dinge gibt, die man hier nicht bekommt. Nicht nur die Abschaffung der Erbschaftssteuer, sondern auch Käse und Gemüse und echte Bergbauernbutter und überhaupt ist es dort alles besser. Zwar hat inzwischen auch der Supermarkt in Dürnbach ein Schild aufgehängt, dass man keine Eier aus Käfighaltung anbiete, oder sie aus anderen Ländern importiere, aber das reicht nicht. Ganz erstaunlich. Ich weiss noch, wie es darum vor 1o Jahren noch grosse Debatten gab, und da waren die Naturbefürworter in der Minderheit. Heute verbietet eine CSU-Ministerin Genmais. Damals hiess es, man könne sich Bio nicht leisten. Heute sagen sie, sie könnten etwas anderes ihrem Körper nicht antun, und jetzt bitte noch einen Milchcafe, der wird übrigens mit Milch aus der Region...

Ich nicke viel und bin ganz froh, niemandem meine Haltung mehr erklären zu müssen. Die konservative CSU-Stammwählerschaft ist längst grün wie Galle, die haben sich wirklich angestrengt in den letzten Jahren, und vielleicht setzen sie gerade auch zum Überholen an: Denn heute Nachmittag verschwand im Internet ein Inserat, und das Spielzeug, das da inseriert wurde, und das ich erwerbe, weil, oh je, lange Geschichte, im Prinzip ist es so, dass ich jemand versprochen habe, mit ihr ein paar Spielereien zu machen, und aufgrund ihrer persönlichen Lebensplanung reicht aber das alte Spielzeug nicht aus, also muss ein neues Spielzeug her, und das ist, ich bedaure es, nicht biologisch-dynamisch. Weder biologisch, noch besonders dynamisch. Wenigstens ist es grün. Sehr grün. Sie werden mich trotzdem hassen.



Nicht nur sie, nehme ich an. Ich denke, das wird eine spannende Mille Miglia 2009.

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Wie die Reise endet

warum das Papsttum am Ende ist, wie auch der Autor, und warum das, alles nichts gebracht hat. In der FAZ und in Orvieto.

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