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Dienstag, 26. Oktober 2010

Frieren oder weniger essen

Die Antwort lautet: Frieren. Und sich einbilden, dass Sonne und blauer Himmel irgendwie warm sein müssen. Es kann gar nicht anders sein. Und danach gleich eine heisse Zitrone.



Demnächst muss ich an den Tegernsee, und bei der Gelegenheit nehme ich auch zwei ramponierte Rennrodel zum Restaurieren mit. Irgendwas sagt mir, dass es nicht mehr lang dauert, bis ich sie gegen die Räder entauschen werde.

Mal unverbindlich in die Runde gefragt: Hat jemand Mitte Dezember Lust auf ein grösseres Kommentatorenrodeln am Tegernsee? Leihrodel, so an die 7 Stück und davon 2 Doppelsitzer, kann ich auftreiben.

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Dschurnalißmus auf sächseisch

Früher war es das "Rote Kloster", heute halt der übliche Schmarrn des Blödsinns einer Ausbildung zu einem Beruf, der vollkommen zurecht vor die Hunde geht, in einer Stadt, die schon am Ende ist. Und weil ich mal so doof war, einer Einladung dorthin zu folgen, ohne genauer zu schauen, was für ein Laden das ist, hatte ich nicht nur das begrenzte Vergnügen, ein paar aufgeblasene Studenten und einen peinlichen Veranstalter kennenzulernen, der ungefragt Bilder machte und ins Internet stellte - ich mein, so was arbeitet in einem Medienstudiengang - sondern auch bei deren Kooperationspartner auf dem Presseverteiler zu landen. Seit ein paar Monaten versuche ich da vergeblich wieder runterzukommen - vielleicht, weil man sich im Anjatanjaismus der Leipzig School of Media nur des Englischen und Sächsischen, aber nicht mehr meiner Sprache bedient. Aber vielleicht ist es gar nicht mal so dumm, das öffentlich zu machen, was der Schleimsaftladen in meine Account spamt - damit die werte Leserschaft mitbekommt, wie man heute kommuniziert, wenn man nichts zu sagen hat:

Erfolgreicher Semesterstart an der Leipzig School of Media

Erstes Lehrwochenende des neuen Studienjahres auf dem Mediencampus

Leipzig, 25. Oktober 2010 – Am vergangenen Donnerstag haben 29 Studenten ihr Studium an der Leipzig School of Media aufgenommen – so viele wie nie zuvor in der Geschichte der School.

Den Auftakt hatte am Mittwoch die feierliche Semestereröffnung gebildet. Im Rahmen der Feierstunde wurden die Absolventen des Jahrgangs 2007 verabschiedet und die neuen Studierenden der Masterstudiengänge "Crossmedia Publishing", "Content & Media Engineering", "Corporate Publishing" und "New Media Journalism" immatrikuliert. Die Festrede des Abends hielt die bekannte Fernsehmoderatorin Astrid Frohloff.("Kontraste"). Vorstandsmitglied Andreas Koch begrüßte die neuen Studierenden im Namen der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig.

Gäste des Abends waren u.a. die Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Leipzig Nord, Bettina Kudla (CDU), der Rektor der Universität Leipzig, Prof. Dr. Franz Häuser, und der Geschäftsführer des Gesamtverbandes Kommunikationsagenturen (GWA), Ralf Nöcker.

"Das erste Lehrwochenende war im gleichen Maße anstrengend wie interessant. Alles in allem sehe ich das Studium als einen Weg, um mich – neben der täglichen Arbeit – weiterzuentwickeln und den neuen Herausforderungen der digitalen Lebenswelt stellen zu können. Hoffe sehr, dass mir dies gelingt", sagt Judith Fuhrmann, Erstsemester im Studiengang "Content & Media Engineering".

Festrednerin Astrid Frohloff nannte die Wahl des Studiums an der Leipzig School of Media "eine kluge Entscheidung in einer sich rasant wandelnden Medienwelt".


Wenn sowas Master ausspuckt, ist es Zeit für die Servants, die Höhe der Laternenmasten auszumessen. Da kann man wirklich nur hoffen, dass sich die Medienwelt schleunigst zu einem Armageddon wandelt, damit solche Leute das kriegen, was sie verdienen: 600 Euro im Monat für 60 Stunden die Woche, immer nur ein halbes Jahr Kaffeeschubsen und Mailverteiler pflegen. Wer zum Teufel stellt Leute aus einer Klitsche ein, die als "School of Media" so einen Dreck zu kommunzieren wagt?

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Montag, 25. Oktober 2010

Weihnachten für Atheisten

Es ist nicht immer einfach mit mir. Meine Definition von "gemütlich" schliesst 40 Büsten, Reliefs und Statuetten ebenso ein, wie einen ab und an nicht unerheblichen Vorrat an Staub auf dem Boden, auf meinen Spiegeln könnte eine kleine Investmentbank Koksparties veranstalten, und wenn der Strom ausfällt, ist es mit den Kerzen kaum dunker als mit den Kronleuchtern, die hier auch in Küche und Bad baumeln.

Kurz, ich halte vom Minimalismus genauso viel wie vom Katholizismus. Das ist nicht ganz gerecht, denn auch Letzterer mag die Entsagung nicht und liebt den Prunk, aber ich finde, er verdient ein wenig öffentliche Ungerechtigkeit, nachdem das heute wenigstens mal möglich ist. Die letzten 1200 Jahre war das noch anders, da musste man sich anpassen und die Schnauze halten. Ohne Beichtzettel keine Heirat, ohne Christbaum keine Integration. heute sage ich: Ich kann nicht zulassen, dass mir Tannnennadeln den Staubbelag durcheinander bringen! - und so auf derlei Baummorde verzichten.

Die Umwelt wird mich dafüür nicht steinigen, aber dennoch bin ich guter Hoffnung, dass ich dieses Weihnachten, oder besser, die Tage danach, nicht zwingend allein hier sein werde, und es ist nicht auszuschliessen, dass der ein oder andere Gast trotzdem mault, er hätte gern irgendwas mit Lametta und Glitzer und Gold und Kerzen, das hoch aufragt und Platz für Geschenke darunter hat. Das war früher immer ein gewisses Problem, aber in Pfaffenhofen fand ich jetzt die Lösung - und es ist, oh Wunder, eine katholische Lösung:



Und weil sie katholisch ist, passt sie auch so hier rein, denn sie ist so üppig, wie nur wirklich geschmackslose und barocke Katholiken glauben, ihren Herrgott erfreuen zu können. Über einem neuromanischen Goldfuss erhebt sich ein Pflanzenzwitter aus Weintrauben (gelobtes Land und der Vater), Kornähren (das Volk Gottes, das aus der Saat Christi ensteht) , die Kerzen (das Licht der Welt, der heilige Geist) und in der Mitte die Lilie (Zeichen der unbefleckten Empfängnis, und Symbol für Maria). Irgendwer hat es da um 1880 in Nordfrankreich aber so richtig krachen lassen mit der Symbolik, aber besser so ein Monstrum, als der Erwerb judenfeindlicher Schmierereien dieser Zeit.

Ich habe so etwas noch nie gesehen, aber weil ich es mangels anderer Alternativen auch krachen lassen wollte, griff ich zu. Keine 40 Meter weiter versuchte mir schon der erste Händler das Monstrum wieder abzukaufen, aber nichts da! Für diese bestimmte Zeit und das Bedürfnis der Gäste nach Heimeligkeit ist er genau das richtige, Geschenke passen drunter, in das Ambiente passt er auch, und den Rest des Jahres kommt er in die Abstellkammer.

Oder ich gehe damit - Bronze ist schwer - Einbrecher und Besoffene erschrecken und verprügeln. Ein Fest für mich! Euch mach ich katholisch!

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Sonntag, 24. Oktober 2010

Anstelle des Platzhalters

der mit diesem

l

versehentlich freigeschaltet wurde, sollte eigentlich ein Link zu meinem neuen, doch recht böse gewordenen Beitrag über ein Punktesystem für die Zuwanderung in bessere Kreise stehen. Aber ich bin einfach sehr nachlässig, und damit eigentlich gar nicht so gut passend zum perfekt laufenden Räderwerk der FAZ, dem mit etwas Fett beizutragen ich das Vergnügen habe.

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Die Enge

Bei alten Leuten kommt es manchmal vor, dass sie keine Lust mehr haben, ins Bett zu gehen. Statt dessen gewöhnen sie sich so an das Sofa, dass sie erst den Mittagsschlaf und später auch die Nachtruhe dorthin verlegen. In meiner Heimatstadt starb vor zwei Jahren die Frau eines Notars, der seinen meist älteren Kundinnen der Altstadt geholfen hat, Geld anstelle von Immobilien zu vererben, indem er die Häuser kaufte. Blöderweise starb er selbst, bevor der mit dem Entwickeln der Immobilien anfangen konnte. Wohl um die 500 Zimmer dürfte seine Frau besessen haben, aber die letzten Jahre ihres Lebens brachte sie in einem einzigen Zimmer zu. Nicht, weil sie nicht anders konnte. Sie hatte sich eben gut zwischen Fernseher und Sofa perfekt eingerichtet. Die Immobilien ihres Mannes rotteten derweilen vor sich hin.



Als sie dann gestorben ist, wurden die Häuser verkauft. Jemand, der mit der Verwaltung betraut war, und mein Interesse an alten Dingen kennt, zeigte mir das grosse Haus der alten Frau und das Zimmer, das ihr Kosmos geworden war: Nicht klein, nicht zuvollgestopft und auch gar nicht sentimental. Einfach ein Zimmer mit alten, aber gepflegten Möbeln, unauffällig und normal. Und eine ganze Welt auf 20 Quadratmetern. Ein paar Wochen später kamen die Ausräumer und warfen alles aus dem Fenster in den Container. Der Kosmos implodierte.

Und ich, der ich mich gerade bereit mache, mich für den Winter einzurollen, der ich Wasser in Heizungen nachfülle und Vorräte anlege bei jenen Händlern, die im Winter nicht auf die Antik- und Wochenmärkte kommen, der ich üppige Kerzenhalter kaufeund Bücher - ich habe ein wenig Angst vor den näherrückenden Wänden und dem Umstand, dass ich so oft auf dem Sofa einschlafe, bevor ich es dann doch noch ins Bett schaffe. Mein Kosmos wird enger, daran ändert auch seine Ausgestaltung nichts, mein Leben wird kleiner, beschützter, auch einfacher - Fragen wie "fahre ich vielleicht doch mal nach Berlin" spielen bei Schnee keine Rolle mehr - aber auch begrenzter und mit dem Grauschleier der Nebeltage überzogen.



Bleibt mir also nur dieses kleine Loch des Internets durch die Wände, zum Schauen, wie es woanders ist, in den engen Räumen anderer Menschen, für das Plaudern und Vergessen der Bleiplatten vor den Fenstern. Aber auch das geht vorüber, ab Januar ist hier Vollbetrieb und Dauerarbeit, draussen stehen schon Mieter und möchten gestern eingezogen sein; es mag kalt werden, aber der Druck ist da, die 10 neuen Zimmer nicht so verkommen zu lassen, wie die 500 Zimmer der alten Frau. Vermutlich schlafe ich dann auch wieder in meinem breiten Bett unter Spiegeln und Gemälden absonderlicher Frauen, und verlerne angenehm das Denken.

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Samstag, 23. Oktober 2010

Der fertige Franzose

Es dauert inmer etwas, bevor diese Welt Leute, die es verdient haben, in die Tonne haut. Franz Josef Strauss bekäme heute in Bayern sicher keine Mehrheit mehr; sogar im schwärzesten Bayern sagt man heute, dass es gut ist, dass es vorbei ist. Es kann halt nicht jeder Loki Schmidt sein, könnte man sagen.

Nun kann den Toten ihr Nachruf - zwangsweise - egal sein, wichtiger scheint mir die Frage, wer noch zu seinen Lebzeiten mitbekommt, dass sich etwas ändert. Bei Nixon hat es geklappt, aufgrund der Verkommenheit deutscher Medien bei Feldbusch bislang noch nicht, die muss vermutlich noch 10, 15 Jahre warten, bis man ihr Gesicht zeigt und sie für das auslacht, was sie geworden ist: Die Sache mit Maxwell ist nun mal im Gegensatz zum Altern verzeihlich.

In der New Economy pflegte man zu witzeln, dass ein guter Berater derjenige sei, der nie auf die Idee käme, seine Ratschläge an einer eigenen Firma auszuprobieren. Es gab damals zu viele von hochbezahlten Consultats gegründete Klitschen, die den Nachweis führten, dass diese Leute es genauso wenig konnten: Das mit dem Geschäfte machen, nicht das mit der Beratung, denn das klang immer noch toll. Das war eigentlich immer eine gute Art, den eigenen Ruf zu verspielen. Natürlich ist es etwas ungerecht, denn andere kommen trotz Problemen einfach so durch. Dass beispielsweise Spreadshirt seine früher fest zementierte Position im Markt verloren hat, wird immer noch überstrahlt vom Zufall, dass die Gründer mit ihrem Einstieg bei StudiVZ und mit der Dummheit von Holtzbrinck bestens verdient haben. Spreadshirt wird einfach irgendwie vergessen.

Ich weiss nicht, wie genau die diversen Märkte das Internet beobachten, aber wenn sie es tun, könnte mit Sascha Lobo auch bald jemand Probleme bekommen. Angebersprüche aus dem Netz rülpsen ist leicht, aber nach der Vodafone-Kampagne und dem immer noch nicht eingestandenen Scheitern von Grosskotz-Adnation gab es in letzter Zeit nochmal den gestellten Eklat rund um seinen Roman, punktgenau zur Einführung der App: Lobo immer noch auf allen Kanälen, aber ein Leedreher für die Buchumsätze. Natürlich begaffte man früher auf dem Jahrmarkt gegen Geld absonderliche Mutationen des Menschen. Aber hätte man auch ein Buch von denen gekauft? Lobo hat zu lang zu gossig die Internetzukunft verkräht, er wird langsam auch ein bisserl alt und Behaupten allein hilft auch nicht, wenn die Verkaufe zeigen, dass er einfach nicht wirkt. Noch nicht mal bei seinen 40000+x Followern. Und in den Startlöchern stehen schon genug andere, die keine Lust auf Arbeit haben und mit Luhmann und Radiotheorie wenigstens etwas Bildung vortäuschen - auch an seinen Scharlatanen erkennt man, dass das Internet erwachsen wird.

Ich bin eigentlich recht guter Dinge, dass es irgendwann auch den Stefan Niggemeier nochmal richtig derbröselt (Die hier etwas nachlassende Postingfrequenz hat neben akutem Zeitmangel auch etwas damit zu tun, dass ich mich gerade etwas davor ekle, mich mit Blogs zu beschäftigen). Ich kann nicht beweisen, dass er, als er sich bei seinem Angriff auf die Netzeitung in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in ein paar Punkten eine einstweilige Verfügungen eingefangen hat, unter falschem Namen bei der Blogbar aufgeschlagen ist und dort dann in diesem etwas erhitzten Klima dort weitergemacht hat, wo ihm das Gericht den Mund gestopft hat. Vielleicht war das ein Freund oder Kollege oder sonst jemand mit genauen Kenntnissen der Intention, die Stefan Niggemeier verfolgt hat, jemand, der auch sehr aufgebracht war, dass ich es wage, den Niggemeier zart in Zweifel zu ziehen. Aber wenn ich die Bigotterie sehe, mit der Niggemeier erst einen des Borderlinens überführten Bildblogger und dessen Rechte zu verteidigen meint und seinen Mob gegen die Berichterstattung loslässt, und nun den aktuellen Fall sehe - dann wünsche ich ihm nicht einen Knick wie damals, als er in Sachen eines phantasierten Übernahmeversuchs von Kress juristisch untergegangen ist. Ich muss ihm das nicht wünschen, oder dazu beitragen. Ich muss nur etwas warten. Und sicher nicht so lange wie bei Strauss.



So ist das eben mit der Geschichte: Mancher geht unter, weil alles Beschweren über den Dreck nicht hilft, den eigenen Dreck zu vertuschen, andere scheinen unterzugehen und werden doch wieder gerettet, weil sie zu gut sind und doch wieder geschätzt werden. Ich hatte unvorhergesehen ein paar Stunden übrig, und konnte endlich das alte Peugeot, das zuerst bei der Caritas und dann auch noch von seinem frustrierten Käufer weggeworfen werden sollte, hergerichtet und fahrbereit gemacht.



Und was soll ich sagen: Es ist genau das richtige Rad für kalte Herbsttage. Man muss sehr viel mehr treten, es ist schwerer und langsamer, aber man kann sich damit im Park gut anstrengen, ohne dabei irgendjemanden zu gefährden. Ausser vielleicht selbst von überholenden Kindern auf Dreirädern und joggenden Grossmüttern mit Krückstöcken gefährdet zu werden, die dauernd gnadenlos vorbeiziehen, wenn man nach weiteren 50 Metern atemlos im Graben liegt. Selten einen so blauen Bleianker gesehen.



Die Bremsen sind überraschend gut, von 6,2 auf 0 in 10 Metern, die Übersetzung dafür überrachend schlecht, statt der thoretischen 10 Gänge sind allenfalls drei in der Ebene zu gebrauchen, und Steigungen von mehr als 2% sind die Hölle. Die Idee, das Rad nächstes Jahr auf die l'ERoica mitzunehmen, habe ich verworfen: Damit brauche ich noch nicht mal zum Tweed Run nach London.



Ich habe damit gleich den Wochenmarkttest gemacht und geschaut, ob es irgendwie wirkt: Das tut es. Mancher bleibt stehen und schaut. Ich finde, es ist einfach eine hübsche Ergänzung des dortigen Ambientes, auch wenn es, um ehrlich zu sein, zum Transport von Lebensmitteln eher schlecht taugt. Es taugt eigentlich zu gar nichts, aber es ist sehr hübsch.



Trotzdem ist es sehr französisch. Man ahnt die Vorgaben der Designabteilung: Bauen Sie ein Rad, das schick und sportlich ausschaut, dynamisch, aber nicht angestrengt, und das gerade mal reicht, um ein Baguette und Zigaretten zu holen - und trotzdem wirkt, als würde der Besitzer gleich nochmal 50 Kilometer in die nächste Stadt radeln, um dort entspannt Rotwein zu probieren. Es soll schön sein, wie das Leben, das reicht.



Und so wurde es denn auch, selbst wenn das Leben nicht immer so schön ist, wie die Franzosen denken.

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Freitag, 22. Oktober 2010

Über die schmale, steile Stiege

An Tagen wie heute, wenn der dichte Donaunebel bis Mittag in den Gassen der Altstadt klebt, der Sonnenschein nach ein paar Minuten den Wolken weicht und ein sehr eigener, leichter und kalter Wind, kühl wie Verachtung, durch die Kleider sickert, dann ahnt man: Das wird vermutlich nichts mehr mit diesem Jahr. Dann wird es Zeit, die Räder nach oben, über die enge Treppe hinauf in den Speicher zu verräumen, wo sie vor Dieben sicher sind, und zu warten, bis das Frühjahr kommt.



Oder der Winter mit dem Schnee und den glitzernden Bergen, an deren Spitzen das unendliche Blau den Wolken darunter hohnlacht, während in den Niederungen der klebrige Matsch die Fenster zur Radgruft verschliesst. Also wechsle ich gegen die Düsternis in meinem Leben die ausgebrannten Glühbirnen, die im Rausch des Sommer nicht so wichtig waren, ich nehme mir eine Viertel Stunde Zeit, die Teekanne auf Hochglanz zu polieren, und merke später, dass diese 15 Minuten an anderer Stelle fehlen. Aber es gibt so viele Viertelstunden in dieser düsteren Zeit, die mit irgendwas gefüllt werden müssen.



Immerhin, am Sonntag ist Flohmarkt in Pfaffenhofen, und weil ich so fleissig und das letzte Mal nicht dort war, habe ich ein hübsches Budget für den Erwerb einer Beschäftigung für den Übergang. Etwas zum schrauben, kitten, verspachteln und polieren, und vielleicht irgendwann auch zum verschenken. Ich habe ja Zeit, wenn der Kopf nicht um Worte und Buchstaben schwirrt.

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Donnerstag, 21. Oktober 2010

24.000 Printzeichen später

Zangengeburten, eine nach der anderen. Wenn sie erst mal am Licht der Welt sind, wird noch nachgehübscht und aufgeschönt, dann gehen sie. Nette Details auf mittelmässiger Basis, Tiefenvortäuschung und Bildungsabfälle. Ein Glück, dass ich meine Texte nicht lesen muss. Ein Glück, dass es anderen trotzdem gefällt.



Ohnehin ist Print eine Qual, da kann man nicht einfach drauf los schreiben, da muss man nachdenken und überkorrekt sein, nicht weil es befohlen wird, sondern weil man sich sagt: Das kannst Du nicht schludern, das ist Print! Das ist Zeitung! Da stehst Du unter anderen! Das ist Buch, mit Rücken! Folglich lese ich danach sogar zweimal durch und arbeite ernsthaft. Die Leichtigkeit des Schreibens: Dahin. Und das gefühl dass ich irgendwo gedruckt bin und es mich toll macht, hat sich seit dem Roman auch erheblich verflüchtigt. Andere führen angeblich Listen. Ich behalte Beiträge nur, wenn die Bilder gut waren. Trotzdem bin ich zwischendrin auch noch auf eine tolle, weitere Printgeschichte gestossen.



Denn in meiner Heimat wohnt die Weltmarktführerin für historische Motorrad- und Fahrradaufkleber. Irre Sache: Man schickt ihr ein Originalteil mit dem kaputten Bild oder Schriftzug, die ersetzt werden sollen, und sie malt sie nach und lässt sie drucken. Die Frau, den den verstummten Dingen ihren Namen wiedergibt. Kleine Geschäfte mit grosser Vergangenheit. Ein Katalog nicht mehr existierender Marken. Ich brauchte nur etwas für mein Peugeot, das sich langsam der Vollendung nähert - irgendwas muss man ja beim Nachdenken tun - aber da würde ich doch glatt gleich das nächste namenlose Rad aufbauen, als Magnat-Debon. Einfach wegen der Schriftzüge. Aber erst mal: Schreiben.

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Keine Zeit, F*CKT EUCH zu sagen

Gestern Deadlinitis, jetzt schon wieder Deadlinitis, und dann auch noch erfreulicher Besuch am Wochenende. Deshalb habew ich hier keine Zeit für Beleidigungen gegen irgendwelche asozialen, dönerstinkenden Netztotalitaristen der sog. "digitalen Öffentlichkeit" unter den Führschaft einiger Best und andere Worst Cases aus dem Drecksloch Berlin, es ist absolut kein Platz da für ausgewählte Erläuterungen, was ich mir an fazialen Deformierungen für Drecksknipsbande wünschte, wenn sie eine gut befahrene Strasse mit dem Ort für das Fotografieren verwechseln , es gibt keine konkreten Hinweise, wie ich mich schon darauf freuen würde, auf so einer Archgeige das Hohelied der Gerichtskosten zu spielen, und ich werde sicher auch nicht sagen, dass ich eines Tages über sie lachen werde, wenn sie als alte Berufsjugendzauseln noch immer in mickrigen Löchern hausen und niemand mehr etwa von ihnen wissen will, weil andere Deppen längst neue idiotische Revolutionen ausrufen.

Nichts von alledem. Ich habe dafür einfach keine Zeit, und ausserdem würde ich es so auch nicht formulieren.

Nur der Hinweis, dass eine viertel Million Widersprüche gegen Google Streetview schon ein Schlag ins Kontor sind. Mag mancher hoffen, dass es schon nicht so schlimm sein wird: Je grösser das Haus, je dichter verbaut die Gegend, je näher am Zentrum der Städte und je wichtiger für die Schnüffelschweine - desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass die Häuser verpixelt sind. Je mehr Wohneinheiten, desto weniger Chancen für Google. Dort, wo es niemanden interessiert, in den Vorstädten, wird man fast alles sehen. Das Problem für Google werden die dicht besiedelten Innenstädte sein. Da, wo die Nutzer hingehen. Dort wird wenig sein. So wenig, dass ich eigentlich fest damit rechne, dass irgendein Knipser angesichts der enormen Aufgabe, das alles nachzutragen, am falschen Platz vor dem falschen Auto stehen wird. Mein Mitleid möchte ich jetzt schon nicht aussprechen.

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Mittwoch, 20. Oktober 2010

Wohl bekomm's.

Während es am Tegernsee schön ruhig ist, hatten wir daheim gewisse Unannehmlichkeiten, die dazu führen, dass jemand demnächst unschöne Gerichtsbeschlüsse annehmen muss: Das hat man davon, wenn man Kinder nicht nur nach 10 in die Stadt lässt, sondern auch noch mehr Geld mit gibt, als für einen Billigdöner und eine kleine Cola nötig wäre (Berliner Internetasoziale leben von sowas einen ganzen Tag). Die kaufen nur Flaschen Wodka und werfen damit Scheiben ein.



Aber auch ein schlechtes Betragen kann einen guten Beitragin der FAZ zur Folge haben, denn wenn man sie nicht a la Berlin auf dem untersten Niveau rumkrebsen lässt, muss wenigstens ein effektiver und still agierender Anwalt her, der nicht - wie früher - laut und öffentlich den Ruf mehr schädigt, als er ihm nützt.

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Zurück zu den Silberkännchen

Ich mache das ja so mit den englischen Silberkannen: Im Gegensatz zu Rennrädern hole ich sie nicht persönlich ab (bei Rennrädern ist das enorm wichtig, einerseits will ich die Geschichte dazu hören, andererseits ist Radkauf auch Vertrauenssache), sondern lasse sie aus England schicken. Anders geht es nicht, Silberkannen in Deutschland sind vier mal so teuer und auch nicht besser, aber ich kann nicht dauernd nach England fliegen. Ausserdem ging der letzte Versuch gründlichst daneben, und so werte ich das - bis zum Tweed Run kommenden Jahres - erst mal als Zeichen, in Deutschland zu bleiben, die Rodel zu wachsen und die Rennräder langsam einzumotten. Es ist diese Übergangszeit, und die ist nur tauglich für Silberkannen, nicht aber für Rodel und Rennräder.



Dass ich länger keine Silberkanne mehr erworben habe - genau genommen seit der letzten Übergangszeit zwischen Winter und Frühling - liegt gar nicht so sehr an meinem Wollen, sondern am Kurs des Edelmetalls Silber und der steigenden Zuversicht der Bevölkerung in England. Tatsächlich haben dort die vollkommen überzogenen Immobilienpreise inzwischen wieder angezogen, womit für viele Hausbesitzer mit hohen Krediten das Schlimmste vorbei ist: Sie können wieder verkaufen, ohne danach insolvent zu sein. Kredite sind formal wieder Kredite, und nicht mehr das Ende des Wohlstands. Für den Moment.

Die Ursache für diese steigenden Hauspreise ist aber enorm unschön: Über eine Million im Ausland lebende und arbeitende Briten sollen auf die Insel heimgekehrt sein, weil sie im Ausland keine Arbeit mehr finden und nun natürlich Wohnraum brauchen. Wohnraum und Arbeit. Die ehemaligen Expats haben sicher nicht die allerschlechteste Ausbildung, müssen sich wieder integrieren und angesichts des englischen Asozialstaates schnell eine Arbeit finden. Niedrigere Gehälter akzeptieren. Sich reinhängen. Die haben andere Sorgen als meine Silberkannen. Und jene, mit denen sie sich um die Jobs prügeln, werden auch nicht gerade ans Silberputzen denken. Mal wird der eine gewinnen, mal der andere. Die Verlierer brauchen Geld. Weil der englische Staat jetzt auch noch extrem bei den Sozialausgaben spart.

Dass hier übrigens gleich noch mal 500.000 Arbeitsplätze in den nächsten 5 Jahren verloren gehen (und in der Folge, wie man weiss, sicher nochmal 200.000 weitere, die davon abhängen), macht die Lage auch nicht besser. Man muss sich das mal vorstellen: England hat wegen seiner Bankster einen Neuverschuldung von über 10% im Haushalt, und die Regierung reagiert darauf mit Terror gegen ihre Bürger, wehrt sich aber gegen hartes Vorgehen gegen die Bankster. Ein Land im Würgegriff des organisierten Finanzverbrechens, das selbst wiederum von der Verschuldung profitiert. Man muss kein Hellseher sein um zu wissen, dass es die englische Gesellschaft dabei zerreissen wird. Wenn die Unternehmen, wie jetzt geschehen, behaupten, sie könnten die Arbeitslosigkeit und die damit verbundene Umverteilung in diesem weitgehend deindustrialisierten Land abfangen und Stellen schaffen, denken sie vermutlich eher an Hungerlöhne und Manchesterkapitalismus. Und weil die Lage auch so schwierig sein wird, wird der britische Peso auch weiterin schwächeln. Und weil Silber wenig bringt, wenn man hungert, oder einem das Haus versteigert wird - wird man vermutlich weiter versuchen, die se Assets gewinnbringend zu verkaufen. Eine Silberkanne rettet eine vierköpfige Familie schon mal über 2, 3 Wochen hinweg.



Ich weiss, das ist zynisch und alles andere als nett, aber wenn ein Land nicht in der Lage ist, Verbrecher einzusperren oder zu deportieren, wenn Raub nicht nur legalisiert, sondern als Zukunft der Wirtschaft gepriesen und die Freunde der Räuber mit deren Unterstützung an die Macht kommen - dann braucht es sowas vielleicht. Als heilsamen Schock. Um bei der nächsten Wahl, oder beim Aufstand gegen das Räuberregime, dieses Pack wirklich hinwegzufegen.

Vermutlich aber haben sie es schlau genug gemacht, dass die Last nur ganz langsam zu spüren sein wird, immer etwas schlimmer, hier sparen und dort nicht mehr leisten können, dieses nicht mehr tun und jenes bei Ebay einstellen, sachte, behutsam, nie zu viel Leid und immer schön laute Lügen davon, dass alles bald besser wird, wenn man nur die Schulden reduziert und die Banken aufgepäppelt hat. Aber das ist nicht mein Problem. Ich brauche Silberkannen. Und die hauseigenen Vollversager der bayerischen Landesregierung, die man jetzt noch nicht mal verklagen will, weil ein Gefälligkeitsgutachten davon abrät, habe ich nie gewählt.

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Dienstag, 19. Oktober 2010

Am Wasser, weg von den Kliniken

Die Idee mit der herbstlichen Bergtour war vielleicht doch nicht so gut. Irgendwie habe ich das dumpfe Gefühl, dass ich beim nächsten Anstieg schon den Rodel hinter mir herziehen werde, so bitterkalt ist es am See.



Auch ansonsten war es nicht das, was ich erwartet hatte. Der eigentliche Zweck - ein Fehlschlag. Verbunden mit sehr seltsamen Erlebnissen; es gibt so Dinge in diesem Tal, über die man mal schreiben müsste. Wo alles in einem sehr seltsamen Zustand verharrt, als ob es de letzten Jahrzehnte nie gegeben hätte. Einen schlimmen Radunfall würde ich hier nicht haben wollen, es gibt hier so ein paar Kliniken weiter hinten Richtung Kreuth, die auch als Kulisse eines schwarzen Krimis herhalten könnten. Keine Ahnung, wer seine Verwandten dort vergräbt. Heisst dann Tegernsee, ist aber etwas anderes, und zwar nicht nur Rottach. Aber noch ist alles bestens, das ganze Thema ist weit, weit weg in einer Zukunft, von der niemand weiss, wie sie aussieht. Und die Gegenwart wird schnell wieder bunter.



Ansonsten hatte ich eine interessante Idee: Ein Punktesystem für den Zuzug zum Tegernsee. Schwaben wie der Herr Brüderle: - Unendlich. Nicht mehr Zeugungsfähige: - 100 Punkte. Sportler des FC Bayern: - 100 Punkte. Österreicher: - 100 Punkte. Andere Ausländer: Zwischen - 0 (Briten) und - 1000 Punkte (Russen, Berliner, Hamburger, Münchner). Dagegen 1 Punkt pro 100 Bücher. Trachtenaufzug minderer Güte: - 100 Punkte. 1 Punkt für 10 Konzertbesuche. 1 Punkt für 10 Einkäufe auf dem Bauernhof. 1 Punkt für jede Woche in Italien, damit es am See nicht so zugeht (Tegernseer Castortransporte). 10 Punkte für jede unverheiratete, anämisch-musische Tochter. Tut mir natürlich Leid für einige Leute, aber so bekäme man den See erst mal nett leer und dann wieder besser voll. Ach so, und drittklassige Sauger an den dreckigen Zitzen der Glotze mit eigener Vergangenheit ais Trolle mit falschen Namen an der Blogbar, die andere als Trolle outen: Lebenslang Kreuzberg.



Andererseits , was gibt es eigentlich Schöneres an Sozialstudien, als einen Pharmakongress in Rottach, wenn die Damen derweilen einkaufen gehen, während die Männer erklären, dass sie keinen Interessenskonflikt haben? Das hat auch seinen Reiz, mal zu sehen, wie die real existierende Gesundheitspolitik so funktioniert. Nicht alles geht nach Luxemburg, es bleibt auch hier in Pelzgeschäften, obskuren Galerien und Hotels mit Vorhängen, die einen die Kälte da draussen vergessen lassen.

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