: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Samstag, 11. Juni 2011

Ich fürchte Spanier, wenn sie griechische Geschenke wollen

Ui.

Eine spanische Riesengrossbank, angeblich kerngesund und bestens aufgestellt, will eine Milliarde Euro einsammeln. Und unterlegt diesen Bond mit Sicherheiten aus dem spanischen Kreditgeschäft mit spanischen Kommunen und Regionen, und bietet ordentliche Zinsen an.

Und bekommt gerade mal die Hälfte der gewünschten rein.

Man kann den Markt natürlich als dreckigen Zyniker betrachten, der all die guten Nachrichten - also, im Vergleich zu Griechenland relativ guten Nachrichten - aus Spanien nicht ganz glauben will. Aber wenn der Markt schon nicht glaubt, warum sollten wir dann glauben? (Kurzer Blick auf den Schweizer Franken: Aha.)

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Dilemmia moralia

Gekauft: Eine gebrauchte Armbanduhr, relativ unerwartet, dachte nicht, dass es so billig bleiben wird (Klassische Ausrede). Bezahlt, nach Polen gefahren, Sache vergessen, irgendwann dann UPS, nanu, ach so, da war ja, richtig, die gebrauchte Uhr für sehr günstig. Paket auf, Lederschachtel auf, Kopfkratzen, weil das definitiv nicht bestellt war:



Ausserdem haben ein paar besoffene Elitisten hier vor dem Haus schon mal versucht, eine bekannte Segleruhr durch Überfahren zu zerstören, und haben sie dann beim Fundamt nicht abgeholt - welch Überraschung - insofern habe ich schon eine Wassersportuhr. Diese hier vertreibt der gleiche Verkäufer auch, nur für den dreifachen Preis in so nagelneu, so wie sie ist. Mit Garantiekarte etc..

Also Email. Hübsch, danke für die Lieferung, aber es ist nicht die abgebildete Uhr, ich hatte die gebrauchte Uhr ohne all die Dichtungen und so weiter bestellt. Keine Antwort. Noch eine Mail. Wieder keine Antwort.

Anruf. Was wie nein da wissen wir nichts, was war das nochmal, und dann haben sie was bekommen? Also das kann nicht sein nach unseren Unterlagen, warten Sie mal, da stand doch, dass die Abbildung aus dem Katalog ist und ihre sieht anders aus, na das kann schon vorkommen. Also, wenn sie Ihnen nicht passt, dann können Sie sie ja umtauschen, das geht, aber dafür müssen Sie sie versichert zurückschicken und das mit dem Erstatten, bei uns sind gerade die Leute in Urlaub... na wenn Sie Ihnen gefällt, dann behalten Sie sic doch, ich verstehe gar nicht... 7754 oder 7750, ob da jetzt eine Lünette ist, phhh, also, mehr kann ich Ihnen auch nicht sagen. Umtausch ist kein Problem, jaaaaa wir können auch nachschauen und es nochmal überprüfen, aber es dauert und da brauchen wir schon die Uhr hier. Ich frag nachher mal den Chef. Der ruft Sie in einer Stunde zurück.

Warten.

Anrufen -> Besetzt.

Anrufen -> Keiner geht ran.

Nachgoogeln, ob der Händler vielleicht... nein, ganz normaler, üblicher Juwelier.

Nochmal Mail schicken. Keine Antwort.

Beschluss, denen eine Woche Zeit zu geben. Dann egal sein lassen. Mit schlechtem Gefühl im Magen, natürlich.

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Freitag, 10. Juni 2011

Mach mal was über den Osten

sagten sie drüben bei der FAZ-Leserschaft. Seit gut zwei Jahren. Über eine Region also, von der ich so viel weiss, wie ich darüber wissen möchte. Nichts, also, wenn ich es präzise ausdrücken soll. Wobei: Ich war natürlich schon ein paar Mal in Polen. Für Freunde alter Bausubstanz lohnt sich so ein Kurzurlaub durchaus.



Ich war in Bunzlau, was für mein früheres Studium ein wichtiger Ort ist, ich habe natürlich in eine Töpferei geguckt und viele Dörfer gesehen. Ich habe Geschichten gehört, überraschend gute Geschichten, und Bitten, nicht darüber zu schreiben. Also habe ich über etwas anderes geschrieben.



Über Heimat, über den Verlust von Heimat und die Frage, wie endgültig solche Verluste sind. In der FAZ.

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Sommer der Umentscheidungen

Eine Frau mit einem pinkfarbenen Blazer und einem Gewichtsproblem zeigt ihre Betonfrisur und verkündet nebenbei, dass sie jetzt keine Parteien mehr kennt, sondern nur noch Grüne. Sie selbst ist die grüne Kaiserin. Das kleine Problem: Ausser ihr selbst glaubt das niemand. Ihre Wahlleute schauen auf den Boden und finden es doof, das den Menschen irgendwie erklären zu müssen, nachdem sie 40 Jahre lang alle, die so dachten, wie sie jetzt denken sollen, als Terroristen, Verfassungsfeinde und Chaoten diffamiert haben. Keiner fragt die Frau in Pink, ob sie nicht zurücktreten will, oder wenigstens ein wenig vor Schaunde auf Bauch und Gesicht rutschen möchte. Derweilen bastelns AKW-nahe sog. Experten die letzten juristischen Löcher in die Gesetze. Dass in Fukushima nach Meinung anderer Experten drei Reaktoren komplett durch das Containment gebrannt sein dürften, fällt da gar nicht weiter auf. Hauptsache, das Problem ist aus der Welt, die letzten Kraftweksbonzen darf die FDP in ihr eigenes Verrecken tätscheln.

Und dann wundern sie sich über Politikverdrossenheit bei gleichzeitiger Demonstrationsbereitschaft.

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Mittwoch, 8. Juni 2011

Der grosse Wald

Ich führe nicht gern Interviews. Ich denke, es gibt viel zu sagen, was keinen anderen braucht, und ausserdem hasse ich das Glätten und das Abnicken von aufgeblasenen Nichtsen, die sich toll vorkommen, weil sie es dem Journalisten jetzt mal richtig zeigen können. Feine Herren wie jener polnische Untergrundkämpfer, den ich vor über 10 Jahren einmal zwei Stunden erzählen lassen konnte, traf ich zu selten.

Aber dieser eine Mann war den ganzen Ärger mit den anderen wert. Es gab damals verschiedene Arten von Partisanen, die sich oft nicht grün waren; er selbst war ein Waldpartisan in der dünn bediedelten Gegend entlang der Grenze zu dem, was heute die Slowakei ist. Die Partisanen nutzten die unterschiedlichen deutschen Dienststellen aus, die sich wohl nie ausrecichend bei der Jagd auf den Untergrund absprachen.Mal wichen sie in die polnischen und mal in die slowakischen Wälder aus. Er selbst bedauerte, dass die Wälder in Polen so klein waren; in Russland hätte man eine Woche marschieren können, und hätte nie den Wald und die Sümpfe verlassen., In Polen seien die Wällder selten grösser als ein, zwei Tagesmärsche der gegnerischen Soldaten Trotzdem muss das gross sein, dachte ich. Und was soll ich sagen: Heute war ich dort. Es ist enorm gross.



Und unübersichtlich. Und auch undurchdringbar. Man verliert darin schnell jede Orientierung. Was immer hier verschwindet, taucht vermutlich nicht mehr so schnell auf. Ab und an findet man hier entlang der Strassen auch noch altes Krieggerät im Boden, Reste der Anschläge auf Versorgungskonvois. Im Herbst ist hier alles voller Steinpilze. Es riecht sehr gut. Es ist gross und menschenleer. Lange, gerade Strassen ins Nichts. Ab und zu ein kleiner Flecken, den zu halten in diesem grünen, die Feinde versteckenden Meer sicher kein Vergnügen war.

Der Mann hatte gute Erinnerungen an seine Zeit im Wald. Der Partisan, erklärte er mir, kommt von der einen Seite und geht auf der anderen, er geht niemals den gleichen Weg zweimal. Kein Wunder: Hier würde man den alten Weg nach 10 Schritten nicht mehr finden.

Er wirkte jung, als er vom Wald erzählte. Er war ein sehr feiner Herr. Und es ist wirklich ein enorm grosser, sehr beeindruckender Wald.

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Die DDR ist nicht tot

Sie produziert heute nur etwas mehr an der Marktwirtschaft orientiert für Käufer, die den Faktor Coolness als wichtigen Fortschritt für den Sozialismus erkennen.



(Ich war hinter Bautzen dann doch etwas müde. Und nochwas, liebe Vogtländer Billigmercedesfahrer: Wir haben Eucb nicht die Autobahnen und all die Förderung bezahlt, damit ihr uns anlichthupt, wenn euch dann eh die Kraft beim Überholen ausgeht. Nochmal sowas, und wir schicken Euch gleich wieder zum Mauerbau.)

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Montag, 6. Juni 2011

Ich war stets schlecht in Mathe

Deshalb wurde aus mir auch kein Autobauer, sondern ein Angehöriger der verfassenden Zunft, und weil bleibt, wer nicht rechnet, sondern schreibt, habe ich auch einen Beitrag über das bayerische G8 und seine übersteigerte Wertschätzung der mathenahen Fächer geschrieben.

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Leben von der Substanz

Einerseits wird aus dieser Stadt nie mehr Italien, selbst wenn sie die Fussgängezone vielleicht bald mantuaisieren (Draussenlokale! Feinkostgeschäfte! Das wäre was!)



Andererseits ist es nicht Fukushima (ups, da war es plötzlich doppelt so viel Strahlung als bisher behauptet), sondern seit Neuestem der Vorreiter beim Ausstieg aus derAtomenergie. Da kann man seinem Herrgott langsan wirklich danken. Maria auch.



Vielleicht ist es ja ein guter Anfang, die italienischen Ecken zu bewahren; so zeichnet sich eine erhaltende Lösung für die Holzlegen ab. Ich werde sie - wenn ich mal Zeit habe - streichen und Fehlstellen ersetzen. Wobei, wenn es nach mir ginge, würde das verwitterte Holz so bleiben, wie es ist. Und es ist mir im Hof gerade etwas zu viel Grün.



Draussen dagegen zeigen die Weinstöcke, was sie können. Den strengen Winter haben sie bis auf einen Ast gut überstanden, und dieses jahr scheinen sie besonders üppig tragen zu wollen. Jetzt noch ein italienischer Sommer.



Dann lässt es sich, egal ob freiwillig oder alternativlos, ganz gut aushalten.

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Sonntag, 5. Juni 2011

Ehec

Auf die Hygiene kommt es an: Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Erreger die Verseuchung in meiner Küche überlebt.

Ansonsten - wenn man es vielleicht als Ihec oder my-Ehec rebrandet, findet man vielleicht in Berlin passende Abnehmer?

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Was zu erwarten war

Kaum zurück aus der italienischen Korrektionsanstalt, hatte der Zögling A. nichts Besseres zu tun, als baldigst zu alten Gewohnheiten zurückzukehren. Schon bald sah man ihn in jeder freien Minute beim Plündern anderer Leute Familienschätze.



Es ist kaum anzunehmen, dass dies ein gutes Ende zeitigen wird.

(Selten findet man Buttermesser, Käsemesser und die beiden Vorlegegabeln aus Silber in diesem Zustand noch als EInheit. Und dann auch nicht für 3 Euro)

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Man möchte sie vom Fleck weg heiraten.

Diese junge Dame gefällt mir ausserordentlich gut.

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Samstag, 4. Juni 2011

Handgeschriebene Nachrichten aus Ofleinistan

Ob man wirklich internetabhängig ist, merkt man erst, wenn es hart auf hart kommt. In Italien war es mir ohnehin eher egal, sicher, man macht auch was im Internet, aber das Leben ist draussen und vieles kommt auch einfach nicht ins Blog. Wie aber ist es, wenn da keine Seeuferstrasse ist, kein Palazzo neben dem anderen und keine Italienerin, die zu herrlichen Schnappschüssen anregt? Nun. Es geht so, Es gibt auch dort auf dem Land genug Unterhaltung.



Junge indische Laufenten zum Beispiel, ausserdem hat man auch was zu tun, eine Vielzahl von Aufgaben, und natürlich kam das alles etwas plötzlich, aber es is wias is, sagt man bei uns in Bayern. Diese Wurschtigkeit kann auch daran liegen, dass ich mir den Landaufenthalt mit einer nicht genehmigten Mischvergiftung mit diversen Heuschnupfenmitteln erkaufe; stets ist es so, dass die Allergie kommt, ich werfe ein, und dann schlafe ich erst mal weg. Aber mei. Solange ich nicht die Rasenflächen mähen muss, geht es. Immerhin soll Regen kommen, und die Erdbeeren kann ich schon holen und einlegen und vorher natürlich waschen.



Selbst wenn es nun wirklich so ist wie es zu erwarten war - alles Schlechte kommt aus dem Norden und den Hafenslums und den dort zusammengerotteten Menschen - weiss man es ja nie genau. Zuerst hat sich ja der Preusse hierher ausgebreitet, wer weiss, was mit ihm und so. Ich würde sofort bayerische Gurken essen, aber im Moment sicher keinen Preussen. Deshalb kaufen wir für die Erdbeeren auch keinen Magerquark, ab Halbfett könnte nämlich Norddeutsch drinnen sein.

Solcherlei Witze reisst man auf dem Lande, es plantschen die Entenkinder im Teich und die Eltern kopulieren dazu, ich tue, was getan werden muss und denke mir so, dass es scheusslichere Arbeitsorte gibt, selbst wenn alles unerwartet und schnell gekommen ist. Internet wäre sicher fein, aber irgendwie nicht so wichtig.

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Freitag, 3. Juni 2011

Immer noch Italien

aber doch auch schon wieder Bayern - ich nähere moich ganz langsam meiner Heimat an, ohne die Fremde ganz aufzugeben.

Indem ich darüber schreibe, warum man nicht mehr von der Toskanafraktion spricht. In besseren Kreisen nicht, und auch nicht mehr bei unseren Hörigen der schreibenden Zunft.

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Freitag, 3. Juni 2011

Nachgetragenes

Zur Post gehen. Fresspakete und schmale Umschläge verschicken. Der Globalisierung ein Schnippchen schlagen, weil es eben doch nicht überall alles gibt, sondern manches nur an einem Ort und jetzt, solange man es nicht verschickt. Man kann nicht alles behalten, manches geht eben früh auf die Reise, anderes dagegen bleibt.



Im Nachhinein fragt man sich ja immer, warum man nicht das noch und dies noch... man hätte jenes doch so gut... so reich kann die Beute nicht sein, dass man nicht noch mehr... zum Glück wächst das alles in Italien in ein paar Monaten wieder nach, erst für die Hauptsaisontouristen und dann ist immer noch genug Gelegenheit, die Reste mitzunehmen. Bleibt diesmal auch nichts anderes übrig: Ich habe einen neuen Job für 6 Wochen, den ich gern tue und der mich ziemlich in Beschlag nehmen wird. Erst mal schlecht für Italien. Aber solange gibt es ja noch Bücher.



Das eine, "Überleben mit Berlusconi", ist flott geschrieben, aber irgendwie ein wenig zu resigniert und obendrein von einer fatal an den Spiegel erinnernden Lockerheit. Da werden Vergleiche bemüht und Witzchen gerissen, da werden Sprünge gemacht und Thesen nicht abgeklopft - nett für Berlusconi-Einsteiger, aber nichts für Italienkenner.

Grandios ist dagegen "Streng Vertraulich" von Andrea Camilleri, das in Italien ein Bestseller war. Camilleri geht der Frage nach, wie der italienische Faschismus mitsamt seinem Beamtenapparat durchdreht, wenn er sich um das Wohlergehen eines schwarzen Prinzen kümmern muss, der ständig Probleme bereitet,. Man wird auf lange Zeit sicher keinen solchen Roman über das 3. Reich schreiben können, aber Camilleri, der seine Hauptfigur immer nur in den Augen der andern erscheinen lässt, führt sie gnadenlos vor, die eitlen Tröpfe jener Jahre, vom Duce bis zum Karrieristen, vom Priester bis zum Mitläufer, Eine saftige Opera Buffa, dieses Buch. Das schlechteste daran ist sein Schutzumschlag.

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