: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Freitag, 18. November 2011

Der grosse Brocken

Das da hinten ist der Hirschberg. 1670 Meter, die eine Hälfte ein mehr oder weniger radelbarer Weg, die andere Hälfte ein steiler, mit Stahlseilen gesicherter Steig die Flanke hoch. Ich habe grossen Respekt vor diesem Berg. Er ist sowas wie meine Nemesis hier im Tal. Ich habe vier Anläufe gebraucht, bis ich dann oben war.



Sprich, der Berg ist nicht ganz einfach für jemanden, der das alles nicht sehr gewohnt ist. Andere - Thomas Mann beispielsweise - haben sich in Sänften hochtragen lassen. Ich bin irgendwo zwischen Thomas Mann und den Namenlosen, die ihn trugen. Immerhin. Es geht noch. Allerdings dachte ich nicht, dass es dieses Jahr noch einmal gehen würde.



Wie auch immer: Morgen werde ich es trotzdem versuchen. Man darf nicht früh los, denn in der Nacht ist es hier inzwischen eisig, und auf dem Gipfel ist es nur ein paar Stunden so, dass man es aushalten kann. Spätestens um kurz nach 16 Uhr muss man sich auf den Rückweg machen. Mit dem Rad könnte es gehen, das verkürzt den Abstieg um eine Stunde. Sonst endet man in der finsteren Nacht.



Warum? Ich weiss es auch nicht. Es gibt keine Erklärung dafür, nicht umsonst ist der Alpinismus eine Sache von Nichtalpenbewohnern. Der Berg ist einfach da. Vielleicht, weil ich am Berg spüre, wie klein und unbedeutend alles ist.



Nun denn. Noch einmal gut gegessen und viel getrunken, gut geschlafen - und dann gilt es. Schlimmstenfalls muss ich abbrechen. Aber das ist schon in Ordnung so. Der Berg bleibt.

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Der Euro und der Nazi.

Wer Nazis im Osten ekelhaft findet, sollte sich besser eine Tüte holen: Einer der griechischen "Technokraten", die dort als Regierung installiert werden, in diesem Fall als Infrastrukturminister,hat eine einschlägige Vergangenheit. Das wird noch lustig werden, mit diesem Euro und jenen, an denen er hängt.

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Donnerstag, 17. November 2011

Nachtrag auf den Berg

Zu spät.



Viel zu spät.



Eigentlich müsste man alles, was wirklich zu tun ist, in den paar Stunden Licht zusammenpacken.



Zeitorganisation passt aber nur begrenzt zu Tätigkeiten wie Abwarten und Teetrinken.



Deshalb ist es schön. Und aussichtslos im Sinne von vergeblich, gegen die Sonne bestehen zu wollen.



man kann treten, was man will, sie ist schneller.



Man wird der Finsternis nachher nicht entkommen.



Dafür sind aber auch die Himmelsfarben anders.



So - relativ - spät war ich noch nie hier oben.



Es ist diesmal ganz anders als sonst.



In Rottach ist es schon Nacht, und die Lichter am See flackern auf.



Und dann wird es auch oben stockfinster und kalt, aber das ist egal.



Unten bleiben ist einfach keine Option.

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Misteln

Das ist schon eine feine Sache, wenn die einfach so am See wachsen.



Allerdings wird dann immer vergessen, dazu auch küssbare Partner anzubauen. Das kann sich als problematisch herausstellen.

Andererseits war ich wieder blöd genug, ein wenig auf Mädchenmannschaft herumzulesen. Brrrr. Da bin ich doch gerne noch ein, zwei Tage allein am See. Nichts gegen Frauen, natürlich. Nur gegen Psychos.

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Seufz oder Textschuster und Blogleisten

Zuerstmal: Der SPONschleim hat sich den Münchau als Wirtschaftskolumnisten eingefangen. Das ist nach meinem Gefühl so, als würde die Pest an Cholera erkranken.

Dann: Ich erkläre es gern nochmal. Wenn man ein Blog auf den professionellen Markt bringt und wirklich viel tut, damit es gut angenommen wird, wenn man es jenseits aller sonstigen Bemühungen bevorzugt und präsentiert und die Beiträge sehr in den Mittelpunkt der Website stellt -

und dann sehen die Zahlen in chronologischer Folge so aus:

42.590 Leser 59 Kommentare

9.593 Leser 21 Kommentare

5.572 Leser 25 Kommentare

2.575 Leser 4 Kommentare (wobei hier noch was dazu kommen wird)

Und der bisherige Standard im identischen Umfeld sieht bei erheblich schlechterer Präsentation so aus:

12338 Leser 189 Kommentare

11872 Leser 232 Kommentare

11900 Leser 336 Kommentare

9951 Leser 234 Kommentare (wobei hier noch was dazu kommen wird)

Dann, lieber Leser, wird das für den Neuling ein langer und beschwerlicher Weg, will der wirklich etwas reissen. Die beiden Verläufe sind nämlich ziemlich genau der Unterschied zwischen den schnell das Interesse verlierenden Gelegenheitslesern und anhänglichen Stammlesern. Mit der ersten Sorte kann man viellicht irgendwie in einer Website mitschwinmern. Mit der zweiten Sorte macht man dagegen dauerhafte Leserbindung. Wegen der ersten Sorte vertreibt man vielleicht niemanden. Mit der zweiten Sorte baut man auf. Ich denke, die Kernaussage der Zahlen oben sind die 33.000 Leser, die nach dem Auftakt nicht mehr kamen. Gut drei Viertel mussten sich da gesagt haben, dass sie das nicht mehr unbedingt immer sofort wieder lesen wollten. Sonst würden sie ja entsprechend auf den neuesten Beitrag hinfiebern.

Das passiert, wenn man gleich zu Beginn Leute gleich mal saftig vor den Kopf stösst: Kurze Awareness, langfristig keine Sympathie. Man schaut hin, wenn man angebrüllt wird, aber man kommt dann auch nicht wieder. Dazu dann zwei weitere unironische Extrempositionen, und der Sarg ist zu. Ausser bei den engsten Unterstützern, die einem dann bleiben, aber damit hat man dann auch keine schönen Debatten mehr, und beim Rest ist man eher verbrannt. Und für die eigenen Leute muss man dann auch mehr liefern, als alle anderen auch schon im Programm haben. Nicht ganz einfach im Bereich der generell marktfreundlichen Wirtschaftsneoliberalalas. Den grossen Erfolg bei den Fans haben in diesem Sektor bezeichnenderweise eher die scharfzüngigen Ketzer von FT Alphaville, das Kapital bei der FTD, Naked Capitalism und Calculated Risk. Bezeichnenderweise alle nicht beim neuen Wirtschaftsblog in der Linkliste.

Zum Vergleich: Wenn das andere Blog einfach nur so dasteht, wie es ist, bleiben immer noch (beim letzten Testlauf)

9531 Leser 270 Kommentare.

Sprich: Das ist der Kernbestand.

So ein Blog mus eine Linie haben, eine spannende Idee, einen Fokus, aber zugleich offen sein, eine echte Persönlichkeit dahinter haben, es muss immer kommunikativ sein und in seinem Rahmen breit und klug unterhalten - dann geht das auch. Es muss das Umfeld erweitern, es darf es nicht zusätzlich verengen, Der Funke muss überspringen, dann kann man weiterbauen. Das ist eigentlich alles nicht so schwer. Dafür braucht man auch kein Twitter und kein Facebook. Menschen lesen sogar trotz dümmsterLayouts weiter, weil es ihnen um Inhalte geht, um Debatten, um den Spass und freundliche Behandlung.

Man kann Leute sogar manchmal vor den Kopf stossen und gegen sich aufbringen, aber irgendwie müssen sie das Gefühl haben, dass man mit ihnen reden will, dass es einem zuerst um den Leser geht, und nicht um die Position des Welterklärers. Man kann Blogs nicht gegen das Interesse von Lesern durchsetzen. man kann niemanden zu einer unerfreulichen Debatte im eigenen Onlineauftritt zwingen. Wir sind im Internet. Das Bessere ist nur einen Klick weiter. Das ist knallharte Konkurrenz, mit einer Entwicklung wie da oben ist man chancenlos. Man braucht für Blogs keine Journalisten, sondern Blogger. Oder blogtaugliche Journalisten. Aber ein Blog ist etwas anderes als ein etwas reduziertes CMS, wenn es funktionieren soll.

Und ich hätte 2004 auch nicht geglaubt, dass ich 2011 noch solche Artikel schreiben würde.

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Dienstag, 15. November 2011

Zu dieser Sache da.

Zu dieser.

Ich glaube, das Prinzip "Don't fuck in the company" war eine gute Idee, als in aller Regel ein Mann oben mit einer Frau weiter unten in der Hierarchie geschlafen hat. Gibt es heute, was man so hört, immer noch recht oft. Und ist auch nicht wirklich erbaulich, wenn "unten" dann auch nach "oben" kommen will, egal was andere vielleicht besser können und tun.

Aber in meinen Augen verliert dieses Prinzip in eher lockeren Bindungen und Anstellungsverhältnissen viel von seiner Richtigkeit. Gerade die Bloggerei ist doch ein Paradebeispiel dafür, wie hinterfotzigste Geschichten über Ecken und Banden gespielt werden, wo der eine Cretin halt ein geldgeiler Abzocker ist und dann für die moralische Komponente den bigotten Lügner vorschickt, wo die eine Hand die andere wäscht und jeder seine Claims unter sich und seinen Spezis aufteilt. Erinnert sich noch jemand an Adnation? Internet-Manifest? Digitale Gesellschaft? Twitter-Akademie? Cola WG? Düsseldorfer und Berliner Klüngel? Man muss nicht mit Leuten Sex haben, um fies zu sein. Für ein Auskommen als "Profiblogger" oder "Social Media Berater" tun manche erheblich mehr als eine nicht unpassende Chance nutzen, die de facto niemanden stören wird, wenn der Job gut gemacht wird.



Ich bin weit weg davon weg (Sozi, Grundeinkommenablehner, Parteimitspackenwieschrammundaaronkönigdooffinder), den Piraten politisch irgendwas zu schenken, aber hin und wieder komme ich auch dazu, Empfehlungen abzugeben. Mitunter werde ich gefragt, ob ich jemanden für den ein oder anderen Job kenne oder den ein oder anderen vermitteln kann. Das ist dann immer eine Frage des Vertrauens. Ich frage dann nie nach, ob da noch mehr als Freundschaft dahinter steckt; irgendwie möchte ich vertrauen können und glauben, dass dieses Vertrauen gerechtfertigt ist. Und wenn da jemand mit jemand Sex hat? Auch egal. Das ist meines Erachtens Menschenrecht genauso wie die Diskretion darüber. Am Ende wird mir auch vertraut, also muss es gut sein. Und da passe ich dann schon auf. Wenn das Ergebnis stimmt, ist alles andere egal.

Erstaunlicherweise habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass, wenn wirklich mal Beziehungen im Spiel waren, die Betreffenden sich extra reingehängt haben. Damit genau nicht die Rede davon sein kann, dass es nur wegen der Beziehung ist. Ich denke, gerade bei Frauen gibt es einen ganz starken Trieb, nicht als dummes Hascherl dastehen zu wollen. Und bei meinen Freunden einen Trieb, alles bloss kein dummes Hascherl zu wollen. Mal ehrlich: Soll man nur noch mit unattraktiven Putzlumpen mit niedriger Intelligenz verkehren, damit man nur ja keinen klugen Menschen aus seinem Umfeld irgendwie fördert? Und wieso glauben die Menschen, dass in einer derartig übersexualisierten und bindungsprekären Welt wie der unseren so etwas Inflationäres wie Sex da eine grosse Rolle spielen würde?



Die andere Erfahrung ist, dass jenes Verhalten, das man gemeinhin bei Company-Sex fürchtet, auch prima ohne denselben praktiziert werden kann. Im Journalismus tun Menschen ganz schön üble Dinge für Vorteile, die draussen kein Mensch begreift. Wen interessiert schon die erste Seite? Wer hält den schäbigen, korrupten Luxus einer Mazda- oder Wasauchimmerfahrt, den man diesem Pack offeriert, für etwas Tolles? Eine bescheuerte, altbackene Langweilerkolumne mit Studienrathumor? Wer will ernsthaft seine Abende auf langen Nächten der Medien vergeuden? Aber dafür sind Leute bereit, viel zu tun. Das läuft dann natürlich diskret ab, hinterfotzig, idealerweise so, dass man sich auch nochmal treffen kann, aber dann halt mit aller gebotenen Vorsicht. Schein waren, auch wenn dahinter dann etwas ganz anderes ist als eie wie auch immer geartete Freundschaft.

Das Problem ist nicht die Beziehung an sich oder ihre Beschaffenheit, sondern wie sie die Arbeit tangiert. Wir leben im 21. Jahrhundert. Ich möchte gute Ergebnisse sehen, und keine Moral des 19. Jahrhunderts in der Hintertür. Wer das anders sieht, soll halt die Klugen und Guten meiden.

(Ich weiss schon, warum ich hier nichts Konkretes über meine Beziehungsstatute sage)

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Martern einiger Art

Diesen Beitrag widme ich einem bestimmten grapffigen Schandmaul der Süddeutschen Zeitung. Quick and Dirty, Du Journalist.

Ich finde ja, man sollte Kulturüberheblichkeit nicht mit Verachtung bestrafen, oder mit Zorn, oder mit Ablehnung und Ignoranz. Das trifft die Leute nicht richtig. Das tut ihnen nicht weh.

Nein. Man muss sie demütigen, indem man ihnen klarmacht, dass sie selbst, jetzt mal vom Standpunkt eines Nichtwasmitmedienprolls, kulturlos und geschichtsblind sind. Und damit schlimmer als jeder Blogger: Die wissen es nicht, aber diese Pessimisten - die behaupten, es zu können. Die haben Diplome und Posten. Man muss sich fragen warum, wenn sie so ahnungslos und borniert sind.

Wie auch immer, hier ist die kleine Kulturgeschichte des Digitalbildhasses in der FAZ.



Mit Bildmaterial, das sogar SPONschleimleser verstehen,

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Dienstag, 15. November 2011

Billige Freuden

Das Dumme ist: Ich müsste mich eigentlich für die Debatten rund um Kitas und Herdprämie interessieren. Davon hängt zentral ab, wie Menschen geprägt und orientiert werden, und wie sich das Land entwickelt. Das Problem ist:



Obwohl mir das bewusst ist, schaffe ich es nicht. Und das liegt nicht nur daran, dass vom Kindermangel am See nichts zu spüren ist, wie auch nicht von einer wie auch immer gearteten Bedürftigkeit. Man hat hier immer Kinder um sich rum. Unterstützung wäre nicht nötig. Aber es ist etwas anderes: Mein Leben ist einfach zu weit weg.



Gut, die Münchner haben sich also zurückgezogen, es bleiben die Sonne, der blaue Himmel und ziemlich viele Leute, die hier wohnen und Nachwuchs haben. Und ich, Ich habe ein Rennrad und Lust auf die kleinen Wege am Nordende des Sees, wo man nicht rasen muss - dazu ist die Luft inzwischen doch zu kalt - sondern ein wenig sportlich sein kann, ohne Lycra tragen zu müssen.



Und 10 mal 50 Höhenmeter vom See zur Endmoräne machen ja auch eine schöne Leistung. Der Blick dort oben ist auch nicht ganz schlecht, um es vorsichtig zu sagen, und alle Probleme scheinen weit, weit weg zu sein. Nur ein paar Petitessen.



Zu meiner Überraschung wäre es heute zwar nötig gewesen, das Auto zu enteisen, aber noch geht hier alles mit dem Rad, einkaufen, zum Berg, Torte holen. Billige Freuden eben. Es muss nicht immer das Neueste sein, das Alte wird einem nachgeschmissen, für das hier reicht es allemal, den Verlust haben andere. Es ist eine billige, verrückte Welt.



Ach so, schon wieder ein Kinderwagen - noch so ein Ding, das schnell seinen Wert verliert. Ja. Ich sollte ja über Herd- und Wurfprämien schreiben, aber das ist nicht so leicht, wenn man hört, dass Kostenreduktion bei entlassenen Bankmanagern das Zurückmieten der Pferde bedeutet und kein Frühstück mehr in Paris. Könnte ich mir so etwas leisten, würde ich es tun, wenn ich könnte? Der See ist für alle gleich, die Sonne auch.



Nur die einen fahren, die anderen schieben. Jeder, wie er will. Selbst an Tagen wie heute wird man den Eindruck nicht los, dass ein paar Menschen weniger der Welt nicht schlecht tun würden. Man muss deshalb ja keinen umbringen, aber Geburtenzurückhaltung und Verhütung wären auf Dauer nicht ganz schlecht. Es gab eine Zeit, da lebten nur 50 Millionen Deutsche. Das ging auch. Irgendwie.



Und dann ist da noch die Sache mit dem Raum, den wir brauchen. 44 Quadratmeter pro Mensch sollen es heute sein. Alle paar Jahre kommt ein Quadratmeter dazu. In 40 Jahren... man kann sich nicht vorstellen, wie das hier gehen soll. Entweder weniger Menschen, oder noch mehr Siedlungen. Aber der Berg setzt hier Grenzen. Und das ist gar nicht schlecht so. Also weniger Menschen. Trotzdem wird jeder Topf seinen Deckel finden. Ausser denen natürlich, denen kein Deckel gut genug ist, und jenen, die ohne Deckel kochen können.



Ich weiss auch nicht. Das Thema liegt einfach zu weit weg. Ich verstehe davon auch nichts. Es ist nicht meines. Ich kann Schaltungen einstellen und aus alten Schrotthaufen mustergültig laufende Maschinen machen, ich kann kochen und schreiben, auch wenn mich die Sonne gerade etwas blöd brennt. Ich finde, Frauen sollten tun können, was sie wollen, und Männer sollten sich nicht um die Verantwortung drücken, für die sie sich entschieden haben. Und ich sollte noch einmal den Hügel hinauf.



Jetzt ist es also fertig, das LeMond Zurich von 2004, jetzt muss nur noch der neue Besitzer kommen und es abholen. Eigentlich schon am Wochenende. Aber sein Kind hat Grippe. Und als guter Vater... ich bin gesund. Ich habe ja auch Zeit. Es eilt nicht. Noch einnal hinunter, am See entlang, dann zum Konditor und, damit zumindest irgendwas nicht mehr sommerlich ist, einen Stollen holen.



Mit Butter. Billige Freuden eben. Demnächst mal wieder ein Paket verschicken, für andere. So geht das hier. Und mir ist noch immer nichts zur Herdprämie eingefallen.

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Gesetze verschärfen jetzt!

Ich bin übrigens vollkommen und eindeutig für die knallharte Umsetzung von

- Vorratsdatenspeicherung
- Bundestrojaner
- erleichtere Hausdurchsuchungen
- Isolationshaft
- Sicherheitsverwahrung
- Grundrechtsanpassung

bei Verfassungsschützern aus Hessen und Thüringen.

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Sonntag, 13. November 2011

Kein guter Tag für Ferengis auf Planet Erde

Zuerst einmal eine Rezension von Frank "Photonentorpedo" Schirrmacher, die zeigt, was man mit einer Buchbesprechung alles anrichten kann.

Und dann noch ein Beitrag in meinem dortigen Blog über die Frage, was eigentlich aus den echten Transatlantikern wurde in Zeiten, da die Ferengis gelernt haben, ideolgische Satzbausteine aneinanderzureihen und zu verbreiten.

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Sonntag, 13. November 2011

24+4

Früher hätte man vermutlich nicht so viele Bilder gemacht. 170 an einem Nachmittag, davon hier jetzt ein kleiner Rollfilm mit Reserve. Und es war ein grandios schöner Tag:



Gut, vielleicht noch nicht in Gmund, und auch nicht in Rottach, und auch nicht auf der Neureuth.



Denn wenn sich der Nebel auch noch ein wenig hebt, müllt er die niedrigen Gipfel auch noch zu. Aber das ist nicht weiter schlimm. Es gibt ja auch noch das meist nebelfreie Kreuther Tal. Verdeck auf und an den Trödelmünchnern vorbei.



Dann auf den Parkplatz, viel zu warm anziehen - nachher werden viele in kurzen Hosen und Hemden kommen, es ist ja Sommer - Hut auf und los.



Von Ferne leckt ein Nebelzünglein an der Bergeswage, aber noch hält das Wetter hier am Aufstieg zur Sonnbergalm.



Die ziemlich genau hält, was sie verspricht, vom ersten Meter an und dann durch alle Steinpassagen.



Zuerst geht es an einer - aufgrund der Trockenheit zum Rinnsal verkommenen - Klamm vorbei, dann über einen sonnigen Bergrücken nach oben.



Natürlich meine Lieblingsblume in den Bergen, weil: Dagegen bin ich nicht allergisch, und es ist eine Silberdistel



Erst reicht weit oben weitet sich dann der Blick zu ersten Panoramen auf die Blauberge an der Grenze zu Österreich.



Mit den ersten Latschen dann verlässt man wirklich das Tal und kommt, hüpfend über all die Stöcke und Steine, im Gebirge an.



Das hier gibt einen guten Eindruck von der Arbeit am Berg: Steil, verbaut, nicht ohne Anspruch, aber sonnig und duftend. Es riecht nach Frühling.



Unten drückt dagegen das graue Elend der Tiefebene von Hamburg bis Dürnbach herein. Es kommt, es will hier hoch, aber ich bin schneller.



Noch ein paar Serpentinen, einen schattigen Wald durchmessen, eine Ahnung einer Wiese, und dann, plötzlich, die Hütten und das Blau.



Zum Greifen nah wäre jetzt noch der Ross- und Buchstein, nur noch 200 Höhenmeter und eine dreiviertel Stunde, aber, wie Dirty Harry so schön sagt: "Man's gotta know his limitations."



Heute ist es schon zu spät. 1500 Höhenmeter sind auch schon eine ordentliche Leistung in Zeiten, da andere gar nicht mehr das Haus verlassen wollen. Da unten.



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Da oben, wie soll ich sagen: es gibt zwei Arten von Menschen auf dieser Welt. Die einen bleiben unten und die anderen kommen rauf. Ich komme rauf.



Unten hat sich der Nebel inzwischen bis zum Achenpass vorgearbeitet. Scheusslich da unten, aber zum Anschauen von hier oben: Grandios.



Eine gute Stunde habe ich jetzt noch in der Sonne, und weil die Alm geschlossen ist, verpflege ich mich selbst. Ja, ich weiss, es ist nicht der übliche Foodpr0n.



Dafür habe ich jede Menge Nebelpr0n. Hier fliessen die Ströme aus dem Norden mit dem Dunst aus dem Sylventeinsee zusammen, unten dick und darüber in feinen Schichten.



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Kurz; Es könnte schlechter sein als hier oben. Sehr. viel. schlechter. Mir geht es gut.



Ich mein, es ist November und Sommer, was will man mehr. Einen kleinen Gipfel weiter vorn mache ich noch, mit Blick hinunter auf den Leonhardstein. Da müsste ich auch mal wieder rauf.



Und nach Italien müsste ich auch mal wieder. Das ist ganz hinten, der höchste Berg, die Ahornspitze, deren Südflanke. Davor die Zillertaler Alpen, davor der Rofan und der Unnütz am Achensee (auch genelbelt) und die Blauberge.



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Jetzt aber los. Unten wird es schon finster, und es sind 700 schwere Höhenmeter.



Wenn es nicht so schwer wäre, sich von diesem Anblick loszureissen. Wenn man diese Hütte hier ein paar Tage hätte. Wenn dieser November ewig dauern könnte. Wenn.



Es hilft nichts. Die Sonne verschwindet schnell hinter den Bergen am Sylvenstein, schneller als ich nach unten laufen kann.



Dann die Grenze zwischen Tag und Nacht, zwischen Blau und Grau, zwischen Bergeshöhen und Talesdunst, es ist jedes Mal ein klein wenig wie Sterben.



Ich springe, ich rutsche, ich beeile mich und bin trotzdem nicht schnell genug. Die letzten 100 Höhenmeter brauche ich eine Taschenlampe und all meinen Orientierungssinn.



Die letzte Wurzel, der letzte Fels, der Parkplatz, das Auto, die Heimfahrt und dann die Torte.



Es war ein schöner Tag. Aber bitte nicht nachmachen. Der Berg kennt keine Gnade mit den Unkundigen in der Nacht.

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Guten Morgen.

Endlich wieder Sonne auch unten am See.



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Leider bin ich gestern zu früh eingeschlafen, um noch die Bilder von der Sonnbergalm online zu stellen. Mache ich nachher. Wenn ich vom Berg zurück bin. Oder gehe ich nochmal an den See?

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Freitag, 11. November 2011

Warum man nie mit einem Ferengi pokern sollte

Ja, also das kam so. Da war dieses intergalaktische Pokerturnier, nicht wahr, und alles lief eigentlich für das Team der Erde ganz gut, bis die Ferengi kamen. Dann ging es ziemlich schnell bergab. Am Ende stand die Erde dann mit 4 Assen da, hatte aber kein Geld mehr, um mitzuziehen. Da haben sie den Ferengi angeboten, dass sie bei der FAZ ein Wirtschaftsblog machen können, mit den Namen der Redakteure, und schreiben können, was sie wollen, gerne auch Habermas beleidigen, Geschichte klittern und ein markttotalitäres System fordern, ganz wie sie wollen, und die Ferengi sagten: OK, dafür bekommt ihr Kredit. Naja, und dann hatte sie einen Royal Flush und so kam das dann.

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Freitag, 11. November 2011

Blau

Es ist grau in der Stadt, das Licht der Lampen erinnert entfernt an die Grenze zur DDR. Oder an die Geister von Wirtschaftsjournalisten.



Aber auf de Bergen ist es sonnig, heisst es. Also schnell den Koffer mit ein paar Rottacher Hundedecken beworfen.



Vor den Bergen - hier in Holzkirchen - ist die gleiche Suppe wie überall auch, und es bleibt so bis Gmund.



Spät bin ich dran, schnell muss ich hoch, da hilft dann nur der Griff zum Bergrad. Das verkürzt den Weg nach oben um eine halbe Stunde.



Ein paar Leute kommen mir entgegen. Im Nebel. Sie lachen. Da weiss ich: Sie kommen aus der Sonne. Wie schaut es oben aus? Traumwetter. Na dann. Weiter im kleinsten Gang.



Ich habe das ganz alte Rad ohne Federung genommen. Das hilft beim Weg nach oben. Etwas. Aber trotzdem ist es steil, und wenigstens wird der Nebel lichter.



Bei 1000 Metern dann, hoch oben, die ersten Gipfel im goldenen Glanz. Noch ist es kalt, noch ist es diesig, aber nicht mehr lang.



Zeit für eine kleine Pause. Ich bin nach dem Unfall vor der l'Eroica kaum mehr mit dem Bergrad gefahren. Ich habe ganz vergessen, wie schwer sich die Stollenreifen drehen. Aber ich bin guter Dinge, mit meinem 50-Euro-Rad rechtzeitig oben anzukommen.



Dann löst sich der Dunst ganz auf, und durch den Schatten der Bäume brennen sich die Farben des Herbstes.



Das letzte Steilstück ist erreicht - hier geht es mit dem Rad nicht mehr weiter. Hier muss man klettern. Also schliesse ich das Rad an und mache mich auf den Weg.



Auf der ersten Lichtung der Blick auf das, was normalerweise das Chiemgau ist, und jetzt eine graue Suppe mit Rotgoldglanz drüber.



Dann endlich: Oben. Die Sonne ist gerade verschwunden, ein kleinster Fleck sah noch heraus, aber bis die Kamera eingeschaltet ist und fokussiert, ist es vorbei.



Gewonnen? Verloren? Unentschieden? Die Sonne mag es anders sehen, aber ich bin oben. Und die anderen sind unten im Tal, dessen Grau von hier aus bis zur Küste fliesst. Gewonnen.



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Es ist ein Glück, hier zu sein. Ich mache Schorschi die Tür auf und bestelle einen Tee. Das ist eigentlich alles, was ich jetzt brauche.



Und dann warte ich.



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Darauf, dass der Himmel dunkel wird. Rechts hinten ist Frankfurt, wo sie die hohen Türme bauen. Sie sind zu niedrig.



Dann wird der Himmel tuxedoblau, und es ist Zeit, den Ort zu verlassen. Sonst wird es - bergab, schnell, in Nacht und Nebel und Bergwald - riskant.



Manche bleiben hier oben. Ich komme morgen wieder, je nachdem, wie das Wetter unten ist. Und wie hoch der Nebel diesmal reicht.



Dann die Abfahrt. Kalt, nass, die Lebensfeindlichkeit der Berge tropft von den Bäumen. Sie können einem solche Stunden schenken und das Leben nehmen, aber was wäre das Leben ohne solche Stunden.



Nun, wer weiss.

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Internet-Experten. Oder so.

Ab und an pflege ich mich hier über die Unerquicklichkeit des Schicksals zu beschweren, das mir und meinen Wünschen nach bunter Leinwand den ein oder anderen Zahnarzt in den Weg schiebt. Auch dieses Wochenende, da ich dachte, dieses Fragment des 16. Jahrhunderts,das falsch eingeordnet war: Das entdeckt keiner und so teuer kann das gar nicht sein. Prompt bin ich gnadenlos abgesoffen, mein Limit wurde um den Faktor 4 überboten. Selbst bei Ebay sind vier Portraits des Rokoko, die ich gerne kaufen würde, mir aber nicht leisten kann.

Ich gehe dabei aber stillschweigend davon aus, dass allen Lesern klar ist: Ich bin wie eine Ente im Tegernsee, ich finde dennoch genug Futter, man muss mir nichts hinwerfen. Es freut mich enorm für Holgi Klein, dass sein Podcast gut läuft, und ich finde es auch gut, wenn so etwas mit Flattr unterstützt wird. Ich selbst empfinde es als Akt der Grosszügigkeit, gelesen und kommentiert zu werden. Ich habe keine finanziellen Interessen. Ich finde es aber auch in Ordnung, dergleichen zu haben. Darum aber: Bitte keine Bilder, Sekretäre und griechische Büsten kaufen! Ich bekomme schon, was ich brauche.

Ich möchte in diesem Zusammenhang nämlich auf zwei Texte hinweisen. Der eine kommt vom selbsternannten Postprivatisten und Social-Media-Versteher Mspro, der als solcher ja schon mal bei der FAZ über Bilderübernahmen gestolpert ist: Der hat nun einen Spendenaufruf geschrieben für einen Twitternutzer, der davon gar nicht wusste. Und weil sein Rechner kaputt war, sollte das Ziel gleich mal ein Mac für 2500 Euro sein. Dass daraufhin eine von, höflich gesagt, Unverständnis und Verwunderung geprägte Debatte folgt, die "Rechner" irgendwo nachvollziehen kann, aber "den teuersten wo gibt" eher nicht so ganz, ist keine Überraschung. Darunter auch einige hübsche Pöbeleien des Organisators auf kritische Stimmen.

Und hier der folgende Beitrag des sich nicht für einen Internetexperten haltenden und auf keinem Podium das Maul aufreissenden Begünstigten, oder besser gesagt, Betroffenen, dessen Probleme postprivatös in den Shitstorm gezogen wurden. Ich denke, so wie der Text von Mspro als Paradebeispiel für kompletten Internetfetischirrsinn gelten kann, ist der Text des Betroffenen das Idealbeispiel für den richtigen Umgang mit Empörungswellen. Er hat es natürlich insofern einfach, als er lediglich das Opfer so einer nicht abgesprochenen Egonummer ist, und es macht sicher keinen Spass, so in die Öffentlichkeit gezerrt zu werden, aber den würde ich gerne auf einem Podium sehen. Ich glaube, der kann das mit dem Netz, einfach, weil er den Ton des Netzes trifft.

Und weil es gerade passt: Hier noch eine Rezension des ansonsten, sagen wir mal, nicht sonderlich beachteten Buches über Post Privacy, das Leuten wie Mspro das Wort redet. Zumindest bis zu diesem Irrsinn gerade eben.

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