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Donnerstag, 5. Januar 2012

Der Islam gehört nach Deutschland

Ja, klar, Türken vor Wien und die Seeräuber und Karl Martell hat uns gerettet, und weil wir uns so tapfer gewehrt haben gegen die Invasoren, sassen wir so gegen 1400 immer noch sehr oft in Holzhäusern, und die Schweine und Menschen benutzten die gleichen Türen. Das geht auch! Zivilisation ist überbewertet. Und weil es keine Zeitung gibt und auch keiner lesen kann, bekommt man gar nicht mit., was in Syrien gerade so gemacht wird. Die haben nämlich ein Verfahren entwickelt, um aus bedrucktem Leder Tapeten zu machen. Aber auch egal: Der Mitteleuropäer macht Fachwerk und verlehmt die Zwischenräume. Lehm ist super! Lehm ist das Alinaweiss des Mittelalters! Und weil das so gut geht und der Technologietransfer im Gegensatz zum Türken- und Slawen- und Albigenserschlitzen nicht so wichtig ist, dauert es etwas, bis auch bei uns solche Dinge der Islamisten auf den Markt kommen. Im 17. Jahrhundert ist es dann so weit, man kann das praktisch überall bekommen.



Als Angehöriger der o,05% der obersten Schicht. Dann konnte man sich ein Zimmer damit einrichten lassen. Marmor war noch etwas teurer, Malerei dagegen billiger, wenn sie nicht gerade von den Stars dieser Epoche kam. Auch Spiegel waren etwas teurer. Aber man konnte auch abwechseln, ein Zimmer so und ein anderes anders, es gab damals für die Reichsten noch keine Bauvorschriften und keine Grundsteuer. Nur das Vermögen war die Grenze, und die Kunstfertigkeit der Hersteller in Flandern. Die aber, das muss man sagen, damals auch noch von den Motiven der arabischen Kulturfeinde zehrten.



Das Eigene kam dann erst im Rokoko, dann gab man die Symmetrie auf und machte so Kringel. Da sass man dann also in der orientalischen Pracht und langsam lernte man auch Lesen und Schreiben (was im Orient damals recht verbreitet war). Wenn einen das Muster auf den islamischen Tapeten nicht umbringt, vielleicht überlebt man dann auch ein Buch, zumindest etwas besser als die Pocken und die anderen Seuchen. Immerhin dachte man damals schon an die Zukunft, die Investition war teuer, und falls hier ein Flame versprochen hat, dass die Goldledertapete auch in 300 Jahren noch schön aussieht - dann hat er nicht zu viel versprochen.



Für eine 300 Jahre alte Tierhaut sieht das noch wirklich noch gut aus. Die hatten schon keine schlechte Technik, diese Araber, die dann die Flamen übernommen haben. Bald sollte auch das eigene Porzellan kommen. Und einiges andere, und dann würde man auch herabschauen auf die Muselmanen und so tun, als wäre das alles nichts gewesen, was sie taten, so wie damals bei Uropa Sauhirte in seiner Hütte, die damals ungefähr so weit entfernt war, wie wir heute von dieser Tapete sind, wenn wir Wand Tattoos für Geschmack halten und Hermestaschen für Luxus. Ein wenug mehr Islam in Gold und Himmelblau könnte ich schon brauchen.

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Was ich will

Ich will eigentlich kein Land, in dem ein Bundespräsident das Freiwild von Dieckmann ist. Ich hätte lieber ein Land, in dem es weder so einen Bundespräsidenten noch so einen Dieckmann gibt.



Nachdem sich das nicht realisieren lässt, denke ich auch öfters an ein Land, in dem ich die Sprache so schlecht verstehe, dass ich vieles einfach nicht mitbekomme. Dafür brauche ich Geld, ich will es mir aber nicht bei Freunden leihen, sondern verdienen - und bei der FAZ habe ich auch eine gute Idee, wie ich an 250.000 britische Peseten komme.

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Mittwoch, 4. Januar 2012

Die gute Nachricht der Woche:

Endlich wird was gegen PI-News und Konsorten getan. Spät, sehr spät, aber immerhin und besser jetzt, als wenn man später wieder kleinreden und verharmlosen muss.

Ansonsten ist dies ein sagenhaft scheusslicher Tag:



Bis auf 1000 Meter Regen, so dass die Rodelpiste verschwindet, darüber Schnee, sehr nass und sturmgepeitscht. Es kommt nicht oft vor, dass ich auf den Berg freiwillig verzichte, aber heute ist so ein Tag.



Statt dessen - es ist ja nicht so, dass man nichts zu tun hätte - das grosse Umräumen. Schon die Bibliothekssortierung ist mit zwei Wohnorten schwierig, noch schlimmer ist das bei den Bildern, denn wer kann schon sagen, was wo von der Farbe und von der Grösse her passt.



Und wenn das alles erledigt ist, oder verschoben, denn die Platte zum Befestigen der Azulejos hat sich nicht auftreiben lassen, geht es immer noch mit inhäusigem Verweilen weiter, an der Hezung, mit einem Buch und Blick nach draussen. Da hinten in Kreuth stehen die Kollegen und reden im Sturm mit CSUlern über Dinge, die keinen etwas interessieren.

Das passt schon so, wie es ist, und wo ich bin.

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Dienstag, 3. Januar 2012

Aber Fisch isst Du schon, oder?

Das ist sowas wie meine Lieblingsfrage auf meine Aussage hin, dass ich Vegetarier bin. Als sei eirgendwas, das im Meer lebt, kein Tier. In der Patristik gibt es im 3./4. Jahrhundert von mehralsnomalarschigen Kirchenvätern öfters mal die Frage, ob eine Frau jetzt nur minderwertig ist, oder gar als seeltenloses Tier bewertet soll. Daran erinnert mich diese erstaunliche Frage ein wenig.



Nein. Ich esse keinen Fisch. Das hat einerseits etwas damit zu tun, dass ich den Geschmack noch nie mochte. Dann aber auch mit der Art und Weise, mit der Fisch öfters serviert wird. Es gab im Altmühltal mal einen Gasthof mit Becken, aus dem man sich den Fisch heraussuchen konnte. Ich quengelte immer so lange, bis meine Eltern darum einen Bogen machten. Ich fand das pervers, und wenn ich bei Dallmayr bin, was inzwischen recht selten vorkommt, mache ich um das Fischbecken einen grossen Bogen. Fischmärkte am Mittelmeer sprechen mich auch nicht an.



Der Umstand, dass ich mal dabei war, wie jemand den letzten Fisch des Lebens ass, trägt auch nicht gerade dazu bei, Fisch zu schätzen. Der japanische Aal wehrte sich mit einer Gräte im Hals, das war ein ziemliches Spektakel und das brutal gekeuchte Ende einer Vorliebe für Fisch. Heute geht es der Person und allen Fischen gut, die sie nicht gegessen hat. Aber auch so habe ich eine gewisse Verachtung für Leute übrig, die mit Sushi angeben wollen. Man kann auch bei der Rinderzucht am Tegernsee mit den besten Voraussetzungen immer noch den Kopf schütteln, aber der Zynismus, der dem Wort Beifang innewohnt, ist nicht kleiner als die langen Leinen der industriellen Fischausrottung - so muss man das, was mit dem steigenden Bedarf von Meeresfisch in dem Meer fernen Regionen wie München verursacht wird, wohl nennen dürfen. Natürlich ist das Problem so weit weg wie der chinesische Sklavenarbeiter, der das Macbook zusammenschraubt. Das merkt man nicht so. Aber Fisch isst Du schon, oder?



Nein. Ausserdem hasse ich Angler. Sollten ein paar siffige Berliner Geldbussen erhalten, weil sie keinen Schein haben: Prima! Sollte die fette alte PR-Lachnummer, die ihre aufgequollene Fazialgegend bei einem Fastfooddrecksladen hinhält, Imageprobleme kriegen - schade, dass es nicht auch wegen der abartigen Hummerfresserei ist, mit der er sonst Idioten abzockt. Letzthin war ein Journalist am Tegernsee und schmierte Blödsinn über einen Bach, aus dem Kiesel und Fisch stammen sollten, die zusammen im Restaurant serviert wurden: Ganz schön peinlich reingefallen, der Mensch hat den besagten Bach schon vor längerer Zeit grösstenteils fischfrei gemacht, durch massive Eingriffe. So wird man verarscht, in den entsprechenden angeblichen Luxusrestaurants am See. Da kann die Pampe gar nicht teuer und schwermetallhaltig genug sein. Bei Fisch packt mich ein Eifer, den ich so eigentlich beim Fleisch gar nicht kenne.



Immerhin, ich nöle charmant. Ich bin durchaus freundlich, wenn es darum geht, Leute von den angesagten Fischrestaurants wegzulocken, zumal es dort für mich wirklich ausser einem Salat gar nichts gibt - das letzte Mal habe ich das vor 10 Jahren in einem alten Gasthof in Rheinland-Pfalz erlebt, jetzt kommt es durch die Fischmode wieder ins Klenzeviertel zurück. Und obendrein irgendwie bin ich auch froh, dass 2011 in dieser Hinsicht das Jahr einer gewissen, sagen wir mal, Bereinigung war: ich habe zwar kunstgeschichtlich ein gewisses Verständnis für Fischstilleben, aber ich bin nicht traurig, wenn ich deren Wiedererfindung in italienischen Restaurants nicht im Kopf stetig wegschieben muss.



Das sind dann so die kleinen Erfolge auf dem Weg von München zurück an den Tegernsee: Etwas weniger Fischverbrauch, zumindest an diesem Abend. Irgendwie sind wir so weit, über die Jagd auf Wale die Nase zu rümpfen. Da kann man wenigstens noch sagen: Gefangen und getötet wird der Wal, und sonst nichts. Aber die Ausrottung von Thunfisch, Hai und Dorsch, sei es nun für den Gewinn oder weil es halt anfällt, das ist in Ordnung. Das gilt irgendwie als Alternative zum Fleischkonsum.

Immerhin, ich vermute mal, ich bin der bessere Unterhalter gewesen, als die Frustfresse, die unbedingt in diesen Fischladen wollte. Kann also sein, dass sie wieder mit mir ausgehen und den kalten Brocken das nächste Mal dahein lassen.

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Montag, 2. Januar 2012

Mein Onkel Don Alberto sagte immer:

"Schick ihm eine Botschaft. Wenn er aber Deine Botschaft nicht hören will, rede nicht weiter, sondern schick ihm einen Mann, der die Sache erledigt."

Don Alberto wünscht sich auch, dass sich der Noch-BuPrä nicht in Sizilien niederlässt. Denn dort muss ein Mann schweigen können.

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Montag, 2. Januar 2012

Was noch zu tun ist

Ich finde es unerträglich, wie jene, die ansonsten dauernd bevorzugt werden, in den Weihnachts- und Neujahrsansprachen mit allen anderen in einen Topf geworfen werden, als lebten wir nicht in einer Klassengesellschaft. Deshalb habe ich das, wozu andere zu feige sind, obwohl ihnen unsereins die Backsteinbude finanziert und den Dienstwagen bezahlt, bei der FAZ aufgeschrieben.

Und dann habe ich noch eine Frage an die graphisch Versierten: Kann mir jemand sagen, wie die Schrift auf diesem Rad ("Neri") heisst, und wer solche Buchstaben als Aufkleber machen könnte?

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Die üblichen Beschwerden

Hier sollte jetzt der übliche Wutanfall über das versiffte Dreckspack stehen, das nicht in Berlin postprivatisiert, sondern sich seine schlechten Manieren hier vor der Tür heraushängen lässt. Wochenenden sind immer schlimm, aber dieser Tag ist der Schlimmste im ganzen Jahr. Aufgrund schlechter Erfahrungen bleibe ich daheim, passe auf das Haus auf und mache mich erst auf den Weg zu Freunden, wenn der Lärm vorbei und die Mehrheit zu besoffen für ernste Schadensanrichtung ist.

Aber - ich habe keine Ahnung, was dem Club die Strasse runter passiert ist. Eigentlich sollte dort RemmiDemmi sein - aber da war nichts. Steuerbehörden? Brand? Randale? Todesfall beim Betreiberkonsortium? Verstoss gegen die üblichen Verordnungen?? Ein Anwohner, der mit dem Gewehr für Ruhe gesorgt hat? Anzeigen? Jedenfalls ist da seit ein paar Tagen nichts mehr los. Kein DJ Todesflow floawd mehr.

Und deshalb war es diesmal in der Strasse sehr ruhig. Kaum Menschen, kein Geknalle, kein Dealer, keine wackelnden Fussböden, ich stand ganz umsonst mit dem MG42 Elektroschockkabel Scheinwerfer am Fenster, ohne dass irgendwas passierte. Eine Katze lief vorbei. Weiter vorne krachte es, aber nach 20 Minuten war alles vorüber. Vielleicht ahnen die Menschen ja, dass 2012 kein Jahr wird, in dem man das Geld zum Fenster rauswerfen sollte. Und machen etwas weniger hirnlos weiter, was ja auch sein Gutes hat. Auch kam hier keiner vorbeigetorkelt, den man als verdammten Suffkopf hätte anpöbeln können. Naja. Da stand ich also am Fenster zwischen Bücherschränkchen links und unaufgehängten Bildern rechts. Und hatte plötzlich die richtige, lang gesuchte Idee für die Hängung.

Und - naja, es ist Knallerei draussen, ab und zu. Da kann man doch sicher schnell..., da hat die Hausordnung doch nichts einzuwenden... ausserdem, die Hausordnung bin ohnehin ich... gut, der Hammer lag gerade da und... Pengpengpeng machte aus draussen, Tacktacktack drinnen.



Und so bin ich nicht ganz umsonst hierher gefahren. Wieder ein paar Stücke aufgeräumt, Rokoko und Biedermeier überkreuz, so passt das. Danach gelöste Gespräche bis zum früheren Morgen. Erstaunlich wenig Alkohol, erstaunlich viele Eingeständnisse, nicht mehr so viel zu vertragen. Daher auch kein Bedarf für die Gästewohnung. Keine besseren Töchter, die nicht mehr heim können.

Keine Frage. Wir werden auch ohne Schimpfen alt.

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Samstag, 31. Dezember 2011

Übergang

So soll man rausgehen:



Und in das wird man hineingehen:



Allen wohlmeinenden Lesern ein schönes neues Jahr; die nicht wohlmeinenden sollten sich vielleicht mal vergnügen oder etwas ins Freie gehen, dann ist allen gedient.

Ja, also, 2012. Pläne habe ich noch nicht, mal abgesehen von den üblichen Unvermeidlichkeiten wie Heuschnupfen, Italien, Bergsteigen, Familie, Torte, auf dem Sofa liegen und schreiben. Was man halt so macht. Vielleicht finde ich sogar mal was wie einen Unterleib bei mir und mache was drüber.

Was sicher nicht kommen wird, ist eine Mittlebenskrise, eine Heirat, Kinder, die Anschaffung eines Hundes, ein Umzug nach Berlin, der Kauf eines neuen Autos, eine Konversion zum Katholizismus und ein Beitritt zur FDP.

Vieles andere ist Verhandlungsmasse. Es lockt mich allzu sehr nach Istanbul. auch wenn ich dorthin fliegen müsste. Aber wie so vieles hängt das von den Umständen jenseits meines Einflusses ab. Man wird sehen.

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Samstag, 31. Dezember 2011

Das Nadeldebakel

Ich habe es nicht so mit Weihnachten. Eigentlich hasse ich es sogar. Ich brauche keinen Erlöser, ich brauche Barockportraits und jemanden, der Knickerbocker nähen kann. Die fragliche Dekoration zum Anlass ist bei mir auf einem Minimum, das man als Ausrede betrachten könnte, so denn Weihnachtsfreunde bei mir zu Besuch sind und das Arragement als unverzichtbar erachten. Man arrangiert sich eben. Über die Jahre wird es halt auch immer schlimmer, alles wird pompöser, da muss man halt zumindest ein wenig Dekoration hinstellen, selbst wenn es nur begrenzt in das Umfeld passt und draussen im Garten etliche Bäume beleichtet sind. In meinem Fall am See: Alte Christbaumkugeln und Pilze vom Flohmarkt (4 Euro), Fichtenzweige und ein wenig Efeu. Mit gutem Willen hält das vom ersten Advent bis Weihnachten. Danach wird es kritisch:



Aber egal, Weihnachten ist vorbei, dann darf es auch nadeln, und bei nächster Gelegenheit kommen die Zweige in den Müll und die Kugeln in die Pappschachtel. No tree was harmed for this arrangement - überhaupt, die Vorstellung, einen Baum umzuhauen, damit ein paar Tage etwas Grün in Wohnungen nadelt, finde ich pervers. So, wie ich es mache, kann ich es mit mir, dem Wald und den Besuchern vereinbahren.

Ausser den ganz Katholischen natürlich, die wirklich diese Stimmung bis zum 6. Januar sehen wollen. Und sich schon ankündigen mit "Wie schaut es denn bei Dir so aus". Wenn sie gleich unten am Bahnhof ankommen. Ich mag ja spontane Besuche von einigen Leuten, die ich besser kenne, eine halbe Stunde Vorwarnzeit genügt für Torte vom Lengmüller, Tee und Espresso, so gewünscht. Aber diese Frist reicht nicht für ein neues Gesteck. Und eine Hemlock im Garten kann ich auch nicht auf die Schnelle umhacken. Aber ich habe ja einen Steingarten, wie man das in den Bergen so hat. Darin sind auch ein paar Wurzeln vom Berg. Und ich habe, alpin wie das hier nun mal ist, auch eine gewisse Menge an bayerischer Hafnerkeramik. Und die kleinen Latschenzapfen halten auch länger als die Zweige. Einmal kräftig durchmischen.



Fertig. Der Ruf als potenzieller Eventualzweckeheninfragekommer ist gerettet. Schön schaut es - für einen gottverdammten Ungläubigen - aus, meint sie, sogar noch besser als in der Firma der Besucherin, die dieses Jahr sparen musste und ein paar hundert Kränze weniger kaufte: Nur noch ab einer gewissen Gehaltsstufe wurden dort Lichter entzündet, und auch nur, wenn dort Exterme zu Besuch erwartet wurden. Die Schreibtischsklaven hatten, erzählt man mir, USB-Tannenbäume und Ähnliches. Begründet wurde der Einschnitt mit dem Dreck und der Feuergefahr, die von Zweigen ausgehen.

Dann sprechen wir über anderes, und ich habe den Eindruck, durchaus einen guten Eindruck hinterlassen zu haben. Allerdings werden in den Ritzen der Liseuse noch länger ein paar letzte Nadeln zu Staub zerfallen.

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Sauerei

Seit gut 5 Jahren suche ich einen Faun mit einer Nymphe aus dem Rokoko.

Man muss sich 1000 Kreuzigungen und 500 Geburten Christi anschauen, sicher 1000 weitere Kirchenheilige und eine Unzahl wirklich schäbiger Portraits, bis man das Sujet einmal sieht. Ich weiss nicht, ob jemand nachvollziehen kann, wie deprimierend 1000 Kreuzigungen sind. All das Talent, die Fähigkeiten - verschwendet für gequälte Nacktheit. Sicher, mancher heilige Sebastian hat eine gewisse SM-Ausstrahlunge - aber das ist auch nichts für mich. Irgendwann kommt dann doch der gamprige Faun und das lose Waldwesen. Und ich beginne zu hoffen.

Und weil es in seiner Hemmungslosigkeit weitaus besser in unsere Zeit passt als all die Heilsbotschaften, gibt es immer jemanden, der mehr zahlen kann. Dann wieder genagelte Männer. Doppelt falsch.

Ich kann noch immer nicht mehr zahlen, aber irgendwie klappte es im Dezember dann unvermutet bei einem mir bekannten Händler doch. Und heute gleich nochmal. Einmal für jedes Zimmer, wobei die neue Szene nochmal erheblich derber ist. Andere werden sich jetzt dafür 2000 Kreuzigungen anschauen müssen.

Und ich empfinde dabei noch nicht mal so etwas wie Bedauern.

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Freitag, 30. Dezember 2011

Mit einem Rodel kann man keinen Berg antreiben

Diese letzte Rodeltour des Jahres hat mitunter nicht ganz wenig Ähnlichkeit zu manchen beruflichen Ereignissen von 2011.



2011 war in Kommentaren und Leserbeteiligung gerechnet das erfolgreichste Jahr bislang. In absoluten Zahlen, aber auch in relativen Zahlen.



Nie wurden mehr Kommentare pro Besuche abgegeben. Das ist das, was man so gemeinhion als "Awareness" und "Stickyness" bezeichnet. Ich sehe darin eher so etwas wie ein gewisses Wohlbefinden. Für den Text werde ich bezahlt, die Kommentare sind Privatvergnügen.



Klingt gut, ist es aber nicht. Deshalb: Die Gesamtleistung relativ zum wachsenden Markt war eher nicht so toll, um es vorsichtig zu sagen. Und das, obwohl das Wachstum im Internet auch durch die Erschliessung neuer, zumeist älterer Leserschichten entsteht.



Das müsste sich eigentlich positiv bei jenen Angeboten niederschlagen, die gute Angebote für diese Zielgruppe haben - oder was man gemeinhin davon hält. Wie man sieht, hat das aber nicht wirklich funktioniert. Die Rolle im Gedruckten kommt im Internet nicht zur Geltung. Ausnahmen gibt es, ich betreibe eine dieser Ausnahmen. Aber die haben insgesamt keine Bedeutung. Man kann natürlich auch die Methodik dieser Untersuchung angreifen, und es gibt Parameter, die darin nicht auftauchen, wie etwa die Verweildauer, oder die sinnlosen, nicht lesenden Besucher über Google - das Ergebnis ist trotzdem eindeutig.



Was ich sehr oft höre ist: Dich lese ich da gern. Medientheoretiker würden sagen, dass meine Leser selektiv vorgehen. Ich merke das vor allen an den Zahlen, die ich erreiche, wenn der Beitrag längst von der Hauptseite verschwunden ist. Es gibt eine relativ grosse Zahl an Lesern, die das Blog suchen. Das Blog. Und nicht das, was dort auch angeboten wird.



Eine gewisse Selektion ist normal, aber in gesättigten Märkten wäre es dann eigentlich die Kunst, darüber hinaus den gewollten Angeboten weitere Objekte zur Seite zu stellen, die diese Selektion aufweichen, damit die Sympathie auf den Rest überspringt, hin zu einer Informations- und Erfahrungswelt. Die Süddeutsche ist in dieser Strategie inzwischen Marktführer, klüger macht es meines Erachtens die Zeit, weil es dort dezenter abläuft.



Die spannende Geschichte wäre, marktwirtschaftlich gesagt, wie man aus den Kunden, die freiwillig kommen, Kunden macht, die noch mehr mitnehmen. Das verlangt natürlich ein ganz anderes Denken als das Schachterlfüllen von Ressorts einer Zeitung, bei der das egal ist, denn gekauft ist gekauft, egal ob die Zeitung gelesen oder weggeworfen wird, ob jemand, der den Politikkommentar gelesen hat, auch noch die Opernrezension liest.



Im Internet dagegen entscheidet alleine der Leser, wie lange er bleibt, was er liest und wann er glaubt, dass sich eine Wiederkehr lohnt. Am Kiosk entscheidet die erste Seite. Im Internet entscheidet die langfristige Qualität, das Interesse und die Verständlichkeit. Es ist dann nicht mehr egal, ob der Leser vergrätzt ist. Der Leser muss das nicht nur kaufen, er muss es auch mögen.



Das Medium muss, grob gesagt, von einer respektierten Instanz zu einem geschätzten Begleiter gewandelt werden. Die Instanz besucht man mit etwas Pech, wie man den Opa zum 80. Geburtstag besucht, oder das Gericht auf Ladung oder den Supermarkt, weil man einkaufen muss, oder das Amt, weil man einen Pass braucht. Vielleicht so, wie man eine gewisse Zeitung kauft, um etwas ausdrücken zu wollen. Im Internet ist die Entscheidung dagegen sehr viel freier. Es gibt kein Gericht mehr, keine Urteile und kein Definitionsmonopol. Man muss anders überzeugen.



Und zwar dort, wo sich die Leser rumtreiben. Das verlinkte Debakel nach Zahlen weiter oben kann man eigentlich auch recht schön damit erklären, dass keine Ansätze erkennbar sind, dem Leser irgendwie nachzukriechen, wie das die meisten inzwischen durchaus machen. Oder anders gesagt: Dem Leser nicht mehr wie einem Hund den Textknochen hinwerfen. Statt dessen gibt es mehr Unübersichtlichkeit, kleinere Bilder und ein paar Klickschindereien, die bei den Kommentaren bei normalen Beiträgen deutlich zeigen, dass sie wirklich enorm unwichtig sind.



Wenn man dort die Kommentare aufruft, sieht man, dass sie komplett geladen werden. Man kann sie frei im Quelltext lesen. Einen Moment sind sie auch in HTML sichtbar, und dann schnappt das Layout die Texte wieder weg, und es bleiben nur die Überschriften. Wer lesen will, muss klicken.



Und das im Jahr 2011. Sicher, es bringt "Klicks" von denen, die man noch hat. Es ist eine Art Mausdrück-Optimierung der Bestandskunden. Aber es sind keine neuen Leser und kein Einfluss und vor allem: Keine Zukunft. Ein PI-Deckmantel vor einer Entwicklung, die sich eben nicht in steigenden Marktanteilen niederschlägt. Das wäre vielleicht anders, wenn der Bestandskunde statt des verbarrikadierten Threads weitere gute Themen fände, die dort sind, weil er dort ist.



Ich halte meinen Kommetarschnitt von 2011 mit über 200 pro Beitrag nicht für aussergewöhnlich. Ich denke, das ist eher so etwas wie ein guter Durchschnitt, den man auch realisieren könnte, wenn woanders die Leserbetreuung nicht daraus bestehen würde, Kommentare zu verstecken. Ich lese auch an anderen Stellen die Blogs - ich kenne kein angenehmeres Publikum als bei der FAZ, und es ist eine Freude, mit ihnen zu reden.



Aber ich sehe auch, ich weiss es, ich höre es, dass sie abwandern. Nicht weg von mir, aber in anderen Bereichen zu anderen Angeboten, die mit den Lesern nicht umgehen, als hätten sie in einem Lager noch ein paar Millionen andere, die später klicken, wenn die aktuellen Leser weg sind. Mitunter höre ich ein leises Grummeln, wenn sich meine Kommentatoren bei mir über andere Texte beschweren, bei denen ihre Kommentare nicht durchkommen würden: Das mag für die einen eine Beleidigung sein, für mich ist es Ausdruck einer scheiternden Kundenbeziehung.Und da hat der Kunde nun mal recht, denn er muss kaufen.



Es werden nicht mehr kommen. Die Epoche der Marktentwicklung ist vorbei, was jetzt kommt, ist die Epoche des Kampfes um Marktanteile. SPON? Stellt ein wie blöd. Welt Online? Stellt ein. Süddeutsche.de? Sucht. Zeit? Her mit den neuen Leuten. Bis 2011 konnte man wenigstens noch sagen: OK, wir haben verloren, schauen wir, dass wir 2012 wieder durchstarten. Heute muss man eher sagen: 2012 sind da draussen genug andere, die ihre ganze Kraft darauf ausrichten, die Schwächeren weiter absacken zu lassen.



Das alles sind keine Geschäftsgeheimnisse, es ist offensichtlich, und mir - nun, mir könnte es egal sein. Ich bin wie ein Rodler, ich finde meinen Weg, ich kämpfe mich hoch und weiss, wie ich schnell durch die Kurven der Diskurse eile. Aber es treibt den Berg nicht an. Dem Berg kann und soll das natürlich egal sein. So gesehen sind der Berg und ich in Einklang.



In der realen Welt... nun, die Medienkrise ist ein wenig so wie die Klimakatastrophe, es gibt Winter wie 2010, wo man nicht daran glauben mag, und Winter wie diesen, wo Ende Dezember noch nicht mal die ersten Berge richtig voller Schnee sind. Nie mehr aber wird es so sein wie vor 100 Jahren, als der See regelmässig zugefroren ist. Man muss sich dazu etwas einfallen lassen, sonst kann man den Winter als touristische Saison vergessen. Wer meint, dass er den Dauergästen drei grüne Winter präsentieren kann, ohne dass es Ersatzangebote gibt, während zwei Täler weiter die Bergwege vom Schnee funkeln, wird schnell am Ende sein, denn die Gäste ziehen weiter, wo die Schneeversprechen schöner sind. Für Print ist das Internet, und im Internet wiederum die interessantesten Onlineangebote, die inzwischen durchaus der Dauerbespassung in Skiarenen ähneln. Auch dort gibt es solche und solche, es gibt grandiose Destinationen für Ballermänner und andere für Ehrenmänner.



Aber die Berge sind auch voll von verfallenen und umgebauten Grandhotels, die nicht mal mehr als Dorfdico herhalten. Das alles dauerte auch Jahre und Jahrzehnte, aber wer im einst mondänen Brennerbad schwimmen möchte, findet an der Stelle nur ein Umspannwerk, und das erste legendäre Haus in Meran ist heute eine Schule.

Und vor jedem Verfall war früher auch die Überzeugung, man könnte bestehen, wenn man immer so weiter macht. Jedesmal, wenn ich so etwas sehe, sage ich mir: So schade. Das ist auch das, was ich sage, wenn ich an 2011 zurückdenken werde. Es war ein gutes, erfolgreiches Jahr, und es hat nichts geholfen.

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