: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Dienstag, 17. Januar 2012

Von A nach B

Die Krise ist vorbei, wenn die World of Interior wieder so üppig wie 2007 ist, mit 250 oder mehr Seiten. Diesmal - die neue Ausgabe ist gerade gekommen - sind es nur 150. Und eine Geschichte beschäftigt sich mit einem dort bislang stets werbenden Kaminfachmann. Ein Sammler, ein Händler und ein Reproduzent alter Stücke, die vor der Krise enorm gut an den Mann zu bringen waren. So ein kamin musste damals einfach sein. Von 2008 bis jetzt sah es eigentlich so aus, als könnte den Händler und seine Werbung kein Wässerchen trüben, aber die ganze Geschichte ist jetzt - quasi als letzter Freundschaftsdienst - darin nachzulesen: Die 1400 Quadratmeter Ladenfläche stehen nicht mehr zur Verfügung, der neue Laden ist sehr viel kleiner, und seine gesamte Hauseinrichtung geht jetzt zu Christie's. Vieles verschwindet, nur die alte Hässlichkeit des Münchner Bahnhofviertels, wo ich das Magazin erwerbe, hat Bestand.



Die Probleme der WoI, sich mit Anzeigen zu füllen, und Geschichten zu finden, die nicht so traurig sind - das Titelbild ist ein Haus eines Müllsammlers - deuten darauf hin, dass trotz all der Beschwichtigungen irgend etwas bei den Vermögenden nicht mehr richtig funktioniert. Vielleicht liegt es daran, dass sie sich in guten Zeiten ausreichend eingedeckt haben. Vielleicht ist da aber auch die Angst vor dem grossen Knall, so, wie er sich jetzt mit der Ratingabwerung von Ländern und Eurotettungsfonds andeutet. Wobei, gewarnt wurde vor dem weitgehend fremdfinanzierten und gehebelten Vehikel schon länger: Die Idee ist so dumm wie jeder dieser auf unrealistische Erwartungen hin konstruierten Fonds, und ich sehe auch nicht, wieso sich die Staaten andere Schiefer als Starnberger Zahnärzte einziehen sollten, wie sie nun mal bei ähnlichen Konstrukten für normale Vermögende häufig waren. Das AAA-Rating dieser Einrichtung war schon ein enormes Entgegenkommen. Jetzt ist es weg. Das wurde schon lange befürchtet, das wurde schon beim Zusammenschludern der Konstruktion vorgetragen: Die Politik wollte anders, sie wollte sich den Märkten und ihrem fehlenden Vertrauen unterwerfen, jetzt kommt dafür die Rechnung.



Nein, das waren keine Geheomnisse, nein, das war nicht am Anfang noch undenkbar, und weil man damit rechnen konnte, ist das Geschrei von Westerwelle und Co. pure Heuchelei: Man wollte das Vertrauen, man hat es nicht bekommen, und die Idee, es jetzt mit einer eigenen Ratingagentur zu erzwingen, klingt für mich mehr nach Altersruhgesitz für gescheiterte Neoliberalalas. Will der eine Markt nicht, sucht man sich halt einen anderen, in der Hoffnung, dass der einem mehr vertraut, und der Steuerzahler soll diese Abnickgremium bezahlen. Inzwischen pfuscht man nicht an den Symptomen herum, sondern an denen, die auf die Schäden durch das Herumpfuschen an den Symptomen hinweisen. Und das tun ausgerechnet jene, die das alles beschlossen, abgenickt und bildlich gesprochen, ihre neoliberalgelben Hinterteile dem Markt zum Hineintreten hingehalten haben. Über die Vorstellungen einer marktfaschistoiden Ratingagentur der FDP-Ideale muss man sich keine Gedanken machen: Dort wird dann Lohnzurückhaltung und Steuersenkung als Grundlage der guten Noten gelten. Für die FDP ist das der feuchte Traum: Weg von der wählbaren Lobbyistenkamarilla hin zur institutionellen Selbstbereicherungsagentur.



Es gibt für die Abwertung des Fonds allerbeste Gründe: Europa bricht wirklich auseinander. Deutschland produziert und exportiert am Anschlag, in den PIIGS-Staaten gehen die Lichter aus, Jugendarbeitslosigkeit, Enteignung, Griffe in die Rentenkassen, Verstärkung der Ungleichgewichte zwischen Arm und Reich, Technokratenregime, die das Elend als Druckmittel benutzen. AA+ bedeutet übersetzt auch nur: Deutschland wird am Ende schon zahlen können, hoffentlich. Der Unterschied zu AAA ist nicht der Zweifel, ob Deutschland zahlen wollte, sondern dann letztlich könnte, wenn es hart auf hart käme. Und die Begehrlichkeiten au dem Euroraum, schon jetzt Ländern wie Italien bezuspringen, sind offensichtlich. Bei so einem politischen Konstrukt auf Basis von Entdemokratisierung und gegenseitiger Beraubung und Umverteilung ist die Einschätzung, es könnte da ein paar Probleme mit einem gemeinam verantworteten Finanzkonstrukt mit fiesem Leverage geben, nicht ganz falsch. Nun ja.



Ich verlasse München, fahre an den See, und wäre es nicht so entsetzlich kalt bei uns, ich wäre länger draussen geblieben und hätte mir den Nachthimmel angeschaut. Man sagt, dass man mit blossem Auge vielleicht 6000 Sterne am Himmel sehen kann, aber die Kamera hat inzwischen eine bessere Auflösung, und mit etwas Filtern und Schrauben sieht sogar das Grossbild dieser eisigen Winternacht ganz eindrucksvoll aus. Hin und wieder sollte man daran denken, dass das Grosse, Ganze ein Spiralnebel ist, an dessen Peripherie... an den Finanzplätzen sieht man dieen Himmel nie, und deshalb nehmen sie sich dort so wichtig. Der Galaxis fällt der kleine Drecksplanet gar nicht auf, sonst hätte sie schon längt einen Räumkometen vorbeigeschickt.

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Montag, 16. Januar 2012

Tortensporten

Zum Zieleinlauf der Alten Tanten in meiner Heimatstadt gibt es jetzt eine spezielle Torte mit dem typischen schwarz-weiss karierten Muster.



Nachdem wir schon eine vertikal rot-gelb-gestreifte Tortenflagge haben - die cremig-rutschige Havannatorte - ist diese Ergänzung durch Kokos mehr als nur angebracht. Darauf dann auch ein Glaserl Sekt. Sage keiner, dass man mit 80+ nicht auch noch Sport siegreich vollbringen kann. Angesichts der bescheidenen Reste, die um 15 Uhr noch zu bekommen waren, sah der Zielraum heute vermutlich einige echte WeltmeisterInnen in dieser Disziplin.

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Grenzen der Zukunft

So beliebt waren Blocks, so modern und fortschrittlich erschienen Appartments, dass selbst in der dummen, kleinen Stadt an der Donau bekannte Leute dort einzogen. Architekten. Politiker. Ärzte. Das galt als die Zukunft, was heute gemeinhin als das schlechte Viertel gilt. An einer anderen Schule war eine Arzttochter, bei der ein Freund eines Nachts fensterln gehen wollte. Das ist im Oberland bei den niedrigen Kaschemmen der Mägde vermutlich kein Problem, aber die Holde wohnte im brutalistischen Vorzeigeobjekt von 1968 im 7. Stock hinter einem Überhang, da ist alkoholisiertes Fensterln auch mit Baugerüst keine gute Idee. Nun ja, ich konnte ihn davon abhalten, und so wurde er kein weiterer Selbstmord im falschen Bauen, das bei der FAZ beschrieben wird.



Das Haus, in dem ich wohne, verhinderte bei uns die Teilnahme an diesem teuren Herdentrieb, denn es ist gross, und die Wohnung war vorhanden, und warum sollte man woanders zahlen, was es hier im Überfluss gab. Nicht neu natürlich, nicht mit riesigen Glasflächen und ohne Tiefgarage und Lift, aber damals gab es, man mag es kaum glauben, keinerlei Parkverbot in der Altstadt, und auch keinen Vandalismus. Aber viele zogen weg, die erste Welle in die Blocks und die zweite dann ins Westviertel, in nur selten dichte Bungalows, und in der Stadt blieben nur Bäcker, Handwerker, Metzger und einige schrullige Typen. Als ich hierher zurück gezogen bin, vor nunmehr auch schon über 20 Jahren, galt das noch als sehr seltsam. Aber alles ändert sich, heute ist es scbick, und gleichzeitig käme auch keiner mehr auf die Idee, geschmacklose Bonzen mit normalen Gewerbetreibenden gleichzusetzen, wie ich in der FAZ blogge.



Die blieben in den alten Häusern und starben aus, und deshalb brauchen wir dringend neue Vorverurteilungen und Vorurteile, wir, die wir wieder dort sitzen, wo wir schon immer sassen. Wir brauchen Grenzen des Wachstums und Stacheldraht für jene, die darüber hinaus wollen. Neue Feinde für alte Fronten. So schaut es aus.

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Sonntag, 15. Januar 2012

Was?

Keine Ahnung.

Ich weis wirklich nicht, warum mein Freund die Buchanzeige bezahlt hat. Das hat mich jetzt auch total überrascht.

Urlaub bei Freunden halt. Man wird doch noch Freunde haben können. Ach so, die waren gar nicht da, als wir bei denen waren... oh. Na, aber es war immer jemand da, wir haben uns bestens mit denen verstanden, der Chauffeur, der Koch, die Dienstmädchen, der Poolreiniger, der die Witze erzählt hat... das war wirklich so wie bei Freunden.



Das Buch und das Honorar Das hat mit mir nichts zu tun, das ist die Sache von denen, und sie sagen ja, dass es für was anderes war. Also fragen Sie mich jetzt nicht wegen Steuerhinterziehung oder verdeckten Parteispenden oder gefälschten Rechnungen.

Das im China Club, das war halt ein Empfang. Das hat man öfters als Politiker. War nett. Unter Freunden. Einfach eine Party in diesem Ensemble, ich glaub, das kostet auch fast nichts, wenn man Mitglied ist, wie mein Freund. Und die Kulturschaffenden und Künstler sollen doch auch mal Wertschätzung erfahren. Ist aber eine prima Örtlichkeit.

Diese Bonusmeilen... also da hab ich... also da hab ich so eine Karte die wo... wie war das noch gleich... also, ich kann mich nicht richtig... ähm... also das weiss ich wirklich nicht mehr. Und damals wusste ich auch nichts,

Ja, gut, dass mein Pressesprecher umsonst Urlaub gemacht hat - das hat mich auch geschockt! Geschockt! Wie konnte er nur! Ich habe ihn natürlich sofort entlassen.

Was? Ich soll selbst bei einer Einladung zum Oktoberfest ein schöneres Zimmer ohne Aufpreis bekommen haben, als ich damals mit Kind, Kegel und Freunden beim Käfer war? Das hat mein Freund bezahlt? Muss die hektik beim Einchecken gewesen sein, der Stress eines vielbeschäftigten Mannes, die Verantwortung für das Land. Davon wusste ich natürlich auch nichts, das wurde mir einfach so gegeben, das war das Hotel.



Rücktritt? Aber nie im Leben. Ich habe von all dem doch gar nichts gewusst.

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Ich möchte nicht in einem Land leben, in dem der Präsident nicht mal erkennen kann, wo Freundschaft endet und Korruption beginnt. Und nein, Wulff ist im Grossen nicht so, wie die anderen im Kleinen sind. Wulff ist die deustche Ausgabe von Berlusconi mit weniger Geld und ohne Orgien.

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Samstag, 14. Januar 2012

Grand Hotel Europa

Sicher, es ist nicht mehr ganz die AAA-Lage, und es hat auch schon mal bessere Zeiten gesehen. Bei manchen Räumen fehlen die Fenster, es regnet hinein, die Böden sind morsch und die Tapeten rissig: Trotzdem wird im Ballsaal grosszügig über die Scherben und Splitter hinweg getanzt. Gerade aus den verkommensten Winkeln geht man gern hinunter in den grossen Saal Deutschland, so, wie man früher vielleicht in den Saal Irland gegangen ist. Oder zur erbitterten Konkurrenz des Grand Britannia, das man inzwischen besser meidet. Da geben die Bankprolls oder auch die Plünderer den Ton an.



Immerhin, trotz des ungepflegten Rasens und der braunen Ratten, die hin und wieder durch die Gemächer huschen, ist dies immer nicht das erste Haus am Platze, und man hat nicht zu wenige Gäste, sondern immer noch zu viele. So viele, dass man die Tore schliessen muss, was drinnen durchaus auch auf Zustimmung stösst. Man schätzt zwar die Renovierungen in den Pensionen Tunis, Tripolis und zur Pyramide, aber wenn die jetzt schon einen neuen Anstrich haben, sollen sie bitte auch bleiben. Es ist hübsch dort, und sehr viel wärmer.



Sicher, die Aussicht auf den nicht gerade gepflegten Park ist allenfalls wildromantisch, und nicht mehr wirklich zauberhaft-Idyllisch, aber das macht auch ein wenig das Wunder dieses Hotels aus: Trotz aller Misswirtschaft ist es immer noch schön und ansprechend. Unten müssen die Säulen zwar mit Stahl gestützt werden, aber oben ist die Heiterkeit des sonnigen Lebens unverbrüchlich. Das liegt vor allem an der langen, traditionsreichen Geschichte des Hotels, die nicht immer schön war, aber wenigstens vorhanden ist: Gute Erinnerungen schwingen dort, wo die Kronleuchter längst gefallen und auf dem Parkett zerschellt sind.



Davor weitet sich der See, und auf der anderen Seite, davon hat man gehört, liegt das Disney Grand Royal Rockefellaz American Bigottery Plaza Seven Star Plus Luxury Ressort mit all seinen südamerikansichen Kellnern, die nichts kosten und nichts verlangen. Das war mal der letzte Schrei am See, besonders, als die braunen Ratten im Hotel Europa fast das Dach zum Einsturz gebracht hätten. Lange Zeit starrte man dort hinüber und überlegte, wie man das alte Hotel Europa auch mit diesem Luxus ausstatten könnte. Man liess sich Kurse im Wirtschaften erteilen, und das schien auch prima zu werden, bis drüben betrügerischer Bankrott angemeldet werden musste. Jetzt gehört das den Chinesen. Und im Hotel Europa kratzt man sich am Kopf.



Sicher, man könnte besser dastehen, und das Verputzen der Risse ist auch keine Lösung, wenn die schlechter gebauten Flügel italienischer, irischer, griechischer und spanischer Pfuscher wegbröckeln. Eventuell wird man da die Preise drastisch senken müssen, und ausserdem bekommen die keinen Zutritt mehr zum Frühstückssaal, sondern nur noch ein kleines Buffet. Die Deutschen wollen das Frühstück ohnehin nur auf dem Zimmer einnehmen, dann hören sie nicht, wie die Franzosen die zwei Wochen mehr Freizeit dazu nutzen, um über sie herzlich zu lachen. Man kann es schon gut aushalten, um Hotel Europa, trotz der Enge und der ständigen Angst, dass das alles auf Dauer nicht gut gehen kann.



Aber der Winter ist milde, da fällt es nicht auf, dass die Heizung und der Strom nicht gut funktionieren. Das Casino ist voll, das Management lässt sich für den besonderen Luxus auch gerne mal was zustecen, und korrupt geht es auch in anderen Hotels zu. An der Bar sind fadenscheinige Anwälte, Politiker und Ideologen, die für kleines Geld alles, wirklich alles machen, kein Tabu, ohne Gummi, ein Präsident kostet nur ein Upgrade beim Besuch eines Festzeltes, und die TV-Geräte sind natürlich, zumindest in den deutschen Zimmern, immer die allerneuesten. Die Zimmer in den Flügeln Frankreich und Österreich - bei denen fällt gerade die Aussenmauern weg - haben einen Stern weniger, das passiert schon mal, da kann man nichts tun, und der Topf, in dem das Geld für die Renovierung nicht ist, muss eventuell irgendwie also sagen wir mal, da werden wir reden müssen, aber jetzt erst mal in den Ballsaal. Denn wir sind zum feiern hier, und nicht zum darben, im Hotel Europa am See mit Blick für die Bessergestellten.

(Bilder: Hotel Grand Bretagne in Bellagio am Comer See)

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Freitag, 13. Januar 2012

Es fügt sich, wie es bricht

Man kann nicht ganz bestreiten, dass das Internet das Leben schöner macht. Nehmen wir nur mal den gebrochenen Lichthebel im Auto, Opfer eines ungestümen Einstiegs: Den gibt es nicht als Einzelersatzteil. Das ist eine ganze Baugruppe, die man erwerben muss, selbst wenn 90% noch heil und funktional sind. Und die Aussage des hiesigen Bestellers lautet: Kostenpunkt extrem hoch, sie würden das dann auch gleich einbauen - noch teurer -. und ausserdem, wie wäre es denn mit einem neuen Wagen?



Nein? Nun, vor Montag wird das Teil nicht kommen, vielleicht am Donnerstag könnte man es dann einbauen, Freitag sollte es fertig sein, und ob sich das bei so einem alten Auto überhaupt lohnt... nun, es lohnt sich der Blick ins Internet. Drei Münchner Verwerter haben das Teil zu einem Bruchteil des Neupreises, und einer meint, wenn ich jetzt gleich käme, würden sie noch warten.



Und so komme ich zwar nicht an den Tegernsee, aber mit einem anderen Wagen vorbei an absurden Falschbauten nach München, beschaffe mir, was ich brauche, und muss mir keine dummen Sprüche anhören. Statt dessen kann ich über die Vergänglichkeit der Welt nachdenken, denn auch andere Marken leben nicht ewig, da bin ich, relativ gesehen, immer noch gut dran.



Da wird man natürlich gleich wieder übermütig und berechnet nicht den Verlust, sondern wie teuer es hätte werden können und wieviel davon man gespart hat. Der Mensch macht die komischsten Dinge, andere sparen Rürup und kommen nicht mehr raus, berechnen die Probleme in England zu klein, ich mache halt was bei den Verlusten falsch.



Und ich kaufe nicht alles im Internet. Bücher kaufe ich immer noch im Antiquaruiat, ich will das sehen, riechen und fühlen, und wenn ich schon hier bin, und dann auch an der Uni noch ein Parkplatz ist... ich komme ja trotzdem nicht zum Rodeln, ich muss morgen auf die Reparatur warten, ich brauche Ablenkung, also etwas zum Lesen. Alles hübsch rational.



Und mag sich auch in Schwabinbg viel geändert haben: Der kleine italienische Feinkostladen ist immer noch an der Ecke. Da kann ich umdisponieren, denn eigentlich wollte ich ja am See einkaufen. Sie haben nicht viel, aber was ich brauche, haben sie. Manches mag brechen, aber am Ende fügt sich alles wieder zusammen. Selten ein Schade, wo nicht auch ein Nutzen dabei ist, pflegte meine Grossmutter zu sagen.



Allein: Zu ihrer teit waren die grossen kataloge noch keine 5-Kilo-Brummer wie heute. Der Preis, den man zahlt, ist der des Haltungsschadens.

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An den See

Die Kontextwerbung bei Google, wenn man nach "Somnenuntergang Hamburg" sucht, lautet übrgens auf

"H*******r&M*******r
Neurochemie-Forschung & Entwicklung innovativer Antidepressiva"

Also habe ich mich gegen Hamburg entschieden. Leider. Auch wenn es schwer fällt.

Beim schwungvollen Einsteigen den Lichtschalthebel abgebrochen.

Naja. Wenigstens wohne ich nicht in Berlin.

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Donnerstag, 12. Januar 2012

Die Brandherde im Vergleich

1. Griechenland und Zypern.

Sehe ich gar nicht mal so als arg problematisch an; ich würde sogar sagen, dass eine ungeordnete Insolvenz, wie sie gerade wieder im Gespräch ist, verkraftbar bleibt. Man wird dann eben die alten Schulden in neue Schulden zwangsumschreiben - was zumindest teilweise möglich ist - und dann eigene Wege gehen. Eine Währungsreform wäre relativ einfach zu machen, das Land ist klein und die Wirtschaft nicht bedeutend. Für den Euro wäre das natürlich ein Präzedenzfall, aber das würde man schon irgendwie regeln. Und Frankreich könnte sich auch 2, 3 Banken weniger leisten, die dann wackeln. Verstaatlichung kommt im Wahlkampf immer gut. Aber das Weiterzahlen bringt überhupt nichts: Das ist ein failed state, der braucht einen Neuanfang, viellieicht mit indirekter Lenkung durch den IWF. Gefährlicher finde ich

2. Italien

Da ist insofern der Druck raus, als die Griechen vorgeführt haben, wie man einen Staat wirklich vor die Wand fährt. Relativ gesehen erscheint Italien wie ein Hort der Sicherheiut, immerhin gibt es dort mitunter sehr stabile Strukturen, und das muss nicht Mafia sein: Man mag über die italienische Familie lachen, aber sie ist auch eine Art Schutzschild, der einiges an Katastrophen aushält, und sei es nur mit den 500ern unter dem Teppich. Natürlich bräuchte auch Italien eine Art Revolution zur Entgiftung der Politik. Angst macht mir aber vor allem die dortige Bankenwelt. Wenn die Unicredit fällt, kann Italien selbst vermutlich nur noch wenig tun,. Tatsächlich glaube ich, dass der Infektionsweg der Krise nicht mehr von Athen nach Rom führt, sondern von Griechenland über die Staatsschuldenrisiken zur Unicredit und ähnlichen Banken, und erst von dort aus dann nach Rom. Und das hängt dann wieder an

3. Ungarn und dem Balkan.

Dieses ganze undurchsichtige und schwer einzuschätzende Finanzkonglomerat zwischen der Schweiz, Liechtenstein, Österreich, Luxemburg, Bayern und Italien, in dem die Unicredit nur ein Teil des Debakels ist, ist so etwas wie ein Infektionsweg an allen europäischen Strukturen vorbei. Man wollte das nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, alle wollten Geschäfte machen, und diese Balkanblase, oder besser, ihr Rest, droht jetzt zu platzen. Was mit den Banken in Oberitalien und Österreich passiert, bestimmen nicht mehr Politik und Gesellschaft, sondern andere Politiker, Günstlinge und Kreditnehmer. Es sagt einem keiner so direkt ins Gesicht, aber die Ungarn können mit einem Bankrott nicht nur ihre Schulden loswerden, sondern auch zwei Kernregionen Europas zum wackeln bringen.

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Wenn Griechenland hochgeht und man etwas Zeit hat, kann man das vermutlich ohne Lehmaneske Folgen regeln. Wenn Italien wackelt, wird es schon schwieriger, aber theoretisch gäbe es schon Möglichkeiten, wie man eine Art sanfte Landung einleiten kann, denn Italien ist über weite Strecken ein reiches Land. Eventuell müsste man dann den Euro spalten, aber ich bin mir sicher, dass dafür die Pläne längst fertig sind. Die eigentliche Subprimeregion ist der Balkan.

Das Horrorszenario wäre in meinen Augen ein Crash Griechenlands, der auf dem Balkan genutzt wird, um Europa zu erpressen: Dann brennt sich das nach Österreich und Oberitalien. Wenn das alles zum falschen Zeitpunkt und so schnell passiert, dass man mit dem Löschen nicht nachkommt, wird 2012 ein spannendes Jahr.

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Keine Chance im Bellevuererbonker

Wulff wird diese Wochenende politisch nicht überleben. Die SMS des Altmeier-Todes ist die neue Proskriptionsliste der Berliner Reichshauptslumrepublikur.

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Mittwoch, 11. Januar 2012

Systemvergleich

Ich bin durchaus tolerant und aufgeklärt, was alte Formensprachen angeht, und ich blicke darauf mit dem Auge der Vergebung durch die Zeitumstände. In vielem könnte ich wohnen, in vielem würde ich sogar wohnen wollen, und ich finde es legitim, wenn das Lebensumfeld wie ein Museum wirkt. Aber es gibt Grenzen. Ich weiss, manche sind angetan von Potsdam, aber ich finde an vielen Orten etwas auszusetzen. Das frderizianische Rokoko trieb Blüten, gegen die ich allergisch bin:



Mit so etwas kann man vielleicht Werbung für Berliner Bier machen (man kennt das, die Überhöhung von Plörre zu Kulturgut), aber der angeblich so bescheidene Auftraggeber dieser wirklich scheusslich-humorlosen Fehlleistung wollte nicht nur TV-Zuschauern imponieren, sondern auch Personen, die durchaus eine gewisse Ausbildung in künstlerischen Dingen genossen hatten. Leider hat sich das peinlich betretene Geflüster aus diesen Zeiten nicht erhalten, und so schwelgt man jetzt wieder in diesem grotesken Meer der Scheusslichkeiten und denkt an den Massenmörder, der das alles schuf, wenn er nicht gerade mal wieder dem Bataillieren nachging - was ihm als Laster übrigens auch von engsten Beratern vorgeworfen wurde. Nur hat die bundesrepublikanische Führungsebene vermutlich zu wenig Bildung und Geschmack, hinter die peinlichen Kulissen zu schauen, und dort den Abschaum zu sehen. So einer wie der wäre heute ein Fall für Den Haag, und schon damals galt er vielen als höchst fragwürdig.



Das hier ist Bayreuth. Dort würde ich sofort einziehen, das sind die hübschesten Rokokoräume, die ich kenne, und weil sie von der Schwester dieser Unperson entworfen wurden, die bei gleich schlimmer Erziehung so anders, freundlich und friedliebend wurde, habe ich es mir bei der FAZ erlaubt zu fragen, ob denn all das Elend dieser Epoche jenseits von Bayreuth wirklich unvermeidlich war, ob man den Typen entschuldigen kann und ob es irgendeine Möglichkeit gibt, einen Staatsakt für diesen Massenmörder nicht für eine hirnverbrannte Angelegenheit zu halten.

Und die Antwort ist: Nein.

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Dienstag, 10. Januar 2012

Zur toten Hand

Andere bekommen Probleme mit der Gesundheit, weil sie zu viel vor dem Rechner sitzen. Bei mir ist es eher so, dass der Gedanke "jetzt Chili kochen" irgendwie nicht zur Idee passte, noch etwas im Bett zu liegen. Und zwar auf dem Bauch. Ich erkläre mir die Sache jedenfalls so, dass ich - typischerweise weggeschlafen - ein dumpfes Hungergefühl hatte, den für diese Nachtzeit unüblichen nicht ganz so vollen Magen, und bäuchlings liegend die rechte Hand an die Stelle schob, an der das Chili zur Ruhe hätte kommen sollen.

Jetzt habe ich abgenommen. Und etwas zuckt in meiner Schreibhand. Wenn sie schreiben soll. Das sieht etwas unheimlich aus, und wäre nicht weiter schlimm, denn einges geht trotzdem ohne Zucken:



Schrauben zum Beispiel. Fest zugreifen, und das Problem ist weg. Irgendwie stabilisiert sich alles in der Hand.



Lesen. In ruhiger Lage, nur ab und zu blätternd, ist das überhaupt kein Problem, im Gegenteil, ich vergesse es dann schnell und wende mich der Handlung zu.



Durch den Regen spazieren. Dabei hängt die Hand herunter und schwingt ein wenig, etwas Feuchtigkeit hat noch keinem geschadet, und Bewegung tut gut.



Radeln. Dabei verspannt sich der Körper so, dass alles wieder richtig geht, auch wenn die Hand belastet wird. Das einzige, echte Problem tritt beim Tippen und nach einer Weile beim Mausschieben auf. Vielleicht sind es die kleinen Erschütterungen beim Aufschlag auf die Tasten. Knipsen dagegen geht.



Und was lernen wir daraus? Wenn man Hunger auf Chili hat, sollte man kochen und sich nicht bäuchlings ins Bett legen, wenn man einem schreibenden Beruf nachgeht. Zumindest nicht, wenn man keinen Hohlwaschbrettbauch hat, der die Hand nicht belastet. Für das Umsatteln zum Fahrradmechaniker ist es allerdings zu spät. Leider bedeutet das auch, dass es mit dem schnellen Runterschmieren von Texten in drei Stunden vorbei ist. Ich schreibe langsam und - Novität - sogar mit Nachdenken, zwecks Ablenkung.

Ein schlimmer Zustand, fürwahr.

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