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Sonntag, 11. März 2018

Platzprobleme

Ich habe zu viele Bilder, aber da kam dann dieser Josef von 1740. Der war billig, und es kam ein Stilllleben und eine Weinkellerszene und dann noch ein Bild, über das ich bei der FAZ geschrieben habe, für eine Hanvoll Euro mehr... ich habe da eine schlechte Impulskontrolle. Und vor 10 Jahren, als ich einzog, kaufte ich ein paar alte Pflanzenholzstiche minderer Güte, die jemand aus Spanien mitgebracht hatte, damit da an der Wand etwas hängt. Nett, aber inzwischen haben sie sich amortisiert, und trotz der Vermutung mancher Leute, ich könnte mir den Tegernsee bald nicht mehr leisten, geht der Trend gerade wieder zum Drittwohnsitz. Die Holzschnitte kommen also ins Depot und warten auf weitere Verwendung, und nach der Bürgermeisterwahl habe ich hier etwas rumgenagelt



So ein Wohnung ist halt nie ganz fertig, und im Hauptraum muss ich die Tage auch noch etwas umhängen. Es tut weh, es ist nicht nett, beim Fremdaufhänggehen bin ich wie ein Don Giovanni mit Skrupeln, obwohl ich im Moment ja eher ein Leporello bin, der einen neuen Herrn sucht. Wobei, eigentlich mache ich das auch nicht, ich bin zum Glück ja nicht wirklich abhängug von Arbeitgebern, ich kann auch so gut leben und...

ach, das habe ich noch gar nicht erzählt, es wird gerade wegen der Umstände etwas umgeschichtet und verflüssigt, und eigentlich wäre das die Gelegenheit, sagen wir mal, ein halbes Jahr auch wirklich gar nichts zu tun. Nur reisen. Das habe ich mir eigentlich verdient, nach all der Zeit ohne jeden Urlaub. Aber, ich kann vermutlich nicht anders als schreiben, das ist wie mit den Gemälden.

Zum Glück jedoch geht im Internet der Platz nie aus. Das ist auch etwas.

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Samstag, 10. März 2018

Ösitellsuhrkamp

Als ich im Herbst 2016 im Zillertal war, hatte ich ein sehr interessantes Gespäch mit meinem dortigen Hotelier. Das war in einer Touristenhochburg, und natürlich ist da vom Authentischen nichts mehr zu spüren. Im Frühstücksraum liefen die Ursprung-Buam mit "Achmet", das ich bis dahin nur vom Skandal her kannte. Der Hotelier jedenfalls erzählte mir einiges über seine direkten Erfahrungen mit diversen Gästen und es war schon nicht nett, aber auch nachvollziehbar. So ein Fall, wo jemand individuell richtig und im Grossen falsch liegt, aber wer will es ihm verdenken, wenn ihm beinahe die Bude abgebrannt wäre. Abgesehen davon war der Mann extrem freundlich und hätte beinahe die Bergwacht informiert, weil ich zu spät kam. Es ist eben alles nicht immer so eindeutig und ich habe mir vorgenommen, mal was über diese Nichtguten, die aber auch keine Nichtschlechten sind, zu schreiben. In den Bergen ist nun mal vieles anders, und trotzdem finde ich die FPÖ und die ÖVP gruslig. Die SPÖ und die Grünen aber auch.

Naja, und jetzt bei Tellkamp habe ich das mal zusammengeschrieben.

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Freitag, 9. März 2018

Ein Traum

Eigentlich wollte ich Ende des Winters noch darüber schreiben, wie ich mit einem Containerrad durch diese Zeit des Frosts gekommen bin. Aber erstens ist dieses Rad mittlerweile auf dem Weg nach Italien, wo es hoffentlich nicht mehr durch das Eis muss, und zweitens habe ich noch ein paar Geschichten, die ich lieber noch bei der FAZ mache - einfach, weil hier noch so viel Unerledigtes ist und ich die Mobilitätsgeschichten später anderweitig betreiben will. Wie auch immer, es gibt Ersatz für das schwarze Scott American.



Ich habe lange gerätselt, ob das ein altes Müsing oder ein altes Principia ist, denn es ist kein normales MTB, sondern ein richtiges Reiserad mit 26 Zoll Reifen - und von der Sorte gab es in der Qualität Mitte der 90er Jahre nicht so arg viele. Gewisse Details wie der Steuersatz wiesen es dazu als EU-Produkt aus. Inzwischen habe ich einen neuen Hauptverdächtigen für die doch recht gute Alubrutzelei: Velotraum. Die bauen heute noch Reiseräder und stellten Mitte der 90er Jahre auf Alu um. Leider steht kein Name drauf, also habe ich mit Flammen nachgeholfen, die dann wiederum zu den 330 Gramm leichten Reifen passen. Die sind eigentlich zu schade für ein Tourenrad, aber es ist egal, einen Renneinsatz, für den sie konzipiert wurden, gibt es bei mir ohnehin nicht.



Man gönnt sich ja sonst nichts und man ist nie zu alt, um sich lächerlich zu machen. Ich! will! Flammen!

Inzwischen ist auch sonst alles so, wie ich es will: Die gute, alte 8fach XT ,mit den ersten dicken Naben, Daumenschalthebeln und Mavic X-%17 Felgen war damals Stand der Technik und sollte noch lange rollen und schalten. Wie es sich für ein Reiserad gehört, ist die Position eher bequem - auf kurzen Strecken fast zu aufrecht, aber ich denke, wenn man weiter fährt, gerade jetzt, so kurz nach dem Winter, wird das schon passen. Die Kosten waren insgesamt nicht hoch, alles zusammen mit Brooks-Sattel - den ich eventuell noch gegen einen Flite austausche - und 20 Jahre herumliegender Heylightstütze aus einem Konkurs sicher deutlich unter 150€, weil günstig erstanden oder sonstwo gerettet. Wenn ich es schaffe, mache ich nächste Woche mal Gepäck hin.so wie es jetzt dasteht, liegt es bei etwas weniger als 13 Kilo trotz Gepäckträger und Schutzbleche.

Es kann ja mal sein, dass man mit mehreren Leuten unterwegs ist und einen Packesel braucht, Das wäre dann dieses Rad, und damit kann man auch die 400-Watt-Tiere einbremsen, mit denen ich manchmal unterwegs bin. Die Übersetzung ist schön gespreizt von 52-11 bis 26 - 32. Damit sollre man fast überall rauf und runter kommen,

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Mittwoch, 7. März 2018

Hört nicht auf sie. Hört mir zu.

Also, ganz in Ruhe: Ich betreibe zwei Blogs, Stützen der Gesellschaft und Deus Ex Machina, die bei der FAZ laufen, Diese beiden Blogs habe ich selbst entwickelt und weitgehend autonom betrieben. Es war wie normales Bloggen, nur halt mit FAZ-URL. Was gestern mitgeteilt wurde, ist ganz konkret, dass die FAZ diese beiden Blogs unter faz.net nicht mehr betreiben wird.

Die besondere Form meiner Autonomie innerhalb der FAZ und die Struktur als Einzelautorenblog erlaubt es mir aber auf der anderen Seite, die Blogs woanders wieder aufzumachen. Das ist nicht neu, es gab wegen der maroden Kommentarfunktion die Blogs schon einmal alternativ extern. Die Entscheidung der FAZ, die Blogs nicht mehr unter ihrer URL fortzuführen, heisst also nicht, dass ich aufhöre, die Blogs füllen. Ganz im Gegenteil.

Was den Ablauf der Entscheidung angeht, möchte ich nicht indiskret sein, aber es gibt ein paar Dinge, die ich berichten kann. Blogs bei der FAZ sind immer eine Frage der Engagements, sei es, dass Redakteure das wirklich gern machen, sei es, dass Externe eingekauft werden, weil jemand mit ihnen ein Konzept umsetzen will, oder sie ein Konzept anbieten, das spannend erscheint. Im letzteren Fall, also bei mir, ist es dann so, dass es jemanden gibt, der das genau so will und auch durchsetzt, oft auch gegen Widerstände. Normalerweise ist diese Person ein leitender Mitarbeiter. Bei mir war es zuerst frank Schirrmacher persönlich, der das gegen die Widerstände im Haus durchgesetzt hat. Ich habe das zu spüren bekommen, als ich nach dem ersten Treffen nach Hause gefahren bin, mit dem Versprechen, dass alle kein Wort sagen, bis es so weit ist - und dann einer der vielleicht 7, 8 wirklich eingeweihten Leute die Nachricht beu Peter Turi durchstieß. Der Verräter muss, als ich noch nicht das Haus verlassen hatte, schon die Nachricht rausgeschickt haben. Es wurde nie bekannt, wer das gemacht hat. Aber es mag illustrieren, was für ein Balanceakt diese Arbeit oft ist.

Es gab immer wieder Konflikte, wie das nun mal so ist, einige wirkten sich auch so auf das Blog aus, dass die Verwerfungen offensichtlich wurden - jemand hat gegen Schirrmachers Willen etwa angeordnet, einen Beitrag zu löschen. Das wurde rückgängig gemacht: Es war halt Schirrmachers Entscheidung. Über die Jahre hinweg wurde aus dem Herausgeber, von dem ich so viel Schlimmes gehört hatte, jemand, für den ich durch das Feuer gegangen wäre, und der auf der anderen Seite zu mir gehalten hat.

Wie wichtig das war, lernte ich, als es zu einem Wechsel in einer leitenden Position kam und der Neue offensichtlich mal zeigen wollte, was er alles so kann. Er beschloss, Deus zu schliessen, und machte es tatsächlich, als ich protestierte. Ich habe dann bei Schirrmacher interveniert, und Schirrmacher entscheid: Es geht weiter. So eine Zeitung ist nun mal keine basisdemokratische Schwatzbude, sondern ein mitunter recht robuster Gutshof mit klaren Hierarchien. Auch das habe ich überlebt, einfach, weil jemand oben das genau so wollte.

Schirrmacher starb, ich bot die Einstellung der Blogs an, weil: Ohne Schirrmacher und seinen Einfluss machte das keinen Sinn. Ich bot die Kündigung aber dem neuen Digitalchef Blumencron an, und der hatte ganz andere Ideen: er sah das vorhandene und das kommende Potenzial meiner Arbeit. Er wollte die Blogs. Bezeichnenderweise gab es im Feuilleton damals einen Wechsel zu einem Interims-Herausgeber, und der überlegte, ob man überhaupt Blogs haben wollte: Blumencron setzte sich ein. Das war das dritte Überleben, ohne Blumencron wäre ein halbes Jahr nach Schirrmachers Tod wahrscheinlich Schluss gewesen. Gutsherrnhof halt. Wer das nicht mag, sollte kein derartiges Projekt machen. Schirrmachers Blogideen waren in der Redaktion nicht gerade populär, und wenn Blumencron bessere Blogger gefunden hätte, hätte er sie auch genommen. Das sind halt strategische Überlegungen, mit denen es läuft, oder nicht. Das war auch immer klar.

Blumencron ist gegangen, warum auch immer, sein Nachfolger hat offensichtlich die Notwendigkeit meiner Blogs im Vergleich zu neuen Experimenten nicht mehr gesehen. Manchmal klappt der Übergang, manchmal klappt er nicht, das hat nichts mit Links oder Rechts oder Sympathie zu tun, sondern einfach mit der Frage der Führung und der Ziele. Es reicht in einem derartigen Umfeld schon aus, wenn in der Leitungsebene keiner mehr ist, der sich explizit dafür stark macht und es auf seine Kappe nimmt: Dann ist es halt vorbei.

Als ich angefangen habe, hatte die FAZ neben den Stützen noch das immens erfolgreiche Netzökonomenblog, das ähnlich gute Zahlen wie ich lieferte. Dessen Autor hat das Blog eigenständig neben seiner normalen Arbeit aufgebaut, und ist später zum Focus gegangen, zufällig zwei Tage, bevor ich nach Frankfurt fuhr. Ich habe da in kleinerer Runde von damaligen Onlinern gesagt, dass das ein herber Verlust ist - die Antwort lautete, der Autor hätte hier halt mit dem Blog nicht genug Rückhalt gehabt, dann sei das halt so. Blumencron hat einiges an dieser Mentalität geändert, aber man sieht da auch recht schön: Arbeitseifer und Leistung sind nicht zwingend die Kriterien, nach denen Entscheidungen zur Förderung getroffen werden.

Und dass sich nach Blumencrons Abgang einiges ändern würde, war gerüchteweise schon Anfang Dezember zu hören. Zu Schirrmacher und Blumencron hatte ich einen Draht, diesmal eben nicht, und so hat man sich eben auf eine Neuorganisation der neumedialen Spielplattform geeinigt, und wollte etwas anderes versuchen. Ob das klug ist und die FAZ nach vorne bringt, weiss ich nicht. Der Unterschied zu den meisten anderen geschlossenen Blogs ist halt, dass die FAZ 9 Jahre Aufbau eines richtig gut laufenden Blogkleinnetzwerks bezahlt hat, mit sehr anhänglichen Zielgruppen und einer immensen Debattenkapazität - und andere jetzt nur noch ihre URL da einfügen müssen, wo bis zum 31. März noch FAZ steht. Ich kann mich jedenfalls über einen Mangel an fairen Angeboten und Solidarität nicht beklagen. Es gibt also formal kaum Grund für mich, etwas zu beklagen - die FAZ war bislang sehr, sehr fair und gut zu mir, woanders wären diese Blogs erst gar nicht entstanden, und sie haben sehr viel überlebt. Ich hatte immense Möglichkeiten, und vermutlich werde ich in Zukunft auch nicht gerade schlechter gestellt sein. Es gibt daher keinen Grund für einen Shitstorm gegen die FAZ.

Ausser diejenigen, die jubeln.

Zum Beispiel der Dresden-RAF-Witze-Macher, Twittermobber und Grünenpolitiker Matthias Oomen, der bei der FAZ als Pöbler mit seiner ganzen Geschichte, die sogar manche Grünenpolitker abstösst, nur zu gut bekannt ist, und über den ich in Absprache mit der Leitung bei der FAZ schon geschrieben habe. Oomen ist ein trauriges Beispiel für das, was aus der grünen Partei teilweise geworden ist, ein totalitär denkender Haufen, der explizit versucht, andere um den Job zu bringen - wenn es so wäre, hätte ich Oomen längst verklagt:



Oomen - der m.W. nicht die geringsten Kontakte in die FAZ hat - ist mit dieser aus der Luft gegriffenen Aussage ein Freund der Verschwörungstheorie und Scharfmacher, der seine Follower aufhetzt, gegen andere Andersdenkende vorzugehen. Ich hin aber auf der anderen Seite der festen Überzeugung, dass keine Redaktion mit einem Funken Resthirn vor so einer Figur und seinem Gefolge einknickt. Das Unangenehme ist natürlich, dass die FAZ so jemand wie Oomen auch noch aufwerten würde, wenn sie auf diese Aussage einginge. Es bedeutet aber, dass hier zumindest ein Verdacht gefüttert wird, die Entscheidung könnte etwas mit einem Twittermob zu tun haben, und die andere Seite wird dann natürlich rebellisch und vermutet ein Einknicken vor den Hetzern - wo gar keines ist.

Eine andere Person mit haufenweise Zeit für Kampagnen im Netz ist die Feministin Christina Dongowski, nach Eigenaussage Ghostwriterin aus Baden-Württemberg und seit ein paar Monaten auch freie Autorin im Feuilleton der FAZ, Frau Dongowski freut sich über die Entscheidung, mein Blog einzustellen. Mit ihr plaudert eine in Schweden lebende Refugeeaktivistin (?), die mich erst verklagen wollte, Antwortmails der FAZ an sie bei Twitter veröffentlichte, und mich beim Presserat nach Eigenaussage angezeigt hat, über neue Blogkonzepte bei der FAZ. Und ansonsten lässt Dongowski auch ihrem Hass auf mich freien Lauf - ich habe, zugegeben, mal über eine ihrer Bekannten ein ebenfalls vorab abgesprochenes Stück geschrieben, das damals gesessen hat.



Da reden also eine Denunziantin eines FAZ-Mitarbeiters und eine Frau, die ihre bisherigen paar Beiträge bei der FAZ doch recht deutlich in den Vordergrund gestellt hat, öffentlich über einen Kollegen, dessen Platz, die neuen, geplanten Experimente und wie sie da ihren Anteil für ihre politischen Überzeugungen vom linken Rand bekommen können.

Diese Aussenwirkung ist natürlich verheerend. Weil der Eindruck entsteht, man könnte das einfach so machen, mal sich bei Twitter zusammensetzen und dann der FAZ sagen, was man gern hätte. Der eine Twitterpromi sagt, man habe den Don erlegt, die andere dahergelaufene Dauerpöblerin bespricht mit einer Mitarbeiterin der FAZ die Neuausrichtung der Experimente. Leute, die sich wirklich mit den Vorgängen auskennen, machen extreme facepalmimg dazu. Ich bin offen gesagt froh, dass Frau Dongowski bald keine Kollegin von mir ist, und ich kann nur sagen, dass intern sehr ruhig über die weiteren Schritte gesprochen werden wird. Was im Netz los ist, entspricht nicht den internen Vorgängen. Es sind nur ein paar Wichtigtuer. Aber die erwecken eben mit einigen anderen zusammen den Eindruck der gelungenen politischen Einflussnahme.So ist das aber nicht. Es gibt keinen Grund für einen Shitstorm, und keinen Grund, diesen Leuten und dem Eindruck, den sich bewusst erwecken wollen, auf den Leim zu gehen.

Ansonstengeht irgendwo weiter. Das ist alles. Ich würde meine Arbeit dort bis zum 31. März gut und in kollegialer Atmosphäre weiter machen, und kein Gebrüll da draußen trägt irgendetwas dazu bei. Also bitte: Ruhe. Alles andere hilft nur der falschen Seite und wertet sie auf. Solche Leute ignoriert man, so lange es eben geht.

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Montag, 12. Februar 2018

Natura Morte.

Wir haben ja im Moment so eine gewisse, naja, Restaurierungstätigkeit im Haus. 120m² vorn, 180m² hinten, und das bei voll bewohnten drei Stockwerken drüber - es ist halt ein nicht ganz winziges Objekt. Betroffen ist mittelfristig auch der Laden, und einer der Vorschläge, gemacht von einer jungen, geschätzten Dame, wäre demzufolge, da doch ein Cafe hinein zu machen, das sie selbst dann übernehmen würde. Nun, wer weiss, aufgrund der vielen, ihre Kinder im Q7 abholenden Mütter wäre das sicher eine gute Idee und eine Gelddruckmaschine. Ich wüsste aber schon, in welche Richtung das gehen würde, dem Haus entsprechend mit Anklängen an die Barockmalerei. Vielleicht eine ganze Wand als Stillleben. Ein Gemälde ablichten und dann auf Folie vergrössern und an die Wand, das war keine dumme Idee.

Gäbe es da nicht Ebay.

Ebay hat nämlich mal wieder die Kategorien reformiert und bietet nun sowohl Epochen als auch Jahrhunderte an. Für die Kenner und professionellen Händler ist das nicht schwer, die wissen, was sie haben, und belegen nach Möglichkeit zwei Kategorien. Anders sieht das beim herkömmlichen Erben aus, der sich für das Zeug, das die Eltern vom Grossvater geerbt hat, nicht interessiert und es auch nicht einordnen kann. Es ist halt Malerei. Was bedeutet, dass viele Bilder, ich würde sagen, die Hälfte, einfach so in einer Kloake mit Sado-Maso-Kleckserei und neuer Abstraktkunst ab 1 € Berliner Herkunft herumschwimmen (manche scheinen sich wirklich so zu finanzieren, ganz erstaunlich). Gleichzeitig schaut da auch kaum jemand nach, so mein Eindruck, und Sujets wie Stillleben sind ohnehin nicht mehr gefragt.



Dann geht so etwas mit Rahmen, Signatur und Datierung halt für deutlich weniger weg, als der Rahmen allein kosten würde. Es ist jetzt nichts Besonderes, nur so eine nette, akademische Malerei des späten 19. Jahrhunderts. In Italien fände man das prima und würde es schätzen, aber so ist das halt wilhelminisches Zeitalter und es passt auch nicht in die moderne Küche. So kommt das. Man muss halt etwas wühlen, und wenn man wahllos kauft - also so, dass es für die Mütter dieser Stadt locker reicht - ist eine Wand mit Stillleben vielleicht sogar deutlich billiger als eine 20m² Folie. Man muss halt suchen, wühlen, viel Eigenartiges anschauen - wer kauft bitte eine Klitoris in Acryl und wer hängt sich eine gefesselte Japanerin an die Wand? - aber eigentlich ist da alle 2, 3 Tage etwas, das qualitativ hinnehmbar ist, und finanziell im Rahmen der sonstigen Kosten nicht aufträgt.

Zahlen alles die Erben, scherzen die Älteren am Tegernsee. Jetzt tun sie es auch noch beim Verkauf.

(Die anderen Restaurierungsunerfreulichkeiten wie Einregnen wollen Sie gar nicht wissen.)

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Freitag, 9. Februar 2018

Kompromat

Tatsächlich habe ich bislang nur eine Kamera jemals verloren, die aber gleich mehrfach, und das kam so: Ich war in Italien, und das nicht allein, und ich war sehr abgelenkt. einmal durch den Begleiter, dann durch Italien und letztlich durch den Erwerb gewisser ebenso teurer wie schöner Dinge. Dabei habe ich eine von zwei mitgebrachten Kameras, nämlich die kleine Sportknipse, vergessen. Und es sollte satte 4 Jahre dauern, bis ich durch mehrere Hindernisse und Vergesslichkeiten auf beiden Seiten - die nachgeschickte Mail "du hast schon wieder die Kamera vergessen und ich auch" wurde zum Klassiker der transalpinen Kommunikation - wieder in den Besitz gelangte.



Die SD-Karte in der Kamera ist wie ein alter, unentdeckter Film von einer Reise, und es ist erstaunlich, was da alles zu sehen ist - es sind nur viereinhalb Jahre, die Reise war exakt bei der Hälfte meiner Tätigkeit bei der FAZ, und entlang der Route ist alles wie immer, halt Bayern, Tirol, Südtirol und letztlich Venetien. Es gibt Bilder aus Meran eines schwulen Besitzers, der sich mit einer Bar seinen eigenen Traum erfüllte, und ansonsten, wie ich in den letzten Jahren als Journalist erfuhr und auch schon ahnte, Unternehmungen von Leuten, denen man mit den gleichen Einstellungen in Berlin die Autos anzünden, die Schaufenster einwerfen und die Läden verwüsten würden. Eigentlich ist das keine besondere Überraschung, Betreiber kleinerer Unternehmungen sind meistens konservativ und leben davon, nicht ausgeraubt und öfters mal bedroht zu werden. Man kann vom Tegernsee nicht langsam mit Einkehr nach Oberitalien fahren, ohne, sagen wir mal, die adrette Ungarin kennenzulernen, die als Bedienung in den Gasthof kam, den Junior heiratete, den Laden nach vorn brachte und supernett ist, bestes Heiratsmaterial, wirklich, Orban mag und mit ihrem Mann zusammen dem FPÖ-Stammtisch eine Heimat ist. Die Lega Nord ist bei uns gerade wegen des Anschlags in Macerata ein Schreckgespenst - wer die Meinung teilt, sollte besser erst gar nicht in Verona mit Handschuhgeschäftsinhabern sprechen, die sich noch gut erinnern, wie das vor der Lega Nord hier war, als die Altstadt zu kippen drohte.

Ich verteidige das nicht und ich würde weder unter CSU, FPÖ, ÖVP, AfD, SVP (die vielleicht noch am ehesten) oder italienischen Rechtsparteien leben wollen. Städte konnen auch unter der Sinistra schön, gut geführt und ordentlich sein, siehe Mantua - obwohl ich auch da die Sinistra persönlich kenne und diese Sinistra Null Toleranz für Migrationsnebenwirkungen wie abgebrannte Nachbarshäuser hat. Nur, wer Urlaub in seinem gewohnten politischen Umfeld deutscher Linker machen will, sollte besser den Alpenraum meiden, wenn er in einem netten Hofladen mit dem Kürbiskernbrot nicht auch ein paar gar nicht so biologisch schräge Thesen bekommen will. Die Zone des politischen Gifts beginnt schon beim Konditor von Gmund, ein wirklich stattlicher, leider inzwischen verstorbener Mann, der seinen Laden aus dem Nichts aufbaute und kurz nach der Pensionierung als führender CSUler starb. Ich will gar nicht wissen, wie viele politisch korrekte und pralinen- und tortenoffene Haupstädter jetzt nachträglich würgen würden, wenn sie in allen Details wüssten....



Wenn diese Kreise heute - leider auch von Seiten mancher Leute, die ich hier durch die Lokalitäten führte - über Abgrenzung und Ausgrenzung von Menschen mit abweichenden Einstellungen reden, wenn man bei Twitter zu Anne Wizorek steht, für die alles von Spahn bis Höcke eine braune Suppe ist, dann muss man schon mal fragen dürfen, wo diese Leute vor 4, 5 Jahren dachten, Urlaub zu machen. Sie finden es in Ordnung, Läden zu boykottieren, die AfD-Stammtische erlauben? Falls ja, dann sind im ganzen Alpenraum nur einige Viertel grösserer Orte wie Wien, Innsbruck, Graz, Trient, Zürich und Basel mit dem Helikopter anzusteuern. Ich kenne auch solche Lokalitäten, in denen die liberale Jugend verkehrt, die sind nur oft eher teuer. Es liegt weiss Gott nicht an mir, ich habe die übleren Aspekte der Region, die bis in die Gegenwart andauern, niemandem verschwiegen, und wer hier mit mir war, der kennt das Schöne wie das Abgründige. Es ist gar nicht zu übersehen gewesen, auf den Bildern sind auch Plakate mit den markigen FPÖ-Sprüchen.

Aber irgendwie war das früher alles noch tolerierbar. Man nahm es in Kauf. Man fand das alles trotzdem schön, man setzte sich an die Tische von Leuten, bei denen aus jeder Maserung und aus jeder Kachelofenplatte eine Vergangenheit drang, die heute bis aufs Messer bekämpft wird. Ich sehe die Bilder und erinnere mich, dass exakt die gleichen Personen, die heute Heimat verdammen, damals gut darin lebten. Das Bild ganz oben ist vom Beifahrersitz aus gemacht, weil damals jemand schnell Kurven fahren wollte, der den individuellen Autoverkehr heute bekämpft. Ich kann das sogar verstehen, weil Autofahrer in Berlin wirklich eine Pest sein können, aber ich wüsste nur zu gern, wo das Differenzierungsvermögen der gar nicht so lange verschwundenen Vergangenheit geblieben ist. Mir war schon bewusst, dass man damals besser nicht die Niggemeiers und Lasersushis mit Bildern bei Twitter Verdacht schöpfen liess, bei wem man da gerade die Landluft erfährt. Es gab da so eine Art, sagen wir mal, stillschweigendes Akzeptieren von Unterschieden.

Die meisten werden wissen, dass Niggemeiers Übermedien gerade einen Anschlag auf meine berufliche Existenz losgetreten hat, weil ich, wie jeder andere Reporter, Bilder im Görlitzer Park gemacht habe. Nun, es war nicht wirksam, weil man Niggemeier, Geuter, Lauer und all die anderen zur Genüge kennt und die FAZ nicht einknickt, egal ob der mit dem immer vom gleichen Hass erfüllte Mob von rechts oder links kommt. Ich weiss schon, warum ich dort explizit arbeiten will.

Ein Teil dieser Welle, die da gegen mich gemacht wurde, wurde bewusst von jener reichweitenstarken Internet-Person empfohlen, die am obigen Tisch neben mir sass, und der ich am Steuer neben mir bedenkenlos mein Leben anvertraut habe. Das muss man wissen, wenn man über die Entwicklung der letzten 4, 5 Jahre in Deutschland spricht. Und ich fürchte, dass ich da alles andere als ein Einzelfall bin. Es weimart schon sehr.

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Dienstag, 6. Februar 2018

Jetzt auch Tarantino

Tarantino steht, wie man im Netz schon früh nachlesen kann, auf der feministischen Abschussliste, weil der sich nicht genug von seinem Freund unds Partner Weinstein distanzierte. Insofern ist es nur logisch, dass Uma Thurman jetzt als Neufeministin ihn gleich ans Messer geliefert hat. Ich habe dazu etwas in der FAZ geschrieben.

Privat möchte ich anfügen: Das ist möglicherweise die Auflösung der multioptionalen Singlewelt, in der ich viel Spass hatte. Die Singles und die wie Singles Lebenden von früher geraten in Krisen, kommen mit dem Leben nicht mehr klar, weil sie Jugendansprüche nicht erfüllen und kein Gefühl für das Alter und seine Festlegungen haben, und dann suchen sie eben Schuldige. Dafür ist aber niemand da als andere Singles oder Leute in lockerer Paarbindung, und deshalb bremst sie erstens keiner und zweitens können sie sagen und im Rückblick auch erfinden, was sie wollen. Die Leichtigkeit der Jugend ist weg, die Verbitterung des Alters sucht sich Opfer - gern bei den Altersgenossen, die es besser geschafft haben. Wenn man sich mit 22 mit einem anderen nicht vestanden hat, hat man sich eben eine andere Option gesucht. Mit 53 hat man - übrigens auch als Mann - die Optionen alle durch, und dann tänzelt einem einer durchs Bild, der damals nicht genehm war und heute mehr hat. Ich erlebe das leider selbst aus gewissen Kreisen, die sich auch zu Höherem berufen fühlten und momentan entdecken, dass die Bloggerei/Social Media Phase für sie ein Irrweg war.

Vielleicht ist Tarantino menschlich wirklich übel, ich weiss es nicht, aber ich denke, man sollte nicht einfach alles gleuben, was Schauspieler oder andere Leute mit felxiblem Umgang mit der Wahrheit so vortragen.

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Montag, 5. Februar 2018

Zu kalt und keine Krapfen

Eigentlich sollte es schön werden, und ich wollte rodeln gehen. Schön wurde es auch. Ich mag ja diese mystischen Landschaften, aus denen gleich ein Tatzelwurm hervorkriechen könnte.



Leider kroch etwas anderes, und zwar Nebel aus dem Norden. Am Alpenrand hat sich eine Wolke festgesaugt, und sie kam bis St. Quirin, also 2 km zu weit in den Süden. Gleichzeitig rutschte eine andere Wolke das Kreuther Tal hinunter und leckte am Südende des Sees. Dazwischen war es schön und kalt.



Und dort, wo ich entweder auf dem Liegestuhl liegen oder rodeln konnte, hässlich und kalt. Und Krapfen gab es beim Lengmüller auch keine mehr. Es kam also einiges zusammen, aber die Bilder wurden wenigstens gut. In Berlin streiten sie über eine neue Regierung, die keiner will und am Wahlabend auch keiner mehr wollte. Da kommen zwei Nebelbänke aufeinander zu, wie hier auch, das Gute ohne sie wird verschwinden, und Krapfen wird es auch keine geben.

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