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Montag, 23. Dezember 2019

Was besser wurde

Die FAZ wollte, dass sich mit den Beiträgen was auf der Seite rührt: Hauptsache Debatten im ansonsten wenig diskutierten Feuilleton. Deshalb habe ich lange, sehr lange, einfach meine Texte selbst online gestellt. Irgendwann 2016 kam dann die Weisung von oben, dass prinzipiell jeder Beitrag gegengelesen werden muss - das sei bei allen Beiträgen so. Also reichte ich die Texte ein, wartete auf das OK eines Verantwortlichen, und veröffentlichte sie dann. Sehr oft ging es flott, manchmal musste ich auch dreimal nachfragen, aber so ist das halt im Redaktionsbetrieb. Irgendwann las jemand den Text und gab ihn frei - ich glaube, insgesamt sieben oder acht Texte fanden keine Gnade, aber das ist halt so, manchmal ist ein Thema schon durch, und manche Texte finde ich selbst auch nicht toll.



Theoretisch könnte ich bei der Welt auch wieder allein bloggen. Wenn die Software mit dem Macbook zusammenarbeiten würde, was aber nur am 2. Tag funktionierte, am ersten nicht und ab dem dritten Tag auch nicht. Vielleicht lag es an mir, aber es ist auch egal, weil der Mac inzwischen als solcher nicht mehr geht. Deshalb mache ich es anders, ich schreibe den Text, bearbeite die Bilder, schicke das Paket an 2 mögliche Verantwortliche, die lesen es, bauen es und stellen es in Absprache mit mir online. Und das ist vom Ablauf her erheblich besser als bei der FAZ. Wenn man es nur wie bei der FAZ kennt, ist es einem egal, aber wenn man es anders erlebt hat, will man es nicht mehr missen. Man sollte das nicht zu sehr romantisieren: Die Welt will verkaufen und zahlenden Kunden etwas liefern. Sie hat ein hohes Interesse, dass ich schreibe und die Beiträge schnell kommen. Aber es ist ein sehr angenehmes Arbeiten. Da sind sehr gute Leute am Werk, die auch wissen, was sie tun.



Gleichzeitig ist es für mich erheblich weniger Arbeit, denn das Bauen dauert noch einmal eine halbe Stunde, und wenn man schon geschrieben und Bilder geputzt hat, und warten musste, ist man oft auch fahrig, genervt und mit dem Beitrag durch, bevor ihn sonst jemand gelesen hat. Ich schreibe vielleicht mehr als früher, weil die Texte deutlich länger sind - m.E. gibt es da bei der Welt einen gewissen Bedarf. Ich bin aber auch einigen Stress los, der deutlich weniger Spass als Schreiben macht. Ich habe weniger Leerlauf und stupide, nervige Abschlussarbeiten. Das verbessert die Arbeitsabläufe und die Planbarkeit massiv, und vermutlich sind diese besseren Abläufe auch ein Grund, warum die Welt online gut ankommt. Und das ist auch der Unterschied zur FAZ, die mehr eine Zeitung mit Onlineauftritt war und auch heute noch weitgehend ist. Ich war bei der FAZ nicht unzufrieden, aber ich bin momentan deutlich entspannter bei der Arbeit. Und die Leser sind glücklicherweise auch zuverlässig da. Ich sehe bei der FAZ bis heute keine ernsthaften Ansätze, das Potenzial der Leute in aller Breite zu nutzen - so ist das, wenn man Geld hat. Die Welt dagegen muss online besser werden und sie wird es auch. Das ist ein forderndes Umfeld, das ich auch brauche, und in der Form seit Schirrmachers Tod nicht mehr hatte.

Will sagen: 2020 geht es mit aller Kraft weiter.

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Sonntag, 22. Dezember 2019

Wir haben schon alles,

aber noch nicht in der nötigen Menge - mit dieser immer richtigen Erkenntnis gehe ich dann vor, wenn es darum geht, nichts oder fast nichts zu verschenken. Denn mitunter braucht man etwas schnell, ohne es gross zu suchen oder in anderen Räumen zu holen. Wenn man eine heisse Schüssel in der Hand hat, zum Beispiel, oder eine heisse Kanne. Das kommt unweigerlich mit Holzplatten und Tischdecken in Konflikt, und dafür gab es früher einfache Lösungen, die aber nicht mehr so einfach zu bekommen sind. Zumindest, wenn es nicht aus Kork oder, horribile dictu, Kunststoff sein soll.



Aus diesem Grunde fuhr ich durch das trübe Wetter heute dorthin, wo es alles gibt, was es nicht mehr gibt - zum Antikmarkt Pfaffenhofen, den ich wegen Urlauben Verpflichtungen, Hitze und Nachlässigkeit schon länger nicht mehr besucht habe. Trotzdem sind alle Händler, auf die es ankommt, auch heute wieder da gewesen, und haben in der feuchten Luft gefroren: Die Franzosen aus de Elsass mit all den hübschen Möbeln und Lampen, die ich diesmal aber mied, und der Silberamerikaner, der immer kistenweise Versilbertes importiert. Und neben den riesigen, viel zu grossen, ausziehbaren Untersetzern hatte er auch einen kleinen, durchbrochenen Untersetzer, der gar nicht so hässlich war. Vermutlich aus den 50er Jahren, bevor die 68er beschlossen, dass man dergleichen nicht mehr braucht. Unten ist auch noch der Herstelleraufkleber - das gute Stück ist also new old stock.



Wie gesagt, wir haben schon alles, aber es ist immer praktisch, wenn so etwas in jedem Raum steht und nicht mitgeschleppt werden muss. Ich hätte auch mehr gekauft, wenn er mehr gehabt hätte, denn auch unter dem Jahr verschwinden diese Untersetzer bei Besuchern: Sie sind einfach zu praktisch. Man kann sie immer irgendwie brauchen. Man hat schon alles, aber von dem dann doch nie zu viel. Und der Untersetzer ist letztlich so klein, dass sich niemand etwas denken muss, wenn er dachte, dass ich auch schon alles habe und man mir wirklich nichts mehr schenken braucht. Was eigentlich auch stimmt. Hauptsache, man endet nicht als Knochenhaufen in einer Schachtel, und kann noch lange Tee servieren.

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Samstag, 21. Dezember 2019

Neunzehn

Das Jahr entfleucht so schnell, heute ist schon die längste Nacht, von da an geht es wieder aufwärts - bevor sich 2019 davonstiehlt, vielleicht noch ein paar Reflektionen auf einige mehr oder weniger überraschende Entwicklungen.



Viele wollen mich bekanntlich von Twitter und aus dem Netz und aus den Medien weg haben, sie wollen nicht, dass ich Einfluss habe, über sie lache oder auch nur lese - irgendwie habe ich mich an diesen reinen, exterminatorischen Faschismus von links gewöhnt, mitsamt Bildern von Kofferräumen und Leichen und was heute nun mal so an Aussagen und Andeutungen üblich ist. Was mir 2019 tatsächlich den Rest gegeben hat, hat aber nur indirekt mit mir zu tun: Im Hinterhaus steht ein rotes Rabe Tourenrad, das ich Marie Sophie Hingst geben wollte, wenn wir, wie abgesprochen, in diesem Sommer endlich zu den Wohnorten von Thomas Mann im Oberland geradelt wären.

Daraus wurde nichts, sie wurde von Medien und Personen aus dem Netz und ihrer eigenen Unfähigkeit, sich im Leben zurecht zu finden, in den Tod getrieben. Dass man bei ihr alles cum grano salis lesen musste, war mir bei ihrem literarischen Anspruch durchaus bewusst; was daraus gemacht wurde, spottete jeder Beschreibung und ist, in meinen Augen, ein ähnlich grosser Skandal für den Spiegel wie Relotius. Geschützt wird der Spiegel natürlich v0n all den Einflussreichen und Lauten, die mitmachten, bei Twitter und in den Medien, und von Leuten, die ich, leider, teilweise auch persönlich kannte. Das war teilweise mein früheres Umfeld. Der hässlichste Hashtag gegen sie kam von der Frau eines bekannten Netzgurus, die selbst labil ist. Einer der üblen Nachtritte kam von einem Erfinder der Goldenen Blogger, mit dem ich seit 2001 immer wieder, in verschiedenen Konstellationen zu tun hatte. Da denkt man sich schon, ob man früher nicht zu unvorsichtig war.



Da war ich wirklich nah dran, Twitter aufzugeben: dort ist einfach zu schlechte Gesellschaft. Dass sie gegen Ende des Jahres auch mir mit einer Kampagne ans Leder wollten - mei. Einen Autoren, einen Todeswünscher, eine Zeitung habe ich formaljuristisch den Leviticus vermittelt, weitere werden folgen, und nachdem es bislang nur Weissdeutsche betraf, wird es bald auch divers. 8 andere hat Twitter selbst gelöscht. Das läuft alles eher nebenbei, während ich schraube und schreibe: Mein gutes Leben trollt diese Leute besonders, und warum sollte ich es aufgeben, wenn es Fachpersonal gibt, das denen das Leben schlechter macht, wie es der Rechtsstaat will. Da kommt, wie gesagt, noch was, aber so generell setze ich in meinem Leben andere Schwerpunkte.

Zumal man da draussen ja auch solche und solche Erfahrungen macht - zeitgleich mit dem Goldenen Blogger, der sich als Werber sein Geld verdient, lernte ich auch jemand kennen, der mir im Frühling auf einer steilen Rampe Pecorino und Wasser entgegen trug. Da muss man halt beizeiten überlegen, was einem wichtig ist, wer die Freunde sind, und wo man besser nichts mehr investiert: Ich sage es mal so, die Idee, man könnte anderen Türen aufstossen und Chancen ermöglichen, sollte man nicht allzu oft und allzu leicht haben. Sonst wird einem im Netz - bei eigentlich ganz normalem Verhalten ohne irgendwelche Absichten - vorgeworfen, man hätte andere mit seinem Charme eingewickelt. Assistiert von Leuten, die sich in den letzten 4 Jahren vom Mann zum Nachkläffer kritischer Weissheit degeneriert haben. Vermutlich wäre da noch mehr gekommen, gäbe es nicht Bilder von denen im Cabrio und beim Urlaub, die dem Image dieser Leute bei den Richtigen in Berlin nicht helfen würde. Auch dort liebt man zwar den Verrat, aber nicht den Verräter mit fragwürdiger, nicht linientreuer Vorgeschichte.



Ich sehe das inzwischen so, dass da draussen genug andere arme Schweine sind, die heute die Basis dafür legen, von denen morgen hintergangen zu werden. Zwischen uns herrscht, sagen wir mal, ein Gleichgewicht des Schreckens, weil vieles von dem, was vor ein paar Jahren noch als normal galt - und fast überall auch heute noch als üblich betrachtet wird - in deren Umfeld halt überhaupt nicht mehr geht. Es war schön, bei der FAZ mit Leuten experimentieren zu können. Es ist aber auch schön, bei der Welt allein hinter der Paywall zu schreiben und zu wissen: Egal was ich dort tue, sie werden es nicht lesen. Und egal, was ich sonst so tue: Es gilt in meiner Welt höchstens als ein wenig exzentrisch. Man kann mit allem leben, was ich tue. Leute in Biergärten und auf dem Wochenmarkt bedanken sich für meine Arbeit: Das freut mich wirklich, obwohl ich öffentlich eigentlich gar kein Aufsehen will. Ich habe es nicht so mit gelebter Publizität.

Viel anderes lief gut bis sehr gut. Ich will hier nicht über mein Auto klagen, dessen Reparaturen auch gern günstiger hätten sein dürfen, aber von ein paar mehr oder weniger tragischen Unvermeidlichkeiten einmal abgesehen, war es ein schönes, rundes und warmes Jahr. Ich war dauernd in Italien. Ich war viel auf dem Rad. Es gibt eine sehr angenehme Normalität im Leben, weder der Körper noch die Einkünfte beschränken mich. Ich kann mich noch richtig hart quälen, und da ist nirgendwo das "in diesem Alter solltest Du besser nicht mehr"-Gefühl, das an und für sich irgendwann einsetzen sollte. Und einem, der viel härter und viel tapferer als ich ist, geht es auch wieder besser. Das sind die ganz grossen Freuden. Man muss nehmen, was man kriegen kann, man sollte nichts auslassen, denn man weiss nie, was kommt - und ich fürchte ein wenig, dass 2020 hier die Rezession kommen wird, und die Trennungsprozesse in der EU stärker werden.



Ich weiss. Allein der Umstand, dass ich nicht 10 Zeilen darüber verfasse, wie schlimm das ist, macht mich verdächtig. Aber was soll's. Reiche entstehen, Reiche werden unvermeidlich, Reiche zerfallen trotzdem, und mit ihnen Ideale und Währungen. Das ist der Lauf der Geschichte und der Fluch alter Fehler, von denen die Merkelzeit viel zu viele gemacht hat, als dass auf Dauer gut gehen kann. Mein alter Bürgermeister in Gmund hat das gesagt: Was sein soll, wenn eine Rezession kommt, wer soll das dann alles bezahlen. Nun. 2019 wurde diese Frage vermehrt gestellt, und ich denke, 2020 wird es die harten Antworten geben, die nach all den Jahren des Überzuckerns und Anweisungen für den richtigen Weg kommen müssen.

Es wird für mich da nicht ganz einfach, einen Weg zwischen den Anfeindungen zu finden, aber darum geht es auch nicht. Es wird den Brexit geben, weil die Leute ihn wollen. Trump wird bleiben, weil die Leute ihn wollen. Wenn es für Le Pen in Frankreich nicht reicht, droht Salvini in Italien. Weil die Leute es so wollen, und die Sichtweise meiner deutschen Kollegen irrelevant ist. Die SPD wird hier in Bayern bei den Kommunalwahlen absaufen. Weil die Leute es so wollen. Was soll ich einzelner da wollen? Es ist 2020, wie es 2019 war. Ein paar Wochen werde ich die juristischen Trümmer der anderen wegräumen, dann ist Wahl, und ab April ist wieder Italien. Wird schon werden. Ich habe weniger Ballast in meinem Sack. Ich bin gesund. Das ist das wichtigste.

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Mittwoch, 18. Dezember 2019

Endlich ein neues Rad!

Nein, ernsthaft, das dürfte für dieses Jahr wirklich das Letzte gewesen sein - ausser, es würde noch jemand eines aus Italien mitbringen. Ich habe hier vor zwei Jahren man sehr breite Smart Sam Reifen auf dem Schrott gefunden, die leider in die älteren Crossrahmen nicht gepasst haben - vermutlich von einem 29er. Auf gut Glück habe ich dann einen Rahmen bestellt, der noch Cantileverbremsen hatte: Für mich eine Grundvoraussetzung, in den letzten Tagen bin ich MTB gefahren und Scheibenbremsen quietschen bei nasskaltem Wetter wie die Pest. Gleichzeitig sahen die Kettenstreben recht breit aus. Und insgesamt hat es dann auch gepasst.



Zwei Anmerkungen: Das Problem waren nicht die Kettenstreben wegen ihrer Dicke, sondern wegen des äusserst kurzen Hinterbaus. Der Umwerfer passt auf 2mm genau. Und weil es so eng ist, musste ich auch eine Kurbel mit kleinen Kettenblättern nehmen. Wäre der Umwerfer deutlich weiter oben, käme er mit dem Reifen in Konflikt. Schon jezt passt da kein Steinchen dazwischen.



Und: Nein. Es ist kein echtes Colnago, jemand hat nur die Sticker auf einen ordinären Importrahmen eines Radladens geklebt. Eventuell mache ich die noch runter, aber vielleicht ist das ganze Rad dann zu dunkel. Und im Winter mag man doch lieber etwas Buntes und Helles.

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Freitag, 13. Dezember 2019

Frohsinn

Naja, wissen Sie, für Historiker ist es doch so: Reiche kommen, Reiche gehen, Reiche zerfallen. Niemand trauert heute noch dem persischen Grossreich hinterher, die früher mal dominierende Militärmacht Preussen ist verschwunden, in seinem Zentrum regiert das Moloch des Reichshauptslums, und auch das britische Kolonialreich erschien 1902 eine Sache für die Ewigkeit. Völker schaffen es leichter durch die Zeiten als Staaten, und Staaten schaffen es leichter als Staatenunionen mit vielen Völkern. Das muss man halt akzeptieren, das sind die Realitäten, und so wirklich schön ist es in den UN mit Iran, Venezuela, Syrien, Weissrussland, China und Quatar auch nicht. Ich empfehle daher eine pragmatische Sicht auf die EU und den Brexit.



Man sollte in der EU jetzt vielleicht überlegen, was man selbst falsch gemacht hat und was man besser machen kann. Also, wenn man nicht gerade von der Leyen heisst und als beratungsresistent gilt, natürlich. So sind dann halt die Realitäten und ich glaube nicht, dass es zeitnah mehr Europa geben wird. Warten wir die nächsten Wahlen un Frankreich und Italien ab, dann wissen wir mehr. Besonders auf Italien würde ich schauen. Da haben die Deutschen am meisten zu verlieren. Und die Briten... ich glaube, die kommen schon durch. Weil: Volk, Land, Tradition. Das macht auch etwas aus.

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Samstag, 7. Dezember 2019

Kein Rad mehr, nur Bremsen

Manche denken, dass ich ohne Verstand und Bodenhaftung Räder kaufe. Das ist natürlich falsch, davon kann gar nicht die Rede sein, oft ist es sogar so, dass ich quasi Geld zu einer besseren Bank trage. Wie zum Beispiel mit diesem Merida, das quasi ein verkapptes Specialized ist, weil Merida damals die teure Marke nicht nur de facto baute, sondern auch einen grossen Anteil an Specialized besass. Im Kern ist das hier eine Art vollgefederter Stumpjumper, nur halt mit Meridaaufdruck. Und, nachdem ich Scheibenbremsen nicht mag, noch mit mechanischen V-Bremsen.



Verkauft wurde es von einem Nachbarn am Tegernsee und für einen Preis, den andere in einen einzigen Flaschenhalter investieren. Da kann man nichts falsch machen, sogar mit einem gebrochenen Rahmen könnte man aus den verbliebenen Teilen mehr herausholen. Der Nachteil an diesem Rad: Es ist halt das Einsteigermodell der Serie. Der Rahmen, das teure Herzstück, ist innerhalb der Serie immer gleich gewesen. Die Preisstufen entstanden durch die Komponenten, und da wurde an einigen Stellen gespart. Vor allem bei der Kurbel und den Bremsen.



Bei der Kurbel ist es egal, die ist, zusammen mit den Kettenblättern, ohnehin ein früher oder später auszuwechselndes Verschleissteil, und dieses Rad soll vor allem im Winter laufen: Da ist die Oberfläche der Kurbel nicht so wichtig. Bei den Bremsen ist es eine andere Sache: Die sind sicherheitsrelevant. Der Vorbesitzer hat schon die Aussenhüllen gegen teure Jagwirehüllen ersetzt, aber wie es nun mal so ist: Wirklich gut sind die Hausmarkenbremsen trotzdem nicht. Deshalb habe ich geplant, sie den Winter über runterzufahren und so lange nach Alternativen zu suchen. Das sind halt so die Kompromisse, wenn man einen wirklich guten Rahmen fast geschenkt bekommt: Neue Bremsen in der passenden Qualität kosten gleich mal so viel wie das ganze Rad.



Deshalb schaue ich gern bei den gebrauchten Schrotträdern, ob da nicht vielleicht verwertbare Teile auftauchen, und letzthin, siehe da, tauchte bei der Anlieferung des Vertrauens genau das auf, was ich brauchte. Bremsen der Serie Deore 9-fach, aus der schon Schaltung und Naben meines Merida stammen. Die Bremsen sind in einem fast neuen Zustand, denn sie sind Gegenstand der Verbastelei eines Altrades, das dadurch nicht unbedingt besser wurde: Die Cantileversockel alter Räder sind meistens nicht auf die Kräfte ausgelegt, die durch V-Bremsen auf den Rahmen wirken. Also wurde das Rad zwar für die Benutzung durch einen alten Herrn mit hohem Vorbau und weichem Sattel umgebaut, aber kaum mehr benutzt.



Gleichzeitig wurden auch die Bremshebel erneuert, was ganz wunderbar ist, denn auch an meinem Merida sind die Bremshebel eher schlecht, und sollten auch runter. Somit ist da also genau die Bremse im Schrott gelandet, die ich suche. Dafür braucht kein Chinese in einem Aluwerk Strom aus Kohlekraftwerken in die Schmelze einleiten, und das fertige Teil um die halbe Welt schippern. So mag ich das. Und nun gibt es zwei Optionen: Ich schraube die Bremse ab, zahle 20 Euro, und verbaue sie bei mir.



Oder sich sage meinem Händler: Ich nehme für 10 Euro mehr gleich das ganze Rad mit all dem Restaurierungsaufwand, den ihr da gar nicht hineinstecken könnt, denn es ist wirklich viel, und verschaffe dem Rad eine bessere Zukunft als das Verschrotten als Bahnhofsgurke. Ich nehme die Bremse für das Merida, und baue aus meinem Fundus wieder die Bremse, den Lenker, den Vorbau, den Sattel, die Laufräder, die Kurbel hin, die an dieses Rad gehören. Und ich mache daraus wieder das, was es einmal war: Das 1991 noch 3300 DM teure Longus High Tech Spitzenmodell, eines der frühen Alu-MTBs mit Schweissnähten wie aus einem Guss. Es dauert sicher einen Tag, bis das gute Stück wieder richtig gut ist, und in altem Glanz erstrahlt. Ich kann sogar die linke Seite der Kurbel für ein anderes Rad brauchen, an dem die Kurbel gebrochen ist. Ich kaufe also kein weiteres Rad.



Ich kaufe die Lösung für zwei Probleme. Dabei bleibt halt noch eine Radruine übrig, die ich mit Hausmitteln aber wieder herrichten kann.Gekostet hat es dann im Ergebnis also nichts. Und wenn ich fertig bin, ist diese unsere Welt wieder ein klein wenig besser geworden, denn ein rettbares Rad endet nicht früher oder später im Container, sondern lebt neu auf. Sicher, ich habe dann ein Rad mehr, aber ich habe letzte Woche auch ein anderes Rad an einen Liebhaber weitergereicht. Für mich ist die Welt damit dann wieder im Lot, das Merida hat gute Bremsen, das Centurion hat die gute Kurbel, und das Longus wird funkeln und gleissen

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Freitag, 6. Dezember 2019

Die Luft

Ich war gestern im 9. Stock eines Hochhauses, und es war wie immer: Oben blau, wirklich hübch, keine Frage, aber um mich herum, am Horizont, alles gelbgräulich. So ist das, wenn man nicht durch den Smog hindurch, sonder seitlich in ihn hinen schaut: Ein paar hundert Meter Luftmassen, und vom Blau bleibt nichts übrig. Schon beim Weg von der Tiefgarage hoch auf die Strasse schlägt sich die spezielle Atmosphäre auf der Lunge nieder - Sensibelchen wie ich erkennen das sofort.



Vielleicht kommt es nur mir so vor, aber die Kleintransporter sind in Berlin immer besonders schäbig, alt und runtergekommen. An den Fliessen der Bahnhöfe mattet einem das Staubgrau der Ablagerungen entgegen. Manche sagen, man hätte hier ein enormes Kulturangebot, aber atmen muss man 365 Tage im Jahr. Wie berechnet man bei den Lebenskosten den Mangel am Grundbedürfnis Luft?



Als ich vor 15 Jahren hier wohnte, hatte die Stadt rund 300.000 Einwohner weniger, und mein Gefühl sagt mir, dass die Neuankömmlinge alle ältere, verdreckte Autos fahren, anders ist der Verkehr auch nicht zu begreifen. Überall raucht es aus irgendwelchen Schloten, überall hustet jemand, und auch den Rauchverbotsbahnsteigen wird natürlich achtlos gequalmt. Kein Wunder, wenn junge Familien ins Umland ausweichen: Hier züchtet man Atemwegserkrankung schon mit dem Verlassen der Geburtsklinik.



Es ist noch nicht mal richtig kalt, im Gegenteil: Am Tegernsee ist es in der Nacht sicher 5 bis 10 Grad kälter. Und dennoch atmet es sich deutlich leichter. In der S-Bahn wird das La-Lü-La bei jedem Türenschliessen zur Belästigung, überall sehe ich geschlossene Kopfhörer: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es so etwas auch für Atemluft gibt.

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Mittwoch, 4. Dezember 2019

Engelsgeduld zu Weihnachten

Am 25. November linkte mir jemand unwohl Gesonnenes einen Blogbeitrag zu, in dem ein früherer Bekannter eine ganze Reihe sehr hässlicher Unterstellungen über mich verbreitete. Aus der Zeit vor meinem Abitur. Das Problem: Ich habe den Autor erst nach meinem Abitur kennengelernt. Davor wusste ich an unserer Riesenschule nichts von seiner Existenz. Danach waren wir sogar recht gut miteinander bekannt, ohne jeden offenen Konflikt.

Aber wie es so ist, ein Blogbeitrag irgendwo im Netz ist halt ein Blogbeitrag irgendwo im Netz, der Autor machte auch keinen sonderlich gefestigten Beitrag, und ich hasse juristisches Vorgehen: Also dachte ich nach einem Gespräch mit einem Anwalt vorläufig, dass man das in Ruhe analysieren muss. Man werde ja sehen.

Dann erschien am 26. November eine gekürzte und verschärfte Version des Blogtextes beim Neuen Deutschland. Natürlich ohne mich vorher mit den Inhalten zu konfrontieren.

Weil ich bis dahin Zeit hatte, mir die Details der Bekanntschaft mit dem Autor mit Hilfe von Bildern und Bekannten zu vergegenwärtigen, informierte ich das ND direkt per Mail, dass der Text nicht der Wahrheit entspricht. Ich nannte einen Zeugen aus der Zeit, und erwähnte die Bilder und den Umstand, wie sie über die Datierung nachweislich zeigen können, dass die Behauptungen des ND nicht stimmen könnten.

Währenddessen tobte draussen der Shitstorm, die Falschbehauptungen wurden von vielen verbreitet, und am Tag darauf retweetete das Neue Deutschland den Text erneut und unverändert.

Danach kam ein weiter, hämischer Text über mich. Der dritte in dieser Woche beim Neuen Deutschland.

Ich habe mir dann noch die Mühe gemacht, auf eine Red Flag bei den Erfindungen hinzuweisen: Dass ein abgeblicher Feind kaum meine Graphiksammlung kennen kann. Reaktion: Keine.

Es gab dann letzte Woche eine Abmahnung gegen das Neuen Deutschland mit Frist bis zum Freitag Nachmittag.

Das Neue Deutschland forderte eine Fristverlängerung zur Recherche, man werde sich beizeiten äussern. Es wurde eine Fristverlängerung bin Montag Nachmittag gewährt.

Das Neue Deutschland hat seitdem nichts mehr von sich hören lassen.

Ich bin also von der genervten Betrachtung eines abseitigen Blogtextes über einen klaren Hinweis an die Redaktion über eine Abmahnung, deren Akzeptanz jedes Problem aus der Welt schaffen könnte, schon recht weit gegangen, und weiter, als mir das eigentlich lieb wäre.

Das Neue Deutschland war frühzeitig und ohne juristische Mittel informiert.

Es hätte vorher bei mir nachfragen können, wie man das normalerweise macht.

Es hätte nachher bei mir nachfragen können, wie man es spätestens seit Relotius tun sollte.

Es hätte den Text nicht retweeten und einen dritten Text nachschieben müssen.

Es hätte die Abmahnung akzeptieren können.

Es hätte zwei Fristen einhalten können.

Es is, wias is, sagen wir in Bayern

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Bald ist Nikolaus und falls der Knecht Rupprecht auch kommt:

Ich war artig. Und die anderen haben genug Optionen gehabt, um aus der Sache mit der Knute raus zu kommen.

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