Neunzehn

Das Jahr entfleucht so schnell, heute ist schon die längste Nacht, von da an geht es wieder aufwärts - bevor sich 2019 davonstiehlt, vielleicht noch ein paar Reflektionen auf einige mehr oder weniger überraschende Entwicklungen.



Viele wollen mich bekanntlich von Twitter und aus dem Netz und aus den Medien weg haben, sie wollen nicht, dass ich Einfluss habe, über sie lache oder auch nur lese - irgendwie habe ich mich an diesen reinen, exterminatorischen Faschismus von links gewöhnt, mitsamt Bildern von Kofferräumen und Leichen und was heute nun mal so an Aussagen und Andeutungen üblich ist. Was mir 2019 tatsächlich den Rest gegeben hat, hat aber nur indirekt mit mir zu tun: Im Hinterhaus steht ein rotes Rabe Tourenrad, das ich Marie Sophie Hingst geben wollte, wenn wir, wie abgesprochen, in diesem Sommer endlich zu den Wohnorten von Thomas Mann im Oberland geradelt wären.

Daraus wurde nichts, sie wurde von Medien und Personen aus dem Netz und ihrer eigenen Unfähigkeit, sich im Leben zurecht zu finden, in den Tod getrieben. Dass man bei ihr alles cum grano salis lesen musste, war mir bei ihrem literarischen Anspruch durchaus bewusst; was daraus gemacht wurde, spottete jeder Beschreibung und ist, in meinen Augen, ein ähnlich grosser Skandal für den Spiegel wie Relotius. Geschützt wird der Spiegel natürlich v0n all den Einflussreichen und Lauten, die mitmachten, bei Twitter und in den Medien, und von Leuten, die ich, leider, teilweise auch persönlich kannte. Das war teilweise mein früheres Umfeld. Der hässlichste Hashtag gegen sie kam von der Frau eines bekannten Netzgurus, die selbst labil ist. Einer der üblen Nachtritte kam von einem Erfinder der Goldenen Blogger, mit dem ich seit 2001 immer wieder, in verschiedenen Konstellationen zu tun hatte. Da denkt man sich schon, ob man früher nicht zu unvorsichtig war.



Da war ich wirklich nah dran, Twitter aufzugeben: dort ist einfach zu schlechte Gesellschaft. Dass sie gegen Ende des Jahres auch mir mit einer Kampagne ans Leder wollten - mei. Einen Autoren, einen Todeswünscher, eine Zeitung habe ich formaljuristisch den Leviticus vermittelt, weitere werden folgen, und nachdem es bislang nur Weissdeutsche betraf, wird es bald auch divers. 8 andere hat Twitter selbst gelöscht. Das läuft alles eher nebenbei, während ich schraube und schreibe: Mein gutes Leben trollt diese Leute besonders, und warum sollte ich es aufgeben, wenn es Fachpersonal gibt, das denen das Leben schlechter macht, wie es der Rechtsstaat will. Da kommt, wie gesagt, noch was, aber so generell setze ich in meinem Leben andere Schwerpunkte.

Zumal man da draussen ja auch solche und solche Erfahrungen macht - zeitgleich mit dem Goldenen Blogger, der sich als Werber sein Geld verdient, lernte ich auch jemand kennen, der mir im Frühling auf einer steilen Rampe Pecorino und Wasser entgegen trug. Da muss man halt beizeiten überlegen, was einem wichtig ist, wer die Freunde sind, und wo man besser nichts mehr investiert: Ich sage es mal so, die Idee, man könnte anderen Türen aufstossen und Chancen ermöglichen, sollte man nicht allzu oft und allzu leicht haben. Sonst wird einem im Netz - bei eigentlich ganz normalem Verhalten ohne irgendwelche Absichten - vorgeworfen, man hätte andere mit seinem Charme eingewickelt. Assistiert von Leuten, die sich in den letzten 4 Jahren vom Mann zum Nachkläffer kritischer Weissheit degeneriert haben. Vermutlich wäre da noch mehr gekommen, gäbe es nicht Bilder von denen im Cabrio und beim Urlaub, die dem Image dieser Leute bei den Richtigen in Berlin nicht helfen würde. Auch dort liebt man zwar den Verrat, aber nicht den Verräter mit fragwürdiger, nicht linientreuer Vorgeschichte.



Ich sehe das inzwischen so, dass da draussen genug andere arme Schweine sind, die heute die Basis dafür legen, von denen morgen hintergangen zu werden. Zwischen uns herrscht, sagen wir mal, ein Gleichgewicht des Schreckens, weil vieles von dem, was vor ein paar Jahren noch als normal galt - und fast überall auch heute noch als üblich betrachtet wird - in deren Umfeld halt überhaupt nicht mehr geht. Es war schön, bei der FAZ mit Leuten experimentieren zu können. Es ist aber auch schön, bei der Welt allein hinter der Paywall zu schreiben und zu wissen: Egal was ich dort tue, sie werden es nicht lesen. Und egal, was ich sonst so tue: Es gilt in meiner Welt höchstens als ein wenig exzentrisch. Man kann mit allem leben, was ich tue. Leute in Biergärten und auf dem Wochenmarkt bedanken sich für meine Arbeit: Das freut mich wirklich, obwohl ich öffentlich eigentlich gar kein Aufsehen will. Ich habe es nicht so mit gelebter Publizität.

Viel anderes lief gut bis sehr gut. Ich will hier nicht über mein Auto klagen, dessen Reparaturen auch gern günstiger hätten sein dürfen, aber von ein paar mehr oder weniger tragischen Unvermeidlichkeiten einmal abgesehen, war es ein schönes, rundes und warmes Jahr. Ich war dauernd in Italien. Ich war viel auf dem Rad. Es gibt eine sehr angenehme Normalität im Leben, weder der Körper noch die Einkünfte beschränken mich. Ich kann mich noch richtig hart quälen, und da ist nirgendwo das "in diesem Alter solltest Du besser nicht mehr"-Gefühl, das an und für sich irgendwann einsetzen sollte. Und einem, der viel härter und viel tapferer als ich ist, geht es auch wieder besser. Das sind die ganz grossen Freuden. Man muss nehmen, was man kriegen kann, man sollte nichts auslassen, denn man weiss nie, was kommt - und ich fürchte ein wenig, dass 2020 hier die Rezession kommen wird, und die Trennungsprozesse in der EU stärker werden.



Ich weiss. Allein der Umstand, dass ich nicht 10 Zeilen darüber verfasse, wie schlimm das ist, macht mich verdächtig. Aber was soll's. Reiche entstehen, Reiche werden unvermeidlich, Reiche zerfallen trotzdem, und mit ihnen Ideale und Währungen. Das ist der Lauf der Geschichte und der Fluch alter Fehler, von denen die Merkelzeit viel zu viele gemacht hat, als dass auf Dauer gut gehen kann. Mein alter Bürgermeister in Gmund hat das gesagt: Was sein soll, wenn eine Rezession kommt, wer soll das dann alles bezahlen. Nun. 2019 wurde diese Frage vermehrt gestellt, und ich denke, 2020 wird es die harten Antworten geben, die nach all den Jahren des Überzuckerns und Anweisungen für den richtigen Weg kommen müssen.

Es wird für mich da nicht ganz einfach, einen Weg zwischen den Anfeindungen zu finden, aber darum geht es auch nicht. Es wird den Brexit geben, weil die Leute ihn wollen. Trump wird bleiben, weil die Leute ihn wollen. Wenn es für Le Pen in Frankreich nicht reicht, droht Salvini in Italien. Weil die Leute es so wollen, und die Sichtweise meiner deutschen Kollegen irrelevant ist. Die SPD wird hier in Bayern bei den Kommunalwahlen absaufen. Weil die Leute es so wollen. Was soll ich einzelner da wollen? Es ist 2020, wie es 2019 war. Ein paar Wochen werde ich die juristischen Trümmer der anderen wegräumen, dann ist Wahl, und ab April ist wieder Italien. Wird schon werden. Ich habe weniger Ballast in meinem Sack. Ich bin gesund. Das ist das wichtigste.

Samstag, 21. Dezember 2019, 19:46, von donalphons | |comment

 
Die Frau Hingst -
tragisch. Sie war schwer krank. Psychisch. Es wären zu Zeiten viele Alarmglocken zu läuten gewesen, das hätte unschöne Szenen gesetzt. Manche Leute sterben lieber, als die Alarmglocken läuten zu hören. Tragisch, so oder so. Die "psychisch gestörte Frau eines prominenten" Netzgurus - hoffentlich nicht die nächste Tragödie.

Dass man Ihnen, Don Alphonso, ans Leder will, ist scheußlich.

Wenn ich das sagen darf - selbst in der weLT wurde auch mir von Redaktionsseite schon nachgestellt, weil ich - kryptofaschistisch argumentieren würde. Etliche meiner Posts wurden mit fadenscheinigen Begründungen gelöscht oder gar nicht erst veröffentlicht, in der welT wie anderswo. Am heftigsten finde ich, dass Bemerkungen zum Bevölkerungswachstum in Schwarzafrika im Kontext der offenen Grenzen tabu sind, ich komme kaum je damit durch. Das läuft so auch an anderen Orten. Nicht zuletzt bei der CSU von Söders und Gerd Müllers Gnaden. Ein großer Fehler, wenn es je einen großen Fehler gab.

Was ich zudem shlecht finde, ist, wenn Blogbetreiber die anonyme Hetze auf Leute wie mich zulassen, die mit ihrem Namen zeichnen.

Das mit Abstand Blümeranteste soziale Phänomen ist, dass die Linke tendenziell einmütig für die Abschaffung der freien Rede ist - sowohl in den USA als auch in Europa und hier, vor der Haustür. Linke geht hier bis zu Leuten wie Markus Lanz, Peter Frey, Max Moor, Annette Dittert, Jakob Augstein, Klaus Brinkbäumer, Cordt Schnibben, Friedrich Küppersbusch und - ausdrücklich! - Annalena Baerbock, die sonst immer so nett schaut...

Mein Rad rollt. Ok, das Jahr war gut zu mir. Ich hoffe, zu vielen anderen auch. Ab morgen wird's wieder heller. Schön. Mein Mitgefühl denen, die nicht soviel Glück hatten.

In den letzten Tagen ist mir immer wieder die Renate Simon in meiner Fantasie erschienen. Ein starker Eindruck, der nur von ihren Blog-Kommentaren zu den FAZ Artikeln Don Alphonsos herrührt, denn nur da habe ich sie gelesen. - Ich ehre ihr Angedenken.

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So hart es ist - man muss lernen, mit Verlusten umzugehen. Aber was die kommentare bei der Welt angeht, wird alles besser, zum Glück.

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Ja, Frau Simon
Ich vermisse sie auch schon seit der FAZ Zeit. Vielleicht hat sie sich einfach aus dem Netz zurückgezogen, so wie ich es weitgehend praktiziere. Es tut mir einfach gut, mich nicht dauernd diesem Gezerre auszusetzen.
Ich hoffe es ist nur das, und daß es ihr gut geht.

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Es fehlen da noch mehr, zB der Otto Moser, auch wenn manche seiner Kommentare recht rustikal waren, sie waren oft auch originell. Auch dort war zuletzt mein Eindruck, die Gesundheit spielte nicht mehr mit.

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Es ist würdig und recht,
an dieser Stelle an Marie Sophie Hingst zu erinnern. Vielleicht erklärt sich der üble Nachtritt des Blogger-Award-Mitverleihers zum Teil auch aus dem Ärger über sich selbst, im Jahr vorher nicht genau genug hingeguckt zu haben bei der Kür der Gewinner.
Ansonsten kennt man das ja, wer heute noch "Hosianna!" ruft, schreit vielleicht schon nächste Woche "Kreuzige ihn!"

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Ich habe sie an den Abenden davor und danach getroffen, und was sie danach erzählt hat, war doch, wie soll ich sagen, augenöffnend. Dass sie gewonnen hat, fand wohl nicht jeder gut, und manche hätten lieber Übermedien auf Platz 1 gesehen. Insofern war das Verhalten in diesem Jahr nur folgerichtig.

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Benz-Coupe
Bester D.A.: Ich vermute, Sie sind Eigentümer des Autos, also Fahrzeugbrief ist zuhause. Das ist im Reparaturfall tödlich, da die Vertragswerkstätten den Kunden nach allen Regeln der Kunst ausbeinen.
Sie haben doch sicher eine USt-Id-Nr. . Fahren Sie zu Ihrem freundlichen Benz-Händler und geben das Auto als Anzahlung ab. Lassen Sie sich einen Leasing-Benz (Firmenauto) andrehen mit Mercedes-Benz-Card all inclusive auf zwei Jahre. Billiger Auto fahren kann man nicht.
Nach zwei Jahren weg mit der Kiste und ab in die nächste Leasing-Butze.
Ich habe 2006 einen VW ab Werk gekauft (es war mein vierter). Mit Sechs-Jahre-Garantieverlängerung. An dem Auto hat VW richtig zugebuttert. Hier eine Zylinderkopfdichtung, dort ein, zweimal, dreimal Steuergerät, Schiebetür-Führung zweimal, Dieselkühler, Turbolader: einmal rund um´s Auto.
Sie sollen kein Eigentum an einem Auto erwerben. Sie sollen bei der Benz-Bank mieten und nach zwei Jahren ab in den nächsten. Denn nach zwei Jahren fangen die Probleme an. Ein schnuckeliges Motorsteuergerät für 4 Kiloeuro, oder das Rußfltersystem für 2,5.
Also: weg mit dem Zossen.

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Nie selbständig was an den Medikamenten ändern, Keule.

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"Heimlich bist du dankbar dafür [...]"

"und umso gekränkter bist du, wenn du sehen musst, dass [...]"

"wenn du im Kern eigentlich nur ausgiebig darüber jammern möchtest [...]"

Zum Thema Gedankenlesen empfehle ich das Buch "Loserthink" von Scott Adams.

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(Kommentar davor gelöscht, ich bin es leid, mir seit Jahren das immer gleiche Mimimi anzuhören, weil andere Linientreue wie in der SED erwarten)

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Könnte der Twitter Kram bitte auf Twitter bleiben, Dr. Dean? Danke.

Es mag eine Bildungslücke sein, wenn mir ausser dem mit dem Iro, Readon und Danisch keiner der benannten bekannt ist, aber ich verspüre sowenig Drang, die Lücke zu schliessen, wie morgens um drei auf St Pauli neben Besoffenen im Clochard zu sitzen.

Es ist hier im grünen Salon gepflegt und wenig krawallig, was angenehm ist. Und jeder kann einordnen und sortiert für sich und toleriert und ignoriert den Rest, aber rants gegen den Gastgeber müssen nicht wirklich sein, das gehört sich nicht.

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Die Geschichten des Fraeulein Readon brauchten schon mehr als ein Salzkorn. Im Nachhinein sind die 'red flags' gut erkennbar, aber waehrenddessen habe ich ihr die Geschichten von der Oma, der Mali-Tant, von Bach in Beijing, von Schostakowitsch in Tel Aviv, vom Priester, vom Tierarzt, von Nachtschichten im Notfalldienst, Aufklaerungsstunden in Indien und Ostdeutschland und von den Uebergriffen des Kieselaeugigen komplett abgenommen. Eine Lektion ueber Leichtglaeubigkeit und ueber die Faehigkeit mancher, sich derart ihre Geschichten hineinzusteigern, dass die Wirklichkeit nicht mehr hinterherkommt. Ein extrem trauriges und wahrscheinlich vermeidbares Ende. Ich wuerde die Schuld nicht nur bei jenen suchen, die die Geschichte mit der Wirklichkeit kurzgeschlossen haben.

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Es wurde von denen viel zu hoch gehängt. Das war nur eine kleine Bloggerin und kein Wilkomirsky. Die globale Jagd auf eine einzelne, erkenbar labile und obendrein noch nicht mal wirklich schädliche Person war m.E. völlig überflüssig.

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Für kurze Zeit habe ich das auch geglaubt, aber man hatte so ein Bild vor Augen, das war das einer etwa 45-jährigen Frau, die viel erlebt haben mußte. Um so überraschter war ich, als sie sich als etwa 30-jährig outete. Dann kam die Story von der Oma mit der Haushälterin, im Blog auch noch fälschlich als "Zugehfrau" bezeichnet, als ob sich eine DDR-Ärztin sowas hätte leisten können - Feudalismus mitten im Sozialismus, ja klar doch. Ich kannte das zudem aus der eigenen Familie, aber meine Verwandte besaß auch eine Firma mit 30 Mitarbeitern. Dann die vermeintlichen Übergriffe in Sachsen, als wären hier Nazis omnipräsent und röchen den Juden schon von ferne, und kaum ist er aus dem Zug ausgestiegen, wird er auch schon angepöbelt. Man fragte sich auch, warum eine jüdische Historikerin mit permanenter Betonung auf ihre Religion den wundervollen, gut erhaltenen, ältesten jüdischen Friedhof Sachsens links liegen ließ und stattdessen über das schlechte Essen im Touriviertel sinnierte.

Ich habe sie trotzdem eine kurze Zeit lang gerne gelesen, denn die Sprache war bildreich und der Wortschatz schon fast bei Hermann Hesse und die Geschichten standen der Phantasie von Karl May in nichts nach. Mit diesen Begabungen hätte sie eine zweite Joanne K. Rowling werden können. Die Gier der Medien nach Helden hat dem ein Ende bereitet - Schande über die Zeit und all die anderen.

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Es freut mich jedenfalls, dass Sie noch bzw. wieder da sind. Auch wenn wir selten einer Meinung sind, möchte ich Sie in meinem Online-Leben nicht missen. Ich wünsche alles Gute.

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Nicht der Spiegel...
Der Tod von Frau Hingst hat mich auch berührt, aber im Gegensatz zu Ihnen sehe ich die Schuld gerade nicht beim Spiegel, sondern bei den anderen Medien, allen voran Anfang 2017 die Zeit ("Das Problem mit dem Penis", 13.2.2017), die als erste berichtete. Willig, kritik- und recherchelos haben sie Mlle Readon, die zuvor quasi im Verborgenen vor sich hin bloggte, in die Öffentlichkeit gezerrt, sich an ihren wunderbar politisch korrekten Stories gelabt, denn was konnte es Schöneres geben, als eine selbstlose Jüdin, die arabischen Flüchtlingen bei ihrem Start in Deutschland behilflich war und dabei noch Sexualstrafttaten verhinderte?

Die Zeit rechtfertigte sich damit, man habe die Sprachkenntnisse und die Existenz der Praxis überprüft, in der die Sexualsprechstunde stattgefunden haben sollte. Soll wohl heißen, sie haben geschaut, ob Frau Hingst das Wort Penis in 6 Sprachen kennt, und eine Adresse gegoogelt. Nicht einmal für einen Anruf in der Praxis oder das Kontaktieren von irgendjemandem, der noch damit zu tun gehabt haben müßte, hat es gelangt. Die anderen Medien haben dann alle nur abgeschrieben, Ehrungen verlieren, sie als Sprecherin eingeladen etc...

Sogesehen ist Frau Hingst ein Opfer all derer, die sie, um ihre eigene rosa Weltsicht zu bestätigen, in eine schwindelnde Höhe erhoben, aus der sie um so tiefer fallen mußte. Quasi ein Kollateralschaden der verlogenen Flüchtlingsberichterstattung. Nicht der Spiegel hatte seine "Story", sondern all die verblendendeten, lüsternden Medien, die unbedingt eine Heldin im Flüchtlingsdrama brauchten und bereitwillig ohne nachzudenken nahmen, was immer sich anbot. Daß der Spiegel später 22 eingebildete Holocaust-Opfer nicht so stehen lassen wollte, ist ihm nicht anzulasten, sondern nur das unvermeidbare Ende einer vermeidbaren Abfolge von Ereignissen, die ihren Anfang viel früher nahmen.

Dabei hätte das alles verhindert werden können, wenn irgendjemand aus der Presse nur mal etwas aufmerksamer den Blog gelesen hätte. Ich hatte das 2016 einige Wochen lang getan, und mir war schnell aufgefallen, daß hier die Baronin Münchhausen schrieb. Zuviele Ungereimtheiten gab es, z.B. daß sexuell unterbelichtete Araber die Vagina i.d.R. auf Höhe des Bauchnabels verorteten - als ob es weder Wikipedia und noch Pornhub gäbe. Während einzelne Geschichten für sich meistens noch recht stimmig erschienen, konnten sie doch in ihrer Gesamtheit so nicht stattgefunden haben. Ich fand das nicht weiter schlimm, eher phantasievoll und belustigend. Aber es gab auch einiges an Kritik in den Kommentaren, gegen die sie sich heftig verwahrte, die sie aber dennoch stehen ließ - eine Tatsache, die ich damals nicht einzuordnen wußte. Jedenfalls war Kritik schon vor dem ersten Artikel in der Zeit öffentlich, und alle, auch Zeit-Journalisten, hätten es lesen können.

Der Tod von Mlle Readon ist insofern ein Lehrstück über Medien, die bereitwillig den größten Unsinn verbreiten, so er nur der herrschenden Meinung entspricht. Medien, bei denen einer vom anderen nur abschreibt, keiner ernsthaft recherchiert, niemand nachdenkt - Hauptsache die Geschichte stimmt. Ob Leute dabei draufgehen, ist offenbar völlig gleichgültig. Oder hat jemand, abgesehen vom Spiegel, irgendwo einen Ansatz von Selbstkritik an der eigenen Berichterstattung gesehen?

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Während einzelne Geschichten für sich meistens noch recht stimmig erschienen, konnten sie doch in ihrer Gesamtheit so nicht stattgefunden haben.

Mir schien das - bei allem Lesegenuss - irgendwann auch alles too good to be true, aber wirklich gestört hat mich das nicht. An Blogs (zumal solche mit einer gewissen literarischen Flughöhe) hatte ich nie so einen Wahrheitsanspruch wie an die sogenannten Qualitätsmedien. Und die haben mich in den vergangenen 15 Jahren öfter ge- und enttäuscht als Blogs.

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Mögest du in interessanten Zeiten leben
So geht doch der alte chinesisch Fluch, nicht wahr? Nun, hier sind wir. Dazu gehört wohl, daß man sich zu allem äußern soll, und zwar entsprchend entsetzt, weil die Briten spinnen, die Amis auch, die Italiener schon immer, und darüber lässt die vergangene Empörung über die Ukraine oder die Zustände in Griechenland gut vergessen.
Proteste im Iran oder in Hongkong werden gekonnt ignoriert. China braucht auch keine Klimaproteste, denn die haben ja schon Kommunismus und totale orwellsche Volkskontrolle. Wenn Herr Sixtus sein Wohlwollen ausdrückt, dann kann es dort nicht besser werden.

Und auch sonst halte ich es wie der Don. Mir geht vieles durch den Kopf, über Menschen zu denen der Kontakt „eingeschlafen“ ist, oder die sich abgewandt und einen anderen Weg eingeschlagen haben. Meine alte Blogger Community, oder Twitter Followerschaft.
Viele habe ich persönlich kennengelernt, einige waren engere Kontakte, ein paar öfters in meiner Wohnung. Da plaudert es sich locker, und man erzählt so einiges, sehr persönliches.
Würde ich heute nicht mehr machen, angesichts der Entwicklung, die manche hingelegt haben.

Eine sehr traurige Entwicklung, wenn man nur im Kopf hat, welche Angriffsfläche man anderen bietet, wenn man sie zu nah an sich heran lässt.

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Dem ziemlich nervenden Dr irgendwas
dessen Beitrag Sie, Don, schon zweimal löschen mussten weil doch ziemlich aufdringlich möchte ich dies sagen (er liest bestimmt mit):
Soros zu kritisieren macht den Kritiker (Danisch) nicht automatisch zum Antisemiten nur weil der Kritisierte zufällig jüdische Wurzeln hat. Wie primitiv ist so was eigentlich?

Und Frauenhasser? Ich habe in meinem familiären und nachbarschaftlichen Umfeld einige junge Mütter mit mehreren Kleinen. Wie die sich im Alltag abmühen und bemühen das erzeugt bei mir allerhöchsten Respekt und Anerkennung. Im politischen und medialen Bereich empfinde ich gegenüber Frauen wir Fr. Kelle oder Kristina Schröder große Achtung.

Dies hindert mich aber nicht daran, im heutigen (22.Dez) "Helds Rückblick" auf Achgut der Fußnote, in der die Bauern, die in der Mehrzahl männlich sind, deren Kritikerinnen (meist weiblich) gegenübergestellt werden, spontan zuzustimmen.
Nach Ihren Kriterien müssten nun sowohl Herr Held als auch ich Frauenhasser sein.
Wie primitiv ist das eigentlich?

Wenn einer sagt dass er nachts auf den Autobahnbaustellen und bei den Bilder der Feuerwehrmänner aus Australien nie Frauen sieht, dann beschreibt er die Wirklichkeit. Daraus Hass auf das Geschlecht zu machen ist primitiv, mir fällt kein anderes Wort ein.

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Nun ja, Danisch ist schon an manchen Stellen eindimensional in der Schuldzuweisung für vieles an den Feminismus. Er scheint auch das Thema Verfassungsgericht und seine Doktorarbeit im Blog immer wieder zu beackern, aber: sein Blog, seine Themen.

Ich lese dort gerne manchmal, Sachen, die mich interessieren. Den Rest eben nicht. Es ist ein Angebot, kostet nicht mal was und legt an vielen Stellen den Finger in Wunden, die andere Medien, für die ich bezahlen muss, geflissentlich umgehen. Genauso lese ich manchmal fefe, auch da nur, was mich interessiert, und rein als Unterhaltung seit neuestem auch den Pestarzt. Den letzten übrigens ohne dass es irgendeine Bedeutung hat, ob die Geschichten erfunden oder echt sind, sie sind gut. Im Sinne Bukowski, nicht Goethe. Ich hoffe nur, dass er nicht Blogger des Jahres wird und irgendwer feststellt, dahinter steckt eine 80 jährige Oma aus Düsseldorf.

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Zu Danisch habe ich nichts geschrieben.

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Haben Sie nicht, aber der Dr. Dean hatte ihn als Aluhut klassifiziert , den man nicht verlinken dürfe, was ich etwas differenzierter sehe.

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@buerger
Die Borg könnte die 80er Oma aus Düsseldorf kennen und einbauen.
Der Reiz des Internet ist, dass Du ein Hund sein kann und keine weiss es. Jede Frau kann als Mann auftreten (Rowling mit ihren Krimi) und ein Mann als Frau.
IladyI hat so nett geschrieben, dass ich ein Buch mit Widmung (der „Frau“) gerne aufhebe.

Bukowski trifft den pestarzt ganz gut.

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Ich habe mich unklar ausgedrückt. Mir ist tatsächlich egal, ob der Pestarzt ein 35 jähriger Werber, ein 17jähriges FriseurauszubildendesD oder eine 80 jährige Oma ist, aber der ausbrechendes shitstorm würde ziemlich sicher den blog verstummen lassen, was schade wäre.

Den beschriebenen Reiz des Internets schaffen sie in D ja gerade ab. Vorwand „Schutz des Bürgers“.

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Manchmal wundere ich mich doch ein bisschen über Ihre Ironie, dankeknickst Frauke Amgelin ergebenst.
"...allein hinter der Paywall zu schreiben und zu wissen: Egal was ich dort tue, sie werden es nicht lesen."

Hmm, es genügt ein Kundschafter, der sich - berufsbedingt vielleicht den Zutrittsobulus für Ihre Gated Community ans Finanzamt weiterreichend - die Inhalte beschafft und diese natürlich stiekum unter der Hand weiterverteilt...

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Ja, aber das zündet nicht, weil die anderen keinen Zugang haben.

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Ich habe weniger Ballast in meinem Sack.

Grandios.

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Leute in Biergärten und auf dem Wochenmarkt bedanken sich für meine Arbeit

Wie weit darf Satire gehen?

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Karla, hau ab!
Such' bitte die Weite!

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Read on my dear...
Alles um sie von mir als Autorin verehrte Frau Hingst war ein Tiefpunkt der deutschen Medienhetze im Jahr 2019. Ja, die Verteufelung Trumps (der Mann wurde gewählt, get over it), die Nichtberichterstattung über Frankreich, Hongkong, Italien, Libyen, Venezuela waren schwer erträglich. Aber eine Person öffentlich für kleine Geschichten hinzurichten, das ist unverzeihlich.

Musste man Mme glauben? Natürlich nicht, insbesondere wenn man sie niemals kennenlernen durfte - nur spielt das keine Rolle. Waren die Geschichten wunderbar? Ja, sehr oft. Teilweise zu traurig, um sie lesen zu können, und, ja, hier und da auch banal. Aber das tut nichts zur Sache, es war gut geschrieben. Ihr Gebäude war auf feinstem Sand gebaut, und das hatte wohl Gründe, die man nur erahnen kann. Daraus eine Story, Clickbait, Gewinn zu ziehen ist die Schuld und Schande des Spiegels und aller, die mitgezogen haben.

Rein gar nichts wäre passiert, wenn der Blog noch ein paar Einträge bekommen und die Leser einige eher vollkommen erdachte Geschichten mehr gelesen hätten. Wer aber bei einer Recherche nicht bemerkt, dass die Dame vielleicht Hilfe benötigt hätte, aber sicher nicht diese Art von Öffentlichkeit, hat seine Moral schon lange verhökert. In diesen Blättern sind die Anzeigen ehrlicher als die Artikel.

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