Systemstabilisierung

Ich tendiere dazu, die nächsten beiden Jahre wirtschaftlich abzuschreiben. Bedanken möchte ich mich dafür bei den Politikern, die alles tun, um das Finanzsystem zu stabilisieren, statt es nachhaltig zu verändern.

Es gab da gestern so ein paar Nachrichten, bei denen man sich eigentlich nur an den Kopf langen kann. Obamas Überlegung, Managergehälter von staatlich geretteten Firmen auf 500.000 Dollar zu begrenzen. Die Entscheidung der Regierung Brown in England, dem Katastropheninstitut RBS massive Boni für seine Mitarbeiter - auch in den Versagerbereichen - zu erlauben. Das sei alles angeblich nötig, um Leistungsträger zu behalten, und die Banken operativ zu festigen. Und das, obwohl massive Verluste auch in Zukunft ziemlich sicher sind: Die Hauspreise fallen weiter, die Arbeitslosigkeit steigt, für weite Bereiche der Ramschpapiere wird es so schnell keine realistischen Preise geben. Es macht zwar offiziell den Eindruck, dass die Lage heute stabiler wäre, als noch im Oktober 2008, aber es kann aller Bailouts und Stimulusprogramme zum Trotz nicht sein.

Und es wird auch nicht besser werden. Es wird weitere staatliche Massnahmen zur Stabilisierung geben, statt massive Eingriffe zur Veränderung des Systems. Das fängt bei den Boni an, die man branchenweit untersagen könnte, geht über die juristische Verfolgung vo9n Fehlverhalten - wir haben die dickste Krise seit 1929, und niemand hat Schuld auf sich geladen? Wer soll das glauben? - und Zwangsmassnahmen für Banken, die ihren gesellschaftspolitischen Zweck und die Grundlage ihrer Privilegien missachten. Es kann nicht darum gehen, die goldenen Tage der Finanzwirtschaft zu erhalten, sondern exakt diesen Sektor bleigrau zu machen. Ich habe gar nichts dagegen, wenn die Erbsenzähler in den Banken wieder das Ruder übernehmen. Es arbeiten in diesem unproduktiven Sektor immer noch zu viele Leute, und der Weg zur wirtschaftlichen Gesundung kann nicht über eine Aufpäppelung der parasitären Strukturen werden, die aus Banken gesamtgesellschaftliche Risiken gemacht haben, gegen die der islamische Terrorismus ein Vorortfest mit Silversterkrachern ist.

Diese Krise bringt Menschen um. Sie entzieht Armen der ärztlichen Versorgung, sie hat falsche Ernährung zur Folge, sie macht Menschen chancenlos und zerstört übergreifend den Lebensstandard. Sie wird in absehbarer Zeit ein Anwachsen der nicht bankenbasierten Kriminalität zur Folge haben, Verteilungskonflikte und einen starken Rückgang der gesellschaftlichen Bindungskräfte. Diese Krise ist hochgefährlich, und alles, was der Politik einfällt, ist das Retten der Verursacher in der Hoffnung, dass diese egomanen Mastviecher, die nichts anderes als das Fressen kennen, ein paar Brocken aus den Trögen für andere fallen lassen. Moral Hazard wird damit nicht zum Problem derer, die ohnehin keine Moral haben, aber für die Gesellschaft und ihre Werte.

Man muss die Banken und deren System zerstören, und durch Verstaatlichung, Abwicklung und Reduktion auf ein Niveau bringen, mit dem ihm die Möglichkeit zum Schaden genommen wird. Es ist sicher schwierig, es greift ins Eigentumsrecht ein, aber das Geflenne der Korrupten sollte einen da nicht abhalten: Denn wenn sich jemand nicht um Eigentum der anderen schert, dann sind es die Banken. Entweder die Banken überleben, wie sie waren, oder die Gesellschaft hat eine Chance ihre Werte zu behalten. Beides geht nicht. Es ist offensichtlich, dass das Konzept "Gesellschaft" besser funktioniert, als das Konzept "Bank". Da müsste man eine Entschidung treffen. Am besten, bevor London und New Yorki die Vororte von Island werden.

Donnerstag, 5. Februar 2009, 14:05, von donalphons | |comment

 
Deja vu.
Aus der Empfehlung der OMGUS (OFFICE MILITARY GOVERNMENT FOR GERMANY; UNITED STATES
FINANCE DIVISION - FINANCIAL INVESTIGATION SECTION) betreffs der Ermittlungen gegen die Deutsche Bank
1946/1947:


"Es wird empfohlen, daß:

1. die Deutsche Bank liquidiert wird,

2. die verantwortlichen Mitarbeiter der Deutschen Bank angeklagt und als Kriegsverbrecher vor Gericht gestellt werden,

3, die leitenden Mitarbeiter der Deutschen Bank von der Übernahme wichtiger oder verantwortlicher Positionen im wirtschaftlichen und politischen Leben Deutschlands ausgeschlossen werden."(...)


Need I say more?

Auch damals geschah wie heute - leider - nichts dergleichen. Die Bankerte mutierten vielmehr zu heiligen Kühen.

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Nun ja, wenigstens erwischt es jetzt die Hausbank der SS - so hiess die Dresdner im Volksmund der besetzten Länder - unter die staatliche Fuchtel. Und die Deuba wird auch nicht so einfach davonkommen.

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"Nun ja, wenigstens erwischt es jetzt die Hausbank der SS - so hiess die Dresdner im Volksmund der besetzten Länder - unter die staatliche Fuchtel."

aber war sie das nicht damals faktisch auch schon?

mindestens, was die verfolgung der schnittmenge gleicher interessen mit dem regime anbelangte?

btw: wenn ich mir die mir neuen infos zur schaeffler-historie so betrachte, finde ich entschädigungslose enteignungen eigentlich noch gebotener - und zwar primär zugunsten derjenigen, die bis jetzt noch überlebt haben - in irgendwelchen ärmlichen löchern osteuropas.

ansonsten:

"Diese Krise bringt Menschen um."

danke. das kann gar nicht oft genug gesagt werden.

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Das ist schon lustig bei den Neoliberallas
Steuern müssen natürlich radikal gesenkt werden, Staatsausgaben auch, aber unfähiger "Leistungsträger", deren absurdes Bonussystem die ganze Katastrophe erst ins Rollen brachte, sollen weiterhin mit Millionenboni für ihre "Leistung" alimentiert werden... vom Steuerzahler.

Boni für was eigentlich? Bezahlt sie mit Giftmüll, davon gibts genug.

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Wunderbar. Verlinkt. Empfohlen.
Für die FAZ war *der* Text aber wohl ne Nummer zu hart ...

Diese "Enteignungsdebatte" um die HRE ist unsäglich. Der Laden hat 80 Mrd. verschlungen. Wir (Steuerzahler) können das Geld gerne über Eigenkapital zur Verfügung stellen. Dann sind die Aktionäre am Ende zwar auch noch Aktionäre (und damit nicht enteignet), der Kurs nach Verwässerung liegt aber ziemlich nah an einem Cent ... Was soll solch eine Pseudodiskussion?!?

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Warte mal auf morgen... wir werden sehen, wie das dann ausschaut, wenn ich einen Systemvergleich Ratzinger - Mehdorn - Ackermann mache.

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uhhh ...

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"Obamas Überlegung, Managergehälter von staatlich geretteten Firmen auf 500.000 Dollar zu begrenzen."

hmm, das geht doch zumindest in die richtige Richtung. Ob diese Obergrenze immer noch viel zu hoch ist, sei mal dahingestellt, aber bei dem Gehaltsniveau der letzten Jahre bedeutet das für einige Investmentbanker schon einen deutlichen Schnitt. Vor allem wenn man berücksichtigt, was 500K $ inflationsbereinigt bald überhaupt noch wert sein werden.

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Das sind nur Beispiele
Ich meine auch sowas: Fannie Mae senkt (!) die Anforderungen bei Scoring und Einkommensnachweis bei der Kreditvergabe. Nach all den Milliarden vom Staat wird die nächste Blase gemacht, mit noch mieseren Käufern und noch höheren Folgekosten. Das ist einfach nur noch krank. Nein, halt, es ist Politik. Knallt das geld durch, 2011 haben wir russische Zustände.

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tja...
... nur leider profitieren genau die nach wie vor am meisten, die jetzt die dringend notwendigen Entscheidungen treffen müssten. Und die Motivation ist stets gleich, wie man an der Bahn wunderbar beobachten kann:
http://unkreativ.net/wordpress/?p=4393

Es ist nicht so, dass hier nur ein Fehler im System des Kapitalismus deutlich wird, der ja nach wie vor nur auf Wachstum setzt, hier wird endlich auch dem letzten Idioten klar, dass Wirtschaft und Politik eins geworden sind.

Mit Glück werden die nächsten Wahlen für die großen Volksverdummer richtig übel. Mit richtig viel Glück tauch kein charismatischer "Anführer" auf, der die Heerscharen hinter sich sammelt. Mit Pech bleibt alles wie es ist und wird damit - so paradox das auch klingen mag - noch schlimmer.

Einige wenige, zu denen ich Gott sei Dank auch gehöre, können noch relativ entspannt sein. Für viele andere brennt aber die Luft und so langsam beginnen die Menschen zu begreifen. Reicht das noch?

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Zitat:

Einige wenige, zu denen ich Gott sei Dank auch gehöre, können noch relativ entspannt sein. Für viele andere brennt aber die Luft und so langsam beginnen die Menschen zu begreifen. Reicht das noch?


Ich hätte da gerne Deinen Optimismus. Doch die Masse begreift nach wie vor nicht und wird es vermutlich auch nicht tun. Brot und Spiele ist die Devise (sorry, aber da zähle ich auch die m.E. mittlerweile völlig aus dem Ruder laufende Papstdebatte dazu). Wie gesagt Brot und Spiele und reicht DSDS nicht mehr wird´s halt ne Nummer heftiger. Die Nebelkerzen brennen fein und tun wie immer ihre Wirkung.

Das uns evtl. gerade unser Gesellschaftssystem unter dem Hintern wegbrennt? Who cares? Welcher maßgebliche Politiker sollte Don`s Wünschen folgen, wenn doch der Filz zwischen Politik und Kapital mittlerweile undurchdringlich dick ist?

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Bengel,
das ist ja mein Kern: Ich weiß um meine eigene Situation und selten war mir deren Luxus so klar wie heute. Und ich sehe mit großer Sorge, was in meinem Bekanntenkreis gerade passiert.


Da ist kein Optimismus. Da ist ein zynisches "wenigstens geht es mir nicht ganz so schlimm". Ich kritisiere ja schon länger wie die Menschen bei uns dumm gehalten werden. Und gleichzeitig auf der anderen Seite, wie sie darum bitten, dumm gehalten zu werden. Wie sie nach einfachen Erklärungen gieren, wie sie schuldige Sündenböcke brauchen.

Und eben der letzte Absatz von Dir ist wieder absolut auf meiner Linie: Die Politik wird es nicht richten, denn damit müsste sie (über) sich richten. Es gibt keine klare Trennung mehr, man betrachte allein in wie vielen Aufsichtsräten so manch einer von denen sitzt.

Und ich empfehle mal einen Besuch bei dem OB einer größeren Stadt namens Duisburg, über den ich im Moment in meinem Blog so her ziehe: Man schaue alleine, wie er sich auf den Fotos präsentiert und in seinem Werbevideo: Firmen, Geld und Macht. Für den Bürger ist da schon lange kein Platz mehr.

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Verantwortung...
"...Abwicklung und Reduktion auf ein Niveau bringen, mit dem ihm die Möglichkeit zum Schaden genommen wird..." - fein, das kann man gar nicht dick genug unterstreichen!

Ob Boni oder nicht.... Was ich nicht so richtig verstehen kann ist, wie sich die Dinge ernsthaft ändern können, wenn nach wie vor dieselben Verantwortlichen an den Spitzen bzw. den entscheidenden Stellen stehen. In puncto Ursachenfindung wird von etlichen Verantwortlichen (und leider nicht nur von jenen) immer wieder gern gen USA und den ach so überraschenden "Tatsachen" verwiesen - auch das lässt mich doch irgendwie zweifeln: Vielleicht wussten Sie wirklich nicht, worauf sie sich einließen. Dies würde bedeuten, dass man letztendlich die resultierenden Summen ohne jedweden Blick auf das Chancen-Risiken-Verhältnis einfach eingesetzt hat...hmmm, Verantwortung ist etwas anderes. Gesetzt der Fall, Sie wussten sehr wohl, worauf sie sich einliessen. Wie, bitte schön, darf man die Handlungen dann in diesem Fall werten...? Ganz gleich ob die Verantwortlichen es wussten oder nicht: sie haben grob fahrlässig gehandelt und damit, wie Don es schön aufführt, eine Menge Katastrophen zu verantworten! Was dürfen wir von diesen Personen in der jetzigen Zeit und insbesondere dann, wenn es uns wieder besser bzw. gar gut gehen (und Geld wieder im Überfluss da sein sollte) sollte, erwarten?

Ob Boni oder nicht, Verstaatlichung, Beteiligung oder Annahme von staatlichen Unterstützungen: Ohne strukturelle Änderungen wird es schwer sein, hier fundiert etwas zu bewegen.

Nebenbei bemerkt glaube ich, dass die strukturellen Änderungen nicht nur in den Banken werden stattfinden müssen. Man mag die Handlungsspielräume an sich mal betrachten. Wie kann es sein, dass Menschen derart verantwortungslos in einer Gesellschaft handeln und vor allem handeln können? Hier werden wir uns in Zukunft auch Fragen in Richtung unserer Gesellschaft stellen müssen.

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Flutwarnung für den Tegernsee
Nachdem bereits vor einigen Jahren verheerende Hochwasser für schwere Schäden in Bayern sorgten, steht nunmehr zu befürchten, daß der Tegernsee über seine Uferautobahnen tritt. Grund ist nach Auskünften des Deutschen Wetterdienstes die ungehemmte Einleitung von Krokodilstränen durch selbstverliebte Salonsozis, die da meinen, sich alles was sie besitzen, redlich verdient zu haben und solchermaßen auch berechtigt zu sein, ihren ergaunerten "Notgroschen" in die Schweiz zu bringen, während sie selbstgefällig von denen, die mehr haben als sie, fordern, daß diese jenen, die weniger haben als sie, etwas abgeben, damit man nur ja nicht ihre eigenen frühvergreisten Kreise im langweiligsten aller Voralpenlandstriche störe.
Schöne Grüße aus Südtirol.

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autsch

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ah was. Man muss in der Kultur leben, um sie zu kennen.

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Systemaufweichung
"Es ist offensichtlich, dass das Konzept "Gesellschaft" besser funktioniert, als das Konzept "Bank". Da müsste man eine Entschidung treffen. "

Machen wir – hier:
http://www.schachtelhalm.net/s9y/archives/54-Mit-5-Klicks-zur-Revolution!.html

Und wenn Sie gestatten: Als jahrelanger Mitleser dieses geschätzten Blogs frage ich mich, warum das Thema Grundeinkommen hier bis jetzt kaum erwähnt wurde. Was ist daran nicht interessant genug?

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Weil ich daran gelinde Zweifel habe. Nicht genug, um dagegen zu sein, aber ausreichend, um das Thema nicht zu bewerben. Und dann sind da noch ein paar Erfahrungen mit real existierenden Transferleistungsbeziehern, bei denen mir bei dieser Vorstellung, na...

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Konservieren
verständlich ist der Wunsch nach Wiederherstellung oder Konservierung alter Zustände schon.

Tragisch ist das Ergebnis dieser Variante von Konservatismus. Die notwendigen Anpassungen an veränderte Zeiten kommen später, aber durch die verlorene Zeit auch drastischer.

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Man könnte den Glauben an die Vernunft verlieren
Daß ich Ihnen mal zustimmen würde... Der Staat bereit die nächste Blase vor und belohnt die Ganoven. Und nur, weil man den Mut nicht hat, Rentnern, die ihr Erspartes in Lehmann-Zertifikate angelegt haben, zuzumuten, für diesen selbstverschuldeten Irrsinn einzustehen. Laßt diese ganzen Gaunerbanken eingehen, und seht zu, daß die wirtschaftlich gesunden Firmen wachsen, statt diese durch Steuern abzuwürgen. Aber wir reden gegen die Wand, der nächste Fall Holtzmann steht sicher schon vor der Tür.

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Also, solche Thesen vor zwei Jahren in der Kantine von Goldman Sachs zu verkünden, das wäre mutig gewesen, aber dieser Kuschelkurs hier... ich bin mal dagegen. Banken abschaffen, um Werte zu erhalten... – das ist ein gleichermaßen extravaganter wie konstruktiver Vorschlag!
Banken gibt es in Europa und im arabischen Raum seit der frühen Renaissance und wir wollen doch den etwas längeren Zeithorizont nicht vor lauter Katastrophenalarmsirenengeheul aus den Augen verlieren. Ohne Konten, Wechsel, doppelte Buchführung und Kredite säßen wir möglicherweise immer noch mit Stöckern bewehrt in den Bäumen, würden mit Kutschen über Schlaglöcher holpern und müssten auf kulinarische Freuden jenseits von Dill und Petersilie verzichten.

„Egomane Mastviecher“ – ich empfehle einen Blick ins Mitarbeiterverzeichnis einer deutschen Bank. Neben den bösen Investmentbankern gibt es viele brave Schalterangestellte, Sekretärinnen und Mitarbeiter in so sterbenslangweiligen Abteilungen wie Rechnungswesen und IT, mit ganz durchschnittlichem Gehalt und Boni von 10 %, wenn überhaupt – nicht alle Bankangestellten gehören zu Londons „How to spend it“ Klasse.

Und was haben denn gesellschaftliche Werte mit dem Bankensystem zu tun? Ich verstehe durchaus, dass in Banken auch Menschen mit sonderbarem und egozentrischem Wertesystem arbeiten (leider auch gerade in den Führungsetagen) – dem weiteren Gedankengang kann ich aber nicht recht folgen... und bitte freundlich um Aufklärung!

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