Wenn Prophezeiungen wahr werden

In meinem ersten Beitrag zur Coronaseuche - und ich denke wirklich, man sollte es als Seuche bezeichnen - habe ich ausgeführt, warum manche alten, weissen Leute nicht zwingend sterben: Weil sie sich gar nicht infizieren. Dabei nahm der rollende Virenfilter Auto breiten Raum ein, und der Umstand, dass bei uns der ÖPNV eh nur rudimentär ausgebildet ist - der schaukelt nur Schüler und Touristen.



Dass so eine Eisenröhre mit vielen Menschen, die nicht davonlaufen können, und mässiger Durchlüftung, egal ob auf Schienen, auf Rädern, auf dem Wasser oder in der Luft, neben Kindergärten und dem CCC-Kongress das Lieblingsareal von Viren sind, ist jetzt nicht ganz neu; beim CCC spricht man sogar von der Congressseuche. Aber gefühltes Wissen ist nur das eine und Wissenschaft das andere, und dazu gibt es jetzt eine spannende Fallstudie aus China, die sich mit der Infektion bei längerem Aufenthalt in einem Bus beschäftigt. Die Ergebnisse sind jetzt eher so, dass man besser sofort in den Keller gehen und sein Rad aufpumpen sollte, auch wenn es draussen regnet. Wie so oft - es ist schlimmer als die übelsten Befürchtungen.



Das Virus kommt in so einer Eisenröhre bis zu 4,5 Meter weit. Die Entfernung an sich spielt dabei keine erkennbare Rolle. Das Zeug ist unter solchen Bedingungen höllisch ansteckend, was vermutlich auch die vielen Fälle bei Webasto und im Club Trompete erklären kann.Es erträgt an der Luft Temperaturen bis zu 37 Grad und kann bis zu 30 Minuten, einmal ausgehustet, herumschwirren. Es bleibt auf glatten Oberflächen bis zu 3 Tage aktiv. Von denen gibt es in Bussen, Bahnen und Flugzeugen jede Menge. Das sind alles so Faktoren, die es beim Rad nicht gibt, da ist man allein und an der frischen Luft und hat niemand neben sich. Es grabbelt einen auch keiner an. Es gibt auch keine Kontaktflächen mit anderen Gegenständen (ausser jemand fährt einen vom Rad).



In Büros gibt es Vorschriften für den Raum, den jeder Mitarbeiter haben muss -auch das mag vielleicht etwas wenig und damit riskant sein. Aber der ÖPNV ist nun mal schwer belastet, speziell die Münchner Stammstrecke zum Beipiel, oder der Berliner Ring. Die Seuche hat dort weniger Zeit, aber viel mehr mögliche Opfer. Im Büro kennt man wenigstens die Leute und kann sie beobachten - im ÖPNV ist das unmöglich. Bezeichnenderweise haben die Südtiroler als erste Masnahme die Maximalkapazität ihrer Skigondeln auf 1/3 reduziert. Das sagt einem die Regierung in Deutschland nicht so überdeutlich, aber: Wer irgendwie kann, sollte besser das Rad nehmen. Das Rad, weil es im Gegensatz zum Auto nicht zum Zusammenbruch des Verkehrs führt. Oder einfach daheim bleiben.



(Dreist gestohlen bei der italienischen Kampagne iorestoacasa)

Weil die, die als geheilt entlassen werden, zwar die Antikörper haben. Aber die weiteren Folgeschäden sind noch reichlich unbekannt. Also einfach nicht anstecken. Und aufpassen.

Dienstag, 10. März 2020, 10:35, von donalphons |