Mittwoch, 29. Juni 2005
Die Bäckermeistersgattin, der Autor, seine Kamera und ihr Verbleib
Du verlierst am Samstag deine Kamera beim Einkaufen in Berlin. Du lässt sie irgendwo offen liegen, denkst nicht mehr daran, gehst weiter, und erst, als Du am Abend zu Hause bist, fällt dir auf - sie ist weg. Am nächsten Montag machst du eine Tour durch alle Läden, fragst, bettelst, hinterlässt deine Telefonnummer, aber niemand kann sich an dich oder gar die Kamera erinnern. Du bist verzweifelt. Weniger wegen der Kamera, die nur zum Rumschleifen da war, als vielmehr wegen der darin befindlichen Karte. Es gibt da ein paar Bilder, von denen du keinesfalls willst, dass sie jemand sieht. Oder gar blogt. Du wartest zwei Wochen, zum Glück tauchen nirgendwo Bilder irgendwelcher Geliebter auf, aber zu deinem Pech bleibt die Kamera verschwunden, egal wie oft du bei den Läden anrufst. Wahrscheinlich steht das Ding längst irgendwo bei einem An- und Verkauf, und die Bilder machen die Runde bei einem Amateurbild-Zirkel. So ist das in Berlin.
Zum Glück vergisst du deine Kamera beim Bäcker in der Provinz. Du bemerkst es nicht, aber ein anderer Kunde sieht sie und gibt sie der Bäckermeistersgattin. Die weiss, dass hier nur wenige so neumodisches Zeug haben, und hat dich schon öfters mit so einem Ding gesehen. Naja, der war ja auch eine Weile in Berlin, unvorstellbar... Sie weiss natürlich, wer du bist und wo du wohnst. Also nimmt sie eine Rechnung, auf der ihre Telefonnummer noch als "Fernruf" steht, schreibt das hier drauf,

schickt eine Verkäuferin bei dir vorbei, die erst klingelt, und als du nicht da bist, den Zettel in deinen Briefkasten wirft. Du findest ihn um sieben Uhr, noch bevor du deine Kamera vermisst hast. Natürlich macht die Bäckermeistersgattin nochmal für dich auf und freut sich, dass sie es erraten hat. Du bist dir sicher, dass sie keines der Bilder gesehen hat, das Aufschluss über das skandalträchtige Liebesleben einer geschiedenen Tochter eines besseren Clans der kleinen Stadt geben könnte.
So ist das in der Provinz, wo jeder jeden kennt, besonders, er aus der richtigen Schicht kommt. Das ist die gute Version des menschlichen Abgrunds, der sich beim Pausenprosecco der hiesigen Konzertvereinigung auftut. Für die dich deine Eltern wieder angemeldet haben, aber das ist eine andere Geschichte.
Zum Glück vergisst du deine Kamera beim Bäcker in der Provinz. Du bemerkst es nicht, aber ein anderer Kunde sieht sie und gibt sie der Bäckermeistersgattin. Die weiss, dass hier nur wenige so neumodisches Zeug haben, und hat dich schon öfters mit so einem Ding gesehen. Naja, der war ja auch eine Weile in Berlin, unvorstellbar... Sie weiss natürlich, wer du bist und wo du wohnst. Also nimmt sie eine Rechnung, auf der ihre Telefonnummer noch als "Fernruf" steht, schreibt das hier drauf,

schickt eine Verkäuferin bei dir vorbei, die erst klingelt, und als du nicht da bist, den Zettel in deinen Briefkasten wirft. Du findest ihn um sieben Uhr, noch bevor du deine Kamera vermisst hast. Natürlich macht die Bäckermeistersgattin nochmal für dich auf und freut sich, dass sie es erraten hat. Du bist dir sicher, dass sie keines der Bilder gesehen hat, das Aufschluss über das skandalträchtige Liebesleben einer geschiedenen Tochter eines besseren Clans der kleinen Stadt geben könnte.
So ist das in der Provinz, wo jeder jeden kennt, besonders, er aus der richtigen Schicht kommt. Das ist die gute Version des menschlichen Abgrunds, der sich beim Pausenprosecco der hiesigen Konzertvereinigung auftut. Für die dich deine Eltern wieder angemeldet haben, aber das ist eine andere Geschichte.
donalphons, 18:17h
... link (15 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 28. Juni 2005
8 Jahre ohne Internet
Und ohne Telefon. Das klingt jetzt vielleicht komisch für jemanden, der nur im Internet zu existieren scheint. Aber tatsächlich hatte ich in der kleinen Stadt, in der ich so zwischen 1/5 und 1/2 des Jahres und meist den ganzen Sommer verbringe, weder Telefon noch Netz. Ich rufe sowieso niemanden an, und es ist manchmal ganz gut, täglich nicht mehr als eine Stunde vor dem Netz zu hängen. Das geht, das geht locker, und hier spielt das Netz keine Rolle. Fax ist den Leuten allemal lieber, und am besten ist immer noch persönlich vorbeischauen, auf einen Ratsch, oder, wenn es Karten für den Konzertverein betrifft, eine kurze, förmliche Visite mit Vorführung der neuen Versace- ode MiuMiu-Kollektion. Internet homma ned. Sogar die Elitessen lernen hier noch mit Karteikarten, selbstbeschrieben.
Nur zwingen mich nun familiäre Verpflichtungen zu einem normalen Telefonanschluss, und da nehme ich halt auch gleich noch DSL Flat dazu. Eigentlich nur, weil auch noch andere im Haus das wollen, na gut, dann soll es eben sein. Und ausserdem können meine Eltern dann wieder dauerhaft ans Telefon, ohne dass ich es mit dem 56k-Modem bei ihnen daheim blockiere. Das sind, genau genommen, die familiären Verpflichtungen - der Wunsch, sich immer und jederzeit mit anderen stundenlang über das verkorkste Haus da hinten vom Sohn vom reichen ***** auszutauschen, der wohl zu viel "Vom Winde verweht" gelesen hat.
Nur zwingen mich nun familiäre Verpflichtungen zu einem normalen Telefonanschluss, und da nehme ich halt auch gleich noch DSL Flat dazu. Eigentlich nur, weil auch noch andere im Haus das wollen, na gut, dann soll es eben sein. Und ausserdem können meine Eltern dann wieder dauerhaft ans Telefon, ohne dass ich es mit dem 56k-Modem bei ihnen daheim blockiere. Das sind, genau genommen, die familiären Verpflichtungen - der Wunsch, sich immer und jederzeit mit anderen stundenlang über das verkorkste Haus da hinten vom Sohn vom reichen ***** auszutauschen, der wohl zu viel "Vom Winde verweht" gelesen hat.
donalphons, 18:33h
... link (16 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Donnerstag, 23. Juni 2005
Ein kleiner Genuss spät Abends
Klischees sind Klischees, weil sie stimmen. Luxus ist teuer, Berlin ist dreckig, München ist hohl, Starnberg ist überschätzt, in Grünwalds Villen wird gemordet, der Elitesse frisst so lang Fertigpizza bis sie Mangelerscheinungen hat, und die Jeunesse Doree kleiner Städte, nun, und hier bekommt das Bild Risse, die überlebenden Mitglieder, die nicht in der Klapse oder der Ehe gelandet sind, die streichen im Schweisse ihres Angesichts Fensterrahmen hoch über der Stadt, kümmern sich um Blumen und richten anderen den Abfluss. Kurz, gegen Sonnenuntergang endet der Arbeitstag, der mit einem bescheuerten Anruf einer typisch uninformiertenBerliner Verwaltungsangestellten begann, die zwar um 8 Uhr am Telefon, nicht aber wirklich bei Besinnung ist. Und der letzte Vertreter der Jeunesse überlegt bei einer Kanne Tee, was er heute Abend zu sich nehmen will. Gegenüber blickt er direkt in die Küchenzeile einer Elitesse, die junge Dame öffnet den Kühlschrank und entnimmt ihm das charakteristische Pappquadrat von Maitre Dr. Oetker - hoffentlich. Oder aber auch irgendwelche No-Name-Pizza.
Das muss nicht sein. Die 2,30 Euro für den vorproduzierten Tiefkühlkrempel - ja, schon gut, auch der Verfasser hat schon mal, trotzdem kein Grund, es zu tun - sind anderweitig besser angelegt. Zum Beispiel mit einem in etwa gleich teuren Omlett, dessen Zutaten heute frisch auf dem Wochenmarkt eingekauft wurden. Das geht ausserdem schneller. Und zwar so:

2 erstklassige Eier aus Biohaltung (0,40 Euro) in einer Schale gut durchquirlen. Etwas Butter (0,05 Euro) bei mittlerer Hitze in einer Pfanne zerlaufen lassen, dazu etwas Petersilie und Rosmarin aus dem Dachgarten.70 Gramm Oberpfälzer Pfifferlinge (1 Euro) waschen und brechen, in der Pfanne etwa 4 Minuten andünsten. Eine Handvoll Rucola (0,25 Euro) waschen und in 2 cm lange Stücke schneiden. 30 Gramm jungen Asiago (0,50 Euro) in kleine Stücke schneiden. Die Eier in die Pfanne geben, nach zwei Minuten den Ruccola dazu und mit dem Käse überstreuen. Salzen und frisch pfeffern; sobald der Käse schön zerlaufen ist, sollte das Omlett unten goldbraun und gut durch sein - und dann sofort auf der Dachterasse serviert werden. Macht 2,20 Euro und etwa 15 Minuten Arbeit. Ein leichter Weisswein wäre für Nichtabstinenzler angemessen, ein würziges Weissbrot, etwa mit Kümmel, ist dazu sehr zu empfehlen.
Gegenüber hat die Elitesse inzwischen den Rolladen runtergelasen und erspart dem Betrachter damit die Verpflichtung, Mitleid bei ihrem Anblick vor kargem Mahl von Ikea-Keramik empfinden zu müssen, selbst, wenn es ein selbstgewähltes, nicht weniger frei bestimmtes Schicksal als das des Verfassers ist. Statt dessen wendet sich der Blick zwischendrin zum Universum, das in seiner unendlichen Güte nicht weniger als diesen Himmel auffährt, an dem gemessen die 16,7 Millionen Farben einer Digitalkamera erbärmlich wenig sind.

hier ca. 67kb gross
Allein die Dokumantationszwecke rechtfertigen diesen müden Abklatsch. Und hier, bei diesem Anblick nun fügt sich das Klischee der oben erwähnten Jeunesse Doree wieder zu einem harmonischen Ganzen: Auf der Dachterasse liegend, selbstzufrieden und ein ganz klein wenig arrogant. Danach in Waughs schiefer Ebene lesend, bis es ganz dunkel wird und am Firmament die unendliche Pracht der Sterne erglüht.
Das muss nicht sein. Die 2,30 Euro für den vorproduzierten Tiefkühlkrempel - ja, schon gut, auch der Verfasser hat schon mal, trotzdem kein Grund, es zu tun - sind anderweitig besser angelegt. Zum Beispiel mit einem in etwa gleich teuren Omlett, dessen Zutaten heute frisch auf dem Wochenmarkt eingekauft wurden. Das geht ausserdem schneller. Und zwar so:

2 erstklassige Eier aus Biohaltung (0,40 Euro) in einer Schale gut durchquirlen. Etwas Butter (0,05 Euro) bei mittlerer Hitze in einer Pfanne zerlaufen lassen, dazu etwas Petersilie und Rosmarin aus dem Dachgarten.70 Gramm Oberpfälzer Pfifferlinge (1 Euro) waschen und brechen, in der Pfanne etwa 4 Minuten andünsten. Eine Handvoll Rucola (0,25 Euro) waschen und in 2 cm lange Stücke schneiden. 30 Gramm jungen Asiago (0,50 Euro) in kleine Stücke schneiden. Die Eier in die Pfanne geben, nach zwei Minuten den Ruccola dazu und mit dem Käse überstreuen. Salzen und frisch pfeffern; sobald der Käse schön zerlaufen ist, sollte das Omlett unten goldbraun und gut durch sein - und dann sofort auf der Dachterasse serviert werden. Macht 2,20 Euro und etwa 15 Minuten Arbeit. Ein leichter Weisswein wäre für Nichtabstinenzler angemessen, ein würziges Weissbrot, etwa mit Kümmel, ist dazu sehr zu empfehlen.
Gegenüber hat die Elitesse inzwischen den Rolladen runtergelasen und erspart dem Betrachter damit die Verpflichtung, Mitleid bei ihrem Anblick vor kargem Mahl von Ikea-Keramik empfinden zu müssen, selbst, wenn es ein selbstgewähltes, nicht weniger frei bestimmtes Schicksal als das des Verfassers ist. Statt dessen wendet sich der Blick zwischendrin zum Universum, das in seiner unendlichen Güte nicht weniger als diesen Himmel auffährt, an dem gemessen die 16,7 Millionen Farben einer Digitalkamera erbärmlich wenig sind.

hier ca. 67kb gross
Allein die Dokumantationszwecke rechtfertigen diesen müden Abklatsch. Und hier, bei diesem Anblick nun fügt sich das Klischee der oben erwähnten Jeunesse Doree wieder zu einem harmonischen Ganzen: Auf der Dachterasse liegend, selbstzufrieden und ein ganz klein wenig arrogant. Danach in Waughs schiefer Ebene lesend, bis es ganz dunkel wird und am Firmament die unendliche Pracht der Sterne erglüht.
donalphons, 02:26h
... link (4 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 21. Juni 2005
Ein kleines Sommergericht,
welches ist eigentlich eine Vorspeise,
und ergo wunderbar geeignet für heisse Tage,
da deren Zubereitung dauert nur 10 Minuten,
dero grösster Teil man den Elitessen beim Abhetzen
für ihre ungewisse Zukunft zuschauen kann,
denn was soll schon ausser Sachbearbeiterinnen
aus ihnen werden nach dem Diploma,
da ist nichts mit prächtigem Schmausen,
da wird sein Schmalhans Küchenmeister,
da werden die Kaserollen des Caterings
sich nie mehr füllen mit gespesten Spezereien,
und insofern ist die schlichte, feine Speise
fast schon ein Ideal für die kleine Welt,
in der die schlechteren Söhne der besseren Familien
sintemalen das Stammhaus verschönern,
niedergeschrieben im traumhaften Sommer
im Bayern des Jahres MM et V.
Dabei, liebe Leser, handelt es sich um Champignons spanischer, manche sagen auch kalabreser Art. Egal, das Rezept ist nicht selten, und ganz vorzüglich auch nördlich der Alpen anwendbar. Besagte schlechtere Söhne sollen nehmen:
400 Gramm nicht mehr ganz frische, mittelgrosse Champignons
Rosmarin, Salbei, ein Teelöffel klein geschnittener weisser Speisezwiebel, Salz und Pfeffer, etwas Balsamico-Essig und drei Esslöffel Olivenöl, ein Esslöffel geriebener Parmesan (deftig) oder Asiago (mild).

Die Zubereitung schafft jeder, der schon mal eine Päckchensuppe gekocht hat: Pilze achteln, in kochendes Wasser geben und etwa 3-5 Minuten (je nach Alter) köckeln lassen. Abseien, Gewürze, Zwiebeln und Öl in eine Glasschale geben, Pilze dazutun, mit dem Käse überstreuen und vermischen, salzen und, nein, nicht pfeffern. Weisse Pfefferkörner in einem Mörser, idealerweise in einem Bronzemörser der jesuitischen Vorbesitzer dieses Hauses (terminus ante quem 1773) zerstossen und dazu geben.
Das, liebe Leser, hat Stil. Vergesst mal lieber ganz schnell die peinlichen Pfeffermühlen. Am besten vergesst ihr sie, solange die Pilze eine Stunde im Kühlschrank Öl und Essig ziehen und auf angenehme 5-8 Grad abkühlen. Dann draussen mit frischem Weissbrot und etwas Frischkäse, wie Saint Ceols, und eventuell Rucola geniessen. Das Leben ist schön.
und ergo wunderbar geeignet für heisse Tage,
da deren Zubereitung dauert nur 10 Minuten,
dero grösster Teil man den Elitessen beim Abhetzen
für ihre ungewisse Zukunft zuschauen kann,
denn was soll schon ausser Sachbearbeiterinnen
aus ihnen werden nach dem Diploma,
da ist nichts mit prächtigem Schmausen,
da wird sein Schmalhans Küchenmeister,
da werden die Kaserollen des Caterings
sich nie mehr füllen mit gespesten Spezereien,
und insofern ist die schlichte, feine Speise
fast schon ein Ideal für die kleine Welt,
in der die schlechteren Söhne der besseren Familien
sintemalen das Stammhaus verschönern,
niedergeschrieben im traumhaften Sommer
im Bayern des Jahres MM et V.
Dabei, liebe Leser, handelt es sich um Champignons spanischer, manche sagen auch kalabreser Art. Egal, das Rezept ist nicht selten, und ganz vorzüglich auch nördlich der Alpen anwendbar. Besagte schlechtere Söhne sollen nehmen:
400 Gramm nicht mehr ganz frische, mittelgrosse Champignons
Rosmarin, Salbei, ein Teelöffel klein geschnittener weisser Speisezwiebel, Salz und Pfeffer, etwas Balsamico-Essig und drei Esslöffel Olivenöl, ein Esslöffel geriebener Parmesan (deftig) oder Asiago (mild).

Die Zubereitung schafft jeder, der schon mal eine Päckchensuppe gekocht hat: Pilze achteln, in kochendes Wasser geben und etwa 3-5 Minuten (je nach Alter) köckeln lassen. Abseien, Gewürze, Zwiebeln und Öl in eine Glasschale geben, Pilze dazutun, mit dem Käse überstreuen und vermischen, salzen und, nein, nicht pfeffern. Weisse Pfefferkörner in einem Mörser, idealerweise in einem Bronzemörser der jesuitischen Vorbesitzer dieses Hauses (terminus ante quem 1773) zerstossen und dazu geben.
Das, liebe Leser, hat Stil. Vergesst mal lieber ganz schnell die peinlichen Pfeffermühlen. Am besten vergesst ihr sie, solange die Pilze eine Stunde im Kühlschrank Öl und Essig ziehen und auf angenehme 5-8 Grad abkühlen. Dann draussen mit frischem Weissbrot und etwas Frischkäse, wie Saint Ceols, und eventuell Rucola geniessen. Das Leben ist schön.
donalphons, 17:49h
... link (4 Kommentare) ... comment
An der Grenze zwischen Tag und Nacht,
unterhalb der Schleierwolken, der einzigen Wolken des Tages, fliegt eine Maschine Richtung Nord-Nord-Osten - vermutlich eine Abendmaschine von München nach Berlin.

Grauenvolle Vorstellung, das Ankommen in Berlin TXL, die flirrende Backofenhitze in der versiegelten Stadt, ein kleines, wohliges Gruseln auf dem Deck Chair, mein Ex-Fast-Nachbar Matthias zieht da hin, der Ärmste, dann noch eine Tasse Tee, und die Hand streichelt eine Berliner Stadtpflanze, einen Thymian, der vom Berliner Balkon kommt und hier nun prächtig gedeiht. Danach etwas über die Pleiten der Medienkonzerne in der Blogosphäre schreiben. Das Leben ist schön.

Grauenvolle Vorstellung, das Ankommen in Berlin TXL, die flirrende Backofenhitze in der versiegelten Stadt, ein kleines, wohliges Gruseln auf dem Deck Chair, mein Ex-Fast-Nachbar Matthias zieht da hin, der Ärmste, dann noch eine Tasse Tee, und die Hand streichelt eine Berliner Stadtpflanze, einen Thymian, der vom Berliner Balkon kommt und hier nun prächtig gedeiht. Danach etwas über die Pleiten der Medienkonzerne in der Blogosphäre schreiben. Das Leben ist schön.
donalphons, 04:32h
... link (6 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 19. Juni 2005
Bitte geht weiter.
Da links sind ein paar Links, wo mehr passiert. Hier gibt es nichts zu sehen. Hier ist nichts. Hier passiert nichts. Warum auch.
Also, zumindest passiert hier nichts, woraus man eine gute Geschichte machen könnte. Tschüss. Na gut, ein klein wenig passiert, aber das ist vollkommen bedeutungslos.

So treffen sich die führenden Spiesser dieser kleinen Stadt im ersten Haus am Platz im Sommergarten und laden ihre Kinder ein. Die hat das heisse Wetter aus der grossen Stadt hinaus in die kleine Stadt getrieben hat, wo man am Nachmittag in kleinen Seen nackt baden kann. Und da kann man auch gleich noch den familienbesuch machen, den man so lang vor sich hergeschoben hat.

Die Dachterasse, diese wunderbare Erfindung, die nur jeder 20. Stadtbewohner hat, zieht viele neidische Blicke auf sich, und obendrauf sitzen Menschen, denen es im Schatten von Markisen, Sonnenschirmen und Pflanzen gut geht. Zumal gerade Mittag gegessen wurde, mit frischen Kräutern vom Dachgarten, nicht viel, weil es zu heiss ist, aber sehr gut.

Es wird dafür viel getrunken. Von Mensch und Pflanze. Dabei ist Dünger wichtig. Pflanzen bekommen Pflanzendünger in die Kanne, damit sie die Blätter nicht hängen lassen, und Menschen bekommen Teein, damit sie geistig nicht abschlaffen.

Dabei gibt es eigentlich nichts zu tun, ausser vielleicht mit einem blauweiss gestreiften Deck Chair dem wandernden Schatten des Sonnenschirms nachzurutschen, die World of Interiors zu lesen, danach ein Königsdrama von Shakespeare, und vielleicht ein klein wenig Bloggen auf dem Thinkpad, wenn grad mal eine WLAN-Verbindung da ist. Aber was soll man schon bloggen, wenn nichts passiert. Besuch kommt erst sehr viel später, wenn es kühler wurde.
Also, wie gesagt, es passiert nichts. Aber die Art, wie hier nichts passiert, ist ganz wundervoll. Kann sich jemand vorstellen, wie so ein heisser Sonntag in, sagen wir mal, Berlin Mitte ist? Lieber nicht, aha, sehe ich auch so.
Also, zumindest passiert hier nichts, woraus man eine gute Geschichte machen könnte. Tschüss. Na gut, ein klein wenig passiert, aber das ist vollkommen bedeutungslos.

So treffen sich die führenden Spiesser dieser kleinen Stadt im ersten Haus am Platz im Sommergarten und laden ihre Kinder ein. Die hat das heisse Wetter aus der grossen Stadt hinaus in die kleine Stadt getrieben hat, wo man am Nachmittag in kleinen Seen nackt baden kann. Und da kann man auch gleich noch den familienbesuch machen, den man so lang vor sich hergeschoben hat.

Die Dachterasse, diese wunderbare Erfindung, die nur jeder 20. Stadtbewohner hat, zieht viele neidische Blicke auf sich, und obendrauf sitzen Menschen, denen es im Schatten von Markisen, Sonnenschirmen und Pflanzen gut geht. Zumal gerade Mittag gegessen wurde, mit frischen Kräutern vom Dachgarten, nicht viel, weil es zu heiss ist, aber sehr gut.

Es wird dafür viel getrunken. Von Mensch und Pflanze. Dabei ist Dünger wichtig. Pflanzen bekommen Pflanzendünger in die Kanne, damit sie die Blätter nicht hängen lassen, und Menschen bekommen Teein, damit sie geistig nicht abschlaffen.

Dabei gibt es eigentlich nichts zu tun, ausser vielleicht mit einem blauweiss gestreiften Deck Chair dem wandernden Schatten des Sonnenschirms nachzurutschen, die World of Interiors zu lesen, danach ein Königsdrama von Shakespeare, und vielleicht ein klein wenig Bloggen auf dem Thinkpad, wenn grad mal eine WLAN-Verbindung da ist. Aber was soll man schon bloggen, wenn nichts passiert. Besuch kommt erst sehr viel später, wenn es kühler wurde.
Also, wie gesagt, es passiert nichts. Aber die Art, wie hier nichts passiert, ist ganz wundervoll. Kann sich jemand vorstellen, wie so ein heisser Sonntag in, sagen wir mal, Berlin Mitte ist? Lieber nicht, aha, sehe ich auch so.
donalphons, 19:11h
... link (16 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 17. Juni 2005
Die Asiatin in der eigenen Wohnung
In der Adoleszenzphase der schlechteren Söhne der besseren Gesellschaft dieser Provinzstadt gab es den Moment, wo sie alle davon träumten. ein Mal, nur ein einziges Mal eine schöne, leere Wohnung zu haben, ein Loft, durch die dann eine traumhaft schöne Asiatin mit undurchschaubarer Zielsetzung, aber vielleicht doch auch Sex, geht und Dinge von existenzieller Bedeutung sagt. Und das Ganze zu Musik aus der Oper Die Wally von Alfredo Catalani...
Es ist nicht so, dass diese Söhne meinten, sich mit einer derartigen Beziehung aus der Spiessigkeit ihrer Heimatstadt herausficken zu können, wo die Zuchtanstalten der Apothekersnachfahrinnen ihrer harrten, es ging auch nicht um das Ausprobieren von Sex jenseits der Stammesgrenzen oder um einen neuen Musikgeschmack. Oder doch, eigentlich ging es genau darum. Das nachzuleben, was man gesehen hatte. Diese Söhne hatte kurz nach 1981 einen Film gesehen, der ihr Leben veränderte. Ein Film voller Figuren ohne Vergangenheit, ohne Charakter, ohne Werte ohne Zukunft ausser Dekor oder Tod.
Diva von Jean-Jaques Beineix, 1980.
Kommt heute um 22.30 Uhr in 3Sat.
Es ist nicht so, dass diese Söhne meinten, sich mit einer derartigen Beziehung aus der Spiessigkeit ihrer Heimatstadt herausficken zu können, wo die Zuchtanstalten der Apothekersnachfahrinnen ihrer harrten, es ging auch nicht um das Ausprobieren von Sex jenseits der Stammesgrenzen oder um einen neuen Musikgeschmack. Oder doch, eigentlich ging es genau darum. Das nachzuleben, was man gesehen hatte. Diese Söhne hatte kurz nach 1981 einen Film gesehen, der ihr Leben veränderte. Ein Film voller Figuren ohne Vergangenheit, ohne Charakter, ohne Werte ohne Zukunft ausser Dekor oder Tod.
Diva von Jean-Jaques Beineix, 1980.
Kommt heute um 22.30 Uhr in 3Sat.
donalphons, 23:33h
... link (5 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Donnerstag, 16. Juni 2005
Right here, right now
19.55 Uhr, Richtung Westen.

Morgen geht es in die Berge.

Morgen geht es in die Berge.
donalphons, 23:56h
... link (2 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Mittwoch, 15. Juni 2005
Finch'han del vino
calda la testa
una gran festa
va preparar....
Oooops, da klingelt es, schon, wer mag das sein? Sollte sie zu früh? Ja bitte...? Oh, ein Leser meines Blogs, nein, du störst gar nicht, sie kommt erst gegen Abend, komm hoch, aber bitte, nein, ich habe Zeit, wirklich, ja, gerne.
Darf ich Dir virtuell einen Tee anbieten? Etwas Konfekt? Bitte... nein wirklich, ich habe Zeit, sie kommt erst gegen 6, aber ich habe schon mal für sie gedeckt, das muss alles ordentlich geplant und ausprobiert werden, denn der Tisch ist klein und das Geschirr ist gross - so sieht das dann aus, biegen muss sich der Tisch, wie man das in Bayern mag - hier in Bayern hält man so gar nichts von den leeren Tischen der nüwäl Küsien, hier gilt der alte Spruch: Wer ko, der ko.

Genauer gesagt, es gilt als Zeichen der Unhöflichkeit, Gäste unter den eigenen Möglichkeiten zu bewirten. Dabei achtet man allerdings in meiner Generation auf eine gewisse Balance; man versucht nicht, wie unsere Mütter das zwischen Kachelöfen und Butzenscheibenimitat betreiben, die anderen durch immer neue, immer prächtigere Gedecke zu beschämen. Da könnte ich Geschichten erzählen, aus dem grossen Probierlweger Rosenthalkrieg Anno 93... schreckliche Zeiten, damals, es ging nur zu Ende, weil die Beteiligten alle irgendwann keinen Platz mehr hatten, sie sind förmlich an ihren Waffen erstickt, und heute ist das ein kalter Krieg, ausgetragen vor den übervollen, extra für 24er Service angeschafften Vitrinen.
Aber es könnte jederzeit wieder losgehen, und erste Anzeichen sind schon da; es wird wohl diesmal auf dem Schlachtfeld des Tafelsilbers ausgetragen. Ja, gut, das ist meine Schuld gewesen, mein Berlinaufenthalt hat die Gewichte in meiner Heimat so verschoben wie die Endeckung des Silberbergs von Potosi zugunsten der Spanier im 16. Jahrhundert. Und das setzt sich gerade endemisch fort; justament gibt es sicher irgendeine Dame der hiesigen Gesellschaft, die ihre verlotterte Tochter in Berlin auf die Flohmärkte scheucht, um mit dem Porcamadonna-Clan gleichzuziehen.
Wie auch immer: Ich finde das lang-wei-lig, die immer gleichen, passenden Strecken Goldrand und Augsburger Faden, klassisch, uniform, fast schon faschistoid, dieser sklavische Zwang, dass alles identisch sein muss. Nebenbei gesagt ist das auch grauenvoll ahistorisch; die vorbürgerlichen Zeiten, denen von den hiesigen Bauern-, Handwerker- und Grattlernachfahren nachgeeifert wird, waren geprägt von einem grossen Durcheinander. Aber für diese Erkenntnis müssten die Spiesser hier sich wirklich mal die Prunkstilleben in der Alten Pinakothek anschauen, und nicht nur am Samstag von Velasquez zu Böcklin rennen, bevor es nach Nymphenburg zum Nippesshoppen geht, oh, schau mal Georg, dieser entzückende Porzellanmops, das wäre doch was für unsere Tochter, oder sollen wir ihr ein paar Serviettenringe mit Blümchen kaufen?
Ich schweife ab, pardon, jedenfalls ist hier alles durcheinander. Ich könnte auch anders, ich habe auch diese riesigen Geschirrsätze, aber ich pfeife drauf, ich nehme die Teller und grossen Platten, die mir mal eine Enkelin eines hiesigen Brauereibesitzers geschenkt hat -nemas des, Herr Porcamadonna, i hob koan Platz mea dofia, do feit scho wos - böhmische Gläser, portugiesische Karaffen - die auch ihre ganz eigene Geschichte haben - eigenes Familiensilber und Berliner Trouvaillen als Besteck gemischt, leichtes für die Vorspeise, schweres für den Hauptgang und Zweizacke zum Aufspiessen der Trauben, gelegt in mexikanische Schalen, dazu ein zarter Art-Deco-Brotkorb, ein englischer Leuchter und schwere Vorlegegabeln von Christofle und das alles auf Leinen aus der Zeit um 1860, und einem Lärchentisch, der 30 Jahre auf einem Balkon stand und davor 60 Jahre in einer Schneiderei... alles hat hier seine Geschichten
So lebt man also in der Provinz. Zumindest bei mir. Es gibt noch ein paar Besonderheiten; ich lege nur das Besteck für den ersten Gang "richtig" hin. Das erleichtert es den Gästen, sich durch das verschiedenartige Besteck zu wühlen. Es gibt nichts widerlicheres als die alten Weiber in der Vorstadt, die extra prächtig decken und sich vor empörter Geilheit gar nicht mehr einkriegen, wenn jemand einen Fehler macht; sei es nun, dass er zum falschen Löffel greift, das Brot mit dem Messer schneidet oder es wagen sollte, jedes Stück, das dort liegt, wirklich zu benutzen. Dann ist das beglückte Getratsche gross, nichts ist schöner als das Runtermachen, und die Dame des Hauses verbreitet, dass der Gast auf der Brennsuppe dahergeschwommen sein muss. Und sie denkt, dass sie ihm in Zukunft vielleicht doch besser silberne Untersetzer unter das Weinglas stellt, man weiss bei solchen Leuten ja nie, ob die nicht alles versauen...
Und das alles von einem dummen Gschleaf, das nicht kapiert, dass seine runden, kurzzinkigen, angeblichen Kuchengabeln eigentlich für Austern gedacht sind. So ist das bei uns in der Provinz. Kein Wunder, wenn man sich hier eigene Sitten erfindet, deren oberster Leitsatz heisst: Anything goes. Solange es nicht von Ikea und Muttern ist (meine Frau Mama ausgeschlossen).
una gran festa
va preparar....
Oooops, da klingelt es, schon, wer mag das sein? Sollte sie zu früh? Ja bitte...? Oh, ein Leser meines Blogs, nein, du störst gar nicht, sie kommt erst gegen Abend, komm hoch, aber bitte, nein, ich habe Zeit, wirklich, ja, gerne.
Darf ich Dir virtuell einen Tee anbieten? Etwas Konfekt? Bitte... nein wirklich, ich habe Zeit, sie kommt erst gegen 6, aber ich habe schon mal für sie gedeckt, das muss alles ordentlich geplant und ausprobiert werden, denn der Tisch ist klein und das Geschirr ist gross - so sieht das dann aus, biegen muss sich der Tisch, wie man das in Bayern mag - hier in Bayern hält man so gar nichts von den leeren Tischen der nüwäl Küsien, hier gilt der alte Spruch: Wer ko, der ko.

Genauer gesagt, es gilt als Zeichen der Unhöflichkeit, Gäste unter den eigenen Möglichkeiten zu bewirten. Dabei achtet man allerdings in meiner Generation auf eine gewisse Balance; man versucht nicht, wie unsere Mütter das zwischen Kachelöfen und Butzenscheibenimitat betreiben, die anderen durch immer neue, immer prächtigere Gedecke zu beschämen. Da könnte ich Geschichten erzählen, aus dem grossen Probierlweger Rosenthalkrieg Anno 93... schreckliche Zeiten, damals, es ging nur zu Ende, weil die Beteiligten alle irgendwann keinen Platz mehr hatten, sie sind förmlich an ihren Waffen erstickt, und heute ist das ein kalter Krieg, ausgetragen vor den übervollen, extra für 24er Service angeschafften Vitrinen.
Aber es könnte jederzeit wieder losgehen, und erste Anzeichen sind schon da; es wird wohl diesmal auf dem Schlachtfeld des Tafelsilbers ausgetragen. Ja, gut, das ist meine Schuld gewesen, mein Berlinaufenthalt hat die Gewichte in meiner Heimat so verschoben wie die Endeckung des Silberbergs von Potosi zugunsten der Spanier im 16. Jahrhundert. Und das setzt sich gerade endemisch fort; justament gibt es sicher irgendeine Dame der hiesigen Gesellschaft, die ihre verlotterte Tochter in Berlin auf die Flohmärkte scheucht, um mit dem Porcamadonna-Clan gleichzuziehen.
Wie auch immer: Ich finde das lang-wei-lig, die immer gleichen, passenden Strecken Goldrand und Augsburger Faden, klassisch, uniform, fast schon faschistoid, dieser sklavische Zwang, dass alles identisch sein muss. Nebenbei gesagt ist das auch grauenvoll ahistorisch; die vorbürgerlichen Zeiten, denen von den hiesigen Bauern-, Handwerker- und Grattlernachfahren nachgeeifert wird, waren geprägt von einem grossen Durcheinander. Aber für diese Erkenntnis müssten die Spiesser hier sich wirklich mal die Prunkstilleben in der Alten Pinakothek anschauen, und nicht nur am Samstag von Velasquez zu Böcklin rennen, bevor es nach Nymphenburg zum Nippesshoppen geht, oh, schau mal Georg, dieser entzückende Porzellanmops, das wäre doch was für unsere Tochter, oder sollen wir ihr ein paar Serviettenringe mit Blümchen kaufen?
Ich schweife ab, pardon, jedenfalls ist hier alles durcheinander. Ich könnte auch anders, ich habe auch diese riesigen Geschirrsätze, aber ich pfeife drauf, ich nehme die Teller und grossen Platten, die mir mal eine Enkelin eines hiesigen Brauereibesitzers geschenkt hat -nemas des, Herr Porcamadonna, i hob koan Platz mea dofia, do feit scho wos - böhmische Gläser, portugiesische Karaffen - die auch ihre ganz eigene Geschichte haben - eigenes Familiensilber und Berliner Trouvaillen als Besteck gemischt, leichtes für die Vorspeise, schweres für den Hauptgang und Zweizacke zum Aufspiessen der Trauben, gelegt in mexikanische Schalen, dazu ein zarter Art-Deco-Brotkorb, ein englischer Leuchter und schwere Vorlegegabeln von Christofle und das alles auf Leinen aus der Zeit um 1860, und einem Lärchentisch, der 30 Jahre auf einem Balkon stand und davor 60 Jahre in einer Schneiderei... alles hat hier seine Geschichten
So lebt man also in der Provinz. Zumindest bei mir. Es gibt noch ein paar Besonderheiten; ich lege nur das Besteck für den ersten Gang "richtig" hin. Das erleichtert es den Gästen, sich durch das verschiedenartige Besteck zu wühlen. Es gibt nichts widerlicheres als die alten Weiber in der Vorstadt, die extra prächtig decken und sich vor empörter Geilheit gar nicht mehr einkriegen, wenn jemand einen Fehler macht; sei es nun, dass er zum falschen Löffel greift, das Brot mit dem Messer schneidet oder es wagen sollte, jedes Stück, das dort liegt, wirklich zu benutzen. Dann ist das beglückte Getratsche gross, nichts ist schöner als das Runtermachen, und die Dame des Hauses verbreitet, dass der Gast auf der Brennsuppe dahergeschwommen sein muss. Und sie denkt, dass sie ihm in Zukunft vielleicht doch besser silberne Untersetzer unter das Weinglas stellt, man weiss bei solchen Leuten ja nie, ob die nicht alles versauen...
Und das alles von einem dummen Gschleaf, das nicht kapiert, dass seine runden, kurzzinkigen, angeblichen Kuchengabeln eigentlich für Austern gedacht sind. So ist das bei uns in der Provinz. Kein Wunder, wenn man sich hier eigene Sitten erfindet, deren oberster Leitsatz heisst: Anything goes. Solange es nicht von Ikea und Muttern ist (meine Frau Mama ausgeschlossen).
donalphons, 16:41h
... link (8 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 14. Juni 2005
Für Andrea
Bayerische Biergärten haben ausserhalb von Bayern einen etwas derben, rustikalen Ruf, man erwartet darin Lederhosen und Kampftrinker, Fingerhakler und Schnauzbartträger. So zumindest das Bild, das multinationale Braukonzerne von den zwei an und für sich überhaupt nicht idealtypischen Biergärten am Chinesischen Turm und beim Parkcafe in München verbreiten. Der Chinesenturm ist touristisch verseucht, und wer beim Parkcafe an den Holztischen sitzt, sollte bedenken, dass sich darauf über fast 10 Jahre eine ganze Generation Münchner Jeunesse Doree nächtens die Seele aus dem Leib gekokst und gefickt hat, schliesslich konnte man das in der damals angesagten Disco Parkcafe schlecht auf dem Klo tun ... und bei zweiterem weiss ich, wovon ich rede, und dann erst der Brunnen im Sommer - wie auch immer, das sind keine echten Biergärten.
Das hier schon.

Das hier ist einer der schönsten Biergärten, die ich kenne. Am alten Graben meiner Heimatstadt gelegen, wo es Enten, Schwäne, Pfauen und im Wasser fette Hechte und Karpfen gibt, alles wohlgenährt vom Bürgertum, das hier sein altbachanes (wie heisst das auf Schriftdeutsch) Brot zum Gaudium der Tierwelt verwendet. Auch im Hochsommer ist es kühl, die Kinder der hier sitzenden Twentysomethings werden auf dem Spielplatz entsorgt. Nur ab und zu fällt eines hin, dann gellen die Schreie durch die hohen Bäume und die konkreten Stahlkunstwerke, die die Stadt im Überfluss besitzt und die hier praktisch versteckt werden. Dann beginnt das Gerenne, aber sonst ist es ruhig. Und das alles nur 5 Minuten von meiner Wohnung entfernt.
So ist das hier, im Biergarten. Damit Andrea das auch mal sieht (Wir hatten hier vor einer Woche eine Blogger-Convention).
Das hier schon.

Das hier ist einer der schönsten Biergärten, die ich kenne. Am alten Graben meiner Heimatstadt gelegen, wo es Enten, Schwäne, Pfauen und im Wasser fette Hechte und Karpfen gibt, alles wohlgenährt vom Bürgertum, das hier sein altbachanes (wie heisst das auf Schriftdeutsch) Brot zum Gaudium der Tierwelt verwendet. Auch im Hochsommer ist es kühl, die Kinder der hier sitzenden Twentysomethings werden auf dem Spielplatz entsorgt. Nur ab und zu fällt eines hin, dann gellen die Schreie durch die hohen Bäume und die konkreten Stahlkunstwerke, die die Stadt im Überfluss besitzt und die hier praktisch versteckt werden. Dann beginnt das Gerenne, aber sonst ist es ruhig. Und das alles nur 5 Minuten von meiner Wohnung entfernt.
So ist das hier, im Biergarten. Damit Andrea das auch mal sieht (Wir hatten hier vor einer Woche eine Blogger-Convention).
donalphons, 20:04h
... link (35 Kommentare) ... comment
... nächste Seite



