: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Samstag, 23. Juli 2005

Fensterln

Einer meiner Hausweinstöcke beim Fensterln bei der Elitessa Officinalis Domestica.



Typisch Italiener... Dieses Jahr mit enorm vielen blauen Trauben. So ist das hier im Süden, im italienischen Vorhof, wo sich die Italiener auf Italiener über die Strasse was auf Italienisch zurufen. In acht Wochen ist dann Erntezeit.

Früher, im Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert gab es an vielen Häusern der Stadt Weistöcke; die beiden bei uns sind die letzten Exemplare in der Altstadt, was dazu führt, dass das Haus sowohl unter Denkmalschutz steht, als auch als Naturdenkmal geführt wird. Wenn ich nicht Antialkoholiker wäre, würde ich vielleicht sogar mal versuchen, meinen eigenen Hauswein zu keltern - Name hätte ich schon: Valle de Danuvia Elitessenblut.

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Sonntag, 17. Juli 2005

Objekt der Begierde: Soooolche Erker, Mann...

Irgendwann werde ich fertig sein mit unserem Monstrum. Dann ist es Zeit, das Imperium des Clans wieder in alte Grösse zurückzuführen, nachdem von den früher mal vier Altstadthäusern nur noch zwei - Stadtpalast und Hinterhaus - im Familienbesitz sind, und der Rest zugunsten von Vorortscheusslichkeiten verkauft wurde. Es dreht mir jedesmal den Magen um, wenn ich sehe, was die verkauft haben, auch, wenn ich noch gar nicht gelebt habe, als das passierte. Wie auch immer - irgendwann, in nicht allzu langer Zeit vielleicht, wird das Haus in der Mitte zu verkaufen sein.



Man muss es sich restauriert vorstellen können. Natürlich nicht totsaniert, sondern behutsam erneuert, was unvermeidlich ist. Das Dach, die Fenster, die charakteristischen grünen Holzteile auf jeden Fall so lassen. Nur den Rost weg, das Dach ausbessern, streichen, den Putz sichern. Es hat im Verhältnis zu seiner Grösse den grössten Erker der Stadt, und schon als Kind hätte ich das gern gehabt.

Es ist sehr klein, 100 Quadratmeter, die ideale Beschäftigung für einen Sommer. Und durch die alten Scheiben hat es sicher ein wunderbares Licht in allen Räumen.

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Nachtarbeit

Im ersten Tageslicht, nach langen Wochen, war der Raum, der in wenigen Wochen meine Bibliothek sein wird, heute morgen dann zum ersten Mal fast leer.



Nicht ganz, denn: Ein Filmteam war der Meinung, dass der Raum ganz vorzüglich für einen Kurzfilm über das Leben von jungen deutschen Arbeitslosen taugen würde, und das, nachdem der Raum 30 Jahre leer und voller Gerümpel gestanden hatte. Und sie wollten ihn genau so, mit zerissenen Tapeten, 60er-Jahre-Fussboden, 50er Jahre Tische (einen wollen sie übrigens auch gleich haben, wenn möglich, so coooool), und der Resopalküche.



Es kann schon stimmen, Ingo Niermann hat in Minusvisionen einen ähnlichen Raum im Besitz von Unternehmern ohne Geld beschrieben. Damit enden aber auch schon die Gemeinsamkeiten; wenn sie morgen fertig sind, wird die Decke abgezogen, verspachtelt, und dann kommt auch schon am Montag der Stuck an die Decke. Und spätestens von da an würde es sich nicht mehr als Kulisse eignen.

Hoffen wir mal, dass die junge Regisseurin das Material wirklich im Kasten hat und nicht nachdrehen muss. Falls sie in drei Wochen auf die Idee kommt, doch nochmal einen Take zu brauchen, müssen die Charaktere irgendwie schlüssig erklären, warumn sie dann plötzlich auf Seidenteppichen auf Louis-Seize-Möbeln sitzen, und ihre Töpfe in chinesischen, hochglanzpolierten Lackschränken aufbewahren, die im Licht des Kronleuchters schimmern.

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Sonntag, 10. Juli 2005

Gelbe Organzaseide

oder wie ich n ochmal nach Berlin komme - das geht so: Eigentlich komme icfh nur, um den Umzug in Form von 5 zurückgebliebenen Bürostühlen eines guten Herstellers und eines fast bankrotten Vorbesitzerfirma abzuholen. Und ein wenig Haifische durch das Riff mit seinen Immobilienwracks und Haifischmeetings zu kutschieren, nebst einigen kleinen Plünderungszügen durch die seichten Gewässer der Antikhändler. Eigentlich sind das reine Synergien, man fährt durch die Gegend, bepackt den Wagen, geht Abends aus, und wenn man am GBrillgestank nicht erstickt und um Mittag dem Betrunkenen auf der Strasse ausweicht und die Gang sich lieber mit den Russen prügelt und einem keiner die Reifen schlitzt oder eine Bierflasche drunter stellt -

dann kommt man unter Erreichung der selbstgesteckten Ziele schnell und unkompliziert nach Hause. Das geht so lange gut, bis man sich einen Sessel und einen dazugehörigen Pouf aus den 50er Jahren kauft, der ohne jede Frage vernünftig argumentiert werden kann, der Sinn macht, und der das Auto genau da vollmacht, wo die Stühle, die Ursache der Reise liegen sollten - quer hinten über dem Hutschenreuther-Service "Margarethe" für 12 Personen und unter dem gut 200 Jahre alten venezianischen Spiegel, die erst gekauft wurden, als es wegen dem gelben Sessel aus gelber Organzaseide ohnehin schon egal war.

Man kann das alles so erklären, dass man Berlin ausplündert, und die Goten ja auch öfters die römischen Provinzen heimsuchten. Am Ende steht aber immer die Erkenntknis, dass man nochmal hierher muss, früher oder später. Und man braucht eine gute Erklärung daheim. Zu sagen, dass andere ihr Geld verrauchen, mit Freundenmädchen durchbringen oder in stinkenden Alkoholikaresten ins Klo kotzen, mag vielleicht bei einer Berliner Familie ziehen - dummerweise ist dergleichen in den besseren Vierteln der Provinz kein anerkanntes akulturelles Phänomen.

Da hilft nur irgendwo verstecken - aber wo versteckt man einen kanariengelben Sessel und Pouf aus Organzaseide?

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Donnerstag, 7. Juli 2005

Weites Land

Gerade hier und jetzt.



Morgen Berlin. Dann Dirt Pics, nix Himmel.

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Mittwoch, 6. Juli 2005

ICH werde mit denen nichts machen,

sagte der Kanzler. Kann schon sein, dass er keine Lust hat, mit denen links von ihm in ein Koalitionsbett zu steigen. Kann gut sein, dass er es nicht macht. Aber wenn es eine Mehrheit von Rot, Rosa und grünen FDP-Ersatzstoffen gibt, hat die SPD die Wahl, als Juniorpartner von Bad Mama merkel an die Wand gedrückt zu werden, was bei genauer Betrachtung auch für Masochisten kein Vergnügen wird - oder alle beissen in den weniger sauren Apfel, die Linkskoalition kommt (nachdem alle Gespräche über eine grosse Koalition gescheitert wurden), und Schröder tritt ab.

Ich, sagte Schröder. Er, nicht die SPD. Jetzt heisst es abwarten, ob die CDU-Umfragewerte so fallen, wie die Mehrwertsteuer steigen soll. Und wie lange der Möllewelle bei seinem lauwarmen Geschwalle bleibt, bis er dann in den nächsten Fettnapf trampelt.

Nicht, dass ich Lafontaine und Gysi allzu toll finde. Aber ich komme aus einem land und einer Stadt, wo immer nur die CSU geherrscht hat. Ich habe als Bayer ein gottverdammtes Recht darauf, zumindest im Bund von einer linken Koalition verarscht zu werden.

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Montag, 4. Juli 2005

Den Gerhard hassen

oder nicht hassen, das ist hier (und auch bei mir ab und zu) die Frage. In der Regel reicht ein Blick in den Merkelschen Gesichtsersatzhautsack, um die Frage per Vergleich zu beantworten.

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Sonntag, 3. Juli 2005

Und führe mich in Versuchung

Wer glaubt, das Internet sei ein Hort des Wissens oder der Bildung, sollte sich mal mit einem Thema wie dem Manierismus der zweiten Schule von Fontainebleau auseinandersetzen. Oder ganz generell mit dem Einfluss der französischen Hofkunst auf die Flamen des 17. Jahrhunderts. Ein grosses, wichtiges Thema. Das Netz weiss nicht mehr, als ein x-beliebiges Kunstlexikon vom Ramsch. Die Suchfunktionen bringen nichts, Null, Nada, und Wikipedia ist ein schales Infobröckchen.

Und trotzdem hänge ich seit Wochen in jedem freien Moment im Netz über dieser Frage, suche nach Vergleichen, die ich nicht kenne, denn nichts anderes findet in meinem Kopf Platz. Schon seit Monaten. Seit Monaten denke ich an ein Paar aus dieser glanzvollen, grausamen und niederträchtigen Epoche, an einen Moment das Ruhe, der Zuneigung und der Liebe, eingefangen vor 400 Jahren und auf ein Stück Holz gebannt. Dann wohl lange vergessen, irgendwo im Dunkeln aufgehängt und jetzt bei einem Kunsthändler gelandet.

Da hängt es jetzt schon seit einem halben Jahr. Ich bin zufällig drübergestolpert, als noch nicht mal sicher war, dass es zu verkaufen ist. Dann stand ein Preis im Raum, der meine für Hofkunst etwas bescheidenen Mittel sprengen würde wie eine Kanonenkugel der Bartolomäusnacht einen Haufen Hugenotten. Dann kamen da viele vorbei, von denen ich sicher war, dass sie es kaufen würden; es gibt nicht oft die Gelegenheit, in Deutschland so etwas zu erwerben. Vielleicht haben die ihr Wissen nur aus dem Netz; jedenfalls blieb es zu meiner grossen Überraschung liegen. Und jetzt ist der Preis in Regionen, die es mir tatsächlich gestatten, darauf ein Gebot abzugeben. Ob es angenommen wird, weiss ich nicht.

Vielleicht liegt es am Sujet. Wer sich auskennt, weiss um die lockeren Sitten der Zeit, in der die Ehe dynastischen Überlegungen und der Sex einer für heutige Vorstellungen unfassbaren Promiskuität geschuldet war. Die Körperlichkeit der Kleidung, ihr Reichtum und die Offenheit der Gesten verraten alles, und das passt schlecht zur toitschen Vorliebe für kernseifesaubere Riemenschneider-Madonnen und die verklemmte Sexualität der Rokoko-Putti. Die Geisteshaltung der Dargestellten, für die ein fronverweigernder Bauer nur ein Stück Vieh war, das man zwischen amurösen Abenteuern abschlachtete, möchte ich mir keinesfalls zu eigen machen. Das Bild ist nur im Geschlechtlichen aufgeklärt und offen, aber allein die vibrierende Erotik kurz vor der Annahme des Liebessymbols macht es begehrenswert. Man beachte die Haltung der Finger und der Körper, die Lage der Hände, die Berührung, das sanfte Streicheln, die Blicke, diesen immer gleichen Moment zwischen Hoffnung und Erfüllung, der uns über die stinkenden Kleingötter und ihre Veführung von Fron, Ausgezehr und Entsagung erhebt.

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Samstag, 2. Juli 2005

Leserversuch

Am Anfang stand das Wort "Grossraumdisco" von Mark793. Er meinte damit dieses Blog hier, und es hat eigentlich nur etwas bestätigt, was mir schon länger im Kopf herumging: Dass in diesem kleinen Punkrockclub viel anders geworden ist. Zumindest war es mal als kleiner Punkrockclub gedacht, und es hat auch eine Weile ganz prächtig so funktioniert. Das war in der Zeit vor dem Winter, bevor hier die grossen Sprünge bei den Nutzerzahlen kamen. Ich hatte beim Lesen mancher Kommentare und vom Hörensagen her den Eindruck, dass eine gewisse verzcihtbare Klientel hier täglich reinschaute. Leute, mit denen ich noch nicht mal auf dem gleichen Friedhof begraben sein möchte. Sickos, die das hier als Feindbeobachtung lesen - hey, wenn ich Euch für ein Arschloch halte, lese ich Eure Blogs nicht, so einfach ist das, Ihr Pfeifen.

Die Begründung für den hohen Traffic muss nicht monokausal sein, gab auch andere Erklärungen - etwa der aggressive Tonfall, das ständige Herumhacken auf Berlin, jede Woche ein Eklat, all das könnte Leser anziehen, meinten verschiedene Leute. Als ich Berlin dann verlassen habe, war es Zeit für ein Experiment, Codewort "Leservergraulung". Im Kern steht die Frage: Was passiert in so einer Grossraumdisco, in die Leute über Monate wegen der immer gleichen Musik kommen, wenn der DJ ein anderes Programm fährt? Was geschieht, wenn statt dem Dreck auf den Strassen Empiremöbel ins Zentrum rücken, wenn der Hass einer gewissen Zufriedenheit weicht, wenn der Autor seine Lebenswirklichkeit radikal umstellt, vom Beobachter des riesigen Slums Berlin, das jeder kennt, hin zum Rückkehrer in eine kleine Stadt und zu ihren oberen 10.000, einer Klasse, die keine Ahnung von Blogs hat? Und was passiert, wenn die Leser nicht dreimal täglich gross und dazwischen mit Kommentaren gefüttert werden, sondern nur einmal am Abend mit einem längeren Text, wenn der klassische Cyberslacker längst vor der Glotze hängt?

Was also machen Leser, wenn sie statt einer fiesen TAZ plötzlich eine mitunter gemeine Version der World of Interior erhalten? Wie reagieren Zuhörer, wenn die massenkompatible Morningshow ausfällt und statt dessen am Abend die wüstesten Szenen der italienischen Opera Buffa gesendet werden? Nach der klassischen Medientheorie müssten die allermeisten wohl abspringen, und die Cyberslacker mit den RSS-Feeds, die jeden Morgen hier ihr Bröckchen holen, müssten verschwinden.

Nach fünf Wochen habe ich tatsächlich etwa ein Viertel des Traffics unter der Woche verloren; am Wochenende ist weniger als 20%. Was definitiv eingebrochen ist, ist der morgendliche und frühnachmittägliche Besuch, den man relativ leicht mit Postings steuern kann. Das dürften vor allem die RSS-Cyberslacker gewesen sein, die nur kommen , wenn etwas los ist. Um die tut es mir, offen gesagt, nicht wirklich leid, genausowenig wie um die 50 oder mehr Leute, die dann weniger über die Blogger.de Startseite kommen. Ein Teil des Rückgangs ist sicher auch dem Wetter geschuldet - es wäre ein bedenkliches Zeichen des Geisteszustands der Leserschaft, wenn ihnen bei diesem Bombenwetter nicht manchmal was Besseres als Blogs lesen einfallen würde. Es gibt etwas weniger Kommentare, aber im Schnitt etwas gehaltvollere Debatten. Die Verlinkung hat nachgelassen - wohl eine Folge davon, dass vielen Bloggern zu den neuen Themen nichts einfällt. Kein Problem, im Gegensatz zu manch anderen schätze ich die Bedeutung der Verlinkung in der Blogosphäre ohnehin nicht als besonders wichtig ein. Echte Relevanz entsteht meines Erachtens durch die schwer analysierbare qualifizierte Leserschaft. Die Leute, die so oder so kommen, und nicht, weil es gerade modern oder Hype oder Skandal oder die durch Kleinbloggersdorf getriebene Sau oder verlinkt ist - btw, einen Link beim Neuköllner Schrottquellenverbreiter zu bekommen ist ähnlich relevant wie ein gekritzelter Name an der Wand eines Autobahnklos.

Qualifizierte Leserschaft: Etwa drei Viertel der Leser lassen sich aber weder durch längere Texte noch durch geänderte Zeiten oder neue Themen oder meine Abwesenheit oder das Fehlen von Krawall davon abhalten, das hier zu lesen. Sie kommen einfach so, egal wann und wie ich schreibe, auch, wenn es mal komplex ist oder einfach nur arroganter Scheiss - und das entspricht schon wieder eher meiner Vorstellung von einem Punkrock-Schuppen. Und wenn das so ist, kann ich auch mit dem immer noch recht hohen Traffic leben.

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Mittwoch, 29. Juni 2005

Ficken in Zeiten der Bruthitze

Aus der Abteilung relevante Fragen, die niemand öffentlich stellt. Wo fickt man mit der neuen Eroberung bei mehr als 30 Grad?

Im Bett? Zu heiss, schlecht wegen der Schweissentwicklung jenseits von Blümchensex.

Auf dem Teppich zwischen zwei geöffneten Fenstern? Kurzfristig ok, langfristig zu hart und etwas niedrig.

Auf der neuen Klavierbank zwischen den Fenstern? Viel zu klein für längerfristige Aktionen. Auch nicht wirklich weich.

Trotzdem Bett und dann Dusche abwechselnd? Zu abgehackt, schräger Rythmus.

Auf der Dachterasse? Halbwegs blickdicht und kühl, aber schlecht bei Geräuschentwicklung.

Im Keller? Ich habe auch noch einen Keller aus Jurabruchsteinen, in dem früher Bier gekühlt wurde. Da hat es immer unter 20 Grad, niemand hört dich schreien: Leider ist das auch unvermeidlich, sei es nun wegen der Spinnen, den Ratten oder einfach dem Grabstein, den jemand mal hierher gebracht hat. Der dann auch als Unterlage herhalten müsste, auf dem Boden liegt der Schutt der Jahrhunderte.

Schwierig.

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